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Jüdische Rundschau · 1934-02-23 · Heft 16 (23.2.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 16 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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;934 jüdische Rundschau Seite 3 **״Mn ״nett(!.( •r,riiItt- ׳, DilK'i t I C r . t'1. <־ t l(>. ׳ te ׳11 זr 1 ־(Il1cl,c " l’ilK’l», fiihi tr Cr drs »zialis.; der \ J nrh. enkrr 1 r reich PHI 1 n / u; Ka. , er. ן Juden 1 d• 11 ’ : 11 *U ' llngx• : 1 vor I ■Mm flnrd. > d tt | t »׳• ISM'H, Ver. 111'in ,יוי»^וי lissar mnifT Aus. km 111 eilt er men, (1111־ cht (־r An* (ifde ten ent fei er c 111 vssky I'-PT blatt Mein Vor* b h f um!( d<־r um. HS» ich* uillnste mae K־k* :htc 7; Iw MaJ;1(1(. 500 :hl<1 rolf als• •1ו 11b* ,ind des Ar* *io* res ins re jn tt I*. 1» ig tt. 16, 23. n. 1934 Die Z auberformcl Parlier Brief S. n., Palis,־ den 21. Februar 1034 Pie Ereignisse des lebten Jahres in vielen Ländern EuropJj haben neben der tragischen Zuspitzung der jüdischen 5itt1alion auch ein (lutes gehabt: Die Erkenntnis des wahren $׳c«ens der Jmicniragc wird allgemein und besonders dort, wo djf,r Erkenntnis am wichtigsten nothit: bei den Juden selbst, r1CWiB ist in gewisser Hinsicht ein bedauerlicher Zustand der ^jestiiinptd'eit und der Angewöhnung lingetretcu, Man er- |f|)t Riicklalle in alte Vorstellungen bei den von den I.rrig- (ijsscn unmittelbar betrolfenen jüdischen Kreisen selbst wie mich |1ri cin/elnen Schichten des jiidischen Auslands, das durch die dramatischen Vorkommnisse ־zuerst aufgewühlt wurde, dann!her, ab an Stelle sensationeller Vorgänge ruhige, aber nicht minder schicksalsschwere Ereignisse traten, sich zu beruhigen begann. Oie fruchtbarste Erkenntnis in bezug auf die jüdische Situation ist die von der Brüchigkeit der ö k o n o in i fäuksle Hwntnei &U> Ilutdek ~Jtu4%d&ck>Mi>! 7w* ttaufiitöait u. a.: ״tacken und Weinen" mh tudwity TeutUtwanyeA, *che« Basis, aut der sieh die jüdische Existenz in der Welt grumtete. So wie es bisher ging, kann cs nicht weiter dauern, Hgt man sich. Dieses grolle llcer der Händler, Krämer, Vermittler, Eiiitmeiischcn aber auch der Vertreter liberaler Berufe ist viel zu sehr den Schwankungen jeder Krise und von den in derVi’cIt sich durchsetzenden ökonomischen Tendenzen bedroht, als da fl man die Dinge so weiter treiben lasscii könnte, wie sic bisher gewesen sind. Und so ertönt denn in allen Ländern Europas (aber auch in Nordamerika) in weiten Kreisen der führenden Juden der Ruf: M a n muß sic h 11 nt s e h i c 111 e n! Worunter verstauden wird, daß sich große Teile der jüdischen Bevölkerung von den bisher innegehabten Berufen abwenden und produktive, aut manueller Arbeit basierende ergreifen sollen. Insbesondere wird die Forderung erhoben, daß die Heranwachsende Jugend systematisch auf ein I eben produktiver Arbeit vorbereitet werde. Biese Forderung ist berechtigt, und sie entspricht durchaus derjenigen Vorstellung von der Oesumlinig mul Normalisierung des jüdischen Lebens, wie sie am entschiedensten in den letzten Jahrzehnten von der zionistischen' Ideologie propagiert wurde. Aber wie mit allen neuen Erkenntnissen ist auch mit dieser die jüdische (.)Öffentlichkeit erobernden eine Gefahr vor- Kunden, daß sic zu einem S c h I a g w o r t wird und sich prompt dort einstellt, wo Gedanken und Hilfsmittel fehlen. Dies gilt besonders in bezug auf die Tausende von E m igranten, weiche im letzten Jahre Deutschland verlassen haben, und hauptsächlich in den Deutschland benachbarten Län• dem eine provisorische Unterkunft gefunden haben. Nachdem man Monate lang in Frankreich, Holland, Belgien und in geringercin Maße auch in anderen Ländern sich mit reiner ״Zedrikah“ (Wohltätigkeit) begnügt hatte, proklamiert man jetzt, hauptsächlich unter dem Drucke der fehlenden Mittel, daß an Stelle der Unterstützung in Form von Almosen konstruktive Arbeit mit dem Ziele der Umschichtung treten müsse. Im Vordergrund dieser Unischichtungshestrebungen aber stehen Pläne, eine große Zahl von Emigranten in landwirt- *chaftlichc Berufe iiberzufiihrcn. Ein derartiges Ziel proklamierte das Pariser ״Comite National“, das seine Unter- Stützungstätigkeit eingestellt hat, und diesem Ziele will auch bnc ganze Reihe von privaten Organisationen dienen, die sich in der letzten Zeit, mehr von gutem Witten als von Sach• kfiintnis geleitet, aufgetau haben. Hierbei sind auch die verschicdcncn Informationsbüros erwähnenswert, in welchen Rerhtsamvälte, Aerztc (Hier ehemalige Handelsleute nach mehr- 'cöchentlirliem Aufenthalt in Frankreich ״erstklassige“ Informahonen über mögliche wirtschaftliche Betätigungen erteilen. Was für einen Wert derartige Informationen besitzen, kann man sich leicht ausmalcn, wenn inan bedenkt, daß die meisten Austiunftgeber nicht einmal die Sprache des Landes, geschweige denn seine Verhältnisse kennen. Bei aller Anerkennung, daß die Forderung der Umschichfun(p durchaus berechtigt ist, ist cs doch notwendig, diese frage nicht nur deklamatorisch zu behandeln, sondern auch gründlich zu analysieren. Wäre der Begriff ״Umschichtung“ nur dn Terminus der Logik, so ließe sich darüber sehr schön spekulierm. Aber Umschichtung vollzieht sich in Zeit und in Raum «nd hc/ieht sieh auf lebende Menschen. Darum ist die Sache R1׳f nicht so einfach, und cs genügt nicht, von oben herab dozentenhaft irgendeinem Emigranten zu erklären: ״Schichten Sie «Hi um!“ Wie soll sich ein etwa «jähriger Rechtsanwalt ohne weiteres in einen Landwirt ״umschichtcn״? Welche Aussicht hat bn 50j,ihrigcr Kaufmann, der sein Leben lang Tcxtilcrzcug- Hisse fcilgebotcn hat, wenn er das Handwerk eines Mceha« nikers ergreift? Die Forderung nach Umschichtung hat ihre individuellen, sie hat aber auch ihre national-jü* fischen Grenzen. Gerade das letzterwähnte Moment wird von den meisten Wortführern der Umschichtung nicht in Betracht gezogen. (Mit Ausnahme des ״Hcchaluz“.) Es gibt eine kollektive, cs gibt eine atomisierte Umschichtung. Es soll nicht darauf eingegangen werden, welche realen Aussichten die Umschichtung als s®'enc ״'tet, woher man die ungeheuren Mittel zu ihrer Durchf.ühr1!ng nehmen soll. Eines ist sicher: Wcnncsirgendemen s'cberen Weg gibt, um jüdische Menschen zu *״ljuden, so ist cs der der atom isierten Um- *'hiehtung fn den meisten Ländern der weit. Das vor uns stehende Problem lautet aber: Wie hilft man den ״rer Existenzgrundlage beraubten jüdischen Menschen jüdisch 8״d menschlich? Daran denken die großen Organisationen, die *'* das ScMagwort ״Umschichtung“ zueigen gemacht haben, ״״erhaupt nicht. Ebensowenig denkt man daran, wie sich die UK* gestalten wird, wenn bereits der Idealzustand weitestümemicr Umschichtung jüdischer Menschen geglückt ist. Man y'lRißt, daß in manchen Landern nicht zu viel schlechte Indische Schneider vorhanden skid, 01» denen man &»** Schneider machen muH, sondern daß es nach dem Gefühl der Wirtsvidker zu viele J ml c 11 gibt, mögen sie Kaullcute, Ilarnbvcrker, unigeschiehtet oder nicht umgesdiielitet sein. Die Forderung, jüdische Menschen zu produktivioren, ist, wenn inan die Sache nicht zu Ende denkt, ein Stehenbleibcn auf halbem Wege. Diese Bestrebung wird erst sinnvoll, wenn man sie in das System der Normalisierung des j ü tl i s c h e 11 Volks! c b c 11 s e i n b c z i c 11 t. In einer Umg1'billig, wo die Tatsache des Judescins für die Umgebung irrelevant ist, das ist in einer geschlossenen jüdischen Siedlung, ist cs von großem Belang, ob inan produktiv arbeitet und seineu Beruf exzellent beherrscht. In Umgebungen, in denen die Tatsache des Judentums eine zusätzliche Belastung ist, kann wohl eine Umstellung auf einen anderen Beruf die Rcibungsfl.iche zwischen Juden und Niehtjiidcn verkleinern, aber nicht ganz aus der Welt schaffen. Was aber soll doch mit den vielen Juden in den I.ändern geschehen, in denen diese Juden aus Berufen, die sie Jahrzehnte laug innegehabt haben, verdrängt werden? Die Enlw'kkhing weist darauf hin, daß ein großer Teil dieser Juden in absehbar kurzer Zeit außerhalb der Gesellschaft 11 n d außerhalb der Wirtschaft gestellt sein wird. Es ist ein Zustand voraus/iisehen, wie er vor der Juden• Emanzipation in Europa bestanden hat. Damals waren die Juden zahlenmäßig sehr schwach und wirtschaftlich außerordentlich arm. Ihre Beschäftigung vollzog sich am Rande der Wirt- Schaft und erstreckte sich auf deren Abfälle. Einige Jahrzehnte schien es, als ob die Juden aus dieser furchtbaren Lage, die eine Begleiterscheinung der Diaspora ist, für immer herausgenommen wären. Es war ein Traum. Erleben wir die ewige Wiederkehr? Und kann der jüdische Durchschnittsmensch von heute, der Jahrzehnte Emanzipation hinter sich hat, diesen Rückfall überstellen, ohne menschlich und jüdisch vollkommen zu entarten und zugrunde zu gehen? Das sind alles bange f ragen, die sich drohend vor jedem erheben, der nicht gewillt Ist, Sclilagworte als Zauberformeln hinzu nehmen und sich hei ihrem Nacliplappcrn zu beruhigen. David Jellin Zu *einem 70. Geburtstag (11, Adar 5694, 26. Febr.) Wenn sieh in diesen Tagen zum 70. Male der Gcburlstag David Jellins j.ihrt, so ist dieses lalir zugleich das hundertste, seit sein Großvater David Jellin aus Lomza in Rußland hin,aufgezogen ist in die Heilige Stadt, um hier den aschkeitasischcn Jischuh . zu begründen. Ohne IJcbertreibung kann man sagen, David Jellin hat das neue Jerusalem aufgebaut. Als Beauftragter Montcfiorcs hat er ganze Stadtteile außerhalb der Altstadt geschaffen. Bis zum Austritt der Juden aus der Stadtverwaltung war er Vizebürgermeister von lernsalem, acht Jahre lang stand er als Vorsitzender des Waad Lcurni an der Spitze der ganzen palästinensischen Judcnhcit, er gehört zu den Mitbegründern der Jcruschalajim-Logc im Orden Bne Brith und ist heute Großpräsidcnt des Orientdisiriktes der Logen. Das Schulvverk der Zionistischen Organisatiou und vorher des Hilfsvereins ist zum großen Teil sein Werk, er hat das Lehrerseminar in Bcth Hakorcm hegründet und geleitet, er verfaßte die ersten hebräischen Lehrbücher für die der Zionistischen Organisation unterstellten Schulen. Die i iebraisierung des jüdischen Palästina ist nächst Ben-Jclunla ihm zu verdanken, der heute als der Mann des besten gesprochenen Hebräisch gilt. Als er den Bnc-Brith- Orden nach l.-rez Israel verpflanzte, tat er cs, um in der Loge dein lebendigen Hebräisch eine Stätte zu gehen und übertrug das Ordensritual ins Hebräische, Als das Schulwerk des Hilfsvercins der deutschen Juden, dem er über ein Mcnschenalter als Lehrer und Schulleiter angchörtc, hebriiisch als alleinige Unterrichtssprache ablelmtc, verließ er kurzerhand seine sichere Stellung, um den Kampf für das lebendige I tehräisch aufzunchmen. Diese mutige Entschlossenheit, sicli für das einmal als richtig erkannte Ideal ein zusetzen, ist ein Erbteil seines Vaters, JcHoschiia Jellin, In den ״Sicliroiioth L’wcn Jcritschalajim“, einer Perle der hchräischen Memoirenlitcratur, schildert dieser anschaulich, wie ihn lind seine Familie der Bannstrnhl der indolenten asebkenasischat Orthodoxie Jerusalems traf, als er seinen Sohn David In die damals gerade errichtete Schule der Alliance Israclitc Universelle gab, wie er aber unbekümmert trotz der Widerwärtigkeiten des ,,Oberem“ seinem Kinde eine gediegene Ausbildung ermöglichte, nachdem ihm ein curopäischor Gast nach einer Unterhaltung mit seinem David prophezeit hatte: ״Dieser Junge wird einmal Professor werden“. Er ist es geworden, wenn auch ohne akademischen Titel. David Jellin ist heute nicht mir der Lehrer der Schuljugend, er ist zugleich Mitglied der judaistischen Fakultät der Hehräischen Universität zu Jerusalem und hält dort Vorlesungen über mittelalterliche hebräische Poesie. Ohne jede akadcmische Vorbildung gehört Jellin zu den bedeutendsten jüdischen Wissenschaftlern der Gegenwart, in fast allen jüdischen Zeitschriften sind seine Aufsätze verstreut. Neben seiner die ganze Arbeitskraft erfordernden Berufstätigkeit als Pädagoge und bei seinen zahlreichen Ehrenämtern als ״Sclitadlan“ veröffentlichte er Werke über Maimonides, Saadia, die Juden von Smvrtia, die ״arabische Poesie auf den Gefilden Israels“ und die Edition des Diwan des Todros Ahulafia. Sein Lieblingskind blieb aber stets die hebräische Sprache. Schon als Kind von 14 Jahren gab er eine hcbräischc Zeitung heraus, die erste auf palästinensischen» Boden, dt״ ״־I lar Zion“, der etwa ein Jahr lang bestand. Er beschenkte die Jugend mit hebräischen Jugcndschriftrn, übertrug die türkischen Agrargesetze und rausciulumleinc Nacht ins Hebräische und verfaßte schließlich gemeinsam mit Grasowski ein vorzügliches hebräisches Wörterbuch. Am letzten 15. Sclnvat, dem Neujahrsfest der Bäume, war die ganze Schuljugend Jerusalems nach Talpioth hinausgezogen, um dort, dem schönen neuen Brauche entsprechend, Bäume zu pflanzen. Auf dem Fcstplatz war eine mit Grün und Fahnen geschmückte Biiimo errichtet und von dort sprach zu den zweitausend um ihn lagernden Schulkindern David Jdlin. Das Fest der lugend wäre unvollständig geblieben ohne die Anwesenheit des edlen Greises. Dort, wo Bäume gcnllanzt werden, wo an der Zukunft von Ercz Israel gebaut wird, kann der ״Sclitadlan“ nicht fehlen, dem an seinem 70. Geburtstag von ganzem Herzen zu wünschen ist, daß er schauen möge, wie die Früchte der Bäume, die er in seinem Leben gepflanzt hat, hcranrelfcn. Dr. Kurt Wilhelm (Dortmund) z. Zt. Jerusalem. Die Bcirutcr Zeitung ״Al Takaק A 1 Tai“ schildert in einem längeren Aufsatz, den jüdischen Aufbau Palästinas und stellt fest, daß die Juden das jahrhundertelang vernachlässigt gewesene Land in wenigen Jahren 80 entwickelt haben, daß alle Einwohner aus d i es c r E n t wi c kJu ng profiticren. Die Zeitung setzt sich für die jüdisch-arabische Verständigung eia. ,,Ich will wohnen In der MlUm der Söhne )Israels ..." fit ZI. M. XXIX., 41 f. A ui dem Wachenahntinlfi für Sonnabend, den 20, J» Gottes Wohnung ״Wo wohnt Gott?“ Mit dieser Frage überraschte der Kozker einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: ״Wie redet Ihrl Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!" Er aber beantwortete die eigene Frage: ״Gott wohnt, wo man ihn einläftt." Aus Merlin Huber! ChnsshHsdta Cteschldden (Sdwcken - Verleg) Ablehnung eines jüdischen Richters Die ״Juristisch e Wochenscliril t“ vom 17. 2. veröffcntlicht eine Entscheidung des Landgerichts Berlin zur Frage der Ablehnung eines indischen Riehters. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, daß § 42 ZPO. nicht erfordert, daß der Richter objektiv befangen ist; es genügt nach dieser Vorschrift zur Ablehnung, daß eine ver* ständige Partei aus sachlichen Gründen berechtigt ist, Befangenheit zu besorgen. Die Beklagte hat mit Anführungen in ihrem Schriftsatz bestimmte einzelne Juden in ihr er Ehre angegriffen. Sie hat darüber hinaus den Angehörigen der jüdischen Rasse vorgeworfen, sich aus Gewinnsucht und ohne Rücksicht auf Sitte und Recht, selbst durch Bctrug und Ljpressuug, am Vermögen Deutscher zu bereichern. Inhalt und Form ihrer Angriffe verletzen naturgemäß die Empfindungen eines j ii d i sehen Richters, der sic lesen und a n h ö r e n muß. Es Ist deshalb oli n e weiteres verstandlieh, daß es die H e k I. für schwer vorstellbar hält, daß nach solchen Angriffen ein j ü d i - scher Richter ihr gegenüber noch völlig un* belangen bleibt. (LG. Berlin, (13. ZK., Bcscltl. v. 10. 11. 1033 - 32. O. 407.32.) Ehrenschutz für den Rechtsanwalt Das ״Düsseldorfer Tageblatt“ vom 17. Februar berichtet folgendes: ״Der Düsseldorfer israelitische Rechtsanwalt• D r. Gold b erg, ein Frontkämpfer, der sich als Offizier im Felde das eiserne Kreuz erster Klasse erworben hat, ist deshalb bei den Gerichten zugclasscn. Während eines Prozesscs beleidigte ihn mehrfach der Kaufmann Wilhelm Hahn, der seihst nicht Jude ist, Fr warf ihm in Schriftsätzen an das Gericht und an den Anwalt seihst Urkundenfälschung und sogar Meineid vor. Hahn wurde unter Anklage gestellt wegen Beleidigung und falscher Anschuldigung. Der Angeklagte wollte zunächst in längeren Ausführungen die Schuld bestreiten. Schließlich gab er aber zu, daß seine Anwürfe zu Unrecht erfolgt warnt. Fr ist offenbar einer der ausgesprochenen Rechthaber, die nicht zu kurieren sind. F.r ist mehrfach, auch wegen Beleidigung, vorbestraft. Der Staatsanwalt beauflagte sieben Monate Gefängnis. Das Schöffengericht erkannte auf sechs Monate bei Puhlikationsbclugnis für das Urteil in der Presse, in der Begründung hieß cs, daß der beleidigte jüdische Rechtsan walt ein Organ der Rechtspflege sei und d cs h a 1 b die Beleidigungen und falschen An- ־schuldig ungen sehr ernsthaft gewertet werden müßten. Die Beschuldigungen hätten den Anwalt in seiner Praxis schwer schädigen können.“ Jüdische Aerztc und Mittclstandskassen Von ärztlicher Seite wird uns geschrieben: ln der jüdischen Bevölkerung ist stellenweise Beunruhigung entstanden, weil eine Mittelstandskasse die zukünftige Vergütung auf Rechnungen gew i s s c r jüdischer A c r /1 e (N i c h 11 r o n t k ii mp f e r) durch Aushang und Briefe a b g e 1 c h n t hat. Inzwischen haben die betreffenden Kassen selbst diese Handhabung korrigiert und authentisch mitgeteilt, daß die jüdischcn Kranken in jedem Falle jeden Arzt ihres Vertrauens autsuchcn dürfen. Es werden ihnen auch in Zukunft nnstandslos die zustchcndcn Sätze auf die Rechnungen aller jüdi» sehen Aerztc — unabhängig von deren Kriegstcilnahme ■— gezahlt. Etwaige widersprechende Bescheide haben damit ihre Gültigkeit verloren. Eine nichtige Adoption Ein evangelisch getaufter Nichtarier wurde von einem Deutschen arischer Abstammung durch Vertrag an Kindes Statt angenommen. Dabei war auch vereinbart worden, daß der im Alter von 37 Jahren stehende Adoptivsohn, der cincnjüdisehen Namen ■trug, künftig den Familien n amen sc in cs Adoptivvaters ohne Beifügung seines bisherigen Farniiiennamens tragen solle. Die Anträge der Vertragschließenden aut Bestätigung des Adoptionsvertrages wurden laut ״Berliner Tageblatt“ vom 21. Februar vom Amtsgericht abgclehnt, weil das Gericht annahm, daß der Vertrag nur zum Schein geschlossen sei. Das Landgericht Berlin hat die gegen die Entscheidung eingelegte Beschwerde ztirückgewiesen. Die Vertragschließenden hatten vor Gericht über den Zweck des Vertrages folgende Erklärung abgegeben: ״Wir wollen durch die Adoption erreichen, daß der an Kindes Statt Angenommene, der evangelisch getauft, ein guter Deutscher und Frontkämpfer ist, einen deutsch klingenden Namen bekommt. Wir sind dadurch miteinander verbunden, daß die Stiefmutter der Frau des Adoptivsohnes die Schwester des Adoptivvaters ist.“ In den E 111 s c 11 c i d 1111 g s g r ii n - den des Landgerichts wird dazu ausgeführt, daß die eigenen Erklärungen der Beschwerdeführer erkennen lassen, daß der mit dein Abschluß des Vertrages verfolgte Zweck in erster Linie darauf gerichtet gewesen sei, dem Nicht« a r 1 c r eilten deutschklingenden Familien« namen zu verschaffen. Ob dieser Annahmevertrag nur zum Schein abgeschlossen worden sei, könne dahingestellt bleiben. Der Vertrag verstoße jedenfalls gegen die guten Sitten und sei deshalb nach dem Gesetz nichtig. ... Im vorliegenden Falle sollte durch die Annahme an Kindes Statt die Erlangung eines sozialen Vorteils für den Angenommenen durch Ablegung des seinem Fortkommen hinderlichen, nichtarischen Namens erzielt werden. Die Annahme an Kindes Statt würde also zur Verschleierung der militärischen Abkunft führen. Nach Ansicht des Gerichts ist aber ein Rechtsgeschäft dieser Art mit der sittlichen Grundauffassung des neuen Staates unvereinbar und widerspricht dem Sittlichkeitsgefühl und Rechtsempfinden des Volkes. Der neue Staat dringe gerade umgekehrt auf Klarlegung der Herkunltsvcrhältnisse und habe sich die Scheidung der I rctudrassigen von den Ariern, sowie die Fernhaltung der Nichtarier von den staatlichen Funktionen xutn Ziele gesetzt

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