Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-05-18 · Heft 40 (18.5.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 40 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653489--25228-2682353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU N18 ,40 .*׳. V. Zur Ritualmord *׳ Beschuldigung Die ״Deutsche Zukunft" vom 13, Mai beschäftigt sldi mit der Ritiialiuord-Nummer des ״Stürmer" und schreibt hierzu folgendes: ״Soll, kann, d.uf man über die ,Rtlinihnnrd-Romlriiimrimfr‘ des ,Hiiirmrr‘, der in Nürnberg ersehe inenden Woehensrhn'ft drs tjiiuleilrrs von 1 ׳'r»nk<■11, Julius Slreicher, schweifend hin״e(;(jeI1:׳n? \on jüdialier Seile ist, auch in einem Telegramm an den Hern! Reichskanzler, fegen ihren Inhidt in Ilikl und Wort, gegen die Rcroichimng der Juden nlilerhtlim als ,Mördcrvolk', als ,\V1. brecltcr, Monier und Teük'l ift MeiiM'hrn^e.iait' Veiwafnung ein״ gelegt worden, Alter ein iif lentln her Widerspruch, «o will uns scheinen, ist mich von christlicher und ur, irischer Seite notwendig. Aid die Vcroffciitlic■Innig näher cinztigehen, verbiete( sich schon nm dem dringenden Wunsche, sic im Ausland«! nicht 'veiler lickaiml tum,ulten, ah sic Itereits bektimiigcworilen ist. Man map den! Judentum mit noedr so scharfer Ablehnung gegenüberstehen: die I hirsUdlung des ,Stürmer‘ hält weder den Eriordcr- *dssen des guten Ueseh1na־׳ks und der Ritterlichkeit, noch denen der Wissenschaft und der deutschen l’olitik stand.“ 111 einer Zuschrift an die Londoner ״Times“, die dort am 11. Mai an prominenter Stelle veröffentlicht wird, wendet sich der Obcrrabbiiier Englands, Dr. J. H. Hertz, gegen die R i 111 a 1111 o r d - ß 1־ s c h 111 d i g u ng und erinnert bei dieser Gelegenheit an eine Kundgebung vom 6. Mai 1Ü12, die — im Zusammenhang mit dem Ucilis-Prozcß — vom Erzbischoi von Canfcrhiiry und York, dem Kardinal Erzbischof von Wesfminslcr und anderen unterschrieben war und worin die Ritualmord-lkschuUligung als eine grausame und völlig unbegründete Beleidigung des Judentums, ein Uebcrrest au» der Zeit der schwarzen Magie bezeichnet wird. In dieser Kundgebung heißt es weiter: ״Abgesehen von den Juden wurden auch sonst religiöse Minoritäten von demselben Vorwurf betroffen und verfolgt, so z. B. die frühen Christen, die Quaker, die christlichen Missionare in China usw.1‘ — Weiter wird angeführt, dafi am 10. Mir/. 1012 eine Kundgchung gegen die Rituabiioril-Bescliukngimg von 215 der prominentesten nichtjüdischen Persönlichkeiten des deut« s c 11 c 11 öffentlichen Lehens, der Wirtschaft, der Literatur, Theologie und Kunst veröffentlicht worden ist. Auch der Präsident der englischen Gesellschaft für Folklore, Rose, schließt sich den Ausführungen von Dr, Hertz, die von der Redaktion der ״Times“ unterstützt wer• den, an. ln der ״Times“ vom 16. Mai veröffentlicht der Erzbischof von Canterbury einen entschiedenen Pro• fest gegen die Rituaimordbcschuldigung. Die Lage der Juden in Franken Eine Rede Julius Streichers Das ״B e r I i n e r Tageblatt“ berichtet: Gelegentlich eines Besuches englischer Journalisten in Nürnberg sprach der Gauleiter Frankens, Julius Streicher, über die Jtidcnf״׳ ׳e. Er führte in seiner Ansprache u. a. aus: Man schreibt in ausländischen Zeitungen, ich sei der schlimmste Mann unopas, Das freut mich. Mau sagt aber auch, ich wäre der blutige Zar von Franken, Erst vor kur• zem ist wieder in einem ausländischen Biatt behauptet wor• den, es wären hier Tausende von Juden ermordet worden. Sie sind hier in einem Gau, in dem der Antisemitismus am stärksten in die Erscheinung tritt, mul ich bin der schärfste Gegner der Juden. Aber ich erkläre Ihnen mit allem Nachdruck, es ist hier kein einziger Jude ermordet und auch kein Marxist getölet worden. Wir haben nur Verbrecher hi die Konzentrationslager gebracht und sa unschädlich gemacht. Wir haben nur die Vorherrschaft der Juden gebrochen, und wir sind auch nicht mehr so nachsichtig bei Vergehen gegen die Gesetze, wie man das vordem gewesen ist. Wir glauben auch gar nicht daran, daß die Judenfrage damit gelöst wird, daß man die Juden totschlägt. Wir sind vielmehr der Ueber/eugung, daß dieses Problem auf internationalem Wege gelöst werden muß. Ganz Zwangsläufig wird sielt nun in allen Ländern eine Bewegung gegen die jüdische Vorherrschaft entwickeln, auch 111 England, wo die Ansätze hierzu schon vorhanden sind. Wird ein englischer Zeitungsmann immer für die Interessen!eines Volkes cintreten und schreiben, der jüdische Journalist wird stets für seine Rasse wirken und schreiben, für die Interessen seines weit über die ganze Welt verteilten Volkes. Wenn Sic jetzt mit offenen Augen durch Franken gehen, dann werden Sie berichten müssen: ״Wir sind in der Hölle des Antisemitismus gewesen und wir haben cm irictiliebes Land gesehen.“ Das deutsche Volk will ln Frieden seine Aeckcr bestellen und in den Werkstätten arbeiten. Es will den Frieden, auch für die ganze Welt. Ich weiß, daß auch ln anderen Ländern es Einsichtige genug gibt, die wissen, daß der Bolschewismus nur verhindert wird, wenn man vorbeugt, wenn man jetzt schon dafür sorgt, daß der Jude, der Gastrecht in den Ländern hat, nicht in der Presse und in führenden politischen Aemtern Schaden anstiftet, der zu einem neuen Krieg führen kann. England und Deutschland trennt nichts. Das Blut ist die Brücke, die beide zusamhicnfüiirt. Nicht als Staatsmann, aber als Mann des Volkes sage ich Ihnen: Unsere Sympathie gehört England. Tragen Sie darum, so erklärte Julius Streicher in seinem Schlußwort, dazu bei, daß das Wunder geschieht, daß der Welt der Frieden erhalten bleibt. Das sagt Ihnen der ״Blutige Zar von Franken“. Ein internationaler Anlisemiten-Kongreß Die ״Fränkische Tag es 7. eitung“, Nürnberg, veroff entlieht einen Berictit über einen öffentlichen Sprechabend, bei dem Stadtrat Fink das Thema ״Politik der Wahrheit“ behandelte und hierbei die Abhaltung eines inter* nationalen Antisemiten-Kongresses im Scp* tember ankündigte, der auf dem Platncrsbcrg unter dem Vorsitz von Julius Streicher tagen soll. Das Nürnberger 8״- Uhr-Abendblatt“ schreibt: ״Wie in Ansbach mitgctcilt wurde, ist der Kreis Hersbruc k jetzt vollständig frei von Juden, was nicht zuletzt et!t Verdienst des dortigen Bürgermeisters Sperber ist. der einer der verdientesten Mitkämpfer Julius Streichers seit Jahren kt.“ yuu cwrimt n׳n 1m1T Riifinir Wir haben unseren Lesern bereits den Auirut mit geteilt, (len die Berliner Abendzeitung ״Der Angriff“ am II. Mai unter der Ueberschrift ״Was dürfen sich J u d e n schon wieder erlauben“ veröffentlicht hat. Darin werden die J.eser des ״Angriff“ aufgefordert, der Redaktion ״jeden Fall von jüdischer Unverschämtheit mitzutcüen", der dann im ״Angriff“ veröffentlicht werden soll. Der Aufruf ist in spateren Ausgaben des ,,Angriff“ wörtlich wiederholt worden. Es scheint, daß die Veranstalter dieser Enquete sielt davon eine große Anziehungskraft auf das Publikum versprechen. Wir finden im ״Angriff“ vom 15. Mai einen Reisebericht aus Prag, der überschriebe 11 ist ״Besuch bei Juden“, und zwar die jüdischen Sehenswürdigkeiten der btadt Prag erwähnt, dann aber im wesentlichen den Besuch des Berichterstatters in einer Friilistiicksstubc des (selbstverständlich christlichen) Selchers Chmcl schildert. Anscheinend als Auftakt zu der Behandlung des Materials, das durch die in dem Aufruf des ״Angriff" angeregte Enquete hcrbeigcschafft werden 8011, veröffentlicht der ״Angriff“ am 12. Mai einen für uns Juden besonders wichtigen Artikel ״Wie spricht man mit Juden?“. Es wird darin festgestellt, daß ״cs sich mich im Dritten Reich zuweilen nicht vermeiden“ lasse, mit Juden in Berührung zu kommen und daß es wichtig sei zu wissen, welchen Ton man an zuschlagen hat, wenn man gezwungen sein sollte, mit Juden zu sprechen, im weiteren Verlauf des Artikels wird dann von den Juden gesagt: ״Sic glauben sich in letzter Zeit «inen gewissen vertrauliehen U in g 11 n g a t o n rrlnubrn zu dürfen. Sie tun so, als oh nicht•; vorgefallcn wäre. Sie haben schon eine gewisse lässige Art, mit Nntmnnlsnzialistcn zu sprechen. Ihr respektloser Witz wirft bereits kleine IFascn. E; gefällt ihnen, daß die SA. so gute Disziplin hält. Noch nie. sah man so viel Eiacmc-Krcun-Händclicn in ihren Knopflöchern. Auch VDA.-Fähnchcn und WintcrhiKsplnkettcn werden mit Vorliebe als Talisman getragen. Und dann •piclen sic den Uiedermnmi. Als ob wir das nicht merkten! Als ob wir unsere Erinnerung eingewerkt hätten! Sic täuschen sich. Wenn uns ein Jude dumm kommt, (Imin wollen wir es halten wie Dr. Gncbbelj. Wir tun zunächst so, als hörten wir nicht recht. Wir sehen iiber sie hinweg, all suchten wir das ferne Land Kanaan. Lassen sic sich nochmals vernehmen, so schauen wir sie uns an. Der Jude ver• steht sich aut Mimik. Genügt (las noch nicht, so lassen wir un .crcn lßick einmal von oben nach unten und dann von unten »ach oben an seinem fremdartigen Kör|>cr auf- und abglcilcn. Ist er auch dann noch bcgriffsUKztg, so haben wir cs mit einem typische n Fall rückfälliger Arroganz zu tun, und wir lassen uns zweckmäßig also vernehmen: ,,Mein Herr, Sic irren sich, Sie sind norh nicht nusgewandert“ oder ״Sie kommen wohl von Ullsteins Brigilten-Tag und suchen ein Schnittmuster fürs Dritte Reich?" oder ״Haben Sie schon eine Mittclmccrrciic mit Abstecher narb Jaffa belegt?" oder ״Ifalxm wir uns vor oder nach dem 30. Januar kcnncngclcrnt?" Niemand wird finden, daß dies Kclcidiguiigcn sind, aber wir zweifeln nicht daran, daß sie ihre Wirkung tun. Wir wollen mit den Juden so verkehren, daß wir unsere Freude daran haben. Das läßt sich machen. Wir haben Humor genug. Wir müssen nur den Ton bestimmen. Der Jude paßt sich immer an. Am besten ist cs, wenn er es wortlos tut, mit dem Schweigen eines Menschen, der sieh auf langer Wanderung befindet und sieh sammeln will. Früher glaubten die Juden, sie könnten in Deutschland uns erziehen. Jetzt hat sich das um 130 Grad geändert, jetzt müssen sie sich bequemen, von uns in die Lehre genommen zu werden. In änderet(!.ändern ist das übrigens läiigst der Fall. Da treten sie wesentlich diskreter auf. Da wissen sie genau wie weit ihre öffentliche und gesellschaftliche Lizenz reicht. Sie erkennen sie an wie die Vorschriften in einem öffentlichen l’nrk. Sic treten nicht auf den Rasen. Bei uns möchten sie am liebsten schon mit zum Tcmpclhofer Feld marschieren, singen und Würstchen verkaufen. Wie man mit Juden also verkehren soll? Dr. Goebbels hat es klar gemacht: man soll ihnen Abstand beibringen. Aus (ier Entfernung machen sie stell besser. Am besten ganz weit am Horizont, wenn sic ihr Gesicht hinter dem ״O-Uhr-Abendblatt“, dem ״Berliner Tageblatt" oder der ״Zürcher Zeitung“ verbergen.“ Für «ns Juden ist es wichtig; zu wissen, welche An- Weisungen in einer vielgclcsencn Zeitung für den Verkehr mit uns gegeben werden, und wie man sich dort unser Verhalten vorstcllt. Uns ist dabei nicht so humoristisch zumute, wie dem Verfasser des Aufsatzes. Es ist nicht angenehm, in seelischer Not verspottet zn werden. Was die Sache selbst betrifft, so gibt es in der Praxis des wirklichen Lebens viele Abwmidhingen. Jeder von uns weiß aus persönlicher Erfahrung, daß cs unzählige Deutsche gibt, die auch mit uns Juden so sprechen, wie es im harmlosen Verkehr zwischen menschlichen Wesen üblich ist. Ja selbst mit überzeugten Nationalsozialisten, die politisch gegen Juden und alles Jüdische eingestellt sind, gibt cs, wie viele Erfahrungen beweisen, die Möglichkeit eines ernsten und menschlichen Gesprächs. Trotzdem ist dieser Artikcl für uns lehrreich. Wir glauben, daß die große Mehrzahl der Juden sich bewußt geworden Ist, daß der von dem Leitartikler des ״Angriff“ geforderte ״Abstand“ gewahrt werden muß. Wenn trotzdem Fälle von Taktlosigkeit Vorkommen und der unerwünschte ״vertrauliche Umgangston“, den der Artikel erwähnt, angewandt wird, dann müssen wir unsererseits unsere jüdischen Mitbürger ermahnen, sich nicht in dieser Weise gehen zu lassen. Wir Juden müssen immer bedenken, daß ein Gcsprach immer charakteristischer ist für den, der Taktlosigkeiten begeht, als für den, der sic erleidet. Reichs wchrminister der Wirtschaft Der R e i c h s w c h r!111 n 1 s t e r hat «eitler Zuständigkeit das Rundschreiben tur des miuistcrs Dr. Frick über die fi r e n z e n'"d e r 11'*3•'״!1יי* g cs c t z g c b u 11 g zur Bcacltliing hekanntgetrehen ז!״' Kcichsinnenministcr hatte in diesem Rundschreiben ז' י obersten Behörden vor allem daraut liingewicsen fn, nicht angebracht, ja sogar bedenklich sei, wenn die r. n sät/.e des Aricrparagraphcn auf Gebiete ausgedehnt ״,,r’ar־'״ für.die sic überhaupt nicht bestimmt seien; ,jjcs 1..״,UfT•״. besondere, wie die nationalsozialistische Rcderuiw f "'s' wieder hrrvorgrlioben habe, von der freien W i r t s 1 er bitte Uebcrgriffen aut diesem Gebiete mit aller Entschied ' heit entgegen zutreten. Der Reichs wchrminister fügt der Bekanntgabe noch j■ Anordnung hinzu, daß wegen der Behandlung «,irs. arischer Unternehmen bei der Vergebung V' Leistungen die bestehenden Bestimmungen ,״ C,!״" seien und daß dem Minister unter Anführung der rUj1 zu berichten sei, bevor Maßnahmen getroffen würri. die auf Sotulcrbcliamlhing von Nichtaricrn abzicltcn. Gegen Juden an den Bühnen Das ״Büro d e s Vereins Deutscher Z ei Verleger" bericht et: ״In den Veröffentlichungen des Kampfbtmdcs für de«!«(״ Kultur und Rcichsverbandcs ״Deutsche Bühne“ wird am Passus der großen Rede des ReichspropagamlaniinKtcrs t> Goebbels im Sportpalast verwiesen, der sich auf die Juden' frage bezog. Der Minister hatte u. a. erwähnt, die |udt* möchten diese Worte als letzte Warnung betrachten. Hit״״ weisen nun die genannten Institutionen darauf hin, t|aB ein notwendiges Wort zu notwendiger Zeit von mafl;u-hiithe Seite gesprochen worden sei. ״Nicht nur als Schauspieler und Sänger verbitten wir uns die Juden", so beißt es u. a. weit« ״sondern auch als «Autoren und K 0 m p o n i s t e n. Auch als Textdichter in musikalischen Bnlmcnwerken verhüt«! wir uns die Juden ebenso wie als Regisseure oder Buh. ncnbildncr. Unsere kompromißlose Ablehnung trifft aber auch jene Judenstämmigen, welche als sogenannte Front■ arier heute noch auf Nebengleisen oder Hinterhöfen ghu. ben, ungestraft Personal- und SpicIplanpoMlik treiben n können. Ebenso lehnen wir auf deutschen* Bühnen alle jene Leute ab, die heute noch mit jüdischen Kreisen befreun• det oder mehr oder weniger verheiratet sind. Sie mögen noch so große ״Könner“ sein. Die Kernstcllimg dei Judentums in der deutschen Kultur bilden heute noch die jüdischen Bühnen Verlage, die wir leider verair säumt haben, Ihrer Machtstellung zu entkleiden." tungs. Die Aufgaben der Gemeinde Anläßlich der Verlängerung der Amtsdatier der Berliner Jüdischen Gemeinde schreibt einer der Führer der radikal• assimilatorischen Gruppe, Herr Bruno Woyda, in einem Artikel folgendes: ״Die Verlängerung der Legislalurjieriodc ist die Bcihebnllung der deutschen Führung in der Gcmeüule. I tu mit soll ko• neswegs gesngt sein, daß natlonaljiidisrhen Kreisen in der Hin• heitsgemrindc nicht auch ihr Recht werden soll. Aber die Euhrung und Tendenz der Berliner jüdischen Gemeinde wird lonan wie bisher eindeutig deutsch in nationaler Hinsicht Orientiert sein.“ Im weiteren Verlauf des Artikels spricht er dann seine Ansicht aus, ״daß nunmehr neben der bisherigen Gemcimkarbcit, die selli.t• verständlich fortgeliihrt werden muß, besonderer Wert der I’ fl 0 ge deutscher Gesinnung und deutscher K 11 11!1 r v e r ■ bundenheit durch die Gcmcinilcführung wird beiztimcss!n «in.״ Wir nehmen an, daß die deutschen Juden soviel Einsicht in die Situation haben, daß sic diese Bemerkungen des Herrn Woyda als eine grobe Taktlosigkeit empfinden werden. Es ist schon angesichts der allgemeinen Lage recht tragwürdig, wenn ein Jude proklamiert, die Jüdische Gemeinde werde nunmehr ״eindeutig deutsch“ sein und ihr die Pflege deutscher Oesinnung zur Aufgabe macht: denn die deutsche Welt wird höchst erstaunt sein, daß eine jüdische Gemeinde jetzt solche Aufgaben haben sollte. Die Bemerkungen Woydas können nur als eine Provokation der Berliner Juden- Schaft aufgefaßt werden. Die Berliner Juden haben es wahrlieh nicht nötig, sich noch von einem Mitglied des jüdischen Ocincindevorslamles verhöhnen zu lassen. Der Artikel des Herrn Wovda beweist, wie begründet die Bedenken der Zionistischen Fraktion gegen einen vorschnellen Abschluß des Kompromisses gewesen sind. rfüi ln der Nacht vom 25. zum 26. März 1914 waren auf dem jüdischen Friedhof in Helligenhaus 28 Grabsteine umgeworfen worden. Der Täter wurde jetzt zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Der preußische Justizminister hat die Verpflegungsordnung für die Gefangenenanstalten dahin abgeandert, dafi die Gefangenen jüdischen Glaubens in derselben Welse zu beköstigen seien wie die übrigen. Sei einem jüdischen Gefangenen Selbstbeköstigung gestaf'et, dann könnten die Speisen unter Beachtung der jüdischen Speiscgebote beschafft werden. Seit dem 20. April erscheint In Jaffa eine neue arabische Zeitung ״El Dcfa“ (״Selbstschutz‘‘): sie vertritt die Ansichten der nationalen Bewegung .,istaklal" und wird dem Gedanken eines einheitlichen arabischen Staates dienen. Postscheckkonto: Berlin Nr. 10405t Bankkonto: Dresdner Bank, Deposltenkaese Kurföratendammt® d&, Bod&hfetods des KEREN KAJEMETH LEJISRAEL JÜDISCHER NATIONALFONDSE.V. Berlin W15, Mtlnekestr. 10. Tel.:BUm.7l«S. Postseluek-Keeta Berfa »*fl V r־־ "עי ■^ig1 ־־ ■CAU DE "**ff" 4^*“ COLOGNE f 7 ■PAß Ta 'יי*\ -V ABTMUfl fAfl I f CH ««INS (•ÄOCBMefil«« '£benJn a1*n %nsc^r Das Interessanteste, plante Mcxteparß(* DAS SPEZIALHAUS FÜR1 Wäsdie Stoffe Kleidung Gardinen •Teppidw •Möbel angen 0fte Jen retßi illuslrterien o/ommerlcaiaL °ü sr?’“!?*״*״ ך•? i. IV _ Jb ™A 1״ t | 1 \j mm '!nrv יי וי ז ח י .׳ח f-1 \ 'ך 1 i\i L i {]) 7i\\V i L j יי ‘1ח!: 1 ו 1 illi ו r J J ivj [)} U ..JQUt I 1 L.״>d '1 Billig 1:2 . SP.ANDAUEt SIEASSE KQNIGSTRASSE י GEGRÜNDET l&U

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.