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Jüdische Rundschau · 1934-03-28 · Heft 25-26 (28.3.1934) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 25-26 (28.3.1934)
Date
1934-03-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25/26, 28. III. Ein Sporifilm in Berlin Die Amerikaner haben 111 den letzten Jahren einige ghinzciide^ Filme f1cra11Kgel>racl1L Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dall Hollywood im wesentlichen /um Ruin des Hiiminen Films |K*i|«L*1r,1g011 hat mul der jimrrik,mische Tonfilm unter denselben iiiigiiiistigcn Ivintstlerisdien Erscheinungen leidet, wie der stmnnie. Amerika hat den Film vom Lehen entfeint mul ein /weites, künstliches Felsen produziert, das gefilmt wird, das aller eben in sich seihst nichtig ist, so dal! es keine Harke Kunst liervorhrinpfcn kann. Unter dem Finfhili der Weltkrise ist es aber doch wesentlich besser geworden; der amerikanische Film hat begonnen, lebensnah zu werden. Dies muß man voraussehicken, mn den Wert des Max Baer-Filins: ״Miinner mn eine Frau“ zu verstehen, der im Berliner ,,Capitol“ läuft, denn auch in diesem Film haben die Amerikaner soviel Distanz zu ihrem Amerikanismus ge- Wonnen, dall sie ihn au diil/cmlcii Stellen dein Spott und Vergiüigeii iles Publikums aiisliefern. Diese Art, sich selbst leicht und unbeschwert zu nehmen, ist cs auch, die diesen Film so kurzweilig, angenehm, bcschwingt macht. I: i!1 Film, in dem ein Dutzend Sport grölten auf treten — unausdenkbar, welchen Starkitseh man noch vor wenigen Jahren daraus gemacht hätte. Heule spielt sieli alles viel menschlicher ah. Die Sport grollen, die liier auflrcten, spielen nicht anders mit, als wenn der Kameramann der Wochenschau sie;iiifgeuoinmen hätte. Jack Dempsey ist Schiedsrichter, l’rliiio tlarnera hat mit dem amerikanischen Boxer Max llacr, der bekanntlich jüdischer A h s t a m - m 1111 g ist, jenes große M a f c h aiisziiferhten, auf dessen ernste Austragung die Sportwelt wartet. Fin Dutzend Weltineisier jeden Schlags werden dem Publikum gezeigt, um die Stimmung der auf das Match Wartenden zu verbessern — unter denen, die da vorgeführt werden, befindet sich auch der jiidisclie Weltmeister St re gl er L e w i s. Nur einer ist in dein Film etwas anderes phologrsipliier■ler Spiirlsinaiui, mul zwar: Max B a e 1׳ nicht nur als Hehl einer fabelhaften Boxerl,1111־ bahn der Sportshehl des Films, er ist mehr: er spielt eine Rolle, und das kommt schon dadurch zum Ausdruck, daß alle anderen Sportsleute unter ihren wirklichen Namen auftreten, also Camera als Cnriier,־!, während nur Max Baer eine andere Person als im Lehen ist, nämlich der Kellner Steve Morgan, den ein berühmter Manager von der Theke wegholt und zum Weltineisier entwickelt. So hat der Film eigen(lieh zwei verschicdeno 'feile. Fr besteht aus einem Sportsmul natürlich Liebesroman, dessen Hauptrolle Max Baer spielt, und ans einer großen Reihe atemberaubender Boxkämpfe, die Max Baer liefert. Höhepunkt ist das fabelhafte Kampf spiel zwischen Carucra und Baer, Wenn der Film nichts enthielte als die überwältigend komischen Szenen rings um den Ring, wäre er schon den Beifall wert, den er in der ganzen Welt gefunden hat. Was «ms hier am meisten interessiert, die Persönlichkeit von Max llacr, ist, trotz allen glänzenden Nebenfigureil, das Zentrum und mich die Ueberr,!schling des Abends, Man konnte einer solchen Prcisstcllung eines Mannes, der auf einem ganz anderen Gebiet Großes leistet, nicht ohne Bangen cntgegeiischen. Aber siehe da, Baer entpuppt sich als ein Mann von vielen Talenten. Fr sieht nicht wie ein Boxer, sondern wie ein italienischer Tenor aus. Seine phantastische Figur trägt einen Kopf, dessen Züge Kultur und Weisheit verraten. Da er einen ganzen Roman zu spielen hat, muß er wirklich Schauspieler sein — und er ist es. Fr hat keine großen ״Szenen“, aber sehr viele Situationen zu spielen, die Sehmer/, I hinior, Verzweiflung und Siegesglück aiisdriicken sollen. Und Baer drückt das alles aus. Fr spricht, singt, tanzt und spielt mit einer Natürlichkeit, die angeboren ist. Auch wem! der erste Schauspieler dieses Films kein berühmter Boxer wäre, wäre er ein glänzender Filmschauspicicr. X. R, als ein r ist Die ״Times“ vom 22, März veröffentlichen zwei große P a I ä s t i 11 a b i I d er, die vom Flugzeug aus aiifgeuoinmen sind. Das eine Bild gibt einen IJcberbliek über die Gegend von Jericho über «las Gebirge von Juda bis ans Mittelnieer. Das andere Bild zeigt das Jordantal in seiner ganzen Läiigsaiisdclinung, New York, 25־. März. (J.T.A.) Am 22. März fand in New York eine große Versammlung stall, in der die Erölfmmg der vom amerikanischen Judentum einheitlich durchgeführten Aktion zur A 11 f b r i ״ g 1111 g von drei Millionen Dollar für das 111!!«werk z 11 g 1111 s t e 11 deutscher Juden proklamiert wurde, tu der Verdammlung wurde mitgoU'ilt, d.ill der I lirenvorsil/ciide des American Joint Distrilmtioii Committee, Felix M. War bürg, die Leittmp der Aktion übernommen hat. Der überkoiniitlssnr für das Hilfswerk für Auswanderer aus Deutschland, James G. Mac Donald, hielt eine Anspräche, in der er seine Befriedigung dariiher zmn Ausdruck brachte, daß ein gemeinsames Vorgehen aller jüdischen Gruppen Amerikas liei der I lilfsaklion zustande gekommen ist. Die großzügige Art, in der die amerikanischen Juden aut den an sic ergangenen Appell geantwortet hätten, werde das Auswandererhilfswcrk ungemein erleichtern. Die dein American Pulesfinc Campaign ziigctcilten Mittel werden zur Durchführung des von dem unter Leitung Dr. Chain! Wci/manns stehenden Zcntralhüros lür die Ansiedhing deutscher Juden in Palästina seinerzeit aiifgcstclltcii Prograiiims, sowie für die Deckung des normalen Budgets des Keren Itajcssmt verwendet werden, lene Gelder, die dem Joint Distribution Committee zugeteiit werden, sind dazu bestimmt, die Fortsetzung der Hills- und Wicdcrmifbatiarbeit zu ermöglichen, die das Committee gemeinsam mit den jiidischen Wohh'ahrtsverhäiiden in Deutscliland und den flilfskomiiccs in verschiedenen!.ändern durchführt, außerdem soll ans diesen Mitteln die Fortführung der normalen Hilfsarbeit des Joint /Mgimstcn der Juden Ost- und Mitteleuropas bcstritten werden. Die Jcwisli Agency for Palcstinc und das Joint Distribution Oommitlee werden ihre Kooperation mit dem vom Völkerbund eingesetzten Olicrkoiumissar für Aus- Wanderer für■sorge, James G. MacDmiald, weiter aufrechterhallen. Fheiiso wild von hehlen ()igiiiilsalloneii die Zusainmcnarbeit mit dem Central British Fund für deutsche Juden fortgesetzt werden. Fs wurde Uehcrcinstimni'mg darüber ei zielt, daf! von den zunächst gesammelten Beträgen je '?30 000 Dollar dem American Palcstinc Campaign für die Palästina-Arbeit der Jcwish Agency und dem Joint Distribution Committee für die Durchführung seines normalen Arbeitsprogramms zur Verfügung gestellt werden sollen. Sodann sollen je weitere 2501100 Dollar den beiden Organisatiofien zur Erfüllung früher übernommener Verpflichtungen zugeteiit werden. Erlliliuing der zweiten Sammclkampagne in England London, 22. März. (J.T.A.) Am 27. März wird in London unter dem Vorsitz Anthony de Rothschilds eine Konferenz, statt finden, auf der der Beginn einer zweiten groItcn Sammelaktion der englischen Judenheit für das Hilfswerk zugunsten deutscher Juden proklamiert werden soll. Ansprachen werden u. a. der ehemalige Vizekönig von Indien und britische Außenminister Lord Rcading und der Vorsitzende der Zutcihingskommission des Central British Fund und frühere Vorsitzende des Board of Deputics, Sir Osmond d’Avigdor Cioldsniid, halten. Anläßlich der bevorstehenden Tagung veröffentlicht der Central Briiisli Fund einen umfassenden Bericht über die bisherige llilfsnrbeit zugunsten deutscher Juden. Die jüdischen Gemeinschaften aller Länder hätten ihre Pflicht erkannt. Die im Mai BJ35־ eingeleitete Aktion habe Ins zum 28. Februar 193*1 eine Gesamtsumme von 203 823 Pfund erbracht. Von der Arbeit in PnlSstina wird gesagt, daß sie den erfolgreichsten Teil des Werkes zum Wiederaufbau der Existenz deutscher Juden darstellt. Nach Palästina dürften 1033 vermutlich nicht weniger als 9000 deutsche Juden ein* gewandert sein. Zu Beginn ihrer Arbeit trafen bei der Zutcihingskommission Berichte über starkes Bedürfnis nach vermehrten Wohngclegenhciten ein, Deshalb wurde ein Betrag von 30 000 Pfund für die Errichtung von Wohnhäusern in den landwirtschaftlichen Siedlungen zur Unterbringung deutscher Juden bcrcitgestelit. Weitere 21000 Pfund wurden für landwirtschaftliche und industrielle Schulung derjeuigen Ncuclnwandcrcr zur Verfügung gestellt die ״ich 1 früher her an körperliche Arbeit gewohnt waren 1״ IC<1 betracht der besonderen Bedeutung der Hilfe fur'! ״A11‘ liehe und Kinder wurde zur Ermöglichung der Unterlid11.’״^' von Kinde rti aus Deutschland gemeinsam mit Hem A1"'״,״’ Joint Distribution Conumttce dein Kimlcrdorf Bc״ 'v!,;1:l ein Beitrag von 2000 Pfund zugeteiit. Besondere A11f״ieru״Uli keit widmete tlic /uUilungskomrttission mich der V f1’" klingling junger F ra neu und Mädchen; nid der Wi/o wurde Vorsorge (ur die Erweitern״״ I"‘ bestellenden Wi/o-ln ,litiitioiien in Palästina ertrulj,.,,. , durch wurde die Neuaulnalimc von 0-17 imiueii Madch'rn *' die I.clirheline der Wi/o, wo sie Ausbildung jn 11 ,..״' ,"־ und Landwirtschaft erfahren, ermöglicht. Zu diesem *7J'1!1 wurden der Wi/o 12322 Pfund zugeteiit; davon bemu 860 Pfund Neiiinvestitioncn; diese Teilsummc soll ן British Central Fund spater rüekrrstattct werden )>״• g britischen Universität wurde ein Beitrag v״״ v״ Pfund zur Ermöglichung der Anstellung von D,ve״)cn , Deutschland gewahrt, dem Technikum und der I landeksd, lf In Haifa ein Betrag von 1750 Pfund zur Lrmögliclnm״ i! Anstellung einiger Lehrkräfte aus Deutschland und d״ p rlchtung abgekürzter Kurse in technischen und Iianeh-u' fächern. Jüdisches Leben in Griechenland Saloniki, den 15. März. Das heutige Griechenland birgt ein hochinteressantes af,״ dem Judentum draußen fast völlig unbekanntes jüdisch״ Lehen — lind dies, obwohl früher einmal die griechisch« Gemeinden, vor allem Saloniki, das den Ehrennamen Jrr,. Salem der Gallith“ trug, einen glänzenden Ruf als Mitb-lmi/u rahbinischer Ktillur genossen. In Mazedonien und Kreta ״י״ן■ berühmte J c s c 11 i w o 111 Jahrhunderte hindurch I chrcr I״] Schiller aus allen sepliardisclieii und selbst;!«schkei!asi%H• r Lämlein an, und es gal), fast zur gleichen Zeit wie in Vcii«!, ' berühmte hebräische 1> r u c k c r c i e 11, deren Ausgabe^ von Kennen! hochgeschätzt werden, in Saloniki birgt der alle jüdische Friedhof unter seinen Zeluitauscmk-n von Gräbern auch die Gebeine vieler historischer Persönlichkeiten. Aber jetzt sind diese Gemeinden seit mehr als 130 Jahren last in völlige Vergessenheit geraten, nachdem ihr geistiges Leben sehr stark nachgelassen hatte. Heute zerfällt die griechische Jmleiilieit in zwei Grupp״!: die Gemeinden des alten Griechenland, in denen!״״ Griechisch oder, wie in Korfu, ein jüdisch-italienisches Ge■ misch spricht, und die der neu erworbenen Provinzen, in denen s p a n i o 1 i s c 11 gesprochen wird. Diese Gemeinden sind weitaus wichtiger, befindet sich doch unter ihnen die Gemeinde Saloniki mit ihren 60 IKK) Seelen. Durch die griechische Herrschaft ist Saloniki dem Schicksal des türkischen Judentums entgangen, das zum allmählichen Vtrscliwimlen verurteilt scheint. Heule ist Saloniki, als Mitte!• puukt der scphardischcn Welt, an die Stelle Konsl.uitinnpd! getreten; hier haben sich alle Worte des scphardischcn Juden• tums am besten erhalten, mul den Bedrängnissen aller Art zum Trotz besitzt heute das jüdische Leben Salonikis eint anderwärts nur selten erreichte Lebendigkeit, die eile Bcwim• derung der fremden Beobachter erregt. Der Zionismus hat hier feste und dauerhafte Stützpunkte; die hiesigen Führet der Bewegung sind zumeist orthodox. Die Spraelienfragc trägt viel zu unserer Isolierung van der übrigen Judcnhcit hei. In einer griechischen Umgehung iehe!J, als besondere eigene Sprache das Spaniolisclic pflegend, ist man nicht imstande, mit den jüdischen Massen in läilduig zt! treten, die Jiddisch, Deutsrli oder Englisch sprcchni. Aber der Beitrag der sephardischen Welt zu den geistigen Werten der Judcnhcit ist ja hingst noch nicht beendet, und das Hebräische und der Einfluß Palästinas sind die Bande, die die Verbindung zwischen Aschkctmim und Scphardim wieder!!erstellen werden. Augenblicklich wird in Griechenland zwischen Assirnifin• ten und Zionisten die Frage diskutiert, ob die Juden eine Minorität seien. Eigentlich kann man in Griechen• land von einer assimilatorischen Bewegung kaum sprechen, denn der Zionismus hat die Massen seit dreißig Jahren סן wonnen. Aber kleine Kreise hangen auch heute noch 4er Assimilation an. C׳J• lüySUüiil ProuB.-Stldd. u. sämtl. sonst. Loso Nouostraßo 14. Bottdeckon / Stores Fensterdekoratlonon durch («chfcund, Dsriiemtng •״Die GardGnc» Kurl Frlodrioh Cl/eUky Din r>prv'dH’irmn für!.pnr׳,,tm« KAufnr gfttjunQbnr d«m IWIlmir H.ithmtR Königntroflo 55, 1 Troppo E« fcifuft sich put \ח dl«sor El.tg» Dekorationen Polstcrarb eiten •pcz. Couchci O. KRÖN FELD LuriwSjtklrrltalr. 9 n. <1, PhlamUtr. J 2 Oliva 5119 * Milplui jütl, Hnmlwerlt. BricEumscfilsgfabrik BACK & CO., G.m.ta.H. Hrritfillunjf v. Br!«fum9<J1ln£*׳n *!Irr Art unwie V*r»nnHin«Hhrn mit u. »Im•• Drurk. 0p•«• l renst«r'ßrleft1ntftchl«|{fl Berlin S 42, Prinzenstraßo 34 F 1 MorlUpUtt 51S4-SI55 Kfinftte •Dglim bf und deutsch« Stoff«. Krit* Vertu!»«•itune־ *u •oÜder» Preisen. BENNOFEIWEL Bin.C25, Prenzlauer Str.22.1• J liorol,3470 Auf Wunsch kommt Zuschn. *. Mnßnchmen Grames Lager •Hmtl, Politnfmöbel au ft eigen. Werfcfti.it! 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