Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1934)
- Date
- 1934-04-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite A JÜDISCHE RUNDSCHAU Ile ,JüliEsIie Rundschau" — Leistung und ICrllllc' Von I)r. Max Grünewald, Mannheim Die ״Jüdische Rundschau“ wurde iin vergangenen Jahr aus einem Organ der zionistischen Bewegung in Deutschland m einem Organ der deutschen Juden. Selten fiel einer Zeitung eine so liervorraj'einle geschu'hUiehc Aufgabe zu, eine von Grund auf gewandelte Situation zu bewältigen, Es hatte viele Wochen den Anschein, als ob die seelische Führung der tleutschon Juden auf die ״Jüdische Rundschau״ übergegangen wäre, und für eine nicht geringe Zahl unter ihnen trifft cs bis zum heutigen Tag zu. l:s gab nichts, aber auch gar nichts im Lehen des Juden, was nicht vor Jahresfrist erschüttert oder In Mitleidenschaft gezogen , worden war-. Wir werden erst gar nicht den Vcrsuch niachen, an dieser Stelle all dies auiztiiühren; es reicht von den!Tagen der persönlichsten l.cbensgcstaltimg bis zu den großen kollektiven Fragen der Einordnung des Judentums unter die Volker. Hätte sich damals die zionistische Bewegung als eine Bewegung mit ״beschränkter Haftung“ gefühlt, und wäre die ״Jüdische Rundschau“ in solchem Sinne ihr Organ gewesen, dann hülle sie sieh zunächst einmal auf ein Spezial• gebiet zurückgezogen, bis der erste Sturm vorüber war. Und wäre sie eins rechthaberische Blatt einer Sondergruppe gewesen, dann hätte sie erst einmal den anderen Richtungen ihre Reelliiuiig nufgcmacht. Von alledem war nichts zu merken. Anstatt dessen vernahmen wir den männlidicu Ton der stolzen Aufrieh tu ng, die unbeirrbare, fast lehrsatzartig anmuteiuie Be- Ich rimg über den jüdischen (icschiehtsvorgang, den Aufruf zur Neuordnung des jüdischen Lebens auf jüdischer (irundlage. Ls trat uns von Anfang an in ihr entgegen ein Zug zur Autorität und zum (laiizeii. Besondere I lerv'oriicbung verdient und erfahren haben jene I lauptartikcl, in denen der Jude Deutschlands sich selbst gcgeiiübcrstelit und zu sich selbst zurückgeführt wurde. Sie sind geschrieben, als ob der Blick des künftigen (icschiclitsschreibcrs auf ihrem Verfasser geruht hätte. Lin Kritiker hat an ihnen bemängelt, daß sie zu wenig an Konkretem enthalten. Fr hat ihre Absicht nicht berücksichtigt, dem deutschen Juden zu einer neuen Haltung zu verhelfen. Dem entspricht das Orumlsat/hafte der Artikelreihe: ״Ja-Sagen zum Judentum“. Obwohl die ״Jüdische Rundschau“ vornehmlich ihr Augenmerk auf die Gestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland richten mußte, auf die Bildung einer anerkannten Vertretung der Juden, auf Er- Ziehung und jüdische Schule und vieles andere, hat sic doch niemals die Juden der anderen Länder aus dem Blick verloren. Die Schlüsselstellung, in der sich das deutsche Judentum seit eine״! Jahre befindet, läßt uns die Lage der Juden anderer Länder besser verstehen, als sie selbst es vermögen. Lrst vor dem einigenden Gesamtaspekt gliedern sich die Be- Sonderheiten der östlichen und westlichen Juden, Wobei die Silualionsberiehte über die Westjuden erhöhte Aufmerksamkeit beanspruchen; denn mit ihnen und manchmal auch ohne sie vollzieht sich das Schicksal der Emigranten, der Einzclaus- Wanderer. Bis zum heutigen Tage ist Palästina das einzige Land nicht des Umwegs, sondern des Wegs, nicht einer Emigrntion, sondern einer Z i e I w a 11 d e r ti n g. Die m,innigfaltigen Beziehungen der zerstreuten Juden zu Palästina, die Fülle seines wachsenden Lebens — dies alles spiegelt sich in dem!Halte, das so lange und so lange allein den Kampf um Palästina geführt hat. Die ״Jüdische Rundschau“ hat den P a I ä s t i 11 a -1) i c 11 s t in vollem Umfang übernommen: Die Unterrichtung über die Palästinnpolilik, über die Voraus- Setzungen mul Auswirkungen der Einwanderung, über den Stand seiner Wirtschaft, über sein ganzes vielgestaltiges Leben, seine Schwierigkeiten und seine Größe. Palästina-Dienst bcdeutet aber nicht nur Nachrichtendienst, sondern Dienst an Palästina: Die moralische Ausrüstung der Menschen, die hin- ‘gehen, nicht um sich glücklich zu machen, sondern mn an den Fundamenten eines neuen Volkslebens tiüi/ubnuen. Die Aufgabe einer umfassenden Vorbereitung hat sogar die üblichen Grenzen eines Zoitiiiigsblaties gesprengt. Sie reicht bis zum Fernunterricht der hebräischen Sprache. Die hebräische Sprache soll uns zugleich Besitz und Verpflichtung sein. Wenn der jüdischen Wissenschaft, der jüdischen Musik, der neuhebräisehen Dichtung ein breiter Raum cingeriiumt wird, so gescliieht cs, mn das sichtbar zu niachen, woran so viele Juden nicht glauben wollen — die Anfänge einer jüdischen Kultur. Und wenn neuerdings auch die Theologie zu Worte kommt, 80 ist das nicht eine Flucht in die Theologie — so etwas gibt es heute, wie cs eine Flucht in die Literatur gibt — sondern!der Versuch, im Zusammenhang einer Ncubegründung jüdisehen Lehens auch ein neues Verhältnis zwischen Leben und Lehre zu stiften. Es ist erklärlich, daß ein Blatt, das von dem Geist der geschichtlichen Bewegung so ergriffen ist und Aufgaben von solchem Umfang zu erfüllen hat, die Auseinander- Setzungen mit an d e ren R i c 111 u n g c 11 des deutschen!1Judenlimis auf ein Minimum beschränkt. Das versteht sich von selbst im Hinblick auf jene Gruppe, die sieh mit Willen!außerhalb des Gcsamtjudeutums stellt. Aber auch sonst ist es rieht sehr lohnend, eine Diskussion zu betreiben, deren Aus- Ignng hoffnungslos ist. Die mit der letzten jüdischen Vcrganfrcnliert vertraut sind, wissen, daß für die jüdischen Parteien die normalen Lebensgesetze nicht gelten. ״Wenn ein Verein nicht weiß, was er machen soll, dann blüht er eben“, um! mancher Partei geht es so wie dem Haus im Märchen: cs war so baufällig, daß cs nicht׳ mehr wußte, ob es nach links oder rach rechts fallen soll — und da blieb es eben stehen. Dennoch kann die Auseinandersetzung und die Flurbereinigung nicht ganz fehlen. Zuweilen ist es auch nötig, eine Vokabel aus dm Schatz der zionistischen Ideologie, die zu unserer Ueberraschung unter fremder Flagge segelt, wieder ciimifangeii. Um so nötiger ist die Selbstkritik. Es gibt kein Blatt, ün dem die eigene Bewegung und ihre Resultate so kritisch!»elrachiet werden wie in der ״jüdischen Rimdschau“. Man kai;: '•*: alle Argumente, die man etwa gegen die zionistisehe Pu.'.Jbildung, gegen die Kongresse, gegen die Mängel des Aufbaus, gegen Konjunkhirzionismus und Rodcnwuchcr trat, getrost aus der ״Jüdischen Rundschau“ selber holen. Diese Selbstkritik ist ein guter Ausweis. Eine Sache, für die man aus triftigen Gründen die Welt zur Mitarbeit einlädt, für die mit voller Ueberzcugung das Interesse der Gesamtheit beansprucht wird, wird durch Kritik nicht gefährdet, sondern gefördert. Um dieser 80 oft bewiesenen kritischen Bereitschaft willen seien der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ ein Anliegen Kad eine kritische Bemerkung unterbreitet. Nr. 27/28, : r! ןיי״-ן - 4 V. 'mmd ImJ Jk V*,;׳**׳ ipf p r~1 r3 ץ , / i * t! ■ W!,® W«!*ו»* ׳״״ I:. —*j D ■ *w Die ״F r .1 n k f 11 r t e r Zeitung" vom 28. März vcr- (iffi'iillii'lit unter der t loberschrift: ״Nicht an er חן der Wirtschaft״ einen längeren Aufsatz zu diesem Thema, der .sieh in seinem ersten Teile mit der Stellung der Nichtarlcr in den verschiedenen Berufen und mit den Maßnahmen der Re* giemng auf diesem Gebiete beschäftigt. Der Artikel weist dabei insbesondere auf die Grenzen hin, die der Anwendung des Aricrprinzips in der Wirtschaft nach dein Willen der maßgebenden Stellen gesetzt sind, und führt dann fort: ,,!')<׳ Gicn/cu M-111׳incn n 1 so eindeutig gelogen 1U «ein. Die Fimi'n ihirfit-n d.ihei nicht ohne genaue Urb״] Icgini״ von drr Kcirhs• icgicrnng :,״wohl mit Utieksiebl auf die Wnloliaf! nl« mHi mit Hiii'kdrht auf die verbleibenden Lelienümoglirbkeiton für Nichtarier in dic-.er Art gefühlt worden sein. Jedorh die Aufgabe, da» llrwulilirin davon im Volk« selbst zu verbreifen, stoßt nicht, lieb diu vielfache Widersliindc und Hemmungen. Die Fra ge aber, ״b nein ein l'ulernebnien bcIreilxMi kann, ist ja nicht nur von 11™ (״'setzen und Verordnungen abhängig, sondern eben-»:ehr davon, ob nnicr der Vctbraiichcrsclmft die Vorstellung herrscht, daß man hier niich kaufen dürfe, oder davon, in welchem Umfange dem Tnlislicr da! Ile.Innmnng'.rcclü über seinen lietiieb iin Knliincn der allgemeinen ... Sebrnnken verbleibt, ja selbst davon, in• vieweit gesell.ifiliche Werbung praktisch dort hlührbar ist. Oder aller: selbst, der energischste Treuhänder könnte »ehwerlieh einen Aibcit-iilalz auf die Dauer gegen den geschlossenen Willen von Arl>eih.koih׳peu sichern. Die Probleme, die hier auftaurhen, »ind nngesiebls des gewnl. tigen Umbaus auf allen (lebiclen des deutschen Lehen» zu mnnnigfähig, um ihren Kreis vollständig tu uuisrhrcibeii. Ms lassen *ich mir Bei .jiiclo unfilhreti. Das iiklucIBle davon ist die Frage der 11 i e!1 I a r I s r he n li e t r i 1׳ b » I li!1 r e r. Die Kcirhmrgleiimg hat hier, wie man weiß, in einer iimllirhrn Bekunnlinurhmig in aller Oeffenlliclikeil klargrstrllt, daß Nirhtnrier ebenso wie Arier Führer des llrlrifhc. sein können, (:egen die bekannte Erklärung der Gnuteilung der N'SIIO.— DAF. In M i t t e I f r n n k e n, daß ״luden als Ib'irir■h-■(!ihrer nicht in Frage kommen", hat der Treuhänder der Aibelt bir liavern sofort Stellung genommen. Damit isl das Ncj/.alive eiiisehieden. Auch das 1‘osilive? Nach dem netirn Arheitsgt'M'iz *.(dien alle Angehörigen des Briricite» in Veilnmen und G<jmeiii'.eliaft zu'.ixnimrnslchrn. Das aber ist unter Umständen eine l'rage des besonderen Standpunktes lokaler Führung. Uobethnupt sind heule viele Angelegenheiten, die früher Fragen des Geselle» waren, eigentlich za F ii h ru n g » p r o b 1 e m e n geworden. Hin anderes: die Wirtschaft.•(- und »or.inlpolitisrhen Vcrh ii n d e. Viele von ihnen, obgleich nicht mit dem Rechte de» /Cwiing an«cl1lnsse» aller Ilrrufsangehtirigcn nusgestattet. utrrben dort! Ivreehiiglrrwcise muh möglichst umfassender Kinglieih-rnng nllcr in!,'׳,"»ו kommenden Berufslütigp.n. Auf dem Wege zu diesen! Ziel ist zahlcmniilSig Enormes erreicht worden. Für die Jterubaiusübung ist es daun im Kinzelfallc von sehr unterschiedlicher Bedeutung, ob der betreffende dem Verbände de» Wirtschaftszweiges, in dem er urBeiict, angehört oder nicht. Es achrinon alle Gradunterschiede vorhanden zu sein von einer empfindlichen Behinderung der wirt- M'lmfilii!ich Tätigkeit hi» zu ihrer ungehinderten Ausübung. Daß Nationalsozinü.sten in den Orgunisalinnen, wie überall, die Führung IxNinspiuchon, bedarf keiner Erwähnung; aber e» ist nicht recht rinleiiehlend, wenn •iilclie Verbände den Ari1 ■׳ ji.iragr,hei! |,j( ״ glieder iiberlmupt eiiihibrcn. Vom ״Z.rnltalvcib.ind der 11 andel'Vi 11 leierU1׳ eine“ wild ji Dl bei ielilel, daß (|,t 'י׳ Aullösungs. und Uel.erlübru״[pm.1ßn(1l11״en. von welchen ,ין/''" “• mischen Mitglieder de . Vethamles I-■ tr**If 111 wotd! n w,״rr1 ,'יי sülils des neuen Ge cl/cs zur Voile rcilunj» d״׳, org;,,i1c’״ baue! der Wirlsclmft vorläufig ringe,(eilt worden seien. hat der ״Rri! h,verband Deulsi her Makler“ erst s11'|H.n stellende Einfiibiiiiig des Arierparagraphen n11gcki1n1hKt, 1/,[*’! gewisses Bedürfnis nach Vereinheitlichung besieht, Icuelilend. Dabei wird man wohl nach irgendeiner Form ,,,י‘״״ mit der -ich die Bei.iligung .iiiöglirbkcil der N'n htuner in 1!ct \\\ ״•hilft auch in den S1H1111״f n der Wirtschaft,', .“"i »0*1»I pol 1t lache n V c r b ä n d e ausditiekt. 611 Noch ein drille»; Die l'rage der Geschäfte mit jij,] sehen Unternehmungen und des Einkaufes in jä־!:.,../ Geschäften. Diese Angelegenheit scheint in kleineren Ortrn weilen recht heikel zu sieben. Auch zwischen den vcrv|1״1,,״rj Gegenden Deutschlands dürften da recht betlürhtliehe Untrnth׳,? vorhanden sein. Mclirlnch schon war von der ״Krühiahr״!((//, des deutschen llainbvcik•, Gcwcrlte» und Kinrellniiidels“ (|1e k,/1 die unter dem Mott« ״Die Tut der Gemein.ehatt dient dtm jj.j,' bau" vom 23. Marz bis 7. April »tuitiindet; dabei u׳j! [1״(y gehoben worden, daß die Aktion einer Stärkung des!,ei1h’.tn' gedunkelt», nicht «her Kassenprinzipien in der Wirtsr|״ft solle. Wenn wir recht untrrrirhtet sind, sind irrige Anffa״,.,!״' in dieser Umsicht bei _den lokalen Instanzen narh Mü״!irhk״it j.1® berichtigt worden, jede antiju.tisrhe BovkoltpropagamU 4( die NSK. milleiit, von den vcruntworilirbcn Führern der Ap,, a u »d r ii r k 1 i c h untersagt worden. Allein es ist ofl;.:,, nicht leicht, die erlordeilicbn Aulklarung überallhin wirk*»m den zu lassen, zumnl in solchen 1׳allen die lokale Presa* nil i!r״!, lei Neigung zur Mitarbeit zeigt. Iba lisch(• Ural äul'itliil! lt:.. bare Methoden gegenüber 11־ irblarischen Firmen und r.׳ s1i״|!TO ,;.1 auch in die,er llinsieht vielleicht nicht immer das Mni-rlid'iH• In vielen Fällen erzielt ein per-önln her A!11־ •<;י zusammen mitr•»• gewissen Kontrolle gerade in kleineren Orten beiiaelulirhe \V:, kung. Es ist wohl so, daß es bei f״rts!־l1re!lrnder Br-srhalii^isj de» Volkes mit K11s«enfr.1gen nu.(iibrlieber Helehmng amlt iibei da Grenzen de» beabsichtigten Vorgehen, brdur(, wenn mein lponttnt Strömungen cntslclicn .sollen, die iiU-r die gewollte Bgrcnz!mg >1« Arier g e s c t z c nul auCcrwirtscliaftlicbe Gehn tc hinan■ ■;gel-.cn. SoH: Strömungen »rheioen es heute schon fast uihIiihhliiluhar zu msrhrr, «laß die deutschen Niehl arier der oft vorgebraehten Fonlerunj Rtö, nung tragen, sieh glcielimiißiger als bisher über die vcrsfhH.•*■,״ Berufe zu verteilen. Erst kürzlich ist ja öffentlich in einem Tel der Presse vor der Aufnahme niclnariseher Lehrlinge in der Fm!, wirtsrhaft gewinnt wotden. Und ebenso Kt mit großem N.irJvPu*'• dagegen Verwahrung ein,'״legt worden, daß lieh neuer,Imgi Judo lx־miihten, ״Lehrstellen lür ihren Nnchwueh» l»oi Ilandwaks. ur- GewerhenirKlern zu ergattern“. Wie junge rjeutsche Närkurier 1b Leben gestalten könnten oder sollten, ist danach nicht Icidu jn1:■ machen. Wie denn überhaupt der I.ehensr.utm f <i r die dem sehen Nirhlarier früher oder später dadurch bestimmt weiden wird, inwie. weit der Staat, der auf so vielen Gebieten der persönlichen Hal1״e{ führend hervortritt, nuih neben dem Gcwlz den crw.dielcn S!m■ mutigen Raum oder — eine Grenze gibt." , Es ist tim die Araber stii! geworden. Auch In der ״Jüdischen Rundschau“. Aber die Fr.iffe besteht. An juristischen und politischen Betrachtungen über sie leiden ivir keinen Mangel. Etwas anderes fehlt: Die Kenntnis der politischen und religiösen Richtungen bei den zkrabern, ihrer Feste, Gebräuche, ihrer Denk- und Lebensart. Die ״Jüdische Rundschau“ hat über den ritten oder anderen Gegenstand vereinzelt Artikel gebracht. Aber die Unterweisung kann hier nicht sporadisch vor sielt gehen. Auch eine Folge von Artikeln genügt nicht. Die ״Jüdische Rundschau“ muß den Rahmen der Zeitung noch einmal sprengen. Der allzu massive Begriff: ״Die arabische Frage“ wird durch eine systematische und gegenständliche Behatuilting in Teilbegriffe und Tcll.iufgahcti aufgelöst, und das hat eine große Bedeutung für alle diejenigen, die sich auf das Land vorbcrcitcn und cs betreten. Sie betreten es als Partner. Die Beschreibung der arabischen Umweit muß daher zu einem integrierenden Bestandteil der ״Jüdischen Rundschau“ werden. Die ״Jüdische Rundschau“ hat lange vor der Umwälzung des letzten Jahres den europäischen und insbesondere den deutschen Nationalismus in seiner ganzen Bedeutung und Tiefe erkannt und gewürdigt. Sic hat dann ebenso wie andere jüdische Blätter zu den Eiuzclvorgängcn der deutschen Rcvolutiou von Fall zu Fall und auch grundsätzlich Stellung genommen. Fs ist kein Zweifel, daß sic mit der schon längst geübten Ablehnung libcralistischcr und individualistischer Gedaiikengängc ein besonderes Verständnis für die deutsche Rcvolution mitbringt, Dennoch muß die Differenz des jüdischen Volksgedankens zum europäischen Nationalismus in aller Klarheit aufgezeigt werden, mit derselben Schärfe und Bestimmtheit, mit der zum Beispiel der formale Nationalismus im revisionistischcn Lager von jeher ln der ״Jüdischen Rundschau“ seine Ablehnung erfahren hat. Die ״Jüdische Rundschau״ war Im vergangenen Jahre Zeitung, Kanzel und Katheder. Sie hat vielen Juden die Form ihrer Haltung und den Inhalt ihrer Bestimmung wledcrgcgcbcn. Jaden als Bctricbsführer Die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront ״Der Deutsche“ veröffentlichte unter der Ueberscltrift ״Kann ein Jude der Betriebsführer einer deutschen Gefolgschaft sein?" eine ihr aus ihrem Leserkreis aus Franken eingesandte Zuschrift, in der sich der Einsender aut den Standpunkt stellt, daß die Inhaber jüdischer Betriebe einen arischen Vertreter als Bctricbsführer zu benennen haben. Die Schrittleitung erklärt in einer Vorbemerkung zu diesen Ausfühnmgen, auch sic sei grundsätzlich der Meinung, daß Juden als Führer deutscher Arbeiter nicht in Frage kommen können. Hierzu bemerkt die ״Frankf. Zeitung“ vom 29. März: ״Wir verweisen in diesem Zusammenhang aut den von uns veröffentlichten Artikel ״Nichtarier in der Wirtschaf t“, in dem wir hervorgehoben haben, daß die maßgeblichen und zuständigen Stellen der Rclchsregierung — zum Teil in wiederholten Erklärungen — die ausdrückliche Feststellung getroffen haben, daß die Grundsätze der Rassengesetzgebung auf dem Gebiete der Wirtschaft nicht angewandt werden sollten und dürften. Die Reichsregierung hat überdies in einer amtlichen Bekanntmachung am 12. März ausdrücklich für diesen Spezialfall klargestellt, daß auch Nichtarier ebenso wie Arier Bctricbsführer werde» können.* Arierprinzip bei Annahmestellen für Ehestands ־ Bedarfsdeckungsscheine Im Zusammenhang mit der Neuregelung der Uestimmung für Gewährung von Ehestandsdarlehen werden Im ״Reichs■ nn/eiger“ auch die Richtlinien in neuer Fassung verültentlidit, nach denen die Gemeinden die Anträge aut Gewährung von Ehestandsdarlehen zu behandeln und die Zulassung von Verkaufsstellen zur Entgegennahme von Bcdam• dccktitigsschcincn zu regeln haben. Nicht zu gelassen sind danach u. a. alle Verkaufsstellen, deren In• h a b c r n i c h t a r i s c h c r Abstammung sind. Ist du nichtarische Inhaber Schwerkriegsbeschädigter, so kann die Verkaufsstelle von der Gemeindebehörde «!gelassen werde« Befindet sich eine Verkaufsstelle zum Teil in arischem, *um Teil in nicht.irischcm Besitz, so hat die Gemeindebehörde tuch Lage des Falls zu entscheiden. Kleine Nachrichten Das Thüringische Innenministerium hat Verordnung zur Armierung der P r ii f u n g s ord n ung fuf Zahntechniker erlassen, wonach §2 Abs. 1 diese; n־״ futigsordnung folgende Fassung erhält: ״Zur Prüfung wetd« nur Personen zugelassen, die arischer Abstammung *'׳״״ Die nichtarische Abstammung ist kein Hindernis für die z.«- Fassung, wenn der Antragsteiler am Weltkriege .111 ^cr ‘ 1f*! oder in einem Scuchcnlazaratt auf Seiten des Petitscn« Reiches oder seiner Verbündeten tcilgcnomtncn hat oa wenn der Antragsteller der Vater bzw. die Mutter ou der Solm, bzw. die Tochter oder die Ehefrau eine» Weitkriege Gefallenen ist.“ Die Zulässigkeit der Versorgung der jüdischen ln‘<1׳״|J der Gefängnisse mit Mazzoth ist in diesem Jahre zum , verneint worden. Das Preußische Justizministerium hat Antrag der ״Vertretung der Unabhängigen Jüdischen uu doxic Deutschlands“ an alle Generalstaatsnnwaltschaften Verfügung ergehen lassen, daß die Mazzoth,״ die v<>״ jüdischen Gemeinden der Gcfängnisverwaltung übersandt . den, den darauf reflektierenden Gefangenen atisgeh.tm^ werden sollen. Fine gleiche Genehmigung ist von heimen Staatspolizei betreffend die Konzentratio lag er erteilt worden. Unter den It. Veröffentlichung im ״Rctchsanzeiger‘ deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärten J sotten befinden sich neben Prof. Dr. Albert Ernstem 0• ä t Fsriel GotthelS C'.arlcbach, Dr. Otto Fncdländer, Dr. Hertz, Dr. Kurt Rcxscnfeld, Toni Sender.! Der Anthropologe der Frankfurter Universität, ׳ ״ Franz Weiden reich, ist auf zwei Semester neu < worden und wird nach Amerika fahren, um cme K professur für Anatomie an der Universität Chicago übernehmen. Der bekannte Basier Philosoph Karl Joe] *י־י* . 27. März seinen 70. Geburtstag gefeiert. Karl Joel na insbesondere durch seine Arbeiten auf dem Gen!« griechischen Philosophie und der Philosophie-Geschichte Namen gemacht. Das Institut für vergleichende Rechtswissenschaft a« juristischen Fakultät der Universität P a r i * ”,י ehemaligen Lehrer für Talmud am Hebräischen Gym . ( von Jerusalem, A. L. Grojewski, eingdaden, int ״ dnea Vortrag über talmudisches Recht *« hatte«•