Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1934)
- Date
- 1934-05-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 jüdische Rundschau Nr. 37, 8. V 1934 Juden auszuniit/cn. Wir wissen auch genau, daß nicht alle Jude» für Palästina geeignet sind, und Palästina reflektiert am allerwenigsten auf solche Elemente, die überall hin wollen, nur nicht nach Palästina; man soll alles tun, um ihnen den Weg in eine neue Heimat zu ebnen. Aber all dies muß im Rahmen sachlicher und ehrlicher. Unternehmungen bleiben. Die jüdische Not׳ darf nicht für Bluff!!erhalten müssen. Wenn z. B. in der vorigen Woche durch die ganze (wenigstens die halbscriösc) Weltpresse die Nachricht von einer bevorstehenden Jtidensiedhmg von 5 Millionen Seelen in portugiesisch Angola ging, so zeigt dies, wie leichtsinnig jüdische Angelegenheiten vielfach behandelt werden. Demgegenüber ist bemerkenswert, daß der High Commissioncr für deutsche Emigranten James Mac Donald in seiner letzten Londoner Rede offen zugab, daß eine Unterbringung von Einig rant c n in anderen Ländern als Palästina so gut wie unmöglich ist, und daß nur Palästina, für das das Büro MacDonalds allerdings nicht zuständig ist, eine größere Anzahl Emigranten tatsächlich aufnahm. An dieser Sache ändert sich auch dadurch nichts, daß für gewisse kleine und besondere Kategorien von Emigranten andere Länder Gastfreundschaft gewährtem; so z. B. bringt die Londoner ״Times“ am 4. d. Mts. einen ausführlichen Bericht iibt-r die Unterbringung von 178 aus Deutschland emigrierten Gelehrten und Professoren in England. Das jüdische Emigrationsproblcm ist nicht das Problem kleiner Gruppen, sondern eines Volkes. Wir sehen die Bedeutung Palästinas nicht in erster Reihe darin, daß es dem Eniigrationsbediirfnis Abhilfe schaffen kann. Auch wenn wirklich 5 Millionen Juden nach Angola gehen könnten, würde dadurch Angola nicht Zion werden, und das jüdische Schicksal ist an Zion gebunden. Wir würden auch dann Zionisten sein müssen, und die 5 Millionen Juden in Angola würden cs auch sein müssen. Aber leider stellt es heute so, daß die 40000 Menschen, die jährlich in Palästina cimvandern können, innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten einen Rekord darstellen. Betrachten wir nun die Dinge vom jüdischen und palästinensischen Standpunkt, so ist zu sagen, daß insofern Anlaß zur Enttäuschung besteht, als die 5600 Zertifikate das vorhandene Bedürfnis bei w e i - tem nicht befriedigen können. Wieder werden Tausende von Menschen, die ihre Hoffnung auf diese Zertifikats-Zuteilung gesetzt hatten, leer ausgehen und weiter warten müssen. Solches Warten aber gefährdet die besten Kräfte unseres Volkes. Und in Palästina ist nach der Darstellung der Exekutive, die ihr Material von Experten behandeln ließ, Platz für mehr arbeitende Menschen. Wird die Zahl der Einwanderer zu niedrig gehalten, so entstehen Nachteile, die den organischen Aufbau und die g e s u n d e S c h i c 111 u 11g des Jüdischen Nationalheinis bedrohen. Denn die Knappheit an Arbeilskrüflei! führt bereits seit Monaten dazu, daß die Arbeitslöhne in bestimmten Fächern, besonders im Bauwesen, ungewöhnlich steigen, was nicht nur das Bauen verteuert, sondern auch eine natürliche Anziehungskraft auf alle Arten von Arbeitern ausüht. Während wir daran interessiert sind, möglichst viele Menschen auf dem I. nndc zu halten und in Landarbeit auszubildcn, stehen wir machtlos vor der Tatsache, daß die Arbeiter das Dorf und die Pflanzungen verlassen, weil sic in der Stadt oft das Dreifache verdienen können, lind trotzdem herrscht auch in den Städten noch Arbeiterinnngel. Viele, Bauten können nicht ausgeführt werden, auch die Falinken können ihre Aufträge nicht bewältigen, die Wohnungsnot steigt, und zugleich steigen die Mieten, die Arbeitslöhne werden liiiiaufgdriehcn, in manchen ländliehen Bezirken sind für die Landwirtschaft lebenswichtige Arbeiten in Gefahr. Der den Juden auf Grund des MacDonald-Briefcs vom Februar 1931 zugestandene Anteil an öffentlichen Arbeiten kann nicht ausgeniitzt werden, weil keine Arbeiter vorhanden sind. Ja auch aus verschiedenen Rcgicrungspostcn, wie Polizei usw. gehen die Juden weg in höher bezahlte Arbeiten der Stadt, ln der bevorstehenden Arbeitsperiode werden neue Arbeiten in Angriff genommen, die Tausende arbeitender Hände benötigen. Die lmlustriellen-Organisation allein hat das Bedürfnis nach neuen Arbeitern für die nächste Zeit mit *1200 beziffert. Das Bedürfnis nach ausgcbildcten Facharbeitern in bestimmten Industrien ist ungemein groß, seine Befriedigung eine Lebensfrage für die betreffende Industrie. Es wird einer souveränen Organisationkunst bedürfen, um die 5600 Zertifikate so aufzuteilen, daß wenigstens die wichtigsten akuten Bedürfnisse Palästinas befriedigt werden können. Die Gründe, warum die Mandatarmacht nicht mehr Zertifikate bewilligt, sind bekannt. Einerseits will sie nicht durch übermäßige Immigrationsziffern die arabische öffentliche Meinung zu sehr irritieren und den arabischen Nationalisten nicht Stoff zu ihrer Agitation innerhalb und außerhalb Palästinas bieten. Andererseits hält es die Palästina-Regierung für ein Gebot der Vorsicht, der jetzigen Konjunktur zu mißtrauen. Wenn auf Grund des jetzigen Arbeitsbedürfnisses Menschen ins Land gelassen werden, so besteht nach ihrer Meinung die Befürchtung, daß bei wirtschaftlichen Rückschlägen ein großer Teil der Immigranten arbeitslos wird. Wir können nur die Hoffnung aussprcclien, daß der neue Chef des hnmigrafions-Dcpartments Mills bei Antritt seines Amtes eine umfassende Neuerhebung über die Notwendigkeiten des palästinensischen Lebens anstellen wird, so daß die Möglichkeit besteht, in der Praxis den Notwendigkeiten in höherem Maße entgegenzukommen, als es bei zu starrem Festhalten an dem jetzt erlassenen Ipimigrations- Schema möglich ist. ' m י״~ חף: ן ״־-ין ך״־־״ן ן•—ן ן■*•*» I! |״*jp / ך־־־ ־ -1 V. -W ו f—i f״״f f ן * ' i '1; ■ י ך,־־• ןף״י1 ~ ^ß ■*J 1 II fl«1וי״׳ Von Ernst Kahn. London Man erzählt von einem hoffnungsvollen französischen Nafurforsdier, der Tag für Tag sehr genaue Messungen über das Wachsen eines jungen Hundes vornahm. Die Ergebnisse beunruhigten deif Wissenschaftler immer mehr; der Schwanz . des II mul es wuchs niimlich ganz erheblich rascher als der Rumpf. Die Berechnungen des Beobachters ergaben, daß der Schwanz, bereits einmal um die Erdkugel herumgehen werde, wenn der Körper ״erst״ die Länge von Frankreich habe. — Diese i'esistcllung brachte den Aermden um sein geistiges Gleichgewicht und er beging Selbstmord. Das war entreiße* den ein übereilter Schritt, denn bei einem Zuwarten von wenigen Wochen hätte dieser Verehrer statistischer Methoden bald feststelleu können, daß die Sache sich durch den allmählichen Stillstand des Wachstums von selbst erledigen würde. — Au diese Anekdote sollte jeder denken, der sich auf das gefährliche Parkett der Prophezeiung in Bevölk c r u n g s f r a g e 11 wagt. Der gewissenhafte Wissenschaftler muß wissen, daß er auf diesem Gebiet nur Tendenzen klar legen, Wahrschciulichkeiten darstellen kann, aber apodiktische Voraussagungen deshalb unterlassen muß, weil immerhin nicht vorauszusehcmlc Ereignisse alle Voraussdumgcn über den Haufen werten oder zu 111 miuilcslcn korrigieren könnten. Darum fügt der Vorsichtige stets seinen Vorbehalt bei: ״Cetcrus paribus, — wenn alles andere gleich bleibt, — so wird dieses oder jenes eintreten". Seiten hat man die Notwendigkeit derartiger Reservate klarer erkennen können als gerade in dieser weltbewegenden Zeit. Wir wollen uns auf die Bcvölkcrungs Vorgänge im deutschen Judentum beschränken, wo einige entscheidende Tendenzen sich ganz offensichtlich von Grund auf geändert haben: Fünf I lauptfaktoren hatten hier bisher den zuerst von T 11 c i 111 n h c r gezeigten Auflösungsprozeß bestimmt: Mischehe, Austrittsbcwcgnng, Heiratsscheu, Geburtenbeschränkung und Altersaufbau. Von Jahrfünft zu Jahrfünft hatte die Mischehe als Ausdrucksforiu des Assimilationsprozcsses der deutschen Juden — der nssiniHicrtesteii Juden der Welt — zugenömmen; zuletzt waren auf 100 reinjiidisehe Ehen etwa 60 Mischehen gekommen, — eine für das Judentum geradezu mörderische AngeU'genhcit. Dieser scheinbar unaufhaltsame, Prozeß der Mischeben, der da und dort bereits, ־zur Regel geworden war, dürfte wohl bald in einer verblüffenden Radikalität abgestoppt sein. I hui die Austrittsbcwcgnng wird vermutlich auch Te111|X) und Art gründlich wechseln. Während also diese beiden Faktoren des Auflösuugsprozesses zum mindesten ihre Kraft scharf vermindert haben, durften die anderen erheblich z.ugcnommen haben. Da ist vor allem der vielleicht entscheidende zu erwähnen: der Altersa u f b a u. Schon zu Anfang 1933 mußte man die Gliederung der deutschen Juden mit einer umgekehrten Pyramide bczcichneu. Damals schon zeigten sie gerade auch iü dieser Hinsicht alle. Kennzeichen einer sich auf lösenden' Volksgruppe: Anormal viel Alte und Aeltere, wenig in den mittleren Jahresklassen lind cirtc geradezu kümmerliche Zahl von Kindern. Auf Grund recht umständlicher Berechnungen und Schätzungen kam ich damals zu folgendem Bild: (Geschätzter) Altersaufbau der deutschen Juden Anfang 1933. Altertftufbdu im Dtutatfc•• R#lch 1910 0—10 Uhr« 51000 d. •. v. d. Getarnt!, 10,0% <23,4% 10-20 57 000 »/״11.1 (20,2%) 20-30 79 000 15,5% (16,4%! 30-40 92 000 0 18,2% (14,0%l 40-50 83 000 16,2% 10,6%) 50-60 77 000 15, t«/0 (״/"7,6 ) 60-70 51000 * 10,0% (״/״5,0 70—80 * 16 000 3,1% ( 2,3%) über 80 M 4 000 1 ״/״0.8 ( 0,5%) Zusammen: 510000 100% (100%) 1a< noch die Tatsache, daß 1933 aus mannigfachen Gründci, ׳ Tiefrekord in der jüdischen Geburtenzahl anzunehnien Auf Grund von Stichproben, die ich da und dort über Ir Altersstufen der Emigranten nehmen konnte, habe ich '•* folgendes Bild über die heutige Zusammensetzung acr sehen Juden gebildet: ucu*־ ng der jüdischen nulbaucs Bevölkerung Anfang 1934. und ihres 0-10 jiitire 43 OöO ״/« 9,7 10-20 rt 40 000 9,2 % 20-30 n 59 000 13,65 % 30-40 n 80 000 18,2 % 40-50 69 000 15,65 % 50-60 77 000 17,5 % U,5 % 60-70 51 000 70-80 17 000 3,9 % über 80 4000 0,9 % Zusammen : 440 000 100 % nt Diese kleine Aufstellung bedarf einiger Bemerkungen: Es mag zunächst Wunder nehmen, daß ich die Gesamtzahl der deutschen Juden Anfang 1933 mit nur 510000 beziffere; das erklärt sieh aus der seit 1925 eingetretenen Abwanderung, aus den Austritten und vor allem aus dem Stcrbcübcrschuß. Das Kennzeichnende aber ist, daß damals schon weniger 0-20jährige lebten als 50—70jährige, Wenn je das Sclilagwort ״Vergreisung“ am Platze war, so traf das sicherlich hier zu, Um das Anormale besonders schlagend zu zeigen, haben wir in Klammern den Altersaufbau eines wachsenden Volkes, nämlich des Vorkricgsdcutschlands von 1910 daneben gesetzt. ,Noch war bei den deutschen Juden von Anfang 1933 die stärkste Gruppe zwischen 30—40 Jahren, aber binnen kurzem hätte sich das Schwergewicht automatisch noch oben verscliobcn. In der Zwischenzeit nun hat ein A u s w a n d e r u n gsström eingesetzt, der relativ groll ist und dessen Ende noch nicht abaisehen ist. Für das Jahr 1933 schwanken die Schätzungen zwischen 60000—80 000. Das sind etwa 14®/# des Anfangsbcstamlcs. Da gleich-zeitig ein sehr erheblicher Sterbe- Überschuß eingesetzt hat, dürften zurzeit kaum mehr als 420 000—440000 Juden noch ln Deutschland leben. Aber das ist in diesem Zusammenhang, wo vom Altersaufbau die Rede ist, noch nicht das Entscheidende. Der springende Punkt ist nämlich die Tatsache, daß sich das bereits Anormale des Altersaufbaues im Jahre 1933 geradezu zum Grotesken gesteigert hat. Und zwar namentlich durch die Art der Auswanderung: Es wandern naturgemäß nicht die Alte« aus, sondern namentlich die Jüngeren. Das Ist immer so gewesen. Bei der noch im Zuge befindlichen jüdischen Emigratiou aus Deutschland ist das noch besonders betont, weil hier schulpolitische Gründe mitsprechen. Zu erwähnen ist natürlich ^{5 Isuiel, JUctnd &ga> Juden Bevor ich diese Tabelle erläutere, sei betont, daß sic eine Schätzung ist, — freilich eine ziemlich gründliche Fraglos hat das Jahr 1933 den Prozeß der l/ebcralterung unp. mein gefördert. Man beobachte vor allem die Klasse s!er 20 30jäl1rigcn, die von 79 000 auf 59(KK) gesunken ist. Ahe auch die noch jüngeren sind dezimiert. Unter 30 Jahr« wären nach unserer Rechnung nur noch 141 000 Juden i- Deutschland, gegenüber immerhin 187 <RK> vor einem Jahre; Nur etwa ein Drittel ist unter 30 J a 11 r c n. V«. glcichswcisc sei erwähnt, daß in einem wachsenden Volk fast zwei Drittel der Bevölkerung in diesen Altersklasse stellen! Die entscheidende Bedeutung einer derartigen Er• ,schcimmg liegt zutage: Audi bei einer (recht unwalmdiM• liehen) plötzlichen Stockung der Auswanderung fehlen fa I eine weite Strecke die Eltern für die kommenden Gensrationen: der durchschnittliche Jahrgang der 0—30jährigen ist mit etwa 4700 Menschen besetzt. Nimmt man an, diS jeder einzelne von ihnen das heiratsfähige Alter erreicht und dann wirklich heiratet — eine völlig unwahrscheinliche Annahme — und die Mischehen künftig gänzlich untcrblic• bcn, so hätten wir alljährlich etwa 2350 Eheschließungen נת erwarten; rechnet man pro Ehe selbst drei Kinder, so kämen wir auf rund 7000 Geburten. Es ist leider anzuneh• men, daß diese äußerst unwahrscheinliche Zahl hinter der Sterbeziffer Zurückbleiben wird. Die Wahrscheinlichkeit spricht für wesentlich andere Entwicklungen: weder werden alle in Frage Kommenden heiraten, noch aber alle Ehen drei Kinder bekommen. Wenn wir pro Jahr für die aller• nächste Zeit etwa nnncltmcn, daß ein Drittel unverheiratet bleibt, so wird man nicht sehr weit daneben treffen. Wenn also rund 1700 Eheschließungen pro Jahr zu erwarten sind und wenn man in Anbetracht der derzeitigen Verhältnisse die Kinderzahl dieser Ehen auf. etwa 2000—2500 schätzt, so ist das kaum zu niedrig gegriffen. Bei dieser Annahme ist in keiner Weise der offenbar zu erwartenden Auswanderung Rechnung getragen. Daß diese gerade junge Menschen weg• führen wird, die entweder vor der Heirat stehen oder bcrciti verheiratet sind, braucht nicht erwähnt zu werden. Wie aber steht es mit den Stcrbcf .allen? Ein so völlig überalterter Rcvölkerungsteil, wie ihn die Juden nachgerade darstellen, muß darauf gefaßt sein, daß in überraschend schneller Weise die Sterbeziffer steigt. Schon in den lebten Jahren haben vvir in zunehmendem Maße eine überdurch• sehnittliche Sterbeziffer bei den Juden beobachten können. Wenn mail vorerst mit mir 20 Sterbefällen pro 10TO rechnet, so ergibt* das allein schon 8800 im Jahr, also etwa dreimal So viel als Geburten. Dieses iiier gegebene Beispiel (2000 bis 2500 Geburten — 8800 Sterbefällc) bedeutet einen Sterbe• Überschuß von 6300—6800 im Jahr. Er würde in zehn Jah• ren bereits durch natürliche Bevölkerungsbewegung die Zahl der Juden uin über ein Siebentel verringert!, Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß diese.־ Prozeß viel schneller gehen wird, weil von Jahr zu Jahr weniger!;beschließende vor• handen sein, aber immer mehr Sterbefälle zu verzeichnen sein werden. So also bietet sich uns das Bild für die wahrscheinliche Entwicklung des deutschen Judentums. Aber, wie gesagt, ti־״ Sicherheit gibt cs nicht und immer wieder muß der vorsich* tige. Wissenschaftler an die eingangs erwähnte Anekdote über den französischen Naturforscher denken. Aber selbst gesetzt den Fall, daß die hier skizziert Wahrscheinlichkeit eintreffen sollte, so kann man heute sw Grund dieser Entwicklung nicht die Hände in den Scho» legen und sagen: ״Die deutsche Judenhcit löst sich auf, wir wollen die Dinge ihrem Schicksal überlassen.“ Das wäre verkehrt, und zwar aus zweierlei Gründen: Fürs erste durften, auch in einem quantitativ zuriiekgehenden jödisGic'n Volksteil, in Deutschland lebensfreudige und lebcnswilüg6 Kräfte bleiben, und das sind vielleicht gerade diese Kn •׳, die besondere Förderung und Ermutigung beanspruchen d״r‘ fen; denn es kommt ja nicht auf die Quantität, sondern a״ die Qualität an. Und dann ein zweites: Auch ein Auflösung»• prozeß wird lange Jahrzehnte in Anspruch nehme״, »»ä ״ geht nicht an, während dieser Zeit die Hände in den Schn“ zu legen. Im Gegenteil: die Tatsache gerade dieser zur«״‘ gehenden Bewegung wird Probleme in Hülle und Fw‘s hervorbringen. Erinnert sei hier nur. an die immer sch«'*’ riger werdende Frage der Vergreisung der deutschen Hrt und alle dadurch hcrvorgcrufcncn Verpflichtungen der Altert fiirsorge und ferner an die durch die ständige Auflös!״* von kleinen Gemeinden sich ergebende Zusammenballung ״ verbleibenden Judeh in einigen Großgemeinden. in Breslau nur noch bis zum Sonntag, den 13. Mai 1934 Vcpclnchmto, Hlndenburcplntz 9 Gegen Vorzugsbebandlung . von Juden bei der Einwanderung nach Ainef״‘ New York, 4. Mai. (J.T.A.) Die Handelskamm«4״ Staates New York hat auf urund des Berichtes einer Kommission unter dem Vorsitz Dr. Laughlins vom ״ ncgic-Institut in Washington beschlossen, den Vorscni.^ machen, daß bei der Zulassung zur Einwanderung ( Amerika keine Ausnahmen zugunsten j«1״ J־ Auswanderer aus Deutschland ge'nac״t ״r:e di« sollen. Die Einwanderung von Juden solle ebenso der Angehörigen anderer Rassen im Rahmen der *«g Quoten vor «ch gehen.