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Jüdische Rundschau · 1934-03-28 · Heft 25-26 (28.3.1934) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 25-26 (28.3.1934)
Date
1934-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau Seite 9 >34 sn'ne * וזי ״ jin K der Jluletj /■ei), /er» wirk» *ehrt tu in ijion, Liier Mr<| r iickt nicht und 1t ist liteu, noch eine teilt: ieser Mlllt ah ז heit «mit Pute «ins ereit ieser Iw•• ,11* -’in er die Weit mit ndo, :keit mit «ich II i sich ltnis ajre, 11t ct «:011 rittwill, »I1׳r der den ‘Mell Irre Kilt• •fillc IK'k, den tillll eist »ehe kni rten eine Mit daß ickt Der teil, 3ild 1lrr eile mc ׳or* die sse ion wo :tic larf /Oll in je״ ״“. auf e n en» cht eil, 11er 1,111 ufirtl teil III d eil• ter in• en, ■11 n ft“ ins k• im' I d׳|;, % Mr. 25/26, 28. IH. 1934 Rrrcc dem mit »״,rift strhen, inen F.mnip׳; in das 1ms verheißene Land fallen, ihre״ Weg mit heißer Inbrunst anstatt mit kühler .Icliiiimg Rehen kiuinen. Nur mit der Seele, nicht mit V c r יצ t a n u c liabcri w ir unser Land wieder gefunden, mit dein Heist, nicht mit der Kraft wird' es aufs och,ml Wertteil. »Sollen unsere Kinder nicht mehr die cLuot, sondern das J11do״);h1ck in sich aufnelimeu, dann 1"'"•וו de woilortimirn komien auf den (lr1mdlnKcn unserer L1^fliefe!׳i11U% sie dürfet! nie l!t unsere ^eisti^c Basis zerstören, uili/oiid sie sich eine in.itcrieile auf bauen — sie müssen wissen, da» auch 5״■ ־״'t I1cra11st;cfiil1rt wurden aus Aegypten, ' /,1r lcRilim-incliseheu Auffassung des Wesens des Jude.״ ״״,is und seiner In 11aItc gebürt die Beobachtung histo• sch gewordener 1'o r 111 c 11 mul Riten. Das J11-!«(!וווו koiikrelisicrt da, wo andere Nntioiicn nur abstrakt Lkrii. Pas ist eine Starke, das hat uns die CiaUith Wliltallen lassen, %v1r Minne״ und wollen auch jetzt nicht ‘,״uif verzichten. Die I lagadah drückt s so aus: ״Mau L״tc Pc»,ich bereits vom Anfang des Monats Nissan an 1(j(f״. cs hat aber keinen bum, davon zu sprechen, ohne!,ן Ungesäuertes mul Bi'.terkraut vor uns ausgebreitet liegt.“!)urtli das A 11 g e n f a 111 g c d c s S y 111 b o f s wird unser Vtjbmidouscin mit der Vergangenheit gestärkt; wir rede״ ן״!!, .spintisieren nicht mir über in der Vor/eit liegende, 1ms;,nirnt nichts melir angelH'iule Dinge, sondern wir sind jjfdit boleiligt an ihnen. Wir erfahren selber an uns, wie!,gier das Lehen des nicht bodenständigen Volkes ist, dessen j!fot nicht auf eigener Scholle gewachsen ist, das in Eile <(in Brot backen 11111», wir wissen das, weil wir in jeden! jjt1r wieder ganz, konkret dieses Brot mul diese bitteren hinter essen, um daun aber auch das tillick empfinden zu töniH'ii, mit Mosche und Aliaron und der« ganzen Volk j!1s AigvpU ii I1i11,1us/11/ielu־n in die Freiheit. So nicht das Volk der Enke! die Geschichte der Urahnen. li kt unsere Aufgabe, so innerlich jüdisch zu werden, daß ,oiclics Milerlcben möglich wird. Nur das wird uns die sichere Haltung und innere Ruhe geben, die wir zur Fortsd/ting im-erer jüdischen Existenz dringlichst gebrauche״, trist nicht genug, wenn wir Zionisten mir die Absicht haben, her Assimilation nicht zu verfallen. Assimilation ist ein Zu• stand, der vorhanden ist, nicht mir, wie viele meinen, bei liberalen Juden: auch bei Orthodoxen, auch bei Zionisten pbl cs i» tiefster Assimilation Verharrende. Jüdisch empfinden heillt nicht, d.ili man erklärt, mau fühle sich Jude, daß mau nicht die Absicht hat, etwas anderes zu sein, solidem da» man das ganze Leben unter j ii d 1' s c h c n Aspekten siebt, da» man auf das Gute wie auf das xiilcchte so reagiert, wie es der jüdischen Seele angemessen ist, Vir haben noch eine lange Wanderung vor uns, aber wir sind solche Zeiten gewohnt — so wie wir in diesen Tagen den Auszug aus Aegypten selbst wieder mitmachen, so, das »t unsere tiefste Ueberzeugung, werden wir auch den Einzug in das 1ms /״gesprochene Land mitmachen; und sollten w׳ir selbst verurteilt sein, auf unserem Wege zu sterben, unsere Kinder werden unser Ziel erreichen. Wenn wir ihnen den Weg bereitet haben! Alexander Adler. Das Gebeibuch des Baal Sehern Pas fran/ösisehe Regicrimgsorgan ״T c in p s“ bringt in seinem I ilcratui blait einen bemerkenswerten Artikel von Rene Pti;1 11 x über das (ichcthiicli des ״Beseht“, — d. h. des Rabbi Israel 11. dieser, genannt Baal Sehern Tow, des Begründers des Chassidismus. Wenn der sensationelle Verhuf dieser kleinen Sammlung hebräischer Manuskripte, so meint RcnC Puaux, zu einem Preis von 30 000 Frcs. (zirka MM RIA.) das Weltinteresse auch nicht in gleichem Malle erregen konnte, wie etwa die Erwerbung des berühmten Codex Sinaitieus durch das British Museum, so seien doch ans den Kamlstaaten, aus der» großen Städten Polens, aus Rumänien und anderen Ländern eine Fülle von Menschen zu diesem Ereignis nach Warschau gekommen, weil diese Rcliquie nicht nur für die Chassidim, sondern für die jüdische VtH überhaupt einen hohen Wert besäße, um so mehr, als der Baal Schein der Apostel des Gebetes gewesen sei und j Mneilei schriftliche Aufzeichnungen hinterlasscn habe.! Man habe viel über ihn geschrieben, in neuerer Zeit außer wrtin 1111 her vor allein Israel 7. a 11 g w i 11 in seinem bcrühmten Buch ״Träumer des Ghetto“. Aber da diese Werke in iianzösischen Bibliotheken nicht eben häufig anzutrdfen Men, und leider auch die bewundernswerte und ungemein j reizvolle Gestalt des Baal Sehern selbst dem französischen Publikum fast völlig unbekannt sei, werde eine kurze Skizze *eines Lebens und seiner Lehre erwünscht sein. Puaux bemüht wh mit feinem Verständnis um diese gewiß nicht leichte "11Wie, modernen Franzosen das Wesen des Baal Schein Mhc/iihririgen. Er nennt ihn einen Tolstoj.mer vor Tolstoj, ■ «gleicht ihn in marchem auch mit dem Begründer des Christentums, und schildert, wie sein unendliches Mitleid und!fwe helfende Güte ihm die Liebe und Zuneigung der ״meti polnischen Juden erwerben mußten, die so _ viele , OMundertc der Unterdrückung und des Verfalles mit der Vclie der Verzweiflung bedeckt hatten, Sic spürten, daß 1 ™io! hier em Prophet erstanden war, der das Asketviitum, , «י Lamentieren und Weinen der Kabbalisten verwarf. Einige * "fr schönsten Anekdoten über den Baal Schein dienen Puaux; w Erläuterung seiner Ausführungen. Die Lobpreisung des Otoctcs und der frommen Versenkung, die HiiiU'iikung der ״aubigcti auf die Freuden des Gebetes, das Streben nach , ״iueksetigfkeit gehen, so meint Puaux, der Gestalt des Baal xlicm, einer der bewundernswertesten des achtzehnten Jahr- 1 ״«mlcrls, ein erstaunliches Relief, besonders wenn man he- «nke, imler welchen Umständen er gelebt habe. Anscheinend *n das Gebetbuch bisher nicht veröffentlicht worden, und vielleicht werde der Wert der Gebete unter einem mysti-! fw״ Pathos leiden, das das Interesse sehr herabmindern l konnte, A. P. Eine Pcfjachfcicr*) Von S. I. A g n o n. Aus dom Hebräischen von N. N. Gl atzer. Als Michnl, der Diener, fn der ersten Pcisarlinncht dn* Bethnus verließ, wur, er guter I.mino; Gott sei Dank, dnehte er, du» «Irr Pcssnrh-Vorlng vorbei ist mul nucli ich mich dieser Nacht erfreuen kann, wie die anderen Menschen. Aber als er die Tore schloß und sich nach Hause gehen sah, ver* ging ihm die Freude. I r wußte, daß er nicht in eine« königlichen Puliist ging, sondern in eine verwahrloste \V0h* nting, daß er auf keinem feinen Sofa sitzen wird, sondern auf einer zerrissenen Decke, die hery.urlehten keine Frauen• Im ad sieh gemüht hat, und daß cs viel MOlic kosten wird, bis er sieh sein Essen wann gemacht haben wird. Denn Miehal der Diener war ein Witwer, keine Frau war im Hnuse, um ihm den Tisch zu decken, das Bett zurechtzu• muchen. das F,«־sen zu bereiten. Gewi», nicht einer allein wollte ihn zum Seiler entladen, nein, viele Hausväter Wollten es tim. Sie an ״len •zu ihm: ,,Bahhi Michnl, heule nacht freut, sich jedermann, jeder ,Indo feiert mit seinen f.eilten zusammen, und du willst nl!01 n feiern? Sei froh, Bahln Michnl, daß in dieser Noch( Gespenster keine Macht Indien, und doch sollte man sieh vor Schwermut schützen, die so schlimm ist, wie Sauerteig um Pcssaeli." Aber Michnl hallo «!)gewehrt, um nicht feierlngs an einen fremden 'risch verschlagen zu sein. Ist er iiik'Ii nur ein Synngngcndioncr, so gehörte er doch auch zu denen, die mm Aegypten gezogen sind, und seine Seele stammt, Gott bewahre, nicht vom Gesindel, dns mitge/.ogen war. Die Gassen wurden leer, lind nllo Häuser der Stadt strahlten im Licht der Pessnchnnclit. Der Mond leuchtete in seiner Lieblichkeit und lTtililingsluft vvehle. Michnl hatte seine Gedanken vom F.Denen nhgelonkt und ergötzte sich an der ,Schöpfung. F.r klingelte mit den Bethaussrhlflam'ln wio mit einer Glocke. Als er dns GcrIUmeh der SehJflssel wnhr• nahm, wurde sein Herz traurig und or orinnorlo sich, daß er das Beihaus bedien(, sich gar sehr ]»lagen muß und nllo Arbeiten tut, und daß er dann, wenn or noch getaner Arbeit in sein Haus kommt, einsam in den vier Wünden seine« Hanse.s eimtesclilossen ist und nichts Gekochtes *11 essen bekommt: bevor er noch den Topf n 1t Lgcs tollt hat, tlborfüllt i!1n der Sehl 11T, und so bestellt sein Muhl aus Zwicbclplützeben, oder aus Brot mit Heilig oder einem Anfcl. den ihm eine Frau ins Bethnus bringt, damit er für die Seelenruhe ihrer Verwandten hole. Aber: was innn alle Tage dos .lahrcs tun darf, darf man nicht um Feiertag tun, wo uns die Frcudo geboten ist. Bevor er noch an sein Haus kam, öffnete sich vor ihm ein Fenster; er sehauto bin und sah, daß es da» Haus der Witwe Sarad.cn war. Auch sie seihst slnnd nin Fenster lind schaute hinaus. Dn verneigte sich Michnl vor ihr und bcgrüßte sie: ״Feste zur Fronde, Sara-I.cn!" Sie antwortete und sa!:le: ״Feiertage und Frohzeiten zur Wonne, Rabbi Michnl! Wolter und wohin, Bahhi Miehal?“ Und Michnl sagte: ״Aus dem Bethnus komme ich und geho nach Ifntisc, um mir den Scdci'tiseh zu Tichlc״.“ St1rad.cn nickte ihm zu und seufzte. Da sagte sich Michnl, ich sehe, daß sic mir noch etwas sagen will, Und er wartete. Als «io ihn Richen snh, sagte sie: ״ich habe das Fenster geöffnet, um zu sehen, nl> cs srlion Zeit ist zu gehen, Beim ich muß bei meinen Nachbarn *um Scdcr sein. So wahr leb lebe, ich habe alles Gute selbst vorbereitet, ca fehlt mir nichts, um das Pcssnebfest riebtig obz.uhnltcn und trotzdem verlasse ich mein llnus und bereite den Nebemncnsehcn Milbe. Nicht genug, dnß ich an jedem Snblint und Festtag meine Nachbarn und Nachbarinnen bemühe, in• dem ich zu Kidduseh und Ifnwdaln in ihren Hlluscrn auf• ln «ehe, so bereite Mi ihnen mich am Pcßach Mühe.“ Dn sagte Miehal: ״Mag cs Euch als Bemühung erscheinen, 80 Ist es für die Anderen doch ein frommes Werk!" Aber Snrnd.ea sagte; ״Vom frommen Werk sprecht Dir, Rabbi Michnl, glaubt Ihr mich, Hahh! Michnl, dnß solcho Werke denon lieb sind, die sie tun? Der Mensch schuftet den ganzen Tag und sicht weder Weih noch Kind: dn kommt Pesanch und kommt die Bube, lind er möchte mit »einen lauten gemütlich sitzen; gleich tlherfillll ihn diese Wiüib, die dn kommt und .sieb dazwischen setzt, Ich möchte mich nicht versündigen; die /.eilen sind armselig geworden und die Welt hat keine Kruft mehr. Früher pflegte ein Jude eine Menge Gäste ins Ifnus zu bringen und der Platz war nie eng; ,jetzt gibt es nicht einmal ftlr eine anno Witvvo wio mich ein Plätzchen mehr. Ich erinnere mich nn dio Pessarhnürhto bei meinem Vater, Friede mit ihm, wo man mit zehn Männern den Tisch• segen sprach. Und hat dann mein Mann, Friede mit ihm, ohne Gast den Scdcr begangen? Ich aber muß nus meinem lielin auswnndcrn. Feldt es denn nn etw’ns in meinem llnus? Wein? — liier ist Wein, sogar ein Übriges Gins! Mazzot? — hier sind Mazzot, sogar die auserlesene Mnzzn! Fleisch? — hier ist ein Truthahn, mit Flügeln, die vor Feit fast nhgefallen sin(l. Wns haben nur die Nachbarinnen gesagt? Barn-Len, binde ihn ja nicht nn den Bettfuß, sonst: zieht er dich bis (Iber den Sambal ion-Fluß hinüber! Ist; cs denn über• hmipt noch ein Vogel? Es ist geradezu ein Büffel! Aber: wenn die Frau bei ihrem Marino Ist, hat nllcs für sie einen Sinn; ist ihr Mtum lot, ist ihr dio gnu/o Welt slnnlns! Zu• erst (luchte ich einen Gast cinzulnden. Aber wns werden dio I.culc sagen? Diese Alle ist ein Teufelsweib, sic sticht sich ein bißchen Vergnügen!“ — Miehal Hlchelto seufzend und zitierte: ״Besser i.sis zu zweien zu leben, nls im Witwen• Stande!" — Und obwohl dieser Spruch in der nramllischo״ Sprache nusgcdrückl ist, die Snru-Loa nicht versteht, so *) Die hier nhgedrurkto Erzählung ist mit Genehmigung des Schoeketi-Vevlnges dem im vergangenen Jahre dort erschienenen zweihändigen Roman Agnons ״ilachnnssnt Kalla“ (כל סיפוריו של ש• י. עגנון, Bd. 1 u. 2) entnommen. nickte sie ihm doch z.u, wie wenn einer sagen will; Gut gasprachen, wahr gesprochen! Miehal ist ja ein frommer Mensch und 1111t gewiß etwas Gutes gemeint. Und Snrn-L«a setzte hinzu: ״Ich habe alles du, aber wenn kein Mann im Hause ist, was ist dann noch im!lause? Ich frage mich: Sarn-Lcn, was hast du hier, wen Imst du liier? Ich haha Kinder genitbrl und erzogen, die haben midi verlassen, ich bin einsam und vergessen, wie ein Tisch nach dem Essen. Ich dachte daran, nach dem heiligen l.nndo zu ziehen, um (len heiligen Ställen nahe zu sein und nicht immer an die Einsamkeit denken zu!nässen, in der ich midi mein Eching befinde. Aber da beginnt dio Frage von vorne: wie kann ein Weih nilein dorthin gehen, wo man nie nicht kennt? Zwar sind idle!luden Freunde, nber ich würde mich scheuen, nllcin zu fahren!“ Da wurde Michnl voll Erbarmens mit ihr, er faßte sich nn seiner rechten Sdiliifcnlocke und wollte ihr etwas Gütiges sagen, fluch v-ns er entgegensetzen wollte, blich ihm im Munde stecken. Er begann zu stammeln: ״Licbo brau, ist denn mein Los besser :11» (las Eure? Ihr seid gottlob geputzt wie eine Braut, ihr habt Köstliches zum Essen, ich nber bin verworfen und traurig wie eben ein Witwer. Aber für einen Juden gibt es nie bis anderes als die Gnade des Heiligen, gesegnet sei F.r. Warum soll der Lebendige klagen? Wollen wir das Fest doch nicht stören!“ — Und wie er sie trösten weilte, Bekam er mit sich selber Mitleid und sagte: ״Ein Mann, — was ist schon ein Mann? Wir sagen: Gesegnet seist du, Gott, der du mich nicht zum Weih gemacht hast! Icli verstelle gottlob den Kegen Uber (len Wein zu sprechen und das Pcssachfcst nb/.nhaltcn, wie es sieh gehört. Aber betrachten wir einmal den Alltag, wenn man das noch nicht gargekochte Es• en nufwärinen soll, wenn man auf einem verwahrlosten Sofa Platz n״htncn und sich auf dem zer• rissenen Polster ״wie ein König“ niedcrlnsscn 8011! Nicht umsonst sagt der Midrasch; Alle Leiden sind hart, dio des Armen sind um härtesten; wenn die Leiden alle vergehen, wird es wieder, wie es wnr, aber die l eiden des Armen machen seine Augen trüb! Dies sage ich nur, weil Ihr gesagt habt: ,Ich bin nur ein Weih.‘ Dazu noch wurde mir ein arger Husten beschert, der mir den Atem raubt, der mir da»!.eben sauer macht und mich uns der Welt treibt.“ Kaum sprach er* zu Ende, als er zu husten begann. Du sagte Sara- Len zu ihm: ״Rabbi Miehal, steht nicht in der Kälte; *war ist der Winter vorbei, aber di« Külte lmt noch nicht aufgehört; cs Ist besser für Euch, ins llnus hcrcinzugohcn und nicht nnf der Gasse zu stehen,“ Miehal zog seinen Nacken ein; er trat ein und fand ein« schöne Wohnung vor sich, schöne Polster zum Sitzen; ein Tisch voll silberner Geräte slnnd in der Mille, darauf ciao Flasche mit Wein; in den Leuchtern brannten viele Lichter, nus jedem Winkel glänzte Feicrtng. Dn sagte er, um dns Haus zu rühmen; ״Wie schön ist dieser Ort, um den sich Frauenbünde gcmilht halicn.“ Sogleich sprang Sarn-Lcn herzu und zeigte ihm den ganzen Tisch. Da lagen die Mazza und dns Rittci'krnut, die Sellerie und die Fruchttunkc, die F.icr, der Flügel, Fleisch, Fisch, eine ganz feile Pastete und eine weinroto Rühcnsuppc. Und sic sagte zu Michnl: ״Wer braucht diesen Sedcr? Ich selbst werde ja sofort in ein fi'entde» llnus verschlagen; «her es war mir schwer zu vergessen, daß ich eine Hausfrau war und so bereitete ich für mich «Bein Pcssnch vor, •wio wenn mein Manu mich lebte und wir zusammen den Sedcr nbliieltcn, wie die anderen Menschen.“ Michnl ward cs warm ums Herz und er wollte etwas sagen, nber der Ärgerliche Husten überlicl ihn. ,Snra-I.cn richlele ihr« Augen auf Michnl und sagte; ״Nehmt nicht zu viel Bitterkraut und eßl keine scharten Sachen, Ihr hustet jn, Rabbi Miehal. Wißt Ihr, was Ihr brauchet? Ein süßes Glas Te« brauchtet Ihr. Aber wer sollte F.uch was War mos in Euren Ilausc machen? Wartet eine Weile, ich will F.uch den Tee• k״ •sei nu!steilen.“ Und noch bevor sic es ausgesprochen hatte, seiilug si« sich auf den Mund: ״Wie ist doch mein Gehirn nu.sgetrocknct, wie konnte ich vergessen, dnß man zuvor den Segen sprcchon muß? Vielleicht möchtet Ihr hier den Seiler nblmltcn?“ •— Und dn der Gedanke also in Worte übergegangen war, wiederholt« sie ihren Vorschlag: ״Vielleicht möchtet Ihr hier Scdcr halten?“ — Michnl snh die Güte der Hausfrau; er konnte sich' nicht rühren, so, als wären »ein« Glieder fentgcnngell an dem Ort, wo er sich befand. Er fing zu stammeln an und schluckte die Antwort herunter, Sara• Lea stnnil aut und richtete das Fcstlugcr, wio sie cs zu tun pflegte in den Jahren, da ihr Mann noch lebte. Miehal legte seine Bcfhnusschlflssel hin. Er schaute ■uf all die weißen Polster, mit denen Sarn-Lcn dn« Festlagcr gerichtet hatte, nls lüge ein besonderer Schimmer darauf. Hnld ließ er sich auf ihnen nieder und ersehnte in Gedanke״, sie möchte ihn nochmals lullen, daß er bei ihr den Scder halte. Al» sie ihm dns nnsah, slnnd sic auf und füllto den Becher. Er aber richtete einen Blick auf den Wein und einen nndoren auf die Geräto des Jltuiscs und dnehte bei »ich: Wie schön ist diese» Heim, um das sich Frauenbünde mübenl — Schon befand sich der Itcclicr in »einer lfnnd. Sein• Lippen begannen sich von seihst zu bewegen und er sprucl» den Segen Ober dem Wein. Sara-Lca tat einen Freudenscufzor, ihr Angesicht strahlte gar »ehr, die Kleider schwell* ten sich ihr auf dem Leihe wie einem Menschen, der Freud# erlebt und sie diulite hei sich: Wie schön ist die Stimm« eines Juden, wenn er heilige Worte spricht! Bald holle si# ihm einen Eimer. Er wusch seine Hände, nnlun ein Blntt vom Grünen, tauchte cs ins Snlzwnsser, teilte eine Mazza in zwei Stücke, wickelte die lililft« in ein 'Euch und verbarg ea unter der« Polster für den Nachtisch, or hob die Sedcr• Schüssel und sprach: ״Das ist das Brot des Elends, das g«• gossen Imhcn unscro Väter. ., Sara-Lca wnr über sich selbst erstaunt und dacht* bei sieb: Vor einer Stunde noch wallte ich fortgehen und nun sitze Ich doch in meinem Hause! L'nd sie betrachtet« Miehal• Hände, wie geübt sie in den heiligen Dingen sind. Ihr Ge• sicht errötete; vor Scham schlug sie dio Augen nieder, pan Wasser kam, 0«rltiacht das, Fetter 1 ■ י < Dar Ochse kam und trank das Wasser! ■ Holzschnitte von Hermann Fechenbach י^ייויף^***ו I \ ' Y' Der Schlachter kam und schlachtete den Ochsen Do kam der Todesmgel und tutete den Schlächter , Doch der Heilige, gelobt sei er, uoch der Heilige, gelobt sei wird den Todesengel vernichten

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