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Jüdische Rundschau · 1934-05-04 · Heft 36 (4.5.1934) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 36 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU N«-.36, 4.?,!934 folgen. Nur zu einem sei hier eine Ocgcnäußcrung gewagt: Es ist richtig, daß der gläubige Mensch immer in der Urige- < sicherilieit steht. Aber cs ist nicht so, daß der Mensch, der in der Uiigesicherthcit lebt, deswegen schon gläubig ist. Es bestellt offensichtlich die Neigung, aus der Not eine reiigiösc Tugend zu machen. Es gibt eine religiös-fruchtbare Ungesicheitheit und eine andere aus Schwäche. '* Von den Ansprüchen der Religion Das Judentum soll nicht mehr und nichts anderes sein als eine Konfession. Um so deutlicher müssen die Züge sein, an denen ihr Bekenncrinm erkennbar wird. Angeblich tief verstrickt in die europäische Geschichte, ständig in der Nach- Barschaft der Kirchen, muß sie bei allem Eigenleben doch einem AnspTucii der Religion Rechnung tragen, der die getrennten Bekenntnisse einigt. Dieses Einigende ist der Anspruch der Religion auf den Primat. Wir sprechen Bier absichtlich nicht von einem Anspruch der Kirche, sondern van den! unabdingbaren Anspruch der Religion, der sich ans der Quelle des Glaubens ergießt und immer von neuem durchbricht, Er stellt in Widerspruch zu der tatsächlichen Erfahrung, zu der Geschichte, wie sie wirklich ist. Er ist ein Anspruch, der unaufhörlich Niederlagen erleidet und der doch durch nichts zu beseitigen ist. Es gibt aber heute nicht wenige, die den religiösen Charakter des Judentums betonen, weil sie glauben, so den Pakt mit der Umwelt am glattesten zu erreichen. Ganze Verbände scharen sich kollektiv um das religiöse Banner. Das ist aber doch gerade für diejenigen, die es mit dem Religiösen ernst meinen, nicht erträglich. Es dürfte ihnen eigentlich nicht wohl sein in einer Gesellschaft, die sich unter der Deckung der Religion um Emanzipation bemüht. Dieser Verdacht wird noch genährt, wenn wir die Aufforderung Liberaler an die Orthodoxie vernehmen, religiöse Differenzen ״zuriickzustellcn“ und eine geschlossene Promt gemeinsam mit ihnen für eine Emanzipation zu bilden. Gerade von den Vertretern der ״reinen“ Religion könnte man erwarten, daß sie nicht nur dem Zionismus gegenüber den Primat oder die Ausschließlichkeit des Religiösen verteidigen, sondern überall da, wo dieser Primat bedroht ist. Dies alles gehört in ein Kapitel hinein, das wir am besten mit Gcwisscnserforschung überschreiben. Sie ist eine nicht unwichtige Betätigung des religiösen Menschen. Sic gebietet, daß er in innerer Freiheit auch die eigene Art der Religiosität, seine eigene Frömmigkeit einer Kritik unter• ziehe. Auel! in der Behandlung gcincindcrechtlicher Fragen, zum Beispiel des Wahlrechts, hei der Wahl und Auswahl von Oemciiidetlihrern, in der Behandlung landesfremder Glaubensgenossen, war gestern und ist heute hinlänglich Gelegenheit dazu, in Deutschland und anderswo. Vielleicht wird man den Vorwurf erheben, der ganze liier atifgcmnchte Unterschied zwischen Judentum und Religion sei doch recht künstlich. — Er ist künstlich. Diese Antwort gebe ich denen zurück, die ihn machen, wo immer sic stehen. Die Künstlichkeit Beginnt bereits bei der Identifizierung des Religiösen mit einem Konfessionsbegriff, der nur geliehen ist. Es kann auf die Dauer nichts getrennt werden, was dem Wesen nach zusammengthört. Gott und Volk gehören zusammen. Das Durchdringen zu dieser Erkenntnis und ihre Anwendung ist die wahrhafte Umkehr, Erneuerung, Wende und wie die Worte alle heißen, die jetzt so einstimmig von so verschiedenen Menschen mit so verschiedenen Absichten gebraucht werden. Der Rabbiner in Palästina Von Dr. Oskar W o I f s b c r g, Jerusalem! Seit einigen Monaten besteht in Jerusalem ein Klub, der den Namen מסבה trägt und als Mitglieder etwa 30 Männer, gesetzestreue Intellektuelle, zählt. Unter ihnen befinden sich Rabbiner, Uiiivcrsitäisprofcssorcn, Aerzte, Anwälte, Schriftsteiler und Lehrer, sowie einige Kauficute; manche sind geborene Palästinenser, andere seit langem hier ansässig, ein Teil erst jung im l ande. Audi hinsichtlich der Altcrszusammenset/ung besteht eine glückliche Mischung, und manche poli• tischen Gegensätze sind hier vereinigt. Doch nicht vom Klub selbst will ich heute sprechen, obgleich seine Existenz für Jerusalem einmal von Wert werden kann und schon die Gründung ein gewisses Ereignis gewesen ist. Das erste Thema, das behandelt wurde, war das ״Probl cm des Rabbinats“ (vor allem in Palästina). Fast mit Selbstverständlichkeit wurde es gewählt. Es ist nicht meine Absicht, über den Gang der Verhandlungen zu berichten. Der Hauptreferent Rabbi Benjamin und manche Diskussions• redner suchten das Thema historisch zu unterbauen und kri• tisch in der Gegenwart zu behandeln, andere stillten prak• tische Gesichtspunkte: Was sollen die Rabbiner zur Gestaltung und Hebung des religiösen Lebens tun? Was kann zur Er• höhttng des Ansehens des Rabbinats geschehen? in den Vordcrgrtmd. Rabbi Benjamin, der verdienstvolle Herausgeber des ״Hahcd“, veröffentlichte seine Ausführungen in seiner Zeitschrift und druckte auch einen Teil meiner Diskussions• hemerkimgen, die ich, soweit sie die Uehcrführung des Berliner Rahbinerscminars nach Erez-Israel hetreften, in erweiterter Form int ״Haarez“ publiziert hatte. Es wird sich Gelegenheit bieten, in meinen weiteren Ausführungen an die Aussprache anzuknüpfen. Die Dringlichkeit, die der Klub dem Thema gab, und die lebhafte Kritik, die dort, bei aller Anerkennung der talmudi* sehen Gelehrsamkeit vieler Rabbiner und der allgemeinen Bedeutung einiger hervorragenden Gestalten, an der Institution des Rabbinats geübt wurde, sind Ausdruck eines Noist andes, der verdient, hier erörtert zu werden. Will man das Leben Palästinas verstehen und sich ein Bild von der zu erwartenden Entwicklung des religiösen und geistigen Lebens machen, so kann man atf der gegenwärtigen Situation des Rabbinats nicht Vorbeigehen. , Ich bin noch verhältnismäßig jung im Land, und meine Erfahrungen reichen nicht aus, um cm maßgebliches Urteil abzugeben. Ich kenne nicht sciir viele Rabbiner und überschaue ihr Wirken nicht. Und dennoch kann einiges gesagt werden. — Ich nehme drei Gestalten aus der Betrachtung heraus, die sich in den allgemeinen Rahmen nicht fügen: Rabbi Abraham Jizchak Kook, den aschkenasischen Obcrrabbincr, und R. Schlomoh Aron Sohn und R. Benzion Uziel, die Führer des Rabbinats in Tel-Awiv,׳—Jaffa. Die geistigen und menschlichen Qualitäten dieser 'Männer vorschließ{ zwar nicht jeglicher Kritik die Tür, sichert ihnen aber doch so hohe Anerkennung und Verehrung, dab es unzulässig erscheint, sic in die allgemeine Betrachtung einzuschließen. Die Distanz zwischen Rabbiner und Jischuw!st groß, sie hat sich in den letzten Jahren — von Ausnahmen abgcseiien — nicht verringert. Hierin gleicht die Lage in' Palästina den Verhältnissen in Osteuropa״ wie sie sich seit einigen Jahrzehnten, besonders aber nach dem Krieg, entwickelt hat. Ich spreche nicht vom alten Jischuw, in dessen innerstes Leben schwer einzudringen ist; er ist nicht mit der Orthodoxie bzw. den Altfrommen des Ostens Jn seinem Wesen identisch. Seine Oeschichte, seine Stellung zur Umwelt, seine kn Orunde .dem Produktiven abgeneigte Haltung bedingen einen deutlichen Unterschied gegenüber dem jüdischen Leben ki Rußland und Polen. Diese kontemplative, fast qutetistische Naiar des alten Jischuw ließ keine festgefügten Institutionen,' z. B. Gemeinden, aufkommen, und da auch die cbassklischen Rabbiner sich nicht in Ercz-lsrael niederließcii, so nahm auch die Praxis des Chassidismus eine andere Wendling. lieber Polen hinaus aber steigern sich hier die Schwierigkeiteu in den Beziehungen zwischen Bevölkerung und Rahbiner, weil im Lande des Aufbaus nicht einfach sieh entwickelnde Gegebenheiten vorliegen, über deren Tendenzen man einiges vermutungsweise Voraussagen kann. Hier strömen nicht mir Menschen aus allen Ländern zusammen und verschmelzen viel mehr als etwa in Amerika, sondern bewirkt die Einglicdcrung in den Orient, noch mehr aber die Teilnahme an dem ganz, neuartigen Werk, au den Idealen und Tendenzen de« Aufbaues eine Neuorientierung des Individuums. Noch ist Umfang und Charakter des Nnfionalheims nicht fixiert, noch sind die treibenden Kräfte, die das Wesen unseres Werkes bestimmen, begründen wollen, erkennbarer als das Ziel. Wendet sieh so ein großer Teil der immigrauten, besonders der jngdidlichen, von den alten gesellschaftlichen Bindüngen ab, so folgen andererseits die Rabbiner im allgemeinen nur zögernd oder gar nicht der Wegriditung, die ein erheb• lieber Teil der Olim einschlägt. Vielfach geschieht das nicht aus Gleichgültigkeit oder gar Abneigung gegen den Geist des Aufbaus, Oft dauert nur die 1 lalfnng fort, die die Rabbincr in Rußland cinnahmcii. Auch dort gab es zwar recht verschiedene Wege des rnbbinischcn Wirkens. Manche sahen ihr Arbeitsgebiet in der Praxis der Halachah, intensiver Teilnahme an der Arbeit des Beth Din, Fürsorge für die Ritiialinsliiutioneii, andere widmeten sich mehr der tlicorctischen Seile, bereicherten die Responscnliferalur oder die Kommentare und lehrten in Jeschiwoth, endlich gab es Rabbiner, die die soziale Arbeit unterstrichen: cs ist von hohem Interesse, daß einer der größten Taimudistcn der jungen Vcrgangeiihcit, R. Chaim So I o w e i t s c h i k, als ״Brisker Raw“ sehr berühmt, der vor seinem Wirken in Brcst-Litowsk neben R. N. Z. I. Berlin in Woloskin sich als Leiter der Jeschiwali ausgezeichnet hätte, sieh mit Leidenschaft gerade der praktischen Tätigkeit widmete. Aber es gibt ein Gemeinsames: im allgemeinen handelt es sich hei allen Typen um treue Bewahrer und Fortführer einer bestimmten Tradition der Arbeit. Die Fo'ge dieser Ein- Stellung war, daß die weniger aktiven Naturen sich aut sich zurückzogen und warteten, bis an sie eine Angelegenheit hcrantrat. Dies ging um so eher, als es für jedes Teilgebiet rabhinischcr Arbeit Spezialisten gab: Dajanim, Maggidim, Leiter der Jeschiwoth. Nur die große Persönlichkeit, die ja unter' den eigentlichen Rabbinern (Raiv, Av Beth Din) nicht ausstarb, durchbrach immer wieder die Schranke, die das Speziaiistentiim bildete, und überwand die Schwierigkeiten, die die fortschreitende Entwicklung und die wachsende Entfremdung zwischen Rabbiner und Gemeinde erzeugten. Aber auch die ganz Großen setzten sich nur durch die Kraft der Individualität durch, nicht durch die zweckvolle Erneuerung der Institution. Bedauernswert ist, daß gerade auf dem Gebiete der Erziehung — wenn man von der Jeschiwali absicht — der Einfluß des Rabbinats im Osten sehr gering war und ist. Da im aschkenasischen Jischuw in Palästina das litauische Judentum dominierenden Einfluß hat, so finden wir hier charakteristische Züge wieder. Vorteile und Nachteile des litauischen Rabbiners treten in die Erscheinung. Wir finden wirkliche Thoragröße, imponierende Frömmigkeit und eindrucksvollc Persönlichkeiten, aber auch dieselbe Ztirückgezogenheit, und die geistige mul menschliche Bedeutung bleibt deshalb den meisten verborgen. Immer wieder entdeckt jemand einen dieser stillen Männer und berichtet von der Schönheit, die cs noch abseits vom Wege gibt. Vielleicht hat zu der eigenartigen Stellung des Rabbiners in Ercz-lsrael auch'der Umstand belgftrngen, dah der alte Jischuw das Ansch'en und die Autorität des Rabbiners nicht oft gefördert hat. In der 'beschaulichen Atmosphäre des alten Jischuw, besonders früherer Zeit, als die Kollclim mächtig waren und die Chalukkah bedeutende Summen erhielt, gedieh die Diffcrcnzierun״**m1d die Kontroverse, ln der Orthodoxie gibt es immer die Tendenz einer noch stärkeren Herausarbeitung der dogmatischen und praktischen Strenge, Oerade große Rabbiner, deren geistige Weite sie vor Engstirnigkeit und übertriebener Strenge schützt, werden dann nicht selten Gegenstand der Uekümnlimg. Heute hat es oft den Anschein, als ob das rabbi'nische Element heim Aufbau des Landes eine recht geringe Rolle spielt. Nur in den Städten mit besonders starkem Anteil der Alijah, vor allem also Tel-Awiw, ist eine Aktivität auf manchen Gebieten wahrnehmbar. Aber gerade dieses Beispiel beweist, daß nur in gewohnten Bahnen der Einfluß sich geltend macht. Wo aber neue Tvoen des Zusammenlebens und der Arbeit sich heraiisbildfu. und wo der eigentliche Aufbau des I andes sieh vollzieht, in den liimllichen Siedlungen, und da wiederum vor allem ln Mosch aw und Kivuzah, da selten wir außerordentlich wenig von der Mitwirkung des Rabbiners. Nicht immer durch dessen Schuld. Fs gibt ja nicht wenige Punkte, die infolge ihrer Grundeinsfellung, andere infolge ihrer zahlenmäßigen Schwäche dem Rabbiner keine Möglichkeit des Wirkens bieten. Aber immer wieder wird auch versichert, daß Siedlungen, die einen Rabbiner haben, keine nennenswerte Förderung durch Ihn erfahren. Oft heschränkt er sich völlig auf bestimmte Funktionen, wartet auf die Menschen, die an ihn evtl, eine Frage richten oder ihn bd Ehcsrhließuimcit, Scheidungen usw. In Anspruch nehmen. Aber noch ist wenig bekannt von konstruktiven Leistungen auf Gebieten, die weit auscinanderklaffen. Mancher fühlt, daß cs eine historische Tat wäre, wenn die Kluft zwischen dem Aufbauwerk und seinen tragenden Kräften und dem Großteil der es gestaltenden Menschen auf der einen und der religiösen Tradition auf der anderen Seite üherhriiekt werden könnte. Fs liegt an dem Verhältnis der Generationen und der Anschauungen zueinander, daß die Träger der Uebcrlicfcrung die Initiative ergreifen und die Verständigung herbeiführen müs* sen. Fs hat keinen Sinn, sich in die Position des Verlassenen und Verletzten zurückzuziehen. Es gibt doch sehr ernste Beweggründe gerade für Rabbiner, sich den neuen Wegen zu erschließen und den großen sozialen Ernst des neuen Schaffens, seine wirtschaftliche Gesundungstendenz kräftig namens der Tradition zu fördern. Beklagenswert ist vor allem auch die Passivität, die vielfach den Schul- und Erziehungsfragen gegenüber herrscht. Fs soll Rabbiner geben, die sicii um die Schule ihrer Moschawah noch nie bekümmert haben. Vielleicht ist cs schwer, Kontakt zu finden und gar Einfluß zu gewinnen. Die Kompetenzen sind abgegrenzt,' und jeder ist eifersüchtig auf Wahrung seiner Einflußsphäre bedacht. Aber all das kann nicht erklären und, entschuldigen, daß bisher die Resultate so dürftig oder negativ sind. Nicht nur die neuen Immigranten vom Tvp des• deutschen Misrachi und Kreise, die nach rechts und links hin ihm nahestehen, sondern auch Männer anderer Provenienz und langfahriger Verwurzelung Im Lande, wie Rabbi Benjamin, erblicken im Werdegang der meisten Rabbiner einen Mangel, der die Mißerfolge zum Teil erklärt. Der Mangel erstreckt sieh nicht lediglich auf die Kenntnis fremder Literaturen und Sprachen, auf ein gewisses Maß wissenschaftlicher, methodischer Ausbildung. Bel manchen ist auch die Kenntnis der hebräischen Sprache, vor allem als lebendiger Snrache, und der profanen hebräischen י iteratur nicht ausreichend, und so fehlen auch zuweilen die kulturellen VcrbMungslinien, die eine Ver5tändi11״ng mR dem chaluzischen Element, das nicht gcsctzesfreti ist, ermöglichen. (Ein zweiter Artikel folgt.) Jüdischer Nationalismus und Tradition Von Rabbiner Dr. I s a k U n n a, Mannheim. Fs ist eine erfreuliche Erscheinung, daß die Btder Religion für den Neuaufbau des jüdischen Volk« ״ und mehr erkannt wird. In den ersten Jahrzehnten der 1W nistischcn Entwicklung glaubte man, Religio״ a|s Sache־׳ betrachten zu müssen. Es war der Einfluß der t’irtnff' der sich auch liier geltend machte. Der Zionismus ,. ־ ״ sich nur als politisches und wirtschaftliches Problem dar a dieses Uebcrwiegen der wirtschaftlichen Seite, (5ו,ן J allgemeinen auch heute noch beobachten können, ist heer'? lieh, weil die materielle Grundlage die Voraussetzung!״ das politische wie für das geistige Lehe״. Auch bei der Ft Stellung des jüdischen Volkes war die Befreiung ans Aezvnt; das Primäre, die Offenbarung und die damit verbundene F״ ‘ wählung «um Gottcsvolk das Sekundäre. Freiheit beei« unmittelbar nach dem Gedenktag des Auszuges das (t", : zählen, das zu dem Gedenktag der Gesetzgebung hinführt J! '׳ dadurch die untrennbare Einheit beider Tak״1״. f bekundet. _ ו Der wirtschaftliche Aufbau in Erez Israel vollzog u u in den letzten Jahrzehnten nicht mir ohne Religion, sond«! vielfach im Gegensatz zur Religion. Je weiter ituksv! dieser Aufbau fortschreitet, und je mehr er sich konsolidiert i um so mehr reift bei den Ticferldickcnden die Erkenntnis ,ל! ן .! das Wichtigste für die innere Festigkeit die geistige!. 5 Grundlagen sind, auf denen er ruht. Für die Nationalität kt i das Land trotz seiner außerordentlichen Wichtigkeit (Wx 1 nur ein Acußeres. Weit wichtiger sind dafür die geisti»» ׳ Faktoren. Die nationale Idee tritt erst da in dit I Erscheinung, wo geistige Momente wirksam werden. Das f Land ist die Stätte, wo das geistige Leben des Volkes sidi * abspicit, wo seine Kultur sich entfaltet, und auch die Liebe i' zu den Wäldern und Flüssen der Heimat wird erst zu eine® \ Teil des nationalen Empfindens, wenn sie im Volkslied oder f in den Werken der Dichter und Schriftsteller gleichsam ihren ■■ geistigen .Niederschlag gefunden hat. Die historische Größt ‘ einer Nation richtet sich ja auch nicht etwa nach der Größt > ihres Landes, sie beruht vielmehr auf der Stärke und dem 1 Einfluß ihres geistigen Lehens. Fs wird niemand die Baby. : Ionier oder auch die Römer als Nation höher •stellen als die; Griechen, weil das!.eben der letzteren sich in einem kleinen •־ Lande entfaltete. Die Bedeutung des jüdischen Volkes uni sein Einfluß auf die Kultur der Menschheit liegt aber gam überwiegend auf dem religiösen Gebiet. Gewiß haben J die Juden, als sie noch ein eigenes nationales Leben führten, i auch Leistungen auf anderen Gebieten vollbracht; aber nur' dasjenige, was sie an religiösen Ideen erzeugt haben, hat sich erhalten und ist von nachhaltigem Einfluß aut die Gesamt- Kultur der Menschheit gewesen. Dieser Einfluß hat sich nicht i mir in der Zeit der Entstellung des Christentums, sondern ‘ auch später noch hei den großen religiösen Bewegungen ge• äußert; und wenn Rudolf Otto sagt, daß der Begriff des * ״Nmninoscn" ihm am Kolnidre in einer marokkanischen Svti• j agoge aufgegangen sei, so sehen wir, daß auch heute noch I; ungeahnte Wirkungen vom Judentum ausgehen. Aut der ji anderen Seife wiederum ist die Religion das wichtigste Moment ׳ für die Erhaltung des Judentums gewesen; aus! iiirer Rcligityi haben die Juden die Kraft geschöpft, in einem 1 unerhörten Martyrium alle Leiden lind Verfolgungen, die eine j feindliche Umwelt über sie verhängte, zu ertragen und : dennoch Ihre Lebensfähigkeit zu bewahren. ‘ ' Audi der Zionismus hat, trotzdem er 611 den modernen- ' Nationalismus 'anknüpfte, seine Kraft zum großen Teil aus der religiösen Idee des Messianismus geschöpft.' , Das beweist schon sein Name; man hat die Bewegung nicht; als Judaismus oder Hebraisnius bezeichnet, sondern als?io < nisrmis, weil das Wort ״Zion“ schon einen Zauber■klang bo! sitzt für die jüdische Seele. Und es sind nicht etwa Erinnc• rungen an politische Macht tmd Größe, die dadurch geweckt werden, es sind Erinnerungen religiöser Art. ״Von Zion geht die Lehre aus“, Zion ist die Stätte des Tempels, der Ver• cinigung der Stämme fsraels zur gcmoihsainen Oolfesvcrrh• rung. Der Name Zion klingt wider in allen Gebeten. Die Zionshoffnung erneuert der Jude hei der Hochzeit, (Iw Trauernden tröstet er ״mit den übrigen Trauernden Zions und Jerusalems“. Und daß der Aufruf Theodor flerzls im Osten so begeisterten Widerhall fand, hafte auch seine Pr- Sache darin, daß dort das jüdisch-religiöse Empfinden noch viel stärker war als bei den assimilierten Juden des Westen«. Man hat freilich diesen Zusammenhang nicht erkannt, und In vielen zionistischen Kreisen auch nicht erkennen wollen. , Man hat im Gegenteil eine Säkularisierung du Judentums angestrebt. Dazu trug wesentlich die Tit• Sache bei, daß aus dem Westen meist ganz assimilierte Jugend, aus dem Osten Arbeiter den Kreis der Chaluzim bildeten. Daraus erwuchs dann der scharfe Gegensatz zwischen altem und neuem Jischuw. Heute scheint sich eine Selbstbesinnung amu■ bahnen. Es wächst die Erkenntnis, daß jüdischer National!»• ums nur auf religiöser Grundlage möglich ist. Jedenfalls muß versucht werden, das Verständnis dafür zu wecken. Man hüte sicii dabei nur vor einem neuen Irrtum, daß nämlich die schöpferische Kraft des Volkes allein imstande sein könnte, die Religion zu erneuern. Die jüdische Religion ist nicht eine Schöpfung des Volksgeistcs. Gewiß sind im jüdisch«! Volke auch religiös-schöpferische Kräfte vorhanden, send wäre es nicht erwählt worden. Aber wir dürfen darum nicht glauben, daß aus dem Volke heraus eine neue Religion ent* stehen könnte. Sie kann nur aus der Tradition wieder erweckt werden. Und nur auf dem Grunde der Tradition kann der Aufhai! sich erheben. Damit soll nicht gesagt werden, daß der religiös-schöpferische Geist sich nicht auch wieder betätigen werde. Der Prophet Joel sagt: ״Dann werde ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch und Eure Söhne und Töchter werden weissagen.“ Und wenn unsere Weisen das Wort geprägt haben, ״Minhag lisrael Thora“, wenn sie auf den jüdischen Stamm sagen ״Wenn sic auch keine Pro• piiefen sind, so sind sie doch die Nachkommen von Pro־ pheten“, so wollen sie auf eben diese rciigiös-scfiüpferischeB Kräfte Iiinweisen. Es wird auch manches verschwinden, w>» im Galuth entstanden und nur aus den Verhältnissen dci Galuih zu verstehen ist. Die Grundlage des religiösen Lebens kann nur die Thora, die schriftliche und mündliche Lehr« sein. Deshalb ist es auch ein Irrtum, wenn manche die p>n״ Periode des Oahith mit ihrem reichen Geistesleben ignoriere״., wenn sie bewußt au das biblische Judentum anknup ״ , wollen. Achad Haam hat diese Richtung in seiner scharic und geistvollen Weise gekennzeichnet. ״Es ist unmogW"׳ Jahrtausende unserer Geschichte zu überspringen, und je “ ״antike“ Juden hcranznbilden, als wenn sie im Zeitalter J saias lebten. Wenn man aus der Kette der Geschiente 01 Mittelglieder herausnehmen will, dann werden Anfang u Ende sich nie vereinigen lassen. Das jüdische Kind unser« Tage, auch in Erez Israel, ist die Frucht des hisiorisc Lehens aller Geschlechter und damit es sich selbst und * Volk kennenlernt, muß es unsere nationalen Güter kenn1 lernen in allen Formen, die sie im Verlauf der Oeneration״ angenommen haben und durch die sie zu wirkenden KJ»” geworden sind.“ Wer die Renaissance des jüdischen yoi*” fördern will, der muß dafür arbeiten, daß sie sich auf 0 Boden seiner Oeschichte und seiner Tradition «*)flacht•

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