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Jüdische Rundschau · 1934-05-04 · Heft 36 (4.5.1934) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 36 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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©o v* so )34 Nr. 36, 4. V. 1934 jüdische Rundschau Seite 3 i•/ 11 י ' ■mmfP ד׳׳_ \ ז ich. i •וי. |1;-itr Hild riitij»־ cki!über ni^c .Be;eist׳ f! Inn äe -. 01c Reauf. noch kon• tinn die dein alle; Telrcliluch 1 e?en* erbder« so •ימן *״״ vett sind den icht Die ersten Eindrücke Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl- T e I - A w i w, 2b. April 1931. Plc Zauberstadt in der Wüste In der Nacht vor der Eröffnung stellt ein ganzer Autonjrk auf dein Cieliinde vor der Messe, liier hat es seit langem!inen Unterschied mehr zwischen Tau und Nacht },׳eichen, tl'cmi man iihcrhaiipt irgendwie fertig werden wollte, so mulite man 2t Stunden am I mm■ arbeiten und die Ingenieure und Arheitslcitcr, die Architekten und Arbeiter haben nicht ״Cnig darüber gejammert, dal) ein Ta!׳ nur 21 Stunden hat. jetzt spat in der Nacht am vorletzten Tape sieht das Treiben 1״I dem Platze sonderbar aus. Man kann nicht von dem licbrrlialteii Tempo sprechen, das bisher dort geherrscht hat. Die Leute sind so iihermiidet und abgespannt, dal! die Kräfte naclilassen. Man lacht und geht liefimi und raucht, l״an arbeitet auch, aber es klappt nicht richtig. Das richtige finish set/t am Morgen des letzten Tapes ein, wo in atemberaubendem Tempo eine letzte Anstrengung gemacht wird, jet/t in der Nacht, wo man in Gruppen den langen Weg in die Stadt hincinmarschiert, scheint das erhellte Messejrdändc, wo schon versuchsweise die Projektoren spielen, vi|e eine unwirkliche Zauberstadt. Von Licht überspült, mit breiten Wegen und riesigen Bauten, mit Wegen, Gälten und Hofen sticht es grell ab gegen die Umgebung. Die neu augelegten Straßen, die in die Stadt führen, sind um diese spate Stunde wie tot und verlasse״, die Häuser verschwinden jm Dunkel, an vielen Stellen ist der Boden noch unberührt. Nur in der Ferne glänzen, wenn man sieh wendet, die Lichter der Messe draußen. lufahrtsstra/ien Am midisten Tag aber ist nichts mehr von diesem Wustcncindrnck geblieben. Die Zufahrtsstraßen sind schon Stunden vor dem angesetzten Eröffnungsterniin iibersät mit Autos, die alle in einer Richtung streben./ Noch ein paar Stunden und sämtliche Autobusse der Stadr fahren nur noch eine Tour: hinaus zur Levante-Messe. Wie in einer langen Schnur reihen sich die öffentlichen Vehikel aneinander, die Taxis und die Privatwagen. Meer und fand Das Mcsscgelämlc ist nach dieser einen Nacht nicht wiedcrnicrkeiuu'ii. Wo man gestern noch über Haufen von Kisten, Abfälle, Baustoffe, elektrische Maschinen und Bado- Öfen stolperte, ist heute glatter Weg, strahlende Sauberkeit, grüne Rasenflächen. Von den hohen Terrassen des schönen Zentralrestauranfs sieht man weit über das unwahrscheinlich blaue Meer hinaus, das sich wie ein getünchter Spiegel in die Ferne streckt. Und auf der anderen Seite über die I)icher und Türme der Ausstellung hinweg streckt sich das Land weit hinunter, über'den Jarkon hinaus, au dem die neuen Wege eutlaugfiihren, noch frühlingsgn'm lind lumt, mit Bäumen und verstreuten Flecken. Selten findet man für eine solche Veranstaltung eine schönere Lage, an Fluß und Meer, mit dein erfrischenden Blick über die Ebene in ihrer lockenden Weite. Das tropische Europa Das weite Amphitheater, das sich in einem großen Halbkreis an die lange Wand des Hauptpavillons lehnt, füllt sich mit Schnelligkeit. Die schwarzen Gciiröckc und Zylinder des diplomatischen Korps, die Uniformen der Offiziere, die Ornate der Rabbiner, die schwarzen Kapuzen der orthodoxen Geistlichen, ein paar rote Feze der Araber und dann die unübersehbare Menge der Gäste gehen ein buntes und ab• weehslungsreiehes Bild. Vom Platze aus sieht man die glatten und dabei interessanten Fassaden der Pavillons, das Glitzern der bunten Kacheln, die die strengen Linien durchbrechen; an den Dächern flattern die Fahnen der vertrete• neu Staaten im Winde. Sie sehen ungewöhnlich klar und festlich aus auf dem Hintergründe eines seidenblnuen Him■ mels. In einer Ecke sieht man die weißen Helme des schot• tischen Militärorehesters, dessen sonderbare Uniformen hesonders von den Kindern neugierig angestarrt werden. Das ganze Bild ist Inmt und doch nicht orientalisch. Bunt ist die Menge, der Himmel, das Meer. Aber das Gebäude, der (icsamtcindnick ist europäisch in seinen Linien, seiner spc/l• fischen tTegauz. Es ist, als wären europäische Formen und Frrui’geusrhaftcn unter einen farbenreicheren, strahlenderen und helleren Himmel gewandert. Das internationale Handelszentrum Unter de,• wartenden Menge eine Bewegung. Mit feier• liebem Marsche setzt ein Orchester ein und in großem Zuge werden zwei Fahnen vor das Podium geleitet; das Zeichen der Stadt Tcl-Awiw mit dem Wappen und die Fahne der Messe. Dann wird es nach einer Weile totenstill. Im Zen■ trum der Bühne sicht man unter den schwarzen Diplomaten wie ein graues Pünktchen den grauen Zylinder des Oberkommissars. Er ist schon vormittag im Fiugzcug von Jeru• salcm gekommen, ist auf dem neuen, für die Messe geschah feilen Aerodrom hei l.tidd gelandet und geht seit Stunden durch die Pavillons der Ausstellung, von den Veranstaltern der Messe und seinem Gefolge begleitet. Jetzt beginnt die der .:זח t n - 1011, ites er• len icti bat zu ier ur• en, er• en. ht. icn er• ng 111• ng rt. •er Id- >m •1ז :rt 1er 1ske er 11• •11 rh «״ •0 :11 ht n* n. a* ■n t. d n a n L I; } 1 י י .ך״-ץך,. i .! 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Der Bürgermeister von Tel-Am iw, Di/cngoff, hält die einleitende Ansprache, Er gibt die Cieschichte der Ausstellung, zeigt, bis wohin die Entwicklung geführt hat — Beteiligung von 20׳ Ländern und 2000 Aus- Stellern — “ zeichnet Tcl-Awiw als das Handelszentrum des Nahen Ostens. Nach ihm eröffnet der High Gommissloner die Messe, erklärt seine Bewunderung über die geleistete Arbeit. Alle Reden werden in den drei offiziellen Landessprachen wicdcrgcgcbc’n. Nochmals die beiden Hymtfcn. Und dann erschallt, in der Stille, die ihnen folgt, vom Turm des Zentralpavilkms das laute anhaltende Schrillen der Sirene. Langsam geht, begleitet von ihrem Brüllen, die Flagge der Levante-Messe hoch und flattert vom Fahnenmast: das fliegende Kamel, das Symbol der Ausstellung, schwarz auf orangenfarbenem Grunde. Die Levante-Messe 1034 ist er• öffnet. Gegen die Ritualmord-Beschuldigung Die R c i c h s v c r t r c 111 n g der deutschen Juden hat, wie sie uns mitteilt, folgendes Telegramm an den Herrn Reichskanzler ahges,11111־!: Der ״Stürmer" verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimpfungen und mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualmords bezichtigt. Vor Gott und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens In feierlicher Verwahrung un* sere Stimme. Der Gegenstand, der zu diesem Schritte Anlaß gab, ist folgender: Die Nürnberger Zeitschrift ״Der Stürmer“ hat vor einigen Tagen eine Sondernummer verbreitet, die unter der Schlag- /eile ״Jüdischer Mordplan gegen die uichtjüdisehe Mensch• heit aufgedeckt" angekimdigt worden ist. Auf demselben Flug• blatt hieß es in großer roter Schrift ״Jüdischer Mordplan gegen Adolf Hitler". Der Inhalt der Zeitschrift bestellt auf 12 Seiten in verschiedenen Variationen der Ritualmord• Beschuldigung, die mit grauenerregenden Bildern illustriert sind. , , . Die Zeitschrift ״Der Stürmer" betreibt seit Jahren eine scharfe׳ 'antisemitische Propaganda und hat auch in der letzten Zeit darin keineswegs nachgelassen. Als Juden haben wir dieser Propaganda nichts entgegenzusetzen als die Wahrheit unserer Existenz; mit Worten können wir dagegen nicht streiten. Das Lehen im heutigen Deutschland ist auf dem Rassenprinzip aufgebaut, und die deutschen Juden sind aus weilen Bezirken des deutschen Lehens ausgegliedert worden. Maßgebende Führer des Nationalsozialismus Italien diesen Prozeß als eine bittere Notwendigkeit bezeichnet, zugleich aber betont, daß es sich zwar um die Rcincrhaltuug des deutschen Volkes und seiner Rasse, nicht aber um Be• leidig ung anderer Rassen handeln könne. Aus dicker Stellungnahme schöpfen wir Juden die Erwartung, daß auch maßgebende nationalsozialistische Führer die Kränkungen der jüdischen Gemeinschaft, wie sie durch Publikationen der vorstehend erwähnten Art hervorgerufen werden, nicht billigen. Sensation um ein Siedlunjjsprojekl Im Londoner ״S u 11 d a y Referee" mul _ im Anschluß daran auch in einem Teil der übrigen englischen Presse erschien diese Woche eine Sensationsnachricht über ein angebliches neues S i c d 11111 g s p r o i c k t für 5000000 Juden in Port 11 g i e s i s c h W e s t a f r i k a. I )as Projekt wird von einigen Anhängern der früheren ״ITO“, 11er von dem verstorbenen Israel Zangwill geleiteten ״territorialisti* sehen" Organisation, lanciert. Die ITO hat bekanntlich schon vor Jahren ein ״Angola-Projekt“ vertreten, das sich als undurchführbar erwies. Jetzt wird mitgeteilt, daß eine jüdische Delegation und ebenso der portugiesische Gesandte in London sich auf dem Wege nach Lissabon befänden, um dort in die unmittelbaren Vorbereitungen ciimitreten. Es sei bcabsichtigt, einen unabhängigen jüdischen Staat unter den Auspizien des Völkerbundes zu gründen, da bei der heutigen Lage eine umfassende territoriale Lösung der Jmlcnfrage in Europa als־ dringend empfunden werde. Palästina sei wegen seiner Kleinheit für eine umfassende Siedlung nicht ausreichend. 1111 Zusammenhang mit dieser Nachricht wurde auch Lord Robert C ecil und der Völkerbtimlsk.immissar MacDonald genannt, die angeblich dem Projekt nahestehen sollen. James MacDonald veröffentlichte daraufhin ein energisches Dementi. Ls ist kaum zu bezweifeln, daß der ganze!,lau in dieser Form unseriös ist. Das ״American J o i n f Distribution C נ m ni i 11 e e“ bestreitet in einer der JTA. in New York über• gebenen Erklärung die Meldung englischer Zeitungen, daß es bereits 2 Millionen Dollar als Vorschuß für das Angola• Projekt bewilligt habe und 10 Millionen in Aussicht stelle. Bei der ganzen Angelegenheit durfte cs sich um eine übertriebene, sensationelle Verdrehung der Nachricht handeln, daß ״Emigdirect“, die um Emigrationsrcgelimg bemühte Ge- Seilschaft, in ihrer letzten Pariser Sitzung beschlossen hat, Delegationen nach Lissabon und Ecuador zu entsenden, um die Einwanderungsmögiielikeiten für Juden in diesen Ländern zu studieren. Auch die poriugicsi• sehe Gesandtschaft in London teilte auf Anfrage mit, es sei ihr von dem Projekt einer Judeusicdlung ia Angola nichts bekannt. Anzeigen für die ״jüdische Rundschau" in Palästina werden vom Palcstine Economic Service, Tcl-Awiw, P. O. B. 844 Blue House, Allcnby Str. 119; Haifa, P.O.B. 476, Palcs, Newspapers Agency; Jerusalem, P.O.B. 619, Pales, Newspapers Agency, angenommen. #

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