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Jüdische Rundschau · 1934-04-20 · Heft 32 (20.4.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 32 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 32. 20. IV. 1934 jüdische Rundschau Eröffnung des S1eff~ Institutes in Mcdtowoih um 3, April / y ׳* 1 *y •י %£ > y ■ V '/׳ יי ■: * wi ' ׳ >• ,• * , ö: ".־■ r ',׳ . / ' * ■/ ' s ׳;/ ׳«X . X, Links oben: Das Gebäude des unter Leitung von Dr. IVci'zmanri stehenden neuen Instituts. — Links unten: Blich auf die Tribüne und die geladenen Gäste während der Bede Dr. Weltmanns. — Hechts oben: Prof. Willstättcr während seiner Ansprache bei der Eröffnung. — Rechts unten: Ein Teil der Ehrengäste auf der Tribüne; von rechts nach linhs: Salwin Sohnlow, Chain! Nachmann Bialih, Frau Hall, Dr, Israel Reichert, die .Mutter von Dr. Weltmann, Prof. Will• stiller, High Commissioncr Sir Arthur Wauchope, ür. Chain! PKciimann. Fotoi K«r«n H«j«»od Das Leben Ibn Sauds Seit 30 J,ihren ist der Name I b n S a u d s, jenes gehcimtiisvollen Emporkömmlings und Herrschers in Arabien, nicht mehr aus den weltpolitischen Debatten verschwunden; und gerade in den letzten Wochen haben wir wieder die Alarmnachrichtcn vernommen, nach denen ein Krieg Ihn Sauds mit dein Ycmen hcvoi/ustehen schien. In dieser Zeit, da das Wcltinlcrcssc sich erneut jenem Manne zmvcmlct, liillt II. C. Armstrong eine Biographie Ihn Sauds ei scheinen (״l.ord of Arahia. Ibn Smnl, An Intimate Study of a King.“ Arthur Harker, London Hhl), die ein lebendiges Bild von dem Menschen und von seinen Kämpfen entrollt. Ihn Sand, der 1880 geboren ist, entstammt dein arabischen Stumme der W a h a b i t 0 11, der puritanischen islamischen Rclorinhewegnng mit einem außergewöhnlichen Machtanspruch, ׳“it 21 Jahren gelingt es ihm, die Stadt Ri ad cinzunenmcn. Von diesem ersten Siege au gleicht sein Lehen einer umintcrßroclifnen Kette von Lrobenmgcii und Kämpfen. Er geht an die allmähliche Ausweitung seines Besitzes, aber fr hat zugleich das ewige Gegeneinander der arabischen Stamme zu überwinden. Auch in Niederlagen, die er selten '״ seinem Leben erleidet, zeigt er sich groß und stark. Das jahr 1013 bringt Ibn Saud einen wesentlichen Schritt in der troberung der arabischen Halbinsel weiter, indem es ihm?dingt, die Türken aus dem Land hcrauszudrängen: ein fcnialor Schachzug: er hatte genau den Zeitpunkt der größten '■chw.u'he der Türkei erspäht. Es ist sehr charakteristisch für den Wahnbiteti Ihn Sand, naß er nach der Machtcrriiigimg sein Vorgehen mit religiös c n A r g 11 in e n t e 11 rechtfertigt. Er fühlt sich als der hager einer Mission: die Araber politisch und religiös zu fincn und ihrer alten Größe zuriickziiführen. ״Die Re- 1gion", so sagt Armstrong, ״wird mehr und mehr die Grundls?t all seines Handelns, er verbot die Musik rings um sich, fr erlaubte keine Laxheit in religiösen Dingen,“ Zur Siche- ״|ng seiner Macht faßt er den Plan, die Nomaden an zu- S|fdeln und seßhaft zu machen, weil er sie so fester in soncr Hand weiß. Er beruft die Priester ein, damit sie ihn 1 i!1 1ו0זי'י Einfluß beim Volke unterstützen. — Da er in Arabien eine wesentliche Stellung inue hat, beginnen die ״ntniächtc mit ihm zu verhandeln. Englische, deutsche *ad türkische Abgesandte suchen ihn für sich zu gewinnen, ׳•e Entscheidung fallt ihm schwer, und er zögert sehr lange. Ja befreit ihn der Weltkrieg von seinen Zweiieln, Zum Vermit England kann er sich nicht entschließen, aber er lv"'-,!rt Neutralität. Doch diesmal hat er falsch spekuliert. IC ,* 1i r k e 11 schi a g c n i 1111, und sein Prestige in Arabien fnciiu zu sinken. Schließlich gelingt es ihm mit Hilfe der “"Ejaiulcr, noch den Sieg zu erringen. Durch ein atisgeklügcl* w \'dem baut er seine Macht über die Stämme aus. '921 ist er im Besitz, ganz Zcntralarabiens. Jetzt ist sein f'stcs Ziel die Eroberung der heiligen Städte, in nen sein Gegner Hussein herrscht. Der Hodschas, sich ei!! wüstes, unfruchtbares Land, hat eine große smsHge Bedeutung für Hunderte von Millionen Mos- ,7■ "> der Welt. Er bedeutet für sie heiliges Land. Wer den ■ysclias beherrscht, hat in der moslemischen Welt eine einzignX S<r!!,l״fT■ Obwohl er das Gebiet mit Waffengewalt hätte M״ |,Cn können, tat er cs nicht, um sich die Sympathien der vn c n׳cht zu verscherzen. Er beruft vielmehr eine Reihe tyj) Skiimncsführem ein, um mit ihnen zu beraten, auf welchem ein5C»!I״sscil1 hcrauszudrängen wäre. Selbst ans Indien kommt l״e Abordnung zu der Konferenz. Und es gelingt tatsächlich; Um ud konzentriert um Mekka starke Streitkräfte, aber es Mfi711 *1״״ keinem Kampf, sondern der Druck der öffentlichen SsiaK ßcn״gt, um Hussein zur Flucht zu veranlassen. Ibn sk pi alt '״ Mekka seinen Einzug, nicht als Sieger, sondern Itirh♦ 8ür• Von dieser Machtposition aus ist es verhältnismäßig finit,»..״״ ganzen Hcdschas in Besitz zu nehmen; nach Atom Kä״pfen um Medina ist das Ziel erreicht, und eine ״wanung der arabischen Stämme bietet ihm die Königsw ü r d e an. Nur einen Gegner hat er noch; das ist der 1 m a m von Ycmen. Seltsamerweise ist es nie bis heute zum Kampf um den Ycmen gekommen. Immer wieder wurden Verbandhingen gepflogen und in letzter Minute Einigungsformcln gefunden. Innenpolitisch schafft Ibn Saud durch ein ausgcbildetes Polizeisystem Sicherheit im Lande, er verbessert die Wege für die Pilgerzüge nach Mekka und Medina, indem er feste Preise für die Kamele und fi'«r Autos anordnet. Er fördert die Motorisierung des Landes, modernisiert das Heer und entfaltet auch eine kulturelle Tätigkeit, indem er Schulen und Krankenhäuser gründet. N. /Der einheitliche rabbinische Rat tür Palästina Ucber die Vorschläge zur Herbeiführung einer Vcrständigung zwischen der öffentlich-rechtlich anerkannten Organ(• sation der palästinensischen Jiidenheit, der Knesset h Isracl und den in der Agudath Israel zusaminengefaßtcn Kreisen, die die Anerkennung als Sondcrgomeinde austrehen und die Rechtsprechung des Rabbinischcn Rats der Knesset!! Israel bisher ahgelelint haben, werden Einzelheiten mitgetcilt, die in den Besprechungen festgelegt wurden, bei denen im Auftrag der Palästina-Regierung ihr Chefsekretär als Unterliändler mitgewirkt hat. 13er Ghcfsckrctär der Palästina-Regierimg war bemüht, die Geschlossenheit der Organisation der palästinensischen Jiidenheit zu wahren lind gleichzeitig die Forderungen der palästinensischen Agudath Israel betreffend die religiöse Rechtsprechung zu erfüllen. Grundlage des Verständigungsvorschlagcs ist die Beibehalten״ des einheitlichen öffentlich aiierkann• ten R a h h i!1 i s c 11 e n Rats für die gesamte jüdische Bevölkcrung Palästinas. Doch soll der Rat dadurch eine Um- Bildung erfahren, daß drei von seinen zehn Mitgliedern (mit Ausnahme der beiden Oberrabbiner) Mitglieder der Aguaath Israel sein können. Einen der für die Agudath Israel reservierton Sitze soll der Oberrabbiner der Aguda erhalten. Im Zusaminciihang damit soll vom Rnbbinisclieii Rat die Zuständigkeit vier religiösen Gerichte der Aguda, für diejenigen Mitglieder dieser Organisation, die aus der Kncsseth Israel ausgetreten sind, In derselben weise anerkannt werden wie die in der Jüdischen Geiiicindeorduung vom Jahre 1027 festgelcgtc Gerichtsbarkeit der Gerichte der Kncsseth Israel über deren Mitglieder. Ferner sollen neben den bisherigen Rabbinern agudistisclie Rabbiner in denjenigen Gemeinden bestellt werden, wo 25 0׳״ der jüdischen Bevölkerung oder mindestens 50 Gcmeindcniitglieder vier Aguda angeboren. Religiöse Gerichte der Aguda sind dort eiiizusctzcn, wo mindestens 400 erwachsene Agudistcn leben. Auch soll Vorsorge dafür getroffen werden, daß die Aguda hei allen vom Rabbinischcn Rat der Regierung vorgelegten und die Aguda betreffenden Angelegenbeiten entsprechend vertreten sei. Die agudistischen Mitglieder des Rates werden die Aufsicht über die agudistischen religiösen Gerichte führen. Das W a h 1 m ä n n 0 r ־ K 011 e g i ti m für den Rabbin i s c 11 e 11 R ,11 soll künftighin zu 25 ״/# aus Agudistcn bcstehen (dom Kollegium werden 60 «> Rabbiner lind 40 <V0 Laien . angchürcn). Die Wahl der Rabbiner der Knesset!! Israel wird jedoch nur auf Grund eines von dieser Körperschaft erstatteten Wahlvorsclilngs erfolgen, ein analoger Vorgang Ist für die Wahl der Aguda-Rabbincr vorgesehen. Man erwartet, daß der neue einheitliche Rabbinische Rat feste obligatorische Gerichtsgebühren bestimmen wird. Das Abkommen zwischen Kncsseth Israel und Agudath Israel soll für fünf Jahre geschlossen werden. In Fällen von Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Abkommens ist die Entscheidung der Palästina-Regierung Vorbehalten. ,Trommler gehen durch die Straßen von Tiberlas. Es ist drei Nachte vor Purim. Die Stadt ist hell vom Mondschein. Viele Menschen sind auf den Straßen, Einheimische und rrcimie. ״Was fllbt es? Was trommeln sic aus?‘* ״Line Hoch* zeit; (Ne Braut wird gebadet. Da kämmt sie.“ Emo Gruppe von 10 oder 12 Frauen kommt heran: man führt die Braut in das Tauchbad. Sie ist 17jährig, hochgewachsen, mit ernsten Augen unter den geweilten dunklen Haaren. Viele schließen sich an, Bekannte, Fremde. Die Mikwch ist fast dunkel, nur zwei Wachskerzen leuchten. Das Bad!st klein, aber die Halle ist weiträumig, und sie ist angefullt mit Frauen. Junge Mädchen stellen neugierig dazwischen; Kinder drücken sich an die Mütter. Langsam entkleidet man die Braut. Eine Alte singt dröhnend dazwischen den Glückwünsch: ״Segen und Fruchtbarkeit!״ Sie bildet die Stimme mit besonderer Kunst, im Kopf; cs schrillt scharf und heangstigeiHl wie harte Gcigcnstrichc und endet mit einem langen Schlagen der Zungenspitze. ׳ Die schöne Braut scheut sich. Sie ist sehr blaß; einen Augen blick schmiegt sie sich an eine der sic begleitenden ., 1111 steht sie schlank und weiß in dem seidenen Nachtkleid, das sie sich kunstreich zur Hochzeit gestickt hat. Man fuhrt sie zum Bade; sie faucht unter. Die alte Begleiterin, noch eine zweite beginnen neu ihren Ruf. Die Freundinnen jubeln; sie werfen Apfelsinen, Aepfcl, Bananen tn das Wasser: ״Sei Frau, sei fruchtbar.“ Man fuhrt das Madeben wieder herauf, wirft ihr das Hemd um. Ein Tamburin droht. Zwei, Frauen nehmen die Braut bei den I fänden, tanzen 111 Tnppclschrilten mit ihr umher. Dann drängen sich alle heran, die sic kennen. Eine steckt ihr den Kamm ins 1 nr,V 1f"Ic 7,c!'* 1!*י" Strümpfe an, eine die Schuhe, e!na das Kleid. Es ist eine Lhrentat, die Braut zu bekleiden. Wieder droht das Tamburin; wieder tanzt man mit ihr, Dann fuhrt man sic durch die mrmdbeschienenen Straßen heim. Einige Freundinnen kommen mit in das Haus. Die zwei Schwestern erwarten sie. Nach der geltenden, nur vielfach verletzten Sitte durften sic als Unverheiratete das Bad nicht mitansehen. Sie haben das Zimmer gerichtet, den Kaffee bereitet. In dichtem,Kreis sitzen die Gäste an den Wänden. Es ist ein Zimmer in einem rissigen Holzhaus (das dazu gehörige gute Wohnhaus ist ganz an Fremde vermietet). Ein Schrank stellt 1m Zimmer, in der Ecke ein Tisch, an den Wänden Banke und Stühle, Auf der brüchigen Holzdiele liegen zwei gute Teppiche. Noch einmal ruft die Alle ihren I lodizeitsruf nach allen Seiten. ״Eine Braut ist im Hause.“ Die Zungenspitze schlägt zwischen goldenen Zähnen in einer Zahnlücke auf und nieder. Stolz schaut sie sich um, eitel auf ihr Können. Dann bleiben die Frauen schweigend auf ihren Plätzen; die Braut sitzt still und wenig beachtet zwischen ihnen. Die Hausfrau kommt mit einem Tablett,mit türkischen Kaffecfaßclicn und einem andern Tablett voll Biskuit. Sie trägt ihr einfaches imgegürtetes halblanges Kleid mit der abgetragenen Wolljacke (die neuen ctiropäischcn Seidenkleider sind für die Töchter). Um den Kopf mit den lang hcruntcrhängemlen Zöpfen ist das sephardische bunte Kopftuch mit seinem Kranz gehäkelter Blümchen geschlungen. 111 ihrer Art zu gehen, zu lächeln, die Gäste zu bewirten, in dem Ernst ihres Gesichtes liegt ein großer Adel. Als sie alle bewirtet hat, kauert sic sich nach alter orienta* iischcr Art auf den Boden. An der Tür lehnt der älteste Sohn, Der 2IJäl1rige ist hochgewachsen lind, schön wie alle aus der Familie. Das Leben gelang ihm in der Heimat unter den Augen eines harten Vaters nicht recht, nachdem er ein ganz mittelloses Mädchen geheiratet hatte. Jetzt ist er Bauarbeiter in Tel- Awiw; dort braucht man in dieser Zeit alle Kräfte. Neben dem heimischen Arabisch und dem kaum beherrschten Hebriiiseli spricht er die ersten Worte Jiddisch: ״Was tun? Da aut dem Bau sind Deutsche, Polen, Russen. Mau spricht viel Deutsch lind Jiddisch, Da muß man es lernen.“ Auf dem Tisclt stellt ein Krug mit Blüten und Riechkräutern. Jede der Frauen hat der Braut ein einzelnes Zweiglcin gebracht. Der Duft der Kräuter mischt sich bctäuhend mit dem Geruch des stark gewürzten arabischen Kaffees und dem Nelkcngcrueh der Kuchen. Die Frauen sitzen und schweigen. Manchmal ein leises arabisches Wort. Ganz plötzlich stehen alle auf, gehen, fast ohne Worte. Der Hochzeitstag ist strahlend hell. Lichtblau steht der Himmel über den Bergen. Die Friihlingssnnnc trocknet die letzten Regenspuren auf der harten Erde. In dem Holzhaus schmückt man die Braut. Schön ist Sarah mit ihrertt langen weißen Scidcnklcidc, mit den weißseidenen Schuhen, dem halblangen Schleier. Ein dreigliedriger Kranz aus weißen Wachsblümchen hält den Schleier. Früher trug mau ihn tief über der Stirn, jetzt hoch am Haaransatz; manche setzen ihn auch schief aut den Kopf wie eine Baskenkappe. Es ist modern so. (Seltsamster Eindruck: dies Wort ״modern“ immer wieder von diesen Mädchen zu hören, ebenso seihstverständlich bindend wie daneben das Wort ״So ist cs der Brauch. So mul) es sein.“) Eine Freundin gibt Sarah die letzte Schönheit; sie färbt ihre Lippen mit einem dunkelroten Lippenstift in Herzform, sie streicht die schmalen geschivungcncn Augenbrauen zurecht, legt dichten Puder über die junge Haut. Sarah läßt sich schmücken. Keine Spur von Eitelkeit ist in den dunklen Augen, nur wenn einer sagt: ״Sarah, wie schön du hist“, dann lächelt sie. Alles ist Vor- Schrift, alles Pflicht. Sarah hat die Schule der italienischen Schwestern besucht. Die Freundin, die sic schmückt, ist eine arabische Christin — der ihr nächste Mensch aus der Schulzeit. Etwas von einer Klosterfrau liegt filier dieser Braut mit dem schlanken hohen Körper und den ernsten Augen. Freundinnen kommen, sitzen neben ihr an der Wand, wie gestern die Frauen. Sie warten, warten, schweigen. Längst sollte die Schwiegermutter kommen. Man wartet ohne Ungeduld, ohne Sorge — eine Stunde, zwei Stunden. Es wird schon alles nach seiner Ordnung geschehen. Und es geschieht: Um 4 Uhr tritt, gefolgt von Vielen, eine Tante in den Hof. Herausfordernd, die Brust gestrafft, stößt sic ihren Glückwimscliruf heraus, kommt strahlend, kiißt die Braut, setzt sich. Wieder Schweigen. Dann kommt die Schwiegermutter. An der Schwelle singt auch sie. Unheimlich, naturhaft sind diese Schreie, zu ähnlich den Klagen der Toteinvciber. ״Es zerreißt alles Alte, es kommt das Neue, das Schwere, das Fraucnschicksal.“ Die Braut beginnt zu weinen. Sie nimmt die Hand der Mutter, küßt sie, führt sic gegen die Stirn. Jetzt endlich führt man sie zur Trauung In ein nahes Hotel. Abwechselnd begleiten sic die Mädchen; cs ist Ehre und wird Glück bringen, die Braut zu fuhren. Die Familie des Mannes hat zwei meterlange goUlgcschinückte Kerzen geschickt. Man bindet an sie duftende Kräuter, entzündet sie. Zwei Kinder tragen sie der Braut voran. So geht der Zug über die hohe Straße. Der Zug tritt in den Festsaal. Er ist voll von Menschen. Dröhnend beginnen die Musikanten zu spielen. Der eine schlägt mit der flachen Hand auf eine geschwungene arabische Trommel, wie auf einen umgekehrten Tonkrug; der zweite schlägt und schüttelt, ein Schellcntamburin, der dritte reißt an den Saiten eines Saiteninstruments. Man hört Rhythmus, fast ohne Melodie. Die Braut geht zu ihrem Platz, die Musik spielt, die Frauen rufen ihre Glückwunschrufe. Hier sicht die Braut ihren Verlobten wieder. 1׳ I“ 1 \ I!

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