Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 1 I ו 13, III. 1934 ei r\ / ^. \/ xy!""־in lei,■,. m G Ai lu’if,,. L,n• Au. 1> ler.nw; 1l״d 0וו1> ':*יי:|). in \.VeS|. in 1uns>,cn ו״״־־י; d<4 <li«' V< . ),1 11 (V beneideten her<*,/«.• in unserer Angabe vom p, }Irin wu '׳•״״’» ״« Artikel unseres gl.-Korrespun- Jei!1 eil kurz über die Tel-Awiierr Purimfeier, glauben je,loch, daß •'ine ausführliche Reportage hierüber das Interesse unserer Leser finden wird. (Red.) I I V ( >[.־ ׳11י* in ''KH 17׳, um! T,(|. dm 1 h t! ,"'1n miu|) (K t /ff ,ך. Hi* V(>|I,.*S1 Rielitiiii(׳ u 11c!ד, /\u p.t» |1i . alten I! Ifl-AWiw" ifti0!1 "1e i ßernts! w C Palaslma versieht, seine Feste zu ffU-rn um! oruu'ii mit neuem Inhal! v״ erfüllen. ״Purim in ist heute in Palästina schon ebenso sehr Tra- ,Pellaeli in Jerusalem" oder ״Schwuoth in Haifa". Tage vorher stand die Stadt i!n Zeichen der Feier. Opei nplaP baute inan eine drohe Hiilme auf, und wer ,,lii.nliis in dieser Wache ilmeli die Säralien ging, kuiinte \״ Arraiifiiei'imdie auf offener Stralk• beiwohnen, Fin fl״ Teil der Icl-Awiwcr Kinder war selion mehrere Tage ’״lirr in den Slralien mit ihrem Maskenkostüm sichtbar. 1 inte wurden;mfßCM'lircckt durch den l.linii der ,Ijllpi-tiilni, mit denen fast jeder Tel-Awiwer junge ansgc• ist. Hie Kieii/mijt der Allcnbv- und NaelilathdU'iijaiiiiu-;.';ade wurde mit einer riesigen Kuppel von elektrischen ,"ihhiruni üher/ogen. Unweit tlavrm war man im Begriff,, ו snsieinimten ״Verkeil rsturm" in ein Karussell /u voriifuitdn. Tore wurden ntifgcbaut, deren Bemalung■ Szenen der Afegillali l.stlier zeigte. Bei der grollen Synagoge j mail die Arbeiter emsig damit beschäftigt, die l'aut- .-reeller aii/mnonlieren, die abends weithin hörbar die Vor-;,Wt der I stlier-Rolle וו bei 111 it t ein sollten. Alle Schau- ,..!er, vom kleinsten Papicrwuiciigeschäft angef.iiigcn, »las;1oken;uhdellte, bis zum elegantesten Konfcktioiisgesehaft (dcii mi /.eielien des kommenden Purim. Am Vortage ..!;tc der Zustrom der auswärtigen (iiistc ein. Man .,91 vu'rein/elt und in Gruppen, man kam mit Antohussen d mit (Irr l iseiibalin. (n'.:en (1 l Mir nachmittags begann die Vorlesung der ,׳t j lila 11 in der grollen Synagoge, von Tausenden gleich- -.1,j* auf den uherfiillten Straften mit angehoil. Daran ■;ihlii'lb 11d tarn! die L r ö f f n u 1! g der offiziellen Purim* *r auf dem Operuplatz statt. Der gesamte Autnbusvcr* ,,■זו wir iimgclei!et. l ur einen gewöhnlichen Fullweg von 1er Victelstumlc bnmehle man fast die dreifache Zeit. Wer!1 Abend gegen 0 Uhr auf die StraIle kam, erblickte eine?4* bewegte!Menge. Die I laupt/entreu erstrahlten im ■(;Men I ielit, das beleuchtete Karussell drehte sich über .;tu! sonst s.» würdevollen Standort der Poli/eigewalt. Uchcr*!! sali man (!nippen von jungen Menschen, hingegehen ,4 ohne Ermüdung die Harra tanzend, zu der die Klange!•!י den I autsprechern, die an allen Ecken angebracht waren, gcn. Fs gab an diesem Abend in Tel-A\viw nicht einen ׳s/ipeii kaum, der die Bezeichnung ,,Saal" verdiente, in. dem •■;Mein sogenannter ״Neschcf“ das heillt ein P u r i m b a 11,!:nli.iml. I),1s satirische Theater ״Mntntcj" hatte die gesamten;!!!me der Oper, in der im allgemeinen eine Schauspictbühne .;.Irin Kino 1111 teige bracht sind, fur »licseti Abend gepachtet, yc/alilte Tausende tanzten dort in den Sälen, auf den Uincit und in eien Neben!aunten. Der Strom, der von den ־,irren Ft.igei! nach den oberen tmd umgekehrt wechselte, 8׳ nicht alr. Man hatte ausgezeichnete Tanzkapellen, umi;!sei besonders anerkannt, dall man sieh nicht auf banale 'Ictwcltssihlager beschränkte, sondern überwiegend eine liozmthik spielte, deren jüdische Beziehung unverkennbar nr. Die Matatcj-I.eilte selbst, der Kapelle assistierend, sorg* :׳« dafür, daß das Publikum bei bester Faune blieb. Der 'litatcj-Tcnor (iollaml erwies sich bei dieser Gelegenheit e;h als ausgezeichneter stimmlicher Begleiter einer Jazz* Vipellc. Auch in dem neu cröffncten Cafe ,,City" fand ein 8111 statt, dem eine Kapelle von Schnttländern sowie kahrrttistischc Darbietungen der Tänzerin Deborah Bcrto* raff und der Schauspieler C 11 a 1 f i, Sklartsch, S c 11 a ־?ira iiihi anderer unter Führung des Regisseurs Alfred Laif ein besonderes Gepräge gaben. Die Ausstattung der hie besorgten Genia Berger, Siegart umi San* bwski, während die Ausschmückung der Matatcj-Salc '»n deren Bühnenbildner F m a n u c 1 i ausgeführt war. Lr* *ilint sei, daß man weder in den Straßen noch auf den Bällen wh mir einen einzigen Betrunkenen sah. auf ' zu He I rden '111 er 1 as ( i. 11! eil! 1den atu Erez Jalir Klier ei.lc M.'iiic ui’-rre ־!י <llt- . ein nr. Mnisciii I| w1 rder 1' giimd- '11 Klimtwichtig, ml PI,me sieben),;iiici leiii;!! 1111 nicht )cm! aus :clien zu ab Vcr- : 11 w a r t 11 II s i e für die ,'m׳n beiinni er impf er- Von der e sclii»)*- 1111 serer escltiehtc l.iteratnr!eb'geiitori eher נ eigene Vf '1 '1 I in tagekfe des ich und cs noch ideuliin־« eilt das bgU'itcn 111. Nur en und ilieli in Jisclmw nehmen t, Die in viel r guten tc vcrui und rhalten, eilt i.׳ es •bcinler m, f״r 1• 11ml icineinzirklith •r Volk i1gi|:fS I Notir das tbmipt Aufbau;r nebt in dff lassen. n Anfra• satiofl st!'יי 5. Jf;c als 11 ha* sioni■ iir f en• t be• 1ati.u1 1s ייי odef utisa* einen Maf' Neue Arbeitskonflikte in Palästina Jerusalem, 7. März. (J.T. A.) 111 Glieder.1» ist es 1׳'trnials zu einem Konflikt zwischen Mitgliedern der distadr 11111 II a o vv d i m und revisionistischen Arbeitern gekommen. Entgegen einer im September BH3;itrolfrnen Vereinbarung, dcrz.ufolgc die Arbeitsz.iiteihmg ‘זב durch die gewerkschaftliche Arbcitsvcriiiittlungsstcllc er-!'*gct1 soll, sind Arbeiten an einem Neubau revisionistidien Arbeitern zugetcilt worden. Daraufhin wurden seitens ,är Arbeiterorganisation Posten bei der Arbeitsstelle auf- «’"׳eilt, die Arbeitswilligen den Zutritt verweigerten. Einer polizeiliche 11 Aufforderung, sich ..11 entfernen, leisteten sic *'׳ne f'olrc, Deshalb wurden H Mitglieder der Moa/nth Awodal! v״n Chederah verhaftet und ins Poiizcigefaitgius ^bracht, |)ic revisionistischen Arbeiter sct/tcn 4üc Arbeit Pnli/eiaufsicht fort. .Malta, 8. März. (|. T. A.) Vor einem englischen Rieh- חי Haifa 11,׳dien sieh die!iiiläßiieh des letzten Konflikts ־"׳iselicii Mitgliedern der Arbeiterorgnnisatimi mul revism- '1'tischen Arbeitern in Chederah 14 Verhafteten zu verantjjorten. Der Richter verhängte Gefängnisstrafen von 10 Tagen »1s?1! einem Monat. ,ncr Arbeiterkonflikt in Clicdcruh ist noch nicht bei- ™«Kt. Vier weitere Mitglieder der Arbeiterorganisation wur- «״wegen Widerstand gegen die Polizei verhaftet. Sie wurden ״ das Gefängnis von Acco־ gebracht, wo sich auch die vom äiifaer (iericlit AbgeurteiHcn befinden. Diese haben gegen!״re Verurteilung Berufung eingelegt und dürften gegen Mu"0n auf freien Fuß gesetzt werden. Die in den Orangen- / Chiffre-Briefe können nur bis sechs Wodien nadi Abdruck der Anzeige m1fl»cwdhrt werden. Zusendung eingehender Bricfposl erlolgt nur noch Vereinbarung gegen Zahlung einer Aus* lagen-Pausdisle von RM —,60 för Grob-Berlln, RH -,BO Inland, RM t,50 Ausland. Nadi Ablauf von sechs Wodien werden die Briete uneröffnet vernichtet. Bille daher keine Original* Dokument« In ChlffreyBrlelen zu versenden, *n1clgtn*Verwall11nt der ״!Udisdien Bundsdian“ Am I'urimta״e seihst fanden vormittags auf der Trilninc ,וווו Opernplatz Tan/.ilarbictungeii statt, ausgeführt von den Schwestern (Truste in und ihrer Gruppe. Eine Kinder- I cstlii hkeit schloß sieh an. Um 1 Uhr mittags erfolgte die Uchertragmig des ersten R a d i o ־ K 0 n z e r t e s von! ■י c 11 d e r I cl-Awiw. I.eidcr wird dieser Sender vorl111׳(ig mir eine kurze Eebcnsdaiier haben und vielleicht erst \m־(k*r w.ilireiul der Messe in Betrieb gesetzt werden können, da_ trotz vieliuclieii Bciniilimigcn von der Regierung noch keine dauernde Konzession für eine derartige Einrichtung zu ci'laiigeii war, Man hörte <lie Sendung nicht mir in Tel- Avviw, .sondern in ganz Palästina und im nahen Ausland. Bis zur Messe werden technische Verbesserungen durehgefiilirt sein, so daß man auch im ferneren Ausland den Tel-Awiwer Da 1 Im'tiingeii wird folgen können. Das Programm wurde cingeleilet mit einem ״Tozeretli Haarez"-Gcdieht des Schriftstelle rs Imamul Itnrussi. Dann hielt Meir Di zeug off eine kurze Ansprache. Den künstlerischen Teil bestritten i rof. David Se 11 o r r, der die Chopin-Polonaise und, von seiner heryorragcmlcn I!jährigen Schülerin ScImlamith Schafir assistiert, eins Rondo voll Schubert spielte; Harussi sprach eine Satire auf das fliegende Kamel, das Symbol der Eevante-Mcsse; Lili Kurz sang das ״Seliir Haawadali" von Bialik nach der Musik von Wall ha; Galt and zwei (-lianscMis von Harussi mit Musik von Se'ira und später mit I lli Kurz ein Duett, ״(ieruscliim‘‘ Text von Schalom Alejcliem, Musik von Engel. Die Ansager dieses ersten Progratiims waren für Hebräisch Aron Schwarz nun n, für Englisch I ay Orgel, für Arabisch Dr, Nissim Malotil. Kurz nach Beendigung der Rimdfiinkiibertragung, die gleichfalls van den Zehntnnseiiilen 1, tf den Straßen initangeliort wurde, begann der F e s t 7.11 g, der, von der Elicscr heu Jejimia-Stralle liomineiid in einer Länge von mehr als einer Stunde durch die Allenhy-, Naehlath Benjamin-, Iter/liiml anderen J Iniiptslrnßcn zog. Die Mcnsdiemnassen umsaiimleii die Strallen, alle Fenster, Baikone, Dächer, Terrassen iiikI jeder nur erdeiikliehc Punkt, der eine Möglichkeit besonderer Aussicht hot, waren besetzt. Das l’iihlilenm selbst hielt musterhaft Ordnung. Nirgends gab cs Drängen oder Stollen, und Unfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Menge erwies sieh als so diszipliniert, daß ein Polizeiaufgebot fast überhaupt nicht sichtbar wurde. Der Zug wurde angeführt von einer Gruppe Reiter, an ihrer Spitze der Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizcngoff. Es schloß sieh ein Zug der zwölf Stämme mit ihren historisehen Symbolen «־m. Dann folgte eine Gruppe, geführt von den Ponliin, die die Zusammensetzung' der Juden heit in Palästina von heute illustrierten. Man sah die russischen, die poliiisclicu und die amerikanischen Juden, die Juden des westliehen Europa, *die die Assimilation auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Geführt von der Mnkkahi-Kapcllc folgte der Zug ties jüdischen Palästina. Die Arbeiter mit den Symbolen der Arbeit, die englische Regierung erinnerte man" an die Balfoiir-Deklar.itimi. I in Wagen war »lein Keren Kajenirth gewidmet, für To/crctli Haare/ wurde geworben und die (iclall reu der lieberFremdling des Warenmarktes dargestellt, Die Kapelle des ״llapoel" seliloß diese Gruppe. Sarah Osnat-llalevi, die jemenitische Sängerin, fülirtc den Zug der Jemeniten an, die auf Kamelen und Lastautos ihr folgten, Es folgten die Gärtner-Vereinigung für Tel-Awiw und Dmgchmig und die Maler-Iniinng. Drei Städte: Tel-Awiw, Jerusaleiii umi llnif.1 wurden jede durch einen eigenen Wagen repräsentiert. Ein Autobus, eine kleine Lokomotive, kankasischc Juden und Bergjuden fehlten nicht. Die Mieter- Vereinigung protestierte gegen ■die hohen Mietspreise. Die (ihetti von Babel mul Griechenland erschienen und ebenso der Völkerbund. Jiftachs Tochter ritt auf den! Kamel, dicht!linier ihr die Königin von Saba nebst Gefolge. Den Schluß bildeten Wagen der Tel-Awiwer Feuerwehr, der Müllabfuhr, sowie einige Rekimnewagen. Der Fest/ug war von Mosche llalevi arrangiert, die plastischen Entwürfe für die Karneval- Wagen, ebenso wie »lie besonders schönen Kostüme stammten von dem Tel-Awiwer Maler Gut mann. Manfred Geis. pfloti/iiitgen, Backhäusern und hei Batiarheitcn beschäftigten Ilisladruth-Mitgliodcr haben in einem cinstiindigcn Streik den!,rötest gegen die Verhaftung ihrer Führer zum Ausdruck gebracht. Jerusalem, II. März. (J.T. A ) In Palästina ist cs abermals zu Zusammenstößen /wischen revisionistischen Ar* heitern und Mitgliedern der Allgemeinen Arbeiterorganisation, diesmal in kccliowntii, gekommen. Mitglieder des Brith TrumpcUlor hatten bei einem Neubau Arbeit gefunden, wogegen Mitglieder des Allgemeinen Arbeitcrverbaiulcs, der sich vertraglich das Recht der Arheiterzuwcisimg durch seine Vcrniittluiigsstelle gesichert halte, Stellung nahmen. Bei dem Zusammenstoß zwischen beiden Gruppen wurden einige Mitglioder lies Brilli Trumpcldnr verletzt. Zwei Mitglieder der Allgemeinen Arbeiterorganisation wurden verhaftet. Die revi- .siouistischen Arbeiter setzten die Arbeit unter Polizeischutz fort. SUi11tii(!c Scliietfsjrcriclitc für Arlicllsltonlllklc jjcplanl J e r u s a I e 111, 11. März. (J. T. A.) Eine vom Waad Leutnl eingesetzte, aus Samuel Sluichowiz.ki, David Rente/ und Supraski bestehend»: Kommission hat einen Plan zur V e r * h i 11 d e r 1111 g von Arbeitskonflikte 11 ausgearbeitet, der die nächste Session der Assefatli I laniwcliarim hcschäftigen wird. Lin ständiges Schiedsgericht zur Beiichung der Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehiiicrii soll geschaffen werden, welches nach bestimmten Richtlinien hinsichtlich Lohnhöhe, Arbeitsbedingungen, Kiitidigungsfristeu, Krankenversicherung usw. urteilen soll. In jedem Arüeitszenfrum wird ein Arbcitshiiro errichtet, dessen Mitglieder von Arbeitgebern mul Arbeitnehmern proportioucil bestimmt werden. Die Vorsitzenden ernennt das Zentralluii'o beim Waad Leiitni. Flnuptprin/ip soll sein: Recht auf Arbeit für jeden jüdischen Arbeiter ohne Rücksicht auf seine Parteizugehörigkeit und politischen Anschauungen; Ar* heitszuteilung erfolgt ausschließlich durch Vermittlung eines organisierten autoritativen Arbeitsamtes. Das zentrale Arbeit»• luiro setzt sieh ans neun Personen zusammen, von denen drei durch die Arbeitgeber, drei durch die Arbeitnehmer und drei durch beide Parteien gewählt «׳erden, Unter dem Patronat der Exekutive der Jewish Agency wird in )erusalem eine palästinensische Gesell* schaft für Wasserversorgung mit einem Kapital von 25000 Pf mul gegründet. Die Aufgabe der Gesellschaft ist es, Brunnen- und Wasserleitungsanlagen hi ländlichen Siedlungen durchzuführen. Ihre Arbeit wird durch Fachleute des Landwirtschattsdcpartements der Exekutive überwacht. Da! Sid-Mccr Palästinas Von Dr, J. Adler, Tel-Awiw Palästina Ist Anrainer zweier Meere. Diese Tatsache Ist vielen, für deren Wirtschaftstätigkeit die verkelirsgeographisehe Struktur des Landes wichtig ist, kaum in ihrer ganzen Bedeutung klar geworden. Alles Interesse wendet sich der Mittclmccrkustc zu. Das andere Meer hingegen, das Rote Meer, existiert oft gar nicht in dem Bilde, das sich die tneislen von Palästina machen. Charakteristisch ist liierfür, daß auf zahlreichen Pal.istiiia-Kartcn der Su<!o;t/ipfel des Landes, jener Korridor, der als Ausläufer des Süddistrikt,«: zwischen Sinai-Gebiet und Transjordanieu hindurch sich zum Golf von Akah.1, dein biblischen ״Schilfniccr" erstreckt, überhaupt nicht erscheint. Wcshally diese Vernachlässigung? Wirtschaftsgeographisch erklärt sic sich daraus, daß das sudpalastinensische Steppenland immer noch in der Regel als ,,Wüste‘1 gilt, in der nur der Nomade dmftig existieren könne. Diese Vorstellung ist heute nicht mehr ganz richtig. Schon im Altertum ist die Region, die man gegenwärtig ״Negcv" nennt, einmal reich besiedelt gewesen. Durch Briinnfnaiilngen nach modernen I iefholiriingssysteinen wird sich die Fruchtbarkeit des Bodens an nicht wenigen Stellen wieder erwecken lassen. Gegenwärtig ist der siidliehste l’unkt »Irr jüdischen Kolonisation R u c h a m - m», ein schon seit langem erworbener, aber erst jetzt zur Besiedlung bestimmter Komplex. Warum aber sollte nicht auch noch südlich der Linie Hebron -Gaza Neuland er* schlossen werden können? Zur Unterschätzung «ler Siedlungsiiiöglichkciten im äußersteil Stidbczirk kam bisher auch das vcrkchrsgeogra* P h i s c h e Desinteressement hinzu. Was konnte am Roten Meer gelegen sein? Ls galt nur als Durchgangsstraße des Weltverkehrs, gleichsam als Verlängerung des Suezkanals, ohne wirtschaftliche Eigenbc»l**11tu11g. Dir den palästinensischen Betrachter kam noch hinzu, daß bisher keine einzige brauchbare Straße nach dem Palästina-Sektor des Golfs von Akaba führt, und daß dort kein einziger großer Ort existiert, geschweige denn ein ausgehmiter I lafenplatz, zumal da Akaba, übrigens heute nicht mehr als ein armseliges Fischerdorf, seinerscits zu Transjordanien geschlagen worden ist. Dennoch sollte die Frage des ,,Zweiten" Meeres für uns Interesse haben, wenn man sich nur entschließt, gewisse Auf* fassungen über die Bedeutung des Roten Meeres und seiner Anliegerstaaten zu berichtigen. Auch dort gestalten sich heute unter den! Einflüsse des Westens uralte Verkehrs- und Wirtschaftsformen in rapidem Tempo lim. Soeben haben ägyptische Finan/griippcn eine neue Schiffsreederei ״Misr" organisiert, die den Dienst im Roten Meer ausbaucn wird. Weiterhin soll demnächst ein direkter f'liigzeugvcrkehr Kairo Mekka eingerichtet werden, um wohlhabenden Aegvptcrn die Pilgerreise zu erleichtern. Außerdem ist bekannt geworden, »laß König Ihn Saud, der Beherrscher des llcdsclias und Ncdschd, mit maßgebenden ausländischen Stellen darüber verhandelt, wie die Hcdsclias-Rahn, die gegenwärtig — unter palästinensischer Regie — nur bis Maan befahren wird, künftig wieder bis Medina, dem Sehliißpunkt »Irr Strecke, funktionieren und darüber hinaus bis Mekka verlängert werden könne. Nicht minder beachtenswert ist die Entwii klung im Jemen, dessen Imam heute eine umfassende Verständigung mit England, seinem Grenznachbai in Aden, erstrebt. Auch an der afrikanischen Kiistc vollziehen sich bedeutsame wirtschaftliche Entwicklungen. Für Palästina, dessen Industrie Exportmärkte braucht, deren KonsuinverhältnLse denen Palästinas und seiner Nachbargchictc mehr oder minder ähneln, kann die Entwicklung in den Küstenländern des Roten Meers keineswegs gleichgültig sein. Dm so wichtiger ist es, daß diese Länder sich auch fiir Palästina interessieren. Als ini Herbst 1043 die abessinischc Kaiserin Palästina besuchte, nahm der sic begleitende Außenminister eine Reihe von Besuchen vor, um die Möglichkeit wirtschaftlichen Zusammenwirkens zwischen Palästina und Abessinien kennen zu lernen. Im Zusammenhänge damit hat die französische Eiscnbahitgcscllschnfi, die die Bahnlinie von dem llafcnplatz Dschibuti (Fran/ösisrh-Somaliland) nach der abcssiiiischcn Landeshauptstadt Addis-Abeba verwaltet, für Passagiere, die nach Palästina zum Besuche der Tel-Awiwer Levantcmessc reisen, Rabatte bewilligt. Zu welchem Zeitpunkt cs lohnend werden dürfte, eine Balm oder Autostraße quer durch «len N'egcv nach dem Golfe von Akaba zu hauen und dort einen Hafen zu installieren, anstatt tler jetzigen Route von Jaff.1־/flaifa durch den Suezkanai, ist natürlich eine ganz ungeklärte Frage. Die Antwort darauf hängt vor allem auch von Umfang und Tempo einer Besiedlung des Smloslhczirks ab. Grundsätzlich verneinen kann man jedenfalls die Frage keineswegs. Der Arbeilermangel in Palästina Jerusalem, 8. März. (J.",. A*) Der seit langem stark fühlbare Mangel an jüdischen Arbeitskräften in Palästina hat sich infolge der im Hinblick auf den herannahemkn Frühling verstärkten Investitionstätigkeit und des Eintreffens neuer Einwanderer, die landwirtschaftliche und städtische Betriebe errichten oder bestellende erweitern wollen, verschärft. Ein Teil der ()raiigeneriitc konnte bisher noch nicht cingchraeht werden. Auch für »tie Anlage neuer Pfanzungen werden Arbeiter dringend benötigt. Um der drohenden Gefahr vorzubeugen, wird derzeit eine energische Kampagne imler Arbeitern des Baugewerbe» und anderen städtischen Arbeitern durehgefiilirt, 11111 sie auts Land überzufuhren. Auch wird damit gerechnet, daß der Beginn der P c ß a c 11 f c r i e 11 in eien Schulen so ange* setzt wird, daß die älteren Schüler zu »Ion Erntcarbcitcn herangezogen werden können. In Pclach Tikwah allein werden 1000 Arbeiter benötigt, für weitere Tausende besteht in den übrigen Kolonien dringende Nachfrage. Die Jewish Agency hat umfassende Arbeiten zwecks zahlenmäßiger Feststellung des tatsächlichen Arbeiterbedarfes in den einzelnen Unternehmungen und Berufszweigen in Angriff genommen. Diese Arbeiten sollen das Material zur Ausarbeitung des Vorschlags liefern, dm die Jewish Agency bezüglich der Festsetzung der E i n w a n d e r u n g s q u o t e für das nächste Halbiah r der Regierung unter* breiten wird. Politische Aussprache beim High Commissioner Jerusalem, 7. März. (J.T.A.) liier fand ein Lunch des High Commissioner Sir Arthur Wauchopc mit dem Vorsitzenden der Exekutive der English Zionist Federation, Rcv. J. K. Goldbloom, dem ehrenamtlichen Sekretär dieses Verbandes, Rev. M. L. Pcrlz.weig, und dem Mit* glied der Exekutive der Jewish Agency, Mosche Sehertok, statt. Die Gäste unterrichteten den High Commissioner über die Ansichten der englischen Zionisten im Zusammenhang mit der Frage der Aufnahme* und EntwicklungsmögEich* keiten Palästinas und der Lage der Juden in den Ländern der Diaspora. 1