Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1934)
- Date
- 1934-04-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Nt 27/2B, 5. IV. 1934 }ODISCHE RUNDSCHAU Seite 17 rt ,1!« |)fS nk,1 -סיף •Rel»rh dis iny Ute x*r- ׳ere ׳on! •ich ind Hin Md 1׳:n sh, IM, uid׳ ab• das cri- 14 it&t ist en, mit rch ftn« ־זזו rkt in an eror- '!15 hi j« >ro ten igC inicn M- Ird •nd zu ortsitc die >2• its 1er!11t irr 3-1 »nim hr zu iit iic ne ף Kl en er :11 :11 rn m 118 1a dt ic 1d n•!18 P־ Ml Ml er ie-, :st Dr as 11ii ef llnh , Fi'״ O r n ״ K •' ״ k . s t e 1- ״ i « 1z läßt, dem baldigen Ende |1t s.iismi cidspreclieiit I, die Nach frage bereits nach, wodurch ■)! die I reise allmählich nachgebcn. Der Luko-Prcis ist 42 ,3ן Mils pro Kiste. Wie auf dem europäischen Markte, so zieht auch in Palidina <ler l'rvte für H a 1111 o | z neuerdiiiRS au. Man notiert;. ko »׳eilt« Tauiienum hehteiibolz mit CP 2,000 pro Kubikmfler, Kiefernholz mit £P 4 Ins H/s pro Kubikmeter. Die Nachfraß•' >st scl1r lieber das (״;schüft in Möbel holz wird gegenwärtig httrie׳li|:end berichtet. Je nach Qualität bewegen sich die 1״k״-i>״'isr fur 1 ׳che amenknmsch Nußbaum und Sperrholz v<m l'l* (י h|S Pro Kubikmeter. Atifkeiordeni(ich benachloitigt wird der 1 folzimport nach vio vor durch die unerquicklichen Hafcnvcrbältnissc und die unnl|;1111!liciic Waggongcstelhing der Eisenbahn. lam-nt Der Markt bleibt weiterhin sehr fest, das Preisniveau im . begriffen. Eoko wird pro Tonne CP 2,820 gezahlt Inlamlsprixluklioii den rapid wachsenden Bedarf gegennur zu 75 ״> riechen kann, sind zusätzliche Importe <41. wobei in Id/Icr Zeit große Aufträge nach Daß die fiir Iel-Awiw bestimmten Auslands- Steigen fb w irtiß IIIH'lli l ag!.־lll<l ßiugin. - .. . ,V... .111.11 n I. m1M.1«us■ scikIhuR•'!• vielfach 111 reu Weg erst über ilaifa nehmen müssen, pdeutet eine fiir Handel und Verarbeiter kaum noch ertriigliehe Verzögerung und Verteuerung. Lrdcr Der palästinensische Bedarf an Bode nieder wird heute bereits in erheblichem Maße von inländischen Lederfabriken versorgt, die den Häute-Anfal! der palästinensischen Schlachthiuser verarbeiten. Soweit das Inlands,•ingebot nicht ausreicht, wcriieif ausländische Croupoiis i-mportiert. Der Oberleder- Bedarf ist in der I lauptsaelie auf Einfuhr angewiesen, ind!t'.sn״dcre .'־' ־' "" ..’ auf Einfuhr von ungarischer Ware. Das Preisniveau ist .. stabil. Im Zusammenhang mit dem Entstehen einer palästinensischen Lederwarenimlustric wächst auch der Bi/iig ausländischer l.uxusleder, namentlich von Reptilienlcder. Oer Aushau der palästinensischen Karosserie-Industrie läßt auch eine Nachfrage nach Spe/ialledern für Polstcrungszweckc entstehen. Rechtsanwälte in Palästina Dir Eingliederung der Akademiker in das palästinenrhehr Wirtschaftsleben ist eine der schwierigsten Fragen ,!er Alijal! aus Deutschland. Nur der kleinere Teil ist unter allen l hnst,'Inden zur Umschichtung entschlossen; der L’rnfSm׳ Teil fragt sich zunächst, ob er nicht auch seinen früheren Beruf hier ausüben kann. Als juristischer Beruf kommt nur die Ausübung des Anw a Its b e r u f e s in Erage. Die Richierlaufbnhii ist wegen ilcs geringen Bedarfes praktisch verschlossen. Symiikusslellen wirr dergleichen gibt cs nicht, da nur wenige größere kauf-!!!amiisrlte Betriebe im Lande vorhanden sind, die sieh einen titelten Syndikus leisten. Endlich werden Juristen im Oege״- salz 711 Deutschland keineswegs bei der Anstellung als Beamte der Regierung oder der Stadtverwaltungen bevorzugt. Die entscheidende Frage für die nicht zur Umschichtung mKchlnsseneti Juristen ist daher, ob sic sicli hier im Annltshcruf werden durchsetzen können. Die Beantwortung st insofern viel schwerer als bei den Acr/tcn, weil die aut Deutschland miigehrarlite Vorstellung über den An- »altshernf nicht mit der hiesigen Wirklichkeit übereinstimmt. l'ehmvimlhar sind die Schwierigkeiten des Anwaltsexa- Utens, das der auswärtige Anwalt ahlegen muß, obwohl sie and: nicht unterschätzt werden dürfen. Immerhin ist eine - je nach Spraehenvorkcnnlnissen und Auffassung — mehr eiler weniger intensive Vorbereitung erforderlich, um in einer ungewohnten Sprache ein Examen über ein fremdes umfangreiches Reellfsgehiet ahzulegen. Doch fragt es sich, 011 der Aufwand an Zeit, Energie und Kosten durch die ״späteren Aussichten gerechtfertigt erscheint־. Dies ist zum mindesten sehr zweifelhaft. Die Zahl der Anwälte ist groß. Nach der in der ״Officnl (ia/ette“ vom 15. März dieses Jahres veröffentlichten Zusammenstellung sind in Palästina zur Zeit insgesamt 3-16 Anwälte bei den Gerichten, hiervon 320 bei den allgemeinen hirgcrliiiicn Gerichten, zugclasscn. Um die Aussichten für den jüdischen Nachwuchs beurteilen zu könne״., kann man .׳«eilt die Gesamtzahl licr Anwälte zur Gesamtzahl der Be- ',"Ikcruiig in Beziehung setzen, sondern nur die der ji'ulisflnn Anwälte zur jüdischen Bevölkerung. Nur wenige — •licinpcscsscne — jüdische Rechtsanwälte unterhalten beruf- Wie Beziehungen zur arabischen Clicutcl. Von den 320 hei <kn bürgerlichen Gerichten /!!gelassenen Rechtsanwälten sind ״,di privater Zählung, wobei die Möglichkeit kleiner Diffe- Mimi nicht ausgeschlossen ist, 202 Juden und IIS Nicht- {j'den. Die jüdischen Anwälte verteilen sich auf folgende Städte: Tel-Awiw Jerusalem Haifa Tiberias 04 77 20 2 202 pe 94 Tcl-Awiwer Anwälte versorgen Tel-Awiw und die plisrlic Umgehung, also etwa eine Bevölkerung von zirka ויי׳wo “־ ' en :300 bis 13 , enseheu, so daß je ein Anwalt auf etwa J,'ö Menschen kommt. In den anderen Städten sind die ’1־rlniltnisse ähnlich. Die entsprechende Zahl in Deutsch-;111‘I "ar bis zur Umw.11/11ug etwa drei- bis viermal so groß. , kommt hinzu, daß sieli eine große Anzahl Personen im '1'nde befinden, die durch das Studium in den Law-(.lasses aj ■kfiisalein oder durch Vorbereitung auf das Foreign ^voratis l:\ami11ntion auf den Anwaltsberuf zustcucrn und "® Verhältnis weiter ungünstig verschieben. Allein an dem ״!«jährigen Foreign Advocafes Examination haben 53 Kan- “1,kh'ti, in vier Mehrzahl Juden, teilgenommcn, die hei hejbiideuem Examen in wenigen Monaten die Zulassung er- Mi״, werden. kinc andere interessante Zaiil ist die der Richter “4״.der Prozesse. In Tel-Awiw gibt cs bei 94 _AnwaKen ״’c• Amtsrichter, die im Jahre 1933 insgesamt 6721 Zivilpfozcssc und 3150 Strafsachen, in der überwiegenden Mehrf?״l kleine Poli/eiüberirefungen, zu entscheiden hatten, ln ','״Bchlaml rechnete mau früher im allgemeinen, von den «Städten abgesehen, zwei Anwälte auf je einen Amts- '1'Htvr. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, daß sich!J I'alästina ein cröfWTcr Teil der Anwaitsarheit als 1h L91tsch|and — Verträge, Gründungen, Einwanderung!;•, --- ״ י* - . ,a׳״dora11uHen-cnhciien usw. ־־־*״ außerhalb der Gerichte ah־ Doch ist gerade diese Tätigkeit mehr oder weniger l״e Konjunkturangelegenheit. ■>, Abgesehen von dieser allgemeinen HeberbcsetzunR 8'״ Berufes gibt es noch besondere Schwierigkeiten, die f inleben der Juristen aus Deutschland a s Anwälte_ er Zunächst die Sprache. Der Anwaltsbcruf «t nach &1 lehrerberuf der Beruf, der am meisten d'c, Br^,t.r'11scl"! h dcr hebräischen Sprache verlangt. Vor den Gerichten wird T■ m י־׳!’H§ מ fl m k ך י * ׳ י| י־ ffP Iä Kill Ä Die Gefahren des Bampings Von Dr. Alfred Marcus, Ilaifa Die Wirtschaft der ganzen Welt stellt unter dem Eindruck der Tatsache, daß die Japaner sich mitten in einer planmäßigen und überaus wirksamen Exportoffensive befinden. Länder mit alter, hochentwickelter Industrie verspüren den Druck dieser ()ffensive mit einer bisher nicht gekannten Stärke. SclbstvcrstaiuUich macht siel! dieser Druck ncxii fühlbarer in Ländern mit bisher schwach entwickelter Eigeniiulustric, die erst jetzt auf dem Wege sind, gewisse industrielle Sektoren ihrer Wirtschaft langsam zu entwickeln. Ein typisches Beispiel für diese Lander gruppe stellt Palästina dar. Einige Vorbemerkungen zur Entwicklung der pa- I a s t i 11 e n s i s c h - j a p a n i s c h c n Handclshczichungen im Laufe der letzten Jahre: Grundsätzlich ist zu sagen, daß vliese Beziehungen durchaus einseitig sind. Japan kauft aus Palästina so gut wie nichts. Unsere Ausfuhr nach Japan ist so• winzig, daß sic nicht in Rechnung gestellt zu werden kraucht. I)agegen hat sich die palästinensische Einfuhr aus Japan in den letzten Jahren ganz erheblich gesteigert. Sie betrug: MZ7 192» 1929 1930 1931 1912 1933 Absoluter Wert! 14556£ 4 555£ 1m£ 18 707 £ 36 027 C 176181 £ 366 312 £ Prozent der Geenratelnfohri 0,26 0,07 0,10 0,30 0,60 2,34 3.58 , Japan hat sicli also in der prozentualen Beteiligung an der Gesamteinfuhr Palästinas bereits auf einen Stand hindurchgekämpft, vier besser ist als der Italiens und Belgiens, weit besser als der der Tschechoslowakei, und der mit dem Anteil Frankreichs ohne weiteres verglichen werden kann. Das brmidit mm an sich noch kein wesentlicher Störungsfaktor fiir die Industrialisierung Palästinas zu sein. Es kann ־־־ theoretisch betrachtet — für diese sogar ziemlich belanglos sein, oh wir heute 1 6,״ mehr oder weniger au« diesem oder jenem Lande importieren. Aber im Falle Japan liegen die Dinge doch anders. Einmal ist es das Fehlen jeder Gegens c i t i g k c i t der Handelsbeziehungen, durch wcldies die Lage in diesen! besonderen Falle geändert wird. WähtcihI wir im Laufe der letzten sieben Jahre aus Japan Waren im Gesamtwert von rund 625 000 £ gekauft haben, hat Japan von uns in vier gleichen Zeit nur für zirka 3000 £ gekauft! Das ist natürlich ein ganz unmöglicher Zustand, wie er auch in den Beziehungen Palästinas zu keinem anderen Lande festzusfellcn ist. Die Japaner haben sich bisher darauf verlassen, daß die Stoßkraft ihrer niedrigen Preise auf jeden Fall durchschlagend genug sei, um auch am palästinensischen Markt ihrer Exportoffensive zum Erfolg zu verhelfen. Es ist bekannt, daß sic ähnliche Vorstöße auch auf anderen Gebieten des Mittleren Ostens imleruommen haben, und cs wäre falsch, ihr Vorgehen in Palästina isoliert betrachten zu wollen. Aber die anderen Länder haben sich gewehrt. Als die Japaner im vergangenen Jahr damit begannen, am ägyptischen Textilien markt derart vlie!,reise zu drücken, daß beispielsweise die dortigen liamituchwebercicn in die Gefahr des Erliegens kamen, konnte man sie dureh Androhung entsprechender Maßnahmen seitens der ägyptischen Regierung immerhin dazu zwingen, größere Mengen ägyptischen Salzes und ägyptischer Rohbaumwolle zu kaufen, damit wenigstens ein gewisser Ausgleich handclspolitischer Natur geschaffen werden konnte. Als sie in Pers i c n Baumwollgarne und Rohgewebe zu sehr niedrigen Prcisen miterbrnchleii, konnte sich die persische Regierung den Absatz von Opium und von Baumwolle nach Japan in einem Umfang aiishcdingen, der den japanischen Verkäufen ungefähr entsprach, ln Palästina hat es an Ausglciehsaktionen dieser Art bisher gefehlt. Damit entsteht die Gefahr, daß wir für unsere wichtigsten Exportartikel, also vor allem für Orangen,!Märkte verlieren, von denen wir bisher im Austausch d i c Waren gekauft haben, die uns jetzt Japan ohne jede handelspolitische Gegenleistung liefert. Abgesehen davon besteht aber auch die Gefahr, daß die Japaner mit ihren Dmnpmgprcisen industrielle Entwicklungsansätzc im Lande vernichten, und diese Gefahr ist sicherlich noch großer und schwerwiegender. Gerade auf dein Gebiet, auf welchem diese industriellen An- Sätze bei uns bisher verhältnismäßig am weitesten gediehen sind — in der Textilindustrie — zeigt sieh das am deutlichsten. Es liegen leider bisher noch nicht die l in/eiangaben für das Jahr 1013 vor, die exakt errechnen lassen, wie weit hier der japanische Druck Iris in die letzte Zeit hinein gegangen ist. Aber schon 1932 war er stark genug. Hierfür einige Beispiele: Au ungebleichten Baumsvoilwaren kamen im Jahre 1929 aus Japan etwa 5 0״ unserer Gesamteinfuhr und im Jahre 1932 etwa (kl ״״. Bei!Icn gefärbten Bainmvollwaren erhöhte sieh der japanische Anteil an der Gesamteinfuhr in der gleichen Zeit von 0,2 ".״ auf 15״,!, bei den gebleichten Baumwollwarcn von 0 ״> auf II ' bei Misch- und kunstscidenen Geweben von 0auf 23Die Einfuhr an japanischen Strickwaren belief sieh im Jahre 1929 aut 0 ״׳״ der Gesamtemfuhr und im Jahre 1932 auf '72 ״«, die an Strümpfen stieg von 1931 bis 1012־ von 3,5״״ auf 9 ״'״. Gerade die Strick- und Wirkwarciiindustric leidet unter dem japanischen Dumping. Auf vier anderen Seite wird die 1 iitwicklung der Webereiindustrie durch dieses stark beeinträchtigt. Aller es handelt sich nicht nur 11111 Textilien. Die Japaner sind auch auf anderen Gebieten sehr aktiv, und zwar gerade in den Erzeugnissen derjenigen Lcichlimitistrien, die für Pal.istina besonders geeignet sind. So haben sie im Jahre 1929 von der S p i e 1 w a r e 11 c i!1 f u!1 r rund 3 »0 geliefert mul 1932 ziemlich genau 10 6,״; aber gerade aut diesem Gebiet muß ihre Einfuhr absolut und relativ genommen im Jahre 1933 ganz erheblich gestiegen sein. Stark angewachsen ist auch ihre Einfuhr an S c h r c i b w a r e n, an Bürsten und Pinseln, an K I c i n m a s c 11 i n e n aller Art, an Porzellanwaren usw. Begrenzt ist also die japanische Exportoflensivc am palästincnsisclicn Markt keineswegs. Sie greift vielmehr mit ziemlieh großer Schnelligkeit auf den gesamten industriellen Sektor unserer Wirtschaft über, sic erschwert mittelbar unsere Exportfähigkeit und beginnt zu einem fühlbaren Störungsfaktor zu werden. Die Mittel, die hiergegen angewendet werden können, sind lediglich handelspolitischer Natur. Es ist ja ganz falsch, wenn immer wieder darauf hingewiesen wird, nur das niedrige Niveau der japanischen Löhne sei für die Stoßkraft der japanisrhen Exportoffensive verantwortlich, und man könne dieser daher auch nur von einem entsprechend niedrigen Lohnniveau aus begegnen. Das ist deshalb falsch, weil man bei Ucbcrlcgungcn dieser Art fast immer den Bar lohn der japanischen Arbeiter mit dem Barlolm in anderen I..ändern vergleicht- Der japanische Arbeiter erhalt aber den größten Teil seines Lohnes nicht in bar, sondern in N a 111 r a I i c n, der ungelernte Arbcitcr wird sogar meistens vollständig vom Arbeitgeber verpflegt, bekleidet und untcrgehraclit. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß die Barlölme in Japan zurzeit ,1111 Gold berechnet last dreimal so hoch sind wie vor dem Kriege; sie sind mit dem Fortsehreiten der japanischen Lxporloffensive fast proportioiial gestiegen. Nur die Naturallöhne sind nicht gestiegen, und zwar wesentlich deshalb, weil man den Rcispreis in Japan unter künstlichen Druck hält. Man kann gegen dieses Lohnsysteni und seine Auswirkungen jevlcntalls nicht mit den oft vorgcschlagencn Mitteln entsprechender Lohnsenkungen in den Ahsatzländcrn der japanischen Industrie ankämpfen. Entscheidend für die Stoßkraft der japanischen Exportotfensive ist neben der Entwertung des Yen vor allem die fast völlige Identität von Staat und Wirtschaft in Japan. Es würde 711 weit führen, die Wirkung dieser Tatsache aut die Kalkulafiorisinöglichkeifon der japanischen Industrie hier im einzelnen zu untersuchen. Tatsache bleibt soviel, dal! Palästina das japanische Problem ebenso wenig von der Lobnscite her anfassen kann wie die anderen Länder, die hiermit zu kämiv feil haben. Nur handelspolitische Schutzmalinahmen können hierbei helfen, und in dieser Hinsicht können wir tatsächlich aus der Not eine Tugend machen, denn Japan kauft ja so gut wie nichts von uns und wir brauchcn deshalb auf einen Absatz am japanischen Markt keine Rücksicht zu nehmen. Hier liegt wirklich einmal ein Fall vor, in welchem die Interessen Englands, der jüdischen Bevölkerung und der arabischen parallel laufen. tiherwiegend hebräisch plädiert; Verträge sind meist in hehraischcr Sprache abgefaßt; ebenso ist der Schriftverkehr zwisehen den Anwälten untereinander und zwischen Gericht und Anwalt überwiegend hebräisch. Sodann unterscheidet sich der hiesige Rechtsbetrieb wesentlich von dem in Deutschland. Der Anwaltsbcruf ist hier unwissenschaftlicher; statt dessen nimmt der technische Betriel) einen größeren Raum ein. Und zwar im wesentlichen aus zwei Gründen, ln Deutschland werden die Prozesse, und zwar auch hei den Amtsgerichten, schriftlich vorbereitet. Die mündliche Verhandlung ist nur eine Formalität und findet hauptsächlich statt, um der Prozeßordnung zu genimen. Hier gerade umgekehrt: Die Prozesse werden mündlich geführt’ Fs liegt auf der Hand, daß ein gründlich vorbereitetcr schriftlicher Prozeß wissenschaftlicher geführt werden kann als eine mündliche Verhandlung. Sodann gibt es in Palästina nicht die in anderen Ländern vorhandene lange juristische Tradition. Nur so ist das Fehlen fast jeder juristischen Literatur, der Mangel jeder systematischen juristisehen Darstellung, jedes Kommentars oder Lehrbuches zu erklären. Endlich ist die Berufsauffassung des palästinensischeit Anwalts im allgemeinen eine ganz andere als die der früheren deutschen Kollegen. Der deutsche Anwalt hat unter dem!•'infinit von Tradition und Berufsorganisation eine gewisse einheitliche Grundeiustethmg zu seinem Beruf und ist an starke Bindungen in allen Berufsfragen gewöhnt, infolge der verschiedenen Herkunftsländer und der mangelnden gemeinschaftlichen Tradition fehlt diese einheitliche Grundeinst eil iing der hiesigen Anwaltschaft völlig. In den einfachsten Dingen sind die Anschauungen vielfach diametral entgegengesetzt. Auch den bestehenden Anwaltsorganisationen, ist es bisher nicht gelungen, auch nur in den Grundfragen einen gewissen einhcit'iclicn Willen durchzusetzen. Da die Anwahsorganisation auf einem freiwilligen Zusammenschluß beruht, fehlt es ihr an der wünschenswerten Autorität und dem notwendigen Einfluß. Das Fehlen einer derartigen Organisation empfinden natürlich die Juristen, die auf Grund ihrer früheren Erziehung an ziemlich einheitliche Beruf*• ansch.-umngen gewöhnt sind, besonders stark. Es ist schwer zu beurteilen, inwieweit diese als änderungsbedürftig empfun* denen Dinge auch änderungsfähiß sind, Advokat Dr, R. Zyamann, Tel-Awiw. Dr. ÜSrtltcr Strtienbarfj, 2Cuftiouöljaud m «ifrlüi «V 15, ftiivfiirftfntamm 100 1 Kt, 3 I <81e«1״nf I7״il (|f ffj 'Ittltnii 1t. 2i>01)mutflöUfrftciß. g| Siilonicfu McbUinin'Bf« Biiefe an die■ Redaktion Das Bahnprojekt Haifa-Bagdad Tci-Awiw, 22. März 1934. Sehr geehrte Redaktion! Der unter diesem Titel veröffentlichte■ Artikel in Nr. 20 vom 9. März 1934 veranlaßt mich zur Klarstellung einiger Punkte, insbesondere untc• Berücksichtigung der Interessen, die sicli fiir den jüdischen Bevölkcrimgsteil hierbei ergehen. Zunächst sind die technischen Angaben über Kosten und Trassierung durch die dieser Tage gerade vollendeten Vintersuclumgcn erheblich vereinlacht. Die vorbereitenden Arbeiten sind jetzt soweit gediehen, daß nach Klärung der finanziellen und politischen Fragen mit der Ausführung unmittelbar hegönnen werden kann. Die Inangriffnahme der Arbeiten würde einige tausend Menschen auf drei bis vier Jahre beschäftigen. Wenn freilich auch der Großteil der anfallenden Tagewerke Arabern zufallen würde, werden auch eine Reihe von luden — und hierbei sicher auch deutsche Juden — Beschäftigung finden, So sind beispielsweise in der technischen Abteilung, in der ich irheitc, zwei von fünf Posten durch deutsche Juden ausgefüllt, die im Jahre 19J'3 eingewandert sind. Durch eine Bahnstrecke Haifa —Bagdad würde der schon jetzt bedeutende Handel und Touristenverkehr eine große Belebung erfahren. Eine Kunststraße ist für derartig große Entfernungen (1000 km) nicht zweckmäßig. F)er Personenverkehr bevorzugt — noch dazu hei dein warmen Klima und der großen Entfernung — die zuverlässigere und bequemere Eisenbahn. Auch der Erachtverkehr und Truppenbewegungen sind auf Schienen günstiger. Es sei hierbei darauf verwiesen, daß nach Vollendung der jetzt im Bau befindlichen Verbesserungen auch in Paliistina Zuggcschwiiidigkeitcn von 110 Std./km erreicht werden una dadurch bei Strecken über 100 km, z. B : auf der Strecke Tel-Awiw—Haifa der Bahn vor dem Kraftwagen (sogar unabhängig von der Straßeiihcseliaffcnlicit) der Vorzug gegeben wird. Daß dies bei der veralteten (in! Jahr 1885 erbauten) Linie Tel-Awiw—Jerusalem nicht zutriift, bedarf keiner Erläutmmg. Daß bei dem Bahnbau Haifa—Bagdad politische und strategische Gründe mitspielcn, soll nicht bestritten werden, trotzdem wäre auch im Interesse der jüdischen Bevölkerung Palästinas die baldige Inangriffnahme der Arbeiten äußerst zu wünschen. Hochachtungsvoll Dr. Hans Jacobowitz.