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Jüdische Rundschau · 1934-04-27 · Heft 34 (27.4.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 34 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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י■*/ ל■ «=tך ר/ ן 1׳ ßd י׳ י ל/ל־•• ימי / .«-׳י/ל/ל/ ח (S*■׳ W'W׳׳׳4 '/* '«•׳/%' '׳* V V•-׳*> '׳•*< ־ RVV, Haifa, Mitte April 1934. Der für das Gesamtjudentum wichtigste Aspekt des Palästina-Werkes ist die Umwandlung des jüdischen Städters in eine arbeitende Landbevölkerung auf eigener Scholle. Dies ist von prinzipieller Bedeutung, weil damit die Möglichkeit erwiesen ist, daß dies ״Volk von Händlern“ bei gegebenen Bedingungen auch einen Bauernstand zu haben vermag, und ferner ist biologisch und seelisch das Dorf eine Erncucrungsquclle jedes Volkes. Die Rückbildung von der Stadt zum Dorf ist freilieh ein Schwimmen gegen die natürliche Strömung der Zivilisation, und es darf nicht erwartet werden, daß sie im ersten Anhieb hundertprozentig gelingt. Auch in Palästina ist dieser Weg nicht so einfach, und trotz der bei einem Teil der Juden vorherrschenden ideologischen Anerkennung des Primates des Dorfes ist in der Praxis das Verhältnis zwischen Stadt und Land noch keineswegs zufriedenstellend. Nicht jeder traut es sich zu, diesen Schritt zu vollziehen, obwohl er beim Uebcrgang aus Europa in die gänzlich andersartige palästinensische Welt erleichtert wird. Viele Juden, die selbst sich nicht mehr umstellen können, schicken ihre Kinder zur Ausbildung aufs Land. Auch bei jungen Leuten hängt viel von der grundsätzlichen Einstellung ab. So z. B. sind in eine landwirtschaftliche Genossenschafts-Siedlung bei Jerusalem vor einem Jahr mehrere junge deutsche Juden eingetreten, die in Deutschland hinter dem Ladentisch gestanden und von Palästina und der jüdischen Erneucrungsbcwegung vorher wenig gehört hatten. Sie waren zur Arbeit und Umstellung weder innerlich bereit noch fällig und mußten nach kurzer Zeit den Ort wie* der verlassen. Später schlossen sich der gleichen Kwuza eine Reihe von Zionisten an: u. a. der Sohn eines bekannten zionistischen Rechtsanwalts in Berlin, der Sohn eines verstorbenen ausgezeichneten zionistischen Führers in München, aber auch z. B. ein Düsseldorfer Rechtsanwalt mit Familie, — und sie bewähren sich und fühlen sich am rechten Ort. Innerliche Spannkraft und der Glaube an die Idee sind erforderlich; sie findet man auch bei vielen ehemaligen ״Nichtzionisten“. Aber der Weg ist schwer. — Gegenwärtig durchleben wir wieder einen kritischen Moment. Infolge des Arbcitcrmangels in den Städten, vor allem beim Bau, verlassen viele Landarbeiter ihren Platz und gehen in die Stadt, wo sie viel mehr verdienen. Die Landwirte können für die notwendigsten Arbeiten keine jüdischen Arbeiter finden, an manchen Orten auch keine einheimischen arabischen mehr; manche Arbeit gerät ins Stocken. Die Mobilisierung von Schülern und der moralische Appell an das Gewissen, die ״jüdische Ar* beitsposition zu retten“, kann hier nicht mehr als vor* übergehende Palliative sein. Aber wir sprechen liier von der menschlichen Seite der Landflucht. Die Menschen, die in die Stadt gegangen sind, werden in den meisten Fällen dort bleiben wollen. Für diese Annähme bedarf cs keiner Begründung. Ein solcher Zustand kann sich aber bei wirtschaftlichen Rückschlägen bedrohlich auswirken. Immerhin verdient fcstgehaltcn zu werden, daß die Motive, die die Menschen in die Stadt treiben, recht verschiedenartige sind. Häufig will der Arbeiter mehr verdienen, um seine im Ausland gebliebene Familie zu unterstützen oder herüberkomnicii zu lassen. Häufig auch will er Ersparnisse machen, um sich später aus eigenen Mitteln ansicdcln zu können. Und gerade dies ist ein wichtiger Typus, der für die Sicdlungsarbeit eine ganz neue Chance geschaffen hat. Früher — vor 10 oder 12 Jahren — wurde die Siedlungsarbeit auf Keren Kajemcth-Boden ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Der Keren Ha* jessod war der Kolonisator, er stellte für die Sicdlungen ein Budget auf, ״Takziw“ (Budget) wurde ein viel gebrauchtes Wort, die Bezeichnung einer Zuwendüng aus Keren Hajcssod-Mittela. Der Keren Hajessod hat in diesen Jahren trotz mancher Hindernisse und ungeachtet der in manchen Kreisen an seiner Sicdlungsarbeit gehegten Zweifel Großes geschaffen, wovon noch zu reden sein wird. Heute ist die Lage verändert. Der Keren Hajessod leistet mit seinen — infolge der Welt* Wirtschaftskrise gesunkenen — Mitteln noch immer sehr Wichtiges, er ist auch heute unentbehrlich, aber die Last der neuen Siedlungsinvestitionen kann er um so weniger tragen, je mehr die Arbeit sich ausdeimt. Die Erfahrungen der letzten 10 Jahre sind nun auch eine Art ״Kapital“ geworden. Die alten Siedlungen haben heute bereits große Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Produkte, und sie helfen sich selbst weiter. Während vor Jahren in den Wandelgängen der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem stets Abgesandte zu treffen waren, die über ״Takziw“ verhandelten, ist heute nichts davon zu merken. , Dagegen mehren sich die Fälle, wo Arbeiter* gruppen oder auch einzelne Arbeiter ein Kapital aus eigenen Ersparnissen mitbringen und darauf* ' hin in verschiedener Form Kredite erhalten, um sich ansiedeln zu können. <öles ist ein Sachverhalt, der vor 14 Jahren, als im ״Reorganisation« Bericht“ von Julius Simon und De ,) 1 Licmc diese Möglichkeit erörtert wurde, ganz unwahr* schcinlich ■ erschien.) Oft beteiligen sich solche Siedler* gruppen an einem für sie durchgcführtcn Bodenkauf des Keren Kajcmcth, Indem sie entweder für mehrere Jahre die Pachtsumme im voraus entrichten, oder dem Keren Kajcmcth ein Darlehen geben. So vollzieht sich der Uebcrgang vom ״Arbeiter“ zum ״Siedler“, ein Vor* gang, der nicht nur wirtschaftlich, sondern auch soziologisch und psychologisch von nicht gcringzuschätzcndcn Folgen ist. Trotz den anfangs erwähnten Schwierigkeiten, die nicht verschwiegen werden durften, wächst das jüdi sc he Dorf. Dicee Art jüdischen Lebens gibt es nirgends in der Welt außer in Palästina, und wenn auch die jüdische Landbevölkerung Palästinas nur einen winzigen Bruchteil der Ocsamtjudenhcit darstclit, ihre Existenz, allein ist für das Judentum der ganzen Welt ein Faktum ersten Ranges. Wir sagten schon (r. ״Jüd. Rundschau“ Nr. 30), daß sich von Tcl-Awiw nordwärts ein fast ununterbrochener breiter Gürtel jüdischer Dörfer am Meere entlang hinzieht. Während vor 12 und 10 Jahren das Ernck Jcsreel, die pionierhaft besiedelte große Ebene Galiläas, alle Aufmerksamkeit auf sich zog, während später mehrere Jahre lang fast ausschließlich über die vom Mittelstand der ״Vierten (polnischen) Alijah“ entscheidend entwickelte Orangenzone des ״Scharon“ (der an Tel-Awiw nördlich angrenzenden großen Küstenebene) geredet wurde, ist es heute das große neu zu erschließende Gebiet ״Wadi Chawarith“, die Küstenebene Mittel* Palästinas, südlich der alten Kolonie Chedera. Diese Bodcnflächc von über 30 000 Dunam wurde vor mehreren Jahren vom Keren Kajcmcth erworben. Es gab bei der Ucbernahme bekanntlich zahlreiche Prozesse, weil die bisher in diesem Gebiet lebenden Beduinen Ansprüche stellten und den Kauf anfochten. Für einen Teil von zirka 5000 Dunam ist eine endgültige Lösung (nach mell* reren Zwischenlösungen) noch nicht gefunden, da die Beduinen sich weigern, den Boden zu verlassen und auch den ersatzweise von der Regierung zur Verfügung ge* stellten Boden von Tel Schock im Beisan-Gebict aus* schlugen. Der Wadi Chawarith-Kauf hat verschiedenen englischen Untersuchungskommissionen Anlaß zur Stcllungnahme gegen jüdische Bodenkäufe gegeben (Shaw* Kommission, Simpson-Report). Diese Sachlage ist wenig erfreulich, auch wenn der Keren Kajcmcth das for* melle Recht auf seiner Seite hat. Man muß sich fra* gen, ob die Zuspitzung der Konflikte nicht zu vermeiden war, und man wird das Gefühl nicht los, daß gewisse Imponderabilien des Zusammenlebens der Völ-' ker nicht immer von allen Instanzen genügend bewertet werden. Mosche Smilanski, einer der ältesten und erfahrensten Kolonisten, hat sich dafür eingesetzt, daß die Juden den Beduinen die 5000 Dunam in Wadi Cha* warith belassen und dafür selbst die von der Regierung angebotenen Ersatzböden in Tel Schock übernehmen; die Anregung fand keine Resonanz in der jüdischen Ocffentlichkcit. Es wäre aber sehr bedauerlich, wenn das jü* dische Wadi Chawarith mit dem Odium dieses Kon* fliktes belastet bliebe. (Auch in Nathanla, einer jü* dischen Mittelstands-Gründung, gibt es ein ähnliches Problem eines arabischen Dorfes von zirka 60 Familien, die in das jüdische Siedlungssystcm einzubczieheti sicherlich richtiger wäre als ihnen das — subjektive — Oefühl erlittenen Unrechts zu lassen). Wir berühren hier einen peinlichen Punkt, aber es ist niemandem damit ge* dient, wenn er verhüllt wird. Das Wadi Chawarith erhält jetzt an Stelle seines früheren Namens den hebräischen Namen ״Emek Chef c r“. Neben dem Emek Jesrecl, oft kurz nur ״Emek“ (*־=* Tal) genannt, gibt es jetzt bereits das Emek hascha* ron, nun kommt dazu Emek Chcfer und ״Emek Sebulun“ (die Ebene an der Haifa*Bucht, die gleichfalls zum größten Teil dem Keren Kajcmcth gehört). Die hebräi* sehen Namen werden bald die alten Ortsnamen verdrängt haben, so wie heute niemand mehr von Malul (jetzt Nahalal) oder Nuris (jetzt En Charod) usw. spricht. Int Emek Chefer stehen wir vor Sicdlungs* neuland. Im Juni vorigen Jahres haben die ersten jtidi* sehen Arbeiter den Boden betreten und zu ackern begon* nen. Weite Strecken sind noch mit Sumpfgras und Unkraut bedeckt, daneben sicht man die braunen Schollen des frisch geackerten Bodens. Juden brechen Neuland — überall auf der weiten Fläche sieht man neue Häuser, Baracken, Arbeiterlager, meist liegen die Gebäude auf kleinen Hügeln, all das schmiegt sich in die bezaubernde Landschaft. Weite Strecken sind bereits für Pardessim (Orangengärten) vorbereitet. Hier arbeitet ״Jachin“, eine von. der Arbeiterorganisation gegründete Gesell* Schaft, die ■für die künftigen Mittelstands-Siedler die Pflanzungen .anlegt und bearbeitet, bis sie Frucht tragen. Alte, erfahrene Arbeiter sind hier am Werk, mit einer Liebe.zur Sache, die man nur in dieser Arbeiter* schiebt antrifft. Sie empfinden, wie das Land sich unter ihrer Hand verwandelt, und sie verhalten sich dazu wie ein Künstler zu seinem Werk oder eine Mutter zu ihrem Kind. ..Der Boden von. Wad! Chawarith ist verteilt.' Den größten Teil des nördlichen Gebietes nimmt ״Witkin* ־'Ct/t, A:.; tili ü artet ד Dorf“ ein, ״Kefar Witkiu", eine nach dem Vcr , Arbeiterführer Witkin benannte Gruppe von Familien, die früher in Nahalal gearbeitet 1לל״ endgültige Anstellung gewartet haben, wäg'?1‘ sind bereits vom Haschoincr 1 iazair bc Teile warten noch auf ihre Siedler, so z. deutsche Juden der Mittelstands-Kategorie viertes Gebiet, für das sich bisher keine Anwä funden haben; cs scheint, daß den deutschen 1,' die über das zur Ansiedlung nötige Kapital VC[f" der entlegene, heute noch wegelose Platz, fur '1' Erschließung cs des Rionicrtums bedarf, nicht r' Emek Chefer ist das erste Gebiet, wo Arbeiter.,^ lung und Mittelstands-Aiisiedlung gemeinsam ל gehen. Die dem Keren Kajcmcth zur Vcrfügu״, . stellten Sanddünen am Meer unmittelbar neben''l Sicdlungsbodcn sollen nach den bestehenden 1>r(,1,/| eine Stadt tragen. ,'1'ך Es sind also weit ausgreifende Pläne, die hier!, j siert werden. Man sieht heute die ersten An|; Aber man weiß bereits aus der neuesten palästi-A J sehen Geschichte, was aus solchen Anfängen im \v | weniger Jahre werden kann. Das sind lebendige Z<! nisse jüdischer Energie, der Ausdruck eines ל Lebens* und Erncucrungswillcns. Und daher ist I Arbeit, die hier weitab von den großen Straßen-s wird, eine Volks tat, die ihre Früchte tragen* weit über den beschränkten Kreis der unmittelbar k[ Wirkenden hinaus. s Asselaih Hanlwcharlm einberufen Jerusalem, 24, April. (J. T. A.) Wie aus Kreiset! > Waad Lcumi mitgetcilt wird, wurde der Beginn der die; " •; gen Tagung der Assefath Haniwcharim aut denil 1 festgesetzt. Die Assefath Haniwcharim, die, obwohl sie v‘l 1 lieh mindestens einmal tagen sollte, im vorigen Jahre i - zusammengetreten ist, wird diemai eine allgemeine Nr,;., 1 der Mitglieder dieser Körperschaft auszuschreiben haben.;*.! | mutlich wird diese Wahl gegen Ende des Sommers vorn»»'; men werden. ן j Oie Neuwahl des Stadtrats von Jerusaki; Jerusalem, 24. April, (J. T.A.) Die Vorbereite;׳• j zur Neuwahl des Stadtrats von Jerusalem«:!::; vollem Gange. Die Leitung der Wahlkampagne hat aas ,i׳:׳! scher Seite der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. X } Ussischkin, übernommen, der zum Vorsitzenden d« ן± J sehen Wahlkomitees gewählt wurde. Neben Ussischkin geh,15 j der Kommission u. a. der Vorsitzende des Waad Lcumi, Es j Zwi, und das Mitglied dieser Körperschaft, Elmaleh, an, f Olt Verteilung der Palästina*ZertUikaie | im letzten Halbjahr י Jerusalem, 21. April. (J. T. A.) Wie aus einer sock! | von der Jewish Agency veröffentlichten Statistik hcrvjxgfh, j wurde von den im letzten Halbjahr ausgcgcbcncn Eiim;• | dcrungs-Zcrtifikatcn die grüßte Quote Deutsch I 1 a n d zugeteilt. Von den über 4000 Zertifikaten «iue‘1 \ Deutschland 1725, Polen 1100, Rumänien 310, Litauen B, f Lettland 95, Oesterreich 60, Danzig 15 Zertifikate. Von et: *| nach Deutschland geschickten 1725 Zertifikaten waren llü : für Chaiuzim, ISO für Angehörige von Palästina-Einwohae! י und 425 für Handwerker bestimmt. i Die Freiwilligen * Arbeit in den Orangen- Plantaga Jerusalem, 22. April. (J. T. A.) Die tausend jüdischa j Stadtarbeiter und die 600 jüdischen Schüler, die aufs L« | gegangen sind, um die Einbringung der Ernte in den Jikück l Plantagen zu erleichtern, haben insgesamt 215TO Arbeit:«;’ j geleistet. Wäre die Arbeiterin Wanderung nach Palästina!;»'; eingeschränkt gewesen, so hätten über 1000 neue jüA״ Arbeiter jetzt in den Plantagen und später bei antes Erntearbeiten Beschäftigung finden können. f Tagung der Zahnärzte Palästinas י Tel-Awiw, 22. April. (J.T.A.) In Tci-Awiw *f | die dritte Jahrcskonterenz der jüdischen Z1»׳ ärzte Palästinas abgehalten. An der Tagung na!»3 j über 150 Zahnärzte teil. In mehrtägigen Beratungen 1 fachwisscnschafilichc und organisatorische Fragen «<ףזי ’ Die anläßlich der Konferenz veranstaltete Ausste״. bot eine gute Uebersicht über die Leistungen der palästto» sischen Dcntistik und ihre technischen Fortschritte. I L——..a!*׳!■יו■■, L—׳ gaü22tact von (früher Reiohepr*elde״t*״P

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