Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 33 (24.4.1934)
- Date
- 1934-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU LITE BLATT Nr. 33. 24. APRIL 1934! Zu seinem 75. Geburitiage | Von Dr. S. Kaleko I Die jiieüsdic Presse gedenkt jetzt in allen Ländern des ה ׳ Geburtstages des^ volkstümlichsten und beliebtesten jiddi- I ־du־« Schriftstellers S c 11 o 1 ein Alcjchcm. Zwar stellt der i •,!!,nie 1 ה(? seiner Cicburt nicht fest (wie bei manchen! ost* ״״lischeii I’roniinenteii), sicher alter ist, daß der Tag in diese ,!,nveit fällt (Marz oder April), und daß cs außerdem ׳ J.l״,le jetzt 50 Jahre sein!horch, daß Scholem Alejchem seine ן Luifhalm als Schriftsteller begann. I ‘ Zunächst Biographisches: Scholem Alejchem;!vlioli'111 K.ibmowilseh), geboren 1850 in Pcrejeslaw (Ukraine), < sohit eines wohlhabenden jüdischen Gutspäehters, erhielt zu- I iIH|1st die traditionelle jüdisrhe Lr/ichmig seiner östlichen | 11ti111.1t im ,,Glieder“.. Mit 15 Jahren beginnt er mit dem { der 1ויcifaiuvissensehalteii und wird Anhänger der | ‘ihskala״. Als I־immd/wn11/igjül1nger bekleidet er bereits den f ׳Posten eines Amts-Rabbiners. In diese Zeit fällt die!•:11t- 1 ssihimi; seiner ersten literarischen Arbeiten (Gedichte). Später ,fcclieiiHii stiiie ersten Feuilletons und Novellen, die sehr bald | jiilhorrlicn lassen und ihm einen guten Namen verschaffen. f Bald darauf (ISS3) iibcrsicdelt der junge Schriftsteller nach ן Kiew mul später nach Odessa, um sich hier, im Zentrum des ■- d,111!:1li|;e11 jiddisch-literarischen Lebens (in Odessa hatten;! seinerzeit^ die jiddischen Schriftsteller Mcmiclc Mochcr Sforiin, 'ן R.nvnitzki, der junge HinIik u. a. ihren Wohnsitz), völlig seiner | 1 (,•iiriildellerisclicn Tätigkeit zu widmen. Im Jahre 1005, um die t 7dt der Pogrome und der russischen Revolution, wandert r «ciiolt'in Alcjchcm für wenige Jahre nach Amerika aus, kehrt dann nach Odessa zurück; aber sein zerrütteter Gesund- .. lnitszii'd.uiti zwingt ilm, sich mm in den Kurorten der Schweiz ״ oml Italiens aufzulialtcn. Her Weltkrieg verhindert seine Rück- I) Uhr nach Rußland, er reist ein zweites Mal nach Amerika, ין, wo er trotz seines schweren Leidens noch schöpferisch arbeitet uml am H. Mai 191(» in New York als gefeierter und viel- ״dichter Schriftsteller stirbt, Scholem Alejchem wird zu den ״Humoristen“ gezählt,. I Aber cs ist nicht nur der frische und befreiende Humor dieses ״ Erzähler.«, was uns in Geschichten, Novellen und Romanen so |j lief .wriihrt, sondern ein gewisser Ton, eine fasl lyrische |fe Zärtlichkeit, mit der er seine Menschen beschreibt. Ob er uns das ivcchselvolle Schicksal des naiven, gottesfürclifigcn Jcir je, der Milchlkindler“ nnliebringt, der mit nicht immer?ן pisseiuli n_ Bibel/iiaien kokettiert oder uns mit imnacliahni- J| lidicr Kleinmalerei in die liolprigen Gassen seines ״Kasri- &|fwkc“ führt, immer wieder spürt man jenen anheimelnden fl ״Zwischen den Zeilc1!"-k'l,n1g; es ist ein liebevoller Spott, der |i aiclit wi'hlnn soll und doch zuweilen klar und deutlich alle | Schwächen und Hebel bloßlegt: die l.äeherlidikeit der sich sehr '|1 sichtig di'mkemleii Kleinstädter, die Skepsis der echten ״Kasl] riirukcr“ allem gegenüber, was sieh außerhalb der begrenzlen i Fuge ihres Provinznestes abspielt und manches andere aus I dun jüdischen Klcinstadtleben. 1111 Gegensatz, zum satirischhissjgen Witz seines Vorgängers im jiddischen Schrifttum, des f Mendel e Mochcr Sforiin, ist der Humor Scholem | Airjcliems optimistisch, gewissermaßen ein Humor ״mit einem a| Intern, einem nassen Auge'‘. Er lacht über Kasrilcwkc, aber f tr darf über es lachen, denn er fühlt sich zugehörig, cs ist | ne icrstämlnisvollc Selbstironie, die uns immer wieder bc- |;::net. Selbst bei der Darstellung nicht immer sympathischer | 11|h!1 bleibt immer noch ein Spalt offen für die große | Munchenliche Scholem Alejcliems und sein Verstehen (wenn , rcl.t gar seine Zuneigung) ihren Schwächen gegenüber. ן' Suite ersten Schriften befassen sich mit dein Leben in (fir jmlisch-russisrlieii Kleinstadt, seinem ,,Krähwinkel“, J'11 Ausgang des vorigen Jahrhunderts, - einet Zeit, die eine l'1'lu'rgaiigsepoehe für Rußland und somit auch für die russischjuilwlic Kleinstadt darstellte. Die ״Neue Zeit“ mit ihren großen ti'elmisclHu rrrimgeuseliafteu, der Beginn einer Industrie und fim׳s I lamlelsverkelirs zerstörte die Basis jüdischer Kleinstadt- Wirtschaft und schuf neue Lebensformen. Die Anpassung an die neuen Bedingungen fielen dem jüdischen Klciiistadtjuden in wirtschaftlicher und intellektueller Hinsicht äußerst schwer, «entwickelten sich die merkwürdigsten Ucbcrgaugslypeii: die ״Wlniiclit-Großstädter“, die auch noch mitten im Strudel der Ornßstmlt, trotz der neuen ״Städter“-Kleidung, unsichtbar ihr ־,bcs Ka'-rilcwke mit sich licriiinsehlcppcn. Ihr typischer Vor- ,Ger ist die klassische Scholem Alejclicm-Figur des. ״M e - «ach e!וו Mendel“ (so populär, daß die Bezeichnung ״Menacheni-Mcndclismus“ jm Jiddischen zum geflügelten Wort GmU■). Dieser Mcnaeliem Memlcl ist der Typ des ewigen BcitMädliTs, ein immer Geschäftiger, sich überall Tummelndu, ein sich wichtig nehmender Unternehmungslustiger, dem Jd« dam heiigehl, eine Art ״gutartiger Taugenichts“, dem j'ä' ״großartigen Geschäfte“ in die Pleite münden, ein armer ,׳lenscl!, der, trotz seiner paar Rciioiiunier-Fremdwörtcr ein 1,'fiilicr hilfloser Kleinstadtjude ist, von allem gerade nur 50'id weiß und kann, um damit anderen ״Menachom Mendels 1!l imiHinicicn. ״Menachem Mendel“, der Prototyp des ״Luft- "5׳eschen“, ist das Produkt seiner Erziehung ((Hier besser?1־sagt: schier Nicht-Erziehung), hat keinen rechten Beruf;,Gut, muß dämm füglich einen neuen ergreifen, plagt sich Gimi, fnhlt sich aber dennoch ganz wohl in seiner '־■׳uit. 1|f ״Miii.K'hciu Mendels“ leben eigentlich von ihrem ״Schloß 1:11 Mund“, das ihnen täglich wieder einstür/t, von jenen ׳■fut/ großen Geschäften“, die trotz allen Mühe׳! zunichte ”.1'den, sie kämpfen mit jedem Tage und sind dennoch n'd't ״tot/tikricgcn“, Ihre ererbte Vitalität läßt sie wcitcrleben find hewahrt sie davor, verbitterte Misanthropen zu werden. . Scholem Alejcliems Werke fuhren uns immer wieder 111 die 1״;Gdic Stadt, machen uns mit den Vertretern aller Volksßliielileit bekannt, lassen uns ihren Werktag und ihre I oste '״itiTlchen, ihre kleinen und großen Nöte. Seine zahlreichen imllctiHis und Novellen sind realistische und psychologisch U'10_Polumiente ostjiulischeii Lebens aus seiner Epoche. Zu de!! verschiedensten jüdischen Fragen hat oicjchein immer wieder Stellung genommen.. Er Verhältnis der Juden zur Außenwelt, ihre .. ... . ‘1״(fein,inder, insbesondere aber hat er ihre imierjudisrtie '1'Miifimig in Sei״er be/.aubenulen Satire ״Die jüdische Gßublik“ liieherlieii gemacht. Hier berichtet er von :' ,.!'1«1’ Insel verschlagenen Juden, die eine eigene Kt L.'i 1״'finden wollen, sich aber, da sie 13 Vertreter 13 ־ Gficdener Parteiriclitungen sind, nicht einigen können י Eismidere Staaten mit 13 verschiedenen Präsidenten insdiammgen bilden. — Eine Satire, die leider auch in unseren ף" nn Aktualität nichts eingebüßt hat. . l!;"ic andere klassische Scholem Alejehem-Figur ist ucr 5rc1(s genannte ,Tewie der Milchhämilcr“. In der Schdj ״'ung dieses schlichten, gutmütigen Dorfjuden und seines , Schicksals gibt der!lichter ein Bild des großen Zwietr mm Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, zwischen siten 1)״״ neuen Generation der damaligen Zeit, «er stell yrt Erzählt״,״ j«, Einzelschicksale von Tewjes sieben Scholem schrieb über Beziehungen m ״M 01^ 1׳"דrtltch” widcrspiegclt. .״*״״״ die Kinri *11־"Gern Verständnis der Kmderseeie zeugen de liikdcrefzä hl untren Scholem Alejchems; seine große auch *"cr wieder den Armen u«d Gequälten, mhlt die Enge des Cheders noch einmal nach, weiß um die einzige große Kinderfremlc: die Feiertage, die er Halb heite*-, halb rührend beschreibt. (״Die Fahne“, ״Das Messercheu"^ ״Gh.inukkahgold“, ״Mnzze“ u. a,!!1.) . 1*ie große Fmigratiouswelle Ixit Scholem Alejchem zahlreirii‘• 1 nemon, Fs entstanden verschiedene Bilder aus dem jüdischen F 111 i g r ה t i o 11 s I e b c 11, Darstellungen des idealistisehen Strebcns der damaligen neuen Generation, die ihre a C! n״fF;th, um ein produktives Leben zu beginnen. Auch mit der Idee des Zionismus und der nationalen Bew׳egnng_ beschäftigte sich Scholem Alejchem;, er schrieb eine an die jüdisch ejugend gerichtete zionistische Broschüre und nahm an Zionisten-Kongrossen teil. Rcmbrandt, Spinoza und ... wir Julius Bab, ,,Rembrnndt und Spinoza“. Fiu Dnppelhildnis im deiitseh-jiidiseheii Raum. Berlin 1931. Philo-Verlng. , wcr heule das Amsterdamer Ghetto diirclivvnmlert, diese se.tsamc Welt voll orientalischen Lehens und Farbciifrobsiiins mitten in der bedächtigen Langsamkeit der nordischen Wasserstadt, der kommt, nicht weit von den mächtigen schwarzen Säulen der Portugiesischen Synagoge, nahe am Kanal, der die Judenstadt von den rein holländischen Stadtvierteln trennt, zu. einem merkwürdigen Hause im kraftvollen Sti!l der Ren.aissance. Fs ist das Haus, das der Maler Rcmbrandt sieh 1630 erwarb und in welchem er die entscheidendsten Jahre seines Lebens verbrachte — mitten unter den Judengestalten, die er so oft gemalt hat. Die große Synagagc in Rembrandts Nachbarschaft hatte, während Rcmbrandt dort wohnte, einen Schüler, der Bartich D’Espinosa hieß und 21 Jahre seines Lebens hindurch täglich am Reiiibraiidthause vorbei zu seinen Lehrern ging. — Das magische Nebeneinander dieser beiden Lebensläufe regte einen nnchdciikliehen Betrachter an, sie ebenso schlicht wie eindrucksvoll einmal einander gcgenübcrzustcllen. Und cs ergab sieh ein höchst merkwürdiges Doppclbilduis, dessen Fragen und Aut- Worten bis hart an unsere Tage und in ihre Kämpfe und Lösungsvcrsuciic liincinführen. Der Jude Spinoza, früh von den Seinen verstoßen, braucht, um das geistige Gerüst für sein Werk zu schaffen, die Bildung der Zeit und sucht seinen Verkehr — cs blieb ihm damals kaum etwas anderes übrig — in den Kreisen seiner christlichen Schüler und Gefährten, die von Holland, Deutschland, Frankreich und England aus den Ruhm seiner Schöpfung durch die Jahrhunderte trugen. — Der Holländer Rembrnndt, der Niederdeutsche, erspäht als Träger von Zügen und Gebärden, die ihm für seine Kunst wichtig erscheinen, die ihn umgehenden Juden. Er malt sie immer wieder und wählt aus freien Stücken sein Haus in ihrer Mitte, Bei näherem Zuschauen ergibt sieli neue Verflechtung dieser beiden I.cbcnsiiiiicii: Am 26. Juli 1656 trifft den. Juden Spinoza der Bannfluch, der ilm aus der Gemeinschaft seiner Jugend ausstüllt; einen Tag später wird, kaum hundert Meier weit von der Synagoge, der Konkurs über Rembrandts Haus eröffnet. — Fs ist das Verdienst Julius Habs, die schicksalhafte Verbundenheit dieser beiden räumlich nahen, innerlich scheinbar weltenweit voneinander entfernten Lebenslaufe eindringlich vor uns aufgerollt zu haben. Zwei Schicksalc spielen sich hier nebciieiamider ab, die nur durch eins verbunden sind; beiden gemeinsam i-st der unbeugsame Wille zum Werk, das den Schöpfer überlebt. Beide erleben, so folgert der gegenwartsnahe Betrachter, im Erfühlen fremder Art die höchste Vollendung eigener Schöpferkraft. Wirklich?! — Gewiß, Rcmbrandt hat gerade in den Gestalicn seiner alten Rabbiner, auch in der Gestaltung altbiblischen Stoffes jene Durchleuchtung von innen her, jenes ״Seelenlielit“ gefunden, das seiner im Anfang kalten und virtuosen Kunst die erschütternde Gewalt verlieh; Urcrlebnis aber blieb ihm doch immer — das weiß Bab so gut wie einer —- Licht und Schatten, das Geheimnis seiner eigensten Kunst, das er unablässig zu enträtseln suchte vom ersten bis zum letzten Tage seines Lehens. Die Jmlcngcstaltcn sind ihm — so unschützbar sie auch uns geworden sein mögen — als Stoff bestimmt nur ebenso wertvoll wie etwa der gleißende Goldltelm auf dem Kopfe seines Bruders; als Farbe, Licht oder dunkle Glut, wie etwa Simsons nachtsclnvarze Brauen sie darstellen. Alle diese Stoffe sind ihm ja doch nur wie die Schatten in der Unterwelt, denen er sein eigenes frischquellendes Blut zu trinken gibt, um sie zum Leben zu wecken. Also: es ist nicht ״fremde Art“, die er erfühlt, sondern seine eigene Schöpferkraft, die in ihnen lebendig wird. Noch deutlicher fast wird der Sinn hei Spinoza, der sicher nicht ״durch das Erfühlen fremder Art“ sein ungeheures Werk schuf. Erst kürzlich wieder ist aus der Spinoza-Festschläft deutlich geworden, wie jüdisches Erbgut in diesem entfremdeten Sohne lebendig wurde. Sicherlich i׳m Verein mit der Bildung der Zeit — niemals waren die Juden weltfremd genug, den Geist der Zeit zu verachten, oh er nun Kant oder Aristoteles hieß. Sie ״wohnten in den Zelten Japhcts“; aber sie wohnten als Juden drinnen. Das gilt auch für Spinoza — wie jeder Spino/aforscher auf der ersten Seite sogleich zugesteht. Zeitgenössische Bildung ist, wie Bah seihst mit einem glücklichen Bilde sagt, ״das Gerüst“ für seinen Bau. Aber die Steine — das ist uraltes Granitgestein aus den Tiefen der Vergangenheit. Und die Brücke zur Gegenwart, zu unseren eigenen Schicksalen und Leiden? — ״Rcmbrandt mul Spinoza — durch das fremde Wesen liiudnrch gelangten sie auf den Grund des eigenen Wesens 11ml alles iiieiiscliliclien Wesens . . ." — Gcwill: aller nur weil sie ihr eigen Wesen zuvor erkannten und sich darum mühten, durften sie im Fremden das Eigene wiedcrfimlen. Lange genug sind wir heutigen Juden diesen Weg in verkehrter Richtung gegangen: Fremdes suchten wir und liebten wir, von unserem eigenen Erbgut wußten wir nichts. Rcmbrandt mahnt uns hcu.c wie Spinoza: erst wer den eigenen Weinberg treulich hütete, wird zum Hüter fremder Weinberge auscrschcn. e. a, t. Das Leben des Ffavlus Josephus. Aus seinen eigenen Auf- .Zeichnungen zusainnicngcstcllt und übersetzt von Ernanuci bin G orion, Schockcn-Vcrlag, Berlin 1934. Flavins Josephus, Führer der *Juden im Kampf gegen die Römer, später Geschichtsschreiber und in der jüdischen Geschichte viel umkämpft, war für alle Generationen des jiidisclien Volkes in gewissem Sinne eine Aktualität. Das hebräische Buch ״Josippon“ gehört zu den populärsten Schriften, die im jüdischen Volk lebendig waren. Es ist daher ein sehr begrüßenswertes Unternehmen, daß im Rahmen der Bücherei des Schocken-Vcrlages diese kleine Schrift erschienen ist, die aus den verschiedenen Schriften des Flavins Josephus diejenigen Kapitel sehr geschickt zusammcnstcllt, die ein zusamnieiihangemles Bild vom Lehen des Mannes ergehen. Wir werfen einen Blick in jene Zeit, in der der Untergang des jüdischen Staates endgültig besiegelt wurde. Und wenn wir auch immer bedenken müssen, daß das meiste, was hier gesagt wird, dazu dient, um die Persönlichkeit des Verfassers gegenüber Angriffen zu verteidigen und sie ins rechte Licht zu stellen, so tritt uns doch eine Epoche jüdischer Gcschichte auf diesen wenigen Seiten lebendig vor Augen. Das Buch dürfte daher insbesondere auch in den Händen Jugendlicher sehr nützlich sein. oe. Eine Volksbibcl in England , •nl'*"״k׳G|uI ward zum Volke eines Buches; und dies Buch 5 ' “ die Bibel“, so sagen die Herausgeber einer neuen (Ti ’ ״ u’ Sir ■J °11 n Squire 11ml Rev. A. E. Baker '1 '־!יי “Ihle Treasury: An Anthology for Evcrvman. By 1• C. Squire and the Rev. A. E. Baker. With an Introdudiori ny tue Archbishop of York. Hvre ft Sprottiswoode). — Wer m der letzten Zeit Gelegenheit halte, mit englischen Volksniasscn, Arbeitern sowohl wie Handwerkern und Kaiillcuten, in Berührung zu kommen, der weiß, daß dies Wort noch heute buchstäblich wahr ist: noch heute leben und atmen diese einfachen Leute in der Luft der Bibel, wie es etwa bei uns vor hundert Jahren der!•'all gewesen sein mag. — Aber auch 111 diesem bibelfesten l.amlc werden heute Bibeln häutiger gekauft als gelesen. Die Ursache dieses (icschcheiis stellte iinlaiigst Prof. Burkitt einleuchtend dar: seil der Arbeit der Bibelkritiker verschwand auch in England der Fiiiilruck von der Einheit und Unfehlbarkeit des Gotlcswortcs; auch dort sieht man jetzt mehr oder weniger in ihr eine Bibliothek von Büchern zeitlich verschiedener Autoren. Darin liegt die Gefahr, daß dies ungeheure Schat/haiis an Weisheit und Gottcsglaubcn überhaupt aus dem geistigen Besitztum der Nation ausgcschaltct werde. Dieser von Wissenschaftlern und Laien gleich deutlich erkannten Gefahr zu begegnen, versucht man nun auf mannigfache Weise. Einen von diesen Versuchen bezeichnet das oben erwähnte Buch, das in der vertraute״ Art einer biblischen ״Anthologie für Jeder- יח a n n“ es unternimmt, wenigstens das Schönste aus der Bibel für das Volksbewußtsein zu retten, wenn mail schon die ganze Bibel nicht mehr überliefern kann. In der Form eines geistlichen Kalenders werden für die Tage des Jahres einzelne liibelstellcn zusaniiiicngdugt und mit kurzen Erläuterungen versehen. Auch die E'esttagc werden durch einzelne Kapitel aus der Bibel vertieft, etwa in dem Stile unserer Sidroth und I laftarotli. Ucbcrliaupt gibt dies Bemühen der englischen Geistlichen auch unseren jüdischen Bestrebungen zur Wiederbclcbung unserer alten Kostbarkeiten manches zu denken. Ein anderer Schritt auf gleichem Wege findet sich in dem kürzlich erschienenen dreibändigen Werke der M r s. Thomson Davics ״The Hcart of 111c Biblc“ (Allen & Unwin). Mrs. Davics freilich ist der Meinung, daß die gcncrationenlange Bemühung der historischen Bibelkritik zur Neubclcbung des Interesses ausgenützt werden könne, und versucht, die Bücher der Bibel in einigermaßen gesicherter chronologischcr Reihenfolge anzuordtien. Freilich bleiben dabei manche Unklarheiten, die mit dem Stand der heutigen Bibel- Wissenschaft Zusammenhängen. Aber dafür gelingt es ihr, ein großartiges Bild von der Entwicklung einer R c I i - gion zu gewinnen — Entwicklung von Deboras Raclicliedcrn bis hin zu der Friedensbotschaft der letzten Propheten. Es ist höchst aufschlußreich und bietet Stoff zu mancher nachdenklichen Erwägung, solche Versuche von euglisch-cliristlieber Seite mit den Bestrebungen zu vergleichen, die auch unter uns heute — nach langer Pause der Vernachlässigung — hier und da im Gange sind Kein Mcnsrlt wird ihre Notwendig* keit bezweifeln. Die Engländer freilich haben in der Authorised Version eine Bibelübersetzung, die — und darin kann man sic wotil mit der Luthcrschcn vergleichen! — an Kraft und Klangreichtum durch kein anderes Erzeugnis englischer Prosa übertroffen wird und dabei immer volkstümlich geblieben ist, während unsere jüdischen Bibelübersetzungen zumeist nur die eine oder die andere Forderung erfüllen. e. a. Ein Palästina > Reisetagebuch Im Verlage Erez Israel in Prag ist linier dem Titel ״Palästina“ ein Tagebuch von Rabbiner Dr. L. Gold- Schmied erschienen, das den Niederschlag einer Palästinareise zum Inhalt hat. Das Buch gewinnt seinen Reiz dadurch, daß sein Verfasser als einer der ältesten Bekenner, die zu Hcrzl standen, das Land erst im Alter von 65 Jahren 711m erstenmal gesehen hat und in der lebendigen Form eines Tagebuches seine Eindrücke nicderlegt. Die Reise ist im Jahre 1033 gemacht worden, trotzdem hat das historisch Gewordene für den Verfasser eine stärkere Bedeutung als vieles andere, was erst in allerletzter Zeit in Palästina entstanden ist. Zahlreiche persönliche Gespräche mit einzelnen Menschen, die Dr. Goldschmied auf seiner Reise traf, beleben die Dar- Stellung. _ u• oe. Das Aprlllicft des ״Morgen" leiiet den 10. Jahrgang dieser Zeitschrift ein. Unter den Aufsätzen dieser Nummer interessieren die Arbeit von B. Wcinryb über ״Deutschjüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert“, die einiges neue Zahlenmaterial gibt; von Ludwig Fcuchtwangcr eine Würdigung des 70jährigen Franz Oppenheimer, in der das Werk und die Persönlichkeit in Beziehung zueinander gesetzt werden: Max Wieners Peßnchbelrachtung ״Religion und Volkssitte“, in der die 'Spannung zwischen Volksbrauch und Religion als fruchtbar gedeutet wird; und der Aufsatz Margarete Sußmans ״Stifters Abdias“ als eine Deutung jüdischen Schicksals neben Shakespeares Shylok und neben Rcmbrandt. Bibliographie de* jüdischen Buches. Verlag Joel Sänger, Frankfurt a. M., 1. Heft. Diese Bibliographie enthält in ihrem ersten Hefic Judaica, die im Jahre 1 ‘)'33 erschienen sind. Die weiteren Hefte sollen Hcbraica enthalten. Insgesamt werden 272 Nummern autgczahlt. Soweit cs möglich ist, wird den bibliographischen Angaben eine exakte Inhaltsangabe beigefügt. Neuerscheinungen Frühjahr Bücherei de* Schocken Verlegt Nr. 6 LEO BAECK! DIE PHARISÄER Ein Kapitel jiidiichcr Geschichte Nr. 7 ARON BERNSTEIN: VÖGELE DER MAGGID. Eine Novelle. Nr. 8 DAVID KOIGEN: DAS HAUS ISRAEL. Nr. g DAS LEBEN DES FLAVIUS JOSEPHUS. Au» »einen eigenen Aufzeichnungen lusammcngestellt und übersetzt von Emanuel bin Gorion. SCHOCKEN VERLAG / BEftLIN