Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 6. III. 1934 Die W o 1111 p e r i o 11 e n sind am Anfnnfr länger gewesen, müssen aber wegen <ler größeren Inanspruchnahme durch die gesteigerte Alijah verkürzt werden. Die Mädchen bewohnten «las I leim in folgenden Zeiträumen: 18׳ Mädchen unter 1 Mn- Hat, 1-2 ')1׳ Monate, 2 11׳.3 Monate, 47 3—4 Monate, 2<> 5—!> Monate, 1) 7.8 Monate, 20 0 -10 Monate, 4 11—12 Monatc, 2 13-15 Moiiale, 2 i(>!א Monate. Durch die (iemeinscbalt mit den Chawerotl) werden die Mädchen vor Vereinsamung behütet und lernen von den schon länger im L.'imle weilemlen «lie Besonderheiten des Landes krumm. Das Heth I iaehalii/otli veranstaltet allwöchentlich uuoiit- Reifliche Lese-, Diskussion*• und Vortragsabend«.; mit ׳Themen, die besonders Ncuciiiwamlrrvr angelum, gibt die Möglichkeit?11 gemeinsamen Spielen und Gymnastik und organisiert Ausfliige. Das Lesezimmt'r mit deutschen, jiddischen und licbriiisclien Zeitungen und die Bibliothek mit hebräischen und detitsehen Büchern stehen kostenlos zur Verfügung. — Diese kulturellen Einrichtungen des Hauses sind nicht nur auf Uausbewolmcrimum beschränkt, sondern sollen auch außenstehenden Mädchen und jungen Leuten einen Rubepnnkt bieten. Lin wichtiger 1!clH'iieitiingsfaktor thr die Mädchen?11111 Lehen außer dein Belli 1 lacliaiti/olh sind «iie Beziehungen des Hauses?um geistigen 11ml gesellschaftlichen Leben der Stadt Haifa. Im Bdh I laclutltizolli werden laufend hebräische Kurse abgehoben und finden vielerlei öffentliche Veranstaltiinjrcn statt, so daß die Miiifchon als Zuschauerinnen «xlcr Mitwirkendc mit «len innen Verhältnissen auch auf diese Weise in Berührung kommen. Neben der Wohn- und Kulhirgemcinschaft ist «las Belli Hach,111170111 bestrebt, Kooperativen 711 schaffen, in denen den Mädchen hei Bedarf und Neigung «lie Ausbildung für einen für das Land wichtigen Beruf geboten mul zugleich der Beitritt zur Koopera . .1• gewährleistet wird. Diese Betriebe —■ Restaurant, Damen- und Kindersclmeiderei, llandwäscherci, kirnstgewerbliche 1 landwcbcrci — haben sich in verhältnismäßig kurzer Zeit entwickelt. — Das Restaurant wird von fünf Chaweroth, «lie sich in den Arbeiten ahwechscln, geführt. Es Soll «lemniiehst auch als Lehrkiichc dienen. -- Die Wäscherei arbeitet für Private, Hotels und (iescliäfte. Die vorkommenden Arbeiten werden von 11—1(1 Mädchen aus dem Kibbuz Jagur unil Bctli Ciolim ausgefiilirt. .- Die Schncidcrwcrkstättc mit etwa sechs Mitarbeiterinnen arbeitet für Private und Geschäfte. — Einen besonders guten Ruf hat sich die kunstgewerbliche Handweberei erworben. Sic erzeugt Dckorntions- und Kleider- Stoffe und bat im ganzen Lande Abnehmer. Zurzeit arbeiten etwa sechs Mädchen aus de« Kibbuzim in der Weberei. Die Ausbildung hatten zunächst mir zwei Mädchen erhalten, die vier andere Mädchen aus «fern Kibbuz zur Mitarbeit herangezogen haben und den Ausbau des Betriebs planen. Stella Rosenkranz, Haifa. Aufgaben sozialer Arbeit in Palästina Unter den jetzt ins Land kommenden Frauen sind viele, die, sobald nur die erste» Schwierigkeiten der Installierung überwunden sind, den Wunsch empfinden, sich über die iin Laude geleistete soziale Arbeit zu informieren und möglichst bald au ihr teil/ttuehmen. Dieser Wunsch hat verschiedenc Quellen: bei manchen Fra mm entspringt er einem ausgeprägten nationalen mul sozialen Empfinden, bei anderen Frauen überwiegt der Wunsch, aus «lern Kreise der Bekannten, mit denen zusammen sie hergekommen sind, hcrausziikommen und Fühlung mit «len schon länger in Palästina lebenden Frauen zu gewinnen. Bei denjenigen Frauen, die schon im Auslände der Wizo oder einer anderen Frauenorganisation angehört haben, kommt dazu das Verlangen, die Institute dieser Organisationen, von denen sie jahrelang gehört haben, nun auch mit eigenen Augen zu scheu und an ihnen mit• zuarbeiten. Und manche Frau findet auch, daß — verglichen mit ihrer bisherige» Mitarbeit am organisatorischen Aufbau der Fraitcnverciiiigiing — das imuiittclbare Mitschaffen am Schicksal lebendiger Menschen ihre Persönlich• keit in höherem Maße bereichert. Der Frau, die aus dem einen oder anderen Motiv über den Rahmen ihres Hauses und ihrer Familie hinaus in einen größeren Arbeitskreis cintrctcn will, fehlt es keineswegs an Möglichkeiten hierzu. Für dl«־ Frau, die bereits vor ihrer Uebersiedliuig Mitglicd der Wizo war, ist es wohl das natürlichste, sich auch hier sofort dieser Organisation au/tiscliließen. Die W i z 0 ׳— in Tcl-Awiw unterstützt von der Jtmg-Wizo — bemüht sich, den Ankömmlingen auf halbem Wege entgcgenzukommcii: ihre Mitglieder haben einen Hafendienst zum Empfang der ankommendcit Frauen eingerichtet; die Klubräiimc stehen ihnen offen; in Jerusalem versammeln sich Wizo-Fraucn einmal wöchentlich in einem Cafe; Besichtigungen der Wizo- Institute werden organisiert, und an verschiedenen Orten wtirden Beratungsstellen in häuslichen Fragen, die für die neue Einwanderin von so überragender Bedeutung sind, eiligerichtet. Audi die Sprach-, Näh- und sonstigen beruflichen Ausbildungskursc, sowie «lie verschiedenen Vortragszyklen, welche die Wizo eingerichtet hat, sind Stätten, an «lenen wichtige Bekanntschaften angekniipft werden und mancher wertvolle Rat erteilt wird. Zu praktischer Mitarbeit geben die verschiedenen Institute der Wizo und der mm mit ihr vereinigten Hista• druth Nasch im Ivrioth zahlreiche Möglichkeiten: Säuglingsheim, Tageskrippen, Anlegung von blaiisgürlclien, Kochkitrse in den Kolonien, Anstalten zur Mädchenatisbildang י— sic alle haben ihre eigenen Vcrwaltungskomitcrs, und je nach ihrer Neigung kann sich die neu in die palästinensisclie Organisation eingetreteiic Frau ihren Wirkungskreis aussuclicn. Aber auch außerhalb «fer Wizo wird in Erez Israel eine Fülle von sozialer Arbeit geleistet: den Vereinigungen arbeitender Mütter, die im Anschluß an die Arbeiter- Organisation in den letzten Jahren in vielen Orten des Landes entstanden sind, um kooperative Säugliiigsstationcn, Kindergärten und Schulen . cinzuriclitcii und die arbeitenden Mütter weiterzubildcn, schließen sich viele organisierte Arbeiterinnen an. Manche dem Misraclii nahestehenden Frauen nehmen besonderes Interesse an den Institutionen der Misrachi-Frauen- Vereinigung, vor allem an der sehr großzügig eingerichteten Haushaitschule in Jerusalem, der bald ein Mittagstisch angegliedert werden soll, und bestreben sich, hier mitzuarbeiten. Einige der neu cingcwandcrtcn Kräfte haben einen Wirkungskreis in dem wunderschönen Heim für deutsche Einwanderer in Jerusalem gefunden, das besonders dank den Bestrebungen der Frauengruppe «ler Bnc Britli-Loge entstanden ist, und in dem sozial gesinnte Frauen vielerlei Aufgaben finden. Um «las Bild der palästinensischen Fraiienorganisationen zu vervollständigen, sei hier noch erwähnt, daß auch die amerikanische Frauenorganisation Hadassah in den letzten Jahren begonnen hat, ihre in Erez Israel lebenden Mitglieder zu Organisieren und ihnen in den Schulküchen, Spielplätzen und anderen im Dienste der Volksgcsundlieit geschaffenen Instituten die organisatorische und praktische Mitarbeit zu ermöglichen. Aber nicht nur in den eigentlichen Frauenorganisationen findet die Frau ein Arbeitsfeld; es gibt auch andere Zentren |־-X r,״־׳׳' rn n r,r! «"«׳ין i ן ן«® ׳ ףיי#<רן יי״יייויי•^ ן ■% ך**־׳•־־» rך״״ f\ ' \ ך'*׳״־׳*•"״*׳״״ י; ן ־!! . 11 ך־,׳ . \ ] i I ) I I 1 ‘; [! ־ '* t i ■ 3 A k. i 1 4 L -dl |! .jiM A 4!■.»!! 41«ו?ו fc»e4 \a4 ^״■־יי״׳יץ ויי \ ..;• La » Jtri I*» ET713 J / י־רי| I / . m י;; m \ \ Von der I Inttptsfraßc von N e s s Z i o n :1 11 geht ein breiler holpriger Weg ab, Er führt an srlieinbnr endlosen Orangcnplmüagen vorbei, eingohegt zum Teil von riesigen Kakteen, /mit Teil von gell) blühenden Aknzicitlieekcn. Die Bäume sind streckenweise überschwer von Früchten, au amleren Stellen ist ihre Ende schon 111 «len Höfen zum Packen oder unterwegs auf Schiffen nach Europa. Mau trifft lange Zuge von Kamelen, «lie Bretter fiir Kisten schleppen und Massen von Bediiiiieiikifideni. 111 einer Talscnkimg liegen die schwarzen Zelte ihrer Familien dicht nebeneinander. 1 )ns jüdische Ncss-Zioiiah hat einen großen arabischen Teil, bc- Herrscht von dem großen I lause seines Scheichs, und die Kolonie beschäftigt seit jeher eine große Zahl arabischer Arbeiter. Jct/t beim Pflücken sind sic besonders auffallend, wie sie in ganzen Familien, Männer, Frauen und Kinder, in den Plantagen ans- und eingeheii. Auf einer der benachbarten Höliim stellt ein großes weißes Haus, Es beherrscht die Umgebung, Hier liegt die M ä d c 11 c n f n r m N c s s ־ Z1 on a 11. Ditrcli ein Tor, durch eine junge Palmen,illce und einen großen neuen Ziergarten kommt man auf den Vorplatz. Fs ist Mittagszeit, die Mäddien sitzen vor dem Haus und plaudern oder lesen; oben vom Dach aus übersieht man die gesamte Wirtschaft mul die Umgehung mit ihren neuen jüdischen Siedlungen und dem moslemischen Wallfahrtsort Ncbi Rubin. Das Meer schließt den Horizont ab. Die Wirtschaft umfaßt Orangen und anderes Obst, Geflügel, Kühe, eine Baumschule, Gemüse• und Ziergarten und L'ulteifelder. Sic hat 400 Duiiain bewässerbaren Boden, von denen heute ein Teil noch extensiv bearbeitet wird. Der Boden gehört dem Jüdischen Nationalfomis. Die Farm wird von der ״Wizo“ und der Monzath Hapoaloth (dein Rat der palästinensischen Arbeiterinnen) erbaut, das Budget ist von der rumänischen Föderation der Wizo garantiert worden. Es umfaßt im ganzen 21000 Pfund, von denen bereits gegen 14 000 investiert wurden. Die Farm ist erst int Aufbau begriffen. Von den geplanten Gebäuden stellt nur das Zeiitralliatis, das später die Räume für Unterricht und Versammlungen, die Bihliothek, Laboratorium und Büro enthalten soll. Die eigentlichen Wohnhäuser sind erst im Bau. Neben dem großen Platz wird Beton gegossen und gemauert, in kurzer Zeit werden hier weitere Häuser stehen. Vorläufig wohnt man, so gut es geht, im Zentralgchämle, Auch die Wirtschaft ist noch in der Entwicklung, aber die entscheidenden Zweige sind bereits im Betrieb, die Mädchen liahen Gelegenheit, sich überall gründlich uni/idun. Mit den weiteren Wohnbauten und der Ausdehnung der Wirtschaft wird man nm־h mehr Scluilt׳■ rinnen aufuchnicu können. Zur Zeit sind über vierzig dort, dazu!<«0111111 eil Arbeiter (für die Pferde usw.) und Instrnk• toi innen. Die Lehr zeit in der Farm umfaßt zwei Jahre, in der in allen genannten Zweigen und außerdem in 1 laus- Wirtschaft unterwiesen wird. Zu der praktischen Arbeit kommen täglich zwei Stunden theoretischen Unterrichts. Ncss-Zionah hat einen anderen und besseren Start ge• habt als die übrigen Arbciterinncnfarmen im Lande. Diese entstanden aus dem Bedürfnis heraus, den Mädchen eine he• sondere, ihnen ,•ingepaßte Ausbildung zu gehen, da cs sich zeigte, daß sie inncrlialb der Kvvuzotli aus Mangel an Kennt• nissen und vielleicht auch an Initiative nicht zu entsprechen׳■ der Ausbildung und Arbeitsleistung gelangten. Die Farmen wurden zuerst einfach als Wirtschaften eingerichtet, in denen eine Gruppe Mädchen unter Führung einer erfahrenen Ar• beiterin alle Arbeit verrichtete. Int Laufe der Zeit hat man die innere Organisation verändert und verbessert. Vor allem wurde fiir eine Systematisierung der Ausbildung um! für die Einstellung fester I n s t ru k t o r in nc n gesorgt, so «laß die lernenden Mädchen wirklich eine eilt• sprechende Anleitung erhielten, Ness-Ziojiah hat bereits aus den schweren Jahren voller Erfahrungen in den alten Farmen gelernt. Was hier entstellt, ist ein richtiges Lchrgut für Frauen, mit histruktoriiiiieu für jeden einzelnen. Arbcits• zweig, mit theoretischem Unterricht und mit einem ge• sicherten Budget, das einen geregelten Betrieb ermöglicht. Boden 11ml Gebäude werden nach völliger Fertigstellung des Betriebes für 120 Schülerinnen ausreichcn, so daß zusammen mit Arbeitern und liistriikloriinicii gegen 150 Menschen an diesem!1unkte konzentriert sein werden. Wir haben cs also liier schon mit oincin Unternehmen von beträchtlichen Ausmaßen zu tun. Als vor etlichen Jahren Ada Fis«• h m a 11 n, eine der ,111™ Fülircrimtcn der Atlx׳ik׳m1ne11!>r\vcßtmg im Lande, den *pu״ einer ״Grollen Arbeitcriimimfarm" entwickelte, stieß »ie sehr viel Unglauben, Daß mehr Auxbildinißsstrllcu |״r dien notwendig wären, wurde fmluh allgemein 711grgc׳b״," aber cs war gar nicht ein/usehen, woher die Mittel für ein« solche waghalsige Sache berkommeii sollten. Außerdem neb. teil sehr viele eher zu «!er Schaffung einer landwirtsclialt• liehen Mädchenschule bzvv. einer Vergrößerung und besseren Ausstattung des bestellenden Instituts von Nalialal als Gründung, einer großen Arheiterinnerifarm. War schon beiden kleinen Farmen alles sehr schwierig gewesen, halte tuan immer von neuem Fragen der Leitung und des Unterrichts zu lösen, sich immer wieder mit dein Budget für diese Gründungen 11cr11m/11sclilagm, so seiden es unerfindlich, «pe man bei einer solchen Sache wie Ncss-Zionali mit «ll\|(.m fertig werden sollte. Ada Lischmann ließ sich jedoch nicht abschrecken. Ls wurde erst einmal das Budget gesichert• 21 (KM) Pfund sind wahrlich keine Kleinigkeit! Weiterhin wurde «las Unternehmen von vornherein mit den nötigen leitenden Kräften versorgt. Es wurde zu einem richtigen Lehrgut. Freilich bleibt noch viel zu tun, bis es vollkommen an«, gebaut ist, und cs werden immer noch viele Vcrbcsserun״t-n nötig sein; aber der Weg, auf den die Farm heute gelang erscheint einleuchtend. I )as Land hat eine neue und große Allsbildungsstelle für Mädchen in der Landwirtschaft «■ Wonnen. ' Die M,:id cli rn, die heute zum Lernen dort sind, kom. meu zu einem Teil aus «len Kwu/oth und den Kibiizzim,;um Teil sind cs neue Linwamlerinnen aus allen Teilen der Welt, Wer aus einer Gruppe kommt, geht in der Regel dorthin zurück und kann an seinem früheren Arbeitsplatz die gc. womienen Kenntnisse gut verwerten. Andere suchen sich privat Arbeitsplätze und finden in der Regel leicht Bcscbafti« gttug, da nach ausgchildeten Kräften Nachfrage besteht, Ans I)e 111 s c 111 a 11 «I sind in Ncss-Zional! beute vier Mädchen, ihre Zahl wird jedoch bald wachsen. Die Wir« hat zusammen mit dem ״I leclnduz“ eine Kommission ringe• setzt, die in .Berlin Mädchen für die Ausbildung in Palästinj (in Nalialal, in den Arhcilcriuucnfarmen und in Ncss-Zionah) auswählcn soll. Damit soll erreicht werden, daß schon in Ausland eine gewisse Auslese getroffen wird, und an die - immer noch beschränkten — Ausbildungsplätze nur Menschen kommen, bei denen man auf einen Erfolg und tüchtig{ Arbeit rechnen kann. Ncss-Zionah will für 30 neue Mädchen aus Deutschland Platz schaffen. Und cs bestellt kein Zweifel darüber, «laß liier eine gute Möglichkeit geboten wird, sich in der Arbeit und im l ande ciii/ugcwöliiie». ln der Regel verlangt Ncss-Zionah die Kenntnis des Hebräischen. Denn da die Arbeit «lie Mädchen stark absorbiert, bleibt keine Zeit und Kraft für besondere Vor• bereitiuigskurse. Bei dem großen Andrang von neuen Immi• grauten, der im letzten Jahre spürbar war, hat man jedoch in einzelnen Fällen in dieser Hinsicht etwas Nachsicht gciihl, Das Milieu ist hier jedoch so völlig lichraisicrt, d.1 II den Mädchen gar nichts anderes übrig bleibt, als sich an/upassen, und ״ach kurzer Zeit beginnen sic hebräisch zu sprechen. Das ist aber nur ein halber Trost. Demi mau lernt /war verstehen und sprechen, aber mau lernt hierbei nicht lesen, man bekommt nur ■einen sehr׳ schwachen Zusammenhang mit dem hebräischen!.eben und schon gar keinen mit der Kultur und der Literatur. Man braucht sich nicht erst von der schönen Landschaft Ncss-Zionahs, von der vielseitigen und geregelten Arbeit im Betriebe bestechen zu lassen, mau braucht auch keine mmanti• sehen Vorstellungen zu liegen, um auf den ersten Blick 7u sehen, daß die Mädchen dort draußen den Ucbergang leichter und besser vollziehen als die Hunderte, die sich in der Stadt um eine Stelle iniilien. Freilich, es ist. dort draußen schwere Arbeit, man lebt primitiv, man muß sich anstrengen, man kommt auch später, wenn man für sich zu arbeiten be• ginnt, keineswegs zu Rcichtümcrn, sondern muß sich meistens mit dem Existenzminiimim begnügen. Aber man hat ein Milieu und ein palästinensisches Milieu, man Ist nicht vereinzelt, man hat eine Gruppe, .11! die man sich halten kann, eine Gemeinschaft, zu der mau gehört. Das ist ein großes Plus, Ncss-Zionali lehrt seine Leute arbeiten, » lehrt sic etwas vom Lande kennen, es modelt sie zurecht für die Erfordernisse des Tages. Gerda Luft (Tcl-Awiw). wichtiger sozialer Arbeit im Lande, die Männer und Fraturti als Mitarbeiter benötigen. Viele aus Deutschland stamtuende Juden fühlen sieh jetzt besonders zur Mitarbeit an den Auskmifts• und Hilfsbüros der Hltachduth Oie <i c r m a 11 i ,1 getrieben, die in den drei größten Städten des La«- des ihre Tätigkeit entfaltet. Auf «lern Gebiet der sozialen Hilfe, speziell der KiiHleriinterhriiigimg, bestellt ein enger Kontakt zwischen den Oie Germania-Biiros und den Frauenorganisationeu des Landes. Andere Frauen, die besonders die orientalische und eingesessene aschkeiiasischc Bevölkerung des Landes studieren wollen, haben in den Hilfsbüros der Ke hi Hot 11 mitzuarbeiten begonnen. Fine Begleitung der So/ialbeamtinnen auf ihren Reeherehengängen in «len Arincnvicrtcln «ler Städte und Kolonien gibt diesen freiwilligen Mitarbeiterinnen uiivergleiclilieh wertvolle Einblicke in «Ins Leben der ihnen bisher ganz unbekannten orientalischen Bevülkeriingsgrttppen. Unter den freiwilligen Helferinnen «ler Keliilloth, die hier ein geradezu unerschöpfliches Arbeitsgebiet vor sich sehen, finden sicii letzthin eine ganze Reihe von Frauen mit bekannten Namen, die jahrelang in Deutschland sozial gearbeitet haben. Um diesen neuen wie auch «len länger im Lande befindlichen Sozial- .Arbeitern die Vorbedingungen und Aufgaben palästinensischer Wohlfahrtspflege ii.iho/tihringen, hat die Sozialabteilung der Knesset!! Israel in diesem Winter in Jerusalem, Haifa und Tcl-Awiw einen Vortragskursiis fiir Sozialarbeiter cingcrichtet, der von Frau S. Wrousky und der Verfasserin dieses Auf- Satzes geleitet wird. Die freiwillige Mitarbeit der Frauen an der sozialen Arbeit im Lande ist gerade in diesem Augenblick besonders wichtig. Die große Finwanileningswcllc des letzten Jahres, die natürlieh auch. viele hilfsbedürftige Elemente ins Land bringt, erfordert eine ungewöhnlich große Anstrengung des Jischuw. Die Einordnung ist um so schwieriger, als gerade jetzt «lie Wohlfahrtsinstitide sieh Ln hesonders schwieriger Lage bcfinden, da die bis vor kurzem regehnällig aus dem Auslande, besonders aus Amerika einströniendeii Subventionen außerordentlich nachgelassen haben und ganz zu versiegen drohen. Bei diesem Mißverhältnis von Bedarf lind Vcrsorgiingsmöglichkeit ist cs um so notwendiger, daß viele mit sozialem Verständnis begabte Menschen die Bevölkerung des Landes selbst zur Erkenntnis ihrer sozialen Pflichten atifrufen und ihr klarmachen, daß ein wirtschaftlich so günstig «tastellendes Land wie Erez Israel in weit höherem Maße als bis* her seine eigenen sozialen Bedürfnisse decken, seine Waisenhätiscr, Altersheime, Lungenheilstätten und ähnlichen Institute nach Möglichkeit selbst subventionieren muB. Die soziale Arbeit trägt auch für die neu einwanderndea Fraüen ihren Lohn in sich selbst: sie lenkt sie von ihrem eigenen — meistens schwierigen — Schicksal ab und verbindet sie schneller und inniger mit dem Lande, als die a» schließlichc Sorge fiir das eigene Haus und die eigen* Familie es vermag. Helene Hanna T110 n, Jerusalem. Um das Franenwahlrecht in Palästina Im Unterhaus richtete vor kurzem der Ab* geordnete Colonel Josinh Wedgwood an den יף■ loiiiemninister die Frage, ob das neue Stadtgenicino*• reglemcnt für Palästina nunmehr in Kraft getreten sc! warum die Gemeinde Tcl-Awiw des Rechtes beraubt wo- «len sei, wie bisher Gemeindesteuern für unbebaute Drunoj stücke eiiizuhcbeii, und warum den Frauen von tlada u Jerusalem im Gegensatz zu denen von Tcl-Awiw das meiiulcwahlrccht nicht zugestanden worden sei. für ‘j Colonial Office erklärte Malcolm iMac Donald, das i>w gcmcindcrcglement sei in Palästina am 12. Januar 1n Kr'! getreten. Im Abschnitt 102 Kapitel 1 dieses Reglements vorgesehen, daß eine Stadtverwaltung mit Bewilligung Distriktskommissars berechtigt sei, für unbebaute Uru stücke eine Steuer auf Grund des Verkehrswerts '1IC1 Parzellen einzuheben. Ls sei ihm nicht, bekannt, dal) Ermächtigung zu einer solchen Steuer im Lall der 8י• Verwaltung von Tcl-Awiw verweigert worden sei. Das Kt* ment sehe die Zueikemniiig des Wahlrechts an Frauen von Tcl-Awiw vor, weil dies *1,י'” |C1 maßen den Wünschen der dortigen Bevölkerung entspr ׳ Für Haifa, Jerusalem und andere Stadtgcmciiidcn sei Vorgang vorgesehen, durch den die Bedingungen 1״r Zucrkeninitig des Wahlrechts geändert werden können, somit auch die Einführung des Frauenwahlrcclits crnioi; ׳ Solche Acndcruiigcn sind zulässig, wenn der Gemen' einen entsprechenden Antrag mit Zwcidrittcl-Mchrncu nehme. In Amsterdam ist der älteste jüdische Sch Spieler Hollands, Jacques de Boer, im Alter von •׳. reu gestorben. De Bocr, der seinerzeit in der hollancrt Thcatcrwclt eine hervorragende Stellung cinnahm, * Schwager der Schauspielerin Esther de Boer-van KJ״ . ׳!׳ obwohl sic über 80 Jahre alt ist, noch immer mit 6 Erfolg aultritt.