Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 25-26 (28.3.1934)
- Date
- 1934-03-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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I: t Seite 18 JODICCHE RUNDSCH AH Nr. 25/M, 28,|»י!ינו! n ך* *יונו• 3ךף! וי*״ץ r VJ י * 1.* 1 Vn3* es!.:, >*» sLi״* * i.4 W#* t״. 5י»ך ,*"•"*ץ * i״*״^ Ito^ I. ־»M# יי", יי';1'׳* ״־^1 wjü? 16ä (tut '. ■־ •I L. ״>j «a 1 Von David Ricardo bis l׳'rtmz Oppenheimer Legt man sich heute die Frage vor, wo etwa in den letzten 20 Jahren in der iinxli’riicu Wirtschaft«- und Gesell- *chaftswissenseliaft die ernsthafteste Kritik der l ehre von Karl Marx, und /war eine in der Tat an die Wurzel gehende Widerlegung seiner Klassenkampftheorie wie seiner Methode im allgemeinen aii/utreflen ist, so stößt man, oh mau will oder nicht, auf drei bedeutende Gelehrte, die sieh bis heute eines unbestrittenen Namens in der sn/ialüknnotuischcn Wissi nsclialt der Welt, Veit über Deutschland hinaus, erfreuen 1 Ludwig Mises, Ftluard Heim an 11, Tran/ Oppen* h e i in r r. Mises, der repräsentative Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie, hat in seinem grollen, zuerst 1022 erschienenen Werk ״Die ()enicinwirtschaft“ die vesentliehen Stützen des Marxschcn Gebäudes abgetragen. Nie sind so schneidende Sätze, so schlüssige und gleichzeitig so überlegte systematische Argumentationen gegen die matcrialistische (icscliichfsatiffassung und gegen die gesamte okonomische Hrgnmdung von der Dnentrmnharkcit der Fntwickhing zum Sozialismus inarxi tisclier Prägung gebraucht vvorden, als in diesem G1 imdwork. Vor der Kritik, die Fduard II ei in an 11 sieben Jahre später in seiner: ״Sozialen Theorie de« Kapitalismus“ (Tiihingen 1021) an dem weitläufigen Gefüge der Marxschen oder marxistischen Fin/elthrorien über die Wirtschaft«• und Sozialgestaltung der modernen Welt uht, bleibt kaum ein Stein auf dein andern. Gerade f Iciinatin, der den wirtschaftlichen Liberalismus (im Gegensatz zu Mises) nicht nur in seinen zufälligen und zcitgvbumlenen Frseln'imi iigen, sondern In seinen Grundlagen ableliii•, hat andererseits mit untrüglichem Urteil den Irrtum berichtigt, «11s sei der Liberalismus in seinem geistigen Kern individualistisch, atomistiseli und mechanistisch; lleimmui hat gezeigt, (lall das Frcihcitspathos des Liberalismus zugU'ieh (ieiiieinscliaftspatlios ist, sein lndividualisnuis das größte Verständnis für den Primat des Gemeinnutzes und des Gesamt Interesses in sieh schlicht. Vollends Franz Oppenheimer ist zum Herold des sozialen Liberalismus in eindeutiger Front gegen die Haupt-, Wirtschaft«- und Gesellschaftsthrorien von Karl Marx geworden, wenn er sich auch dessen Theorie von der Klassengebundenheit des formalen Denkens zu eigen macht. ״Alle Krall, alles i'1 eiheitsiiathos und alle kämpferischen Folgerungen des echten umfassenden Liberalismus finden sich für uns Heutigen in Franz Oppenheimer imponierend dargestellt“ (Heirnmin a. a. O. Seite 8). Mises, Hcimanii, Oppenheimer sind aus dem grollen Kreis der heutigen ökonomischen Theoretiker nicht willkürlich herausgegriffen. Man konnte ebenso die Lehren und Ideen von Kurt Singer, Hdgar S a I i n, Carl 1. and au er oder Julius Land mann (um nur die bedeutendsten Köpfe zu nennen) als geistvolle und fundierte Gedankensysteme erweisen, durch die die Katisalerkliirtmg im ״Kapital“' in das Museum der Dogm cn geschickte", der vergangenen iiationalökonoini.schen Lclirmeimingen verbannt worden ist.!erstaunlich, wenn wir in einem scheinbar so gegenstandslos gewordenen Buch wie in den zwölf Reden über .,Die deutschen Tribute“ von Professor Edgar Salin aus dem Jahre 1QW über Deutschland vor dcm Kriege lesen: ״Fs war gefährlicher Trug, wenn die Blüte der Wirtschaft als ausgleichender F'rsatz für die Schwäche der Polilik genommen wurde; denn solange die Menschen herrschgewohnt und lierrselisiiehtig und gar solange sie habgierig und verschlagen, eitel und grausam sind — und diese ihre heutige Natur wird durch glatte Formen und glattere Worte nur auf der Gimpcljagd verborgen —, solange ist Wirtschaftlieber Wohlstand bei politischer Schwäche mir ein Anreiz mehr für den politisch Starken, sieh den aufstrebenden Nebenhuliler in günstigen! Augenblick vom Hals zu schaffen. Wenn eine liberale Lehre meinte, die Wirtschaft werde — wie national, so international — zu freiem friedlichcn Zusammen- Schluß der Völker fuhren, so las sie ihren Krämerglaiiben in die ״och immer seihst- und machthewulltcn Nationen hinein.“ Es ist richtig: auch die sieben mit vollem Bedacht hier aufgerufenen Köpfe und ihre imponierenden Systeme widerlegen nicht, ja bestätigen eher das Wort von Carlyle, der die Nationalökonomie eine ״dismal Science“, eine traurige Wissen- Schaft nennt. Wir könnten zu den sieben Genannten noch von unseren älteren Lehrern etwa Franz Fu len bürg, Moriz. Julius Bonn, Ignaz J ustrow ■zählen, deren Forschungsarbeit durch die unerbittliche, aber mit reinsten Waffen geführte Gegnerschaft gegen den ökonomisch-gesellschaftlichen Monis- 111 us von Karl Marx und gegen die lediglich mnrktmäßige abstraktc Betrachtungsweise unseres Wirtschaftslebens gekennzeichnet ist. Aber die Argumente, die Frontstellung, die geistige Herkunft aller dieser Wirtschaftstheoretiker ist viei zu verschieden und oft einander entgegengesetzt, als daß hier auch nur von einem Ansatz gemeinsamer Grundwahrheiten more gcomctrico gesprochen werden könnte. Franz Oppenheimer hat in dem berühmten Diskussion«- band des Vereins fiir Sozialpolitik über ״Probleme der Wertlehre“ (1931) das Wort von der ״geradezu verzweifelten Lage der Theorie unserer Zeit“ gesprochen; er meint das trostlose Gestrüpp der Wirtschaftstheorien, das Durcheinander der sich widersprechenden und einander aiisschließeiulen einfachstcn Grundbegriffe über Wirtschaft und Gesellschaft. ״Die heutigen Vertreter der ökonomischen Wissenschaft״, führt Oppenheimer aus, ״finden sich in allen denkbaren politischen und wirtschaftlichen Lagern, rechtfertigen alle denkbaren ו01יןtischen und wirtschaft'ichcn Maßnahmen miteinander schnürstracks widersprechenden theoretischen Argumenten, und so ist unsere Wissenschaft heute um jeden Kredit gekommen; sie sollte die Führerin sein und ist zur verachteten Magd geworden.“ Diese Bemerkungen, die nur tastend anläßlich des Festtages von Franz Oppenheimer dem indischen Anteil an der neueren Wirtschaft«- und Gesellschaftswissenschaft etwas näher rücken wollen, haben sieh nicht die Aufgabe gestellt, die brennende Frage zu beantworten: Scheint es unter so trüben Aussichten, bei einer solchen Vielzahl auseinander strebender Geister, die es in ihren Schriften doch kaum unterdrücken können, daß sie sieh gegenseitig für Sciiwachköpfe oder Schönredner halten, scheint cs unter solchen Umständen nicht doch das beste, einstweilen wieder das einzige, in der Arbeit mehrerer Forschergeiieratioiien sichtbar gewordene Hochziel aufzurichten, theoretische National Ökon o m i e tt n d Soziologie als apriorische Wissenschaft vom menschlichen Handeln zu pflegen? ״Apriorisch?“ Also doch wohl auch einer nationalökon o in i s e h e n Wahrheit die Eigenschaften strenger Not- Wendigkeit und Allgemeingültigkeit zuzumuieii! Gewiß: der schlackcnioseste Gedanke scheint am wenigsten mehr mit der ״uns angehenden“ Wirklichkeit zusammcnnihängen, aber doch nur nach einem oberflächlichen Schein! Nur der reinste Gedanke kann die Wahrheit tatsächlich zur Herrschaft führen, nur er wird a^n Ende die ״Pluralität der Wirklichkeiten“, die als wissenscha/Fiches Endergebnis ausgegeben wird, dem Ge-!achter der Trivialität preisgehen, mag das hochtrabende Wortgewand noch so undurchsichtig sein. Heber das Weset! des ״Gesetz('*!“ in der ökonomischen Tlicoric können wir hier nicht neue Tinte fliehen la«rn, Nur durch die Denkgesel/c aus drin streng an Kant gcsdmlteil ״Idealismus“ wird der Nihilismus vermieden, daß Wirtsdiaftsb'hrcn, -theorieu, •Systeme und -Stile mit dem ihnen zugrunde liege ״den geglaubten Sinn, mit der Weltanschauung und dem politischen /.ui, worauf sic auf gebaut sind, stellen mul fallen. Dal) die logischen Formen jeweils selbst ein Produkt der gesell,«( haftliehen und höchst realen Faktoren sind, die erst ihrerseits die wissenschaftliche I iilxvieklung eilthutulcii oder in ihren einzelnen Stadien gestaltet haben, mit diesem Linwand kann die WissensehnfUfähigkcit der National- Ökonomie und Soziologie nicht mehr nnge/weifelt werden. Dali aiifierwisReiischafUichc (psychologische, soziale, okonomische, politische) Motive — unerkannt oder cinkalkulicrt — beim Zustandekommen gerade einer so/inlwissenschaftliclicn Erkenntnis in besonderem Maße initwirkcn können, darf nur ein Grund 111 c I! r da für sein, auf reinliche Kopfsitten und aut disziplinierte Anknüpfung an das gesicherte \Vissen«gut eben in der Nationalökonomie und Soziologie besonders *treu!׳ -,11_ sehen. Wenn jeder Fiuzelforselier sieh seine besondere Privattrniiinologio, dazu eine eigene Method'iilchrc und ein Lcibsystcm baut, dagegen immer nur im Denken des anderen (len konstitutionellen l elilansatz. entdeckt, dann läßt «ich freilieh die Selbslntiflösnng der Wissenschaft von der Wirtschaft nicht länger aufhalteu. Wir komiimi um die Notwendigkeit nicht herum, anztiiH'hmen, dal! die logische Struktur des mcu«ehtichrn Denkens im Ablauf der Zeiten unveränderlich mul für alle Rassen, Völker und Klassen gleich ist. Da« hat Ludwig Mises unither« trefflich im zweiten Teil jenes schon angeführten Diskitssionsbamles ansgeführt; er fordert strikte das I lalfniaclien der Nationalökonomie vor dal angeblich Massen-oder rn««engehnndenen Motiven der letzten geistigen Entscheidungen. ״Das Kernstück des Marxismus ist die Lehre von der Klassengebiinilcnheit des Denkens, Man kann diese Lehre nicht zeitweilig in ein Futteral stecken, um sie nur gelegentlich nach Belieben und Bedarf zu verwenden.“ Wenn die auf Plato ziimckgcheiulc These, daß ״Gleiches nur vom Gleichen“ verstanden werden kann, auf die Grundbegriffe der okonomischen Theorie anzuwenden wäre, dann befänden sich allerdings alle vorhin mit Namen au (geführten Forscher in einer ausweglosen Sackgasse, dann wäre ihre Lehre nur ein Seihstgespräclt gewesen. Wir dürfen hier nicht verhehlen, daß an diesem Punkt Franz. Oppenheimer leicht mit seinen eigenen Waffen (jeselilagen mut sein großes ״System" als das private Leih- System seines Urhebers ohne Allgenicingiiltigkcit entlarvt werden könnte. Denn gerade Oppenheimers bünclcreiclics Hauptwerk ist wie seine ganze Stellung zur ״bürgerlichen“ Wissenschaft grundsiitzlicli bestimmt durch seinen Glauben an die klassenmäßige und so/ialpsychologischc Begrenztheit ihrer Einsichten. Wenn man nun die Gruppcnangchörigkeit als Fehlerquelle (mit einer unmerklichen Wendung) gegen seinen eigenen Gedankenbau einwendet, so wäre damit mir wieder die Forderung einer ״apriorischen Wissenschaft“ vom liehen Handeln indirekt bewiesen. David Ricardo (1772 -1621) ״der 5*,!»ו . | tischen Kaufmanns portugiesischer Iferkunft *,,<! | ׳'־*י1 67״ | Franz Oppenheimer, der Sohn des Predi1’*»•)״* s'4 Berliner jüdischen Reformgniicinile, ein typisd/l, y■*® <>»1 taten frohen, optimistischen lö. Jahrhunderts, beit!« 1,1! ׳H! Eckpfeiler, /wiselieu denn; eine reiche Wirksamkeit /'“"1י M schaftstheorctikem iud. Herkunft — au! dem Km,!'? ^'י int Schrifttum - cingespamit ist. Mau pfit-j׳t aU”ihr ,f•!"* .Ricardo atl/tisehen; die Kritik seiner lehre’ faftt J (1«•:{ meistens in den Spannseilen Sätzen zusammenaiu? ' ' ״ ' ־ M iS, 1 gefallt, ist die niivhnnistisslie Auflösung aller WjnV? quantitativ bestimmte 1 ausehvorgätige, ist <)ie!״T1'.' listische Fassung der Wirtschafter als durch da!!.יי' ■־ knns.il bestimmter Figenkräfle, d. h. als von «ich!! delnder (und in diesem Sinn autarker) Einzelner• j.fV1‘► | die 1 .oslüsunj: der W11 tschaft aus allem lebendigen '?6.״ ■ | 11,׳mg der < ii-.ellschnft mul der Idee bezeichnend I Mann und den Schlag — Dotier Scharfsinn, AtrdraU, "f '!י׳ I reine Intcllcktuaiitnt, und da« heißt zuletzt i״;, :!01,״״,,״ i der Fülle tirul Tiefe.“ L« ist nicht beabsichtigt, in I dieser Kritik an Ricardos gewaltiger Ocdankcnlcislim-r ■ £ treten. Weder Ricardo noch Oppenheimer liegt die af׳׳״> I apriorische Fundierung der wirtscliafts- und Sozi;ilwisscn«4?' I liehen Objektivität am Herzen wie etwa Rickert lauf I Spuren Kants) das historische Gescheiten auch zu un'! i gültigen formalen Werten in Beziehung gebracht ״h'T I (icseliiehte eine Dignität wie der Naturwissenschaft I hat. Ricardo mul < )ppenlieiiner definieren und ft,i״,,fn .!!’י | nach ihrer Ansicht unentrinnbar. Aber beiden fcliit 1 für Geschichte, der Sinn dafür, daß exakte historische t'• I lurerkcn ntnis sich mit einer ausgebauten echten Theorif du? Wirtschaft verbinden muß, um in der Sozia'öknnoni״^ I festen Urteilen zu kommen. Zwischen Ricardo und (W § heiiner steht andererseits eine große Reihe großer 1 des gleichen Stammes (wir haben eine Anzahl von א,.” »clmn gfitaniit), die mit (len ,Methoden der idcalistischei'fv”1 »0|>bie auch der Nationalökonomie den SieherlKitsgraf n* apriorischen Wissenschaft gehen wollten, vor ,allem «Jt nn Max Webers logischer Theorie der historischen erkenntnis, wie sie zuletzt Alevamler Sei!elting mit der eit« Umsicht und Feinhörigkcit (largestellt hat. * y™ Aus all dem geht hervor, daß eine homogene Denlm oder Forschuttgsweise ״jiidisclier’* Wirtschaftstheoretiker ei 3• ausfindig zu maclifii ist. Wie selbst nach dem Urteil entcH« den er Anhänger der modernen autoritären antilibetalen W!«, sclmftsordniing das System der freien Verkehrs- und Kr* kurrcimvirtschaft zu eleu gewaltigen wirtschaftlichen l.eista«. gen des 19. Jalirlmlulerts verliolfcn hat und unbestritten iifttte noch schwer zu ersetzende Vorzüge anfweid,!0 h!« neben dem praktischen Wirtsehaltsgeist auch eine ökonx mische Theorie von hohem Rang die wirtschaftlichen und w zlalen Zusammenhänge zum Verständnis gebracht. Wir wollte, zeigen, daß das erstaunlich reiche und wertvolle wis» schädliche Gedankengut auf diesem Gebiet, da« von jüdisdi« Autoren stammt, auf keinen Fall mit eitient Ocnrralneimrf näher gekennzeichnet, daß and! K’irardo nicht zum Urbi des niclttarischen WirtsehaRsthcoretikm gestempelt wetdn kann. Auch hier spricht jede Finzelleistling fiir sich mul kann nur aus ihrer besonderen höchst persönlichen Eigenart dagestellt und in unser Gesamt wissen eingcrciht werden, Nu so ist auch eine Begegnung mit dein imponierenden lebe» werk Franz Oppenheimers möglich. Ludwig Feuchtwinger, Oppenheimer und Palästina Von Prof. Oft0 Warburg Wenn die ganze wissenschaftliche Weit den Jubilar mit Recht wegen seiner Verdienste um die Nationalökonomie und Soziologie feiert und in ihm gleichzeitig den Bahnbmlier für neue Formen der landwirtschaftlichen Siedlung sieht, so geziemt es mir als Freund und Mitkämpfer, seine besonderen Verdienste um die Kolonisation P alästi- 11 js kurz zu würdigen, Gehört der Jubilar doch zu den ersten, welche die Wichtigkeit vorbereitender praktischer Tätigkeit in Palästina erkannt haben, um gerüstet ztt sein zu größerer kolonialer Betätigung, falls die politischen Gegebenheiten eine solche erlauben würden. Ebenso wie ich verfolgte Oppenheimer die Bemnluingen Theodor Herzls und der von ihm ins Leben gerufenen Zionistischen Organisation mit dem größten Interesse, ohne doch die Berechtigung zu fühlen, sich ihr voll anziischließen, solange diese Bewegung sich ausschließlich in politischem Fahrwasser befand. Erst von dem Augenblick an, wo vorbereitende praktische Arbeit In Palästina selbst dank den Hcnmlmngcn der russischen Mitglieder des Z.ionistisehen Aktionskomitees in das Programm der Bewegung aufgenommen wurde, stellte Oppenheimer seine bewährte Arbeit«- kraft zu diesem Z.wecke zur Verfügung. Es war auf der Sitzung des Aktionskomitees in Wien im Jahre 1902, bei der drei bis dahin außerhalb der Bewegung stehende lierren, iiäiiilicli außer dem Jubilar noch Dr. Soskin und ich, infolge ausdrücklicher Aufforderung die nach ihrer Ansicht zunächst in Angriff zu nehmenden Arbeiten miindlieh dem Aktionskomitee darzulegen in der Inge waren. Sic forderten 1, eine l.elirfarm, 2. eine Versuchsstation, 3. ein genossenschaftliches Gut fiir und in Palästina. Prinzipiell pflichtcie das Aktionskomitee diesen Vorschlägen bei, und so war die Grundlage fiir die spätere praktische Arbeit gelegt. Da das Aktionskomitee damals nur über die geringfiigigeii Schckeibetrügc verfügte, konnte nur ganz allmählieh an die Ausführung dieser drei Aufgaben herangetreten werden, und vir mußten uns begnügen, von dem folgenden Kongreß eine für Propaganda bestimmte kleine Summe 711 verlangen. So wurde denn BXB eine aus den genannten Milgliedern bestehende Palüstinaknmmission eingesetzt, die daran ging, eine ״Altneuland“ betitelte Monatsschrift herauszugcben. An dieser drei Jahre hindurch unter diesem Namen bestehenden, später als ״Palästina“ fortgesetzten Zeitschrift, die zum ersten Male die wirtschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse Palästina« von den verschiedensten Seiten her behandelte, nahm Oppenheimer durch Beiträge regen Anteil. Vor allem lag ihm das genossenschaftliche Gut «111_ I Icr/cn, das denn auch einige Jahre später in Mcrchawia im Fniek Jesreel begründet wurde, besonderer Verhältnisse wegen aber nur kurze Zeit die ihm von Oppenheimer aufgepriigte Form beibehleU. Es ist hier nicht der Ort, ausi’in.uulcrziiset/en, warum dieses Gut nicht reüssierte, es waren aber äußere Umstände, nicht das Wesen des Prinzips, das diesen Versuch vorzeitig beendete, wie nach dem Krieg in größerem Maßstabe in DeiitscniancI von Oppenheimer mit Hilfe der preußischen Regierung angestclltc Versuche klar mul deutlicii bewiesen. Immerhin war die Folge, daß Oppenheimer sielt fiir Inngere Zeit von den fiir Palästina geplanten und durchgefuhrten Unternehmungen zuriiekzog, wenn er gleich stets an ihnen das wärmste Interesse behielt, und niemals mit seinen wertvollen Ratschlägen kargte. Erst nach dem Weltkrieg wendete sich der Jubilar mit steigender Intensität Palästina zu, besuchte das Land auch zum zweiten Male, und war begeistert von den Fortschritten, wenngleich er als nüchterner Beobachter nicht die vielen Schwicrigkcitcu und die bei der Kolonisation gemachten Fehler übersah. Mehrmals ergriff er noch die Feder zur Darlegta{ seiner Ideen, aber was noch wertvoller ist, er stellte v« seinen Sohn dem Lande zur Verfügung, der jetzt »eit eins Reihe von Jahren in Palästina ansässig ist und im Geiste seiner Vaters, wenn auch auf anderem Gebiete, in streu; wissenschaftlicher Arbeit zuerst an der Universität, jetzt k der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Reclmoth ׳« der Hebung des Landes und insbesondere der LatulwirtscMi wirkt und sich auch persönlich nach verschiedenen Riehtungen hin mit dem Lande verbunden hat. Galiläa Von Franz Oppenheimer. In den Hügeln von Galiläa wächst ein neues OfsehIrtK •— vielleicht der Keim eines neuen Volke«: starke, mutige Männer. Städter sind cs gewesen, Handwerker, Gymnasiasten, Studenten, Lehrer, nervöse, trippelnde, bleiche Kreaturen, Aber sie fanden den Weg zurück zur ״Mutter Erde, (he Wandelnden immer neue Kraft gibt, — und mm schäum w aus ruhigen, kühnen Augen, und ihr Schritt ist Und ״sl sclineilkräftig wie des Panthers Schritt. Ich habe sie an der Arbeit gesehen, mit unemmihet« Armen schwangen sic die schwere Pflan/crhaeke; kh יי• sie hinter Pflug und Sämaschine im Sonnenbrände; von!״*• braunen Stirnen troff der Schweiß. Ich sah die Vi achter •j ungesattclten Rossen durch die Nacht jagen, die Buchst Arm, den Patronengurt um die Hüften; ich sali «if> die Hengste in den Tibcriasscc ritten, nackt, in kralt'0״ Schönheit, der schlanke Körper wie au« Bronze gegossen, Sehnen wie aus Stahl geschmiedet, und mein Ilc״ K höher. Wenn wenige Jahre harter Bauernschaft hinreientn. den Sklavenstempe! zweitausendjähriger Schmach tina Mt“1;. Schaft aus/tilösclicn, — was kann aus dieser Rasse w״ü.;J Wie wird erst da« Geschlecht dreiiHcliauen, das |<״ dieser! Dörfern aulbluht. ich habe sie gesellen, di«e ״U der Kolonien, die Kinder der Sonne mul der , blitzende Augen in rosigen Gesiebtem, schlanke, doG ״ gern» Körper auf zierlichen, nackten Fußen, die ״ןr.!“JU1. springen verstehen, junge Stämme, die kcf/cnscluan schießen, weil sic im Heimathoden wurzeln, weil S1 I (crrcugeschlecht über den eigenen Boden ^,rc!M׳ lernen das Ducken und Kuschen nicht, die jungen m ״ aber ־zu reiten lernen sie fast eher als zu gehen und 01 ist ihnen jungvertraut. Bühl ein sah ich jauchzend dur Gassen galoppieren, die sich nur mit den nackten Beinclien am Halse des Pferdes hielten, — und?c.0 A; es einige Wildfänge, die selbst den stolzen Wüste als Ihresgleichen gelten St «eil ..'־ , solche Reiter und Sclnh sind sie! Was tut es, wenn einmal einer aus diesem der arabischen Blutrache als Opfer fallt? Das ist Grenz Die nndereu werden um so wehrhafter. Und w׳>s die Rasse mehr als Wehrhaftigkeit? . ue(;l1 ln jedem Hause, das ich betrat, hängt Theo«0 Bild. Er ist der ungekrönte König diese» werden 1 t Volkes, dem er den Willen ziml Werden gab» u starb, und dem er doch weiteriebt: als Erzieher zu ...^,jt. tum und Vorbild einer starken und schönen "ers q^iii Viele bunte, duftende Blumen wachsen a״ y1|Vtr׳ grünen Hügeln, die schönsten auf dem Grabe ״ gessenen, Unverlorenen. 1.״ WlO■) (Aus ״Die Welt“, Köln, XlV.Jahrg., Nr-20, Ä ״״ GestM«״: H