Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr, 18, 2, Hl, 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 93 i .1 mul י|ז jrdrji. ,.׳ ־ .1!\ 11 des! inlrr.׳ 11t lur 3S Kt ין,Sie nicht -1'1'icr wird ־ 1־11/1 1 sind sielst »OJ)tSf* ■iv,'״ ItilllN; 01.111. niniel! der ihre bleu, iirnic tndi׳« ii'di'r eppe. I lief ■erter oder < >1 le lidite der lk>1 f׳ ns,־ im *a um inlcr leint und ׳aiier iclto, 1 die pelst e in tmi tnla- >icJ1t (Irr, ' die >r|cn \vr>- 11ht> pln <;s!*s geneu• trcfi ׳teil, It'llC hei- 11■ 11 vortigt irts. in/.( tlcii den ilir• .na• Jcr- Iu*r »eii, Jllß ־111, .ili- .len g<\ 11 re w־<> jti• *<)׳. len kte •ng '11(' die ׳11: cl• llC I1ür :11 111 le 1t- Hl le * ׳1: m Arthur lianilce Zu *ein « m 60. Geburtstag Arthur Ha nt Wh, der am 5. März seinen 60. Geburtstag friert, lebt seit vielen Jahren nicht mehr unter ums deutschen Juden. Ir turtln Palas«!,,» cm neues Wirk״״gSfckl gclumlcn. Aber wenn wir *in dieser Stelle diesem alten Freund unsere Glückwünsche dartnetcii, so gedenken wir in erster Linie nicht *einer Arbeit nif ileii Keren I iajcs^txl, den er ^cgemviutii! als Direktor leitet, sondern der Verdienste, die Arthur llantke «ich um das deutsche Judentum und insbesondere um die Zio- .(,tische Vereinigung für Deutschland erworben hat, llantke fir *chon in jungen Jahren ein begeisterter Zionist und früh-;eilig kam er im deutschen Zionismus 711 einer führenden Stillung. Mit der Uebcrnalmie des zionistischen Büros in Berlin durch ihn im Jahre 1003 beginnt lur den deutschen Zionismus tine Periode neuer großer Fntwickliing. tinntke hat es verstandin, den großen Zug der zionistischen Idee zu wahren und doch allen Einzelheiten der täglichen Arbeit seine Aufn1rrksa111kcit_ zuzuwenden. Oft schien er seinen Mitarbeitern in kleinen Hingen fast pedantisch. Aber in der Zusammenarbeit mit diesem immer pflichttreuen und immer zum vollen Einsatz smier Person bereiten Mitkämpfer verstanden die deutschen Zionisten bald, daß seine Fürsorge für die kleinen Hinge mir dtr Einsicht entsprach, daß auch Idem nur in konkreten Formen des wirklichen l.ebens ihre Idealisierung finden. Ocr.iilc llantke, der ״Bürokrat", war es, der das stärkste Verslandnis für alle geistigen Strömungen im Zionismus, jiir jede jugendliche und echte Regung, für die Fülle des Menschlichen in der Bewegung immer an den Tag legte. So fand er auch die richtigen Formen, um einen lebendigen Kreis von Wen- «dien 7usa 111 incri/ulialten; das war der deutsche Zionismus vor dem Kriege, der sich als Elite empfand. Selbst strenger Hüter organisatorischer Regeln, wußte Hantkc doch das lebendige Ocfülil dafür zu erhalten, daß man eine Volks• siche nicht engherzig cinscliränkcn dürfe. Seit 1910 war Hantkc Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, von 1911 bis 1920 war er Mitglied des Engeren Aktions-C.omites, das damals seinen Sitz in Berlin batte. Mit «irr größten Umsicht leitete Hantkc während des Krieges die Aktion, die iter Sicherung des bedrohten palästinensischen Judentums diente; zugleich gelang es ihn!, Sympathien für den Zionismus auch in den maßgebenden Kreisen des Deutsehen Reiches zu finden. Unvergessen ist seine Aktion, die dazu führte, daß während des Weltkrieges die deutsche Regierung fine Erklärung zugunsten des Zionismus abgab. Diese heute ücllach nicht mehr bekannte Erklärung geben wir an anderer Stelle des Blattes wieder. Infolge der veränderten Verhältnisse ist rach dem Kriege Dr. Hantkc aus der Zionistischen Exekutive ausgcscliiedcn. Aber es verdient bervorgehoben zu werden, daß er auch nach seinem Ausscheiden in einer vorbildlichen Weise sich der Bewegung zur Verfügung stellte. Er ist erst iin Berliner Büro des Keren Hajessod, seit 1926 im Jerusalemer Direktorium tätig. Seine ganze Liebe und sein ganzes Wirken gehört der Arbeit für den Aufbau Palästinas. An dem Tage seines M. Geburtstages darf Dr. Hantkc der Sympathien aller zio- »istischen Kreise gewiß sein, die nicht vergessen haben, wie *f in den schwierigsten und verantwortungsvollsten Zeiten die Bewegung leitete und wie er später mit musterhafter Disziplin und mit hingehender Liebe seine Arbeit am anderen Ort fortsetzte. Die Wirklichkeit Pariser Brief s. 11. 28. Februar 1931. Es war vorauszuschcn, daß das Interesse an den Emigran- ~ .׳inden und die werktätige «־- wni Vl/i dUhZlJM IIlTI, ll.ll> 14<1יל I'״ ״?..aus. Deutschland allmählich schwin nilfc eines Tages ein Ende nehmen "tT rlUirtraitjoH Iml 1« irrouwlinin ..״״., ״״v Wird, Der größte Teil Emigranten hat sich irgendwie ״eingerichtet“. Zumeist Provisorisch. Die Zahl der Luft men scheu innerhalb der rtiugrantcnkreisc ist erschreckend hoch. Aber solange noch der standhält, bleibt man über Wasser. Nachdem alles JRcndwie Entbehrliche verkauft ist, tritt man den schweren ומ den Hilfskomitees an. tu den meisten Fällen erfolglos, enn die Komitees haben nur sehr wenig Mittel und wissen '* «len Zuspätgekomtneuen nichts auzufangen. l)|e Stufe um Stufe in das Elend Versunkenen raffen sich?1Mrtcr Energie auf. Man schließt sich zu Flüchtlingsrnitecs zusammen, mau versucht durch gemeinsames onnen und gemeinsames Wirtschaften dem Untergang zu ent- *'"ז", um doch eines Tages am Ende der Lehensenergie zu sein. Emc hiesige Zeitung versieht eine Meldung von dem L bstm°rd eines Emigranten mit nachstehender Hemer- .. ’'^'c der Selbstmorde nimmt in den letzten Wochen (schreckend zu. Die Flüchtlinge, denen inan in den ersten »dien und Monaten Mitgefühl und Hilfsbereitschaft ent- ת hlnbrach<c, 5«I«-’״ sich allmählich von der allgemeine« Tedssen. Den Toten ist nicht mehr zu helfen. Die sollten aber allen denen zu denken geben,. die ־£«« ',erlassen. 1,'״«stmorde sollt״״״!_!״»!״ *Mt,ich auch nur noch einigermaßen imstande sind zu MigrantenA?Spielun^ b.ezi.cht ■״!־״iouiik uuim. sich auf die wohlhabenden »■״.״״״, deren mangelnder Opfersinn nicht nur die Erbittederg«der 11״,tellosen Emigranten, sondern auch die herbe Kritik der ,IJn.J'ösisehen Kreise hervorgeriifen hat. Aus der Mitte ««ו*" u£ra,rten ist eine Kommission entstanden, die «-"י• Verhandlungen mit dem ״Comitd National , der Hilfsorganisation für die Ausgewanderten, fuhrt, an- *«eiti versucht, mit den Behörden in Kontakt zu kommen, Kaiipl gegen SpaltuEosversuche Die Erklärung der IlricIiH Vertretung־ Die R c i c 11 s v c r t r e 111 n g der deutschen tu* den vcrl.mthart durch die JTA,: In einem Teil der jüdischen Presse linden sich In den üüe״ tagen Lrörteruiigeii über den Aiifgabenkrcis der Reirlisveitreiimg mul iiher die Zusammenarbeit itrr ver* seineden011 Organisationen mit ihr. tu Uebereinstimmung mit iniscreii 1■ estsiellidigcn in der Sitzung des Beirates der Keivlisvertretimg am 11. Februar 1934 erklären wir dazu folgendes; Die Reiclisverfretung Isf nach dein Willen und den ErkliinmßvMi aller Beteiligten ah Gesamt vcrlrclung der dcutsehen Juden nach Innen und außen Ins Leben getreten. Diese Aufgabe bat sie schlier verlötet und wird sie weiter verfolgen. Sic enthält sich jeder Einwirkung auf das rcllßlßsc Gebiet im engeren Sinne und sie will nicht eine Uniformicrung der Weltanschauungen inncrlmlb des deutschen Judentums. Aber sie lliflt sich Ihre Zuständigkeit von einzelnen jüdischen Gruppen und Organisationen nicht beschränken, insbesondere nicht auf das rein wirtschaftliche und wir(- sclinflspoliiischc «der soziale Gebiet, auf dein schon vor ihr der ihr jetzt .׳»!gegliederte Zentral,msschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau tätig gewesen und seither tätig geblieben ist. Vielmehr sieht die Reiclisverfretung Ihre Hauptaufgabe In der einheitlichen Arbeit nicht nur für die wirtschaftliche, sondern mich für die politische, rechtliche und kulturelle Stellung der deutschen Judcnhclt, also namentlich auch hn Verhältnis zur Umwelt, 7.11m deutschen Volk und deutschen Staat. Trotz, der Verschiedenheit der rcllgißscn und weltanschaulichen Richtung soll, kann und muß diese Einheit an die Stelle zersplitterter und deshalb unwirksamer Tätigkeit einzelner Gruppen treten. Diese Zielsetzung kam 11. a. zum Ausdruck in deru Auf• ruf, ^len die Rcielisvertrchmg alsbald nach ihrer Gründung im September 1933 an die deutschen Juden gerichtet hat und in dem es 11. a. heißt; ״Jede Organisation und jeder Verband sitllcn in ihrer Lebenskraft und in ihrem Aufgabenkreise anerkannt sein, aber in allen großen und entscheidenden Aufgaben darf es nur die eine Gemeinschaft, nur die eine Gesamtheit der deutschen Juden geben... Eigene Gedanken, eigene Ast{- gnben zu verwirklichen, ist uns nur auf einem Gebiete, aber einem entscheidenden gewährt: auf dem unseres jiidiselten Lebens und unserer jüdischen Zukunft. Hier sind die bestimmenden Aufgaben gestellt.“ Diese Linie ist vom Ausschuß, In dem sämtliche großen Organisationen der deutschen Judcnhcit, der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Vereinigung, der religiöse Filier;ilismus und die Orthodoxie vertreten sind, in voller Einmütigkeit fcstgehaltcn worden, so im Aufruf zum Volksentscheid vom 12. November 1933, wie in den an die Rt'ielisregieriing gerichteten Eingaben, und wir sind darin aufs nachdrücklichste bestärkt worden durch die von Ver• tretcru aller Richtungen im Beirat beantragte und einstimmig angenommene Entschließung, in der gesagt wird: ״Alle Kräfte müssen dem einen Ziel dienen, daß jeder deutsche Jude im Vatcriamle nicht nur seinen Lebensraum findet, sondern seine jüdische Ucberzeugung auch offen und frei bekennen tntd betätigen kann... Einer würdigen Zukunft des ganzen deutschen Judentums soll unsere Arbeit ge• widmet sein,“ Die Reichsvertretung Ist nicht gewillt, von dieser Ziel- Setzung etwas aufzugeben. Sie weiß die erdrückende Mehrheit der organisierten und nlchtorßanisicrtcn deutschen Juden hinter sich, wenn sie die Führung des deutschen Jüdcntums fest in der Hand behält und gegen alle Versuche der Spaltung durchsetzt. * Diese Erklärung der Reichsvertretung schafft endlich die notwendige Klarheit gegenüber einem Zustande, der bereits seit längerer Zeit ihre Arbeit aufs stärkste behinderte und die jüdische Ocffcntlichkcit in Vcrwirntng brachte. Es waren zwei Oruppcn des deutschen Judentums, die sich gegen die Autorität der Reicltsvertretung wandten und den Versuch machten, durch eigene Arbeit auf 11 c n Gebieten, die der Reichsvertretung übertragen worden waren, ihre Ziele zu durchkreuzen. Auf der einen Seite steht die separatistische Orthodoxie, die vor kurzem eine Sondcrorgnnisation geschaffen hat und sich auf wesentlichen Arbeitsgebieten der Gesamtheit der in der Rcichsvcrtrctung zusammengefaßten deutschen Juden nicht ciuglicdcrn will, und auf der anderen Seite führt der Reichsbund Jüdischer mul schließlich sich hemühi, die wohlhabenden Emigranten für die Nolleiilcmlcii zu interessieren. Die Verhandlungen mit dem ״Comite National“ betreffen die Liquidationsmaßnahinen dieses Comites, das bis zum 15. März nicht nur alle sogenannten ..Kasernen", Asyle für die ganz Mittellosen, aufgelost, sondern auch die gesamte Fürsorgctütigkeit eingestellt Italien wird. Die Verhandlungen mit den Behörden sind nicht einfach. Sowohl die Erteilung von Aufenthaltsbewilligimgcn wie auch die Erlaubnis, Arbeitnehmer zu werden, sind sehr schwer zu erlangen. Der geringste Verstoß gegen die vcrschicdenen Bestimmungen des Anmchlewcsens hat unweigerlich den Entzug auch scltott erteilter Aufenthaltsbewilligimgcn zur Folge. Arhcitscrlauhnis wird nur erteilt, wenn cs sich um einen Arbeitsplatz bei einem Emigranten-Untcrnchmcr!tändelt, der überdies eine bestimmte Anzahl französischer Arbeiter beschäftigt. Schließlich sind auch die Erfolge bei der Bemühung, die wohlhabenden Emigranten zur Hilfeleistung zu bewegen, nicht groß, Wie ist nun die Bilanz des llilfsWerks zugunsten der Emigranten aus Deutschland? Ein genauer Kenner der Materie nennt folgende Zahlen: von allen jüdischen Emigranten, die in die Nachbarländer Drntschlnnds gezogen sind, haben sich 35 IKK) hei den verschiedenen Hilfskomitees gemeldet. Jetzt werden von diesen 35 IKK) Personen noch 591)0 betreut, davon 2703 in Westeuropa, insgesamt wurde für das Hilfswerk bisher die Summe von 50 Millionen französlselter Francs ausgegeben. Was ist aus den 30000 Emigranten geworden, die nicht mehr in Evidenz, der verschiedenen Hilfs; komitccs stehen, sei cs, daß sic darauf verzichten, sich an die Comites zu wenden oder daß sic ״ausgesteuert“ wurden? Wer vermag eine Antwort zu geben? Wir haben vor einigen Wochen auf die Diskrepanz zwischen Worten und Taten bei der internationalen Hilfsaktion für die Emigranten hingewiesen. Die genannten Zahlen bekräftigen unsere Feststellung, die allerdings in einem Punkte modifiziert werden muß, Nämlich darin, daß immerhin erliebliche Summen ausgegeben wurden, aber mit dem geringsten Nutzeffekt. Und das ist ein betrübliches Resultat. Es ist aber nicht zu spät, noch manches anders zu gestalten und gutzumachen. . Ztim WodtrnnbsdmiH für Sonnabend, den MSri (16, Adar) So folgten die Tafeln aus Granit den Tafeln aus Saphir und die Verzeihung des Ewigen der Sünde des goldenen Kalbes. Wenn die Kinder Israel in der Wüste nicht das goldene Kolb ongebeid hatten, dann hätten sie die Thora aus Saphir im Lande ihrer Väter erforscht bis ans Ende der Tage; weil sie aber in der Wüste das goldene Kalb angebetet haben, werden sie in Trauer und Verbannung die Thora aus Granit erforschen bis ans Ende der Tage; denn, sagen unsere Weisen, jede Sünde in Israel ist ein Rest der Sünde des goldenen Kalbes« und es bleibt in jedem Geschlechte Israels eine Unze vom Golde des goldenen Kalbes. Aiz.1 Edmnnd Fley! Moxei. (Nadi dem Midrasch) Frontsoldaten als Exponent einer radikalen AssimilatioiisideoUsßie den Kampf gegen die gemeinsame Organisation, der er als Bestandteil seit ihrer Gründmi'ß;mgclidrt. Dieser Versuch, die Einheit des deutschen Judentums in seiner H n׳l 111 n g zur Umwelt zu zerstören, k a n n gar nicht sc h a r f genug abgelchnt werden. Hier selten wir einen eminent praktischen Beweis für die Gefahren, die die Assimilationscntwickiung dem deutschen Judentum gebracht hat. Die Veröffentlichungen im Vcrltaitdsorgan des RJF., die wir bereits in unserer vorigen Ausgabe erwähnt haben, waren der letzte Anstoß zu der heutigen Stellungnahme der Rciclisvcrtretung. Es geht nicht an, daß die glc t'ehcn Kreise, die loyale Mitarbeit versichern, wenn sie mit den anderen Gruppen des deutschen Judentums zusammen an einem Tisch sitzen, diese Arbeit auf ihren wichtigsten Gebieten zu sabotieren suchen. Wir glauben, daß die Erklärung der Reichsvertretung als Appell an den gesunden Sinn aller tl e u t - sehen Juden wirken wird, so daß sic Anlaß dazu ist, daß steh auch diejenigen Gruppen, die sich in die getneinsame Arbeit bisher nicht cinnnlnen wollten, auf die wahren Aufgaben unserer Zeit besinnen. Der geistige Entwicklungsprozeß im dcutselten Judentum, der du reit die Ereignisse Vor einem Jahre cingclcitct worden ist, ist gewiß noch nicht zum Abschluß gelangt. So sehr im B e w 11II t s c i n der dcutselten Juden Meinungsdifferenzen zu spüren sind, so stark ist doch ihre tatsächliche Schicksalsge in « i n s c h a f t. Diese sollte Anlaß dazu sein, tun alle Teile des deutschen Judentums in freiwilliger Disziplin zu veranlassen, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten. Eine Erklärung der deutschen Regierung vom Jahre 1918 An anderer Stelle des Blattes erwähnen wir aus Anlaß des 6(1. Geburtstages von l)r. Arthur Hantkc seine Intervention bei der deutschen Regierung während des Weltkrieges, die zur Folge batte, daß die deutsche Regierung eine Sympathie- Erklärung ftir die zionistischen Bestrebungen aligah. Da vielfach die Meinung verbreitet ist, daß nur England in der Baifour-ptklaration um! die mit England vcrbiiiidelen Regieriingen im Anschluß an die Halfnur-Dcklaration sich zugunsten des Zionismus erklärten, so glauben wir, daß es vielen willkommen seit! wird, wenn wir hier das Gonminnique über den erwähnten Empfang hei der deutschen Regierung vom 5. Januar 1919 wiedergoben: ״Wir würdigen die auf Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen Miiukrhcit in den!.ändern, in denen die Juden ein stark entwickeltes Eigenleben haben, bringen ihnen volles Verständnis entgegen und sind zu einer ,wohlwollenden Unterstützung ihrer diesbezüglichen Bestrebungen bereit. Hirtsidrtlidt der von der Judcnhcit, insbesondere von den Zionisten, verfolgten Bestrebungen in Palästina begrüßen wir die Erklärungen, die der Großwesir Talaat Pascha kürzlich abgegeben hat, insbesondere die Absicht der kaiscrlieh osmaniselien Regierung, gemäß ihrer den Juden stets bewiesenen freundlichen Haltung, die anfblühcndc jüdische Siedelimg 111 Palästina durch Gewährung von freier Lin- Wanderung und Niederlassung in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes, von örtlicher Selbstverwaltung, entspicchcud den l.andesgescizeii und von freier Entwicklung ihrer kulturellen Eigenart zu fordern." Die Erklärung der deutschen Regierung bat damals, wie auch in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 11. 1. 1918 fcstgcsteilt wird, dankbaren Widerhall in den jüdischen Kreisen gefunden. Dies war damals um so bedeutungsvoller, als ja die deutsche Armee w׳cite Gebiete init einer starken jüdischen Bevölkerung im Osten Europas besetzt hielt. Geringe Erfolge der Biro-Bidschan- Siedlung Moskau, 27. Februar. (J. T. A.) Dem soeben veröffentlichten Bericht über die jüdische Siedlung in Biro-Bidschan ist zu entnehmen, daß irn Jahre 1933 im ganzen 3190 Seelen, davon 622 Familien und 802 Einzelpersonen, 11.ich B i ro - Bi d sch an ciugewandert sind. Nach dem ,׳illgemcincu Siedhmgsplan für Biro-Bidschan hätten im vergangenen Jahre 25(100 jüdische Seelen nach Hiro-Bidscli.m kommen sollen, später wurde im Plan die Eiwwamlererzahl auf 17<«Kt herabgesetzt, in der zweiten Hälfte 19}! fixierte man die Zahl der Ein- Wanderer auf nur 7090, Noch im letzten Jahresviertel war geplant, neue 3000 Einwanderer bis Jahresende ins Land zu bringen, es kamen alter slnttdesscn nur •108 Menschen. Von den erwähnten 3199 im Jahre 1933 eingcwmidertcil Personen kamen 2373 aus der Ukraine, ■191 aus Weißrußland, 96 aus den Westprovinzen, 201 aus den übrigen Teilen der Sowjetunion, 26 aus dem Auslande. 40 Familien wurden in Moskau als ungeeignet für das Siedlungswcrk in ihre Ursprungsorte ztirückgcschickt, cbensovielc wurden aus Biro- Bidschan zurückgeschickt, andere Familien sind freiwillig zurückgewandert oder haben sich andere Punkte im Fernen Osten zum Wohnsitz gewählt. Für das Jahr 1934 ist geplant,!0000 bis 12000 Juden nach Biro-Bidschan zu bringen. Es wird mitgeteilt, daß Maßnahmen getroffen wurden, um die Sicdhingsaktion in diesem Jahre in Ordnung sich vollziehen zu lassen.