Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 25-26 (28.3.1934)
- Date
- 1934-03-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU t Wieder fltlll.0 Snrn־Lc״ die Glftscr und deckle die Mn/v.ot mif. Midud gab ihr einen Wilds, Hie cti'öIo((! wie ein Kind, si'uklu ihr(! Augen ins Geiicthmh, lim die Viel* Fragen zu Mellen; ido 11t» sie vor hin zu den Worten: .. M׳1׳r in dieser Nnrtit »it/.en wir alle in Lehnen.“ Sogleich stellte Mieluil die Sehlissei un ihren Ort zurück und puh die Antwort 11111t und in Freude: ״Knechte waren wir dem l’lninio in Aegypten ..." Und weiter trug er vor, Lin zur Mahlzeit, und crkUivU׳. ihr 1111 ch, was zu erklären war, und machte ihr die Dinge durch Gleichnisse und wundrrhurc Erzählungen vertraut. Heine Leiden waren von ihm gewichen: sein K״|»I .sank im l'idsltr ein, Schweißperlen glänzten an seinen SchläfenlocUen: der Polster unter ihm pah nueli, er sank immer tiefer ein: große Gnaden umgahen die Well. Hein Blut |)0chlc ihm in den Gliedern, das Herz wollte ihm zerspringen, nhgr diese eine Stunde hier war ihm liehe!־ nls du» ganze Lehen dieser Welt. ״Zu Ende war die lYssnchordnung nach ihrer •Sitte.“ Die ganze Stadl lag in Schweigen, der Mond breitete einen Ihddnehin uns l.ielit ühcr das Ihms von San» ■Lea. Mithai stimmte das Lied an: ,,Hein Haus erlmii er Imlde“, und .Sara■ Lea snng ihm nach: ,,Schnell, m׳h schnell, in unseren Tagen, Imlde!" Au» den anderen Häusern der Straße kiimen viele Stimmen: ״Gott erbau, Gott erbau, Dein Haus erbaue balde!" Und die Plnmtusie, die im Menschen wurzelt, ließ es ihnen so erscheinen, nls sei hier ein Stückchen vom Lunde Israel. Gemächlich »singen sie das Hohe Lied. Die Nacht war ver* strichen, die Morgen!iigcl stimmten ihre Hymne an. laues Mannes Stimme sang im I lause Sara-Leas das Hohe Lied. Aus palästinensischen Zeitungen Ein Briefwechsel über den Schabbat Gelegentlich der Tnimpcldor-Fcicr in Tel-Cltai ist cs in Haifa zu einem Verstoß gegen die Sabbatheiligung gekommen. Eine Gruppe junger Leute fuhr im Auto von I iaifa weg, gerade zur Zeit, als der Sabbatgottesdienst am Freitagabend begann. Der Vorfall wurde ausnahmslos von allen Parteien und Zeitungen verurteilt. Nach diesem Vorfall veröffentlichte ״bavar‘1 einen prinzipiellen, sehr wichtigen Briefwechsel zwischen dem Misrachi-1!ihrer Rabbi Mcir Berlin und dem Redakteur des ״Davar“ Ber! Katznelson. ״Davar“ hatte!lautlich in dem Artikel, mit welchem er das Verhalten der Haifaer Jugcndgruppe energisch ablehnte, dies damit begründet, daß ein solches Verhalten für den einfachen Juden auf der Straße eine Beleidigung und einen Schmerz darstelle, und daß schon deswegen ein solches Verhalten abgestellt werden müsse. Rabbi Berlin wendet sieh dagegen, (lall ,,Davar“ für die Sahhaflieiligmtg derartige Gründe beibringt•. Wenn das Verbot der Entweihung des Sabbat in der Oetfent* lichkeit mir aus dem Grunde erfolge, daß mau niemanden beleidigen wolle, so küiuitcn genau so gut die Sabbalentweilter argumentieren, daß die ihnen auferlegte Sabbatrtihe, der Verzicht auf eine Reise usw. für sie einen Schmerz bedeute, und sie konnten mit Recht fragen, warum der Schmerz, der einen Gruppe mehr Recht darauf habe, geschont . zu werden, als der der ainlemi? Und wie denn, wenn cs nicht mehr jene ״einfachen 1.eilte" geben wird, die beleidigt sein werden, wenn vielmehr diese Menschen sagen werden, was beute scliott Zelmtausemle von Juden in Palästina sagen: ״Wir haben mit dem jungen Geschlecht hier nichts zu tun. Wir haben früher in Amerika gelitten, als die jungen beute , mit Absicht den Vcrsöhnungstng schändeten, wir leidet! heute L' in Rußland, wo man unsere Gotteshäuser in Klubs verwandelt., und wir leiden jetzt eben. auch in Palästina, wo man den ||f' Sabbat entweiht, wo man den Bau eitles Bcihntises in einer Arbeitersiedlung verhindert ttsw. Möge also diese Generation ihren Weg gelten, und wir den unseren, ihr Schmer/, ist nicht unser Schmerz, und ihre llofftmng ist nicht unsere Hoffnung.‘' Wird also, wenn die Frommen sich in dieser Weise mit den Tatsachen ahfimlen werden, und nicht mehr ülwr das Verhalten der Sahbatentweilier sich entrüsten werden, die Redaktion des ״Davar“ dann die Entweihung des Sabbat frei geben? Odor liegt hier vielleicht ein absoluter Wert vor, der nicht verteidigt werden darf mit Gründen der Rücksichtnahme aut die Gefühle anderer? Verlangt man etwa das Hebräisch- Sprechen in Palästina oder die jüdische Arbeit auch nur aus Gründen der Rücksichtnahme auf die Gefühle der Mitbiirgcr? Es (׳eilt nicht an, meint Rabbi Berlin, die Sabbatfrage in dieser Weise abziitun. Der ״Davar“ müsse klare Antwort auf die Frage gehen, ob er die Heiligkeit des Sabbat nls absoluten Wert in der jüdischen Wiederbclebung anzticrkennen bereit ist. ,.Davar“ drurkte den Brief von Rabbi Berlin an den Redakteur der Zeitung zusammen mit einer Antwort von B. Kat/nclson ab. ln seiner Antwort beschwert sieh der Schriftleiter des ״Davar“ über (!io KanipfcsinctlHxk'ii, welche in letzter Zeit von seiten der orthodoxen Zionisten gegen die Arbeiter nngewendet werden. Wo ist noch irgendein Kampf gegen uns, den man nicht schon gekätnpf hat? Wo ist noclv ein friedlicher Winkel, d.11׳ man aus dem [׳'euer des Schlachtfehles retten könnte? Ivs ist kein Zufall, daß die Frage der Religion und Tradition, des Sabbats und der Feste in der Presse des Misraehi zu einer Frage der Arbeiter gemacht wird, als wären nun gerade die Arbeiter Religionsvcräditcr! Katznelson geht auf die Geschichte des Zionismus und auf die Bedeutung der Tatsache ein, daß zum erstenmal, seit dem Bruch /.wischen Orthodoxie und Aufgeklärten innerhalb der Judcnheit, es dem Zionismus gelungen sei, um der glühenden Zionslichc willen Freisinnige und Rabbiner in einer Bewegung zu vereinigen. Von Anfang an bestanden Sclnvierigkeiten, die .von manchen für unüberwindlich gehalten wurden. Die meisten Orthodoxen verneinten jede Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit den Sündern im Aufbau des I amles, und auch manch(• Freisinnige glaubten nicht au die Möglichkeit einer Verbindung mit den Orthodoxen, aber die Zionsliehe brachte einen Teil der orthodoxen Judcnheit zu dem sicherlich tragischen Entschluß zur Zusammenarbeit mit Matsehen, deren Gedanken und Lebensweise mit ihrer eigenen Welt im schroffen Widerspruch standen. Rabbi Zvi Hirsch Kal isc 11 er, dessen Zionismus die Hoffnung einschloß, den Opferdienst zu erneuern, vereinigte sich mit Moses Heß, Rabbi Mordcchai Eliaslterg mit dem freisinnigen Leo Pinsker. Die Vereinigung geschah noch in den Zeiten Her 7.1s, auf der Grundlage, daß die Institute der Bewegtiug die Verpflichtung auf sieh nehmen, die Tradition zu;achten. Alan hat Pinsker oder Liiienbluni oder 1 lerzl nicht!gefragt, ob sic diese Achtung der Tradition aus nationalpolitischen Gründen oder aus Gründen des Friedens verlangen, wie jetzt. Rabbi Meir Berlin die Redaktion des ״Davar“ fragt. Die Arbeiter haben weder die Absicht, die Religion zu untergraben, noch sie zu festigen. Unter ihnen gibt es treue Anhänger der״ Traditio» und solche, welche die Tradition brechen. Die Arbeiter glauben, daß religiöse Fragen sic mir dort angelten, wo nationale und soziale Ik־- lange mit diesen Werten verbunden sind. Aus solchen Gründen betonte 7. B. der Kongreß der Histadruth die nationak und soziale Wichtigkeit des Sabbat. Die Versauunhingen der Arbeiter und die Literatur der Arbeiterbewegung legen Zeugnis ab von dein Ringen der Arbeiter mit diesen schweren Fragen. Und vielleicht wären die geistigen Kräfte, die hier lebendig sind, mit größerer ׳ Macht Zinn öffentlichen Ausdruck gelangt, wenn nicht die Arbeiterschaft in schwerem Kampfe mit der orthodoxen Presse läge. Der Kampf, der Nr. 25/26, 28 TT[ « p■« rtf וי׳״ו S׳׳־ f * וי■״־*׳:• ־ r יי״־*׳ י ־ 1 ,יי ן . d! W׳ 'Im 81 W y L 1 י*.. •G W m ׳' d latä׳4 iw fe־1 L, ״*•» % 4 I . 4 y» '■׳״,* x "ך r . y * V J y V«*/ ii lu V״,y m U I 'Gxjjd' %ääS#>? td 81 11 'r"'ח |!1' ־ Zusamnumgestelit von Alice Jacob-Locwcnson (Jerusalemer Conservatoirc for Music) In der I lagndah finden wir alle Spielarten des jüdischen Formtrichs, von den ältesten Formen des dreitöuigen Sprecltsiug'its (Kautilliereus) bis zu Si/ilianeu und Menuettformen der Baroek/eil, mit allen Zwischenstufen der Eiedgesfaltnng; uralte, echte volksiuäUige Erzeugnisse und abstruse Ausgeburten der Assimilation; Synagogalcs mul das Lied der Gasse. Kode sch ur'chaz (babylonisch) ril■ Die Weisen, die wir hier• veröffentliche!! emo mit Ausnahme des ägyptischen ״Adtlir hu“ dein h 1• 1' Orientalischen Meloiliensdiatz“ von A. Z. ldclsolm' ip ■ Hofmeister Verlag Leipzig). Das ״Addir hu“ stell l'11״ ״Ycwish Lncyclopcdia“. 1(1 '■ r—K—k-ר־י 1~1—1- י' b ,"JL ' pppr־^[ —T-l & fi*" ' ^V & w | -■ -4 r -■ “־ w——■■•■׳> IZ-Z Kad - dcsch u - r’• chaz, kar pas Ja - chaz, ma - ror ko - red! »diul ־ dian o redh Ztk fun ba red», hat kl nlr * za Die Pcßaelihagadah beginnt mit einem kurzen Reimgedirhl, das ganz trocken uml sachlich, in der Form des Gebots, die Sederbrätiehc anfzählt. Obige Melodie ist der Pcntntcuchwcise der babylonischen Juda! nachgebildet; wir werden an den Tonfall der orientalischen Straßcriausrufcr erinnert, wie ja überhaupt der arabische Gesang — in Palästina beispiclsweise — bestimmt mehr mit der ursprünglichen jüdischen Kultimisik zu tun hat als die Musik in einer westlichen liberalen Synagoge. Die musikalische Gestalt des Liedes ergibt sich dadurch, daß die Rcimsilbc als Ruhepunkt immer wieder auf den Ha lachma anfa (marokkanisch) gleichen Ton fällt (fis). So entsteht eine Art Zentral• der die Schwere der ganzen Verszcile auf sich konr™/•! ־ Der Tonumfang, in dem das ganze sieh ahspiclt is׳s“: Sexte ( - die Mehrzahl der orientalischen Melodien uJf' mit weniger Tonstufeu aus —), trotzdem ist die ristischc suggestive Monotonie gewahrt. Von einem «w liehen Ormidton, von einer bestimmten ״Tonart" kann r '" hier nicht sprechen, der europäische Akkordbm! würde im״I ein fremdes Kostüm abgeben und nie mit der Melodie»»I schmelzen. "יי 6t S-HF wzm Z35 •-jV—jy 31 Ha-loch ־ ma an - Ja ־T־ r=t! 0 ■| ־TT :r pr M—SL Kol-diz-rldh SB S‘ » ־j '2s־ L'scho-na ho-ba-a b’ar-a d’JIsra - el b'ne d!o - rin Mit dieser monotonen Weise, die eigentlich nur vier Stufen benutzt und die nur iin der Schlußformel eine kleine Kurve in die I löhe schlägt, gedenkt der Jude in Marokko der ägyptischen Armut und Knechtschaft. Man kann daran den symbolhaften Ausdruck des jüdischen Melos studieren: achtmal wird eine Abwärtsbewegung im Gesang vollzogen, die die Addir hu (ägyptisch) Melodie immer wieder in iiire engsten Grenzen znruckrwin:‘ Die beiden höchsten Melodietöne treten an zwei inhalllid bedeutsamen Stellen hervor: bei ״kol di/rich" und bei ״an d’jisrael“. An diesen beiden Stellen erhebt sich die Melodie zu einem etwas zuversichtlicheren Ausdruck. Ad dir bim hc ra ©•••jf ־♦ bim - he - ra be - Jo י me * nu be * ka * row. El be ne, el. bc ne be - ne bet dia bc ka row Dieses ״Addir hu“ ist dem Minhag von Alexandrien entan. Besonders der Anfang hat große Achnliclikcit mit w: I nominell. Die fluktuierende Linie, der rhythmisch bewegte ostjüdischen ״Addir bimlucha“-McIodic. Es ist bestimmt 0 p Schwung, das reiche Mclisma weisen auf persische Eimvirjüngeres Stück, das vermutlich viele Länder passiert w»•! kungen ltin, manches klingt schon stark an europäische Weisen auf diesem Wege viele Wandlungen erfaliren hat. Chad gadja $ S=K=fv ■4— ji•־. Chad god * Ja chod ־ god ־ Jo Ein etwas humorvoll wirkendes ״HäukelsäugerUcd“ auf vier Tönen, das offen!);!!■ mit Absicht heruutergeleicrt wird, uml die Distanz zu dem etwas kindlichen Inhalt und zu der ganzen Form der vielstrophigen Rahmenerzählung darstellcn soll. Auffallend ist der Wechsel von Dur und Moll innerhalb jeder Strophe: dadurch bekommt der Anfang immer etwas Heiteres und der Schluß etwas Tragisches und Pcrsißt״™' j zugleich. .. ..!,1 א Der Sedernbciul hat bei den Westjuden in niusik•!!׳ Hinsidtt eine solche Armseligkeit erreicht, daß es anSl!G scheint, seinen Musikgelia'it vom Orient her etwa* s frischen. von orthodoxer Seite gegen die Arbeiterschaft geführt wird, die reaktionäre Stellung der Orthodoxie innerhalb des Zionisinur. und des Jischuw seien nicht zutn wenigsten schuld an der Entfremdung der chaluzischen Jugend gegenüber der Religion. Der Verleger und Antiquar Leo S. Olsch'ki hat einen Knfalog der in der Mailänder. ״Bibliotcca Ambrosiana" auf- Iiewnhrlen jüdischen Manuskripte in hervorragender drücktechnischer Ausstattung herausgebracht. Der Katalog ist Papst Pius XI. gewidmet. Alice Jacob-Locwcnson ist, wie uns aus Jcrusalc1 meldet wird, in die Lehrerschaft des Jerusalemer ,.ן) ־י™־׳-י toirc for Music and dramaiic Art" (Leitung: Eim» * 1 eingetreten. Sie beginnt ihre Tätigkeit mit : von Vorträgen und Arbeitsgemeinschaften m ,1CBr* r|!s<jes englischer und französischer Sprache. Die .Vortrap gemeinschaftlich mit der Histadruth haowdim und ״Musical Society“ statt. Der Bildhauer K. Harald Isen st ein wurde Koncnhagcncr Kimstierschaft zur Beteiligung .an <׳' Stellung mit einer größeren Reihe Arbeiten emgeia Mtl Do Fr« Sat סל M< Dt Ml S»l l’r. n, Öt. MC w».