Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1934)
- Date
- 1934-02-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU JJiiefi 01s iie Sintflut" Von Dr. Felix A. T h c i 131 a b c r Der Artikel ״Hude des deutschen Judentums?1' (״Jtid. Rundschau“ Nr. 3) hat ein lebhaftes Zcitungsodio hervor« gerufen. Auf Ziffern und Tatsachen allein dürfe mau nicht bauen, meint ein jüdischer Zeitungsmann. Mau müsse auch auf das Glück vertrauen. Dieses Glück habe dem Großvater Mcycrbeers zur Seite gestanden, als er sich zu einem rein rechnerisch bedeutenden Verlustgeschäft entschloß. Und siehe da! Wirklich die Konjunktur änderte sich und Mayer Wulff ~~ so!lieft er — ward ein reicher Mann! Tin reicher Mann und alles durch Glück. ״I lallt Ihr auch unser Masse! mitgercchnet?“, fragt der Verfasser vorwurfsvoll am Ende des Artikels,., Diese hübsche Geschichte hat den Lesern jenes Blattes gewiß gut gefallen. Leider ist die von mir erörterte Frage* mit dem Einsetzen eines Glikkszufalls nicht zu lösen. Der Zcrset zungsprozeß der deutschen Juden ist nämlich soziologisch, politisch und wirtschaftlich bedingt. Lr ist der Ausdruck und die logische Folg e der Steilung des Judentums in Deutschland, die Reaktion auf die wenn auch k :implizierte Lage der deutschen Juden. Ans ihr erklären sieh bereits die ersten Auflösung«:• erschrinungcn, die frühesten Zcrfallssymptomc, die wir ge« wölnilicli aber fälschlich ׳—auch als zufällig• auffalitcn. Juden, die sieh religiös-national I.!*gelöst glai bten, suchten durch rest« lose Assiinilati וונ der M i n d e r b < w e r t u 11 g dieser Gemcinschnft zu entgehen, sie flüchteten in die Taufe. Ein anderer Teil glaubte durch den Besitz von materiellen oder geistigen Güten!, durch Würden und Auszeichnungen der gelingerc» Einschätzung als Juden zu entgehen und die volle Achtung als Deutsche in der Umwelt zu finden. Diesem Aufstieg diente z, T. die Beschränkung der k'iiuterzahl. Dabei er- •wies sicli das ncomalthusiaiiistische System auch sonst als eine Annehmlichkeit in verschiedenster Hinsicht'. So sieht inan in dem anscheinend individuellen Verbalten die Einflüsse der Umwelt, und das Schicksal des E.inzelnen löst sich auf in eine s o z i ג I o g i s c h e Bedingtheit. Viele Erscheinungen an den deutschen Juden sind ausgelöst durch ihre besonderen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissc. Trotz der Emanzipation erfolgte z. H. eine stete lokale Umgruppierung der deutschen Juden. In 100 Jahren vollzog sich eine Binnenwanderung, die sie aus der Verwurzelung in den Kleinstädten heransriß und vom listen nach dem Westen trieb, 1111 Jahre 1 *H» 1 wies ich auf die Gefahren• momente hin, die ״der Untergang der jüdischen Landhevölruitg" (frankfurter tsr. f'aui.-Blatt 2. Jabrg. Nr. 3) mit sich bringen müsse. Die nachteiligen Folgen waren schon damals klar vorher/usehen. Trotz der wirtschaftlichen Erfolge ergriff immer mehr die Lchcnsunsichcrhcit den jüdischen Menschen. Schlenücl sucht bekanntlich seinen Schatten, der deutsche Jude stolpert über ihn, er ringt mit ihn! wie mit einer feindliehen, unsichtbaren Gewalt. Der tiefe Sinn seines Lebens besteht in dem ewigen Vcrsuch, sein Jiuleiisebieksal zu meistern. Und das vielfache Rätselhafte seines Verhaltens ist erst aus den Dissonanzen zu erklären, die sich aus seiner Stellung als Jude ergeben. Vor dem Weg ins Freie richtet sich für ihn und vor ihm oftmals eine, starke Wand auf, ein schwer passierbarer Widerstand. Unsichtbar steht darauf: Für Juden gesperrt. Unter diesen! ungünstigen Start geht er in den Lebenskampf. ln den Artikeln der ״Jüdischen Rundschau“ habe ich Versucht iiach/uweisen: Der moderne Jude, welcher der gcschloss eil ei! nationalen und religiösen Einheit seines Wesens und der Festigkeit einer auf das Gesetz aufgebauten Gemein- Schaft beraubt ist, antwortet nicht mehr wie der Vorjahre in früheren Jahrhunderten. Mit dem Schwinden des Kolleklivintcrcsses war dem liberalen, der Verantwortung für die übrigen befreiten Juden die Möglichkeit gegeben, einen Answeg iür sieh allein zu suchen. Je mehr jeder nach Wirtschaftliehen I cbciissielierlieiien strebte, desto mehr mußte er sich in der Familienbildung beschränken. Uebrigcns suchte auch die deutsche Arbeiterschaft der Großstädte aus ähnlichen Gcdankengängcn heraus, den sozialen Aufstieg und eine ökonomische Fntspaimug ihrer Lage durch KIcinhuHiiug des Nachwuchses zu erzielen. Wenn also Julian Lehmann im ״llamh. Isr, Fam.-Hhtt“, abgcsclicn von dem Oliicks/ufall, von der Verelendung der Juden einen Geburten,mstieg erwartet, so ist diese Annahme im Widersprucli mit den Gegebenheiten. Soweit vorerst Maßnahmen getroffen werden, dem Geburtenrückgang in der deutschen Bevölkerung zu begegnen, werden Bestrebungen eingclcitct, die den deutschen Bauern wirtschaftlich heben und seine Existenz sichern sollen mul andere Vorkehrungen, die sich nicht au die* jüdische Interessensphäre wenden. Das Ausscheiden der Juden aus einer Reihe ihrer Positioucn und die Schwierigkeiten, die sich bei der Berufsum- Schichtung ergehen, müssen die l.cbcnsnngst weiter Kreise verstärken und ihre Geburtenfreudigkeit noch mehr schwächen. Es ist also nicht eiimiseficn, wieso von der hcrauwachsenden Generation ein Aufstieg der Geburtenziffern zu erwarten wäre; die mißliche Lage der deutschen Juden wird sie mm noch mehr beeinflussen, die Rationalisierung noch mehr durchzufülircn, sofern das überhaupt noch möglich ist, Inzwischen haben wir eine aufschlußreiche Statistik erlialten, die allerdings die Wiener Juden betrifft. Hier ist im Jahre 1032 die Gehurten Ziffer auf 4 ״ gesunken. Ein Bild von der Bedeutung dieser Zahl gibt uns die Rechnung, daß 1%״ bei den deutschen Juden einem jährlichen Zuwachs von 2Ö0Ü Kindern und einer stehen• den Volks za hl von 100 000 entspräche. Nach den Ziffern der Vorjahre ist eine ähnliche Prozent« zaid iür die deutschen Juden, wenn nicht bereits für 1932, so doch für 1933 zu erwarten. Wie groß oder vielmehr wie klein muß die Geburtenziffer sein, wenn der Rückgang der jugendlichen Elemente in den nächsten Jahren ein vermin« dertes Kontingent von geschlcchtsreifen, also von zeugiingsliistigcn und gebärfühigen Eltern stellt I Diese au sich von Jahr zu Jahr abnehmende Ziffer der Jugendlieben wird überdies durch stete Abwanderung weiter erheblich reduziert. Es sieht fast so aus, als ob die Kritike-r meine Artikel kaum gelesen, zum mindesten nicht verstanden haben. Die Feststellung, daII z. B. 1945 nur noch die Hälfte der gebärfiiliigcn jüngeren Frauen gegenüber 30 Jahre vorher in Deutschland vorhanden sind und wem! die Abwanderung nicht plötzlich sistlert, mir ein Viertel, in u fl sieh doch in der Gehurten zahl aus wirken. Eine Frau wird im Jahre 1945 nicht viermal mehr Kinder bekommen als ihre Mutter! Trotzdem führt ein jüdischer Polemiker derartige Berechnungen ״auf den Wunsch als den Vater des Gedankens, auf die zionistische Einstellung zurück“. Die jüdische Ocffcntlich« keit hat ein Anrecht, sachlichere Gegenargumente zu hören. Vor zwanzig Jahren leugnete Dr. Segail den Geburten« l'ückg.mg, Lestsclunsky und Coralnik versuchten ihn später zu bagatellisieren. Inzwischen ließ sich aber die Entwicklung, auf die ich Wll in meinem ״Untergang der deutschen Inden“ hinwies, nicht aufhalte!!. Sie wird von einem Manne bc« legt, dessen wissenschaftlich sachliche Art wohl von keiner Seite bestritten werden kann. Professor Dr. Silbcrgleit gibt auf S. 62 des großen Werkes ״BevölktrungtvethäTtnUsc Nr• 16, 23. H, 19^ י,/ ) f \ r**\ r\ ד־/ O x r י 1 ׳ / -1 s ./ y 1 v־׳ Ä•*׳, «*»iK ״ ׳••at, 11״ AiiM'liluß ,111 emen At1f״«tz von Dr. Klins Anriß*׳•(! in Nr. 7 «Irr ״|il(li<״ ßen Uiimöclinu" crliidlm wir mrßrrr« Zu׳1׳l1riflcn t»uj Piilä-uin», die < In rauf liiiiflfiitrii,!Ulf •in I’ih>U'< di«'«« Aufsatzes mitt• vciO.mtlrii wurde. 1 >r. Aiirrbnrh bclititiptelc iDrt*, d«fl der Arb c i t e r m » n g e I sich in l’nl»1tina äußerst fühlbar mm he und daß die großen Kiiluikert di« Arbeiter ״sofort, bei der Ankunft ubfungen". Die«! Au ,dnirhswrisi• ist von in,!״dien Lesern ■lliu wörtlich aufpemmmten worden, und wir finden es hcrechligi, wenn man un» er •111111־, in, lutere.■״! der Vfrittniluiig fnlselier Vorstellungen den e1 1״ .<ndftu'o Ktiidrttek zu korrigieren. ]•’.« Ist rieh*!!:, daß in tnrmche״ Br,•neben der Arbeiiernumgel sieh fühlbar miiebt. Aller mit der anderen Seile soll man siel! mich nicht darüber Hinsehen, d»ß es liiihl für jeden Kimvn״derer so überaus leicht ist, sofort Arbeit *11 finden. Auch wird nicht immer klar erkannt (obwohl cs gerade in der ״Jüdischen KtimTclmu“ hÄufi(- und rmrlringlich betont wurde), daß 1'm I״s1in» «in 11 a r t e « Land ist und *ehr harte Anforde tu 11 ge 11 »11 die Menschen stell(, die hinkontmen, um dort zu Arbeite״, Die Umstellung, die von einem Mittellosen gefordert, wiid, ist mit. vielen persönlichen .Schwierigkeiten verbunden. Trotzdem tmteivleben sich viele Menscher»!*•sonders der jünger«! zionistischen Ceneraiion di«s«n Schwierigkeiten, weil sie einer Sucho dienen wollen. Ks wäre aber falsch zu verkennen, was ein Arb elterleben in Palästina bedeutet. Dies tet vor allem jenen Elementen gesagt, die, ohne jemals Zionisten gewesen ttu sein, die Erteilung eines Zettitikll» als ein« materielle Begünstigung betrachten. Wir geh«! nach stehend einen Abschnitt aus einer un» tugegtmgenen /nscfiritt eines unigeseliichtclcn Intellektuellen, der jetit Schwarzarbcitcr ist, wieder. Red. Der Schwarz,■!rheiter In der Stadt ist ungefähr in der gleichen Lage wie der Tagelöhner auf dein Dorf. Dort sind zwar die Mieten billiger, aber der Verdienst ist auch fast entsprechend geringer. Der Anteil der Wolmungsmictc beträgt bei einem (hocltgcrcclineicn) Verdienst in der Stadt von CP 6—8, 3—1 Pfund, also etwa 40—50 «/» des Einkommens. Von dem Rest muß die Familie womöglich mit Kindern leben. Das ist ,111( die Dauer nur einem denkbar geringen L c h e 11 s s t a u d a r d möglich. Die Löhne entsprechen schon jetzt nicht mehr den ständig steigenden Lebenskosten. Die Notlage wird besonders akut werden, wenn die mitgcbrachtcn Mittel, Kleider und Wäsche, aufgebraucht sind und erneuert werden mtrtscn. Flu Verdienst von etwa 7 Pfund im tu darf für den Schwarzarbeiten aber auch für Angestellte ,״^ einige Gruppen von Facharbeitern ah hoch gelten p.Ufl*; verdienen tm •Ilgenicinett viel weniger. Es (q f'Uf״ selten, daß der Schwar/arbritcr regelmäßig Arbeit lut? Teil, wie beim Bau, aus technischen Grumten. Die Rcr*׳t fallen aber zum Brhpiel bei allen Außen,arbeiten; It.ui i' y ’׳ Straße, Tmnsportgcwrrhc den vorwiegend von ״“• ionenkreis misgeltilirten Beschäftigung(*!!, einfach für *A”‘; und Eolttt ans, Zwei Regentage 1n der Woche t׳e11־ugen ^st 1 jede Etats,aufstcllting unmöglich zu machen. Auch sonst'g! jeder etwa nuftrctemle Arbeitsmangcl, zum Beispiel bei ״T11 | gelndcr Anfuhr von Materialien, ohne weiteres dem Arhtf* I zur Last. Ein Ktiiicliguiigsrecht gibt cs praktisch nicht. Ei«'׳I ן entweder einfach erklärt: morgen gibt’!; keine Arbeit J, günstigenfalls wird auheimgestellt, am folgenden einmal an/ufragcti. Mit der Suche 11,ich eitler anderen Artet ' stelle vergelten immer 1-3 Tage, oft auch mehr, Da Kr,״*' hcilstagc nicht bezahlt ' werden, ist man im Krankheit/ völlig auf sich angewiesen. T'ur die Gewerkschalts• ula KraukenkasseiiitiHgljeder ist die 1 ,וge nicht sehr wcsent''k besser. Die Arbeitgeber wissen ihren Vorteil zu wahre«, w! sozialen oder nationalen Rücksichten ist im allgemeinen'nU! zu rechnen, Kurz gesagt, Palästina ist vorerst und aut 4 schbarc Zeit kapitalistisch, und zwar primitivkapitalistisch, 0» es anders zur Aufnahme größerer Mengen von Juden laß! wäre, wage ich zu bezweifeln. Und trotzdem auch fttr di«{ ״neuen״ Proletarier Zionismus? Ich möchte diese Frage & eingeschränkt^ bejahen. Aber man muß cs ganz klar sa״« daß in Palästina als Arbeitnehmer aus dem westlichen Furo״) nur lebe״ kann, wer ein l eben nationaler Freiheit, Wurde uk Selbstachtung jeder Ghcttoexistenz vor/ielit. Ich will dabei noch einmal betonen, daß das 0«!«. bzw, die besonderen Schwierigkeiten im wesentlichen für Leus sieh ergeben, die erst liier in! Lande zu Proletariern werfe 1 Diese in vielen Fällen notwendige Umstellung würd׳ I natürlich In jedem anderen Lande wohl noch größer 1 Schwierigkeiten machen. Für Einwanderer proletarischer Her. kunft sind die Lebetishedingnngen vielfach Iwehtcr »h h manchen Herkunftsländern im Osten Europas oder im Orient, Dr. Carl Mayer, Schwarzarbeit«, der Juden“ (1030) eine Zählung der Inländischen Juden In Preußen. Danach waren im Jahre 1025: fl -20 Jalvrc alt 7638 ל, 30- 50 Jahre alt 107 557. Unter Berücksichtigung der Absterbeordnung war die lu« gend also schon 1925־ um zirka 43 ״/<! zu gering. Inzwischen hat sich das Verhältnis für die weiteren Jahrgänge noch viel ungünstiger gestaltet. Silbcrgleit kommentiert den Bevölkerungsaufbau: ״Schon vor mehr als 20 Jahren hat Felix A. Thcilliabcr den Untergang der deutschen Juden verkündet. Und allerdings, die statistische Situation war, wie das Studium der Tabellen zeigt, schon damals ein recht gespanntes. Sic hat sich seitdem noch mehr verschärft .. . Was aber jetzt an Depressionen über die deutschen Juden heinigebrochen ist, das wirkt sich bereits aus, wenn wir es in den Statistiken auch erst in den nächsten Jahren zu selten bekommen. Während wir inmitten des Zusammenbruches der Gc« burtcntäiigkeit der deutschen Juden stellen, belehrt uns Rechtsanwalt Stern, daß ״früher in vielen Gegenden Deutschlands nur ein Kind angesetzt werden durfte. Trotzdem ist das Judentum nicht ausgestorben“. Historisch ist, daß die Juden damals auf die Einschränkung des Wohnrechts nicht mit einem Geburtenstreik antworteten. (Gewiß, die zweitgeborenen Söhne hatten es nicht leicht, sich Irgendwo anztisiedeln.) Stern belehrt uns ferner, daß ״eine sehr wichtig« positive Tatsache, von jetzt an Mischehen, bekanntlich sehr häufig Gründe fiir die Kinderlosigkeit, aufhören“. An dem Ein- und Kelnkindersystem der Juden tragen die Mischehen keine Schuld und cs entfällt da* ״Positivum“ dieser Tat« sachc. ״Die große Ocfahr zionistischer Schwarzmalerei raubt uns den Glauben an die Zukunft in Deutschland ..." Dagegen müßte bewiesen werden, daß es «ich hier wirklich um eine Schwarzmalerei handelt; wohl aber hat «ich der ״Optimismus des Lebens“, den Stern an dem deutschen Juden wahmehmen will, in Wirklichkeit in einen ״Pessimismus des Daseins“ ge« wandelt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und ein schlagender Beweis für die Grundstimmimg der deutschen Juden gibt 11. a. gerade ihre minimale Zeugungslust. Es ist auch für die Zionisten schmerzhaft, aus den Ereignissen und aus den Bevölkentngsvorgängcn die einzig möglichen Schlüsse zu ziehen. Man darf sich dagegen verwahren, die Zukunft von 500 000 Menschen nur durch die Gläser einer Brille zu betrachten, die alles rosarot färbt und man kann über den . Ernst der Situation nicht mit einigen mehr oder minder schöngeistigen Feuilletons hinwegtauschen. ״Attf die Dauer wird es auch wenig Erfolg haben, mit dem billigen Erheben des Fingers auf angeblich engstirnige Unglückspropheten hinzuweisen — es sei denn, daß man eingestellt ist, aber nicht aussprechen möchte: ״Aprts nous le ddlugei“ Die Erfolge der Pdlosflaa ״ Orasi^e Ein Leser unseres Blattes, der seihst im Orangen-OroB« handcl tätig ist, sendet uns aus Hamburg folgende inten• cssante Daten ober die letzten dortigen Örangenverkäufe: In der ahgelattfenen Woche kamen allein in Hamburg zur Auktion ca. 35000 Kisten spanische Ware und ca. 30009 Kistet! Jaffa-Ware (Woche zuvor ca. 28000). Und die Preise sind um —,75 RM. bis 1,— RM. per Kiste gestiegen! Im allgemein sind Preise, wie von Ihnen wiedergegeben. Die Zufuhren wachsen, aber die Nachfrage noch mehrt Die Ware bleibt weiterhin stark gefragt. In der kommenden Woche kommen zur Auktion ca. 30000 Kisten spanische Ware und ra. 48(MX) Kisten Jaffa-Ware. Drei Dampfer werden erwartet, kaum ein Drittel bis zur Hälfte kommt gewöhnlich zur Auktion, der Res־t für feste Rech* nung an. M. E. haben wir schon jetzt die vorjährige Ein* fuhrzahl erreicht. Vergleichen Sie geil, die Statistik der letzten zehn Jahre und Sie werden staunen über die Entwicklung. Ferner teilt uns unser Gewährsmann mit, daß nach seinen Erfahrungen auch in Skandinavien, Balkan. Polen und anderswo die Verhältnisse ähnlich günstig für die Palästina-Orange hegen dürften. Am 21. und 25. Februar finde! fn Rtgl die?, Jahte»־ Konferenz de* lettiändischea Zionisten statt Der Raw von Tiberias Ein wahrhaft tragisches Geschick waltet über den alten Jischuw des heiliget! Landes. Monat für Monat ergießt «ich; eit! sich immer erneuernder Strom von Einwanderern in du : Land, zugleich wird dort ein bedeutender rahbinischcr Fuh• rer nach dem anderen abbenifeu. Erst der alte Rabbi vott i jcruscliolajni, Cltaini Sonnen fehl, dann Rabbi Eliii* Klatzkin, ihm folgend der Leiter der unglückseligen Jeschiwah von Hebron una jetzt neuerdings als vierter das Oberhaupt der aitchrwürdi׳ gen Stadt Tiberias, Rabbi Mosche Klicrs. Tiberias, Hauptstütze des alten Jischmvs von Galiläa, durch seine heißen Quellen auf dem besten Weg, wichtigster Kurort des l ande« zu werden, Ist zugleich auch ein zur Stadt gewordenes Kapitel der Hnlacha und Kabbala. 111 diesen 11 tat steinernen Straßen, in den nach den Straßen zu offenen V'trk• *Litten der Sandalenmacher, der Schneider, der Schreiner, sp gen, lebten und wirkten Rabbi Joclmnan heu Sakai, Rabbi Abba, Rabbi Melr, Rabbi Jchtida Hanassi. Hier entstand die Mi«!v na, der Talmud leruschalmi. Und hart vor den Toren der Stadt, da liegen sie alle gebettet, Rabbi Mcir Baal Hane«,der Frankfurter Sclteloh, der große jüdische Weltweisc Rambira, Etwas von dem Zauber und der Größe dieser Zeiten liegt heute noch über dieser Stadt, und umhüllt den Raw von Tiberias mit mystischem Glanz. Vor zwei Jahren war es mir vergönnt, einige unvergeßliche Stunden bei diesem Rabbi zu_ verleben. Es war ein drückend heißer Schabbat-Nnchmittag in dieser ewig heißen Stadt. Wir besuchten den Raw in seinem ״Hain“. Wenn Irgendwann sind hier die Gänsefüßchen berechtigt; du Haus, es bestand aus einem steinernen Stühehen, das Wohn•, Eß-, Ecrnzimmer zugleich ist. Fröhlich werden wir willkommen geheißen und bewirtet mit Leckach und Früchten. Fröhlich und durchstrahlt von echter Schahhat-Hcitcrkcit. Nichts laßt ahnen von dem ticicn Leid, das er im Lande selbst hat erfahren müssen, da in den August-Tagen 1020 sein ältester bohrt, 0e• ichrtcr und OroBkatifmann, in Safcd nicdcrgrmeizelt wordrn war. Der Raw — ein Gewaltiger der Kabhalah — zeigt *|C" uns als ein kraft- und lebensstrotzender Mann. Eine Vollnatu(. die mit einer groBartigen Hamlbewcgung hinwegfegt, was wir als Fremde im Land dies und jenes in religiöser Beziehung glauben bemängeln zu müssen. I )irser Raw, der 80 iinbekummert auf alles münzbare Geld der Welt verzichten kann 7 nimmt nichts von seiner armen Gemeinde — siehe da, du»" Raw ist ja reich. Aller Besitz ist verdrießlich. Die einzige lern* hin menschenwürdige Form des Besitzes ist der Sclbstbestxz• Wer das Elend dort gesehen, und daraus hcrausragf"3 diese unbekümmerte Rcckcngestalt, der wird die Erkenntni, jiimmer los, daß der Sinn des Daseins sich nicht im Uirtscha!׳ liehen erschöpfen dürfe. Schlimm genug, daß gerade deutsen Juden oft so handeln, als ob der Wert des Lebens nur» materielles Ergehen geknüpft sei. Von diesem allen sprach unser fürstlicher Gastgeber ־־ Kein einziges Wort. Er hatte cs auch nicht nötig, darüber sprechen. Da er es uns durch die Tat gezeigt, er und s 1 Getreuen, die vielleicht noch ärmlicher als er, aber jn >nr gottseligen Trunkenheit genau so froh und heiter «"'d: ״, selbst in drückendster Armut ein reichcrfülltcs Leben sich bauen läßt. Da» war der Raw von Tiberias. Nun ruht »um an der Seite all der Großen, die ihn! vorausgegatigen und aef Erbe er in der himmlischen Tauaimstadt so treu gehütet• Dr. S. Ilcilbronn, GailbC011׳ Die Assefath Haniwcharim, die Delegierte״ Sammlung der judenheit Palästinas, soll nunmehr am כ. ln Jerusalem zusammentreten. jjfe''c.jsfc41G Eia Reisebericht der ״Jüdischen Rundscho^ Dieser Tage begibt sich unser Redakteur Dr. j*eL Welt sch auf «ine Reise nach Palästina, jim jj. deutschen Juden usw,’ den Lesern der ״Jüd. Rund5״״“ vjj״ Berichten. Diese zusnmmcnfassende Darstellung wiro ״ len Veröffentlichungen, die unsere Zeitung laufen« ^0ןן( lästlnafragcn bringt, ergänzen und so ein Bild von ״,nw*rt Palästinas In der Beurteilung der Judcnfrage der ״cg geben. Dr. Weltseh reist an Bord des Messagcri«1־D י׳ ״Marictte Ptcha" am 2. März von Marseille ab. Au* Palästina» Jerusalem P.O.B. 686.