Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Vr. 41/42 25. V. 1934 ■d!5h«ns1 ai 1<rj) ' v n!; Vc! Os], ,ן;1וווו■ ן״! ks (Ml < U'.׳ •aale,;; V<,lll!!K |; Sl'r St.-Ii!וי Mi״, Aul.,״״ }\ -'l'iiiie Her. •־illl'n ויוau;!ן uiiscrvui a1' (l'e Ehiglücksst.itte entsandten palästinen- י°" ' sischen Korrespondenten Der Weg zur Flutstelle gi. Tiberias, 16, M,!i 1031. Am Morgen natli der Katastrophe nach Tiberias zu ge- , ״cll ist nicht pan/, einfach. Die normalen Reisenden haben 's ׳' ’(rcll hie Nachricht über das Unglück vielfach von VVc1;c ahhalten lassen mul die sonstige Verbindung nach ijrfgclegciicii heillen Ort am See ist jet/t bei Beginn! iialicii Zeit aus Tcl-Awiw mul Jerusalem nicht häufig. 4 Auto, das sieh schließlich zu der fahrt bewegen läßt,!11II!;!rem en ch ג nicht ln1 I dl». Wal,,!. eil׳:״ der 1 '!(”,!,!!.ך ״;‘Heilte«; de^ 'V a hr. du n pp i'Mi/ er unter ’•Voi'lh•״ och sehr nur sehr mich a״! *v c•,,!!ca ,/l seinen Weg mit einer halsbrecherischen Schnelligkeit. Der fjhrcr weilt, dall es uns daran( ankommt, so rasch wie ntög* " ,4 7״r Stelle /!• sein und er treibt seine Maschine auf den! *״!(; befahrenen Bergstraßen wie ein Rasender. Das Land t:fht so friedlich aus, «laß man an I lut, Tote und Obdach- I j״;c nur schwer glauben kann. Aber irgend etwas Sonderbares; •'4t in der im Wolkenlicht fliminermlen Luft. Ls ist, als 5 4c sich der Herrgott im Kalender geirrt. Die Regen, die j ״;,n sei! Monaten schnsiielifig erwartet hat und so dringend i j׳״ die Saaten brauchte, sind ausgcblicben und jel/.t, direkt ז», ׳ dem Woehenfest, wo in sonstigen Jahren eine flimmernde llitrt herrscht, gehl es plötzlich in Wolkenbriichen über das : ^״j nieder. Die Niederschläge kommen strichweise, in der I J(d1en Lbcne gesondert, im Lmek Jesreel und in der Jordan-; c!1l>c zu anderen Zeilen. In tler Nacht vor dem Unglück in * Liberias bricht in Tcl-Awiw du wilder Sturm los, der י (lue Stunde lang alles diireheinaudcrwirbclt, ein Heulen und ' puppern durch die Stadt laufen läßt und sich nach einer ’ Heile wieder so plötzlich legt, wie er begonnen hat. Auf dem! Kjlkplafcau von J e r 11 s a I e m herrscht am nächsten Abend j die solche Kälte, daß man sieh in den Winter versetzt glaubt. •; alle diese WiUentugsschwankuugon kommen mit einer IUr! jäiinrnvcrinilfclk'ii Plötzlichkeit, die Wärme in Kälte, Trockenjn'it in Regen, strahlendes Sonnenlicht in Wolkcnschwiirze icwamlclt. Das Auto slreift den Flugplatz von Alhnroth. Ein Acroplan lieft mit kreisendem Propeller fahrtbcrcit. Man bereitet ihn ftir <U‘t! Fing des High Commissioners in das bedrängte Tiberias. Wir schwirren an Nablus vorbei, sehen die neuen Hauser nuf der anderen Seite des Weges; ebenfalls Lrinnerun- ,־man eine Naturkatastrophe. Die Stadt hat bei dem Erdbeben, das vor acht Jahren Palästina in Schrecken versetzte, schwer gelitten, aber aus den Trümmerhaufen erstand ein neuer, polier und schöner Stadtteil. Das Auto windet sieh durch die von Oelbäumen best,in• fcnen Herne in die Ebene Jesreel herab. Hier stehen große sumpfige Wasserpfiitz.cn. Vor einer Stunde ist hier ganz plötz-;ich ein schwerer Regenguß niedergrgnngen. Hier sieht man 1 bereits die ersten großen Lastautos, die Proviant und Kleidung bringen, schwer in die Jordansenke nach Tiberias zu hinunter• schwanken. Line halbe Stunde vor Tiberias kommen wir in einen tollen Platzregen hinein. Der Wagen beginnt auf der schlüpfrigen Chaussee 711 schlendern. Uns entgegenkommende Chauffeure warnen vor tler Glätte der Straßen und dem ף.״ןי unbeschreiblichen Schlamm. Je rascher cs in Serpentinen in idge ן (He Tiefe geht, desto langsamer windet sich die L'ahrt vor- warm, | »ärts. Jetzt sieht man schon den Kiucrcth-Sce unten liegen, lie l'lirc er scheint von all dem Unglück unten nichts zu wissen. Von ijder Hohe hier sieht er glatt aus und blau, unschuldig wie 5'i u.wi | *•* Lämmchen. Die Ufer sind freilich durch Wolken verhüllt, ׳ad von der weißen Kappe des Hormon, der sonst wie ein 'Gelder über dem Seespiegel aufsteigt, ist heute nichts zu ent war. ißiialime, er mir * ‘«*rieht albt wr. ,,N <11111׳ 1er Seite d unterloll mich gniil.lftc /11 fuli• koli de, Anhalts- Studium loch nie- :lii'its sa 1 diesem die 1:1• 1, die er on allen en seine b gegen Kl «11־ heso micd,iiiken 1 wt lebhaft aeigelu’ii :*. Krim- 110 nxisyiupadall tlrr ionalil.il von der de wird I seiner T ropfen! sehen. Die beiden Seilern des Weges sind mit Gruppen von Weitern besetzt. Barfuß, nacktbeinig bis über die Knie stehen sie in dem grundlosen Schlamm und schaufeln ihn mit großen Hacken zur Seite, um ihn schließlich über die Böschung w werfen. Pie Verbindungswege nach Nazareth müssen un-?edingt frcigelegt werden. Sie bedeuten die Versorgung der rdahrdeten Stadt mit Lebensmitteln, den nötigen Maschinen •M der Hilfe, die aus allen Teilen des Landes herbeiströmt,!gelernt, /drängen sich die großen Arbeitstrupps auf der Straße, dicke len zum V'nlammklumpen mit sich schleppend, über und über von; ffr zähen Kruste bedeckt, Meter nach Meter den Weg frei- . g legend. Hier auf dem Abstieg ins Tal sieht man genau, wie ä 1'äs Unglück geschah. Tiberias liegt direkt am See, hinter , wh die Berge, die einen fast geschlossenen Kessel bilden, j die das Wasser aiifhalten, gibt es kaum; die Berg- * »'.!;ipon sjm| ״ackt und kahl, an vielen Stellen fehlt dem J';hoffen Prisen die geringste Decke. Bei einem langsamen; Haucnuien Regen erweicht sich die obere Kruste und läßt das < Maß versickern. Nur der Ucberfluß sammelt sich in den Ge- Hirgsspnltcn, den Wadis, und fließt von dort in den Sec. ־ ,j* *her der Boden lange Zeit ohne Regen geblieben und ®Hier hart verkrustet und kommen die Regen stark und rr'd1, so stürzt das Wasser, das nicht schnell genug auf- ן '/Ren wird, in tollen Strömen zu Tal. Aus den im Somme!• : trockenen, nach initiieren Regen schmale Bache hil- *«!!חי Wadis werden im Laufe von Minuten reißende Ströme,; /a״f ihrem Wege große Mengen von Erdreich und schwere I ־•ünlilocke tnitschwemmen. : An den Stellen, wo diese Wildbächc freien Ausgang 711m haben, geschieht in der Regel kein Unglück. Die Wasser » ׳,;'en ab, berauben nur über weite Strecken den Berg seiner 'fbinaU•״ Erdschichten. Tiberias aber, das au dem Weg der _r1׳n1e liegt und eng und winklig gebaut ist, blockiert den CK der Wasser. Sie finden bei ihrem Weg ins Tal keinen; /.'1/’*ff■ stauen sich in den engen Straßen, reißen alles mit lebt und!er Sied■;ine an n cs jicli' und der kannner, ׳ mittei• 1 Still('״;rheit rhaltnng rnclune. rscht in 1, Wie״. Wiener c Stelle k;dlw Vertreter liKf ,»"• b P'1'• och Clf jrcH11.11• j luleii( u\? ־iid-wirt Privat•!1 n f e r AH« ״ •rtriebr" in ״soll ״ 1r reif höh der du* t '11U׳r• 1 der״ tcit a^' I hJud! w»5 sich ihnen in den Weg stellt. Die neue Stadt, die מ am Bergcsriickcii liegt und breite Durchgänge hat, kann ,.urc״ die Flut nicht beschädigt werden. Sie entging auch dieses ,ג'dem Unglück und konnte den Obdachlosen der Unterstadt C1״C Zuflucht bieten. Die Schlammstadt ßfim Diirclifahren durch die neue Oberstadt sieht man etwas Außergewöhnliches. Auch der zweite Wolkcnbruch, y" Wlr selhst oben auf dem Berge erlebt haben und der die 4er , am. Sce >n neues Unglück stürzte, ist hier ohne Scliavorbeigegangen. Aber schon auf den großen Plätzen, die hג w SccKcgcnd liegen, ist die Verwüstung furchtvi/' *'iverias hat einen Stadtgarten, wie man ihn in ,[^'״,®,■*bischen Städten trifft, mit Bäumen bestanden, bunt duftend von einem ungezügelten Durcheinander von;ן". ftl u,1״ Blumen. Der erste Anprall des großen Stromes k das hohe Betongittcr mit einem Schlage nieder und verwandelte den Garten 111 einem Nu in einen See. Jetzt ist er eine gcwallige, von braunen Schnmt/bädicn durchrieselte Seh!,1־mn1|)ful/e, voll von Geröll 11ml entwurzelten Pflanzen. Obwohl in der Hauptstraße große Trupps von Arbeitern mit Wagen und Spaten sich abmüheii, ist sic kau m passierbar.!Man muß aiissfcigcn und irgendwie sich durch den fußhohen Schlamm liiudiirchnrbeilcn. Schon die ersten Leute, die uns begegnen, geben alle dasselbe kurze Bild der Katastrophe: Blitze und Donner über den Bergen von Safecf; ein paar Regentropfen, ein wilder dicker Hagelschauer und dann der Wolkenbriich. Eine Viertelstunde und mehr stieg das Wasser u n a u f 11 a 11 s a ni. Es staute sich, ohne einen Ausgang zu finden, In den Gassen, riß alles mit, was sieh Hirn in den Weg stellte und suchte sich schließlich den Ausweg in den Sec. Hilfe war unmöglich. Was auf den engen Straßen der Altstadt war, wurde fortgespiilt. Zu den Ertrunkenen kamen die im Schlamm Erstickten, in die nlcdrlggelcgcncn Häuser und Läden drang die Flut, nachdem vielfach der Hagel die Scheiben eingeschlagen hatte. Die Häuser, deren Fundamente unterwaschen wurden, brachen ein und forderten unter ihren Trümmern neue Opfer. Als wir jetzt nach dem zweiten Schauer durch die alte Stadt zu dringen suchen, herrscht eine sonderbare Stille in den Straßen. Auf den Dächern sitzen und liocken noch die Menschen, die sieh beim ersten Anzeichen der neuen Flut noch oben geflüchtet haben. Nach der ersten Verwirrung hegt es wie eine lähmende Vcrstörung über allen. Wenn mau überhaupt durch die Stadt kommen will, muß man sich durch den zähen braunen Schlamin hindurcharbeiien, eng an die nassen Wände der Häuser gedrängt. Die Straße ist zum Teil im Schmutz völlig verschwunden oder von einem wilden braunen Strom durchspült, der mit einem rieselnden Glucksen dem See zueilt. Immer wieder wird dieses Rieseln durch ein dumpfes Poltern unter-!!rochen, wenn ein Sieinblock von dem Wasser mitgeschleppt wird. Nähert man sich mit vieler Midie einem der Ausgänge zum See, so wird man z 11 r ü c k g c 11 a 11 c n. Das Militär iiält hier Wache und läßt nicht weitergelien. Hier vvird cs so schlüpfrig und abschüssig, daß niemand anders die Ausgange betreten darf als die Rettungsmannschaften. Ein 1111sicherer Schritt bedeutet nicht nur ein Hinaiisgctrichenwerden in den See, sondern die Gefahr des Versinken« im Schlamm. Vom Wasser überschwemmte Höfe, vom Wasser völlig ausgeiiiiimle Läden. Die Bewohner dieser Altstadt sind kleine Händler, Arbeiter, Fischer; Moslems und orientalische Juden durcheinander. Die A er nisten und Geringsten sind cs, die hier wohnen und die wieder das Schicksal am schärfsten traf. Die Reicheren und der neue jüdische Jiscliuw wohnen weiter oben in den breiteren Straßen lind neuen Vierteln. Die I .eute arbeiten sieh barfuß und bis über die Knie geschürzt, die Beine mit einer dicken Kruste bedeckt, durch Wasser und Schlamm. Vielfach sieht man, wie kräftige Männer alte Leute über die Gassen tragen. Frauen stehen vor den Häiiserwämlen, manche die Kinder auf dem Arm und hier und da versucht eine, in ihre völlig verwüstete Wohnung die erste Ordnung zu bringen. Aber das •st nicht so einfach. Denn die W a s s c r 1 e i 111 n g, die aus dem Sec gespeist wird, hat noch nicht wieder zu arbeiten angefangi‘11 und was zur Verfügung steht, ist nur der Schlammstrom, der sich vor den Häusern vorüberwälz.t, VH Die Rettungsmaßnahmen Durch die Einwohner und die Arbeiter gelten die Ret• 1111t g s 111 a 11 n s c 11 a f t c 11. Polizei, Militär lind die Zivilbeamten, die sich dem Werke widmen. Während der Kata- Strophe selbst freilich war keine Hilfe möglich. Tiberias hat nach den offiziellen Berichten 24, nach anderen 29 Tote zu beklagen. Die Trauer und die Angst wird noch erhöht dadurch, daß in dem Wirbel so mancher einfach vermißt wird und man zwischen der Angst utn ihn und der Hoffinnig schwankt. Der See hat Leichen hinausgetragen, der Schlamm hat sie geschluckt und vielleicht bergen auch Triitnmer noch Erschlagene. Jetzt aber heißt es, so schnell wie möglieh Brot für die Hungrigen und ein Asyl für die Obdachlosen schaffen. Polizei und Militär sieht aus, als ob es in eine braune Schlammkrustc gekleidet wäre, in manchen der Häuser arbeitet schon die Pumpe, lim das Wasser aus den Kellern und den unteren Läden zu schaffen. Die Straßenrciuigiuig wird überall mit I lochdruck betrieben. Die mitgenommeneu I läuser werden untersucht und diejenigen bezeichnet, die sofort abgetragen oder gesprengt werden müssen. An der Stelle aber, wo mau ohne Gefahr bis ans Scc-Ufcr Vordringen kann, stehen Ivanen und Kinder in ließen Haufen und sammein, was ihnen das Wasser anschwcinmt. Holzstücke, Teile von Möbeln, überall liegen verdorbene Betten, Decken und Malten. Jetzt sieht man auch, daß der See nicht so blau und inisehiiliiig aiissieht, wie man es von oben glaubte, in kurzen •zornigen Wellen wirft er die festgepflockten Fischerboote hin und her und hei jedem Ruck speit er aus, was er von der Stadt Tiberias geschluckt hat. Mitten in der wogenden Menge Iiält ein Soldat mit Gewehr Ordnung. Die Distriktkomniissärc haben sich in dem Hotel neben der Munizipalität von Tiberias eingerichtet. Hier im Hof wird alles ziisaiiiinengehraeht, was au Hilfsmitteln aus dem Lande ziisamiuenströiiit. Vor dem Munizipalitätsgeh,äiulc drängt sich eine unruhige und zerlumpte Menge mit Körben. Hier werden die Zettel ausgcteilt, die Anrecht auf Essen geben. Gestern, am ersten Unglückstag, hat die Regierung jedem Nahrung gegeben, der cs verlangt hat; heute bestimmt eine Kornmission, wer bedürftig ist und ׳einen Anteil erhalten soll. Durch die dichte Menge vor dem Hauptplatz drängt sich das Auto des High C o nt m i s s i o n c r s. Er läßt stell Berieht erstatten, besucht die Verwundeten im Hospital, besiehtigt die Uuterkunftsstättcn. Die Menge empfängt ihn schwelgeml. Ucberali hat man das Gefühl, dal! die Regierung sich bemüht, alles zu tun, um der dringenden Not abzuhclfcn. Asyle Mit der größten Midie arbeiten wir uns aus der alten Stadt heraus, nach der anderen Seite der Chaussee, die zu den heißen Quellen von Tiberias führt. Sobald man das Wirrsal der engen Gassen hinter sich hat, sicht alles normal aus. Am freien Scc-Ufcr, wo die Flut auf keine Hindernisse I GLG/i T'ip ERSTKLASSIGE HOTEL MIT ALLEM KOMFORT״I I ly/ 1 fJ!|N HOTEL OLATTAUER KARLSBAD I I י" י *** Mn%a OHUl.llir TnllpunH d t r Zlonlm.n | Aus dem Wochenabschnitt für Sonnabend, den 26, Mai ER redete 7,u Mosche, sprediend: Rede zu Aharort und seinen Sühnen sprechend: So sollt ihr die Söhne jihraels segnen: sprechen zu Segne dich ER und wahre dich, (ihnen: Helle ER sein Antlitz dir zu und begünste dich, Hebe ER sein Antlitz dir zu und setze dir Frieden. Sie sollen meinen Nomen auf die Söhne Ji&raels setzen, ich aber werde sie segnen. IV. Btidi Noms, Kapitel VI, Vers 23-27. (lieberseiii von Buber-Rosemweig.) stieß, hat sie auch keinen Schaden angeriehfet, wie auch die umliegenden S i c d I u 11 g e 11 Daganiah, Kincretli, Chitlin unbeschädigt blichen. Die Straße liegt glatt und frisch gewaschen, fit wenigen Minuten sind wir an dem ersten der Flucht• 1 i 11 g s a s y 1 e, dem alten Gral) des Rabbi Meir Baal Na Ncss, einem Wallfahrtsort frommer Juden, liier steht der große runde Saal des Mittelbaues zur Verfügung und eine Anzahl von Zimmern, die von den Pilgern hei den jährlichen Wallfahrten benutzt werden. Ein paar Matten auf die Fußböden lind die Einrichtung ist fertig. Bei dem milden Klima braucht 111.111 in dieser Jahreszeit vor Kälte wenig Angst zu haben, und die Unglücklichen, die hier Unterkunft finden, haben meist einen sehr niedrigen Lebensstandard und finden sich irgendwie zurecht. Decken werden herangeschafft, ein paar Tomaten, Brot, — so ist fnr den ersten Tag gesorgt. Die Kinder spielen schon im großen Hof, die Erwachsenen liegen erschöpft auf den Matten. Der Pistriktskommissär von Nazareth besichtigt die Unterhrfngung und gibt die letzten Anordnungen. Er sieht ähnlich aus wie die Soldaten in Tiberias, bis zum Kinn hinauf mit Selilamm bedeckt. Er erzählt uns über die Hilfsmaßnnhinen, spricht von Vorbeugung fnr die Zukunft, von einer großen neuen Kanalisation in Tiberias, von der Eröffnung neuer Diirchgangswegc. Aber bevor diese großen Arbeiten in Angriff genommen werden können, muß zuerst für die Obdach« tosen gesorgt werden.! Eine weitere große Anzahl finden wir in der Ober• Stadt. Hier ist das große, vom Keren Hajessod errichtete Petcr-Schweif/er-Krankcnhaus (benannt nach dem verstorbenen amerikanischen Zionisten), das von der Krankenkasse für die Besucher der heißen Quellen benutzt wird und jetzt nach Ende der Saison gerade geschlossen werden sollte. Hier hat man fürs erste für Hunderte Raum geschaffen. Die Alten und Beschädigten liegen in ihren Zimmern auf den Betten und in den großen Sälen liegen und sitzen auf Matten die übrigen. Autos bringen Decken, Brot kommt aus den auswärtigen Städten. Am Nachmittag kommt eine große Erleichterung. Das Wasser beginnt wieder in den Leitungen zu fließen, man bekommt die Möglichkeit, sich zu waschen, di« Häuser in Ordnung zu bringen; die gesamte Arbeit wird erleichtert. Mit jeder Stunde mehren sich die Gaben in der Stadt. Vom ersten Moment an hat sich die Umgehung bemüht zu helfen, wo cs nur ging. Die 11 m lieg e!1 d c n jüdischen Siedtu 11 gen schicken Kleider, Betten, Brot. Aus Bcth Schan, einer kleinen arabischen Nachbarstndt, kam der Mtichlar, das Stailtoberhaiipt, mit fünfzig Mann, die eine schwarze Fahne trugen und stellte sich mit seinen I.eilten bedingungslos dem Distriktskonunissariat für Mithilfe zur Verfügung. Die Arbeitertrupps verzichteten am ersten Tag auf ihre Entlohnung. Aus Haifa kamen die ersten Gaben noch am Abend der ersten Katastrophe; Juden mul Araber im ganzen!.and strengen gleichmäßig ihre Kräfte an, um der unglücklichen Stadt Erleichtcrimg zu schaffen. So wird man über die ersten Wochen hinwegkommen. Die braune Schlammkrustc, die der Strom überall mannshoch an den Häiiserwämlen znriickgelassen hat, wird abbröckeln, man wird den Betroffenen irgendwie die Möglichkeit geben, nntcrziikommen, ihr Lehen neu cinziirichtcn. Das alte malerische Tiberias, so unwahrscheinlich schön am See gelegen, wird hoffentlich einige seiner schlimmsten und malerischsten Gassen verlieren und durch eine vernünftige Baureforni in Zukunft vor solchen Schrecknissen verschont bleiben. Vielleicht ergibt sich so aus dem furchtbaren Unglück eine bessere Behausung und bessere Lebensform für diese Niedrigsten, die in den letzten Tagen so schwer durch die Flut betroffen wurden. Sokolow in Südafrika Johannesburg, 21. Mai. (J. T. A.) Die diesjährige Keren 11 n j 0 s s od -K a m p a g n e in Südafrika wurde am 21. Mai mit einem eindrucksvollen Festabend eröffnet, der sowohl was die Zahl der Teilnehmer als die Höhe des Sanunelergehiiissrs betrifft, einen Rekord in der bisherigen Keren Majessod-Arbeit in Südafrika darstellt. Auf den ersten Appell hin wurden 32 000 Pfund in der Versammlung gezeichnet. Die Hmiptansprache hielt der ehemalige «Ministerpräsident General Sinnfs. Die Versammlung brachte dem General und dem Präsidenten der lewisli Agency, Sokolow, eine lebhafte Ovation dar, als dieser General Smuts die Urkunde der Errichtung einer Kolonie im Gebiet der Haifa-Bucht überreichte, die nach General Smuts, der mit dem Vornamen Johann heißt, die Bezeichnung Kfar Joch an an erhält. ln seiner Ansprache erklärte General Smuts u. a., seine Haltung werde nicht durch eine besondere Vorliebe für die Juden bestimmt, sondern sei eine Folge seiner Liebe für Recht und Gerechtigkeit, Pie Gefühle, die er für die Juden liege, seien dieselben wie die, die er seinem eigenen Volk und allen Bedrückten und Leidtragenden entgegenhringc. Sein Verständnis für jüdische Angelegenheiten peiie auch darauf zurück, daß er einen Unterricht in liebräisolier Literatur genossen habe, der ihm stets unvergeßlich bleiben werde. Gerechtigkeitssinn erhöhe eine Nation. Diese Wahrheit habe sich in allen Zeitaltern bewährt. Als die Baifour-Deklaration, an deren Entstehen er mitwirkte, verkündet wurde, sei dies in einem Geist des Idealismus geschehen. Heute sei wenig von jenem Ideaiismtis übriggeblichen. Niemand habe vor 17 Jahren vornusgcschen, dal! Europa in einen solchen Zustand der Desillusionierung, ia fast der Auflösung gemten, und daß Palästina gleichzeitig zu so gewaltiger Prosperität gelangen werde. Hätte es einer Rechtfertigung der Politik des Jüdischen Nationallicims bedurft, so wäre sic durch die jetzige Lage in Europa gegeben. N t