Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 modische Rundschau Nr. 19, 6, ITI.!934 *מן ץיי"- 1 r ^•י־״״וין r'-\ f ׳־'/ * 3 •J "x 0 'Ann 1 i .! V y c:j 1ל l »,1 Ü 1*1 Wir veröffentlichten in unserer Ausgabe vom 10. 12. 33 einen Auszug ans einem Artikel von Otto Heinrich, der in der Zeitung ״Der Heidelberger Student" vom 12. 12. erschienen war und den Titel trug: ״Der Jude wird wieder frech!“ Zu diesen Ans[ührungeu bemerkten wir. daß die deutschen Juden sich nicht — w e Otto Heinrich bcltauptetc — in ״Sehlujifvvinkel" gesetzt Imben, sondern daß sic ini Gegenteil in ihrer übergroßen Mehrheit im Jahre 1033 dm Wcr 7.11 einem bewußten Judentum gefunden haben, das ihnen leider früher vielfach ahging. Wir fugten weiter I1in7u, daß diejenigen, die schon immer ״Hcwiilitjiulcn“ waren, gewußt haben, daß es beim Zusammenleben verschiedener maischlieber Gruppen auf die Wahrung der erforderlichen Distanz ankommt. Der Schriftleiter des ״Heidelberger Student“, Rudolf TI p k e, beschäftigt sieh mm in der Ausgabe vom 27. 2. unter der Uebersclirift ,,111 eigener Sache" ». a. mit diesen Ausführungen 4er ״Jüdischen Rundschau". Er bemerkt hierzu folgendes: ״Wir würden uni liichcrlich machen, wenn wir ernsthaft aut die ])cluutpt ungen eingcheti würden, daß die deutschen Juden sich ״in ihrer übergroßen Mehrheit’‘ im Jahre 1033 nicht in Schlupfwinkel gesellt halten. Aber weil gerade von bewu 8 tem J 11 d c 11 111 in die Rede ist und weil das deutsche Volk dam neigt, manche!>iugc sehnell m vergessen, wollen wir doch bei die-er Gelegenheit einmal wieder betonen, daß die itrutichen Juden in V11 r c r übergroßen ״M e h r h c i l" vor 1033 durchaus bewußt jüdisch waren und alles Deutsehe, wo i m!11 0 r es ihnen möglich war, in den Dreck logen. Wir wollen daran erinnern, daß t. H. der Jude Karl R o s 11 c r in seinem ״Die Fräulein von Wtldenberg“ sieh Uber (Ins deutsche Wcilmnchlsfcst in der rohesten Weise lustig macht. Wir wollen daran erinnern, daß der ,,große“ Mcyrink in einer seiner älteren Novellen von einer ״I’astorcnwcibsc", die er nachher als ״piimel 111 ondos deutsche« Riest“ bezeichn('!, daß wir im» «Irr jüdischen i.ilernlitr den! 1 her Spruche nneli tausend weitere Jtci.piclc anführen konnten, und daß die ״beim Zusammenleben verschiedener Gruppen erforderliche Distanz" von den jüdiselien KtiliL-rii meist dadurch gewahrt winde, daß sie die Veifasscr solcher Schmie, rcrcicti ah ״Dichter der de nt sehen Innerlichkeit" feierten. Wir müssen ttimtluitcn, daß die Herren vor! der ״Jlidi• sehen Rundschau" aus der utdiekannlen jüdiselien ltalumg heraus, nichts dahei zu finden, wenn wie bei Heine tlus den t sehe Volk mit eine א ווו u c 11 l s t 11 11 l v c r g 1 i e 11 e 11 wird, aber sofort ein lautes Gezeter nnzultclicii, wenn dem jüdischen Volk einmal ein wenig die Maske gelüftet wird, zwischen den /.eilen vorwerfen wol len, daß wir nicht 11 i c nötige Distanz wahrten. Aber wir glauben, daß wir nichts mehr darauf zu erwidern brauchen, weil!las deutsche Volk heule nicht mehr mit sohlte Mal/t dien herein fällt," Es scheint uns, daß der Verfasser dieser Entgegnung unsere Stellungnahme in wesentlichen Punkten mißverstanden hat. Gerade die von ihm angeführten Beispiele weisen auf Persönlichkeiten hin, die von unserem Standpunkte aus nicht ,,bewußte Juden“ gewesen sind, Sie und ein Teil der deutschen Juden waren in der Vergangenheit in der Tat von einem lebendigen Judentum entfernt und glaubten, im deutschen Volke völlig atifgchcn zu können, wenn wir cs demgegenüber begrüßen, daß die Mehrheit der deutschen Juden den Weg zu einem bewußten Judentum gefunden hat, so glauben wir, daß gerade dadurch die Gewähr dafür gegeben ist, daß von jüdischer Seite die beim Zusammenleben verschiedener Gruppen erforderliche Distanz gcwahrt wird. Wir sehen in der Ueberschreitung dieser Distanz eine der Ursachen für die besondere Schwierigkeit des Problems, das durch das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden gegeben ist. Die Ablehnung nichtorischer Richter Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 2. Mürz bcsdüiftigt 'sich mit der Frage der Ablehnung nichtarischer Richter. Nach § ■12 ZPO. kann ein Richter ahgelehnt werden» weil er von der Ausübung des Richteramts kratt Gesetzes ausgeschlossen ist oder wegen Bcs o r g n i s der Befangenheit (d. h. weil cm Grund vorliegt, der geeignet Ist, Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit des Richters zu rechtfertigen). In vier Frage der Befangenheit nlchtariseher Rieh- {er hat am 7. De/einher l't'TJ die •I, Zivilkammer des Landgerichts München i ein Abiehmmgsgesuch gegen einen nichta rischen Lniulgcriehlsdircktor zurückgc wiesen (Akt.-Z. IV A 286/33). Sie hat misgeführt, daß zur Begründüng einer Befangenheit ernstliche Umstünde angeführt und glaubhaft gemacht werden miiilten, die in persönlichen Be- Ziehungen des Richters zu den Parteien oder der Rechtssache lügen. I>,111:1011׳ könne ein Richter wegen seiner nichtarischcu Abstammung nur dann ahgelehnt werden, wenn gerade diese Abstammung mit Rücksicht auf die besonderen, in diesem Fall vorliegenden Umstünde einen Grund zur Besorgnis bildeten. I linsichtlich der Frage, ob ein Richter kraft Gesetzes von der Ausübung des Amts ausgeschlossen ist, hat die Kammer aut einen Beschluß des Oberlandesgerichfs München vom 21. Sept. Pl'j'j (Besclnv.-Rcg. 116/31 V) Bezug genominell. Dort heißt es u. a.: Durch Gesetz, sei die Möglichkeit geschaffen worden, einen Schiedsrichter deshalb abzulehnen, weil er Niel!tarier sei, Eine gleiche Bestimmung, nach der ein licmfsriclifcr schon wegen seiner Eigenschaft als Nicht;11 icr aligelelmt werden könne, bestehe nicht. Hinsichtlich der ISerufsrichter gelte nur das Gesetz vorn 7. April 1TJ3. Danach seien gewisse nlchtnrische Richter von der weiteren Ausübung ihres Amtes ausgeschlossen. Bei einem anderen Teil sei es in das Ermessen der Landesjustiz.vcrwaltimg gestellt, oh sie von dem ihr zustehenden Ausschlicßungsrccht Gebrauch machen wolle oder nicht. Soweit ein n i c 11t a r i se h c r B c r u f s r i c 111 e r weder durch Gesetz noch durch Verfügung der Laud c s j u s 11 z. v c r vi a 11 u 11 g aus sei 11 c m Amte c 111 - f c r n t sei, könne ein A b 1 e 11111111 g s g r u 11 d aus seincr nicht arischen Abstammung nicht abgcleitet werden. Die Führung habe wiederholt ausgesprochen, daß dem Einzelnen nicht das Recht zustehe, etwas zu verlangen, wofür die Führung selbst die Zeit als nicht gegeben erachte. Sie habe aber durch ihre Gesetzgebung unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sic auch einem Parteigenossen, jedenfalls zurzeit, grundsätzlich zumute, sich einem im Amt befindliche» Bcrufsriehtcr auch dann zu unterstellen, wenn er nlchtariseher Abstammung sei. Das Gericht hätte daher nicht die Möglichkeit, allein wegen niclitarisclier Abstammung dem Ablclinungsgcsuclic stattzugeben. Das Schicksal der Nichtarier Die von Theodor Fleuß, Gctrud Biitimer und Walter Goetz licraiisgcgcbeiie Zeitschrift ״Die Hilfe“ beschäftigt sich in ihrer Ausgabe vom 17. 2. 34 in ihrer ״Politischen Um• schau" u. a. mit dem Schicksal der ״N i c h t ar i c r". Die Zeitschrift führt hierzu aus: ״Kiiip Dckuimliuuclmtig des Kiüdidmirmiiimstcrs Dr. Friek wehrt den aiilijüdiscliiti Eifer zurück, der die staatliche Gesetzgebung jiber llcwmtcmum Und Zulassung zu den akademischen llcruien auf das gesamte sozinlw■׳irtschnftliche ].eben ulten ragen möchte. Er ist ■sieh über die Konktirrcnzinotive solcher Bestrebungen nicht im unklaren, und er wünscht, daß vor allem ja der Wirtschaft weitere Störungen vermieden werden — sein Kollege im RcieUswirtschufUministcnum wird ihm von in.tuchen, für die ilciiUthen Arbeiter und Angestellten uneiwün:,ihten Folg!• 11 einige( Imii'htrn können. Die 1 bleibt kompliziert. Dr, (;«>«•1!1 n׳ls meint, «laß die Juden in die ,,Kultur" »ich flüchten — für wie viele ist du schon Platz neben dem ein• deuligen Rhythmus der in der Staat liehen Förderung stehenden Kulturuntcrnchnuingcnl Auswandern sollen sic aber mich nicht, das ist wenigstens die Auffassung bei den Ministerien fiir Finanz und Wirtschalt, die siel» für Arbeitsbeschaffung, Konsum und Sleuerciiigängc inleres.sieicn. Die Dinge sind deshalb seiiwieriger, als man wohl luiuiehst annahm, weil die Inlerprelation des ״Nirhtnricrs" eine viel giößerc Zahl zu umfassen scheint, ul<1 der Aw-gang von «kr Konfesstonssiaüstik-, mich bei Veranschlagung der gctaulten Juden, vermuten ließ. Die Ziffern, die darüber gelegentlich genannt wer• den, »in«] natürlich völlig uukontroUicrhar. Aber man darf nicht vergessen, daß in der Zeit Wilhelms 1. und Bismurcks eins Ver■ sippung mit jüdischen Familien, zumal beim Adel, eine gewiss« Ermunterung erfuhr. Alle Prozente, die einen numerus clausus «־)der ähnliches für Schule, Universität usf., suchen, haben notwendigerweise etwa» Künstliches, sind .,gegriffen". Es erscheint wirtschafte lieh, aber nicht nur wirtschaftlich angemessen, diese Frage durch eine vorsichtige und mensrhliehe Praxis, die nicht einem raechanl• »chen Rigorismu» huldigt, zur Beruhigung hiniuiciten.“ Ernst Kahn 50 Jahre Emst Kuhn, unseren Lesern am einer 1leihe von Artikeln insbesondere zur Auswanderung* frage 11ml ztmt jüdischen lleeblherungsprohletn bekannt, vollendet am 6. März das 50. Lebensjahr, Die nachstehende Würdigung des Jubilars, der heule fn London lebt, geht uns aus seinem dortigen Freundeskreise zu. (Red.) Di ese Nachricht wird auf die zahlreichen Freunde des jugendlichen Fünfzigers überraschend wirken, «her sic eiltspricht den Tatsachen: nach der ״Fncyclopactlia Jndnica“ ist Ernst Kahn ,הוו ft. März 1881 in Augsburg geboren worden. ״Da helpt nun nichts; wi sünn entdeckt!" Der ״Jubilar" mi/ß seinen Glückwunsch haben! Er hat ihn sich reichlich verdient, insbesondere von unserer Seite, denn ein merkwürdiger, sehr eigenwilliger und stets von «len lautersten Motiven getriebener Lebensgang bat ihn schließlich zum zionistischen Bekenntnis und zur jüdischen Arbeit geführt. Die liauptstationen dieses Weges sind die folgenden: Der Fabrikaiitcnsoliu entscheidet sich gegen die kaufmännische Praxis find wird ־— Schriftsteller, auf eigene Faust. Schnell kommt «Icr Erfolg: die ,!Frankfurter Zeitung"; schnell mich die Entdeckung des spezifischen Arbeitsfeldes, des I latulcls* teils. Ihm hat Ernst Kahn viele Jahre an leitender Steile seine beste Kraft gegeben. Aber die Tagesarbeit wurde stets wissenschnftlich erfaß! und vertieft: es entstanden Bücher und laufende Publikationen, zum Teil in Gemeinschaft mit anderen; vor allem bekannt wurden ״Die Wirtschaftskurve der Frankfurter Zeitung•' und die in hohen An fingen verbreitete Einfülmmgsschrift ״Wie liest inan den Handelsteil einer Tages- Zeitung?" Von allen Wissenschaften ist wohl die Statistik diejenige, die am unmittelbarsten ans der Praxis kommt und wieder in sie Itincinführt. So ist cs nicht zu verwundern, «laß ein Mensch wie Frust Kahn zum wissenschaftlichen Statistiker wurde. Sein Buch über den ״Internationalen Geburtenstreik"!nachte allgemeines Aufseiten, und seine Arbeiten zum W011nmigsproblem trugen ihm, dem ״Nichtukadciuikcr", einen Ruf an die Frankfurter Universität ein. Die merkwürdigste — und in der Geschichte des 1!;uulelsjournnlisnitis wohl ohne Beispiel dastehende - Wendung aber sollte sein Leben nehmen, als das Frankfurter Bankhaus ״Speyer-EUisscn“ den Redakteur in seine Leitung berief und nach *kurzer Zeit zum Mitinhaber machte. Aber das war wohl nun wieder zu viel nur ״Praxis". Und so hat Ernst Kulm auch diese Tätigkeit nach einigen Jahren mit einer anderen vertauscht und an der Spitze eines großen sozialen W «11111111 ו gs b a 11 \v c r k es seine theoretischen Einsichten in diese Frage zu verwirklichen gesucht. Und jetzt? Jetzt ist dieser Jude und Zionist — denn das wurde er in «len letzten Frankfurter Jahren — der gute Geist aller deutschen Juden in London. Daß aus diesem ״nraktischen" Lehenskapitel auch wieder theoretischer Ertrag kommen wird, dafür bürgen einige gehaltvolle Aufsätze im letzten Jahrgang der ״Jüdischen Rundschau". Und so wächst das Auf und Ab dieses reinen und reichen Lebens vor •unseren Augen in eine schöne Einheit hinein, von der wir noch viel erwarten dürfen. E. S. VtU1totaty~d&H*1eA$bac1, v, 9-1$ UU1 u. Tieitap 1mtäu{i^ v, 9-15 UUb Anselmen - Schilift 1 Für dl«! Dienst m׳ Montag 10 Uhr Für «Ile Frellng-Au!*gäbe für Jede Art von Anzeigen gäbe Mittwoch 13 Uhr für allgemein« Anzeigen Donncritag 10 Uhr für Familien-Anzeigen Anzeigen »Verwaltung ו detÜH U/ 15, fHeutäcechaßc 10 Zweite Annahme »Stelle! dmiin■ SU/6$, StUübmtdmße■ 2? 3 Am TmmpcMors Tagebüchern Am 11. Adar 50$() (20, Februar 1020) fiel Joseph Trum, pcl d 0 r bei der Verteidigung von Tel Chnj in Ohergalildä Joseph Truinpcldor, der Organisator des Zion Mule Cnrtm (m Welt kriege׳, das auf (lalipoll k/lmpjte, der Ilcgrilndrr ,/ft ״ilechahtz" in IhifUnnd und der Verteidiger der n/'trdHeh\!Plt jüdischen Siedlungen 1eä/1rend der Unruhen des Jahres: 1020 die in dein damals von ihm Franzosen besetzten Gebiet am' gebrochen!euren, ist zu einer beinahe legendären Grslnlt für die jüdischen Arbeiter l'tddstinas und die nach l,«lu\tina strebende Chainzfugend geworden. Auch in diesem Jnllrt wurde seines Todestage v liberal! gedacht, wo junge j!j, 11 ist-he Menschen!eben, und ganz besonders in l’aUtstinn luo seilt Werk von der Arbeiterschaft fortgesetzt [viril Wir vrröjfcnliiehen nachstehend aus .len Im Jahre int Jüdischen Verlag in deutscher Sprache erschienenen Tagebüchern und!!riefen 'l'rutnpeidnm Zwei Stellen, dit urts für die Art seines Denkens churuhterislisch erscheinen. (lled.) Au* einem Briefe vom 11. 10. 1913 am Pfallgorik Jedem, der aus Ruüland nach Palästina kommt oder umgekehrt, wird es als erstes peinlich klar, was lür ein Abgrund zwischen dem Lebet! dort und dem Lehen hier zwischen «len Arbeitenden in Palästina und den Arbeitenden in_ Rußland liegt. Solch ein Abgrund darf nicht existieren wir müssen alles tun, um ihn zu Überbrücker!. Dies aber ist nur bei gegenseitigem Verstehen und gegenseitiger Antrken• ntitig möglich. Wie diese Frage gestellt werden muß, ist für jeden, hoffe ich, Idar. Die großen jüdischen Massen finden sich im Gallith, und dies allein wäre schon ein ge• liiigcmler Grund, um die Gahith-lnteressen nicht zu unter, schätzen; andererseits alter liegt unsere Hoffnung, unsere Zukunft in Palästina. Die Frage: was ist wichtiger, ist hier nicht am Platz: wichtig ist beides. Von Stolz, von Ueber• liebuug kann hier nicht die Rede sein. Wir müssen eine linsis schaffen, auf der wir uns alle einigen können. Was zu tun ist, ist jedem mehr oder minder klar, man muß aber noch wissen, was wichtiger ist, d. h, was trüber und was spater, und außerdem noch, wie ej JU tun ist, Vor uns liegt die ganze zionistische Arbeit, und wir müssen nn «lieser ganzen Arbeit teilneittneii. Aber wir müssen uns klar machen, was für uns wichtiger ist, d. h, was wir als erstes tun sollen, um! wie wir es tun sollen. Meiner Ansicht nach liegen jetzt drei Hauptaufgaben vor uns: 1, Nationale Frzielumg; 2. Nationalisierung des Boden! in Palästina (d. h. Ankauf als Eigentum des ganzen jüdiselien Volkes); und 3. eine enge und möglichst unmittelbare Ver• bimlung mit Palästina. _ 1. Nationale Frzirltung ist eine F.rzielittng i!1 jüdischem Geiste und in hebräischer Sprache (die hebräische Sprache ist eine Sprache und kein Unterrichtsgegenstand), Wir nünseti uns bemühen, daß das Netz der Kindergarten mul Volk!• schulen mit nationalem Charakter in« »!glichst ausgebreitet werde. Unser Ideal still die allgemeine Schulpflicht in solchen Schulen sein. Zu diesem Zwecke müssen sie möglichst zahl• reich, das Lehrgeld niedrig, die Lehrbücher billig werden; die Lehrer müssen vo!1 der Idee einer nationalen Fr Ziehung vollkommen durchdrungen sein. Parallel mit der!Erziehung der anderen soll die Seibsterzielumg gehen: Studium der hebräischen Sprache, der jüdiselien Geschichte ttsw. Die nationale Erziehung wird den Juden die jüdische Seele wiedergeheu, wird sie aus Juden der Form nach in Juden «lern Inhalt nach verwandelt[. 2, Wenn ich von der Nationalisierung des Bodens spreche, so «lenke ich nicht, daß wir heute sofort den ganzen Boden In Palästina nationalisieren sollen. Nein! ich weiß, daß es jetzt (und auch noch in der nächsten Zukunft) viel mehr privaten Boden geben wird. Ich bin nicht nur gegen jede Bekämpfung privatwirtxchaftlielicr Initiative, sondern sogar lür ihre Förtlmmg (es soll aber ausschließlich jüdische Arbeit verwendet werden). Ich möchte nur betonen: je mehr Boden in Palästina dem ganzen jüdiselien Volke gehören wird, desto näher werden wir der Verwirklichung unserer Ideen sein. Die Verbindung mit Palästina kann (außer durch ver• schicdene Arten von Informationsbüros) durch persönlichen Briefwechsel und viele• Reisen aus dem Gallith nach Palästina und umgekehrt aufrecht erhalten werden. Solche Reisen sollen möglichst häufig sein m1<l die nötigen Mittel von den be• treffenden Gruppen und Verbänden aufgebracht werden.-״! Au* dem Tagebuch in Tel-Chaf vom 10.1.1M0 Unsere erprobten Mutigen könnte man wiederum in zwei Kategorien eintcilcii: die einen sind mutig von Natur aus, die anderen aus ideellen Gründen. Den ersten ist ihre Kühn* heit angeboren. Das sind gesunde Naturen, denen au« ihrer Gesundheit heraus — das kleinliche und erbärmliche Angstgefühl einfach fremd ist. Die zweiten zwingen sie״! keine Furcht zu empfinden. Aus ideellen Gründen halten sic es für nötig, der Gefahr enfgegeit/iigelien, mul durch Anstrengung ihres Willens zwingen sie sich, cs zu tun. H gibt auch solche unter uns, tlie diese beiden Arten von Md in sielt vereinen. Natürlich gibt es unter 1ms auch die überall bekannten ,,Maulhelden", die unter normalen Verhältnissen von ihren vergangenen und kommenden Heldentaten schwer• men und in Momenten der Gefahr überhaupt nicht zu sehnt sind. Unsere Mutigen und Mittelmäßigen bilden im allje* meinen eine einmütige, brüderliche Gemeinschaft, die 1'" ך’® es nötig sein sollte -- tüchtig stamlhalten wird. Hatten Gogol, Dostnjcwsky und tlie übrigen russischen Dichter «Jicse kräftigen, herzhaften Burschen gesehen, so würden ihr* jüdiselien Gestalten ganz, anders ausgesehett haben. Zw« kleine jüdische Siedlungen mitten im ungeheuren Ozean um Aufstandes, der sie zu verschlingen drollt, eine h״ndv(!1 Tapferer, die mutig ihren [,osten behaupten... All».intim «Ittreliforsclien einige Paar kühner Augen das umgeben1׳« Dunkel, den nahenden Feind erwartend — und dort hmR «kr Tür, im Hause, ertönt fröhliches Lachen, Streit, vu* wegene Lieder.,,.. Erfolgreiche Anfechtung einer Mischehe Wie lt, ״Frankfurter Zeitung“ vom 4. März aus KarUruh* berichtet wird, hat das Oiierlandesgericlit Karlsruhe ' einem Urteil vom 2, März 1934 (Aktenzeichen 2 Zbr ׳ die Anfechtung einer a r i s c h - j ii d i s c h c n M1 s c ehe wegen Irrtums über die Bedeututtg d R 0 s 8 c p r i 11 7. i p s und der R a s s e v c r s c h i c d e n h c 1 zugclasscn. Das Obeiiaiidesgaielit bat zwar festged«' 1 daß die Aricrgesctzgcbuiig des Jahres l'J'33 keine M!h! ‘ punkte für die zur Entscheidung stehende Frage biete, hat jedoch in einer ntislührlielien Begründung■ Mi>cb«- v zwischen Ariern und Nichtariern ״nicht nur ai» nlC״> wünschenswert, sondern verderblich, u n a t ü r i i c h und widernatürlich" bezeichnet. Das rieht ist dann zu der Entscheidung gekommen, daß der “Us bei Kenntnis der wahren Sachlage die Ehe nicht gcschlos» hätte und daß deshalb hier der 8 1333 (Irrtum über *fS liehe persönliche Eigenschaften des Ehegatten) anzuweuden