Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 40 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653489--25227-2682352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 40. IS■ V•1934 jüdische Rundschau Seite 3 ו ) 't'lt; •1־11' in מהיי 11'<H «M,. Alis. er 15 e ־ lv!1s!11.4 Mit: \\ '1(1,n!)i'• A 1111 1 י ‘ ,l'wl-h fn״n!,'r. 1)1511. im ־51>'׳ IC,!. ״«I Iin,1־ leiihiilj»,. I ii'rriiis 1sd,i:1׳,ky ie (»pf,,r e r 11 i n. kehr geführt Heil, Sir 1!i55 1<1:K'r I1־n1.׳m1n Verlust Wolken, ein Hur« tus.lnick ׳r Opfer נ I lilfs« Tiberiis fk’vulkc• be vom ari'.irelc lieber« Tat hnt > neuen imfU-re Artikel XX) Fin« len ameit Ion* , ,Trabi« llgarigs« r. Audi /011 dir 1111t iliri eis van׳ die in rill) der it fast Jwo — engen( cm enj» einer ■ec mit , Reste er aus ,vi.'clien 1 ::atu denen 'iberias jliistina fiele• gratirm e Md• Ziele, i 1: ״ ״> eil ״ה« tunen.‘1 1t ver« er mit scliein־ leibe um חיי wirf- Malien P<>* c ver« Ruck- ־',rt 11־• hn'i'tte 11 der n g s * ״daß hcre zum er der So ko« 1a be* m •י'» sehr _>r be« iieson־ den u ver* 1 180t ״ und , Leo leier* '*fcj! *«11 S *.an Von Joachim Prinz j pjc Jmlenfrage kann als 1'ra.e, als Formulierung, nie■ J ijfüp« sein. Sie ist nicht eindimensional. Sie erstreckt sich ) ״ c|H||«oviele 1.betten als das Leben selbst Farben, Formen i 1 ״j ״WclU־n“ hat. Do halb kann von allen Seiten her an die I yf1”fr.11:e hcrangcgangeti werden. Sie wird nicht attsgc- | |״|l(,pf|, wenn man nur eine dieser Seiten betrachtet. Des« I yti ]iahen die Menschen der wenigen Brocken, diejenigen, ] jjt schon alles ״aussagen“, wenn sie die gelernte Formel;pfcilien, keinen wirklichen Zugang zu tler Mannigfaltigkeit der Jiideiifrac.e. Die Jtidciifrage ordnet sich dem Juden dort ״|l wo sein 1:nH/es Lehen lebt. Da sie ,,seine'‘ Frage ist, hat ,je’,in feinem ganzen ungeteilten Sein Anteil. Sie definiert jh״ überall mit. Mur wenn man die Allseitigkeit und Offenheit der Juden« Irape vorausset/t, darf man aus dieser Fülle wählen und drei -rflße ״Judenfr,־u:en“ lierausselmeideii. Es sind die drei Kom«; «|cxe: die objektive Judenfrage, die subjektive ׳ judmfrage und die 11״ e i 1 s g c s c 11 i c h 11 i c h e“ Judenfrage, fjc von ihnen hat ihr Recht. Jede von ihnen hat ihr Signum. I. Pie objcklive Jmlenfrage hat das Signum: die Juden. 5if ist eine politische und nationale Frage. Das Og,1n zu ihrer Erkenntnis und zu ihrer Lösung ist die politische V e r 11 1111 f t. Im Gegensatz zu allen mir zeitlich bedingten Maßnahmen, zu allen prophylaktischen und lut« sanitären Akten, erkennen wir die Jmlenfrage iin sinnvollen Zusammenhang mit der besonderen Lage der Judenheit in icr Welt. Das Verdienst und die Aufgabe ries Zionismus ist ,Hi,11b die strikte und radikale L c 11 g n u n g der i s o ■ licrten 111 ׳ ä וו o 111 e 11 e. ln der neuen Geschichte der Juden Innn cs keine isolierten Ereignisse geben. Fs gibt zwischen icti cm/eliicn, auf/eigbaren Phänomenen der Juden in dc1\ rcrstliicdem'ii Ländern nur Unterschiede des Breitengrades, riebt des Prinzips. Prin/ipiell, von der Fiuheitliclikeit unserer Konzeption her, kann es eine Vereinzelung der Judcnpliäm« »enf nicht geben. Diese Gesamtsehau kommt nicht aus dunklen Duellen und mystischen Tiefen, sondern aus der eindeutigen, klaren Erkenntnis. F.s ist die Sterilität des europiisciicn Judentums, daß es — außerhalb der Orthodoxie — keine andere, neue, aber totale Konzeption der luden frage gefunden hat. Freilich ist es kein Zufall. Denn die Deutung der Judenfrage durch den Zionismus ist eine wahre F.rkenntnis. Nur wer die Fehlerquellen, die denke« rischen Fehlerquellen dieser Erkenntnis atif/eigt, hat das Recht, den Zionismus zu bekämpfen. Nur, wer nach dieser Kritik ein klares und umfassendes Denkgebäude aufrichten kinn, welches alle Judeiiphäiiomciie sammelt und von dieser ükenntnis her deutet, ist ein echter Gegner. Alles andere —< in sind kleine und eben nicht wichtige Affekt,ittacken. Das deutsche Judentum erlebte um das Ende des vorigen Jahr« mmlerts die Pogrome in R 11 (i 1 a n d, den Drcyfusskand.il in Frankreich, den Tysza-Eszlarprozcß in Ungarn, die KirM.ueger-Epodie in Wien und die Ahlwardt Stöcker« Kampagne in Deutschland. Es war unfähig zu heereilen, daß alle diese Ereignisse ein einziges großes Ereignis bildeten: das Ereignis des Vorhandenseins der ohaktiven Jmlenfrage. Es sali die Ereignisse isoliert, überließ dm Kampf in Frankreich dem Menschenfreunde Zola und rtic Sturmzeichen in Oesterreich der linden Luft an der Donau. Die aiisw,ändernden russischen Juden wurden durch humani« »rc Maßnahmen der I lilfsvereine versorgt, und das eigene Schicksal vertraute man dem Fortschritt, dein Liberalismus und der Abwehr des Antisemitismus an. Diese Mallung wird rten dann grotesk, wenn man an das — echte — Mitleid des deutschen Juden für den ״armen Bruder aus dem Osten“ dmkt, und sic wird zur Tragödie, wenn man die mit Blindheit sfschlagcncn Juden erblickt, die ihr eigenes Schicksal nicht «hm wollen oder nicht sehen können, weil sie an die iso« ftrte Betrachtung der Jmlenfrage gewöhnt waren. So werden äiK ihnen ״Narren“ von Shakespeareschem Format. Aber nur *מ Lust hat, mag über sie Indien; denn diese Narren sind 5«er. Das Denken in isolierten, vom Simiznsammenhnng l״s־ glasten Kategorien, wird auch heilte wieder manchen dctit- Garn Juden zum Verhängnis. Wieder sehen sie nicht die Jmlenfrage als eine Frage aller Länder. Der Affekt vor« schließt Urnen die Augen. Sie sehen nicht die Jmlenfrage in Gien, Rumänien, Amerika, Griechenland — die beginnende ärtiscinitische Welle in allen Ländern, fast ohne Ausnahme. J■«! sich selbst vertrösten sie. Obgleich die Wirklichkeit sie wrtcr stoßen müßte als je, reden sie sich in die Illusion "1״ein. Sie haben nicht die Fähigkeit, enttäuscht zu sein. Sie dien Furcht vor der Konsequenz des klaren Denkens. Die ult des wirkliehen Daseins, in der es nicht nur Existenz, *'®'lern auch Leben gibt, haben sie nicht. Die, hei denen 1 5ך ungeordnete jüdische Denken in Jmlendingen siegt, ן *dltcn nicht frohlocken. Denn eines Tages wird cs kein gutes erwachen gehen. Die Frage der Jude״ liegt offen vor dem, tf erkennen kann und will. Ihre Lösung wird uns von Niemandem ahgenommen. Wir müssen sie schon selbst in ä1e Hand nehmen. II. Das Signum der inneren, Subjektiven Jmlenfrage heißt: " ז jüdische Mensch. Von ihr hat Moritz II ei mann jesagt — und Martin B u h c r hat dieses Wort in seiit eigenes cnken einbczogen — daß es d i c Jmlenfrage sei, die der J '.5״Hi dort empfindet, wo er völlig einsam, auf einer ier nc1' Insel lebt. In der Tat ist diese innere Jmlenfrage eine ... •■)kcit. Die Unmöglichkeit, seinem Jmlesciii zu ent« h H׳n, bedeutet auch hier wieder die Unmöglichkeit der ,,’ü’iung. Vor einer Frage, die unser Sein mitdefiniert, ohne man uns — im Denken und Fühlen — nicht begreifen nn> kann man nicht fliehen. Es ist eine psalmistische Situa« wenn man will, ״fromme“ Situation. ״Wohin soll fliehen vor deinem Angesichte?“ Wirklich: keine Ein* kci,,c Nacl>k keine ״Insel der Seligen“, keine ״Flügel jua M0rßcnriit־“ entführen 1ms aus dieser inneren Frage des W יי c‘C foist uns wic ci" >״SVCIHii£cr Schatten, wie das C sP'cßel. Ja, mehr noch als beides, denn sie kann nur außen projiziert werden, es sei denn, daß man *oldi/ •’ sci" ßanzes Sein projiziert. Die Leugnung einer inneren Judenfrage muß deshalb zum Nichtwissen uni sich selbst führen. An diesem Selbstbetrug, an dieser vermeintlichen Losgclüstlieit von seinem Judcscin sind große und wertvolle Menschen zugrumle gegangen. Immer wird sie zur tragischen Biographie, zum Bruch und zum Hindernis für die schöpferische Kraft eines Menschen. Von hier aus begreifen sich die Biographien, das Lehen und das Sterben solch reiner Menschen wie Walter Rathen,m und Jacob Wassermann. Ahnten sic auch beide das Vorhandensein ihrer inneren jtulciifrage, so mußte bei Rntlicnnu die Mißachtung tler objektiven Jmlenfrage, bei Wassermann der unwirkliche ״Weg als Deutscher und Jude“ in die Irre führen. Diese Irre hieß bei beiden der Tod. UI. Das Signum der ״heilsgcschicliUiclieit“ Juden frage heißt: Israel. Wir nennen sic — weil wir kein anderes Wort haben — hcilsgeseliiehtlidi, weil hier Geschichte, Weg und Existenz des Juden Volkes in einen ״Hcilsplnn“ cingcordiiet wird. Das ist das Geheimnis der jüdischen Geschichte. Ein« gebettet in Völker hoher Kulturen in Wissenschaft, Kunst, Staatsgesetz und Recht, blich cs außerhalb dieser weltlichen Kulturen als ein kleines Volk in einem kleinen, ungünstig ge« legcnen Lande, ein Volk, welches in jeder Epoche Gott begegnete. Diesen seinen Gott Umschrift Israel von allen Seiten: vom Rechte, das mit Gott geboren, von der Dichtung, die Gehet und Psalm heißt, von der Berufung und der Ekstase, vom Gesetz, und vom Lied — und — vor allen anderen — von jener großen Begegnung, die man die Offen* bar ring nennt. Die Häufigkeit, die Mannigfaltigkeit und die weittragende Bedeutung dieser Begegnungen Israels mit seinem Gotte, gehen uns die Pflicht, zu glauben, daß schwer« lieh unsere wundersame Erhaltung ohne einen Plan ge« schiebt. Das Faktum unseres Daseins ist nur dann kein zufälliges, wenn es das Dasein Israels ist. Von hier aus erwächst uns nicht nur die Pflicht der Uebcrprüfung unserer Wege, sondern auch der Rechtsanspruch, der über den Anspruch eines jeden anderen Volkes liinnusgcht. Dieser Anspruch geht an die Völker und zieht ihnen Grenzen des Verhaltens Israel gegenüber. Glaubt man aber an das Vorhandensein eines solchen Planes, der mit uns geschieht, dann kann man sich vor Ucberstürzung in der religiösen Frage hier und besonders in Palästina bewahren. Die Ucberzeugtmg schafft hier Vertrauen zu allem, was in diesem Bereich geschieht. Die Herausstellung der drei Judenfragen darf aber ihrerseifs mm nicht wieder zu ihrer Isolierung voneinander führen. Diese Fragen stehen nicht zur Auswahl bereit. Es kann nicht jeder von ihnen nehmen und kosten, welche seiner Zunge schmeckt, diese oder jene. Auch diese Isolierung muß in die Irre führen. Ja, sie kann zur Flucht aus der Jmlenfrage über« liaupt verleiten. Viele Juden erliegen dieser Versuchung, auch in Dingen der Jmlenfrage;1 1,1 carte zu speisen. Fs hilft ihnen aber nichts. Sie müssen sieh überwinden und das ganze Menu herunteressen. Für einen Zionisten, das heißt also einen Juden, der die Jmlenfrage versteht und an ihre Lösung geht, ordnen sich selbst alle drei — und noch mehr — Fragen einem großen Zusammenhang ein. Für die Nichtzionistcn aber, die bekanntlich eine leidenschaftliche Liehe zu neuen Vokabeln haben, bedeutet das im gleichen Maße die Ablehnung einer oder aller Fragen. (Immer mit Ausnahme der Orthodoxie, für die die heilsgcschiclitliclic Jiidenfragc das Zentrale und die ganze Konzeption bedeutet.) Es geht nicht, daß man Vokabeln und Begriffe übernimmt und den Zusammenhang ablehnt, in dein allein sie sinnvoll sind. In solchem Verfahren werden nämlich nicht mir die Begriffe, sondern auch die Menschen blind gemacht. Die Frage der Juden, die Frage des jüdischen Menschen und die Frage Israels gehören zusammen. Keine ist ohne die andere. Sic bedeuten immer das gleiche. Sie sind nur Seiten, Farben in einem Spektrum, dessen Skala sehr groß ist. In Palästina werden diese Fragen nicht im Handumdrehen gelöst. Es ist naiv, von dem Lande die Lösung aller Judenfragen zu verlangen. Die Zeiträume, in denen die Rufer nach sofortiger Lösung denken, sind klein und unwirklich. Unser Volk denkt zu sehr in Fertigwaren. Lösungen aber werden nicht ״geliefert“. Für echte Lösungen gibt es nicht den kommerziellen Begriff der Verzugszinsen. Aber jeder, der in Erez Israel war, weiß, daß es dort wieder ein Lehen gibt, das den eigenen Duft und den eigenen Rhythmus hat, ein Lehen, das wieder ״kribbelt und wibhclt“, ein Lehen, in welchem der Mensch mit jedem Tag vor Sein und Sterben steht. Das aber ist das untrügliche Zeichen der Wirklichkeit. In diesem Leben allein, dem Leben, das fern von der ״Hvpertrophie der Gehirne“ lebt, das Augen hat und überall hinschaut, wird der Weg zur Lösung bereitet werden, Judcmiedlung in Ostafrika? Wie die Londoner ״Times“ aus N a i r 0 11 i (Briliscli-Ost• afrika) meldet, haben die Führer der jüdischen Gemeinde in Kenya einen Plan im־ die Aiisiedluug von tausend jüdischen Familien aus Ost- und MiUeleurona in Britisch •Ost« afrika auigestollt, und zwar soll die Au-icdlung sich sowohl aut Kenva als auch auf Uganda und auf gewisse Teile von Tanganjika beziehen. Das Projekt sei auch bereits dem Emigranteii-Komitee des Völkerbundes vorgclcgt worden, doch meint tler Berichterstatter, daß die hohen ־Lebenskosten in Oslafrika als ein Hindernis betrachtet werden dürften. Die ostafrikanische Presse, so wird weiter berichtet, lieht hervor, daß die jüdische Leistung in Palästina beweise, daß die Juden (,)uahtäten besitzen, die für Oslafrika sieh günstig auswirken würden. Im Anschluß an diese Notiz tler ״Times" schreibt am nächsten Tag der Herausgeber der Zeit« sehrift ״East Atrien“ in London, daß keiner maßgebenden Stelle etwas von einem jüdischen Sicdlungsprojckt in Afrika bekannt geworden sei. Demnächst begeht der Oberrabbincr von Warschau, Profcssor Moses Schorr, seinen 60. Geburtstag. ERSTKLASSIGE HOTEL MtT ALLEM KOMFORT HOTEL OLftTTAUER KARLSBAD OHIiUHt Trtllpunlit dir Zlonl.l.n Ein Schritt der Rcichsvcrirciung Die Pressestelle der Reichs! erlrctung der deutschen Juden teilt mit: Die Relclisvcrtrctunß der deutschen Juden hat zu den Ausführungen, die der Rclchsministcr für Volksaulklärung und Propaganda, Herr Dr. Goebbels, in einer Versammlung im Sportpalast zu Berlin am 11. Mal d. J. über die Juden gemacht hat, In einem eingehenden Schreiben an den Herrn Minister Stellung genommen. DieVerwendunfl ier Palästina-Anleihe Eine Erklärung Den Gurfons Jerusalem, 15. Mai. (J.T. A.) David Ben Gurion, der Leiter des politischen Departments der Jcwisli Agency, erklärte in einem Gespräch mit dem Ita-Vertretcr, daß die letzten drei gegen jüdische Arbeit in Palästina gerichteten Maßnahmen der Palästina-Regierung . gekürzte Sehed u I e; Verbot des Kampfes gegen jüdische U n tcrnchmcr, die arabische Arbeiter beschäl« t i g e n; zwei Millionen P f 11 n d - A n 1 e i 11 e — cs als notwendig erscheinen Lnsnt, daß sieh die Jcwisli Agency mit der Mandatarmaeht gründlich auscinandcrsctzt. Seit anderthalb Jahren, nieinte Ben Gurion, hält die Regierung die Zahl der Zertifikate für jede Halbjahrs« periode auf dem niedrigen Stand von etwa 5500, unbeschadet dessen, daß die seither cingctrctemm tiefgreifenden Vcran« (lerimgeii in Mitteleuropa und die traurige Lage der Juden im Osten, dazu der sich immer verschärfende Mangel an Ar« bciUkräftcu in Palästina eine um ein Vielfaches größere Seheilule rechtfertigen. Unsere Forderung nach einer bedeutend verstärkten Alijali stützt sich auf drei Motive: 1. außergewöhnliche Notlage der jüdischen Massen ln der Welt; 2. stetiger wirtschaftlicher Aufschwung in Palästina; 3. ernste Sorge vor politischen Komplikationen In der Welt, insbesondere im Nahen Osten, die eine rasche Verstär* kung des Jlschuw in Palästina gebieterisch erfordern. Unverständlich, sagt Ben Gurion weiter, Lst die Aufle« gung der zwei Millionen P f u 1111 - A n I c i It c durch die Palästina-Regierung. An die Spiizc der Verteilung der Anleihe wird die Seßhaftinaclning ״dislozierter Araber“ gesetzt, obwohl es bereits jedermann bekannt ist, daß das Geschrei über dislozierte Araber unbegründet war; es gibt im ganzen einige wenige hundert Araber, die infolge jüdischen Bodenkaufs ihren Boden verließen, ein Teil von ihnen hat gar nicht die Absicht, sich wieder der Landarbeit zu widmen. Und doch hat die Regierung ein volles Achtel des Anleiliehetragcs diesem Zweck /!!gewandt. Die Summe für Schulen aus dem Ertrag der Anleihe kommt einzig und allein den Arabern zugute. Wozu überhaupt die Anleihe? Die palästinensischen Steuerzahler, d. h. die Juden, werden an Zinsen 4 "״ an die Londoner Banken zu zahlen haben, während die Regierung in Palästina über einen Budgetübcrschuß der letzten Jahre in Höhe von 2''2 Millionen Pfund verfügt, bei deren Anlegung sic Im ganzen 1' "״ Zinsen erhält. Es Ist vollkommen unverständlich, daß eine Regierung ihr Geld zu billigen Zinsen hergibt und gleichzeitig Geld zu hohen Zinsen wieder hcreinnimmt. Ucbcr all das, schloß Heu Gurion, werden wir uns mit der Mandatarmaeht gründlich au sein andersetzen müssen. Das jüdische Palästina wird allmählich ein bedcu* tender Faktor nicht allein vom rein jüdischen Standpunkt, sondern auch vom international politischen Standpunkt. Die Judenfrage dringt jetzt weit schärfer als früher in die Welt* politik ein und trägt mehr als bisher einen internationalen Charakter. Balfours Palästina - Politik Im Zusammenhang mit der großen Palästina•!)e• batte im englischen Unterhaus, die der Zustiminung zur Garantie Englands für die neue Palästina-Anleihe voranging, veröffentlicht die Londoner ״Times“ am 14. Mal eine Reihe von Zuschriften. Lord M erst׳ y, der soeben von einer Palästina-Reise zurückgekehrt ist, schreibt, er könne die Erklärungen des Kolonien-Ministers Sir Philip Cunliffc-Listcr voll bestätigen. Für jemanden, der eine längere Zeit nicht in Palästina gewesen ist, seien der Fortschritt und die Verbesserungen geradezu überraschend. Die Straßen seien ausgezeichnet und das allgemeine Aussehen der Dörfer und der neuen Siedlungen in bezug auf Reinlichkeit, sanitäre Vuliältnisse und offenkundigen Wohlstand seien sehr verschie» den von dein, was man unter der türkischen Regierung sah. Sehr lohend spricht sich ,111111־ Lord Mer-׳<־.־ über den neuen Hafen in Haifa aus, von dem er grolle Zukunftsmöglichkeiten in bezug auf den Handel mit dem ganzen Hinterland erwartet. Die Nichte Lord Balfours, Blanche Dugdale, wendet sich gegen einen Passus in der großen Rede l ord Wintcrtons, der (nach dem Parlamentsbericht der ״Times“) gesagt hatte: ״Ks könnte sein, daß, als der verstorbene Lord U.ilfour sein* bcr'ämtc Deklaration machte, dies der Akt eines Staatsmann«! gewesen war, der bereits den Zenilli seiner Kraft überschritten liatle, und seine F.1 kl.ining »ui eine Information!»egriindete, die ihm durch iiherhegeisterle junge Leute b; iqebrni 111 wurde, welche besser im Kampf iür ihr Land lieseliiiltigt worden waren.“ Dazu bemerkt Mrs. Dugdale, daß das Jahr der Balfour• Deklaration auch das J:dir der berühmten Balfour-Missian in den Vereinigten Staaten war, eine der größten diplonia־ tischen Leistungen seines Lehens daß Balfour sieben Jahre später seine zweite Reise nach Washington unternahm, die Hotten-Konvention zustande brachte und tO'26 seinen staats* männisrlten Ruhm krönte durch die Deklaration über die Be* Ziehungen innerhalb des Weltreiches auf der Reichskonferenz. Wie immer man von seiner Unterstützung des Zionismus denken mag, auf keinen Fall könne man die Sache als die Schwäche einer beginnenden Senilität charakterisieren. Die Balfour-Deklarntion war der Ausdruck eitler wohlüberlegten Politik des ganzen Kabinetts, für die Lord Balfour als Außenminister zeichnete. Lloyd George und Balfour sind innerhalb der Regierung am entschiedensten für eine Pohtik der Unter* .Stützung des Jüdischen Nationalheims eingetreten. Balfour seihst war seit seinem ersten ZusaminenlreKeii mit Dr. Weizmanu im Jahre P)f!(1 voll Sympathien für diese Sache und schwankte in dieser Gesinnung ni.ltl, obwohl zur Zeit seines Todes (lO'i()) der Erfolg des palästinensischen Experimentes viel zweifelhafter schien als dies glücklicherweise heute der Fall ist. Mrs. Dugdale ■bemerkt weiter, daß Lord Balfour mit einem Teil der Rede von Lord Winterfon sicher voll ein* verstanden gewesen wäre, insbesondere was die Notwendigkcit einer Arbeit für die Verständigung der beiden Völker betrifft. Soeben aus Palästina zurückgekehrt, meint die Schreiberin der Ucberzeugtmg Ausdruck geben zu können, daß dieser Geist auch die Regiemngstätigkeit des jetzigen High Com• missioner Sir Arthur Wauchopc erfül'*