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Jüdische Rundschau · 1934-04-10 · Heft 29 (10.4.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 29 (10.4.1934)
Date
1934-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1931 Kr. 29, 10. IV. 1934 T ODISCH E 1RUNDSCHAÜ Seite 3 'f*. dar, Hta.1t«• n 11 bl h ’u i״,, . im 1:i<1׳f),. ־׳ י Jahre J <1r Lei, <if'nu־t|, : •nacht-'! ie Aut- 1 ׳ ■•■I* RU i "3 (1(H . j a>c!t i״ ' | iiatulcii i lat'IHh'ii I 5C!ll!(|! j Lande t l‘־r für . j itt, t'iu j HURI'. ' j 11, v.i«; I Ute icl, 1 sole s 0. 1r viele!ו wür. ¬ח, daß it kann! •rt, die Eine Tagung in Jerusalem RW, Jerusalem, 2. April 1934. Die Feiert,igswochc in Palästina erreicht noch einen Hohepunkt mit der Liaweilumg des W c i 1 m a n 111 ״ s t i t u t e s in Rccliobotli, über die gesondert berichtet werden wird. Für die deutschen Juden ist dieses Lreiguis auch dadurch beincr* kenswert, daß ein deutsch-jüdischer (ielehrter ersten Ranges, der bisher in jüdischen Angelegenheiten nicht ('){(entlieh hervorRttrden ist, die Zeremonie der Eröffnung vollzieht. Dieser Akt Prof■ Willstätters zeigt uns wieder, dal! die letzten Jahre der jüdischen Gemeinschaft auch neue Kraft zugeführt haben. An keiner Stelle der Welt kann ein jüdischer Gclehrtet in dieser selbstverständlichen Weise für das Judentum rniRcn wie hier, wo alles Tun und Bauen im Bereich des jüdischen Lebens bleibt, ohne darum seine allgemeine Bedcutmig eiimibülicu. Die Peliaclifage, die einen Zusammeiistroni von Menscheu aus aller Welf gebracht haben, sind völlig ruhig verlaufen. In früheren Jahren sah man in Jerusalem, wenn Pcßacli, Ostern mul Ncbi Musa zusammeiifielcn, ein großes Aufgebot von Militär und Polizei; diesmal genügte eine bescheidene Anzahl von Ordnungspolizisten, die ihren regulicrcmlcii Dienst in dem beispiellosen Menschengewühl in den engen Gassen tadellos versahen. Die bunte Menge, Europäer aller Art, Araber, Fellachen, Chnluzim und Kaftanjudrn, sie drängten sich friedlich durch die Altstadt. Der platz vor der Klagemauer, deren holpriger Zugang durch enge WinkcIgäBchcn führt, war zeitweise buchstäblich überfüllt; viele tausende Menschen mögen am ersten Pcßacli- Sabb.ith dagewesen sein, darunter auch die Spitzen der riotiMischcn Bewegung, die jetzt hier in Jerusalem zur Sitzung versammelt sind. Denn diese Tage haben ein besonderes Gepräge durch jaulen ו t i 11 ה tc des nöclite sollte: e oder 1׳ Lage le ab. ser im nirclit, durch 11 ist es n sein Cu ist, komile am Wirk■ | ilcgclt, jetzt schon Lande Hinnen 1g so tc nur r war eil des beitrdcnrn cliloti: istenz, nsercr Juden haben 1 man kann, leihstgrille clilite, כ alle sollte, einen emlei! es fur •h nie ,vesen , uns oloni• iclicn, 1 d er sein, »nisti- Paris || ard glied die erste palästinensische Sitzung des Zionistischen Actlons-Comitßs erhallen. Das A,-C. ist bekanntlich eine Art Hauptausschul! des Zionistenkongresses, der ein oder mehrmals im Jahre zu Bor,iliingen Zusammentritt. Seine Verhandlimgsbrmcn sind ähnliche wie die des Kongresses und leiden unter denselben Mängeln eines erstarrten Parlamentarismus. 111 früheren Jahren dachte man sich das Ziisammentreten des A -C. in Palästina als ein großes Ereignis. Nun läßt sich feststellen, daß die Resonanz dieser Veranstaltung ziemlich gering ist. Das liegt daran, daß das palästinensische Leben langst. zu sehr entwickelt ist, als daß es zu viel Aufmerksamkeit auf Diskussionen dieser Art verwenden könnte. Die Zeitungen berichten zwar täglich aut der ersten Seite über die gehaltenen Reden auf Grund eines offiziellen Bulletins, aber man wird wohl nicht fehlgehcn, wem! man feststellt, daß die breite Oeffcntliclikeit des palästinensischen Judentums nicht recht interessiert ist. Es Ist dem A.-C. nicht gelungen, dem Jischuw das Gefühl zu gehen, daß hier über schic wichtigsten Belange gesprochen und entschieden wird. Dom wenn auch in materieller Hinsicht viel mehr Kreise von der Zionistischen Organisation unabhängig sind als frtiher, so hängt doch die Existenz des Jischuw aut das engste mit gewissen moralischen Fragen zusammen, mit denen das A.-C. sich zu befassen hat. So z. B. können die jetzigen Formeii des Parteienkampfcs zerstörend auch für die ״impolitischen“ Elemente im l aude sein, wenn es nicht geliugt, dem ein Ende zu setzen. Das A.-C. versucht, die zwischen den Parteien schwebenden Streitfragen zu klären und womöglich zu lösen. Der außenstehende Beobachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dabei zu wenig gründlich verfahren wird, d. 11. man bleibt immer im Rahmen der hergebrachten Differenzierungen. Was aber not tut, wäre die Einsicht, daß ein Neu-Bau erfolgen muß, entsprechend den neuen Gegebenheiten. Das A, - C., der Kongreß, beschickt von ״Schekclzahlerti‘', ist längst kein Forum mehr für die Behandlung und Entscheidung höchst komplizierter Fragen der palästinensischen Wirklichkeit. Hierzu bedarf es eines palästinensischen Forums, wahrend der alte, von Herzl nur als Propagamlatribüne gcscliaficne Kongreß die Verbindung mit der Diaspora herstellen und die Sache der Juden vor den Völkern ver* treten sollte. Die palästinensische Instanz aber mußte ein wirkliches Abbild der realen Kräfte des Jischuw geben. Von diesen Kräften gehört jetzt den Körperschaften lediglich die Arbeiterschaft an; dagegen sind so wichtige Faktoren wie die Stadtgcincindc Tel-Awiw mit ihrer fast ein Drittel des jischuw umfassenden Verwaltung, ferner die Pflan/erkolonisten, die Industriellen tisw. außerhalb. Natürlich gehören die meisten Angehörigen dieser Verbände als Individuell •!ich zur Organisation, aber die Verbände selbst führen ein Eigenleben, politisch und wirtschaftlich, und das untergräbt dtn Oedanken einer zentralen jüdischen Repräsentanz. Die Aufgabe wäre, diese Berufsstände nicht auseinandertreiben zu lassen, sondern sie zur Mitarbeit hcranzuziehen. Dazu käme dann als ein weiterer Faktor die heute auch in dtn Gremien aktive, aber innerlich schwache Gruppe der 1, Allgemeinen Zionisten“. Diese sind keine ״hcrufsständi- *Hie“, sondern eine ideologische Gruppe, gar nicht direkt wit dem palästinensischen Leben verbunden; um so mehr wdiirfcn sic der ideologischen Fundierung und geistigen Odtrnng. Sie dürfen sich nicht damit begnügen, eine tak-!wehe Gruppe im parlamentarischen Spiel zu sein, sondern sic SN es, die die J u d c 11 f r a g e zum Ausgangspunkt ihrer 1 ^!1•Stellung nehmen und damit erst allem Geschehenden einen (. “*,חי geben. Denn wir sind ja schließlich nicht zu diesem Werk ausgezogen, damit da und dort Orangenbäume gc- Pflanzt oder Strümpfe fabriziert werden, sondern well die Judennot uns unerträglich war und wir für die Juden eine neue Art Leben wollen. ... Während diese Zeilen geschrieben werden, ist die ."*Mg des A.-C. noch nicht beendet. Sic ist im Kommis- *״*»•Stadium. Kommissionen beraten, man wird wohl noch!or Schabbath zu einer überstürzten Lösung kommen. Hof- '*1י י"", daß sich dann ein Gefühl der Erleichterung cm- Aber wir fürchten, eine echte Losung wird das "jeht sein. Die Instanzen werden immer blasser werden״ 11״' die führenden Menschen sich nicht Rechenschaft dar- “btf ablcgen, daß die alte Formcnwelt nicht wcitcrgeschleppt Wtrdc״ kann. Auch die Art und Weise, eine Exekutive zu ^•ן «יי״•״• %•*•*/ ,יי׳! ךי"/ ך״• י ■ 1״י׳^ דיי .—"ץ ץףיז*| 'Lu»׳' i-J> i.Jt 4-1 tu*•./ ka* zA JA «Lj« 14 CiwL Jsllt liurt Blumenfelds Rede bei der A-C.״Sitzung in Jerusalem ll'iUhremf der (Icncnildeholle in der Hilzung des '/,iimisti• sehen A.-C. in Jerusalem hielt Kurt lilnmenfeld eine Heile, in der er die zionistische Lage kritisch beleuchtete. Ultimen■ leid führte ungefähr folgendes am: , .Mit ernster Sorge muß man heute den Zustand der Ziomstischcn Organisation und das Verhalten der einzelnen Teile der palästinensischen Judenheit betrachten. Wir sind noch weit davon entfernt, uns als eine fertige und vollendete Volksgemeinseliaft zu fühlen. Wir sind ein kleines Volk, dessen Hauptaufgabe darin besteht, seine eigenen Kräfte und alle erreichbaren Teile der ludeiiheit fiir das Wachsen und für die Stärkung des jüdischen Lebens in Palästina cinzusct/en. Wir benehmen uns aber so, als wären wir ein großes und fertiges Volk, das cs sieh leisten kann, seine Energien vor allem im inneren Pnrtciciikampf ntifzubr.niclieti. Gewiß werden die Parteien in der Zionistischen Organisahon nicht beseitigt werden können, sie existieren und haben in einem gewissen Ausmaße auch Existenzberechtigung. Aller die ganz, auf Freiwilligkeit autgebautc Z. O, kann mir so lange bestehen null Kongreß und A.-C. sind nur so lauge sinnvoll, als midi die jeweilige Minderheit durch die Beschlüsse dieser gesetzmäßigen Organe der zionistischen Bewegung gebunden ist. Man kann eine Exekutive bekämpfen, aber auch fiir die Opposition muß diese Exekutive den Wert und die Autoritat der obersten Instanz der zionistischen Bewegung haben. Jede Exekutive ist immer unsere Exekutive und nicht nur die Exekutive derjenigen Delegierten, die aut dem Kongreß für sic gestimmt naben. Gerade diejenigen, die allein im ״Staat“ das Heil erblicken, müssen Verständnis für Disziplin haben. Was in einem Staat die Steuern sind, ist bei 1ms das durch die Fonds repräsentierte nationale Kapital. Wie jeder Bürger ver- 'pflichtet ist, auch einer ihm nicht genehmen Regierung seine Steuern zu zahlen, so ist jeder Zionist verpflichtet, die ihm durch Kongreßbeschluß ntiferlcgfcn Beiträge für Keren Haiessod mul Keren Knjcmeth zu bezahlen. Man kann der Exekutive mir den einen Vorwurf machen, daß sie zu spät und nicht energisch genug cingcgriffcn hat. Ihr Verhalten gegenüber den Revisionisten war notwendig und muß vom A.-C. gebilligt werden. Die so viel angegriffeue Exekutive hat auf allen Gebieten, insbesondere auch auf pol i t i s c h c m Gebiet, gut gearbeitet. Die Exekutive null! dafür getadelt werden, daß sic die zionistische Oeffentlichkeit nicht über ihre Tätigkeit informiert hat. U. a, verdient die erfolgreiche Tätigkeit der Exekutive nach den arabischen Unruhen im Oktober hervorgehoben zu werden. Die Aufrecht e r 11 a 11 u n g der 1111 m i g r a t i o 11 nach diesen Ereignissen ist entscheidend ein Verdienst der Exekutive. ln vielen Reden kam das Bedauern über den unbeiriedigonilon Zustand der Bewegung zum Ausdruck. Es klang so wie Selinsmiit nach der guten alten Zeit. Unsere Debatten im A.-C. können sich heute abei nicht ebenso abspiclen wie in früheren Jahren, wo man in rein dogmatischer Form ohne Rücksicht aut die Wirklichkeit in sieh gteklibleibcndcn Formein einen grundsätzlichen Standpunkt vertrat. Der antiquierte Charakter der Debatte wird besonders deutlich in der Behandlung der Frage des Arbeitsmarktes iiihI der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Diese Debatte dar{ heute nicht im ctiropäisehen Stil des Jahres 1800 geführt werden. Für die Behandlung dieser Frage mul! einzig und allein der nationale Aufbau des ganzen Volkes maßgebend sein. Die ausgezeichnete Rede von Herl Kafzenelson hat mir gezeigt, daß in unserer Arbeiterschaft der Wunsch stark ist, sich der Gesamtheit einzugiiedern 11ml sieh ihren Bedürfnissen unter/uordiieii und auch ihrerseits Opfer zu bringen im Interesse der Volksgesaintheit. Wir müssen von ()rund aus uimlcnkeii. Unsere politischen Vokabeln sind durchweg abgelebtes 10. Jahrhundert. Unsere ,,Linke“ und unsere ״Rechte“ hofften auf die Verwirklichung des Zionismus als eines Nebenproduktes des Sieges nllgemcincr Ideen. Bestimmte Weltzusammcnhüugc waren Haupt,argumente fiir die Erforderlichkeit und für den Erlolg unserer Sache. Im gegenwärtigen Moment müssen zumindest die Fi'ihrer unserer Bewegung erkennen, daß die Juden nicht mehr mit dem Strome des allgemeinen Lebens schwimmen, sondern überall in der Welt in ein Soiulcrloben gedrängt werden. Wir müssen unser Schicksal im wesentlichsten allein aut uns gestellt entscheiden und gestalten. Die politische Analogie hat ihre beherrschende Rolle ausgespielt. Das Erkennen der E i g e 11 g e s e t z I i e!1 k c i t unserer nationalen Entwicklung wird zur Hauptfrage unseres Lebens. Fs ist für mich keine Frage, (lall unsere Arbeitersebatt diesen Erkenntnissen in höherem Maße gerecht geworden ist als andere Teile der Bewegung. Es muß aber gleich- •zeitig mit aller Deutlichkeit klargestellt werden, dal) die Arbeiferscliaft nicht der alleinige Träger des Aufbaus sein kann. Hat sic die ihr im System der Gestaltung der nationalen Entwicklung gesteckten Grenzen überschritten, so ist der Grund darin zu suchen, daß ihr ein würdiger national gleichbrreclitigter Partner aus der Welt des allgemeinen Zionismus bisher gefehlt hat. Die llistadruth Haowdim ist bei weitem nicht so fertig, wie sie sich seihst vorkommt. Ihre Monopolstellung wird auch von mir abgelelnit. Diese Monopolstellung wird aber verständlich, wenn man sieht, daß der bürgerliche Zionismus, so wie er in Palästina organisiert ist, ausschließlich und im engsten Sinne Arbeitgeber-Interessen vertritt und diese Intercssenvcrtretung in einer Form ansüht, die mit der Gesamt- Verantwortung für den nationalen Aufbau nur schwer vereinbar ist. Man mnl! der I iistailruth zugute halten, daß sic heute eine Fülle von sozialen Aufgaben erfüllt (Krankenkasse, Arbeitslosenversidieriing) die bei normalen Verhältnissen von der Gesamtheit der Nation erledigt werden. Wir müssen schnellstens dazu kommen, daß der Arbeitsmarkt durch eine übergeordnete nationale Instanz, die zusammen mit ArbeitgelK-ril und Arbeitnehmern alle Entscheidungen zu fallen hat, in umfasscinlstcr Weise geregelt wird. Wichtigste Voraussetzung ist die Schaffung einer starken allgemeinen Zionistischen Organtsation, die sich fiir alle Schichten des Jischuw in gleicher Weise verantwortlich fühlt und für die Stärkung der Autorität unserer Exekutive. Die Autorität der Exekutive wird nicht so sehr von ihrer personellen Zusammensetzung abhängig sein, sondern vielmehr von einem UmwamlltingsprozdS bei den Anhängern der zionistischen Bewegung. Eine ans allen Parteien ziisammengesetzte Exekutive würde heute nicht in höherem Grade alterkannt werden, als die gegenwärtige Exekutive. Autorität kann eine Exekutive bei uns nur dann haben, wenn in der Bewc* gung das Gefühl fiir Führung und der Respekt vor den selbstgewählten Repräsentanten aufs neue erweckt wird. Hüten wir uns, im inncrzionistisclien Kampf die Achtung vor unseren Institutionen weiter zu untergraben. Audi dem Misrachi sei gesagt, daß er seine berechtigten Forderungen nur durch geistige Beeinflussung und durch eine Aemlerung der Erziehung zur Tradition der Verwirklichung wird näherhringen können. Mit Gewalt oder durch formale Beschlüsse wird er niemanden der Religion verbinden; er wird nur einen gefährlichen überflüssigen Kulturkämpf erzeugen. Die Geschichte der letzten 130 Jahre muß den Misrachi darüber belehren, wie luden der jüdischen Tradition entfremdet wurden und auch darüber, wie sic ihr wieder gewonnen wurden. Ich bin der Meinung, daß die zionistischc Bewegung alles tun soll, um den gesamten Jischuw mit unserer Geschichte und mit den alten Formen jüdischen Lebens zu verbinden. Gcwissenszwang wird aber hier immer nur das schlechteste Mittel sein. Religiöser Zwang durch Beschlüsse politischer Behörden müssen gerade bei Menschen, denen es ernst mit ihrer menschliehen Entwicklung ist, Mißtrauen und Abneigung gegen autgezwungene Vorschriften erzeugen. Dem gegenwärtigen Partcieukampt muß ein Ende gemacht werden. Er kann uns der Verwirklichung unserer Ziele nicht naher bringen. Bei normalen Völkern bedeutet eine letzte innerpolitische Entscheidung zugleich auch eine veränderte außenpolitische Situation. Was aber bedeutet bei uns ein innerpolitischer Sieg? Nichts anderes als das Niederringe,1 eines Volksteiles und in keiner Weise die Möglichkeit einer neu* artigen Verwendung der uns zur Verfügung stehenden Machtmittel. Alle aufbauenden Teile des Zionismus, d. h. die gesamtc Bewegung mit Ausnahme der Revisionisten, hätte sich hei klarer Uchcrlcgung zu einer einheitlichen Aktion vereinigen müssen. Die revisionistische Partei hat gezeigt, daß sic nicht zu 1ms gehört und nicht zu uns geboren will. Ihre provozierenden Deklarationen können nur den Sinn haben, daß sie den Ausschluß aus der Zionistischen Organisation dem Aus‘ tritt vorzieht. Mcir Oroßmnnn (״staatszionistische“ Partei, eine Abspaltung des Revisionismus) hat der Exekutive vorgeworton, daß sic sich bei dem Prager Kongreß nicht an die Spitze einer B o y k o 11 b e w c g 11 n g gegen D c u t s e b I a 11 d gestellt hat. 14er Exekutive gebührt unser tiefster Dank, daß sic sich mit Energie und Leidenschaft gegen ein solches u n z i o n i s t is c 11 e s Beginnen gewelirt hat. Sie wollte dem Aufbau Palästinas dienen; sie war sich dessen bewußt, daß der wahre Zionismus nur das eine im Basler Programm festgelegte Ziel hat, und daß sie deshalb alles tun muß, um deutschen Juden die Mitarbeit an der Verwirklichung dieses Zieles zu ermögliehen. Auch das T r a 11 s f e r - A b k o 111 tu c 11 dient der Ein- Wanderung deutscher Juden nach Palästina mul ermöglicht ihre Ausicdtuug im Lande, und jedem Versuch, diese von zionistischem Verantwortungsgefühl diktierte Politik zu durchkreuzen, muß mit aller Entschiedenheit entgegeiigelreten werden. Ein Neuaufbau der Organisation wird mit einer eudgültigen Trennung von den Revisionisten verbunden sein müssen. Die Kräfte, die wir eiimiset/cn haben, um die Mactit des jüdischen Lebens in Palästina zu entwickeln, sind in erster i inie moralische Kräfte und unser stärkstes Machtmittel sind die sittlichen Energien einer immer wieder sieh erneuernden von der Idee der Wiedergeburt erfüllten zionistischen Bewcgung. Die überwältigende Größe des Zionismus wird daun wieder offenbar werden, wenn wir unsere Idee so (larstellen, dad sic auf die jüdischen Menschen dieser Zeit umtonnend zu wirken vermag• Audi die größte politische Bewegung ist ihrer Natur nach zeitgebumlen, und der Zionismus des Jahres 1807 konnte und mußte sieh in anderer Art darstcllcn, als der Zionismus des Jahres 1031. Von der Exekutive ist daher zu verlangen, dal! sie sich entschließt nach/uhoien, was die zentralen Instanzen der Zionistisdien Organisation seit Jahrzehnten versäumt haben: Durch Schaffung einer zentralen Stelle für Propag a 11 d a u n d E r z i e h 11 n g den Kampf gegen die zentrifugalen Kräfte im Judentum neu auf/unehmen, und nur der Zionisinus kann auf die neue Wdtcutwicklimg den Juden eine Antwort gehen. Er muß heute alles tun, um jeden Juden zu erreichen und der zionistischen Bewegung zu gewinnen. Die für den Palästina-Aufbau erforderlichen Mittel werden aut die Dauer nicht durch eine Verknüpfung mit allgemeinen tiiltsaktionen beschafft werden können. Wir sollten alle Anstrengütigen machen, um wieder eine klare Palästina-Parole auszugeben. Der Vorschlag, die Exekutive dadurch zu erweitern, daß Vertreter anderer Gruppen in sie eintreten, wird in seiner Bedeutung überschätzt. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn diese Erweiterung in einer echten Kooperation mit neuen Menschen und Gruppen besteht. Der Vorschlag ist abzulchneii, wenn etwaige neue Mitglieder der Exekutive sich dort in erster L inie als Gesandte außenstehender Gruppen fühlen. Weit wichtiger als die Erweiterung der Exekutive ist die Aktion für die Erneuerung der produktiven Kräfte in unserer Bewegung. bilden, hat sich überlebt, Das zeigt sich hei dieser Sitzung wieder deutlich. Denn niemand wird verstehen, dal! die ohnedies schon zu große Exekutive noch durch Vertreter dieser oder jener ״Gruppe“ ergänzt werden muß. Eine Exekutive kann kein Parlament sein, sie muß ans Persönlichkeiten bestehen, die gerade die besten für ihr Ressort sind. Würde man aus den obengenannten bcrufsstiindischcn Oruppen die Leitung ergänzen, würde dies cinlcuchtcn; aber wir vermuten, daß diese Gruppen gar nicht so erpicht sind, sich mit Verantwortung zu belasten. Die Hinztifügung einiger weiterer ״Allgemenuionistcn“ zu den in der Exekutive schon vorhandenen ist — cs sei zu sagen gestattet — belanglos. Wir merken auch hier (was auch das Diaspora-Judentum aUciithalbcli spürt) den Mangel an wirklichen F ii h - rem. Bei dieser A,-C.-Sit/ung hielt Weizmann eine Rede, beteiligte sich sonst aber nicht •sehr rege, da er mit den Vorbereitungen in seinem Institut beschäftigt ist. Trotzdem fühlt jeder heute stärker als je, daß Weizmann der Führer ist. Wir wissen nicht, wann er wiederkehrt, aber er wird als Präsident wiederkehren, — so ist die allgemeine Meinung. Heute hat sich das in seinen Händen liegende Ressort der Ansiedlung deutscher Juden zu einer zentralen Angelegenheit der gesamten Arbeit gestaltet. Er ist in einer eigentümlichen Doppclstellimg: außerhalb der Exekutive, und doch führend verstrickt in alle größeren Aktionen. Das ist ein anormaler Zustand. Wenn Weizmann wiederkehrt, wäre seine Hauptaufgabe die Aitfrichtung der Bewegung nach innen. Es wäre keine leichte Aufgabe, und wir alle wissen, daß Chaim Weizmann ge* radc für sie nicht viel übrig hat. Es fehlt an einer moralischen Autorität Im Lande. Das ist ein starker, peinlicher Eindruck. Es geht nicht, daß hier, jeder macht, was er will, das ist keinem nützlich. Wir müssen daran arbeiten, diese Autorität zu schaffen.

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