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Jüdische Rundschau · 1934-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Max Brod wulltc stets, daß cs!;«solches Problem gibt, und es wird daher für ihn vielleicht!1'1,m1 r/lieli, aber (loch aus Verständnis der Zusanimcnliiiitj^c ulrliter tragbar sein, wenn man in^ 1 )cutsrlilaml heute von ,,jncin 50• Geburtstag (21: Mai) keine Notiz nimmt. ’ Wir Juden aber, wir Zionisten können diesen Tag nicht ״)riilHU'elieii lassen, ohne Max Br ad ein Wort des Dankes ’ j (iliickwimschcs 711 sagen. ,Max Brod stellt auf der Höhe seines Lebens und kann ן rin überaus reiches literarisches Werk zurückblicken. * Dichter von mindestens einem nutzend großer Rnmanc, js hniker voll Leidenschaft und Formgefühl, als Essayist [.‘Jfl einer seltenen Prägnanz, und schließlich als ein pli’ilo- ,״״hiscli bewegter Kopf bat er sieb eine einzigartige Stellung erruncen. Aber man kann von Brod und seinem Werk nicht;״;cclieii, ohne nicht sofort seines Judentums zu gedenken. Demi sein ganzes Denken junl Dicbtcn ist erfüllt ״ז" jüdischen Impulsen; und es ist nicht ein verstecktes {!iilfiilimi, das mau — wie bei iiuiihIh'iu anderen Schrill- *•Iler — ,erst mühsam licrnusaiialy.xicrcn miillte, sondern 51011 ist sich bereits in relativ frulier Zeit seines Schaffcns der Tragweite der Tatsache seines jiidischen Wesens bewußt!(worden. Wir meinen das nicht in dem äußerlichen Sinne, 515 er Gestalten seiner frühen Romane dem jüdischen Milieu f9t11,ihm (״Jüdinnen“, ״Arnold Beer“); vielmehr hat Brod entdeckt, da 11 die Fragen, die ihn bewegen, quälen, zutiefst lafrutireu. altes jüdisches Erbgut sind, jene ״alte Frage״, an jer sieh (ieuerationen von Juden den Kopf zermartert haben •11a die letzten Fndcs dem Verstand unzugänglich, nur durch Oclulil und (ilatiheii überwindbar ist. Die ethischen und metaphysischen (i r u 11 d f r a ge 11 der menschlichen ן dstcii/ durchziehen Brotls ganzes I )eiiken und Dichten und ,;ul das geheimnisvolle (inimlmotiv aller seiner Werke, um,■111er gesagt: die Frage nach der Rolle des Bösen .;liier Welt, im göttlichen I leilsplan. Der alte jüdische 5.11/, daß der ״böse Trieb“ ein Fundament der Welt ist, wird von Brod in allen möglichen Gestaltungen .־!!)gewandelt. In seinen bedeutendsten Werken treten einander die zwei (inmdtvpeii gegenüber: der innerlich zerrissene, den Anklmiiißi'ii des Bösen preisgegebeue uiul ihnen stets wieder (fliegende Kampfer, imd der begnadete, nachtwandlerisch ,1» (inte trcttcude ״Heilige“. Fs ist die Gegenüberstellung mn Tvclio liralie und Kepler, von Röiitieni und Moleho; und dis 1111/ des Dichters ist bei dem Siimler, der sich zum Hneln-tcn erst iluicliringeu muß. Brod weiß, dalt dazu die Krall der Liehe gehurt, und der gegenseitigen Hilfe von Mensel! zu Mensch, und daß sclilicltlich die Lrlösung ein tt'crk der Gnade ist. Max Bmds beste Gestalten sind Verkörperungen von ideen und Künder von Ideen. Aber er selbst ist ein rin-;cn 11 er Atens cli, aus seinen Gestalten spricht oft er selbst — manchmal sogar allzu deutlich. Fr dialogisiert sein eigenes Denken. So ist am aufschlußreichsten für sein ganzes Schaffen das nach dem Tvclio liralie entstandene große HjupHvcrk 1־1״ e i d e 111 u 111, C 11 r i s t e 111 u 111, J u d c 111 u 111". Den Leitfaden zu einem Verständnis der drei großen Reli-;inn-hpeu gibt die von Brod gefundene fruchtbare Unter- Scheidung /wischen ״edlem“ und ״unedlem“ Unglück (später fortgesetzt in der ״Zweigleisigkeit“ des Stephan Rott). ״fidles“ t'iigluck ist das durch menschliche Mittel nicht behebbare :;HUpliisFclie Leiden der Kreatur, auf dessen Sinn in der Religion die Antwort gesucht wird. ״Unedles“ Unglück bin-;111׳n ist das von Mensebeit in ihren sozialen Beziehungen silhd verschuldete und datier auch behebbare Leiden. Wäll- Mid mm nach Brod das Heidentum sozusagen nur unedles Unglück kennt, das Ulirisieutum jedoch für alles Leiden die Rettung im Jenseits sicht (also nur ,,edles“ Un-;lack kennt), betrachtet Brod das Judentum als die Rctipoii, die ein waches Bewußtsein für rille Diesseits-Probleme ®i! die sieh aus diesen für die Menschen und die Gemein- >chaft ergehenden Pflichten mit dem (ilauben an die gött• alle lleilstat durch die Gnade verbindet. Diese Konzeption «ird durch eine Reibe von Auseinandersetzungen mit führen־ den Denkern und durch Zitate aus Bibel und Talmud erfwiet. Das ״I) i e s s e i t s- W u 11 d e r“, auf dessen Ancrkt'iimn; das Judentum sich aufbaiit, ist die Liebe. Brod ver- ■1uclit in diesem Huche eine neue geistvolle Umarbeitung der?nlleii hiblisc'hen Liebesilielilung, des Hohen Liedes, zu;eben. Auch jüdisch-politische Probleme sind für Brod nicht von den ethischen zu trennen. Fr durchschaut die Schwäche und Venvoi(enlu’it der abgcfatlcuen jüdischen Generation uiuHveiß, Mcvicl von dem jüdischen Leiden auf eigene jüdische Schuld Jiirück/nführen ist. In seinem Drama ״Eine Königin Esther“ ■iflf er II,•miau, das Sinnbild des Judenfeindes, einen Juden sein. Die Königin Esther seihst gellt zu ihrem Volk, uin cs zu Ich- ״״,dieses Fest — das Purimfest — nicht zu feiern. Brod weiß “n das beglückende Erlebnis des Zuriickfindens zum Volk, ln ‘«in seiner Gedichte heißt es; Die ihr au llerkigen Kalfeilimrlisetien Den (,iiialm von lauwiul Näclilrn lau beseelt, AI 11 (Hern li.nnigrn und 1111 ׳ u tih*ri •chen \cttm!,.11m1״,H׳n etieli und nlic (piiill. Wenn groll (1,1 s Moigmrol golden, P1t>1׳r lerien (hosvu t׳nvar!1l, tlahl ihr mich hiem.tls tleu holden Gedanken ״Volk“ gedacht. . Aber so wichtig das Bewußtsein des eigenen Volkstums ך das Volk ist doch mir Glied der Menscl1t'׳׳it, der Natio* jmisinus ethisch nur berechtigt in einem kultarell-geistiRcn ״ln״. nicht als ein Element der Uehcrliebung und des Kampfes WEG andere. So dichtet Brod: ״Du hisl’s, mein Volk, Ihr seid es, Menschen alte, — — Denn allen ward Verlicil'ung eiiigepflanzl, tu atlen glimm! es und w!H ikullioh wcident“ , J11 dieser Beleuchtung sieht Brod auch den Zionismus. Die ״zinleit Probleme des künftigen jüdischen Gemeinwesens wer- Jn hir ihn der Prüfstein der jüdischen Wiedergeburt.. In sei- F."1, 1 v ״ ־<'׳Sozialismus im Zionismus“ setzt er sich mit GK'nsehalt für die Ideen Jose( Poppers ein, dessen System «kanntlieh darauf abzielt, durch die Form der ״allgemeinen 1.״1״Pflicht“ jedem Volksgenossen das Minimum an Lebenstim , *יי s'chcrn, ohne doch die freie schöpferische Entfalu/,1 “cs Individuums zu hemmen. Der Zionismus muß eine ,.'״anschamuig, der Ausgangspunkt für eine men schfl« Erneuerung auf allen Gebieten des Lebens sein. Heln imd lieben ist die Aufgabe, und kein härteres Wort kann bh. ilk i.abgefallenen Juden“, die ihre Pflichten vergessen ״ן, "• *iisspredtcn als den ״Chor von Geisterstimmen“ ertönen p c'^'ilie, nicht genug geliebt . . .1“ , «. hin Nationalismus der Liehe gibt auch Verständnis für ״Gutes Volkstum, viel mehr als das blinde, steh selbst nicht acl!lende Assimilaiifeutiim. Schon Im Jahre 1013, als die Diskussionen, die heute die ganze Öffentlichkeit erfüllen, noch »ehr seilen waren, schrieb er in seinem Aufsatz. ״Der jüdische Dichter deutscher Zunge“; .!!ס ist imlne Meinung. d«ß auf dem Wege tiefer jüdischer Na!ioii.ili'iiipfimliiiig <i11n jüilisrlicn Dichter deutscher Ztiuje ׳um er sie» Male Zuliii! zum wahren Volkxgrisl ermöglicht wird. Denn die l' i'eude am eigenen Volkstum ist der Freude «in fremden Volkstum verwandter als die versuchte Erschleichung fremden Volkstura.,‘1 Brod war vor einigen Jahren in Palästina, er hat einen Ausschnitt aus palästinensischem Leben in seinem Romart ״Zaubcrreich der Liebe“ nachzubildcn und zu deuten unternommen. Fr war nie verblendet von nationaler Eitelkeit, hat die Schaftenseilen des eigenen Volkes mit offenen Augen gesehen und fühlt die Problematik mancher Erscheinungen bei der Verwirkliclumg des zionistischen Traumes. Wir danken es ihm, daß er, der Dichter, kein Mann der Parleisehablone ist. Denn gerade von dem Didtler wollen wir aufgeriittelt und nicht beruhigt sein. Max I!rod stellt mitten in neuer Arbeit. Sein Heine-Bttcli, aut das man gerade mit Rücksicht auf Brods mehr als zwanzigjährige Bescluitligung mit dem Problem ili's ״jüdischen Dichters deutscher Zunge“ gespannt sein darf, wird sicher eine Fülle von Klärungen und Anregungen bringen. Wir können dom Dichter und Freund zu seinem 50. Geburtstag wohljüchts anderes sagen, als daß wir mit Freude und Erwartung seinen weiteren Arbeiten entgegenscheii und glauben, dall er uns noch viel zu sagen hat. R, W. Wie uns initgelcilt wird, hat das Deutsche Theater in Prag anläßlich des 50. Geburtstags Max Brods dessen Drama ״Lord Byron kommt aus der Mode“ mit Ernst Deutsch in der Titelrolle aufgdiihrt. Dasselbe Drama nebst einem Vortrag über Brod wird am 25. Mai vom Prager Rundfunk (deutsch) gesendet. 111 Prag fand bereits eine von Fritz Baum veranstaltete Brod-Fcicr statt, bei der nach einem Vortrag von Dr. Felix Weltsch über die Philosophie des Dichters A. Marie aus Werken Brods vorgelesen hat. Auch die Zionistische Orgnnisation in Prag bereitet eine Feier vor. Demnächst wird eine Sainmelsclirift zu Fhrcn Max Brods in der Form eines Jüdischen Almauaclis erscheinen. Max Brods letzter Roman ״Die Frau, die nicht enttäuscht“, der auch in der ״Jütl. Rundschau“ gewürdigt war, erschien soeben im 5. -8. Tausend. Wie wir weiter erfahren, arbeitet der Dichter außer an einem geplanten Plato-Buch jetzt seit etwa einem Jahre an einem Buch ״Heinrich Heine. Jüdisches Schicksal als Schicksal eines Dichters“, Von Dr. 11 a n s Licht w i t z, Prag. Max Brod ist Zionist. Wenn wir heute zum 50. Gdnirtstag Max Brods diesen vielseitigen Menschen, der jung und schaffend milton unter uns weilt, als Dichter, Philosophen, Musiker, Kritiker werten und würdigen, so erfüllt es uns mit Stolz und Freude, daß wir sagen können: er ist Zionist. Max Brod kam zum Zionismus als reifer Mensch. Int Jahre löio fiel ihm bei einem Besuche in der Wohnung seines Freundes Hugo Bergmann, den er in einem Philo* sophen/irkei kciinengclernt hafte, ein Bild I Icr/Is auf. Hugo Bergmann informierte ihn über die zionistische Bewegung und gab ihm einige zionistische Schriften zum Lesen. Die zionistische Idee sprach in den einfachen und reinen Worten Mcrzls zu Brod und fand hei ihm ehrliches Gehör. Er begniigtc sich aber nicht mit einem bloßen Bekenntnis; er entfaltete bald aut zionistischem Boden eine fruchtbare Agi* litiit. Im Studenten verein Bar Kochlia, in den Brod geladen wird, hält Marlin Hu her seine Reden über das Judentum. Line westjüdische Generation findet mm auch innerlich heim zu ihrem Volke, darunter Max Brod. Der Krieg bricht aus, die zionistische Bewegung droht auseiiianderzufallen. Da tritt Brod in das zionistische Distriktkomilcc ein und entfaltet fortab weitreichende Aktivität. Ein Strom von Flüchtlingen kommt nach Prag, bedarf der Hilfe tmtl Beratung. Brod lernt, xvic viele andere, zum erstenmal das O s t j u d c n t ti m kennen und sucht, wie wenige andere, es auch wirklich zu verstehen. Er knüpft freunds liaftliche Beziehungen zu chassidischcn Rabbinern an, die ihn zu den tielcrlicgcndcn Quellen und Schätzen des Ostjudcnttims führen, sucht die engen und dürftigen Behaustingen der Flüchtlinge auf, nicht als hochmütiger Gönner und Besser-Wisser, sondern als mitfühlender Freund, unterrichtet in der Schule für I liiclülitigskimler eine Mail lienklasse in Literatur und jüdische Geschichte in einer Weise, die für die meisten der Schülerinnen als ein zentrales Erlebnis auch heule noch, nach beinahe zwei Jahrzehnten, nachwirkt. In seinem llcinewcrk, an dem Brod gerade arbeitet, versucht er eine Parallele zwischen den jüdischen Mädchen und Frauen der Berliner Salons zur Zeit Heines und seiner Prager Fliichtlingsmädehcnklasse zu ziehen, die zum Teil wie jene aus einem durchaus entnationalisicrtcn AAi'ieu - Westgali/icu — stammte, Mädchen, denen der Zionismus, der dieser jungen Generation in jenem Literatur- und Geschichtsunterricht von Brol nähergebraclit wurde, Halt und Orientierung zu geben vermochte, wodurch sich ihr weiterer Weg grundlegend von dem ihrer Vorgängerinnen der Heine-Periode unterschied. Draußen aber brach eine wüste Hetze gegen die ostjüdischen Flüchtlinge los; selbst in jüdischen Kreisen legte man vielfach Wert darauf, sich von den ()stjudeii, über die man sich so erhaben dünkte, zu distanzieren. Da trat Max Brod in einer großen Versammlung in Wien vor die Ocffcntliclikcit und wandte sich mit aller Leidenschaft gegen die Hetzer, denen er ein begeistertes Bekenntnis zu den OsFuden entgegcnstcllte. Der Krieg zieht sieh in die Länge; im Gebäude der österreichisch-ungarischen Monarchie beginnt es zu bröckeln. Jetzt erweist sich Brod als weitsichtiger Polit i k er. Cr erkannte die auch für die Juden in den einzelncn Ländern der Monarchie nahende neue Situation. Fr vertrat gemeinsam mit Siegniuml Katziuison den Plan der Veranstaltung einer jüdinben Reirhskoitfemiz, in Wien, die zu den sich nähernden Umwälzungen Stellung nehmen sollte. Die Verwirklichung dieses Planes stieß auf zu große Sclnvierigkeiten; die Vorbesprechungen hatten immerhin die große Bedeutung, daß hier in großen Umrissen die Grundlagen für die jiidischen Nationalrätc, die beim Zerfall der Monarchie in allen neuen Staaten entstanden, diirchheratcn wurden. Am 22. Oktober 1018 wurde der jüdische Nationalrat in Prag gegründet, dem Max Brod als Vizepräsident angehörte. Fs folgen nun Monate der fieberhaftesten politischen Arbeit. Tag und Nacht ist Brod gemeinsam mit dein Präsidenten des Nationalrntcs, dem verstorbenen Abg. Dr. Ludwig Singer, tätig, lim das tschechoslowakische Judentum durch Wirren und Gefahren zu fuhren und in den neuen Staat ein- ™gliedern. Am Tage der Gründung des tschechoslowakischen Staates, dem 28. Oktober 1018, tragen sie dem tschechischen Nationalrat in Prag die Stellung und Wünsche der Juden vor, am 31. Dczrmhrr 1018 werden beide als Vertreter der Jmlcnhcit vom Präsidenten der Republik, Prot. M.isarvk, empfangen. Im Frühjahr 1010 streichen antisemitische Wellen durch das Land, Ausschreitungen drohen und sind an der Tagesordnung; immer ist Brod an der Spitze, um mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit und seines großen Anseitens für die jüdische Sache einzutreten. Die Zeiten werden ruhiger und Max Brod tauscht seinen Platz als führender jüdischer Politiker wieder rnit der literarisehen Tätigkeit ein, verläßt die politische Arena, auf der er so unerschrocken und erfolgreich gekämpft hatte. Nun ist er wieder der einfache zionistische Arbeiter, steht tinermiidiieh im engsten Kontakt mit dem zionistischen Aufbauwerk, immer bereit und zur Stelle, wenn seine wertvolle Arbeitskraft vonnöten ist. Hebräiscke Lektion Von Max Brod (Geichrieben 19t 5) Drcifiit• Juhre alt bin ich geworden, Eh ich begann, die Sprache meines Volks zu lernen. Da war es mir, als sei ich dreißig Jahre taub gewesen. Ihn! mm erschütterten, so lang zuriicligchallcn, Daß iosgeiassen sie wie Blitz die Luft durchschlugen, Nun scluillerten mein Ohr die allen Laute, Die meine Wiege schön umklungen hätten, Die mir in Knabenschritt und erster Liebe Und erster Mannestat Geleit gewesen wären. Nun kam zu spät das Wiegenlied und klang nicht süß. Nein, wie erzürnt oh bitterer Versäumnis Brach cs als Blitz und jäher langer Donnerion Mil Krampf und Wirrwarr her. Doch neigte ich Das Haupt ihm gern, .wie man der Mutter lauscht, Der zürnenden, und aus dem Grollen war’s, Als klirre Wüste auf, Zusammenlaufen, Ein Späherpfiff, ein ganz vergeßner flärnerschall Und unsres alten Gottes Zuruf vom Gebirge, Das jüdische Volk durchlebt heute ernste Stunden. Du einfacher Jude der Gasse, der du heute mit Herzklopfen an unser aller Schicksal denkst, und du, jüdischer Intellckfuellcr, Gelehrter, Künstler, Dichter, der du heute zurückfindest zum jüdischen Volk und mithelfcn willst am gemeinsamen Werk, wo wäret ihr alle in den vielen Jahren vorher? Da hätten wir euch, eure Zustimmung und Solidarität gebraucht; wäret ihr mit uns gewesen, so stunden wir heute ein Stück weiter auf unserem Wege. Ihr wäret leider nur in unzureichender Zahl zur Stelle. Ls schien euch nicht der Midie wert. Fucr Wort hatte noch Klang und meist ein starkes Echo, es hätte auch für uns einmal gesprochen werden können; ihr aber habt geschwiegen, die jüdische und damit auch eure Situation verkannt. Max Brod jedoch trat f ii r uns ein, einer von wenigen; hielt zu uns in guten und in bösen Stirnden, war zionistischer Kämpfer und Arbeiter; andere zogen es vor, uns zu übersehen, er aber war immer da, ungcrufen, wenn wir ihn brauchten. Und innerhalb der zionistischen Bewegung selbst, wo viele leicht der Gefahr erlagen, in der notwendigen praktischen Kleinarbeit den Blick für das Gros zu verlieren, in Fehler und Unarten zu verfallen, die gerade der Zionismus überwinden wollte, hielt Brod stets den Blick offen und zeigte rücksichtslos den Weg; sein im Jahre 1918 gegen ״Krähwinkelei im Zionismus“ erschienener Artikel hat 16 Jahre später kaum an Aktualität verloren. Dem Zionisten Max Brod gilt unser Gruß und Glückwünsch, galt diese kleine Rückschau. וי I I

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