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Jüdische Rundschau · 1934-03-16 · Heft 22 (16.3.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 22 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 16. II Die ״Asciiaffenburgcr Zeitung“ vom 9. März ven'iffcntlicht lt. ״Frankfurter Zeitung" vom 13, Marz unter der Ueherschrift ״Die Tat der Gemeinschaft gilt dem Aufbau. Frühjahrsoffensive des deutschen Handwerks, Gewerbes und Eiu/cllianilcls״ einen Aufruf der N S* 11 n g n ■ 1< r 0 i s - a m t s I c i 11111 g A!1 c 11 a f f c 111» 11 r g. Der Aufruf bringt zur Kenntnis, dali auf,ältlich des Beginns der zweiten׳ Artieitsschtnclit vom 23. März bis 7. April eine Werbeaktion stattfinden soll, deren Durchführung der NS-Hngo obliegt, Jedes deutsche Geschäft, jeder deutsche Handwerker, jedes deutsche Unternehmen habe an diesen Tagen die von der NS-I lago hcrausgcgcbencn Plakate an Giebeln und in Schaufenstern zum Aushang zu bringen, wenn es sich nicht gefallen lassen wolle, als Saboteur der Offensive des deutschen Mittel- Standes angesehen zu werden oder al» jüdisches U11 ternchmcn zu gelten. Kein jüdisches Geschüft habe das Recht, zum Einkauf für das heilige Osterfest, zur Kommunion oder Konfirrnation in Wort und Schrift zu werben. In Fragebogen an die deutschen Hausfrauen würden diese um die Gründe gefragt werden, weshalb sie noch in Waren- Häusern, jüdischen Geschäften usw. kauften. Dadurch werde es ermöglicht werden, diesem unverständlichen Tun eines groben Teils deutscher Hausfrauen Einhalt zu gebieten. Im ganzen Kreisamtsgchict der NS-Hngo würden Aufklürimgsversammlungcii für die deutsche Hausfrau stattfinden. Die gesamte Presse, die Kinos, der Rundfunk usw. würden in den Dienst der Propaganda gestellt. Auch die Hitlerjugend und der BDM würden in die Propaganda!ätigkeit eingeschaltet. Diese würden auf den belebtesten Plätzen in den Haupt geschäftsstiindcn Sprcchchorc bilden, in denen zum Ausdruck gebracht werde, daß Einkauf־׳ nur beim deutschen Einzelhändler, Handel und Gewerbe getätigt werden .sollten. Hierzu bemerkt die ״Frankfurter Zeitung": ״Per von der א S-11;igo.Krcb.'mitstciuing Asebaffenburg veriiffcntlirlitc Plan soll, wie cs scheint, eine örtliche Ausiiihrungsvorschrift fiir die im ganzen Reich vorgesehen,,! l’ropuga״da-Aktion darstellen. Wahrend die Verlautbarung des Deutschen Nachrichtenbüros als Sinn der Aktion eine Stärkung des Leistungsprinlipa hervortretru läßt, Irelen in dem Aichaffcnburgcf Aufrut vor allem Kasse ngeiichis punkte hervor, gegen deren einfacha Uebertrngung aut da« Gebiet der freien Wirtschaft sich zttletzt wieder Reielisinnenministe-r Fr ick ausgesprochen bat, nachdem früher das Reichsw iitsrliaftsministorium und andere Regierung«• *teilen sich in gleichem Sinne wiederholt geäußert haben.“ Die Firmenzusätzc ״deutsch" und ״national" Die ״Essener N a t i o n a 1 Z e! t u n g" beschäftigte sich unlängst mit der Frage der Finnenzusätze ״deutsch" und ,,national" und sagt hierzu u. a., es bedeute geradezu eine ,,Verunglimpfung des Deutschtums durch die Juden und i 11 r c Strohmänner, wenn die Gleich- Schaltung mit einer F t r m c 11 ii 11 d e r u 11 g o tl c r Neugründung verbunden werde, bei der das Unternehmen den Titel ״d e u t s c 11 e s" oder 11״ a - tionalcs" Geschäft erhalte. Diese Bezeichnung, von gleicligeschaltctcn Konzernen zur besseren Tarnung ihrer wirklichen Einstellung gebraucht, um unter dem neuen Titel nibglichst׳ viel vom deutschen Volksvcrmügen zu erraffen, sei eine ,,Erfindung imdeutschcn Geistes auf dem Gebiete marktschreierischcr Reklame". Deutsch sei in den vergangenen 14 Jahren ״beinahe so etwas wie ein jüdischer Vorname“ geworden. Wenn eine neu auftauchende Handelsfirma sich mit dein Zusatz ״deutsch•' oder ״national" schmückte, so habe man mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit annehmen können, daß es sich um eine Tarnung handele. Arierparagraph in der Wehrmacht Nach Vortrag beim Herrn Reichspräsidenten hat der R c i c 11 s w c 11 r tn i 11 i s t c r verfügt, daß die Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. 4. 33 § 3 (Arierparagraph) sinngemäß Amvendüng aut die Offiziere, Deckoffizicre, Unteroffiziere und Mannschäften der Wehrmacht finden. Die Durchführung der Verfügung wird bis zutn 31. Mai 1934 beendet sein. Schulbesuch jüdischer Kinder Der Reiciisministcr des Innern hat au die Unterrichts- Verwaltungen der Länder einen Erlaß über den Schulbesuch jüdischer und adventistischcr Kinder gerichtet, ln diesem Erlaß heißt es: ״Unter Bezugnahme auf die Verhandlungen des Aus- Schusses׳ für das Unterrichtswesen am 17. November v. J. ersuche ich, für den Schulbesuch jüdischer und advcnlistischer Kinder an den Feiertagen und am Sonnabend folgende einheitliche Regelung durchzuführen: Die jüdischen Schüler können am Neujahr 2 Tage, am Versöhmmgsfest 1 Tag, am Lau 1ו1ו üf len fest 2 Tage, am Beschlußfest 2 Tage, am Passnhfcst die 2 ersten und die 2 letzten Tage und am Plingstfest 2 Tage dem Unterricht fernblcibcn. ... .^n den gewö hn liehen Sonnabenden können die jüdischen und adventistischen Schüler auf Ansuchen der Erzicliungsberechtigten ganz oder für die Stunde des Gottesdicnstes vom Schulunterricht befreit werden. Wer hiervon keinen Gebrauch macht, muß am gesamten lehrplanmäßigcn Untenicht, ancti im Zeichnen, Schreiben, Handarbeit und Werkunterricht teilnelmien. Für die aus derartigen Versäummssen entstehenden Folgen kann die Schule keine Verant- Wortung übernehmen." Ein Fehlurteil über Palästina Die ״Wiesbadener Zeitung“ vom 11. 3. berichtet über einen Vortrag von Dr. Rein eck über die judenfrage, den dieser im Rahmen eines ärztlichen Forthitdungskursus hielt. Der Referent äußerte sich dabei über den Zionismus folgendermaßen: Der Plan, die Juden auf« neue staatlich in Palästina zu org.v *liTcrcn, sei gescheitert, das gaben selbst die Zionisten zu, denn die jüdischen Kolonien in Pitliisüna seien nicht lebensfähig. Die armen, aus ihrer Heimat der Juden wegen verdrängten Fellachen seien die Todicinde der Juden, und es würde heute kein Jude in Palästina mehr leiten, wenn nielit die englischen Maschinengewehre und neuerdings auch die Bombengeschwader England» die jüdischen Kolonien schützten. Uns _ scheint, daß diese Ausführungen gerade heute in einer Zeit der stürmischen Vorwärtsentwicklung des jüdischen Aufbauwerks in Palästina besonders leicht korrigierbar sind: es wäre gewiß wünschenswert, daß in allen Kreisen eine den Tatsachen gcrechtwcrdende Beurteilung der Vorgänge in Palästina sich durchsetzte. s Die ״Frankfurter Zeitung■* vom 13. 3. meldet aus Darm• Stadt, daß das Ehepaar Ernst aus Herrnsheim bei Worms, das seine Zugehörigkeit zur NSDAP zu Schwindeleien 111115• braucht hat, flieh vor dem Somlergerieht zuverantworten halte. Von den Iieiden Angeklagten, die iti/wisdien aus der Pariei a11«re«chl״s׳.en sind, war der Mann »eil PHI Mitglied tim! zulel/i Zell etil elfer, seine Frau Ortsgnippeiilcitcrin der I'rauniMliaft. Ungeachtet ihrer Einstellung unterhielt sic mit einem jüdischen Kaufmann in Worms du Verhültuis. Dabei versuchte sie den Kaufmann durch Erzählung von (ireiieliiiärchcn — besonders über M a () 11 a 11 m c 11 gegen Nichtarier — cinzuschiiclitcrn und in Abhängigkeit von «ich zu halten. Das Paar versprach dann den Kaufmann gegen angeblich drohende Vcriiiögrnsvcrlnste zu schützen, und erbot sieh, ihm sogar nötigenfalls Gehl über die Grenze zu schmuggeln. Von dem Rechtsanwalt des Kaufmanns wurde die Polizei verständigt, auf deren Anweisung hin eine nochmalige Aussprache mit den! Paar statt fand, die aber von einem Kriminalbeamten heimlich überwacht wurde. Dabei tischte die Frau wieder Greuellügen auf und behauptete schließlich, sic müsse, um das Vermögen des Kaufmanns retten zu können, dem Polizeidirekter ״auch etwas geben*', denn umsonst tue ׳ er das nicht. In Wirklichkeit kannte die Frau den Polizeidirektor nicht einmal. Schließlich verließ die Frau mit einem Scheck über 1500 Mark das Zimmer, vor dem sie der überwachende Polizeibeamfc gleich in Empfang nahm. Mit der Lüge, sie habe den jüdischen Kaufmann nur ,,ausspionieren" wollen, schadete die Angeklagte sich vor Gericht seihst und der Staatsanwalt erklärte, man müsse mit einer drakonischen Strafe zeigen, daß anständige J11 - den in Deutschland jederzeit vor solch «11• s c h e 11! i c 11 e n Schmarotzern g c 8 eh ti t /1 würde n. Das Gericht verurteilte die Frau zu V! Jahren Zuchthaus 1111(1 den Mann, den man als Werkzeug der Frau betrachtete, zu einem Jahr Zuchthaus und Aberkennung der bürgerliehen Ehrenrechte bei beiden auf fünf Jahre. Der Gemeinderat des Nordseebades Westerland hat lt. ״Frankf. Ztg.“ vom 15. 3. einmütig zum Ausdruck gebracht, daß Juden als Badegäste in Westerland nicht erwünscht seien. LEISTUNGEN DES KKL seit April 1933 für (Üdischo Jugend aus Deutschland et Kiiidar- und Jua*nd. All|aht £ D«f V«r«tn ״AHAWA" Berlin •rhlell )5 Dunam Im Emalt Stbvlon für!nln• Zögling» und Ab»olv«nt»n (Fortbildung tn lendwlrt■ ithall und Handwork j. Von den eriten 350Kindern d«r״Jusend.Zerllflkate*' §!nd fern•! 63 In En Charod auf KKL-Bod«n unlergobroch! ward»». In an• deren Koionion eniiprochond« Vorb«r»lfung»n. Von lugondlichan Einwanderern ilnd gegenwärtig 1800 In Hoch-!charah, davon 300 auf KKl-B4d«n Im Bmek Jeirtel, Mllfslitand•-Jugend 1 Q Für eine große Zahl von Einwanderern lm Alter von 18—30 Jahren mit olgenen Mitteln xwiidien 500 —1000 £ wird di» Einfügung in boitohende Siedlungen, wieder haupltädtlich auf (CKl-Boden im Emok, gegenwärtig organisiert. ® Nau• Pltinai 0 Eine Reihe von Projekten größeren Umfange» hängt mit neuen Bodenorwerbungen, die Im Gange »tnd, lutammen. 01• Zuteilung weiterer Bddsn, worüber idion beraten wird, wird von d»r Groß• d»r Mittel obhängan, welch• dem KKL luflleßtn werden. Euer Opfer macht das Land unserer Väter *um Land unterer Kinderl n. w Am 18. März 11,1 lt c Felix Perl cs in Kuium,, 60. Lebensjahr vollendet. Vor wenigen Monaten ׳’j'st' U11« geschieden. In seiner Bescheidenheit hatte cr ,er. '׳ Narhrut verbeten, aber es verstoßt wohl nicht gi'״/" |f Willen, wenn ich Beute von unseren gcmciiisan1 ״.״" tlisscu erzähle. Als Perl cs starb, w׳t Kleine Nachrichten Wir berid1tetc.il bereits in unserer Ausgabe vom 13. März darüber, dali für den F ü 11 r e r ein ca Wirtschafts• bet rieh cs der Arierparagraph nicht bestelle. Inzwischen hat der Reichs,•irbcitsinmistcr die Zweite Verordnung zur Durchführung des Gcscl/es zur Ordnung der nationalen Arbeit bcknimtgegcbeii. Da die erforderlichen Vorschriften über den Führer des Betriebes bereits im Gesetz selbst getroffen sind, ist, wie mitgctcilt wird, von der Aufstellung besonderer Voraussetzungen dabei auch hinsichtlich der Staatsangchörig• keit und Rassen Zugehörigkeit abgesehen worden. Audi nicht,arische Unternehmer können daher Führer des Betriebes sein. Das entspricht den wiederholten Verlaut• barutigen der Rcidisregierung, nach denen die Bestimmungen des Gesetzes über das Berufsbeamtentum für das Gebiet der Wirtschaft keine Anwendung finden. Wie der ״Bau-Kurier" mittcilt, müssen in Zukunft samt• liehe Bauunternehmer in Kassel, die sich an *iffentliehen Ausschreibungen beteiligen wollen, Nachweis Ihrer ari• rischen Abstammung beibringe». Der ״Mainzer Anzeiger“ berichtet, daß sich Ende vergangener Woche vor dem Standesamt in Mainz eine erregte Menschenmenge gesammelt habc( als ein Nichtarier Alfred S. aus Kastei und die? Arbeiterin Elisabeth D. aus Mainz sielt trauen lassen wollten. Die Demonstration gegen diese Heirat habe so bedrohliche Formen angenommen. daß das Ucberfallkommando beide habe in Schutzhaft nehmen müssen. Seiitiv >D der g. ״neiitj:,,. t lause t חי!«•׳:! .gcilulj ״'R d: Vor dem Hauptverfahren Im Ariosorolf ״ Mor dprozeft J c r u s a I c m,!2. Mürz, (J. T. A.) Es wird erwartet, daß bereits in den nächsten Tagen das llauptvcrfahren im Arlosoroff-Mordprozcß eröffnet werden wird, Abraham Stavsky, Zwi Rosenhlatt und Abba Achi Mcir, gegen die auf Grund der Entscheidung des obersten Polizeirichters die Anklage wegen Mordes erhoben worden ist, sind aus Jaffa nach dem Gefängnis von Jerusatcm gcbracht worden. Der Prozeß wird von dem rangältesten Strafrichter des Obersten Gerichtshofs Palästinas, Justicc Corrie, geleitet werden. Wegen ״Mißachtung des Gerichts" hat der Oberste Oerichtsliol in Jerusalem gegen die Tageszeitung ״Dawar" ein Strnimamlat auf 50 Pfund, gegen die Herausgeber der Sonderausgaben ״Misclipatiin" und ״Bnschaar" sowie gegen die revisionistische Halbmonatsschrift ״Chasith Ha am" Strafmandate von je 5 Pfund erlassen. Gegen die genannten Zeitungen war die Anklage im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Arlosornff-Mordpnzcß, insbesondere wegen ihrer Meldungen über angebliche Zeugenbccinflussuiig durch Bestechung erhoben worden. ׳•areii cs beinahe auf den Tac in ,. daß wir uns als junge Studenten in Breslati ke 1 Er trat in das Jüdisch• T 11 1• o I o g i s c h e ein, nachdem er schon vorher einige Semester vrrsitüt München hauptsächlich klassische und Philologie studiert hatte. Fr kam aus den Rabbiners, der wegen seiner vielseitigen gedie! Mtnkeit und literal ist hen 1 ätigkeit hohes An .eh hatte die damals au der Universität Breslau 110■ h vertretene neue Wissenschaft der Assyriologic ״״a seinen l.clirer I lommel auch die Anfänge des f,.־mbabc mus kcnnengelcrnt. Im Hause seiner Eltern war er nnV Reihe angesehener Juden aus allen Ländern bekannt'J den, die das als Kunst• und Fremdeustadt weithin München gern besuchten. Der junge Perles war also du""' endete Weltiiiarin und uns Breslauer Kleinstädtern wcj! legen. Aber cr brachte ein jugendlich warmes Herz g',,17 Bedürfnis nach Anschluß mit, so daß die Ankmipfn״“ einen freundschaftlichen Verkehr rasch gefunden vr>* kam in mancher Beziehung als fertiger Mensch, mit ersten Entwurf seiner bis beute noch in der Wisst־:׳,- anerkannten ״A 11 a 1 c k t c n zur T e x t k ז i t i k ei e s X!>, Testaments" im Koffer; mit wem cr besonders yC.׳•' war, dem las cr gelegentlich Abschnitte aus seinem w! skript vor. Pcrles’ Breslauer Aufenthalt dauerte nur drei Mo: dann wurde er infolge der tödlichen lirkraiilamg seiner V׳!'■ nach Hanse gerufen und kehrte nicht wieder zurück diese kurze Spanne Zeit genügte, 11111 unsere Fremukcfür das ganze Leben zu begründen. Wir blichen imr״: Verbindung, wenn auch das Leben uns zunächst - ״"sc seine Studien in Wien und Paris fort, ich ging ak nach Florenz — weit aiiseinnnderbrachte. Als ich ahtr f: 1902 nach Berlin berufen wurde, wo er vor seiner!!1״:; nach Königsberg eine Zdtlaug gearbeitet und viele Bc/1ri; gen angekniipft hatte, war unsere Verbindung hald w׳,״ eine sehr enge. Narli Berlin kam Perles fast jedes Jahr,«'• wir waren stets freundschaftlich zusammen. Aber wir blick auch das Jahr über ständig in brieflichem Verkehr!:. Gedankenaustausch; wenn wir auch verschiedene (kk; bearbeiteten, -so hatten wir doch viele gemeinsame Restrck gen und das gleiche Ziel. Es war ja eine stürmische 7; das Erscheinen von llarnacks ,,Wesen des Chris*׳• tum.«" und Delitzschs Vorträge über ״Bibel um! Eil׳ hatten eine mächtige Erregung in die deutsche Juiicn;׳, getragen. Pcrles war einer der ersten, der durch seine!,״ peramentvollcii Aufsätze — sie sind meist in seinen 1|״k scheu׳ Skizzen"2) ׳. Auf!. 1920) vereinigt — in die f)e(1r cingriff und die jüdische Anschauung darlegtc. Sei« Ai treten machte mächtigen Eindruck und wurde mit der Ai• laß, daß ein neuer Stil und ein neuer Ton in die jiidiscö Wissenschaft ein/og, daß sie mehr Lebensnahe erhielt.!9■ mals gab cs noch nicht so viel ,,Bewegung“, aber cs hilir: sich ohne Organisation ein Kreis von jüngeren Kamp:• genossen, die alle dasselbe Ziel im Auge hatten, und wnlltcr, daß sic geistig zusaniniengebörten. Pcrles blieb dabei seiner. philologischen Studien treu, insbesondere der i'rforstlnmg du Textes der Bibel, der Apokryphen und Pseudcpignphcn. Freiheit hatten die Versuche, ilm für einen Lehrstuhl der biblischen Wissenschaft zu gewinnen, keinen Ertoij. Unsere Lehranstalt hat sich wiederholt um ilm bemüht, e! ist aber nie geglückt, ihn auch nur zu ernsten Verhandln«:;(:, zu bringen. Zum Teil mag ilm die Abneigung gegen Herb geleitet haben, dessen jüdische Atmosphäre ihm nicht zusagte. Andererseits liebte er Königsberg. Fr liebte sciiics Unterricht, liaite zu .seinen Schülern und Schülerinnen tw starke persönliche Hc/ielumg, freute sich ihres warme« jub sehen Interesses, freute sich ganz, besonders, wenn sie siet der 11 a t i o 11 n I - j ü d i s c h c n B e w e g u 11 g ziiw.u'dtm m: das Hebräische weiter pflegten. F.r liebte das ägeiKirkf Königsberger Milieu, den starken ostjüdischen Einschtig, <1:( feine Verständnis litauischer Maskilim für seine liehriischcn Bestrebungen. Fr ergötzte sieli — auch das darf nicht '׳er• scliwiegen werden am ostjüdischen Wilz, für den rr jederzeit empfänglich war, denn der ernste Mann konnte uw: mochte wie ein Kind lachet!. In Königsberg konnte er iE׳ sammelt und ungestört seine Arbeiten fortsetzen, ausdrntii. ein zweiter, freilich nicht ganz so starker Band der ״An:■ ( Ickten" hervorging. An Königsberg fesselte ihn and' "1:; Freundschaft mit dem ticfreligiösc», von biblischem״Humanis•; mus erfüllten evangelischen Theologen Max I.(ihr, «׳; dann auch Perles’ Ernennung zum Honorarprofessor an flt. Universität (1921) anreglc. Aber schließlich haben wir doch ׳noch einmal neben* einander doziert; 1922 wurden wir beide an das eben «■ öffnete Jcwish Institute of Religion in New Vork ף Gastdozenten berufen. Wir glaubten uns׳ wie ins MärchcniM־* versetzt, als wir nach der Not von Krieg und Inflation au Deutschland binüberkanieii. Insbesondere Perles war <wc alte die schweren Jahre völlig erschöpft und lebte zusmaio wieder auf. Wir standen vor der schwierigen Aufgabe, einer fremden Welt, in einer uns nicht völlig vcrfra“1 Sprache — Perles konnte wohl Shakespeare mul Bvmi wendig, aber die tägliche englische Umgangssprache ״l3S.r ilun nicht geringe .Schwierigkeiten — vorzutragen, au anderen Seite stand die verlockende Möglichkeit, aut größte jüdische Zentrum, das die Welt je gekannt ׳זנוי., wirken, an dem neuen Versuch mit/uarbeiten, die nisch-iüdiscltc Rcformhewcguug durclv Beibringung P°'' 1 irrationaler Elemente zu beleben. Ls war eine scbotic! geregte Zeit, in der wir angestrengt lehrten. Und dann sind wir wieder einmal auf der Rej?* sammengetrofien, 1928 in Basel bei einer Sitzung *,? •vcr. rium« des judaistischcn Instituts der Bin sität Jerusalem. Perle« war kur/ vorher yon , Lehrtätigkeit an der Universität Jerusalem zurtickgeKehf war voll seligster Begeisterung. Er batte seine w. \ Heimat gefunden, batte die Lebendigkeit der hel1r׳m Sprache an der (Juelle keimcngeienit. Er war 11'9״v. |״ <ier Erziehungsarbeit in Palästina, auch von der 0״C'. K,,r/te, Universität; wenngleich es ilm dort ganz besonders sctiin ׳ daß kein ständiger Dozent die Bibel lehrte,^so InffN 1^ujö. I »fr Z«• mlige seine Lehrtätigkeit die Widerstände brechen •■■■ u,,.fl)c, einmal zu dem uiientliehrliclien Lehrstuhl verhelfen Er scliwärmtc für das herrliche Land und den, tr°1 ״J; ,ן( maligen Krise, nicht ruhenden Aufbau; nicht wciul«■ ״ 40 seiner Königsberger Schüler und Schülerinnen;‘.r ן sj״ an den verschiedensten Orten und in den vcrscliict Berufen an dem Aufbau mit, überall fühlte er sich zu : , Es war der tiefste und bcglückeiidste Eindruclr s?'nCtr1i״.(rc« und er hat von dieser Befriedigung gezehrt m den sc Jahren, die folgten. Leiden m der Familie, sein schwere Krankheit haben ihn zermürbt. Er war Sl<־/‘ ,.ü• des Ernstes seines Zustands lange nicht bewußt, in dem glücklichen Optimismus, der ihn geleitet, in allen seinen Arbeiten ׳'־־ ganzes sein ״a«z» l'ba erfüllt hat. Prof. I. Elbogt•־ < I

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