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Jüdische Rundschau · 1934-03-16 · Heft 22 (16.3.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 22 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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)odische Rundschau Seite 5 1-1 c״ S'ill Vf >1! e t«•ןן 'hni rlt 1,.. ihre, Iteii. 11 n r Unisein־ »llt־; ehr- . Ir IH• 111 urvli >»is- 'ilHT Vorimic vo||. I>.-r- <I,K fiir Ir 111־111 11 *ft t 1־ II raut aini- Kit e, 11 cts UmT is.»ft 1־ in :t/tc /nit :11111■ irillg I11111ciltr und .’lun 1111(1 licle butt-?.dt, itnibei'* ilioit (0111- 111lj- 1;1111■ An|- An- 1! tu: Datit'H: npf- (teil, in 111־ des B hl *■״!jr. »•־S 1KC-11 :11 in zu- Inen rint: liili- Sieh »lllll 1 i. e «Ins lu'11 Vt׳rvr Und 1:0• neu ־1*111 die nis- (Irr der icner• als and 1111s ic 11 nds in teil!US- Ute der das /n ka* ,׳er, anzu- ,to-! r - 11er ind :lie 1en ron 1! :1 ׳te, lall ich de. I..S ten je« ,j»e. ns, en!ne ich bte )01 « 1934 .זח •16 ן■««—1■■^ חי ־־׳׳/ 1־־־״-> ך־/ *■ f ן""'" \ * 1 י ■ *f ץ* 1 ^־־■׳ י A••׳. ) ({!ן (!cmiocli ihm! {!cr&de ־־־ die Araber! Von M a x a Harden ft ist unwürdig und dumm, tun Gefahren heriimzuschwei- ,״ Wir sind •',h /,1יי’1״. I״,he11 darin, unrecht mul unklug zu indcln. S.igt nicht: ״Freilich, wenn es unklug ist Das Knrcclit wird doch let/tlidi zu dem Unklugen. Dum nur der ■I!״Gehen, der Lins ist Ins in die feinste Spitze des (ie- '״cik. Man kann diese Spitze nbh,11־1111־, abbiqien? Cilmibt *' nicht. glaubt «ltcl>t. daß das 1 eben bis in den bitteren ח iiitK'in lohn(, wenn nicht im Ringen mit dem Schicksal!'ן zart 1’ und milde Klang dmcligcreftet wird, der noch dem ״L| seihst v eistii mH ich ist. Die l.ebensnot wachst... wer :,״itr cs nicht:■׳ Bestellen wird, der hartnäckig kompromißlos jn 11 eil wenigen einfachen Gruiuidingen. Ls kann, es darf L Biindit geschehen am amtern. Ist die Lrde verteilt in 1,f fjuiiile. in der wir uns sammeln mul siedeln, so müssen jr (1,11־ Zeichen liitinelnneii und damit als Gegebenheit arhei* ist Palästina das Ziel und das arabische Volk lebt dort,!j litiilt cs: Wie können arabische und jüdische Notwendigkeit ,aniionhint werden? Ls gibt Gesetze zwischen den Menschen, ‘jr Juden sind ihnen verpflichtet, und zwar in frageloscm (uhoruui: Das Recht des Nächsten ist da wie yein Recht. Diese letzten Gesetze waren da, ehe wir waren r,jt unser» Sorgen von 10TJ .- sie werden sein, wenn einmal (in p,1!:i tiiiensisclier Knabe in seinem Gcscliichtsbüchlein in tjiicm Absatz, von den Uiiiwäl/.ungeii unseres jüdischen Lebens lese» wird. Lud ist denn die Tntsachc so unerhört und!!»gestaltbar? pntcre jüdische Lage ist mm einmal von ic umibHch, nicht ,vdl wir besser sind, nicht weil wir schlechter sind — sondem Gott gab es so, Gott gibt es noch heute so. — Wie 5,,1;en wir denn aber immer inmitten anderer Völker ein Volk «erden? Ja, wird man denn ein Volk — wird mau denn eine Persönlichkeit auf Fiitschluß? Sollten wir unsere Eigenart nicht kennen, d. 11. nicht tief im Gefühl gebildet haben, so bnn cs doch auch nur ein en Weg gehen; und stünde durch einen Völkerbund morgen ein Land für uns da, gesegnet mit ,#-11 Märchengaheii — es kann ja doch nur das Verunreinigte ■Mitkrt, das Verkrümmte gerade gebogen werden, das Üngeprägte liorvorgeloekt zu eindeutiger Erscheinung — 11ml nur durch sacligegobeiic Aufgaben, die so unwillkürlich wie möglich Mud. Wenn mm Not rin Segen ist, daun dadurch: begegnet nun ihr mit bestem Willen und bester Kraft, so kann man (,11.11t ״man selbst" werden. Das Ist ja das Wundervolle an fjibtiii.i, dafl hier eine konkrete Aulgabe ist, an der man wird. Alu'r eingegrenzt ist unser Lehen heut wie je — fiir lidc von uns nicht mehr durch das gesetzmäliige Leben im Sinn der gesamten Ucberlicfcrung, wohl aber durch die einliclun Urgesetzc. Es gehört zur Wirklichkeit unserer Not, daß wir in kein leeres Land kommen. Wir wollen cs nicht hemif/on, I in0 Zeit sali sich gezwungen, die jüdische Gemeinsdedt geivlig ,111/111׳ iegi'ln. wer Icugncle, (lall das Grolles trachte! I ine Zeit erkannte in der Umwelt Kräfte, die in unserer (iciiirinschnft schwach und unentwickelt waren, und sprang voll _ Liehe und Naivität bis zur Selbstvergessenheit in das Dasein der Umwelt. Die ״Assimilation“ hat es beut schlecht — gerecht ist zu Saigon, (lall sehr lebendige Kräfte da waren — aber blinde, und es nimigcltc an letzter Koitseqiicnz. Gut war. die tiefe Natiirverbmulcnheit und den Willen n;r!»'formten Gestalt, um mir dies zu nennen, am Deutschen 7a liehen — blind war man, wenn man eine L.itcratcnschicht mit dem Volk verwechselte — allzu naiv, sich mit dem andern!0;11 identifizieren, drill man ohne weiteres meinte, kritisieren und reformieren zu können — und ohne letzte Konsequenz, war, sich immer mehr z.n äußerer Aktion hinreißen zu lassen, statt au den großen Eindrücken in der eigenen Stille sich zu entfalten. Wiederum begegnet 11 eut in Palästina der Jude einer M e n s c h c ח g r 11 pp e. — Lassen wir uns gesagt sein: Man schützt sich nicht davor, sich nicht zu verlieren, indem inan nicht «aufsieht. Vielleicht bildet nichts tmiir rlie Eigenart als die Uebung des Schaucns. 1111 Schauen ist die Gleichgewichtslage zwischen Schaffen und Ruhe hererstellt. — Und wenn wir nun nichts wüßten von dem arabisrticn Volk, was sehen wir denn? Wir sehen ein Volk, das Kliön ist. Wir sehen vielleicht die arabische L'raii ihren Kant <101 üng liimmftr,־ugeii; sie steigt, wie die Nacht sinkt. Wir *dien den Hirten regungslos auf dem Karmel stehen Wie man nmst Ithuucn und Tiere sieht, so sehen wir sic — hier ist der Mensch nicht aus der Landschaft lierausgebrochcn, ־ er ist upeh ihr Teil, die Natur bewegt sich noch in ihm mit ihrer üillcn Sicherheit. Der arabische Mensch, der oft Jahrtausende dasselbe tat, hat noch in sich ununterbrochen jene Melodie, die etwas von leibhaftiger Ewigkeit hat. Und wenn an den Mibfgworten etwas damit ist — so ist diese natürliche Ewig- Eit Orient, Lassen wir sic an unser gequältes Herz fassen. — 1;<־r arabische Mensch hat in den Augen den Funken des kimlcs wohl erhalten, den reichen Uehersclmß an kräftigntiteretn Lehensgefühl, — Der Beduine ist ein Stück Urfreiheit, wie rin aufgestoßenes Fenster in den starken Wind. einer «mlcrcn Welt - und die Freiheit ist königlich, nicht weil man •Hrs hat, sondern weil man nichts will. — Der arabische Mensch ist ein Mensch, der mit seiner Empfindlichkeit voll ZU leben vermag. Er ist unerhört sensibel, die Art einer Geste, der Schallen einer Taktlosigkeit berühren Ihn. Um! er hat diese Empfindlichkeit nicht ahgcdrossrlt, nicht lihcrsehrieen, er blieb ein Mann mul ein Held und voll Melodie. Wir sind ebenso empfindlich -- aber wir kommen sehr leicht in Versuchung, wenn wir einmal in unserem Bedürfnis nach Ruhe gestört sinu, nur noch zu schreien, * Jüdische Brüder, vielleicht sagt Ihr empört: Was soll das eiguitlich? Jüdische Brüder, es ist doch wohl genug Zeugnis jüdischer Kraft auf palästinensischem Boden, daß wir 1ms an der Gabe des Nächsten freuen können. Wir leben in einer Zeit, in der Europa ringt um eine Kikkwur/cliing in die Mächte der Natur; das arabische Volk ist diesem Kampf noch enthoben. Wir werden nicht blind in dies Volk die Keime unserer Leider! hineintrnrgen, Wir werden nicht ahnungslos die Hast, die Unruhe, die enge Bewußtheit, die dünne IVejgrilfliehkeil, die erschreckte Grobheit, die Gier nach Gütern imponieren,die wir ja gerade von uns tun wollen. Noch ist das arabische Volk geprägter von Palästina, als wir es sein kommi, -• Die Völker Europas werden sich am kommenden Geschichtslag energisch ungehalten sehen, in der Begegnung mit nichteumpäischcii Völkern ihre Haltung zu ändern. Wir werden nicht die Dinge treiben lassen, um daun Abhandlungen über den Unlergang von Natur und Antike zu schreiben, (tedenken wir nueli immer — mich in Athen liefen nicht in Scharen Sophokles und Plato herum, sondern man muß spüren: Hier ist Volk, in dem ist noch dies und das möglich, was wir vielleicht in Europa kaum noch finden. — Ja, sollen wir Araber werdet!? — Nein, nie wieder wollen wir etwas anderes worden. Unser jüdischer Weg ist viel schwerer. Aufgeschlossen dem, was vor uns steht, das’ was der Fmdruck weckt, in uns seihst ans unserer Lage gestalten. Die Wirklichkeit Palästina schließt ein das arabische Volk. Aber die Wirklichkeit Palästina ist auch unmittelbar zu dem arabischen. Volk. liier liegt die Möglichkeit einer Verstand!• Rung mit ihm. Nie kann man sich einem stolzen Volk nähern mit einem Füllhorn: ״Sieh, was ich bringe.,.‘‘ Und wollen wir denn etwas anderes als leben mit jemandem, der gibt und empfängt, wie wir empfangen und gehen wollen? Das arabische Volk hat von 1ms mehr zu empfangen als einige zivilisatorische Vorteile, wenn die Zusammenarbeit gelingt. Irgend einmal würde das schön Erhaltene in sich bedroht und eingerissen werden. Durch Hunger vielleicht — vielleicht durch das Wort — vielleicht durch irgendeine andere Gewalt. Nur durch die Kunstieistung einer neuen Gestalt, die alte und neue .Elemente in neuer Konstruktion aufbaut, kann das Notwendige und leidenschaftlirh Reizvolle gelingen. Nur durch den Willen zu Palästina, mir durch Araber und Juden kann dies gelingen. — Die Schwierigkeit ist nicht, daß wir Juden dann weniger ״jüdisch“ werden. Sieht nicht, was ich mich sehe, mein Auge, wenn ich noch so ernst sehe, was wirklich ist, Und jüdische Brüder -■ -• wir werden jn wohl nicht sagen, nicht wir können damit au fangen.!׳'Ins kann inan nicht: sieh darauf einlasscn, .danach zu humleln, was für einen Fiudruck irgend etwas auf irueinlwen macht. Da gibt man dem schwachen Menschen zu viel I Irre. Ehrfurcht heißt, daß der Mensch den Menschen ehrt in der Ordnung — ich ehre dich, weil du mir als Mensche׳iihrmlcr zugesellt bist von dem gleichen Herrn... aber nie werde ich handeln aus der Angst vor deiner Melnung. Und wenn wir Angst haben, dann wollen wir sie nbtiin. '— Ich könnlc mir denken, daß die palästinensische Frau die ersten Schritte tut. Meine Kenntnis reicht nicht aus zu wissen, wie weit die arabische Frau nach den Gesetzen ihres Volkes handeln darf. Gut wäre es. Das Land braucht die Frau als Frau. Sie ist naturn,älter, seelcnhnftcr, intuitiver, harmonieverhaftetcr und fornigchundcner als der Mann. Das Land braucht die palästinensische Frau. Nein, schwierig ist etwas anderes: schwierig ist, daß die Mcnschenart, die das!.and, das in einem unerhörten Rohznstand ist, auf/ubaucii imstande ist, nicht geeignet ist, die Dinge so zu scheu, wie sie hier gesehen sind, und das muß mau wissen. Ihr könnt, was ich nicht kann. Ich sehe, was ihr nicht seht. Und da, da eben fängt Politik an. lieber den StruMurcigentiiinlichkcitei! aus allen! allen fruchtbaren Eiementen ein Gebäude zu hauen, Politik ist ein Knecht Gottes. Ein Bauarbeiter, in der blauen Bluse, mit den ruhigen Händen Und den ernsten hellen Augen im Staub von Palästina. * Eine Stimme aus Palästina ln der März-Nummer der Monatsschrift ,,II a s c 11 0 tu er H a / a i r" veröffentlicht Nathan Chofschi, ein Siedler aus Nahalal, Betrachtungen über das Verhältnis von Juden und Arabern. Wir sollen diese Frage in erster Linie nicht als politische, ökonomische oder taktische Frage behandeln, sonderu als eine große menschliche Frage: Wie begegnen Menschen anderen Menschen, ihren Brüden!? Wie begegnet ein leidgeprüftes Volk in dem Augenblick, wo es in seine alt-neue Heimat zuriickUchrt, um sieh zu erneuern, dem Volke, dos seit Jahrhunderten in diesem Lande wohnt und seine Eitle bearbeitet? Was ist der Maßstah, der monschlich-sitt* liehe Maßstab, nach welchem die aus der Gala rückkchrendcn So spricht der Herr: Wenn der Fürst einem seiner Söhne von seinem Grundbesitz ein Geschenk macht, so soll dies seinen Söhnen gehören; cs ist ihr erblieber Grundbesitz, Wenn er über von seinem Grundbesitz einem seiner Diener ein Geschenk macht, so soll es diesem nur bis zum Jahre der Freilassung gehören. Dann aber soll es wieder an den Fürsten zurückfallen; der Grundbesitz seiner Söhne jedoch soll diesen verbleiben. Nidit aber darf der Fürst von dem Grundbesitz des Volks etwas wegnehmen, so dok er sie vergewaltigt; von seinem eigenen Grundbesitz mag er seine Söhne mit Erbgut ousstatten, dab keiner vonmeinemVolk aus seinem Erbbesitz verdrängt werde. Jecheskel Kap. 46, Vers 16/16 Ans der llaftnra für Sonnabend, den 17. März (1. Nimmt, Siimhbitth Pars<hai Haütodcsth) Juden ihr Tun einrichten sollen, in jeder Begegnung und In jedem Zusammentreffen, mit dem Volk, das im Laude wohnt? Wie leben zwei Völker menschlich-brüderlich zusammen? Wie richten sie cs ein, einander als Bruder zu begegnen trotz dem unermeßlichen Mißtrauen, das zwischen ihnen aufgelwiult ist? Wenn wir von diesem Gesichtspunkt aus an die Frage herantreten, dann ist das keine Angelegenheit mehr der großen Politik und ihrer professionellen Vertreter. Nicht von ober! fällt die Entscheidung, sondern von nuten, aus der Tiefe unserer Seelen und unseres Gewissens. Von solchen! Gesichtspunkte aus, wenn wir für das entscheidende Moment das Wie unseres Verhaltens arischen, bekommen alle Fragen über Bodcncrwerh, Pächtcrschut/, jüdische Arbeit, gemischte Gewerkschaften usw. einen anderen Sinn, denn nunmehr ist nicht das politische Moment das Entscheidende, sondern die Art des Verhaltens jedes einzelnen Inder! zu jedem einzelnen Araber. Wenn wir in der Begegnung mit den Arabern an der alten jüdischen Lehre festhalten; ״Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu", dann Italien wir auch dasjenige getan, was auf die Dauer das Praktischste und Realste ist. Denn das einfache arabische Volk, der primitive Mensch wird aus der Art, wie der einzelne Jude sich zu ihm stellt, herausliihlen, daß ihm von den Juden keinerlei Ocfalir droht, und er wird dann viel eher bereit und viel geeigneter sein zu einer wahrhaften Annäherung als die kultivierten Araber, die vom Gift der modernen Zivilisation verdarben sind. Es ist eine betrübende Tatsache, die dringend Acndcrung und Besserung verlangt, daß cs uns seit 50 Jahren in unserer Tätigkeit im Lande nicht gelungen ist, uns Freunde unter der arabischen Masse zu erwerben, daß wir keine Freunde haben unter den Arabern, die in unseren Kolonien arbeiten, daß es zwischen uns, die wir in den jüdischen Dörfern den linden behauen, und. /.wRelicii unseren arabischen Nachbarn, die im iiäcle.tcn arabische» Dorf ihren Boden bebauen, keine einfachen nii'iischlichci! Beziehungen, fern von aller Politik, gibt, wo doch cinc^Smmc .uns heiicscheint und eine Mutier Frde uns ihren Segen gibt .od.cr verweigert. Wir müssen fragen: Was haben wir gctiiii, wieviel haben wir getan, jeder Einzelne für sich, und wir alle zusatnmen als organisierte Gemeinschaft, um Bande der wahren Freundschaft zwischen um» und »lern arabischen Volke zu schaffen, um all die Dinge zu tun, die einfach menschlich sind, aber auch einen prophylaktischen Wert haben, weil sie die Krankheit des Hasses bekämpfen und Ausbrüche gegen uns, wenn nicht verhindern, so doch ahsrhwächeii? Wurde nicht, wenn wir in dieser Weise an die (Tage herantreten, die jüdisch-arabische Problematik, solche Fragen wie Metirheit mul Minderheit, ein ganz, anderes Gesicht bekommen? Vor wenigen Monaten, Im Oktober, haben wir wieder schwere Tage erlebt, Wieder standen die beiden Volker, die das Land bewohnen, einander in Furcht und Argwohn gegenüber. Wieder floß Blut, und cs!nacht keinen Unterschied, daß cs diesmal arabisches Blut war, das im Zusammenstoß mit der Poii/ei floß, 1111 Verlaufe von Demonstrationen, die sich gegen die jüdische Einwanderung richteten. Es macht keinen Unterschied, daß wir diesmal in physischer Weise nicht angcgriffen wurden. Der Zorn und das Leid wird sich gegen uns richten, und sollte uns als Warnung dienen, daß 'vir nicht fortfahren, die arabischen Masse» der Propaganda zu überlassen, die unter ihnen vor sich geht, daß wir unsere eigenen Taten in strenger Sclbstprüfmig untersuchen, ob denn, auch von unserer Seite alles in Ordnung ist, ob der Weg richtig ist, auf dem wir gehen, ob wir alles tun, um zwischen uns und den Arabern menschliche, nachbarliche Beziehungen herzustellen. Dieser rein menschliche, im l eben jedes einzelne!» Juden sich verwirklichende Weg, ist die einzige Bürgschaft für das Gelingen unseres zionistischen Werkes. Der arabische Bndcnfonds für Palästina, der nach dem Muster des Jüdischen Natioualfomls geschaffen wurde und dem Erwerb von Paiiistinahndcn als arabisches Nationalcigeiituin dienen sollte, ist liquidiert worden. Jüdische Filmschaffende ״Heinrich VIII" — Franziska Gaal , Zwei Filme haben in den letzten Monaten in Berlin einen ״Sonders große!! Erfolg errungen: ״Mat er ne llc“ und ׳1״cinrich VIII.“ An beiden Filmen haben Juden.ent- ScJ' ei d e u d c u Anteil gehabt. Drehbuch und Regie sind in ״t|l|en Fällen das Werk von Juden. 111 ״Matcrucllc“ stammt 1 s Drehbuch von Marie Fps teil!, in ״Heinrich VIII.“ von uiilwig Biro. Der Regisseur von ״Maternellc“ war der Uin/öskche Jude Jean li c n o i t - L e v y, in ״Heinrich VIII.‘* t; der Ungarische Jude Alexander Korda. ., für uns Juden sind diese beiden Filme von besonderem '"Kresse, ״Maternelle“ ist zwar ein durch und durcl] Iran-?׳5״scher Film, ״I leiiirich VIII.“ ein Film, der sehr englisch l ׳ I>7av״, amerikanisches Gepräge hat. Beide Filme zeigen J״cr die Leistung jüdischer Künstler. ׳/,״ewiß wird in ״Maternelle“ und noch mehr in ״Heinrich "!׳" der Zuschauer vor allem durch die Milwirkenden mitgössen. In ״MaternelU־“ von den Kindern, in ״Heinrich VIII. °u der überwältigenden schauspielerischen Leistung von enarlcs Lau,11 ן ton. Aber wer nur etwas vom Film weiß, 1'״jd nicht bestreiten können, daß auch der größte FilmschauökL V(dd'0mmen vom Drehbuch und vom Regisseur •״hangt. Beide geben mehr als den Stoff, den der SchautP sPiclt. Sie formen jede Geste, jedes Bild von ihm. tu» hißchai zu viel, ein bißchen zu wenig — und eine große bsuing kann zerstört werden. .. l!c» ״Matcrnelle“ lag die Leistung des jüdischen Re- Pjcurs auf der Hand. Man konnte sie nach verschiedenen “'״en hin deuten — aber es stand für niemanden in Frage, 1^״ dieser Regisseur zu den größten Künstlern des Tonfilms In dem Film ״ft Frauen und 1 König“ ist die Leistung des Regisseurs nicht so ofL'iikiiiulig, aber doch hat sie einen ganz persönlichen Charakter. Wodurch wird er bestimmt? ״Heinrich VIII.“ ist der Film großer Gestalten und Szenen. Alles hat hier schon rein optisch ״Format". Die groß gewachsenen Menschen werden durch die Linse oder durch lurvorragciide Teiiautnnhmcii noch vergrößert, ohne daß mit der Großaufnahme Mißbrauch getrieben wird. Pie Person des Königs wird durch einen Sclniisnielcr verkörpert, der in seiner Art, zumindest in dieser Rolle, schlechthin einzigartig ist. Er gibt einen Menschen von Blut und Saft und durchschreitet die ganze Skala vom Derben zum Tragischen, ohne daß der Mensch den kleinsten Bruch aufwiese, wenn irgendein Mensch, den wir im Film, kenncngelcrnt haben, lebt, d,׳um dieser ,,Heinrich VIII.“ Wir werden den großen englischen König nicht mehr anders sehen können. Aber weicher Mut und welche innere Freiheit gehören dazu, dem eng'isclien Volk eine Figur seiner königlichen Geschichte so niederüindisdi 11 .'rb und schonungslos zu zeigen, wie cs hier geschieht; und während der alte historische Film nach dem Prinzip ״mehr Volk“ gegen die Geschichte gewohnlich schon dadurch verstieß, daß er mehr Prunk und mehr Statisterie auf die Filmbiihne brachte, als früher die Hauptstädte der Königreiche Einwohner hatten, vollbringt Korda gerade in der weisen Beschränkung des Quantitativen auf wenige Figuren ein historisch wie optisch gleich glückliebes Meisterwerk. Also so klein, einfach, eng, nausväterlieh war das Leben'. Aber damit das Gepränge eines englischen Königshofes doch nicht z!1 kurz komme, zeigen uns Tafeln und Küchen die Macht uivJ die Fülle, die sich hinter dem Leben eines sechsmal unglücklich verheirateten Mannes verbergen, und hier ist Korda wieder als Regisseur groß und neu, indem er das Historische durch Kleider, Waffen, Gobelins und durch alte, ganz herrliche Musik (offenbar auch auf alten 1 11■ 11■ ■ י. .....—....II . II I ..... Instrumenten) darstcllt. So entsteht ein historischer und doch moderner Stil, das Alte wird mit wunderbarer Macht offenbar, man spürt den gedämpften Klang, gegenwärtig und unmittelbar durch die menschliche Stärke der Schauspiele• rischni Leistungen. So schöne Frauen, pracraffaclitischc Gestalten, wurden wohl noch nie nebeneinander gesehen. Hier zeigt sich eine besondere Begabung Kordas. Er hat Sinn für das schöne Gesicht mit Charakter. Es sind meist ganz knappe Szenen, oft nicht mehr als ein S a t z, der einen Menschen ganz und gar zeigt. In Einzelzügcn ist so vieles enthalten, was einet! Menschen durch die ilimllung, das Bild, den Ton chnrakterisiert, daß sich jede Eig11r unverwechselbar in. einem Zuge einprägt. Auch das ist für Kordas Stil bezeichnend, der durch Biros Drehbuch hervorragend unterstützt wird: we- 11 i g e g r o ß c Züge, klare Gliederung, deutliche Trennung, ausgezeichnete filmische Vorbereitung der Ereignisse, so daß der einfachste Zuschauer sie versteht und der verwöhnteste durch die Art, wie alles gemacht wird, entzückt wird. Spricht man von erfolgreichen jüdischen Fil.mkünstlern in Berlin, so kann man freilich die Filme von Franziska Gaal nur in gemessenen! Abstand zu dem bisher Gesagten erwähnen. Franziska Gaal ist ungarische Jüdin; wir können von dieser Tatsache nur Notiz 11elmm!( ohne besondere Folgerungen daran zu knüpfen, denn Franziska Gaal hat zwar eine ganze Reihe von Begabungen, aber keine genügt für sich, und alle schließen sieh noch nicht zu einem künstlerischen Ganzen zusammen. Gewiß, vieles ist reizend gemacht, und diese Mischung von komischer Soubrette und Chaiisonbcgabung ist keineswegs alltäglich. Aber was einmal, nämlich in ״Gruß und Kuß Veronika“ — ein Film, in dessen Programm man zahlreiche jüdische Namen finden konnte —• neu und erfrischend war, kehrt in ״Früchtchen“ — einem Film, dessen Programm weder Drehbuchverfasser noch Regisseur nennt — in vergröberter Manier wieder. X. R.

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