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Jüdische Rundschau · 1934-03-28 · Heft 25-26 (28.3.1934) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 25-26 (28.3.1934)
Date
1934-03-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Oppenheimer ist gerade als Jude , ßteenaritge rtgur. öcin Leben und Werden hnt »r in fj>rn«n /T* (,1P7-ij—.JD._ 1.* . k - 11 j “i. |j /3• 11 >! «# . . ■>. r,• ״, c r , " ״״‘ *״״״-״-״-- ־> J״u״״um una *ur fuuismcn \jememscnap3aroe11 geaaent werden. Uppenhctmer ist gerade als judt ן ,ine eigener tg g e*״* une/ hat er in seinen Erinnerungen (Welivcrlag Berlin) selbst erzählt. Dieser Mann, der aus dm Kreisen des Reformjudentums ymorgtng. « ,•־״״ ׳”*״,׳ zahlen ihn zu den Umern und versuchen, aus Anlaß seines Jubiläums einiges von dem wiederzuspiegeln, was er uns bedeutet, frans Oppenheimer, dem Juden, dem Mensdien, dem freunde, gilt unser herzlicher Glückwunsch! Red franz Oppenheimer als Soziologe Köstlich ist _ ein Lehen von Kampf mnT Oppenheimer geführt hat, nicht r,fc,|fr denn mich seine Bücher sind nur und Liebe, wie es , . , . als ein stiller (icftuler, denn auch seine iliieher sind nur der Ausdruck seines!,mpl es und seiner Liebe tun eine menschlichere Znpmlt, Sofern das Werk eines Mannes nicht bloß ein Kc- Versuch systematischer oder historischer Art ist. »1111׳: bloß für den Lehrbetrieb taugt, stellt (kiiidntck einer Fülle des Lebens dar, das in einem heiligen Glauben sich j:m״ man Oppenheimers!»ist es den direkten einer Idee dient an alle wendet. ■ ,, , Bücher in die Hand nimmt, die B c g r H f 1 i c 11 k e G, die Ordnung in die ganze ,!er;,talmines• und Wissen lulle bringt, nur der Vordergrund, if rationale Lehre ist nur die Sicherung, aber dahinter stellt nt schön ler isc h c Imagination, die aus einer po- ,beben und sozialen Leidenschaft erwächst. Iber strenge jrchitektoiiisclie Aufbau und der ganze wissenschaftliche Apparat der Ausführung haben mir einen Sinn, wenn man üanze ans jenem Kampfgeist verstellt, der Oppenheimer ],ilir/elinten als einen glühenden Sozial reformer be- •f״tert hat. l>er alte Kampe streitet mit dem Losungswort Uno und Freiheit“ für das Ideal einer wahren Gesellschaft, war von vornherein von der Wahrheit des Satzes: ״Wer ״ Und hat, hat die Macht“ durchdrungen. Die Kinder-;bei von der natürlichen Entstehung des groben Ligen•!׳ns wird zerfetzt. Her Siimlenfnll, mit welchem die Geluchte beginnt, besteht in der Unterjochung einer Gruppe iirfh eine andere. Lin (iipsvcrb.ind wird in die natürlichen!miliaren und lokalen Gemeinschaften gelegt, indem die :!idalr Herrschaft die wahre Volksgemeinschaft unterdrückt. Oppenheimers Staatslehre unterscheidet sich von dem philo- 1|'|]N־hcn Stintsrecht durch diese Hervorhebung ries soziogischen Machtprohlems. Aber wie alle grollen Systematiker tcr Soziologie trennt er nicht Theorie und Praxis, Die rinlrtgic ist ja gerade entstanden, um an die Stelle der .lilkur durch Erkenntnis der sozialen Gesetze Regel und Ordnung des politischen Lebens zu beschreiben und vorzuschreiben. Die Bedeutung seiner Lebensarbeit besteht darin, einen Answeg zwischen Kapitalismus lind Kollektivismus zu finden. Para bfdirt es nicht nur einer Theorie als Diagnose, '!idem eines praktischen Versuches als Therapie. \ir־«l!cimcr als ein Grobstadtarzt ist zu den ökonomischen sozialen Problemen als Therapeut, als Arzt der Gesellidnlt gekommen. Er hat das Problem des Bauern auf gefüll«. Die Sicdlungsidec und der Aufbau einer Siedlung«• ״tnr.Mtnschaft ist von ihm propagiert worden. Seine praktwhzn Vcisiielie in Bärenklau haben einen vollen Erfolg weil sie mehr als bloße Bodenreform darstclleu, {>rr Sifdhmgsgedanke ist heute eine Selbstverständlichkeit gewonlcn. Ls ist Oppenheimers unbestreitbares Verdienst, ihn!sht/clmtclnng als das große Heilmittel der nationalen und sozialen Konflikte gepriesen zu haben. Gottfried Salomon. Franz Oppenheimer, der Jude Meine frühesten zionistischen Erinnerungen zeigen mir t:n unvergeßliches Bild von Franz Oppenheimer: ein shtlbdicr Mann auf der Rednertribüne vor einem übcrtiill- ,'י Saale, der mit geradezu fanatischer Begeisterung für D ״öpiM’idnimeisehe Utopie“, den Plan seiner Siedlung«• fiWsMiiM'ha[( wirbt: ״J e b e 11 Sic mir doch endlich Wissenschaftlichen Vereinigung“ und ,״bläht sich wie ein Gockel“, wie er selbst in befreiender Selbstironic feststellt, wenn man zu seinen Mensuren von weit her angereist kommt und er den Gegner in vier Gängen ״hhimistut“. — Später hnt er freilich auch in dieser jugeirtlirrung den «oziologisch-jiuiischcn Grund tiefer gesellen: die viel «!!gefeindete Stellung der Juden zwang nueh auf diesem ihm innerlich fremden Gebiet zu Gipfelleistungen .., und erhöhte dadurch die Feindschaft, statt sie zu mildern, Zu diesem negativen Ilmwandlungsprozeß, den der Anti* semitismus in ihm bewirkte, tritt erst dann eine positive Teilnahme au jüdischen Inhalten und Bestrebungen, als er durch Hcr/ls Genossen, den Architekten Marmorck und den Wiener Ingenieur Krcmenctzky im Schnellzuge hs lumpige Je Gif“ ruft er zum Schluß und stürmt 'd. — Das Wort lebte in imserm Kreise eine lange Zeit 1׳ Hiigrlwort weiter; vielleicht nicht ganz mit Unrecht —- ״nn es offen Iva 1 to den ganzen Mann: den Berliner so gut wie ־* Juden, den lhibekiitninerlcn so gut wie den ״Mann;■'Glon nnm,)manischen Augen" — sie sehen mir eins, aber / H'hcn sie ganz und gar — wie ihn sein großer Lehrer »״ich damals nannte. Ls war um die Zeit, da Oppenheimer '«suchte, in M e r c h a w i a 11 i1״ Fmck unweit von Afidch;M dein Berge Tabor mit Hilfe seines Schülers und freundes Snkmion I)yk seine Ideen praktisch zu verwirk- <M1, _ |)cr Versuch mißglückte damals — oder glückte /״gstens nicht in der von seinem Begründer geplante«;!™L heute ist Mcrchawinh eine Kwtizah und erfreut sich, *1e Pppcnln'iincr selbst bei einer späteren Reise fcststcllcn ‘,״!!te, lenlljclien Ergehens. Aber er zeigt doch, wie nah« viel umgetriebenc Mann den Quellen des Zionismus S0(I in seiner Frühzcit gekommen war. * , Ihtd d״d1 war cs ein weiter Weg, der den Sohn des iecrs der Rcforingemeinde in Berlin, den Schwager und ,/״"d Riclinril Dein01 ״ s, zu diesen (icdaiikeiigäiigeii n ״Nc11n111Hlncu11/ig Prozent Kant und Goethe und nur /! Dozent Altes Testament — und auch das noch wesenthcli;,1,G Vcrmitthmg Spinozas um! der Luther-Bibel“,;,fm seihst den Bewußtseinsinhalt seines inneren itmnerlüu berührt es seltsam h so hat er Menschen bei diesem V1'n"n'c'‘D1ct• itnmcrmu nerunri es summ, •.»י•■, ,' r״zfnti1;fn scj)otl j״ ,ter Rückschau auf die Kinderzeit;“GS LJternhnus den Stolz auf die... Abstammung aus i!f, ,1'schlechte Davids zu finden. Er freut sich des Be- ■ “ י «eins, seines Stammbaums Wurzeln so lief in den G geschichtlicher Herocn/cit Abkömmling des Goliatlitöfers \ Föhnstimmung •in!,1,,'י״ 1ח ■יי. י oiaimn uoioiir» vvmi״ih .... -־־־;-׳ . geschichtlicher Herocn/cit zu wissen vmd hl a-\ Abkömmling des Goliatlitöfers zu י fühle״ .״Wer .S|D1 so alten Adels noch rühmen?“ (Em (icfuhl, das rw-)c<?er v0״ den Zahllosen mit besonderer Wärme nach- ]/!".den wird, die in ihrer eignen Familie der gleichen ,,! «Hion sich freuen.) — Sefardisches und aschkciiasischcs ״״t s׳eh ihm in den Abdämmungen der Litern, wie *•״״«lacht feststellt; und dennoch hat er sich wohl in ,! "Dit und erster Jugend viel mehr als Deutschen denn Hn,]״'n *•'inpiundcn. 1)ie Landschaft, die das Kind umgab, *"?1’" >1nd märkische Wälder, liebte er wie keine andre; v(X,!' .Stürmern und Drängern des jungen Deutschland bib,nd '1חי gleiches Strebe* und jugendliche Freundschaft. 1 >mmt 1 äh״licll wic im Leben Theodor Herzs 4״ r.d*r Antisemitismus, der nach den Kriegen von 1S60 hl l810.. neu aufflammt, und zwingt ihn zur Besinnung. ZU J'C11!D1 geschieht die Reaktion auf die ungewohn c % ,"״'Sllne> die sein offenes Herz damals erfuhr auf 1'ti״ScAtsam unbekümmert studentisch-burschcnschafthche *J'■ Oppenheimer, der beste Fechter seiner Burschenschaft, But> gleich ״Fechtwart der neugegrundetea Freien Der Föhnwind ffri/h die Lärchen sausen, Die Firne gleißt, die Sonne lacht! Mir ist, als wenn dies helle Brausen Mich eins mit allem Wesen macht, Als wenn der Sturm der heiligen Krifit Durch meine letzte Fiber webt, Und. der geheitnnisvaltcn Säfte Urquell in jeder Ader bebt. Ich bin der ll'iud, der Wald, die Sonn«, Ich seihst der Quellstrom aller Kraft, Und eine nie ge/iJh/le Wonne Sprengt meines Geistes Leibeshaft, Vor diesem urweltlichen Weben; Was ist der 7'odlf Was ist das Leidlt Ick bin die Kraft, das Glück, das Lebern Von Ewigkeit 2u Ewigkeit, Franz Oppenheimer, Männern und in ihrem wichtigsten Teile, ihrer arbeitenden lugend, erscheint, seinen eigenen Grundgedanken sich nähert. Längst hat man erkannt, wie lebenswichtig die friedliche Stellung zu den Arabern fiir das Aufbauwerk geworden ist. Kein Wunder, daß er mit einiger Befriedigung auf den Weg dieser großen Bewegung zurück blickt, den er selbst an entscheidend eil Punkten zu hcoiufl ussen imstande war. Als er in! Frühjahr I')2f1 seine dritte Pnlästinarcisc unternimmt, da freut er sich der ungeheuren Fortschritte, die der Zionismus dem Lande gebracht hat. t ler/is Zukunftstraum sieht er auf dem Wegc der Verwirklichung; ״daß dieses Ländchen die Vcrbimliingshriickc und der große Umschlagplatz der drei Kontinente der alten Welt zu werden bestimmt ist“. — Noch her/cnsnäher aber ergreift ihn das neue Volkstum, das sich unterdes aut dem alten Roden entwickelt hat; der Intellektualismus, des Oaluth-Judcntums einzige Waffe im Daseinskampf, darf zuriiektreten, und der neu erstehende Mensch betrachtet als Ziel der Erziehung und Grundlage seines Menschentums ״die Harmonie zwischen Leib und Seele, die gesunde Seele im gesunden Körper.“ Als der alte Kämpe uns von dieser Reise und Ihren Erfahrungen erzählte (1W1), da batte der Zionismus noch nicht seine neue schwere Belastungsprobe, die Ereignisse 'es Jabres 1QJJ, erlebt; und viele hatten das wal»re Gesicht dieser unserer Volksbewegung noch nicht erkannt. — Aber mir scheint, auch heute noch — und heute erst recht — gelten für den Siedler in Frcz Israel als höchster Lebenswünsch die Worte, die Franz Oppenheimer vor Jahren in ein Exemplar seines Buches ״Irciland In Deutschland“ schrieb — und die wir ihm heut an seinem Geburtstage dankbar in die Erinnerung zurückrufen■. Wann sammelt mein Volk sich, froh des erfüllten Traume*, Irn Schatten meines von mir gepflanzten Baumes? Und sterbe ich drüber hin und erleb es nie: Nicht pflanzt’ ich den Baum für mich — für sie, für siel L 0 k m a n. Der Historiker Franz Oppenheimer Die wissenschaftliche WelJ kennt Prof. Franz Oppen• heim er als den großen Nationalökonoincn und Soziologen, als den Theoretiker der ״Rodensperre“, als den Wissenschaftliehen Gegner von Karl Marx und Kautsky, als den Mann, der die Entstehung des Staates aus dem ״politischen Mittel“ der Gewalt erklärt und die gleiche Ableitung an die Stelle der l ehre von »Irr ״ursprünglichen Akkumulation“ des Kapital» gesetzt hat. Nicht ganz so bekannt ist, daß Oppenheimer diese Grtmdlehrcn seit einiger Zeit auch erfolgreich darstellend aut die Geschichte angewandt hat. Dies geschieht in den Bänden seines ״Systems der Soziojpgie“, die in den letzten Jahren erschienen sind. Der vierte, historische, Band des Systems ״einen Abriß“ einer Berlin—Wien — auch dies ist bezeichnend in seiner Zu• fälligkeit und Ungesuchthcit! — mit den Grundlinien der neuen Bewegung mul später auch mit dem Führer seihst bekannt wird. Eindrucksvoll hat er später in seinen Er• inncrungcn das Bild Theodor Herzls festgehaltcn; den schönen, hochgewachscnen Matin vom edelsten Typus des reinen Semiten... mit den vveitgeöffneten, mandelförmigem, duiikekanfteii Augen. .. das Bild, das wir uns etwa von einem Harun Al-Rasehid zu machen pflegen. — Herz! er• kannte sehr bald, wie wichtig der Volkswirt Franz Oppen• heimer der neuen Bewegung werden könne; gehörte er doch zu den Ersten, die jene Wahrheit erkannt haben, tun die sich unsere Jugend heute müht: ״daß es nur ein Mittet gibt, um ein Fand wirklich und auf die D;111er einem Volkstum zu gewinnen; den Schweif! des Pflügers, der sich mit der Scholle vor 111 ä h 11...“ Schon damals wußte er, daß man ein Im wesentlichen aus Handwerkern und Händlern bestehendes Volk nur unter der Bedingung in ein anderes Land versetzen kann, daß man gleichzeitig die Landwirtschaft und ihre Kaufkraft ent• wickelt. Aut Oppenheimers Anregung hin wurden dann die ersten genossenschaftlichen Siedlungen geschaffen. Grund und Boden wurde nicht als freies Eigentum, sondern als Gemeinschaftsbesitz festgeiegt; diese Grundlage des ״Nationalfonds“ gehörte zu den Richtlinien Oppenheimers, zugleich, ein Wicdcr-Aufcrstchcn altjiidischer Bodcngcsctzgcbung. m Franz Oppenheimer hat sich dann 1013 In aller Form vom Zionismus getrennt, als ihm die ״jüdischen Chauvl• nisten“ die Oberhand zu gewinnen schienen. Aber er kann sich in späterem Rückblicke selbst nicht vcrhehleh, daß die zionistische Bewegung, wic sie heute in ihren leitenden ״Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von der Völkerwanderung bis zur Gegenwart“ gehen, und vor kurzem ist, in einem starken Buche, von 400 Seiten, dessen ״Zweite Abteilung“ erschienen, sic behandelt ״Adel und Bauernschaft: Das Mittelalter“. In großartigem Schwünge werden wir durch die Geschicke der romanisch-germanischen, der germanischen, der slawischen, bvzantinischen und arabischen Reiche, sowie durch die ״Staaten der Reiterhirten“ geführt. Vorher geht die Abjehnung jener ״Katnstrophenlhcorie“, die den organischen Zusammenhang zwischen Altertum und Mittelalter leugnen wollte und längst durch die bessere Lehre von deren inniger und ununterbrochener Verknüpfung ersetzt worden ist. Fs folgt dann eine Darstellung des Feudalsystems, wodurch die systematischen Grundlagen gelegt sind. Auch des Historikers Oppenheimer Absicht ist freilieh eine systematische; er will seine Grumlthesen wenn nichl an der Geschichte beweisen, so doch in ihrem Erfahrung»• material bewährt finden. Natürlich verbietet dieses svntlie« tische Unternehmen eigene Quellenforschung, und Oppen• heimer selbst gibt in größter wissenschaftlicher Rechtlichkeit immer wieder die Ueberfulle der Darstellungen an, die er benutzt hat: es sind beinahe immer die besten, wenn auch nicht stets die neuesten. Die uns bekannte Weltgeschichte von fünftausend Jahren ist nicht die wahre Weltgeschichte, an die Oppenheimer glaubt und die sich hinter seinem kritischen Bemühen als höchst positives Ideal erlicht. Die bisherige Weltgeschichte, soweit sie (Icgcnstand wissenschaftlicher Bemühungen war, ist lediglich Staatcngcsc hichte gewesen; die Geschichte der Zukunft und vielleicht die einer versunkenen Vergangenheit war die Geschichte einer vom ״politischen Mittel“ des Staates befreiten Gesellschaft, die in der Gerechtigkcit des ״ökonomischen Mittels“ lebte und leben wird. Das ist Oppenheimers Glaube. Was geht uns das ״als Juden“ an? Ist denn diese Betrachtungsweise durch etwas anderes jüdisch als durch die Tatsaelic, daß ein Jude sic angcstcllt und in die Wissen- Schaft cingefiilirt hat? Zunächst ist gerade heute, wo das Schlagwort vom ״jüdischen Marxismus“ so weite Verbreitung' und tiefi eichende Wirkung gefunden hat, die Feststellung■ bemerkenswert, daß der wohl gewichtigste Wissenschaftliehe Widerspruch gegen einen entscheidenden Punkt des marxistischen Systems von einem führenden jüdischen Nationalökonoincn erhoben worden ist. Das 2000 Jahre alte ״Märchen von der natürlichen Akkumulation“ d. h. vom automatischen, luiicrgesrllschafllichen Entstehen der sozialen Ungleichheit, ist von Karl Marx zwar neu formuliert, von Franz Oppenheimer aber entscheidend bestritten worden. Der zweite, uns hier interessierende Punkt ist, daß cs du Jude war, der die Hypnose, die von der ungchcurco Entfaltung der Technik und Industrie auf die National- Ökonomie ausging, zum erstenmal durchbrochen und dem Phänomen der Bodenpolitik wieder ihren zentralen Ort angewiesen hat. Wir sind zweifellos ein Volk von Städtern geworden, und Oppenheimer ist der letzte, der den hohen zivilisatorischen Wert der Stadt leugnete; der nächste Band, den der bald 70jährige uns noch ebenso wie manche andere Gabe seines reichen Geistes schenken wird, hat die Doppelfunktion der Stadt und damit des gesamten Kapitalismus, ans Licht zu stellen. Aber wir sind doch nicht in der Stadt versunken: die Nenentdeckung des Dorles, die eine der legitimsten Motive des Zionismus ist, hat in dieser wissenschaftlichen Neubewertung der agrarischen Probleme sein genaues theoretisches Gegenstück. Dr. Ernst Simon. I

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