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Jüdische Rundschau · 1934-03-09 · Heft 20 (9.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 20 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU beInen können. Allerdings empfinden wir zugleich die Problematik des Versuches, in einem zahlenmäßig so kleinen gesellschaftlichen Körper, wie cs das deutsche Judentum da!stellt, eigene kulturelle Leistungen zu schaffen. Gewiß ist cs richtig und gar nicht diskutier• bar, daß wir uns in unserem Kreise mit den Werken der deutschen und der europäischen Kunst beschäftigen. Aber wir wissen, daß diese Tätigkeit noch nichts für die originale Weiterentwicklung unseres eigene״ Kreises besagt, und dal! wir damit keine Leistlingen vollbringen, die etwa auf die Umwelt einen Eindruck machen oder gar die Differenzierung zwischen Juden tmd Nichtjuden aufhehen könnten. Wenn dies in manchen Kreisen des deutschen Judentums angenommen wird, so befindet man sieh in einem gefährlichen Irrtum. Für uns ist demgegenüber das zentrale Probl cm unserer Geiicrntion die Neuformung des deutschen Judentums in dem Lebensmut!, der iluu durch die Entwicklung der Allgemeinheit zugewiesen ist. Vordringlich ist dabei selbstverständlich der Umbau unserer wirtschaftlichen und Gesellschaftliehen Fundamente. Nicht nur all diejenigen 'Teile des deutschen Judentums, die heute keinen Platz mehr in den kulturellen und öffentlichen Funktionen des Lebens finden, sondern auch ein erheblicher Teil der bisher in der Wirtschaft Tätigen müssen erkennen, daß ihre und ihrer Kinder Zukunft nur dann gesichert werden kann, wenn ein organischer Prozeß der Umformung durchgeführt wird. Mit Parolen einfacher Art ist es dabei nicht getan. Man muß sich vor einer mechanischen Auffassung hüten, die glaubt, Voraussagen zu können, bis wann die jü־ dische Frage durch eine weitgehende Auswanderung gelöst werden wird, noch führen andere mehr oder weniger unklare Projekte, die von jüdischer Seite vertreten werden, in Deutschland selbst zu einem Ziele. Zunächst gilt cs, die Voraussetzungen des jü* dischen Lehens gründlich zu wandeln. Eine andere Wertung unseres eigenen Wesens mul der gegebenen Lehenshedingungen ist hierfür erforderlich. Von dieser Basis aus werden die deutschen Juden dazu beitragen können, daß sie sich in den Prozeß der Umwandlung der Lcbcnsgrundlngcn des deutschen Volkes einglicdern und nicht wie ein Zeuge aus einer überwundenen Epoche stehen bleiben. Gewiß wird die in dem Gesamtprozeß des organischen Umbaus des deutschen Judentu ms cinbczogenc A u s w a n d c r u n g, insbesondere nach Palästina ־— vielleicht auch, wenn die allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen etwas günstiger werden sollten, nach anderen Ländern — eine erhebliche Rolle spielen. Sie wird aber nur dann möglich sein, wenn ihr eine berufliche Vorbereitung, die in erster Linie auf körperliche Arbeit gerichtet ist, vorausgeht. So gewinnen diejenigen Instanzen im deutschen Judeus tum, die sich mit dieser Umschichtungsarbeit beschäftig gen, ein hohes Interesse. Sic sind der Träger des Um•, formungspi'üzcsses, der allein imstande ist, in organischer Weise den Lcbcnsrauin der dcutsehen Juden umzubaucn. Erste Aufgabe der deutschen Juden ist es, diesen Weg von sich aus mit Energie zu verfolgen. Unsere Zukunft liegt darin begründet, was wir selbst aus unscrer Gegenwart zu machen verstehen. Es war immer verfehlt, wenn eine Mciischciigruppc in einer entscheidenden Epoche ihrer Geschichte auf Unterstützung von außen wartete; gewiß ist diese bedeutsam — und die deutschen Juden wissen, daß sic in vielen Punkten geradc dieser Arbeit auf das Wohlwollen der Umwelt angewiesen sind —aber das Entscheidende muß jeder selbst tun. Die Sclbstbemcistcrung einer Situation, mag׳ diese auch noch so schwierig sein, zeigt erst die wahre Lebenskraft jedes Einzelnen und jeder Gemeinschaft, ln ihr offenbart sich die eeilte Würde, die der Mensch in sich verkörpert. So glauben wir, daß die Erkenntnis von der Neuartigkeit der Lehensgrundlagcn des dcutsehen Judentums dazu geeignet ist und cs immer mehr werden sollte, diese Kräfte der Selbsthilfe in uns aus• zulösen. K. L. Antisemitische Forderungen in Oesterreich Wien 5. Mlirz. (J. T. A.) Das christlich-soziale ״Wiencr M0111ags b 1 att“ bringt unter dein Titel ״Zusam* mcnschluß der c h r i s 111 c 11 - d e u t s c h c n Aerztes chaft“ einen Artikel gegen die jüdischen Aerzte, 111 dem behauptet wird, daß bei den öffentlichen Spitälern und Sozialversicherungsinstltiitcn bisher ansschließlich Juden ein Unterkommen gefunden hätten. Dies müsse in Zukunft verhindert werden. Aber mich eine Sä 11berung tue not. Die Bevölkerung werde es freudig begrüßen, wenn zumindest jene Aerzte, die erst nach dein Umsturz in Oesterreich sich eingebürgert haben und aus dem Osten /iigcwandert sind, ihre Vertrüge als Aerzte der Spitaler und der Krankenanstalten nicht mehr verlängert bekommen, ln den nächsten Tagen werde ein christlicher AerZteverband konstituiert werden, der auf der Grundläge der christlich-deutschen Weltanschauung aufgebaut werden soll. Das ״Salzburger Volksblatt“ macht sich zu 111 Sprachrohr der ״Kreise der werbenden Stande des bodenständigen österreichischen Handels, des Gewerbes, der Industrie und des agrarischen Exportes“, ln denen das Verlangen nach Widerruf der Einbürgerung ״jener Staatsfremden, eieren Tätigkeit nicht im Interesse des Gemeinwohles ge- . legen kt, tiefen Widerhall“ gefunden habe Der französische Senat hat die Bestätigung der von der Kammer angenommenen Gesetzesvoriage betreffend die Einführung einer von den Unternehmern zu tragenden Steuer für ausländische Arbeitnehmer in Höhe von 10 #/« des Loh- »et abßclclurt. Nr* 20, 9. in, 1934 יי* ך־! t..«l| »״ä k• «t ~״-N> ( n n £3 / ץ׳ :ן־׳״״י f'"'■ Pi חי f*ך-•'״ f ' | k&w Ml ■ n tstl'iii i»,. i & t*m r. m י y״״־^ יי,/ י P 11 i I a d e 1 p h i 11, 5. Mürz. (J.T. A.) Louis L i p s k v, der an der Spit/e des diesjährigen Paliistiiiii-Gampaigns in den Vereinigten Staaten stellt, lut eine Lrkliinmg veröffentlicht, in der er die Haltung der Führer des American J o 1111 I > i s I 1׳ i b 1! t i 11 ס C 0 111111111 e e in der Frage der llilfsaktiou fuc deutsche Juden einer scharfen Kritik unter/icM, Fr erlicht gegen die leitenden Männer ries Joint den Vorwurf, daß sie die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen des Judenitmis /um /.weck der Vereinheitlichung der Hilfsaktion zugunsteii deutscher Juden ablchucn. I.ipsky betont, daß cs nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge unwahrscheinlich sei, daß es in diesem Jahre zu einem gemeinsamen Drive für die Zwecke •der llilfsarbelt kommen wird. Im vergangenen Jahre, erklärte I.ipsky, habe bekanntlich die jüdische 1 lilfskouferenz in London getagt. Obwohl diese Tagung von einer grollen Zahl von Vertretern jüdischer Organisationeii vieler Länder beschickt war, habe sie doch zu keine 111 Erfolg geführt, weil sieh der Joint geweigert habe, seine Mittel mit denen der anderen jüdischen Organi- Kationen zu einer gemeinsamen Aktion zu vereinigen. Scheinhar herrsche bei der Führung des Joint die Meinung vor, daß die 1' u l ii s t i n a - A r b e i t zu der Arbeit in den Ualuth- Ländern im Gegensatz stelle. Von jedem praktischen Standpt'mkt aus aber müsse man zur Lrkeniiliiis gelangen, dal! Palästina auch in der Ililfsarbelt einen wichtigen Faktor bildet. Wir haben bereits vor einiger Zeit (am 10. Febr. 1931) auf die Schwierigkeiten hingewlescn, die sieh Innerhalb der für die I lilfsarbelt verantwortlichen Kreise enm!״.״ Damals schrieben wir 11. ,1. folgendes: ״tn ein, \v c יי t I i r 11 c ״ I.11!«].<!״ Huiop.n und ״, \ m . I״'j.;q,;:1cu HIN!iiiincr winl.-f eine Reihe v«m kl! inen ,1'י einzchmi iVrs.'.״li. 1,1., ilni, .1״■ g,|,!״■״•, I,lij׳l gl,״״!,״, tulnr ohne Aulujj; m It-mdulu, Wir vsuutnt iiphu ,ן * <f" t'lsiv\umlrn, vu'hh ,Mhnhh nttl Inih.iflM‘ mul jiMi t I1t׳m \\*0ןן AiU'11 io Au-miH /וי nrhfiti 11, 1 Utu^'ti, clnv Mirhti;.,• Atlt' ti io Ah-mIh /״!׳(•hi.u-ii, 01,1,’'.'"[' 4'י’ em »I 1,« er 14,111;;. , A|!j״!,tt ii, IS.wryiing 1 ,״l( Wlll|, »!־heilst uni, <S,1 ti Ml' HtutWi nid}!! um 1־101־ V <־ r c: 1 ח f;י { ui r! s dar Arbeit lumdHi, «undcru im 1 itj!1 ril um ein (; c 18 K e K e ח r i n 11 ml <• r 11 r t, e ilrtiilcr lnlcre.se יי‘ * ן, ״ ״ ״ so 11 I i eher It r s 1 r 1• lt 11 ״ g e ״, und!1,1(! d.idunl, II!׳ eutsirlH'ii, die Irl/irn 1,111!!׳. .ml K«! .1,1! d!׳r <l,׳t1!!!!,! יי Im! Iien sind.“ ‘ ״i is Aus der Frkläruiig Lipskys gebt hervor, 1l;,ß t!irs(. ״ fürchümgcu, die aueli in einem um 10. Februar veroffn״*' lichten Jtöricht unseres Pariser Korrespondenten zum Amui׳!•״״ gelangten, dazu geführt haben, daß eine gefährlich. Zersplitterung 11 e r Kräfte in Amerika ntif d״n (' biete der Hilfst,•itigkeit cinzutreteti droht. Wir glauben sa״e'n zu dürfen, daß gerade maßgebende Persönlichkeiten auch T liielitzionistiseheii Teils ei er amerikanischen Judenlnit t|״rV aus dazu bereit wären, die Arbeit für Palästina mul lür |!4' zwecke gemeinsam dureh/uüihreii. iiKbcsomlcre durfte!1!״ für Felix W a r b 11 r g gelten. Wenn demgegenüber dnth wieder Kräfte die Oberhand gewonnen haben, die gegen cne solche gemeinsame Arbeit gerichtet sind, so miieiut”(■* daß liier ein Ueba wuchern der Interessen der I! ii rokratit gewisser I lilfsorg.inisationcii vorllcgt, dessen Eimi.uumwiz i- Interesse der wirklichen Arbeit dringend erforderlich 15; Wir hoffen, daß es doch noch gelingen wird, tim« \Ve> ״־ finden, der die Zerspiiltening (Irr Kräfte aussdilielSt, * Ani!jüdische Exzesse in Polen Warschau, 5. Mürz. (J.T.A.) In Pachlaniz bei I.odz über tief eine Gruppe Nntionaklcmnkratcn einen Bazar des KKL, demolierte den Pavillon, zerstörte die ausgestellten Objekte und verletzte zwei Beamte de» Bazars. Fünf Nationaldemokraten wurden verhaftet. Uelter Exzesse, die in Jaroczln, Im Distrikt Posen, während des letzten Jahrmarkts statt gefunden haben, wird mitgeleilt, dal! eine Baude mit Fisenstiiheu tmd Stöcken bewaffneter junger Leute die Stände der jüdischen Händler umzingelt, aut die Inhaber der Stünde Ungeschlagen und die Waren diireiieinnndergcworfcii und zum Teil vernichtet hat. Viele jüdische i lündler trugen Verletzungen davon. Die Ausschreitungen dauerten von 1 Ws 3 Uhr nachmittag», erst dann traf Polizei ein und vertrieb die Exzedenten. Lemberg, 5. März. (J.T.A.) hn Zusammenhang mit jiidcnfeiiu!liehen Ausschreitungen, die In den letzten lagen Immer größeren Umfang angenommen haben, sind 17 1111• t i o n a 1 d e ווו o k r a 11 s c h c Studenten, die in den Straßen jüdische Passanten überfallen hatten, verhaftet Rumänische Regierung gegen Antisemitismus Bukarest, 4. Marz, (J.T.A.) 1*1 der rumänischen De« putiertenkammer fand eine Debatte über (Ins ״lieber• f r e m d u 11 g s p ro b 1 c m“ statt, in der ein Abgeordneter der Regierungspartei Klage über das Eindringen Von Angehörigen der verschiedenen Minderheiten, zu denen er nusflnteklich aueli die Juden zählte, 111 die staatlichen Betriebe und In die rumänische Wirtschaft führte. I'ür die Regierung erwiderte Minister N i s t o r, es würden entsprechende Maßnahmen getroffen werden, ohne jedoch nnziideutcn, wie die Regierung im einzelnen die Frage zu regeln gedenke. Im weiteren Verlaut der Debatte hielt der Cuzist Professor Catiincami eine s c h a r f e antisemitische Rede, In der er die luden für alle wirtschaftlichen Schäden verantwortlich machte. Seine Ausführungen wurden durch Unterstaalssekretär Alexander Mnvrodl z 11 r ü c k g e w I c s e n. Unteistiiatssekrctär Mavroili erklärte, die Liberale Partei, der die Mitglieder der Regierung nngchömi, habe sieh stets gegen Klassen- oder Kasscitka 111 p f gewandt. Bukarest, 1. März. (J.T.A.J Die alle Bischöfe und Prälaten des Landes umfassende Heilige Synode der orthod o x e 11 K i r c 11 e R 11 in ii n i c 1! s hat beschlossen, eine F11* zyklika an das rumänische Volk zu richten, in der dieses atifgefordert wird, sielt von extremistischen Tendenzen fern- /!!halten, für Ruhe und Frieden zu sorgen und Ordnung und Einigkeit zu wahren. Dem Beschluß der Synode kommt Im Hinblick auf die antisemitischen Strömungen besondere Bedeutung zu. Mindcrheilenrecht und lettllindlsclie Verfassung Riga, 2. März. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit den Vorarbeiten für eine Aeiidcrung der IcUliiiulischcn Verfassung wurde in der zuständigen Sejmkommission ein Antrag auf Einbau des Minderhcitcnrcc h t c 9 in die Ver• f .1 s s 11 n g gestellt. In einem besonderen Punkt der Ver• tassung soll die Sicherung nationnlkiiltiireiler Autonomie für die Minderheiten Lettlands gewährleistet werden. Bisher enthielt die Idtländische Verfassung eine derartige Bestimmung nicht. Die den Minderheiten gewährte Autonomie auf denn Gebiete des Seil ulweicn« hielt sich im Rahmen der Bestimmungen des geltenden Gesetzes über Volksbildung und Unterricht. Jüdische Kandidaten lilr das Itaiienisclic Parlament Rom, (1. März. (J.T.A.) ln der letzten Sitzung des Obersten Rates der faschistischen Partei wurde die Liste der Kandidaten zum iivu/uwnhlciidcn Abgeordnetenhaus hestätlgt. In die Liste der Personen, denen die Abgeordneten* würde /!!gedacht ist, wurden vier Juden aufgenommen, und zwar der Industrielle Aino Olivetti, Gino Arlas, einer der Theoretiker des italienischen korporativen Wirtschaftssystems, der Industrielle Riccardo Luzzatti, ein Verwandter de* verstoibencn Staatsmannes Luigl Lu/atti, und Giuseppe Pavoncciii, ein bekannter Großkaufiitanii. Die Liste neucriianntcr itnilciilftchcr Senatoren enthält die Namen von zwei Juden. Die beiden neuen jüdischen Senatoren sind Alfredo Feilet, ein hervorragender Rechtsanwalt, und Giotgio Fttlck,' ein sehr bedeutender ln• dustricller.- Bei den in Saloniki stattgefmuleuen Gemeinderatswählen, (Jenen ein heftiger, von den Oppositionsparteien zum großen Teil unter antisemitischen Losungen geführter Wahl* kämpf vorangegangen war, hat die Regierungspartei, die sechs jüdische Kandidaten auf ihre Liste gesetzt hatte, einen eindrucksvollen ,Wahlsieg errungen. Anklage im Arlosoroff-Mordprozejj erhoben Jaffa, 8. März. (J.T.A.) Am 7. Mürz, wurde ln Jall! die Voruntersuchung gegen Abraham Stavskv, Z W I R o » e n b I a 11 und Abba A c h I M c I r durch Ober. Hehler Conimandcr Ralph ßodilly abgeschlossen. Gegen die Bcscliuldigten wird nunmehr die formelle A11 klag( auf Grund von Artikel 170 des Strafgesetzes (vorbedachter Mord) erhoben. Auf das Verbrechen, dessen die Angeklagten beschuldigt werden, steht Todesstrafe. Stavsky, Rmen• blalt und Achi Mclr werden vor ein Geschworenengericht gestellt. Vor Verkündung der Entscheidung Richter BmliHys verlas der Verteidiger R c c h t s n 11 \v alt Sa m 11 e I ein von Stavskv, Rosenblatt lind Achi Meir Unterzeichnete» Memorandum, In dem sie jede Schuld in Abrede stellen und die Aussagen der von der Anklagehehörde geführten Zotigen einer Analyst tmter/ichen. Die Verlesung der Denkschrift tialiiu vier Stirn• den in Anspruch. Aueli Achi Meir legte eine Trklärung׳ vor, in der er feststcllt, daß politischer Mord seinen Anffassungen ebenso widerspricht wie denjenigen der revisionistischen Ilewegung. Am Tage vor dem Abschluß der Voruntersuchung wurden die letzten Verlieh m u 11 g e 11 durehgdulirt. Inspektor Rcubcii Chasan vom Jerusalemer Gefängnis sagte aus, Abdul Medsdiids arabischer Verteidiger Ibrahim Nidscltid sei, als er Aluhii Mcilschiil, unmittelhur bevor dieser sein (iestümliih zurtick/ng, im Gefängnis aidsudite, von drei Arabern am Jaffa begleitet gewesen. Dies widerspricht der Aussage (In nrabisclien Inspektors Sehnwki S.uid, der erklärt hatte, niemniitl habe sich in der Begleitung des Rechtsanwalts befumleii. Auch Abdul Medseliid hatte bei seiner Vcrnchmiing behauptet, er habe keinen mitiercn Besuch als den sein« Rechtsanwalts empfangen. Den Besuch seines Anwalts, der nur zehn Minuten bei ihm geblieben sei, habe er für dieser. Tag nicht erwartet. Fr habe ganz unabhängig davon schm vorher die Absicht gehabt, zu Kommissar Shitreet zu gehen und sein Geständnis zu widerrufen. Woher sein Verteidiger Keimtni.s davon erlangt habe, dal! er die Schulet an der Irmordtmg Dr, Arlosoroff» auf *ich genommen hatte, wisst er nicht. Der Orthopäde Dr. Joseph Treu erklärte, er habt die Schulte des von Abdul Medseliid in seinem (lestimlms als Komplizen bezeichnet(•!! hsa Derwisch «ml diejenigen Abraham Stavskys mit den Gipsabgüssen der an der Mordsteile Vorgefundenen Fußspuren verglichen. Es sei imnv';• lieh gewesen, einwandfrei fcst/ustelleii, oh die I iiHspurcn von einem der beiden Schtihpaaro herrl'ihrcn. Allerdings hätten die Schuhe Iss,1s der Größe nach den Gipsabgüssen *piochen, während die Stavskys größer gewesen seien. Zwi Rosenblatt sagte aus, er Imin־, als er Abdul McibeM mit Stavsky sprechen hörte, hei der Ueberset/ung c1״t* Wortes geholfen. Daß er Abdul ,Medseliid gegenüber ttgegeben iiahc, er habe Dr. Arlosornff ermordet, sei unwahr. Auch habe er Abdul Medsehld nicht aufgcfonlert, ein <11• stiindnis fibzulcgcn, noch habe er ihm, wie Abdul Medsen!» dies behaupte, einen Plan vom Strande von Tel-Awhv 00« eine Rcvolvcrktigel gezeigt. Jaffa, 6. März. (J.T.A.) Die Wiederaufnahme «los Verhör* i 111 Arlosoroff-Mordpro/eß timcbte an zwei aufeinander■ folgenden Vcrhandlungstagcu weitere einander widtf• s |1 ree 11 c 11 d c Aussagen. Besonderes Interesse «rw־ccK die Vernelinituig des Beselnikiigten Abraham Stavsky,“ der Bchniijituug entgs-ggeutrat, er habt' Abdul Mcdscluu " ' anlaßt, ein (iestämlnis ah/ulegen. lieber das Gespräch, ״ er am 20. Dezember mit Abdul Medseliid geführt י> berieiitde Stavsky, er habe Abtlul Medseliid auf dem Korn!‘׳ des Gefängnisses getroffen und sei von diesem itiiKesprocn worden. Die Unterredung, die von Abdul Mcilselud schlechtem Hebräisch goiührt w orden sei, habe etwa נ Mini, gedauert. Abdul Medseliid habt• ihn gefragt, wie S‘1״־C gciegenlieit stelle, woran( Cr geaitl um tet Italic: ״"lf *j imseiiuldig und sind überzeug{, daß wir frelgesnroelien den.“ Sodann ha!)(־ er sich hei Alxlul Medseliid nach 0 Stande seiner Angelegciilieit erkundigt, Bei späteren ntmgen hätten sie einander nur noch gegrüßt, aber k Gespräche geführt. Unwahr sei die BehaOptting. c,r,,ן., Alxlul Medseliid gegenüber sieh und Rosenblatt der ■ mordung Dr. Arlosoroffs schuldig bekannt. Der hiera«׳ nominelle Polizeiinspektor Schawkl Sa ad erklärte, sei aut Grund einer Vernehmung Abdul Medseliid5 Ucberzeiigung gelangt, daß dessen ticstäiulnis falsch w*r׳ dieser Ueberzeugung habe er seither unverändert!“fc halten. , ,ef In der tags zuvor durchgeführtcn Verhandtung saUfyu| jüdische Polizcikorjioral Levi De r b ar m diger aus, « Medsehid sei als i rauenjiiger bekannt und »ei oft auf ‘ Spaziergängen in der Nähe von Tcl-Awiw nngetroffeii!״ lssa et Derwisch erklärte vor Gericht, er sei <;ic״ Komplize Abtlul Malschlds bei der Ermordung Arus״ gewesen, auch war er nicht bei der Ermordung <־m״ lmans durch Medsehid zugegen.

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