Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seit zwei Tage״ ist wa«; PuBc zum Gehe״ Augen zum Schauen und ein ״r Scliillu'H1־‘ ,,ri Beutel hat, nach Tel-Awiw ausgewandert ff,״1, ״.. großen, luintcn Karneval teilznnelnueu, K,־ ׳»111!![TI f * | - י»* iriiv llllil ||, f.!111 ) |) ן V״ *t, m _ ftwea gfi ■h« g.;««.,bäää,sä in lei-Äwlw ^hflti״'1״• Hns! ‘cbt r, ״nt dabei zu sein, hat alle, vom lltpU'u buule bis zum gebrechlichen Großvater erfaßt. ' ר t:.. ..i'itr'il 1־ *II1...״.» ״. . •a . ... Kinde bis zum gebrechlichen Oroßvatcr erfaßt. WH ^){’ Liuw Jiuclercr, tlic noch mit der imh/cii Not m Suchen^ nach einer neuen wirtschaftlichen ״ml geistigen «Steil* kämpfen, haben für einen Tag ihre Sorge״ abge- ,;!iiittclt und sich mitten in das T e|-A\viwcr Fcstgctriebc gcduf/i» sich körperlich und seelisch mit der Masse ihres Volkes verschmolzen zu fühlen. Und wahrend noch der Fcstjuhcl ״achtont, während die jchircn derer, welche die ganze Nacht in Tcl-Awiw dtirdt-;,nd mrd durchschwarmt haben, ztirückzufluten beginnen «wellt über Jerusalem der Tag seines eigenen Pur im-!(des. Einen Tag spater als in offenen Städten, wie es in ן« von Mauern umgebenen Stadt Jerusalem zur Erinnerung K die befestigte Stadt Snsa seit Jahrtausciulen Sitte ist. In den Vororten der Stadt ist freilich mir wenig vom Fest z« spuren. Noch sind tlic Straßen verödet, die Kautleule ,״den laden sehen mürrisch drein, weil niemand da ist tim ,hre Fciertagswarc zu kaufen, und seihst die Kinder schämen ,ich, mit ihren bunten Maskenkostümen aut tlic Straße zu ,(hm. Atirli in den Bazarstraßen der Altstadt macht sich dir Prrtilimg fühlbar: hier drängen sich nur arabische Käufer cgd Verkäufer, Fcllachiuiien ans heiiachharten Dörfern, weißyturbante Effcmlis, tlic zum Gebet in die Omarmoschee;dien, und dazwischen Mönche und Klosterfrauen. Neben jen geöffneten Bazargewölben die verrammelten Läden von Juden, die mit Kind und Kegel nach Tcl-Awiw gewandert sind. Auch die alte Churb ah- Synagoge hat — nach früh• -orfcndlicher Verlesung der Mcgillath Esther — ihr Tor bc- •fits geschlossen. Auf einer der von Tausenden von Betern •I ausgetretenen Tempelstufcu sitzen ein paar Kinder mit Papierkronen, mit Masken vor den Gesichtern, aber es ist, its wagten sie nicht recht, ihre Knarren und Klappern zu;ähren, da der Klang kein Echo andrer Knarren und Klan- «ern erweckt. Dann ist plötzlich die Stadt Jerusalem zu Ende, und der /ionsberg füllt Jäh ah zum Tal in der Tiefe. Ueber diesem fa! aber hat sich nun der Purimmorgen in seiner ganzen Frulilingsscliönlicit entfaltet. Das Land, das sieh da tief unter Schauenden auf .der Stadtmauer bis in weiteste bergige Ferne iiiftut, das ist ein einziges Lied an den erwachenden Frühling. Wo noch eben der Nebel sich schwer auf frierende Hutten und sturmzer/auste Fehler senkte, wo der Winter• rrgcti Gruben zu gelben Tümpeln und Abflüssen zu Schlamm- KkIic״ schwellte, da breitet sich jetzt ein Tal von leuchtendem Grün. An allen Bcrghüngcn ist dieses Blühen und Grünen hin- «!(geklettert, in die Höfe zwischen den Häusern hat es sieh tmgcsclilichcn, bis zu den fernsten Fclskcttcn hat cs sich erhoben. Und die Häuser der Dörfer Siloah, Abu Tor, Asarjah jenseits des Gchinnointales, die sich gestern noch fricrcml in den Schlamm der Erde drückten, scheinen sich gereckt zu haben und senden feinen blauen Rauch wie kleine Freudenopfer hinauf zum Frühlingshimmcl. Auch in den StraBensc׳!(ächten, die wie braune Adern die griinc Tiefe durch/ichm, brodelt Leben; Hirten mit ihren Herden, weißverschleierte Frauen mit flachen Geuuisckörben auf den Kopien, ein Man 11 im wehenden Mantel, den hohen Wanderstab in vier Rechten, ein Lämmchen, dessen weißes Fell in der Sonne autleuclitct, mit der Linken ans Herz drückend. Das alles steigt empor zu der über dem Grünen und Blühen thronenden steinernen Stadt. Wo dir Stadt Jerusalem dem Tal ihre Stirne zuwendet, hoch oben auf dem Zirmsherge starren abweisende Mauern ans alten graugelbcn Quadern, nur hier und da belebt von kleinen Fensterscheiben, von halb zerbrochenen und verwitterten Eisciibalkons. Ein einziges altes Tor, dessen Flüge! bei nalicmlcr Gefahr schnell geschlossen werden können, eröffnet einen Weg in die Welt hinter diesen Mauern, und über diesem Tor steht seit hundert Jahren in längst verblaßten (ioldlcltern: ״Obdach für die Armen von Jerusalem". Eine ganze Welt tut sich hinter diesem Tor auf; weite Höfe, durch Wege und Treppen verbunden, Reihen winziger Wohnungen neben-, übermul untereinander, alles spärlich, heute aber vergoldet vom Licht des strahlenden Purimmorgeus. Hier wohnen die Juden der Jerusalemer Altstadt, die tagsüber in ihren winzigen Bazarhuden ein paar Pittml Fleisch, eine Hamlvoll rostiger Schlüssel verkaufen oder stundenlang warten, daß ihnen jemand ein Paar alte Schuhe zum Au.shcsscrn bringen möge, und die dann nach diesem kläglichen Tageswcrk am Abend in den Jcschiwoth sitzen und weltentrückt über den Sinn einer üeinorestelle nachgrübcln. Dieselben Juden, die an! Werktag in elenden Lumpen einher• gehen und am Schabbath in smaragdgrünen, purpurnen, honiggelben Samtmünteln und breiten, pclzbckränz.tcn Hüten zur Klagern,aucr hinabsteigen — eine (estgefügte Schar voll finsterer Entschlossenheit, ihr uraltes Heiligtum zu bchaupten. Jetzt am Puritmnorgcn aber sind nicht die Männer die Beherrscher dieser Höfe, hier herrschen heute Scharen von Kindern in grellen Papierkleidcrn, mit grinsenden Gesichtsmasken, mit Pfeifen, Pritschen und Klappern. Das tollt und tobt, als ob es nie Hunger und Entbehrung kennengelernt habe. Das neigt sich vor König Ahasveros, einem kugelrunden Bengelchen mit einer Goldpapierkrone über den langen Schläfenlockcn; das umrattert und umpeitscht den unglückseligen Haman. Auf einer hohen Treppenstufe aber JjDl — umgeben von Hofdamen in Kreppapier — Königin Esther in einem Braut- und Königinkleid aus weißen Gar- (lincnfet/en, das lang über die groben Schuhe und herabgerutschten Strümpfe fällt. Eine kleine dunkle Blüte, deren Schönheit gewiß mit derjenigen der Tcl-Avviwcr Purimkönigin auf ihrem Siegeswagen wetteifern kann. Mit ihren ticfdunklcn Augen sieht sie über die Höfe und Hauser der ״Armen von Jerusalem“ hinweg, dorthin, wo hinter einer Zinne der Hofinaner das Gold des Frühlingsmorgens auflcuchtct, das üriin wildwuchernder Kaktusfeidcr, die sich in übcrquellcnder Lebenskraft bis an den Fuß des heiligen Tempelplatzes herandrängen, Helene Hanna Thon, Jerusalem. i*»* ווי ״, > t ,•־,זי׳ ‘ י ף י ן»!׳״׳ •* ״;ן'€1 f f. ׳A■־, I;!■\ . :!׳ <׳■• •״**, V‘‘-, Mn ־4* ־ Anr״- fii i 1^־ . .k■ I ■ i’ '■!י 4* י י 4 JI Links oben: Aus der Gruppe der jüdischen Stämme; Der Stamm Naphtali Rechts oben: Das Spiel von der Königin Esther wird vo׳ einer ungeheuren Menschenmenge aufgeführt F .«•־׳ y / p* '•»ץ '"r ■v< ׳.rj'{1 j*» «"־ר s.. *־• -l ן'"י► f ' I 's Die Vorreiter des ״Königshofs von Persien" 4fc. <<AV. Ittn* **Üt w ~ 11«^׳ Aus der Gruppe ״Die jüdischen Könige" ,.g #* i Der Bürgermeister Dizengoff an der Spitze des Festzuges An der Ecke Nachtath-Benjamin-Attenky-Straße wurde in fröhlichem Lirhtcrglnnz die ganze Nacht hindurch getanzt Und was für ein Erlebnis war dieser Tag für di•: Kinder! Nächste Woche: Lichtbildervorträge ״Purim“ Die obigen Bilder sind einer Serie von 50 schönen Aufnahmen entnommen, die soeben mit Flugpost aus Palästina hier eingetroffen sind und in eine Lichtbildscrie verarbeitet 31s ״Expreß-Riklcrdicnst des Keren Kajcmcth" in der nachden Woche bereits in allen Ortsgruppen vorgttührt werden können, Diese Bilderfolge ״Adlojada — ein Volksfest in Palästina“ gibt einen überwältigenden Eindruck von den Festtagen in Tel-Awiw. Sie erscheint im Rahmen der Propaffanda für die Pcßach-Spende des Keren Kaiemeth und wird unzweifelhaft überall Begeisterung und Gebefreudigkeit er• wecken. Ein unerquickliches Purim - Nachspiel Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tcl-Awiw, 5. März 1 «)31. An dem Platz, wo sich in Tcl-Awiw die Hauptstraßen treffen und in den Purim-Tagen eine Flut von Licht auf die sich drehenden Kreise der Tanzenden hcrabriesch, liegt der revisionistische Klub. Am Tage nach dem großen Umzug, als die Fröhlichkeit noch weiter anhielt und überall gefeiert und getanzt wurde, hatten sich an diesem Platze wieder große Menschenmengen cingefunden, die tanzten, lachteil, dem Reigen der anderen zusahen. Unter anderen fand sich hier die ״Noar Owed“ ein und tanzte mit den anderen. Mitten in den Festjubel hinein kamen aufreizende Rufe der Revisionisten aus ihrem Klub, von wo aus sic schon während der vorhergehenden Tage versucht hatten, Unfrieden zu stiften. Und als .־dies Schreien nicht half, griff man zu ״durchschlagenderen“ Mitteln. Steine flogen von oben in die Menge. Die Jugend begann sich zu wehren. Die blutige Sclilä* gerei, die sich entwickelte, konnte nur mit verstärkter Polizei beendet werden. Resultat; eine Anzahl von Verwundeten, Räumung des Platzes, Löschung der Lichter. Die schöne Tradition der ruhigen Feste in Tcl-Awiw ist wieder einmal durchbrochen. Es scheint sich im Gegenteil eine andere Tradition hcrauszubildcn, daß kein Fest mehr vollkommen ist, wenn es nicht irgendwo zu Schlägereien kommt. Das letzte Jahr hat in dieser Beziehung immer wieder Neues gebracht. Zu Pc ß ach gab es Prügeleien; zu Chanukka mußte mau den Kindericstz.ug absagen; zu Purim gibt cs Unfrieden und man muß die Menge von den Straßen vertreiben. In Palästina war das früher anders. Der ״neue Kurs“ der Tätlichkeiten wird nachgerade zu einer Tradition. Was sich hier auswirkt, ist die Sucht der Revisionisten, um jeden Preis Aufsehen zu erregen. Man beruhigt sieh nicht eher, bis mau blutige Köpfe und Polizei sieht. Und bei gcniigender Unbedenklichkeit ist dieses Ziel natürlich immer zu erreichen... 111 der Stadtverwaltung, in den Diskussionen überall und in der Presse hat jetzt dieser neue Zusammenstoß seine Nachwirkungen. Die Stadtverwaltung muß — wohl oder Übel — eine Kommission einsetzen, um zu untersuchen, was vorgcfallen ist. Ohne Frage verurteilt die überwältigende Mehrheit der Juden im Lande diese Metl*oden. Aber cs hat sich bisher gezeigt, daß die Ablehnung die Unruhestifter in ihrem Wege wenig oder gar nicht gehindert hat. Hier muß mit viel größerem Nachdruck von den verantwortlichen Steilen durchgcgriffen werden, wenn die Faust und der Steiinvurf nicht zum Instrument unserer politischen Kämpfe sieh eiltwickeln soll. Zeitungsartikel und wohlmeinende Ratschläge scheinen in dieser Situation kaum mehr zu verfangen. Tel-Awiw, 13. Marz (J.T. A.). Der Stadtrat von Tel- Awiw hat eine dreigliedrige Kommission, bestehend aus je einem Vertreter der Histadruth, der Mittclstaudspartei und des Misrachi, eingesetzt, mit der Aufgabe, eine Untersuchung über die Zusammenstöße am 2. März durch/uführen. Einheitlicher Drive in Amerika New York, 12. März. (J. T. A.) Die wiederholt In Frage gestellte EinheLsYont des amerikanischen Judentums bei der Durchführung der Hilfsaktion für deutsche Juden Ist nunmehr zustande!«ckommen. Soeben haben das Jcwlsh Joint Distribution Committee of Anterica und die L״itung des American Palestin c Campaign für das Gcsamtßcbie» der Vereinigten Staaten einen ge in einsamen Drei Millionen Dollar- Drive zugunsten des Hilfswerks für Auswanderer aus Deutschland und der Ziele des Palästina-Programms des Joint Distribution Committee proklamiert. Die Vereinbarung über die gemeinsame Aktion wurde nach wiederholten Beratungen der Vertreter beider Gruppen unter Mitwirkung des Obcrkornmlssars für Emigrantenfragen, James G. MacDonald, erzielt, der nachdrücklich auf die Notwendigkeit gemeinsamen Vorgehens in dieser Sache hingewiesen hatte. In der Ankündigung des Lörive wird gesagt, daß beide Körperschaften ihre Arbeit in enger Gemeinschaft mit Oberkommissar MacDonald durchführen werden. Dieser hat gleichzeitig' einen Aufruf erlassen, in dem die Oeffentlichkeit autgefordert wird, das Hilfswerk in stärkstem Maße zu fördern. Der Oberkommissar fordert von den Juden großzügige Opfer zugunsten Ihrer Brüder und betont, daß ״eine erfolgreiche Arbeit derjenigen, die die Aufgabe haben, für die Zehntausendc hilfloser Auswanderer neue Heimstätten zu finden", nur durch äußerste Freigiebigkeit beitragleistender Einzelpersonen gesichert werden Kann.