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Jüdische Rundschau · 1934-05-18 · Heft 40 (18.5.1934) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 40 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU f Oper ״Scrva l'iulron a“, die bei ihrer Pariser Urutiflührimg 1752 einen Sturm der Begeisterung und gleichzeitiger Gegnerschaft auslöste, ihre ganze Intimität und wird von seinen Schauspielern auf das trefflichste unterstützt. Mirjam Sega 11 verfügt über einen zwar nicht sehr umfangreichen, aber sauberen und sicher angewandten Sopran. Auch Schauspiele• risch zeigt sic sich ihren Aufgaben gewachsen. Gelegentlich wünscht man sie in dieser Rolle der Raffinierten, die den Eigenbrödicr Uhcrto zwingt, sie zu ehelichen, etwas härter, berechnender, bin ganz hervorragender Uhcrto ist Htidolt Lazar. San Bali ist von einem senönen Timbre, seine Must• knfität erstrangig und er bewegt sich mit einer für einen Opernsänger scllenen Freiheit auf der Szene. Das hübsche Stück hat eine stumme Rolle: ein vertrottelter Diener wird, als Kriegsheld verkleidet, dazu benutzt, Uhcrto eifersüchtig zu machen. Man l.ilSt ihn wahrend des ganzen Aktes nicht zum reden kommen. Dieser Scapin wird von Josef Sc hapir° rührend betreut. Wie alle anderen wahrte auch er den feinen Stil der kleinen Komödie und ließ keinen ״toten Punkt“ auf kommen, ohne sich etwa zu dem Gebrauch billiger Mittel verführen zu lassen, der gerade liier gefährlich nahe liegt. Verdankte die französische Opera comique ihre eigen!- liehe Entstellung jenem erwähnten italienischen Gastspiel mit ״Scrva Pndrona“ 111 Paris, so war es Jacques Oflenbadi, der die kleinen Buffo-Spiele etwa ein Jahrhundert später ausbaute zur großen parodistischen burlesken Operette. Freilich läßt ״Das Mädchen von Elizondo“ einstweilen in dieser Richtung höchstens Ansätze ahnen uml man spürt noch eh«• den Einfluß der harmlosen, leichten französischen Oper. Wie immer bei Offenbach findet man aber auch in diesem kleinen Singspiel musikalische Edelsteine, deren Grazie uml Kunst begeistern. So zwei Terzette und eine herrliche parodistischc Arie des Vcstigo, dem wieder Lazar cinprägsamstc Gestalt verleibt. Auch diesmal ist ihm Mirjam Segall Partnerin und gelangt zu fast größerer stimmlicher und schauspielerischer Entfaltung als Im ersten Spiel. Der Tenor Samuel Berlin ergänzt das Paar. Die Höhe ist schön, die Mittellage und Sprechstimme müßten noch etwas klangvoller werden. In der Bewegung ist er teils noch zu stereotyp, teils zu übertrieben. Karl Salomon am Dirigcntenpult hielt die Sänger und das kleine Orchester gut zusammen und ergänzte so ausgezeichnet den Regisseur. Für die besonders hübschen stilgemäßen Dekorationen und Kostüme zeichnete die Bühnenbikincrin Isa Herschkovitz verantwortlich. Manfred Geis. Karl Salomon, ״Der Ton", Oratorium ln 3Teilen für 2 < '.höre, 2 Soli uml Orchester. Worte von Arno Nadel. — Der Text dieses groß angelegten Werkes ist einem religiösen Gedichtwerlc: ״!her Ton oder die Lehre von Gott und Lehen“ enliiommcn, einer Sammlung von mehr als 21M>0 Gcdichlen, die Arno Nadel 11)11—1016 geschrieben hat. Das Werk des Dichters, in seiner hymnischen Art im einzelnen bisweilen unscharf, ist als Ganzes eine Klarheit, erfüllt von kosmischmystischem Gefühl, das viel mehr an die mittelalterliche deutsche Mystik erinnert nie an die jüdische Mystik des Chassidismus. Die Musik Salomon* knüpft folgerichtig am Anfang an die Musik des grüßten neuzeitlichen mnslkaliKdieu Mystiker», an den katholischen Anton Bruckner an und bewegt sich wie diese um das Qiiiiitciiintcrvall herum. Doch nicht lange, und der ganz moderne Musiker bricht durch. Die aufeinandergetiirmten Ouartcnintervallc mit ihren harten harmonischen und nicht harmonischen Reihungen, die Dissonanzen der None und, daran* folgend, die noch schärferen der Sekunde herrschen vor. Diese Musik ist von großer innerer Spannung getragen, sie ist voll inneren Ausdrucks und lebendigster Empfindung, mag sie auch im hergebrachten Rinne nicht ״schön klingen“. Nicht zuletzt empfinden wir, daß nur ein genialer Musik«■ jüdischer Herkimft dieses Werk so schaffen konnte. Schon rein äußerlich deuten die sehr oft ganz kurzen, eintaktigen Motive, unendlieh oft wiederholt, leider nicht unmerklich variiert, der häufige Taktwcchscl, die Vorliebe für ungewöhnliche Taktarten und die vielen Schlag- und Lärminstrtimcnte auf den Orient hin. Aber auch die innere Haltung dieser Musik, ihr Charakter tmd ihr Geist atmen etwas von der primitiven und der grandiosen Schlichtheit, die wir als du Kennzeichen der altjüdischen Kunst verehren. Der Verlag Benno B a 1 a n hat das Verdienst, die Partitur photographiert zugänglich gemacht zu haben. Eine Aufführung, eine Auswahl, etwa des zweiten Teiles zunächst, würde vorläufig einmal genügen und ist nicht allzu schwer. Das Orchester ist einfach. Wäre es nicht wichtig, endlich an das Einstudieren von Chorwerken junger jüdischer Musiker zu gehen, die mit der Zeit und ihren künstlerischen Problemen sich auseinanderzusetzen versuchen? Selbst wenn das Publikum anfänglich nicht mitgehen will oder kann, muß man ihm die neuen jüdischen Sch5phingen und die moderne Musik eben nahebringen. Dr. Oskar Outtmann. Nr, 40!8 V 1931 Eine musikalische Monatsschrift 1. Seit dem 1. 11.1 Q33 erscheint in Warschau Monatsschrift in jiddischer Sprache ״Die r k ,״ ז״<a( weit", Herausgeber Kantor f>. Surmaii, litcrariti," ',m ־ tu״g P. M 11 a f< o ws k i. Diese, ausgezeichnet ankre״ aiißerordnitlii'h interessante und sehr vielseitige' u11 "9 Schrift nennt sieh zwar ״Organ des Kantorenvnba1'!,״‘^' Polen". Aber nach der Uehcrscluift des A!!f״,f,י .״ «ehr vielseitige M, des Kantorenvnban wendet sie sich nicht nur ״au alle Kantoren“, somim, N'! 1 ״an alle Dirigenten, Musiker und Liebhaber der jüdkrtin'11 ■ gischen Musik“. Wie aus dem Beiträgen und ihre v^' fassern liervorgcht, beschäftigt man sich nicht mir mit r gen, die das heutige und das ehemalige Kantorat hc|frn mit der Gestaltung des Kaiitorats in allen europäischen 1 - 1 dern, mit der kautoralcn Improvisation, mit den AmnriirU die man an einen Kantor zu stellen hat, und — nicht "1' letzt — auch mit Mißständen, die dabei herrsehen 501/"' cs wird auch die Frage des sytngogalen Gesanges ’im 11? meinen und die Stellung des Chores und des Dirigent,׳ ״ der synagogalen Musik wiederholt behandelt. Auch Auhjt* allgemeiner Art, wie etwa ״die Lage der jüdischen K!W nisten" oder von rnusikhistorisclier Haltung wie iih״ Antiphonie bei Juden im Altertum", oder über ״Oes״,',' tcclinik finden sieh neben zahlreichen biographischen und ״ deren rein unterhaltenden Beiträgen. Kurz, es ist hi״ £ Osteuropa ein Blatt geschaffen, das für die Westjuden Z anregend und vorbildlich *ein könnte. “ Unter den Mitarbeitern finden sich neben (Rn kanntesten Kantoren und Dirigenten Osteuropas auch a»l lischc (z. B. Alman) und deutsche (Aron Friedmann) * _ Dr. 0, Jüdische Schallplatte des Orients. ״Jom Simcha L«. i Israel“. (״Samabana“, Baidaphon.) Eine sehr originell( orientalische Fassung des bekannten Simchaih-Thora-lieda Die Instrumentalbegleitung wirkt prachtvoll iihermütig dje Instnimenfc haben geradezu etwas tierliaft Vitales. Da* Bcth Hanoar (Haus der Jugend), die bekannte Er. ziclmiigsstätte mit Internat auf handwerklicher Grundlage # Talpioth b. Jerusalem (früher Dr. Max Mayer), bittet um & Spende eines Grammophons mit hebräischen Volksliedern-und klassischen Platten und um Jugendbücher in hebräischer deutscher und englischer Sprache. Sendungen erbeten an die Leitung des ״Bcth Hanoar, Jerusalem, Talpioth“. Im Kampfe um die Einwanderung Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tcl-Awiw, 10. Mai 19SL Bekanntlich hat man sich vor Jahren nach langen Vorhand- Jungen zwischen Engländern und Juden darauf geeinigt, daß die ״ökonomische Fassungskraft“ Palästinas für die Errechnung der Einwaiulcrungsqiiote maßgebend sein soll. Das haßt, es sollen soviel unbemittelte Arbeiter einwandern, als nachweisbar in der Wirtschaft dauernd beschäftigt werden können. Dieser Begriff der ökonomischen Fassungskraft ist jedoch dehnbar und deutbar. Jede Wirtschaft und ganz bcsonders die palästinensische, die sich augenblicklich in einer stürmischen Entwicklung befindet, ist in ihrer ökonomischen Fassungskraft stark veränderlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Einwanderung und damit Ausweitung der Kaufkraft, Import von Kapitalien, Gründung neuer Unternehmutigen, Einführung neuer Prodiiktionsincthoden, Entdeckung bisher ungenutzter Wirtschaftshilfen (Tiefbolirungen für Wasser!) sind geeignet, die Aufnahmefähigkeit des Landes fast von einem Tage zum anderen zu verändern. Das beste Beispiel für eine ungeahnte Erweiterung der ökonomischen Kapazität hat das jüdische Palästina in den letzten Jahren bewiesen, als durch eine Expansion der Wirtschaft von Monat zu Monat neue Möglichkeiten geschaffen wurden. Man ist bisher hei der Bestimmung der Einwandermigsmögliclikciten von seiten der Jcwish Agency als der Vortretung der Juden so vorgegangen, daß man vor der liestimmutig der Quote in allen Sektionen der jüdischen Wirtschaft Umfragen veranstaltet hat, um fcstzustellen, wieviel Arbeiter Im Moment fehlen und aller Voraussicht nach im Laufe des nächsten halben Jahres gebraucht werden. Seit Jahren haben die Schätzungen der Jcwish Agency und die der Regierung stark differiert. Die Agency, die einerseits den Druck der sieh entwickelnden, nach Arbeitskräften verlangenden Wirtschaft, andererseits die Not der nach Palästina drängenden jüdischen Massen in schärfster Form zu spüren bekommt, stana der Behördc gegenüber, die von einer — meist übergroßen — Furcht vor ökonomischen Rückschlägen bestimmt, immer geneigt ist, die Arbcilsmöglichkeiteii viel geringer einzusclüitzen und somit die Schnelligkeit des Einwandcrungsstromcs zu hemmen. Darüber hinaus dar) jedoch nie vergessen werden, dab die Iinmigrationsfrage keineswegs ein rein wirtschaftliches Problem darstellt. Sic Ist seit langem zu einem Politikum geworden. Wir haben erst im vorigen Oktober erlebt, daß die Proteste der arabischen Nationalisten gegen die anschwcllcndc Einwanderung zu großen, zum Teil blutigen Demonstrationen führten, die die Regierung noch ausgezeichnet in Erinnerung hat. Der arabische Druck, der aut eine Beschränkung, wenn nicht Stoppung der Immigration hinzielt, wird ihr immer wieder aut den verschiedensten Wegen, durch die Presse, durch Delegationen und Memoranden in Erinnerung gebracht. Das Oberkommissariat, bemüht, das politische Gleichgewicht im Lande nicht zu plötzlich zu erschüttern und neue grolle politische Schwierigkeiten zu vermeiden, wird also dahin gedrängt, die Forderungen der Juden Empfindlich zu bcschneiden. Noch nie jedoch ist die Differenz zwischen der von der Agency verlangten und der von der Regierung bewilligten Quote so stark gewesen wie dieses Mal. Man hatte rund 20000 Zertifikate verlangt und man hat rund 5600 bekommen. Auch wenn man bereit ist anzmichmcn, daß die Berccit* nungen der Juden von Natur optimistisch, die der Engländer ebenso von Natur pessimistisch sind, so ist doch’ diese Diskrepanz von fast */* mit Berechnungen allein nicht mehr zu erklären. Das Oberkommissariat hat für seine Entscheidung keinerlei Gründe angegeben. Man darf jedoch annehmen, daß außer den erwähnten — vermutlich in .den Augen der Regierung sehr schwerwiegenden politischen — Gründen eine gewisse Krise 11 furcht hinter der Beschränkung der Imnugration steckt. Man fürchtet in behördlichen Kreisen, daß im Moment, wo durch irgendwelche Faktoren eine Verlangsamung der Investitionen eintritt, die Wirtschaft einen starken Rückstoß erleidet. Bei der jetzigen Marktvertcilung, wo nahezu 40 0/0 der Arbeiter im Bau konzentriert sind, würde die Wirtschaft vor das Problem gestellt, einen Teil dieser Menschen, die heute glänzend verdienen und eine wichtige Kontribution zur allgemeinen Kaufkraft liefern, in anderen Zweigen zu ab*orbieren. In der jüdischen Wirtschaft — und zwar in allen Kreisen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleicherweise — werden diese Dinge jedoch ganz anders betrachtet. Bei der besonderen Struktur der Wirtschaft im Augenblick, wo der Bau den Löwenanteil der Investitionen schluckt, in zweiter Reihe die Pflanzungen erweitert werden und ui dritter Stelle die In• dustrie und städtischen Kleiiitavcstltioncn kommen, ist vor allem ein großer Mangel an qualifizierten Arbeit er 11 fcstzustellen. So steigen heute die Löhne aller geschulten Arbeiter, vor allem im Bau und den mit ihm zusammenhängenden Oewcrben auf eine bisher ungeahnte Weise. Auch die Löhne der Halhgclerntcn und Ungelernten in diesem Zweige haben sich geltoben. So wirkt der Bau heute als eine Säugpumpe, die «»wohl aus den Doriern wie aus anderen städtischen Berufen Menschen fort und in die Bauarbeit zieht. Es ergeben sich somit Hohlräume, die von den Arbeitgebern in den Plantagen und auch in der Industrie schwer oder gar nicht auf gefüllt werden können. Bei einer Hcranschaffung neuer qualifizierter Kräfte gehen die Hauten schneller vorwärts und schaffen mehr Platz auch für Un• gelernte. Nur durch Hineinpumpen neuer Massen jaloch sind auch die Gebiete zu versorgen, die die große Lohnsteigerung nicht mitgcmaciit haben. Wenn wir dennoch aus der Industrie eine nicht so starke Abwanderung festst eilen wie wir sic bei der bestehenden Lolmspaunung erwarten müssen, so liegt das zu einem Teil daran, daß so mancher einen festen Arbeitsplatz nicht für momentan bessere Bedingungen aufgeben will und dal) in der Regel die Arbeit in der Industrie nicht so schwere körperliehe Anforderungen stellt. Der Ausbau von Betrieben und die Neugründimg stößt jedoch an fast allen Punkten aut die Schwierigkeit, genügende Zahlen von Arbeitern autzutreiben. Auf dem Lande, in den Plantagen, liegen die Dinge besonders kompliziert. Wir sind jetzt bei 135 000 Dunam judischcr Pflanzungen angelangt und es Ist nicht gelungen, die genügende Anzahl von Arbeitern dafür hcrcinzubekommen. Auch innerhalb der Kolonie gibt es eine Abwanderung in die auch dort stark gewordene Banbewegung, die sich ebenso bemerkbar macht wie Ule Abwanderung in die Stadt. Wenn man bedenkt, daß die neuen Pflanzungen Jahr für Jahr mehr Arbeiter brauchen werden — man hat berechnet, daß die angelegten Pflanzungen ln jedem Jahr 6000 neue Arbeiter verlangen werden — und dr.fll für das laufende Halbjahr Pflanzimgsaufträgc für neue 35 000—40000 Dunam vorliegcn, so erkennt man, daß 111er in der Landwirtschaft das Arbciterproblcm am akutesten ist. Fs wird jedoch dort noch kompliziert durch die bestehende Konkurrenz der billigeren arabischen Arbeit. Man hat ja bckanntlich in letzter Zeit auch an den Stellen, die mit rein jüdischer Arbeit begonnen haben, die Einstellung von Arabern nicht verhindern können und die noch immer nicht beigelegten Konflikte ln Kfar Saba sind ein Beispiel dafür, wie sich diese Dinge zurzeit zitspitzen. Da außerdem bereits in der jüdischen Wirtschaft Im letzten Jahre Tausende von Arabern absorbiert wurden, auch die arabischen Klelnwirtschaften durch den Anbau von Gemüse für den erweiterten Markt tmd die Ausbreitung der arabischen Pflanzung viel mehr Arbeitskräfte aufnehmen, werden nach und nach Fellachen und Beduinen von außerhalb der Landesgrenzen herangezogen. Wir haben ln Stadt tmd Dorf heute Zuzügler aus Transjorilanicn und aus dem Hauran. Hier droht nicht nur eine Beschwerung des palästinensischen Arbeitsmarktes mit Elementen, für die er nicht verantwortlich sein kann, sondem auch eine neue billige Konkurrenz. Die Löhne der einheimischen arabischen Arbeiter sind In den letzten Jahren in einem kontinuierlichen Steigen begriffen, während sich die 1 laurnncr mit ganz niedrigen Sätzen zufrieden geben. Wir hatten zum Beispiel ln einer der Pflanzungen ln Kfar Saba den Fall, daß außer den Schutzleuten, die sich der Besitzer während der Arbeitskonflikte erbeten hatte, noch zwei Gruppen von Wachposten standen: einerseits die jüdischen Arbeiter, die gegen die Beschäftigung von Arabern protestierten, andererseits die Araber, die sich gegen die Ein- Stellung der sie unterbietenden Hauraner wandten. Welchen Umfang diese Einwanderung aus den Grcnzlandem heute angenommen hat, kann man mit Genauigkeit nicht tcststellcn. Die Regierung spricht von einigen Hunderten, von anderer Seite nennt man mehrere Tausend. Wie die Dinge auch liegen mögen, sicher ist, daß hier eine neue nationale und soziale Komplikation vorliegt. Es sei hier noch ein Problem gestreift, daß heute besonders unter den neuen kleineren und größeren Unternehmern in den Städten viel diskutiert wird und eine andere Seite der Einwanderung beleuchtet: das sind die Personalschwterigketten. Die meisten Geschäfte, Werkstätten, Fabriken, Restaurants usw., die entstehen, erfreuen sich meist bald nach Beginn eines sehr starken Umsatzes. Und doch stoßen viele der neuen sofort auf Kalkulaflonsschwlcrlgkcitcn. Sic sind dann leicht geneigt, das nur auf einen Arbcitcrmangcl zurückzuführen. Das scheint jedoch nur insoweit richtig zu sein, als der Druck einer Reservearmee den Arbeiter zwingen würde, sich aufs äußerste anzustrengen, um einen Posten 2u erhaltcn und zu behalten, während heute, wo man leicht Unterkommen kann, dieser Druck weniger gespürt wird. W« aller die Pcrsoualschwicrigkcitcn in der Hauptsache verursacht, ist nicht so sehr eine untragbare Lohnerhöhung, sondern ein übermäßiges Fluktuieren des Personals, verbunden mit relativ geringen Leistungen. Diese Erscheinungen beruhen nicht so sehr auf einer zu geringen Einwanderung, als auf der Eia• Wanderung als solcher. Bei jeder Immigration und besonders bei der jüdischen nach Palästina, versucht jeder erst einmal einen neuen Berul und ist sofort bereit, etwas anderes anzu■ fangen, wenn ihm das irgendwie lockender oder besser erscheint. Das Arbeiterelcment, vom Bauarbeiter bis zum Ober• kellncr, wandert. Dadurch werden selbstverständlich dem Unternehmer Schwierigkeiten verursacht, da sich sein Stab dauernd ändert und er immer von neuem anlernen mul). U!1a außerdem ist die Immigration ebenso geartet, daß die? Wirtschaft das Lehrgeld bei der Umschidung, die bet sehr \ vielen erfolgt, tragen muß. An sich würde sich daraus die i Konsequenz ergeben, daß der Unternehmer dieses Lehrgeld, * daß ihm die Eigenart der Immigration aufzwingt, auf seine Kunden abwälzt; vielfach hält jedoch die Furcht vor Kon• kurrenz von diesem Schritt zurück und cs ergibt sich eine , verringerte Profitrate. Diese ist aber in vielen Fällen eint! Folge der Struktur der Einwanderung und nicht 10 ' sehr ihrer Menge. Eine Analyse der jüdischen W irtschatt h Moment führt bei aller Vorsicht zu der Konklusion, dab die Quote der Regierung für das nächste Halbjahr viel zu niedrig gegriffen ist. Die Wirtschaft kann ohne viel Schwierigkeiten sehr viel mehr Arbeiter aufnehmen, als nach der jetzigen Regelung bineiukoinmen werden. Es ist daher mir natürlich, daß gleich nach Bekanntgabe der Quote eine große Profest beweg 11 ng im Laude eingesetzt hat. Die!,resse und 1 große Volksversammlungen wenden sich gegen den Bcschlub des Obcrkonimissariats. Es darf jedoch nei diesen beredttigfen Protesten nicht vergessen werden, daß auch bet dieser Bcsrhncklung wir dieses Jahr eine sehr beachtliche Immi• gration haben werden. Die Exekutive der Jcwish Agency hat in einem um* fassenden Memorandum ihren Protest gegen die Beschnei■ düng ihrer Immigratioiisforderungcn dargelegt. Das Mcniorandum zeichnet sicli durch eine große Sicherheit und zugleich sachliche Haltung und Würde aus. Es ist für das Gelingen der laufenden Protestaktion und die Stellung des Jischtiw vor der OdtentUchkcit von entscheidender Wichtigkeit, daß dicstf sachliche und würdige Ton in den Versammlung«* und der Presse der gesamten zionistischen Welt gewahrt wir״• Unüberlegte Aktionen, übermäßige Angriffe, eigcnmäclw Handlungen von Gruppen, die in der Sache der ImmigraW* eine glänzende Gelegenheit zu einem wilden Angriff aut, T die Exekutive der Jewisli Agency sehen, werden nicht ״״ fen, sondern unsere Stellung weiterhin gefährden. einer vernünftigen starken und disziplinierten Haltung ״י" besteht die Möglichkeit, mit Hilfe der wirtschaftlichen unU"/ stößlichcn Fakta eine Erweiterung des Immigrationsranmw zu erreichen. Der ArlosoroH-Mordprozeß Freilassung Achi-Meirs Jerusalem, 16. Mal. (J.T.A.) Am 16. Mai hat d« Jerusalemer Geschworenengericht die Freilassung Ab» Acht-MeSrs verfügt. Achl-Melr war der Aulreizung u״ Anstiftung zum Mord an Dr. Ariosoroif angeklagt worden• Ueber den weiteren Verlauf der Verhandlung können י* aus Raummangel erst in der nächsten Ausgabe bericht Berichtigung. In die Anmerkung Nr. 3 in dem A , ״Zur Ritualmord-Bcscliuldigung“ in Nr. 30, hat sich c,n ך fehler cingeschlichen. Es muß statt!פי תקריב richtig nei דיניזריבי Wie die ״Times“ meldet, empfing der Chefs« i von Palästina eine Deputation jüdischer Aer*‘e Zahnärzte, die gegen die beabsichtigte EinschranK Zulassung ausländischer jüdischer Aerzte protestier ■ Chefsekretär antwortete der Delegation, sie inusse j; ken, daß die Schweiz einen Arzt auf 3000 Seelen! » p,, 1 einen Arzt auf 1300 Seelen hat, dagegen da« judiscn lästina einen Arzt iUr 226 Seelen besitzt.

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