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Jüdische Rundschau · 1934-02-23 · Heft 16 (23.2.1934) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 16 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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U N S T Kunst und Abstammung Von Prof. F r a 11 z Landsberger. Die nnclisteheiulen Ausführung,,, ,!es behannten Kunsthistorikers zum Problem des 1r,M״׳.v ,Irr jihlischeu Knust dürften gevi ß /in manchen unserer Leser* Atdnß dazu '׳"'יי dher dir Zusammenhänge zwischen Kunst und Abstammung nmhzu,lenken und inshesnn- /Irre dh' l'inr.e zu untersuchen, oh der Begriff der jüdischen bildenden Kunst heute schon schürfet zu fassen ist. Wir glauben, daß eine Diskussion dieser frage im gegenwärtigen Zeitpunkt nützlich ist. lled. Ais sieh M-1* Licbcrmaim von der Preußischen Akademie ijer Kunde zurück/og, gab er in einer öffentlichen Erklärung der Uriirr/riigting Ausdruck, die Kirnst des Menschen habe jjchfs mit seiner Politik oder Abstammung zu schaffen. Was diese letztere angeht, so kann man sich gut vor-!(dien, wie fP'radc Lichcrmann zu einer solchen Anschauung «{tomnifn sein mag. Er fühlte sich zeitlebens als ein (ilied!ן der Kette jenes Berliner Realismus, die von Chodowiccki an s[!cr Sclmdow, Krüger und Mcirzcl bis zu Stcffeek — seinem (fiten Lehrer -- führte und die er zu vollenden bestimmt ״,f, Und gerade die ernstesten Hctrachtcr seiner Kunst, (in Wilhelm llode, ein Dchinel, ein Schcfflcr, bestätigten ihm leie Auffassung mul sprachen seine Werke als Ausdruck des teste 11 Deutschtums an. Was Wunder also, wenn sieb jta persönliche Erfahrung zu allgemeiner Erkenntnis erwei• Kilo und rr die Abstammung als unerheblich für die Bitdüng einer Kunstsprache ansah? Und doch ist diese Frage, durch die nationalsozialistische pnvegung in den Vordergrund des Interesses gerückt, nicht ״ij ein paar Worten abzutun; sic erheischt vielmehr eine ein-!chendcrc Betrachtung, selbst auf die Gefahr hin, den ent• schicricncn Standpunkt des großen Künstlers verrücken zu Bussen. In einem freilich ist diesem Standpunkte beizupflich• (81: die E i 11 f ii 111 u 11 g s in ö g 1 i c 11 k c i t des K ü n s t krs in seine Umwelt ist ungemein groß. Sie ist licht etwa nur auf den jüdischen Künstler beschränkt und juch nicht als täuschende Verkleidung, als ״Tarnung“ — sic man heut gern sagt — gering zu achten. Sondern sic lisdct sich hei dem Künstler jedweder Abstammung, ja sic scheint mir mit seinem Wesen aufs engste verknüpft. Denn der Künstler ist ein Mensch, der mit weitgeöffneten Augen t«d gesteigerter Empfänglichkeit die Reize der Umwelt in :1:11 aufl.iugt und widcrspiegelt. Parum ist er auch von der (mtc seines Wirkens aufs tiefste beeindruckt. Ich erinnere sich noch gut, wie mir einmal der Architekt Hans Poelzig sich seinem Fort/ug von Breslau nach Dresden die veränderte Luft, die veränderte ״Farbe“ — so drückte er sich »örtlich aus — seines neuen Wohnsitzes zu schildern be-;um und mit ihnen die auffallende Wandlung seiner Bauten «d Entwürfe erklärte. Für die Vergangenheit wäre — um weh ein Beispiel zu nennen, — an den Florentiner Architfktcn Jaeopo Sansovino zu erinnern, der, nach Venedig verpflanzt, sich ganz in die reiche und dekorative Bausprache dieser prunkvollen Handelsstadt versenkte und mit seiner ״Bibliothek", seiner ״Loggctta“ Bauwerke von echt vene• Mnkhcr Prägung schuf. Was sich hier im Wechsel von Stadt zu Stadt vollzieht, tu wirkt sich in verstärktem Maße hei Armierung der Lau* ögrcn/eii ans. Dürer ist in Italien in die romanische For* *n'praclie getaucht, Feuerbach in Rom zum ״Römer“ ge* worden, und umgekehrt haben sich dic_ ״wälscbcn“ Architekten, die nach dem 30jährigen Kriege in das kunst- Mlrcnulcte Deutschland zogen, der nordischen Weise in;«׳ erheblichem Maße genähert. Am die Frage des jüdischen K ü 11 s 11 c rs bezogen dir! es uns also nicht Wunder nehmen, wenn ein Josef brjcls die Tradition der linlländisrhcn Malerei, vor allein Rembranrlts, fortsetzte, wenn ein Pissaro in die Einfluß- Sphäre des französischen Impressionismus geriet oder wenn L'ifhcrniann von dem in Berlin gepflegten Realismus voll norddeutscher Herbheit die stärksten Anregungen empfing. Aber wenn der Künstler mit so vernehmlichem Echo den Anrut einer Stadt oder eines Landes erwidert, so ist er auf du anderen Seite auch wieder der Mcnschentypus, der *fine Gestaltungskraft aus tiefstem Seelengrundc hcraufholt. Sensibel für die Umwelt ist er nicht weniger sensibel für *c St i m in c s c i 11 c s Blutes, seines Ursprungs, und 1"in möchte ihn in diesem Poppeltsein einem kraftvollen Bsume vergleichen, der die umgehende Luft und Sonne ® Atmung braucht, aber zugleich, je höher er wächst, 1w so tiefer seine Wurzeln ins Erdreich hinnbsenkt. So sind auch Dürer und Beuerbach trotz ihrer romanischen hfwamltuig im Kern echte Deutsche geblieben, haben die »wischen״ Architekten auch unter nordischem Einfluß den Gbaraktcr der italienischen Fortncnsprachc gewahrt. Und diese zähe fcstgehaltenc Eigenart ist nicht etwa ein leicht ׳!' missender Rcstbcstand, sondern gerade das, was dem Kunstwerk die besondere Note, die besondere Würze verleiht. _ Will man auch diese Einsicht für den jüdischen Künstler nutzbar machen, so liegt hier die Frage insokomplizierter, als er zwar einem eigenen Volkstum ent• stammt, aber andererseits seine neue Landverbundcnheit sehr seit vielen Jahrhunderten besitzt und sich mit ihr che יpraclie und Kultur des »ir wohl — oder sollten . ״westliche "י äußeren Wenn man endlich fragt, worin denn nun das gemein* s a m c Kennzeichen liegt, das die Schöpfungen jüdischer Künstler, gleichviel welchen Landes, verbindet, so wurde ich ralen, die Beantwortung dieser [׳’rage für spätere Zeiten zu• rüek/.nstelh n. Welche Schwierigkeiten bereitet es doch, den Charakter der g c r m a 11 i s c 11 e n Kunst zu bestimmen, die sich zwischen so eidgogcngesetzten Polen wie einer treuen und kleinliclieiklen Sachlichkeit und einer hinreißend-impulsiven Lxprcssionskraft _ bewegt, und deren zweifellos bestellende Gemeinsamkeit über alle Gegensätze hinaus nur dem feinfühligen Betrachter greifbar wird. Und dort band eit es sich um ein Vcrgleichsmatcrial, das mehr als ein Jahrtausend umspannt. Bei der jüdischen bildenden Kunst aber haben wir, von der wenig bekannten jüdischen Antike abgesehen, erst seit etwa einem Jahrhundert wirklich überragende Leistungen, und nur diese sind zur Erkenntnis des Kimstcbaraktcrs geeignet, weil nur sic von den innersten Kräften des Seelenlebens genährt sind. Darum lassen wir diese künstlerischen Schöpfungen vorerst sieh nichren und begnügen wir uns mit dein Bewußtsein, daß in ihnen hei aller Verwobenheit mit der Umwelt doch auch etwas Jüdisches zutage treten muß, mögen wir es zunächst auch mehr ahnen, als klar erkennen. Das Jüdische Museum in Berlin Diejenigen deutschen Juden, die durch die Ereignisse des־ letzten Jahres nicht mir der zionistischen Praxis - der Er* Kenntnis von der Bedeutung Palästinas als Auswanderung«• Innd zugefülirt wurden, sondern die auf diese Ereignisse mit einer inneren Umstellung reagierten, drängen notwendig zu tieferer Erkenntnis des Judcnschicksnls. Am Anfang jeder ernstgemeinten Selbstbesinnung mußte daher ein intensives Studium der jüdischen Geschichte stellen. Unsere Absicht geht nun dahin, das Jüdische Museum zu Berlin als ein leben* indischer Oe■ Anna Tiduo Ausstellung in der Galerie Sieimaizky, Jerusalem Frauciikimst bester, edelster Art spricht zu uns. Eine Kirnst, die ihr Amt nicht weniger ernst, nicht weniger ver* antworlungsyoll ausübt als die der Männer, aber dennoch, darin, liegt ihr Wert, ihr Frauentum nicht verleugnet, da sic die sichtbare Wett von einem anderen Gcfühlspunkt aus hetrachtet. Das große Talent, das sicli in Anna Tichos Zeichnungen und Aquarellen aus Palästina olfenhart, verrät eine Sicherheit des Ausdrucks, eine persönliche Bestimmtheit der Auffassung, wie sic nur durch strenge Zucht und freie Entfaltung angeborener Gaben gewonnen werden kann. Man sehe die Sclnvarzweißhlättcr, die in vielfachen Variationen Ausschnitte von Jerusalem wiedergeben. Sic sind gegründet auf einer kaum zu übcrbictcndcn Gcwissenhaftigkeit der Beobachtung. Mit sachlichem Eifer hat Anna Ticho studiert, wie sieh Gebäude und Gemäuer der wunderbaren Stadt dem Auge dnrbictcn, wie Hauser, Dächer, Wölbungen, Kuppeln, Türme sich ziisamincmlrängcn, ineinanderschicbcn und vcrscliaehtclu, verbinden und übcrschneidcn, wie ihre unendliche Fülle und Mannigfaltigkeit, der immer neue Rhyth• mus ihrer Umrisse den unvergleichlichen Zauber des uralten Stadtgebildcs ansmacht. Aber die optische Exaktheit erhält ihren Sinn und ihre Bedeutung erst durch den eigentiitn* liehen pocsicvollcu Klang, der sich wie ein feiner Duft darüber breitet. Jerusalem ist ein unerschöpfliches Arsenal von bildhaften Eindrücken. Man glaube jedoch nicht, der Künstler brauche nur so zu/ugreifen. Damit hätte er noch nichts erreicht. Er muß wählen, sichten, Standpunkt und Begrenzung des Blicks aushalaneieren und, indem er scheinbar die Details aneinander* reiht, die sein Auge wahrniinmt, das aus lauter realistischen Einzel/iigeii mosaikartig zusammengesetzte Bild von sich aus noch einmal aufbaucn. Von Anna Tichos Zeichnungen ge* langt jede zu diesem hohen Ziel, weil sie nicht lediglich aus einer Wiedergabe der Dinge, sondern aus einer tn liefen Vorstellung von ihnen entstanden sind. Die objektive Treue der Spiegelung wird aufgesogen von einem höchst sub* jektiven, deutenden Vortrag. Von der Stadt her wird weitere Ausschau in die Bergweit der Umgehung gehalten. Anna Ticho zeichnet die TaUiiiseliiiilte um lernsalrin mit Ihrem Fclsgeröll, mit den durcliM'hueidemlen Bändern der Landstraßen, mit den Häuser* würfeln der arabischen Dörfer an den steilen Hängen. Sic hält den Ecru blick über das jiidäischc Gebirge fest, über die Wellenlinien der kahlen I lölienzügc bis zu den wogenden runden Gipfeln der nackten Felsen nach dem Jordantal hin. Ungemein interessant, wie sic diese großen Formen bindet, wie sic den Charakter der natürlichen Gebilde versteht, wie ihr Frauensimi den starren Ernst des Bcrglandcs mit tiefer Vortrautheit umfaßt und in chriiichtigcr Liehe als Heimat begreift. Dann leuchtet das anmutige Farbenspiel der Ac^tiar c 11 c auf. Der palästinensische Stil Anna Tichos verbindet sich hier mit der verfeinerten malerischen Kultur der parise• rischen Schulung, die sie in sicli aufgenommen hat. Mit Genuß geht man von Blatt zu Blatt. Man verfolgt die reife Kunst, die aus dem Vorrat der menschlichen Typen Jerusalems schöpft. Graphischer und malerischer Reiz, wirken zusammen. Ein paar leichte Tupfen genügen, um die Buntheit der Kostüme zu kennzeichnen. Immer eine andere Melodie aus wenigen Tönen, Rosa und Graugrün, Violett und Gelb, Blau unci Oliv. Ein weißes Gewand wird durch dünne hellgraue Umrandung überzeugend charakterisiert, eine lebhafte Mustcrung durch sparsame rote Punkte angedeuid. Die Farben sind nur lasiert, daß der Patücrgrund durebschimmert, dessen weiße Flüche zum Teil trcibleibt. Mitunter übernimmt der Pinsel auch selbst die Zeichnung. Max Osborn. d i g c s Anse 11 au 1111 g s m i 11 c I schichte dar/iistcllcn. Ls ist gewiß kein Zufall, daß die Berliner Palästina* Ausstellung auch einige palästinensische Ausgrabtmgs* stücke dem Jüdischen Museum entliehen und zur behau gc* stellt hat., Diese altpalästinensisehcn Tougcfiilic und Mimzen sind Symbol dafür, daß der Wiederaufbau Ercz ls* raels bewußt an Geschichte um! Tradition des Landes anknüpft." Drill, oberflächlichen Betrachter mag es zunächst vielleicht übertrieben klingen, wenn wir behaupten, daß bereits die Betrachtung der allen, in historischer Zeit in Palästina kursierenden Münzen asifsdihißrciche Einblicke in die Geschichte und Kultur Israels gehen können. Wenn z. B. die ersten spezifisch jüdischen Münzen ans der I insmonäer/eu statt der bis dahin üblichen griechischen Aufschrift die hebräische Inschrift: ״Der Befreiung Zions" tragen und statt des llcrrsclicrporträts oder des Abbildes der jeweiligen Stadt* göttlich als Münz ein Werne die in Palästina gedeihenden' Früchte und Pflanzen (Palme, Etlirog, Weinblatt, Traube, Granatapfel, Molmköpfc) und Tcmpclgcrätc (Tcmpcltor, Weinkelch, Lulav, Harfe und Lyra) verwenden, so ist das einer* seits gewiß ein augenfälliger Beweis für die damalige Fruchtbarkeit Palästinas, wie es andererseits von dem erbitterten Kampf erzählt, den die ihrer jüdisch-nationalen Eigenart bewußten Makkabäer gegen die Hcllenisiertmg des Landes führten. Welch _ tiefe Verzweiflung drückt die gefesselte, von einem römischen Krieger bewachte Fraucngcstalt aus, die das von Rom besiegte Judäa versinnbildlicht, weicher Siegerstolz spricht aus den römischen Prokuratorenköpfen auf der Rückseite dieser sog. ״Judaca capta“-Mün/cn. — Aber noch weiter zurück in vorhistorische Zeit (bis 2000 v. Chr.) kann man sich an Hand der im Jüdischen Museum ausgestellten Tongefäße versetzen lassen. Gerade die Geräte des täglichen Gebrauches, die Teller, Näpfe und Krüge, kennzeichnen deutlicher als jedes reine Schmuck• oder Zicrstück den Grad der kulturellen Entwicklung eines Volkes, seine Arbeitstechnik, seinen Formensinn, das Bedürfnis nach fortschreitender Veredelung primitiver Formen und das Maß des Einflusses fremder Kulturen. Palästina, das stets als Durchzugs),md und Kriegsschauplatz für seine mächtigen Nachbarstaaten!!erhalten mußte, war den verschiedensten Kulturcinflüsscn ausgesetzt und konnte demzufolge niemals eine eigene Kunst hervorbringen. Die bei archäologischen Grabungen zutage geförderten Tougefäße spiegeln deutlich die verschiedenen Kulturmisehimgen wieder. Neben rohen, noch ohne Kenntnis der Töpferscheibe hergestcllten Gefäßen der kanaanäischen Urbevölkerung, sieht man ägyptische Spitzkrüge und die dem hochentwickelten ägäisclicn Kulturkreis (Kreta, Zypern) entstammenden Gefäße der Philister mit reicher geometrischer Bemalung. Die israelitischen Gefäße (1200 - 000 v. Chr.) weisen teilweise neue Formen auf, die ein ziemlich hochentwickeltes l'oringefiihl verraten. •־• Nicht minder aufschlußreich ist es, den Verlauf der in Palästina sehr verbreiteten Glasindustrie mit ihren mannigfaltigen Formen, ihrem eigenartigen Fadcnornnuicnt zu verfolgen. Auch figürliche Darstellungen -- Astarlefigurcii verschiedenen Typus, 'Hrrfigumi, jn, sogar!umschliche Figuren - fehlen nicht. Daß man an Hund historischer I)eiikinschriften (Siloali- Inschrift, Mcsa-Stcin) den Entwicklungsgang der althehräischen Schriftzciehcn bis zu den heute üblichen hebräischen Buchstaben studieren kann, dürfte manchen eifrigen Alef-Bcth« Schützen interessieren, Das Fehlen fast jeglichen Bindegliedes von dieser frühesten Periode unseres Volkes bis zuni 18. Jahrhundert, spricht deutlich die Sprache des G a 1111 h - Sc h i e k s a 1 s. In Deutschland sind alle Ausdrticksfornion jüdischen Kunstuna Kulturlebens des Mittelalters bis auf einige wenige Reste der Vernichtung anheim gefallen oder im Verlauf der dauernden Judenwanderungen verloren gegangen. Wenn wir daher zwar aut den tatsächlichen Besitz mittclaitcrlicli-jüdiscnm Kulturgutes verzichten müssen, so ermöglicht cs die mehr als IOOOO Blatt umfassende graphische Sammlung des Museums, wenigstens an Hand zeitgenössischer Holzschnitte und Kupferstiche die Geschichte der Juden in der curopaischen Diaspora zu verfolgen. Die ‘—' altcrlichcn Judenverfolgungen z. B. Holzschnittfolgc des ״Simon v. Flugblatt auf den Auszug der derung des Frankfurter Ghettos des judentäuflings Pfefferkorn wird durch Holzschnitte von Cranacli, Jost Amman u. a. illustriert, auf den Hofjuden Süß Oppenheimer werden Flug- Geschichte der mittelist durch die berühmte Trient“ (1175), durch ein Juden aus Wien, die Pliin- (1611) vertreten; das Porträt taucht auf, die Lutherzeit Wirtsvolkes eint. Trotzdem wissen cs wenigstens wissen —, daß auch Bestandteile seiner Vergangenheit und innerer Haltung mit großer Judentum hctic bewahrt hat, mul daraus ergibt sich die Möglichkeit ™tf Aussprache in Werken der bildenden ,Kunst. Her Durchschnittsmensch, gewöhnt, seine Worte una Taten in bewußter Ziclgcstaltimg zu lenken, vermag diese scc- 1 ^e Struktur zuriickzndämmen oder ganz, verschwinden zu ,,'*en. Der Künstler aber lebt in einer Welt iinbcwun 'Giifdrängcndcr Gefühle, und gerade in seiner Wioplcrstuinle ist er getrieben, nicht treibend, wird er von wist unterirdisch laufenden Strömungen ilurchrnusclit. Fbcn (|ar״m braucht ihm die Erbschaft, die ihm ,ten seiner Abstammung zufällt, gar nicht bekannt zt- » Ltr k״1׳n sie, wie Licbermann, überzeugten Sinne. e׳ncn; ihr Vorhandensein ist dem eigenen wollen, pnm Bewußtsein entzogen. Ebenso wenig ist sie ״״ ,bloßen Akt der Willkür - also etwa d,,r'Vd,|®tellck. S? 1׳1'״sdien Themas - zu steigern; solches re 1 mtcllel h *,*־’Vornehmen des Eigenen ist für den K'mstlcr eher ü$lch als fördernd. Er ist mm einmal wie:J« ‘r J *r im Schlaf/״stand über steile Dächer zu wandern . r״.ag, aber, beim Namen gerufen, vom Sihwind chren wilid|® T'tfe hinabstürzt. Wenn man diese ״ g u n g in i/a ׳k1״״ das nur durch eine tiefere Vc , ")״dischcs Wesen oder auch durch einen Zustrom <1־ ״"«*1"*״n Bedingungen - der Sprache, ,ResdielK״, also durch Faktoren, die den R " * *nKJne#t. |J" ergreife״ und von hier aus in das'Schaffen1 des Kun« ff ^״tromen. Aber auch da, wo diese B«״d״"Kc י י*' ff erscheint mir die jüdische Eigenart siar^u|fe^״f׳che^ ״"J Kunstii* - und gerade beim Künstler ״־ zum vorsene« verdem durch Wahl Jakob Steinhardt Der in Zcrhotu (Posen) geborene, bis vor kurzem in Berlin schuf/ende und nunmehr in T e 1■ A m 1' to lebende Künstler gehört zu jener Gruppe von Malern, die sich schon in der Stoffwahl zum Judentum bekennen. Im Berliner Jild, Museum hängt sein großes Bild: ״Der Prophet", dessen über die Volksmenge etnporrngende Gestalt vor stürzenden Haus fronten in expressionistischer Erregt• heit gegeben ist, Noch bekannter ist er als Graphi• her geworden; hier he• herrschI er neben der fein• linigen Radierung den groß• flächigen Holzschnitt, des• sei» Schwarz-Wciß er zu t'nlcnsieer Wirkung steigert. Die hier abgcbildcte Prob« der ״W eisen oon Öna Bcrak" (im Besitz des Ber• lincr Jiirf. Mus.) entstammt Stcinhardl’s Haggadah, einem Meisterwerk in der Zusammenstimmung der hebräischen Schriftteiehen mit den eingestreuten Illustrationen

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