Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 27.1.!934 ßcteuerungen und Schwüren fortfuhr, legte er sich laut- Jos wie vor großer Müdigkeit gegen die ,Wand und schloß die Augen. Die junge Frau ging spät am Abend, da sic ihren Gatten eingeschlummert wähnte, zum Ein• kaufen in die Stadt. Kaum war sie aus dein Haus, da verließ der Alte das Belt, ging in die Küche zu den zwei Stopfgänsen, die sich dort hinter einem Verschlag befanden. Er öffnete das Gitter, streute mit Milch getränkte Brotstiicke über den Flur l>is ins Schlafzimmer und legte ,sich gerade in dem Augenblick wieder zu Bett, als die Frau zurückkehrte und sich wortlos in dem, dunklen Schlafgcmach ebenfalls neben den Kranken legte. Mit einem Male hörte man von der Kiiche ein Tappen und Schlappen. Entsetzt fuhr der Rabbi auf: ״Hörst du, der Malach-hatnowes, der Todcsgngel!“ Und Flannah zitterte, sic hörte das unheimliche Geräusch schon ganz, nahe am Beit und schrie: ״Mnlacli-lmmowcs, hier liegt er!" Da machte, der Rabbi lachend Licht, die Gänse schrien und der Alte sagte zu seiner verdutzten jungen Frau: ״Was hast du zum Todescngel gesagt, hast du vielleicht gcsagt: Lasse meinen Raübi leben und nimm mich an seiner Statt?“ Da antwortete 1 faiinah: ״Wäre cs der richtige Malach-liamowcs gewesen, so hätte ich es auch gesagt; aber daß ich cs zu einer Gans sagen soll, wirst du mir selber nicht zumuten," Diese jüdische Travestie der Euripidcischcn Tragödie ״Alkestis“ mag unsere Purim-Betrachtung ohne ernstes Nachspiel beschließen. Ridcndo diecrc verum, lachend die Wahrheit sagen! Auch auf diese Weise dürfen wir uns hier und da vom drückenden Alltag befreien. Ludwig Feucht w a n g c r, München. äußerster iMiitur wjr(j הו: n m ״/ 5י' ז ד'”׳« ך ן“ . n ■ I ה;ח■ 1! .;ן .!!!' )Ml *»4״*• '•׳ I» Aal V«*111■'■»■* ׳ L—4 fc1M4׳ i.-‘. umJ |»-*1י V,. י״׳וד־זדיי־־ז^,! \ ן \ , \\ kt*. «3 . ■i,J Nachdem nun hnhl ein Jahr seit dem ISecJnn der grollen EimetmJcrung deutscher Juden nach Palästina vergangen ist, zeichnen sich allmählich die Prnblrnw deutlicher ah, mit denen diese Kimeunderer zu ringen haben. Es siml Probleme nicht nur für die Einwanderer seihst, sondern auch für die palästinensische Judenheit. Kein in Palästina-Dingen erfahrener und denkender Mensch konnte «imchrncu, daß die Absorption einer solchen Einwanderung sich reihungslos vollziehen wird, Gerade von zionistischer Seile ist von Anfang an die edlzu leichtfertige Abschätzung dieser Schwierigkeiten bekämpft und mit großer Sorge bcobachtet worden. Wir werden alte Seiten des hier auf tauchenden Eragcidmmplcxcs noch oft zu beleuchten halten. Moses Ctdeure, einer aus der alleren zionistischen Generation, lange in Deutschland als Pädagoge tiliig und bereits seit'zehn Jahren in Palästina, greift im folgenden ein psychologisch sehr wichtiges Einzelprahlen1 heraus. Im Anschluß cm seinen Artikel bringen wir ein /,Hat aus dem Artikel eines Palästinensers. Es ist vielleicht ein gutes Vorzeichen, daß beide, der ״Europäer" und der Palästinenser, die Mängel hei ihrer eigenen engeren Gruppe festzustcllen suchen. Wenn solch guter Wille, und tiefered Vcrständnis auf beiden Seiten vorhanden ist, dann wird das Lehm wohl einen Ausgleich bringen können. (Red.) diesem Stil weitergchl. Mau braucht kein Ronuinlikrr 1. . verträumter Verehrer bäuerlicher Linf,ichheit ״!״[ f|" keit, braucht auch kein Snvrmaroht zu sein, um diesem 2״"' Bilde mit tiefer Sorge gegenül>er/ustchcn ׳Si!, ׳׳"*" lucht zu widcrsct/cn, licilit tmscren tief,ten reo ״1!‘״״)!ו Kräften die Wurzeln abgrahen. Denn diese Entwi-ki 01 nimmt, einfach ,ms dem Triiglieilsbatiirfnis des ״() , j";; liimpaers heraus keine Rückskht auf die vorhanu,,'' Werte, mellt auf die reimiusen Traditionen des Volkes («ה «wdäiidiges Lebensmittelgeschäft kam! kaum itrchr™ Srhweineschtnken verzichten, — nicht auf das 1jc|» ״ul miihen unserer Arbeiterschaft um eine neue s0/ialr! staltung, — das beweist der Zug in die Stadt und die lose Häufung ihrer Verlockungen, — nicht auf djc ' wendig keilen eines armen Landes, das nur mit ־ ‘ °' Selbstheseliriinkimg sieh eine eigene wertvolle schaffen können. Denn im Urunde wird sic nur von ein*' Ideal getragen: Normalisierung, Europäisieriuig, 11 Normalisierung des jüdischen Volkes und I aiutes in! <;;״ Europas, — dieser tiedanke stammt nicht von heute" 1"״״ gestern. In den Anfängen des Zionismus war er als 11 glcitcrschciming oft zu finden. Ich darf viellcHit Worte T fuhren, die ich seihst vor Jahrzehnten geschrieben t2״ und die als Ausdruck eines weiteren Kreises gelten konntr'״ ״Wir weiten cs auch einmal so gut haben wie andere‘• t ,1,. Kerls wollen glücklich sein“, meinte bissig i!ermann Colu'nV eben dahin gehört das seitdem viel zitierte Wort voa ,12: Zionismus als ״Geschenk Europas an das Judentum“, Aber soweit diese Auffassung berechtigt ist, kann sie nur gelten _ und wurde auch nur ausgesprochen — für die (ust;1ltu2 ries politischen, allenfalls des wirtschaftlichen Daseins (1 der untragbaren Anormalität »einer bisherigen l.cbrmbcdm" Klingen zu entgehe״, braucht das jüdische Volk eine wirf! schädliche lind politische Normalisierung als Orunctlage ay1 der es eine eigene Kultur auf bauen kann. Aber I:r/c11״’ni2 einer europäischen Zivilisation als Fertigware hierher zu vcr• pflanzen, — das gilt für äußere wie für innere Güter sind wir nur soweit berechtigt, als sie den Produktion*,'״^ zeß, — und wiederum: den äußeren wie den inneren zu gestalten bestimmt sind. Was darüber ist, das ist ’vM Uebcl. Ein Wort zur deutschen Alijah Von Moses Calvary (Haifa) ' _ Die deutsche Alijah — sic wird wohl die ״fünfte“ heißen müssen — hat ilire besondere Problematik, deren wir Herr werden müssen. Die folgenden Zeilen wollen nichts als ein Beitrag zu dieser Frage sein, enthalten im Cirundc nur einen einzigen Gesichtspunkt, aber einen solchen, der vielen bisherigen Aufsätzen und Bemerkungen mehr oder weniger unbewußt zugrunde lag. 1. Bis vor kurzem war der neue Jischuw ziemlich einheitlicti, gespeist aus dem weiten Bassin der osteuropäischen Judenheit. Von den paar westeuropäischen Juden, die — zum Teil schon vor einem Vicrteljalirhtmdert — herkamen, wagten einige den Sprung in diese Welt, viele blichen auch außerhalb ihrer, lehnten sic im Grunde ihrer Seele ab, wurden übrigens auch nicht ohne Mißtrauen von den anderen betrachtet. Aber diese Gegensätze waren nicht entscheidend. Spannungen ״territorialer“ Natur gab und gibt es ja auch .innerhalb der ostjüdischen Welt genügend, mul cs schien, von gewissen Momenten abgesehen, daß der größte Teil der deutschen Juden sich dem Gesamthabitus Ercz Israels einzufügen beginne. Das ing ■nicht nur an ihrer .<pu1ntitativm Geringfügigkeit. Unser aller, der Ost* und Westjuden Her■ kunft war •ja eben jene anormale jüdische Lage, die uns geformt hatte. Die meisten derer, die herkamen, gehörten, auch soweit sie nicht geistig bedeutend waren, nicht ־zu den Durclischnittsnaturen. Man mag, je nach dem Einzelfall, je nach Geschmack, von einem Knacks, einem Komplex, einer herrschenden Idee sprechen. Aber es ist ja klar: ein ״normaler“ Mensch bleibt, wenn es ihm nicht allzu schwer gemacht wird, innerhalb der Umstände, unter denen er gehören ist, paßt sich an, versucht eine der ihm gegebenen Stufenleitern hinanfzukliitern, schließt sein Kompromiß mit der Umgebung. Sie aber kamen hierher, — Kleinbürger• söhne, die, vor Jahrzehnten, vor der Konjunktur, ihre angeborenen Klasseiiintcrcssen aufgaben, um Proletarier zu werden, — solche, die an Stelle eines befriedeten Europäerlebcns, das ihnen offenstand, ein Abenteurerdasein am Rande der Wüste vorzogen, — unruhige Geister, die in die Norm eines allzu geordneten Daseins nicht hincinpaßtcn, — Manncr und Mädchen, deren persönlichem Glücksvcrlangen drüben keine Erfüllung wurde, — die meisten getragen von dem Wunschtraum eines neuen nationalen Werdens, das aller iußeren Drangsal, altem seelischen Zwiespalt ein Ende machen werde. Und so war das Leben Ercz Israels reich an beglückenden inneren Spannungen, reich an schöpferischem Geschehen, das auch die Neuankömmlinge, wenn auch zuweilen widerwillig, in seinen Bann zog. Schon die vierte Alijah, vor allem aber die fünfte, hat ein anderes Aussehen. Soweit es sich um junge Menschen, etwa aus den Kreisen des Hcchaluz oder der Jugendbewegung handelt, paßt sie sich im allgemeinen dem Lebensgefühl des Landes an, und wird cs hoffentlich, wenn sic erst hebraisiert ist, auch ihrerseits befruchten. Aber viele sind in einem höheren Alter, als es die Menschen der früheren Eiiiwanilcriingswellcn waren, zuweilen im Besitze eines kleit\en Kapitals, an ein geordnetes mitteleuropäisches Dasein seit Jahrzehnten gewohnt, — hUrlter gekommen, weil die Not, nicht äußere, sondern seelische Not, ihnen ein Vcrbleiben in Deutschland als untragbar erscheinen ließ. Bürgerliehe Existenzen, und vielfach, — das eben hebt sic von dem bisherigen Gesicht des Landes ab, — von einer geradezu erschreckenden Normalität. . Man verstehe mich recht: der ostjiidischc Kleinbürger .ist keineswegs sympathischer als sein Genosse im Westen, .eher umgekehrt, weit es ihm auch an der Bildung des West- .leis — Bildung im besten Sinne — oft gebricht. Aber eines hat er vor ihm voraus, ein ״Spießer“ ist er mir sehr selten. Ls ist eines der befreiendsten Erlebnisse für den Westjiiden, den seine Arbeit liier in die ostjüdischen Kreise, vor allem der Arbeiterschaft führte, nicht nur unter den Führern, sondern auch in der Masse eine Unbeschwertheit, eine Unbekümmertheit, einen Elan vorzufinden, der in Deutschland ein Vorrecht der wenigen ist. Noch vor hundert dition, wie sie vor allem die Frauen der nlteiiigostammten Judenheit I )eutschlauds so oft auszciclmct. Andererseits ist natürlich auch der bisherige neue Jischuw mit der Zeit nicht so ganz arm an biederen, gesättigten Existenzen geblieben, deren Wiege weitab von Rhein und Elbe stand. Und rloclt, das Ausmaß, das eben dieses ״normale" Elcment cinniinml, unterscheidet die neue Emwamlerungswelle von allen früheren, seitist von der vierten, Mau erkennt sic schon, vor allem m den Städten, an äußerem Habitus und Gang, breit, gemessen, geordnet, behaglich. Es sind darunter Menschen von bestem Willen, — noch nie hat eine Alijali so energisch wie diese hebräisch gelernt, freilich auch noch nie eine cs so nötig gehabt, — Menschen mit Zielbcwußtscin, Energie, Bildung. Aber die Tatsache, daß wir deutschen Juden seit Jahrzehnten in dem Zustand einer Sckurität gelebt haben, wie sie seihst in Osteuropa, gcschweige denn in Ercz Israel unerhört war, hat eben uns allen, dem einen mehr, dem anderen weniger, ihren Stempel aufgeriniekt. Und für viele dieser Menschen ist überhaupt Sckurität, Fortsetzung ihrer ungestörten Lebensweise, das erstrebenswerte, fast das einzige Ideal. Auf dieser Grundlage baut sich dann noch zusätzlich ein bestimmtes Kulturbewußtscin auf. Man lernt, wie gesagt, seiir eifrig hebräisch, aber nur selten mit innerer Anteilnähme' ön hebräischen Külturwertert. Denn im Orundc ist man von der Superiorität der deutschen Kultur überzeugt, —■ wie übrigens auch, die nnicrikniiisclicn Juden von der S11pcrimit.it der amerikanischen. Man ist davon durehdrimgen, daß mau die Aufgabe habe, zu geben und nicht zu nehmen, 11ml gehen will mau — Europa, europäische Norm. Man ist allzu schnell bereit zur Kritik, anstatt sich zunächst zu bemühen, schweigend in das Leben dieses Landes, das ja min einmal seinen eigenen Stil und seine eigene Stillosigkcit bat, hinrinzuwachscn, bis man imstande sein wird, aktiv schöpferisch an ihm tcllzunchmcn. 2. Dieser Einschlag eines normalisierten Mittel• europäertu ms bringt cs mit sich, daß die positiven Werte, die die neue Alijah dem Lande bringt, weniger in die Erscheinung treten als die negativen. Deutsche Kulturwcrtc lassen sich ja nicht im Handmndrelicn verpflanzen, dazu bedarf es langsamer, eingehender, hingegebener Arbeit. Leichter können schon geistige Talmi- Werte verpflanzt werden. An der Grenze von Kultur und Zivilisation stehen dann Dinge, die den deutschen Juden besonders wichtig sind, da er sie sich im Laufe der Generationen mit vieler Mühe und nur unvollkommen «!!geeignet bat: Ordnung, Pünktlichkeit, geregelte Administration, Schon die Amerikaner haben, angeblich im Namen der Ordnung, eine Reihe von Mißgriffen auf dem Gewissen, die heute noch nach- und weitenvirken. Der Wert der Ordnung soll beileibe nicht herabgesetzt werden, aber — auch darauf wurde schon an dieser Stelle hingewiesen — man soll aus einem Mittel keinen Selbstzweck machen, man soll nicht von oben herab auf gewisse Erscheinungen hinabsehen, solange man ihnen nichts als Ordnung cntgegcn/usct/cn hat. Es gibt auch höchst unfruchtbare ״Ordnung“. Bedenklich aber ist vor allem die äußere Zivilisation, die im Gefolge der den♦• sehen Alijah in den Städten ihren Einzug hält. Ich denke dabei nicht an Industrialisicrimg. Au ihr sind, wie liier schon von anderen hei vorgehoben wurde, die deutschen Juden vor* läufig viel weniger beteiligt als die neu eingewandertrn Ostjuden; vorläufig, denn es ist kein Zweifel, daß manche Deulsclijmlen, im Besitz von Kapital und Erfahrung, ihr künftiges Arbeitsgebiet erst vorsichtig abstecken, ehe sic ihre neue Tätigkeit beginnen. Wohl aber sind schon jetzt die Läden der Städte voller höchst überflüssiger Dinge, die ihrerseits wieder ebenso überflüssige Bedürfnisse hervorrufen werden. Das ist für Ercz. Jisrael von weit einschneidende• rer Bedeutung, als man cs sich in Europa träumen lassen mag. Der Stil des I.amles, soweit es einen hat, war bisher bedingt oder mindestens stark beeinflußt von der F'ragc des Aufbau». Das heutige Gesicht des Landes wurde nicht von dein Vcrbrauclier und seinen Bedürfnissen geschaffen, sondern von dem Erzeuger und seinen Kräften. Denn die besten derjenigen, die herkamen, wollten Erzeuger sein, und nicht Vcrmittler. Daher vor allem der Einfluß der Arbeiterschaft, Jahren konnte Brentano in Berlin sagen: ״Kein Jude kann daher aucli der Einfluß des Dorfes, nicht der Stadt, die ja Filii ster «;ויו ll1*. aher 1 u& haf da« Iah1*11tmdr‘r4 zl»vr f-mait?. 1 ... ״ _! w. •. .. n .. t .. _ rv._ /י־־ , Philister sein“, aber das bat das Jahrhundert de'r Emanzipation fertiggebracht, seihst den Juden, den ewig unruhigen, zum Spießbürger zu erziehen. Es ist nicht etwa so, daß dieses Element ilie Majorität der neuen Einwanderer ausmachte. Viele Köpfe tauchen auf, denen man die intensive geistige Arbeit anmerkt, der sie sieh bisher hingegeben haben. Viele zeigen zum mindesten die Spuren einer lebendigen geistigen Atmosphäre, innerhalb derer sie zu leben gewohnt waren. Es kommen Menschen, die gelernt haben, zu herrschen, an der Spitze zu ,stehen, große Unternehmungen zu leiten. Schon hat eine Ffandvoü Menschen dieser Alijah das Theater-, Musik- und .Kimstleben merkbar, befruchtet. Man sieht aristokratische Gesichter, Zeugen einer: generationenlangen seelischen Tra• bisher verhältnismäßig wenig erzeugte. Der Gegensatz aber zwischen Stadt und Land wird jetzt von Woche zu Woche größer, seitdem die Städte sich füllen mit Beouemlichkeiten, Luxusläden und Vergnügungsstätten. Weit sicht man bei der neuesten Landplage, den immer mehr grassierenden Tanzabenden in den europäisch aufgemachten Cafe«? Deutsche Juden und einheimische Levantiner Jünglinge in trautem Verein. Der L.evantinisinus aber Ist unser gefährlichster Feind. Man kennt ja die Städte des Balkan* seit dem Ende des PL Jahrhunderts, als ״Europa" dort seinen Einzug hielt, vorne wohlgcpflnstcrte PrachUfraßen und Prachtbauten, dahinter in Schmutz, versinkende Lehm- 11 aus er. Ein Gegensatz solcher Art kann sehr wohl einmal Ercz Jisrael charakterisieren, wenn die Entwicklung in Wir haben In der Geschichte Ercz Jisrael«! mehr RH. spiele desselben Gegensatzes, man mag ihn abgekürzt A ״Europa contra Asien“ bezeichnen. Auch die erste Alijah und mehr noch die zweite und dritte wurde und wird von dem alten Jischuw als Träger europäischer und daran judentumsfremder Ideen betrachtet. Nicht ganz ohne Bered* Rung. Sicherlich lag mich ihren Anschauungen eine Ucher- Schätzung mancher europäischen, eine Unterscli.it/ung uianther jüdischen Werte zugrunde. Aber ״normal“ und iioruialuicrer.J war sic gewiß nicht, und im großen betrachtet, ging <i! nicht davon aus, moderne Erscheinungen zu übernehmen, nur eben weil sic sie von Europa her kannte, sondern mir ins> weit, als sie durch sic die schöpferischen Kräfte des Volkes zu steigern hoffte. Und wenn man Kleines, zunächst wenigstens Kleines ווו Großem vergleichen will, wenn man in do! Anfängen schon ihre mögliche Fortsetzung vorausalmcn, vorausbefürrlitendir!, so lenkt sich unser Blick auf den großen Versuch eine: ״Europäisierung" Vorderasiens vor 2OT) Jahren, der zweimal, zu den Zeiten der Syrer und Römer, die Juden zu heftigsten: Widerstand entflammte. Irn wesentlichen ging es auch damals um Normalisierung, Normalisierung des Kultus, — auf diesen Gebiet darf freilich von einem geistigen Kampf gesprochen werden, — Normalisierung der Lebensform. Wieweit damals im übrigen eine innere Hcllcnisicrung, Europäisicrimg *tut■ fand, entzieht sich unserer genauen Kenntnis. Daß sic irgend• wie vorhanden war, dafür haben wir Anzeichen gciw,;׳, *kt große, weitgespannte, geistige Auseinandersetzung zwischw Israel und Hellas blich damals freilich aus, und steht uns sicherlich für jene Zeiten bevor, da wir ernsthaft unseren Weg zum Judentum suchen werden. Denn keineswegs bedeutet Judentum von vornherein eine einseitige Stellungnahme für Asien im Gegensatz, zu Europa. Die wertvollsten Teile der Hi bei sind zwar bestimmt nicht Europa, wohl aber eine entschiedene Abwehr Asiens, zum mindesten Vorderasiens. Gerichtet gegen alle ungridge Ekstase und ihren Zauber, gegen die Wirbel der migchandij• ten, berauschenden Gefühlsliingabe, die damals diese Länder erfüllten und selbst nach Griechenland hiuiibcrschhigen. Aber die Entwicklung zum Geiste, zur Kultur hin hat eine Grenze nicht überschritten. Sic wurden nicht Selbst zweck. Was aber sind die entscheidenden Momente der «,(.idtiscbei ״Kultur“ in der Geschichte des Abendlandes? Ebenem•! als Selbstzweck, Freude am geistig-künstlerischen Spiel 3־ sich,• jenes produktive Nichtstun (Wilde sprach von kutti'i«• tem Müßiggang), das einen eigenen Reiz besitzt, aut ®ו niemand leicht verzichten mag, der je davon gekostet W, daneben ein leichtes Genußlchen, — beides Kinder der Mu«■ Und so konnten sie sich nicht in einem Lande entwickeln, u> um Aufbau ringt. Die Fragen des Aufbaus werfen ihre sch״'; ren Schatten aut alles, was wir tun. Das muß so sein, ״״' lange Zeit. Wir können und dürfen uns kein Leben der mpj leisten, so sehr wir es uns zuweilen wünschen mögen.U1 scheint es überhaupt, daß diese Ecke des Mittelmccrcs, die•« Land der inneren Spannungen, das nicht umsonst das ID'p Land heißt, bestimmend jener gesättigt-bürgerlichen Hd|up widerstrebt, die den Stolz Europas bildet. Der neue Ji'“'11*, der das heutige Ercz Israel geschahen hat, war jcdcnfdk'“ jeher empfindlich und mißtrauisch gegenüber jener Halt“*‘ der Sicherheit, Normalität, angeblichen Korrektheit, - ״י’ das Im wesentlichen Kräfte der Beharrung. Eine AusCinam1' Setzung zwischen Geist und Geist wird stets fruchtbar >“ ׳ der bloßen Beharrung gegenüher gilt cs keine Ausfin״* Setzung, sondern Abwehr. Denn jeder schöpferischen 5. VfUtitz des Jahr•• 1933, •Iso ginau vor •l1'״* Jahr«, beginnt dl• Artlk*l»*rl•"^ .Jüdischen Rundschau“, dl• In dtm BuC zusammengofaSt Ist. Oloses Buch Ist unbestritten da• ייי*^ gebende Dokument des deutschen Judit1 turne Im Schicksalsjahr• 1933■ Wer das Buch noch besitzt, bestelle e* sofort Preis RM 2,68 VERLAD ״JÜDISCHE RUNDSCHAU“, BERLIN Wיי Suillalspung lilr Buehhlndlsri UMu• JUdUoh.r •«rillt W8e, Mn״1״ "" ״ ין I