Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1934)
- Date
- 1934-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 38, 10 y 1934 Nt wir braue h e 11 / ti in. m i 11 ü cs t e 11 Dole 11 e“. Am 19. Juli ist in das Tngehtidi eingetragen: ״Sonnabend war ich , in Tei-Awiw weiten BriJIt Habit joiiitn“. Auf Verlangen des Verteidigers wurde eine liiiilragung in das Tagebuch vom 25. Noveinlier 1932 verlesen, in der Aiiii-Meir die Ermordung eines Arabers bespricht und M c t h 0 d e n individuell e 11 Terrors a b I c 11 n t. Sollte ein individueller Terrorakt von seinen Anhängern begangen werden, so würde dies /eigen, dail sie ihm nicht verstanden halten, und dali sciii^ l:influß auf sie sehr gering sei. Nur Tr/iehnngsnrbeit sei Sache seiner Gruppe. Damit fsdtloli die Verlesung. Bezüglich der Manuskripte Stavskys erklärte Inspektor Götter, er habe einige seiner Artikel konlis/iert, wisse aber nicht, wo die Manuskripte jetzt seien. Der nächste Zeuge war Abdul Medschid, der junge Araber, der sieh ais einen der an der Ermordung Ariosorolfs beteiligten ,Männer bezeichnet(!, später aber diese Erklärung wklerniicti hat. Nach Beruf und Grund seiner Verhaftung betrag(, erklärte er, er sei Mechaniker und zusammen mit einem anderen Araber, lssa el Derwisch, wegen Ermordung des arabischen Barbiers Lutli verhaftet worden. Im Gefängnis sei er mit Stavsky, Roscnblatt und Achi-Meir zusamineiigeIndien, habe aber mir mit den beiden ersten gesprochcn. Seine erste Unterredung habe er mit Stavsky zwei Tage vor Roselt I iasehana geführt. Stavsky sei auf ihn ztigetreten und habe ihn gelragt, warum er im Gefängnis sei. Er habe geantwortet, weil er und lssa el Derwisch Lulfi getötet hätten. Die zweite Unterredung fand am Morgen des Neujahrstages slatt. Diesmal habe er, Abdul Medschid, Stavsky nach dem Grund seiner Halt gefragt uiul dieser habe geantwortet, er, Kosenblatt und Achi-Meir seien im Zusammenbang mit dem Arlosornff-Mord im Gefängnis. Später habe ihm Stavsky 1000 Pfund und die Beisteilung ausländischer Verteidiger für den Fall versprochen, daß er die Schuld an der Ermordung Dr. Arlosoroffs auf sich nehme. Hierbei habe Stavsky die Aehnlielikeit zwischen sieh und Abdul Medschid sowie /.wischen lssa el Derwisch und Roscnblatt betont. Stavsky habe ihm auch gesagt, daß er bei dem im Jerusalemer Gefängnis befindlichen Araber Sufchi 503 Pfund deponiert habe. Sufchi werde Abdul Medschid alle Einzelheilen mitteiien, die er benötigen werde, um schildern zu können, Wie der Mord an l)r. Arlosoroff geschehen sei. Dann habe Stavsky den I lergang des Mordes an Dr. Arlosoroff erzählt. Stavsky und Rosenblatt seien Dr. Arlosoroff und seiner Gattin bis z.11111 arabischen Friedhof gefolgt, dort hätten sic sich in einer Holzbaracke verborgen und hätten gewartet, bis das Ehepaar auf dem Rückweg an der Baracke vorbeikam. Sic seien auf Dr. Arlosoroff und seine Frau zugetrefen und Stavsky •habe gefragt: ״Wie spät Ist es?“ Dr. Arlosoroff antwortete, er könne die Zeit wegen der Dunkelheit nicht ablesen. Daraufhin habe Stavsky eine Taschenlampe auflcuchten lassen, Roscnblatt habe gefeuert und beide seien gegen den mohammedanischen Friedhof zu geflohen. Während des Gesprächs mit Ihm, Abdul Medschid, nabe ihm Stavsky einen Plan gezeigt, auf dem die Mordstellc eingczelchnet war. Riehter Corrie fragte, 01) der Plan fertig gewesen oder vor dem Zeugen gezeichnet worden sei. Abdul Medschid erklärte, der Plan sei fertig gewesen. Am nächsten Tag seien Stavsky und Roscnblatt wieder zu ihm gekommen und hätten ihn gefragt, ob er siel» die Sache überlegt habe. Er möge nichts befürchten, er würde jeden notwendigen Beistand erhalten. Dann habe er mit Roscnblatt gesprochen, der Stavskys Angaben bestätigt und hinzugeiügt habe, die Waffe sei eine Repetierpistolc gewesen. ״Wie kommt cs“ fragte der Vorsitzende Richter Corrie den Zeugen, ״daß die anderen'in der Zelle anwesenden Haft- Hugo von diesen Unterredungen nichts gehört haben?“ Abdul Medschid antwortete, er habe mit Stavsky und Rosen* Watt durchs Fenster oder eine Tür gesprochen, so daß die übrigen Gefangenen nichts davon gehört hätten.״ Seitdem habe er Stavsky und Roscnblatt täglich gesehen, sie hätten ihm wiederholt: ״Vergilt nicht, fürchte dich nicht, wir wer-, den dir 3001) Pfund geben.“ Staatsanwalt Musa el Aland fragte:!׳ln welcher Sprache wurde die Unterhaltung gefühlt?“ Der Zeuge: ״Hebräisch“, Staatsanwalt: ״Können Sie hebräisch?“ — ״Ein wenig“, — ״Kann Stavsky hebräisch?“ — ״Ja". — ״Und Roscnblatt?“ — Der Zeuge antwortet: ,,Können Juden nicht ihre cjgene׳ Sprache?“ — Abdul Medschid sagte weiter aus, er habe, nachdem er aus Jaffa ins Gefängnis von Jerusalem gebracht worden war, dort Sufchi getroffen, der ihm gesagt habe, er möge sieh nicht fürchten, und ihm versichert habe, die 500 Pfund seien wirklich für ihn deponiert. Dann habe Sufchi die Einzelheiten des Mordes genau so geschildert, wie es Roscnblatt und Stavsky getan hatten und habe ihm gesagt, der Mord sei an jenem Tage geschehen, an dem der ägyptische Meisterringer Hussein in Jaffa aufgetreten sei. r־'-\. a \\די , n A ןין די ךיו ך-ן y ■*w /־" ■׳\ ri ר״!ח ח c—A in i) ‘ v' J 11 ׳! iv ׳' J V.:>׳C\.Jv... Ju ׳.ס p f' ־"״׳p f j| y y y ti r\ /י־־ g v! ■ p.f /־a; iuu. 4«יי*/ ץ~י) Eine Stimme aus der Wissenschaft Die Ereignisse des Jahres 1033 haben die rechtlichen Grundlagen der Mischehen erschüttert. Die auf diesem Gebiet neu au! getretenen Rcclitslragcn sind Gegenstand mehrerer vielbeachteter Gerichtsentscheidungen und wissenschaftlicher Abhandlungen gewesen. Hie ״Jüdische Rundschau“ hat hierüber fortlaufend berichtet. Neuerdings beschäftigt sich Prof. Dr. Heinrich S t o 11, Tübingen, in eine,׳ Abhandlung ״Die Auflösung ׳einer Mischche“ mit diesen Problemen, (״Deutsche Juristcn-Zcitung", lieft 9 vom 1. Mai 1931.) Der Artikel beginnt mit folgenden Ausführungen: ״IVr N!1ti1mi1!,M1;׳i.11i ,יו״וו mißbilligt die Elte zwischen Deutsc-hf״ und juilr'n, Die Hin.lebt in die lirletil!mg des Rimcproblems fiir die /.ukutilt unscves Volkes ist seil der mUiomden Revolution in immer weitere Kreise eilig ׳dnmoui; es kann heule!11» «llgeioeine Volksiilieivengutig gellen, daß Mischehen mit Juden unerwünscht sind. Keiliilieh und gcselKiluifilieh bat die Erkenntnis der Ra<ornvrr.«-|1iedeuheit /,u einer scharfen Unterscheidung zwischen Ariern und Juden geliihrl. Jüdische Relehsimgehiirigo sind vom ülfcutlichen polnischen l.ehen gruiiddil/lirli au .geschlossen. Sic unterliegen auch .sonst nmiiHieii Hesehrnnkiingrn (z. II. Zugang zum f loeh-ehiil- Studium). Dadurch entstehen lilr die bestehenden Rhen zwisrhen Deut scheu und Juden schwere Helastungen und Erschütterungen! sowohl für den!irischen wie für den jüdischen!'.lieg iltrn kann der verständliche Wunsch bestehen, ,jüttc derartige Elte zu lösen. Hei dieser Einstellung des Staate!•, der geänderten Volksiiherzengimg und der Lage der Betroffenen ist zu prüfen, wie rechtlich die Mischehen zu bciiitellen sind. Die Krage, ist sowohl für die RerIttsKOWcndung wie für die (!rsct/gclmug iieduitsnm, aber auch methodisch von WER HAT DIES LAND ERWORBEN? hohem hileies.c." C Hinsichtlich der Rechts a 11 w e n d 11 n g kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, daß in den meisten Fällen ein Anfechtungsrecht zu versagen ist und auch eine Scheidung*- mögliclikcit wegen der Rasse nicht bestellt. Bei der Betrachtung der methodischen Seite des Problems weist die Abhandlung auf die schwierige Stellung des Richters in solchen Fällen hin, da er hier einerseits an das noch geltende Gesetz gebunden sei, andererseits es auslegen und seine Lücken ergänzen müsse, wobei er dem Umbruch in der Oeistcshaltting des deutschen Volkes Rechnttng zu tragen habe, ln diesem Zusammenhänge heißt es u. a.: ״Bei dem Meinungsstreit über die Auflösung einer Mischehe haben wir ein typisches Beispiel vor 1ms, wie schwierig die Grenz• zicluing ist, wenn in einem Fall die!)eitlen gegensätzlichen Anfnrtlci'uiigcn an den Richter sich hegegtu 11. ... Es steht, außer Zweifel, daß der durch die nationalsozialistische Revolution zyr Geltung ge. brachte Riw.egcdnnkc mich im Privatrecht, Insbesondere im Ehcrceht sich nuswirken muß. Die Rechtsgesinuuug des Richters kann und dort nicht anders als nationalsozialistisch sein. Versuchen wir an ffami einzelner Kiillc die Grenzlinien zwischen Gcsetzcsgehorsam und Rcehtsforthilrlmig zu zielten. Der § 1333 enthält dehnbare Begriffe: hei ihrer Auslegung kann und muß daher der Richter dem Wandel Der Verhältnisse und der neuen Rechtsgr ■iiinimg Rechnung tragen. Unter persönliche Eigenschaft wird man vor 30 und 20 Jahren das ״Jude sein“ insoweit nicht haben rechnen können, als die Beteiligten darin nur einen Kmtfcssionsunterschied sahen; denn die Religion ist keine persönliche Eigensehnfl. Heute dagegen bedeutet das ״jüdisch sein“ nach der aligcmeinen Volküilierzctigung eine Rassezugehnrigkeit und ist deshalb stets ohne weiteres eine• persönliche Eigenschaft, ״Die verständige Würdigung der Ehe" ist ein typisch dehnbarer Begriff; er gebietet dem Richter, seihst auf Grund der Volksübcrzctigting zu bestimmen, welche Fügen •chatten für das Wesen und die Bcdeutuii״!, ״ ... wichtig sind.“ ‘־ht Von besonderem Interesse ist der letzte Teil des A1f satzes, In welchem sich Prot. Dr. Stoll mit der Frage eine- Aenderung tl e r gesetzlichen B c s t i m m u beschäftigt. Er sagt hierzu; * ״ ״Die koiiiincndc gesetzgeberische Regelung bestimmen, wie in Zukunft Mischehen zu beurteilen sind. Wie ,! ist cs mit dem U c b e r g a n g * r c c It t t Kann et allem!)» l’iavis überlassen weiden oder bedarf cs auch hier eines hing׳״!,,' des Gesetzgebers? Ich halle eine ge-,ct׳g• beriuhe Uthrr7,'.,,, ,״.״ lung für wünschenswert. Denn weh her d״r verschiedenen Mn!,״,' gen man auch folgt, keine kann voll befriedigen; der R1rhtfr y eben in tm-frer Et igc nur zur Beschreitung des einen ™Icr an,1״״״ Wege-, aber nicht zu einer rechtlichen Menge •tahuug in der I! ״ Die Ablehnung der Aiillosttngsiimglichkcit laßt die. dem Stau erwünschte R* stinischung fortbcuehen; sic kann in maiuhcn Ls!;,,, iür die Ehegatten bedeuten, daß sic in einer innerlich z׳Tri1ttc״׳a Ehe au-hahen müssen, oder treibt sie schlimmsten Fallt iiifufp. ,tt( dauernden Spannung zu einem cUcwidrigcn Verhalten. Die (;",;,*ן,, rung der Anfechtung kann zu unbilligen Härten (keine Unfnliah,!. pflicht, Zerstörung lange bestehender engster Gcmriturluift, inür.cm. dere des KgmiUcidclvns Iür die Kinder) und —־ wie der T.1!l,c-1ar״j ries Karlsruher UrleiU befürchten läßt — zur Ausnutzung die•;! Anfeclilintgsgrurtde• tühren. um eine aus anderen Gründen cr.uA!f aber nicht erreichbare KlreaiUlö.iing hrrhti/u'iihrrn. Hie Au(lü;,״J ist vom!lautlichen Stamlpunkt aus ebenfalls nicht erfreulich urd ' entspriclit nicht dem sittlichen und religiösen Empfinden um! re, ' Volke«. Herrn es ist kaum anzunehmen, daß der lyuc Staat bfv.!|. ] kerungspolilisch nuf diejenigen 90 großen Wert legt, deren hlm. ’ mäßiges Empfinden eingesehlafen war. Unserem Volke io dir Fht als citic Institution dauernder Eeliensgrirmin«(luft. in der Leid m) Freude gemeinsam zu tragen sind, heilig, und männliche dciti-rn; Anschauung ctwmtel von demjenigen, der euren Irrtum oder l'clüzr! begangen h!1t, daß er verantwortungsbewußt und charaktervoll <D Folgen, die ihm daran* erwachsen, auf sich nimmt. KrrlrOpnlilivh ist die Unruhe und Unsicherheit, die Itei den immerhin zahlreichen Mischehen au* vergangener Zeit entstanden ist und noch entsteht, m bedauern. ... So sprechen Gründe der Rechtssicherheit wie der Ra.^enpolrriV und der Billigkeit fiir eine ncilge.lallende gesetzgeberische l.e ur:{. Die Rechtssicherheit gebietet eine grundsätzliche Regel; ra״rn■ politisch kann in manchen Fällen die I.ü.ung der Khe um! V!r■ hüttinp weiteren gemischt rassigen NaehwuehsC» den Vorzug vor Dir. Gründen für die Atifrcchtcrhaliuiig der Ehe verdienen, mcn-*־ld>ch kann das Rassecmpfinden und völkische Verantwortung ■Ecwtt 1’.isnn des einzelnen so stark erweckt sein, die Erzeugung dculschhliirigzn N'adrwrtchses für ihn so wichtig sein (z. B. Erhhoih.ruer) n׳l׳r die Zerrüttung der Khe so weit vn׳■ge-chritten sein, daß .111י Billigk• it־.. gründen die Lösung der Ehe in solchen Fällen ermöglicht «mim sollte. Ith würde daher für das Uchergangsrerlit weder der Abteh■ nung jeder l.ösung.miigliihkeit (Sclmm.trhcr) noch dem Vor.ehlij eines allgemeinen Irciderseitigcn Srbeidungsrcchts (June) bet■ treten, sondern eine unteraehiedlicite Behandlung anratetr, die acn hervorgehobenen verscliierlena'Fgcn Gesichtspunkten gerecht wetdrn kann, also: grundsätzlicher Ausschluß der Anfechtung hei Mn heben, die vor dem 15. April 1033 abgr.ehlo.sscn wurden, vollst.1 tulig nach lOjähriger Dauer der Ehe; im übrigen als Aufnahmen: Sehen dung.smöglichkeit in bcirlerscitigem Einvcr»tandt1i», und cinsöligci Scheidung recht, wenn dem .Anfe׳ blenden die Fortsetzung der Fite unter Beriicksiehligung der völkischen und Familienbel inge nicht mehr zugemutet werdrn kann. Unterhalt spflicht lies Srlieidutig«. berechtigten; bei Scheidung in licidcrsritigem F.invcrständnis hatte der Mann für den Unterhalt aulztikommen. Kinder werden unter die elterliche Gewalt des nicht,-irischen Teils gestellt.“ Juden und Landwirtschaft Wie uns 1uil|getcilt wird, hat die Landesbauern• schaff Thüringen des Deutschen Reichsnährstandes eine Vertilgung erlassen, die sich gegen die Beschäftigung jüdischer Jugendlicher auf Bauerngütern wendet. Demgemäß wurden eine Reihe von jungen Juden, die hei Bauern arbeiteten, entlassen. Es handelt sich dabei meist tim junge Leute, die körperliche und landwirtschaftliche Arbeit lernen wollen, um später in Palästina landwirtschaftlich tätig zu sein. Es ist eine bekannte Tatsache, daß in der jüdischen Jugend das Streben, zur Landwirtschaft überzugehen, sehr stark ist. Leider müssen wir die Erfahrung machen, daß zwar die Kritik an der bisherigen jüdischen Bcrufsschichttmg in nichtjüdischen Kreisen sehr stark ist und man (len Juden vorwirft, nur zum Handel hinzuneigen, aber wenn ernsthafte Versuche gemacht werden, diese Schichtung zu überwinden, zur Arbeit übemigehen, finden wir wenig Verständnis. In diesem Sinne ist auch ein Artikel des ״Kottbusser Anzeiger“ vom 3. Mai(, zu verzeichnen, der sich heftig gegen die jüdische Siedlung ln Gaglow wendet und erklärt, ״der interessierten deutschen Bevölkerung habe sich Besorgnis und eine gewisse Unruhe bemächtigt"; weil die ״Gaglower Sicdcl-Judcn“ die Lausitzer Gartenwirtschaft zu ״tnonopolisieren“ streben und überdies mit Praktikanten arbeiten, die nicht bezahlt werden, sondern selbst noch für die Ausbildung Geld zuzahlen; dagegen müsse man gesetzliche Mittel ergrei• fen. Antisemitische Überfälle in Warschau und Bialystok Warschau, ö. Mai. (J. T. A.) In ietzter Zeit mehren sich wiederum Ucberfällc natlonaldcmokrati• scher E x z c d e 114 c n auf jüdische Passanten in den Straßen Warschaus und in der Provinz, in Warschau kam cs am Sonnabend zu Ausschreitungen nationaldemokratlschcr Jugendlicher. Einige Personen wurden verletzt, Vier An- «reifer wurden verhaftet. Im Paderewski-Park fielen Studenten mit Stocken oder Messern über jüdische Spaziergänger her. Eine hei dieser Gelegenheit schwer verletzte Frau konnte noch rite zwei Angreifer, die über sie hcrgcfallen waren, fcststellen. A11 einer anderen Stelle der Stadt wurden jüdische Studenten verletzt. Ein Versuch naiiomildcmokratischcr Studeuten, Unruhen im jüdischen Viertel hervorzurufen, wurde N abgewehrt, litt Warschauer Cafe ״Italia“ forderten Nationaldemokraten die Entfernung der jüdischen Musikkapelle und riefen: ״Juden, hinaus aus Polen!“. Einige jüdische Gäste wurden schwer mißhandelt. Herbeigerufene Polizei verhaftete sechs der Ruhestörer. , im Bia ly stoker Stadt Wäldchen wurden jüdische Spaziergänger überfallen. Die Ucberfällc wiederholten sieh nachts in der Stadt. Eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde von Bialystok besuchte den Starosten und ersuchte um Schutz der jüdischen Bevölkerung. Da die Antwort des Starosten die Abordnung nicht befriedigte, wurde beschlossen, eine Abordnung zu den Zentralbehörden nach Warschau zu entsenden. Jüdischer Kongreß in Chile (Von unserem Berichterstatter.) Santiago de Chile, 27. April (durch Luftpost). ׳ Zum erstenmal wird in Chile der Versuch unternommen, in einem großen allgemeinen Kongreß, der am 30. Mai in Santiago und de Chile beginnt, alle Fragen, welche das ja• dischc Leben in Chile und im allgemeinen angelten, zur Sprache zu bringen. Mau kamt sagen, daß zahlenmäßig an jüdischen Vereinen und Verbänden tu Chile kein Mangel herrscht, oh־ wohl in Chile mir 10000—12000 Juden leben. Es ist daher zu begrüßen, daß jetzt damit begonnen wird, eine Zentral!• slcrung eintrcten zu lassen. Die Zionistische Vereinigung von Chile beteiligt sieh mit allen ihr »«geschlossenen Parteien und Gruppen an diesem Kongreß. Für den Kongreß werden am 11. Mai 107_Oelogicrte in geheimer Wahl gewählt. Dazu kommen je zwei Vertreter aller jüdischen Institutionen des Landes, so daß mit 160 Pelcgierten gerechnet werden muß. Wahlberechtigt sind alle Juden, Männer und Frauen, über 18 Jahre, die im Lande leben, ln den anderen siktanrcrikanisclicn Staaten wird der Kongreß mit großem Interesse erwartet, was beispielsweisc.aus Zuschriften hervorgeht, welche aus Peru cingingcn. Die wichtigsten Punkte, die aut dem Kongreß zur Sprache gebracht werden, sind folgende: Situation der Juden in der Welt und. in CIA Probleme des Antisemitismus, Assimilation und Erziehung Chile, Einwanderungsfragen, jüdische Wohlfahrtscinrichtiinge״ in Chile, Teilnahme (direkt oder indirekt) am jüdischen weit* kongreß in Genf, Wahl eines Exekutiv- und Repräscntau'• komitccs, welches in Zukunft die Juden Chiles offiziell ver* treten soll. Die Vorbereitungen zur Wahl sind in vollem Gange. Pef Ausschuß, welcher sich mit den .vorbereitenden Arbeiten betaut, setzt sich aus fünf aktiven Zionisten zusammen unter dem Vorsitz des zum Generalsekretär dieses Exekutivkomitees M' stellten überaus rührigen Menahem Aloni, des Sekret;!״ der Zionistischen Vereinigung von Chile. Im September findet in Santiago der 16. zionistische Kongreß statt, verbunden mit besonderen Feierlichkeiten an• läßlich des 15jährigen Bestehens der zionistischen Vereinigung von Chile. Heinz OotthiH■ Theodor HerzI Ausstellung in Wien In Wien wurde eine vom Keren Kajcmcth gemein* sam mit dem Herz!-Archiv arrangierte Herz.l-Ausstellu״). eröffnet. Neben zahlreichen Repräsentanten der Wiener Junen* schalt waren Vertreter der Behörden anwesend. Adolf *1״״י berichtete über die Entstehungsgeschichte der Ausstcm»*׳ Tulio Nussenblatt erläuterte die ausgestellten Stücke. Lhe A״» Stellung bietet ein geschlossenes Bild vom Werdegang Bemerkenswert sind Briefe Herzls an verschiedene männcr und Schriftsteller, die bis jejzt unbekannt Diicm Die lettische Regierung hat einen Juden, M. LifschßH׳ als ehrenamtlichen Konsul Lettland«, in T«'A nominiert