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Jüdische Rundschau · 1934-02-20 · Heft 15 (20.2.1934) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 15 (20.2.1934)
Date
1934-02-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 jüdische Rundschau Nr• ’5- M■ II. 1%! 1i? ' I «U 1 />r% •-/י*», iS» 11 r~\ u ב: r•ך־־־ץ [״ r*1 ויי־״ן i ji^ii *u* lihtJ Von Julius Isaak, Limburg (Lahn) Die gewandelte Zeit verlangt die gewandelte jüdische Schule, (In folgendem ist, wenn von der ״jüdischen Schule" gesprochen wird, immer die ״R c I i g ו o 11 s s c 11111 e" ge* meint, die ja bis jetzt statt der jüdische» Schule leider in allen mittleren und kleinen Gemeinden die Regel ist.) Die logische, unerbittliche Folgerung ans der heutigen Lage ist: Umschich* fung, Ztirückfiihnmg unserer lugend in die produktiven und bodenständigen Berufe, aber in erster Linie unter dem Oesichtspunkt der späteren Auswanderung und Sdlliaftwerihmg in anderen Ländern. Vor allem kommt Palästina in Frage. Daraus ergibt sieh die Forderung: ״II e b r a i s i e r u n g“ des Gesamtunterrichts der jüdischen Rcligionssolmlc oder doch /um mindesten ״I Ichraisiening" als leitende Idee in den wichtigsten Fachern, I lebräi.sch midi als S pr a c h unterricht betrieben werden, analog der Erlernung der Fremdsprachen. Hierdurch soll erreicht werden: a) Für den Schüler, der später seinen Wohnsitz nach Ercz Israel verlegt, /um mindeste״ die gediegene Grundlage, auf der er rascli und sicher die vollkommene Beherrschung der hrbräisehen Umgangssprache erreichen wird. b) Für alle Schüler: Leichte und fesselnde Erlernung der Gehrt- und Bihellcxlc. Grundsätzlich midi daran festgchaltcn werden, da 15 die Schüler die beiden Mundarten des Hebräischen beherrschen, die scphardischc und die aschkcnasisdie Aussprache, die crstcrc, da sie die Umgangssprache in Palästina ist, die letztere als die Aussprache, die zurzeit noch in unserem Gottesdienst gebrauchlieh ist, und von der teil hoffe, dal! sie im Interesse der Voreinhcithcbiing recht bald verschwinden und der serihard i s c 11 e n Aussprache weichen möge. Wird die 1״ lebraisierung" der jüdischen Schule chirehgefiihrt, so wird sich diese ״Reform“ relativ leicht durchsetzen, da dann die junge Generation so weit vorgcbildet ist, «lall ihr der Gottesdienst in Scph,irdisch vertrauter sein wird als in der seitherigen Ausspräche. Man wende nicht ein, daß die Beherrschung beider Mundarten für die Schüler zu schwierig sei. Ich kann hier aus meiner eigenen untcrrichtlieiieu Erfahrung berichten. Ich habe sofort nach den Ereignissen dieses Frühjahres und ihren wirtsehaftliclien Folgen für unsere Gemcinscliaft — also kurz nach dem Beginn des neuen Schuljahres — die folgenden unterrichtliehen Korisoqticii/on gezogen: Nur in der Unterstufe wurde die bisherige Unterrichts,irt und Aussprache beihehalton, bis die Schüler völlige Fertigkeit int Lesen nach der aschkcrtasisehen Aussprache erreicht hatten. Aber auch hier habe ich diesen Grundsatz nicht lückenlos tlureligefülirl, sondern bewußt durchbrochen. Von der Mittelstufe ab erteile ich grundsätzlich den Unterricht Als Lehrbuch benutze ich ״Rath״, trotzdem ich manches an ihm zu kritisieren hatte. Aber sein Aufbau ist gründlich und durchdacht und — ein nicht unvvichtiger Punkt — er ist im Gegensatz zu vielen andern hebräisehen Büchern nicht teuer und also mich den Mindcrbcmittclten erschwinglich. Heute, nach kaum 3 1׳ Monaten Unterricht, sind die Schüler so weit, daß sic beide Mundarten im Lesen tadellos aiiseinandcrhalteii können. Einen besonderen Spaß macht es ihnen, wenn ich mitten im Lesen z. B. nach der aschkrnasischcn Aussprache ihnen zurufe, daß sic scphardisch wcitcrlcscn sollen. Ohne Stocken und Irrtum liest dann der ־ iilju-1 visii/ik der111 Schüler in der amlereu Aussprache weiter, — Ich lasse bewußt eine leichte i'.iiisdträttktutg des Bibel- und Siddurfibcrsctnutgs* Stoffes ״!dreien, da ich die Erfahrung mache, daß mit «lern fortschreitenden Unterricht die Kenntnis des I lehräischcn sielt derart verlieft hat, daß die Kinder imstande sind, kur* so risch eine ganze Menge Bibeltmtl Siddurteile zu übersetzen. Die durch die erwähnte Einschränkung gewonnene Zeit benutze ich — nebst einer halbstündigen Verlängerung der seitherigen Unterrichtszeit, um in jeder Stufe mindestens eine halbe Stunde ausschließlich und intensiv׳ Hebräisch zu unterrichten. Außerdem habe ich wöchentlich einen oMigatoriselicn Sprachunterricht von einer Stunde eingerichtet. Das Resultat dieses Unterrichtes wiegt die leichte Beschränkung des lieber• scl/uugsstoifes um ein Vielfaches auf. Line viel größere Sicherheit ist gewonnen, eine viel größere Freudigkeit und Teilnähme am Unterricht, der viel wirklichkeitsnaher, konkreter gcworden ist. Ich habe diese Erfahrung bezeichnenderweise sogar in meinen Kursen für Erwachsene gemacht. Die Teilnehmer, von denen einige ohne, jede oder last ohne jede hebräische Vorbildung kamen, sind heute — nach wenigen Wochen -- in der Lage, leichte Siddnrstellcn ohne Vorbereitung zu übersetzen. Die Kursiistcilneiiiner haben eine ungekünstelte Freude, wenn sie die Gebete, die ihnen bisher ein Buch mit sieben Siegeln waren, nun mit Verständnis beten können. Dieselbe Erfahrung mache ich auch hei meinen Schülern. Ich hoffe, sie so weit zu bringen, (fall sie den Großteil des Siddurs und des Pentateuchs kursorisch übersetzen können. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ich — schon in der Unterstufe beginnend — im Schüler durch Gcsprädisiibungcn (FHalogc leichter Art) den Mut und die Fälligkeit des Sprechens zu erwecken suche. Eine willkommene und reizvolle Uebting bildet die Erlernung hebräischer Lieder (vom Keren Kajcnicth in Postkartenform herausgegeben). Daß zur ״I lebraisicrung“ des Religions-Schulunterrichtes nicht nur die Umgestaltung des hebräischen Unterrichts gehört, ist selbstverständlich. Ganz besonders intensiv wird die Geographie des heutigen Palästina behandelt werden müssen (Palästinakunde). Zur ״Hebraisierimg" gehört auch die entsprechende Querverbindung im biblischen und naclibiblisclicn Geschichtsunterricht, bei der Behandlung der jüdischen Feste, bei der Vertiefung in die Liturgie des Gottesdienstes (Kinderchor), die Einrichtung von Gruppennachmittagen, an denen die Schiller Zusammenkommen, spielen, basteln iisw. Ich möchte noch erwähnen, daß ich für fortgeschrittene Schüler einen ״Cluig iwri" (hehr. Kreis) eingerichtet habe, an dem sie sich freiwillig beteiligen. Hcbräisrhe Zeitungen können gehalten, Briefwechsel mit Kindern in Palästiua kamt eingerichtet werden, kurz: der Möglichkeiten fruchtbaren und dankbaren Schaffens gibt es viele. Hier kann nicht nach einem festen Schema vorgegangen werden. Ersfrebenswert: Gründung jüdischer Bezirksschulen, die die in Voreiu/ehing wohnenden Landkindcr erfassen und gemeinsam einschulen, Schaffung eines neuhebräischen Schullchrtvuches, Vorbereitung der beruflichen Umschichtung usw. Lciircr und Eltern haben unter dem Eindruck der Ereignisse um! ihrer Rückwirkungen auf das materielle und seelische Schicksal ihrer Kinder erkannt, daß die jüdische Schule ein Höchstmaß an jüdischem Wissen vermitteln soll. Dies kann mir durch einen lebendigen, freudigen und lebensvollen He* bräisch-Untcrricht erreicht werden. IzlliU Ut/Mi Von Dr. F r i t z M a y e r (Td-Awiw) Wen zur Einwanderung nach Palästina neben d«! i ren bekannten Motiven auch das Schtilproblcin d•*״‘' disclien Kindes in Deutschland bewogen hat w;r11 - ״ ’ ".־ * ' wie schwierig r״J' liier erst zu erkennen, ח״״ו״י. «!״!; ,ms ,111(1 (־reu Gründet! — hier dir Frage zu lösen ist \■ Zionisten und mit uns viele andere neue Mi11w־antÜrcrlr,י" I anfänglich der Meinung, daß eine mögüchst h,1Uü״t oa,:'j bringunp des Kimles in einem palä-diiicnsisdi-hchr.v "H Milieu grundsätzlich allen anderen Liisuiigsvcrsudicn^^'l zuziclicu sei, weil nur so eine möglichst schnelle z.clung des Kindes ermöglicht werden könne. Wenn ’*'י' aber mm nach Uchcrwiiidung der ersten Schwierigkeitenיל Ucbcrgangcs überhaupt noch einmal in aller Ruhe mit 1 Frage beschäftigt, so sicht man, daß Theorie m״| in einem krassen Gegensatz zueinander stehen. Man nJf״t wie gefährlich es ist, in dieser Frage einer starren!wT’ 1 nacli/ugebcii. Es hat sich nämlich hcraiisgestcllt, daß "d die Kinder, die übereilt in eine der vorhandenen Schah 1 staatliche Schulen im europäischen Sinne gibt es ja nU. ' hineingcpfropft worden sind, keineswegs in der ervtrth«' Art und Weise an das neue Milieu assimilieren, daß v,e ca Wochen- und monatelang langweilen und hinter den Y fordertingen der Klasse Zurückbleiben. I)er wichtigste '(!־.! f hierfür ist der, daß die Kinder die Unterrichtssprache iS ft verstehen, obwohl sich die Schulleitungen bemühen. Extrakursc im Hebräischen die schnelle Einordnung \ ן Kinder zu ermögliche״. Fine Reihe von Litern hat aus <ii«Y Grunde ihre Kinder wieder aus der Schule hV ausgenommen, obwohl sie Schulgeld für kürzere aY I längere Zeit im voraus bezahlen mußten. Es soll hier nicht die Frage aufgeworfen werden, um dieses Problem bisher nicht ernstlich angepackt wog* ist. Jedenfalls ist cs daher mit Genugtuung begrulil wordidaß Dr, Julius Lcvinsohn seine in jahrelanger padi;־. Rischer Tätigkeit im hebräischen Schulwcrk des Ostens sammelten Erfahrungen in den Dienst dieser Sache ges:!״< und ein pädagogisches Institut in Tel-Awiw begründet hr' das die Kinder der neuen Alijnh für bestimmte Sek!*• innerhalb einer bestimmten Zeit Je nach den Fähigkeiten fe I Kindes schulreif machen will. Das neue Institut legt »11 zwei Dinge besonderes Gewicht. Einmal auf die System!, tische Zusammenfassung aller für den Vorbereitungsunit:, rieht erforderlichen Lehrgegenstände, einschließlich des H!. bräisehen. Zum anderen knüpft der Unterricht in den ein- /einen Fächern sogleich da an — uml zwar unter 11!• mählichem Ucbergang in die hebräische Unterrichtssprachewo die Entwicklung des Kindes in Deutschland abgc brodin | worden ist. Wie richtig dieser Weg ist, ergibt sieb schließlich auch | aus anderen Beobachtungen, die die Eltern in der letzte? Zeit machen mußten. Vielfach sondern sich die Kinder in des Schulen und außerhalb derselben von den hebräisch sprechenden Kindern doch wieder ab, die Schulleiter und Lehm! müssen bei der Ucbcrfüllimg der Klassen die Uchersicht vet-l licren, so daß cs vorkoiumt, daß Kinder 1111 bemerkt dem Unterricht fern bleiben, von der Möglichkeit einer ind!• I x.duellen Erziehung gar nicht erst zu reden. Hoffentlich werden diese Ausführungen dazu beitragen, die Eltern über du J Problem zu orientieren und sie rechtzeitig auf Fehler auf• merksam zu machen, die vermieden werden müssen, »dl nicht die geistige und seelische Entwicklung unserer Kind{! Schaden nehmen. I I Jüdische Schule und Werkunf cirich t Von Julius Ros cn bäum, Berlin. Es gab eine Zeit, in der vier Werkunterricht — früher Hamlfcrtigkcitsuntcrrichi genannt —■ aus Wirtschaft• liehen Gründen eingeführt wurde. Bereits tun 1780 gab es in Böhmen 200 Industrieschulen, die an die Volksschulen angeschlossen wurden. Audi in Norddcutschland entstanden sie, in Berlin hielten sie Crwerbsscliulf n; sie sollten die Notlage der ärmeren Schichten lindern helfen. Während der nnpoleonisclicn Kriege gingen sic ein. Noch um 1W10 ist man sich in Böhmen bewußt gewesen, daß der Wohlstand und die Tüchtigkeit vieler I.andwirte, Gewerbetreibender und Industrieller auf die segensreiche Wirkung der Industrieschulen zurikkzuführcu war. In Pro 11 den entstand die Bewegung für die Einführung des Hand fertigkeits Unterrichtes nach dem Kriege 1861 durch den dänischen Rittmeister a. D. vor! Clauson-Kaas, der mm Preuße wurde; in Emden errichtete er eine Lehr- Werkstatt und bildete dort die ersten Werklchrer aus. In den nordischen Ländern wurde der Werkunterricht uin dicsc_ Zeit schon sehr gepflegt. Besonders der Abgeordnete von Sclienkendorff setzte sieb für die Idee von Clauson-Kaas ein. Als Stadtrat von Görlitz führte er an den dortigen Schulen trotz heftigen Widerstandes der Handwerker seine Reformpläite durch. Die Bestrebungen v. Clauson-Kaas' und Schenkendorffs fanden solchen Widerhall, daß sich das preußische Unterrkhtsmiuistcriuin entschloß, vor Einführung des Handfertig* kcitsimtcrriditcs eine Kommission in die nordi* sehen Länder zu schicken, um an Ort und Stelle den Quellen dieser Bestrebungen nachzugehcn. Als in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 15. Dez. 18S0 nach den Ergebnissen dieser Reise gefragt wurde, gab der Rcgleningskonimissar folgende Antwort: ״Ich d!1rf zuuiichst ״widme״, dtiß wir in Dänemark iwar sehr gutes vom Sehulwcwn, aber verhältnismäßig wenig von den Hauü leißlw’ st re Iningen gesellen haben. Wir sind in Jütland, aut Fünen, auf Seeland hcllisscn gewesen, jeder uns gewiesenen Spur nachzugehen,,. Ganz, ander» sacht nun die Sache in Schweden. Die verschiedensten Krei-e der Bevölkerung begegnen sieh in dem lebhaften Interesse für die Förderung der S.n-Iie. In Götcburg ist an fvin{ Schulen ein vollständiger syUenmtiscW Unterricht irrt Handwerk durrhgrliilirl. Mim erwnrtel, 11:11! die Kinder wirklich erweilrsliirhliger werden, eine Vorschule l'iir das I landwerk haben. — Ganz anders *— ich möchte fa«t sagen, fast diametral rntgegengesetzt — eingerichtet landen wir nun die Sache hei einer anderen Schule, Nämlich in dem Orte Niiiis wolmt ein reicher Herr namens Ahrahamson mit seinem Neffen, Herrn Salomnn, diese beiden haben *ich für das Unternehmen so begeistert, dal! der Besitzer der Herrschalt: Näiis eine Reihe von 1 liit1«em prekgcgeljen. um vollständig auf seine Kosten ein Seminar cinzuriclitrn. Dorthin nimmt er nun auf dir Darier eines Jahres 10 junge Männer,,, llmcn wird ein ganz. NvstenintiM'lrer Unterricht gegelien. Sie lernen Pädagogik und Methodik, sic bekommen Unterricht in den gewöhnlichen Lehrgegenständen der Volksschule und einen ganz vorzüglichen Unterrieht im Zeichnen. •, Sie legen nun den Nachdruck nicht darauf, daß die. Kinder crwcrbstüchtig gemacht werden, sondern darauf, daß sie lernen, eine gute saubere Arbeit zu machen... Wir müssen anerkennen, wie der Unterricht in Nitis getrieben wird, bat er in der Tat eine lormell bildende Seile. Wenn das Kind dahin geführt wird, kein Stück Holz aus der Hand 711 gelscn, ehe er ganz sauber bearbeitet, die gestellte Aufgabe ganz richtig; den Vorschriften entsprechend gehrst ist, und wenn es bei der Arbeit innerhalb der Grenze seiner geistigen und kStpetlkhen Kräite gehalten wird, so ist eine erzieherische Wirkung von dieser Einrichtung .wohl zu erwarten .. .״ Von dem Berliner jüdischen Lehrerseminar wurden da* nt:»Is zwei junge! Lehrer, Wolfram und Gottheinin■, nach Nääs geschickl, Ls wäre sicherlich sehr interessant, wenn jemand über die Erlebnisse dieser beiden Lehrer Näheres mitteilen könnte. ln Deutschland entstand dann 188(1 das Leipziger W c r k 1 e b r e r s c nt 1' n ar und wurde ein Institut von Welt* ruf: einer seiner Kuratoren, der Blindeuarzt Dr. Hirsch* feld, wurde durch seine Feststellungen In bezug auf die Augenkrankheiten der Schüler ein Wegbereiter für die Ein* ftiltrung des Werkunterrichtes in den deutschen Volks* schulen. Wenn ich etwas näher auf die Geschichte des Werk* Unterrichtes ('inging, so wollte ich damit zeigen, daß man, wenn es galt, handwerkliche Fähigkeiten in einem Volke 711 wecken, überall zu dein gleichen Ergebnis kam, nämlich bei der Volksschule damit zu beginnen. Das deutsche Judentum steht nun vor der großen Aufgabe der Bcrufsumschichtung. Um die fehlende Tradition zu ersetzen, müssen mit besonderem Nachdruck bereits in der Schule die grundlegenden handwerklichen Fähigkeiten geweckt werden. Hierzu sind bis ins kleinste sachgemäß ein* gerichtete Werkstätten die Hauptsache, da* mit der Schüler vom ersten Tage an die richtige Werkstattluft atmet. Ferner können in den Werk* statten Kurse für Lehrer abgehalten werden. Auch Kurse in Klasscnziimncrtcchnik können stattfinden, ein Fach, kt dem viele Lehrer und Lehrerinnen nur wenig Ausbildung haben. Rasscntcunde in der Schule Wir bähen in Nr. 0 der ״Jüdischen Rundschau* eine Im ״Hamburger Fremdenhlatt“ veröffentlichte Mitteilung des Aufklärungsanitcs für Rassefragen tu Hamburg, betreffend die Rassehunde itt der Schule, veröffentlicht. Nun bringt die Zeit- Schrift ״Die Volksschule“ vom 15. Januar 1031 (Verlag Julius Beltz, Langensalza) ein Rundschreiben der Hambur* gischen I. a n d c s 11 u t e r r 1 c 111 s b c h ö rd e vom 15. Dezember 1033 über Erblehre und Rnsscnkunde, worin dem Geschichtsunterricht u. a. folgende Aufgaben gestellt werden: ״Die Jtidrnfragc Nt besonders geeignet, den Willen »tir Arleinliril triehsirher zu ntuehrn. Nachdem die Gefahr einer A ,־1 יj 1111u 1 >g 1 loii .rlitunds durch frcmilnwLrhe Vermischung, wir(- srh.if (liehe AtishettUing, politische Vorherrschaft und kulturelle Zer-elzung noch einmal kurz tlargestclll ist (vgl» Rundschreiben —* F VI e. 17 — vom lfl. Juli 1033 Ziffer 7) sind die Lünings, nioglichkeilen der Judenfrngc auch an nußordeutsehen geschiehtliehen Beispielen zu erörtern: die Ausrottung (Pogrome) Ist ganz venvcri'lich; die Auswanderung (Zionismus) Ist sehr beschrankt; die Angirichung (Assimilation) ist. gerade gefährlich; die Ahspci*. rmig (Ghetto) ist nicht wiederlterslelllmr: nur die klare reehtlirlie S, hei,hing zwischen Wirls. und Gndvnlk, wie sie In der Gesetzgrhuug des Bditen Reiche» ungebahnt isl, verspricht Krfrüg. SchrilMuiii: 1 hrodnr Frilsrh, Handbuch der Judenfrage. Hammer- Veil-i'p I,einzig, 34. Auflage, 1933, I.einw. 4,50 RM." Es ist für'11ns Juden sicherlich sehr interessant, daß fn den Schulen die Judenfrage zu einem Unterrichtsgegenstand gemacht wird und dabei die einzelnen Lösungsmöglichkeiteit erörtert werden. Es wäre überaus wünschenswert, wenn in einem solchen Unterricht als Literatur nicht nur das Hand* buch von Theodor Fritsch, sondern auch andere Darstellun* gen liernngezoeen würden. Insbesondere -wurden wir Juden natürlich wünschen, ilaß — ungeachtet des vor״cschricbenen Lehrzieles, יי־>™ ־־ die Haltung und die Schaffenstonn der Juden unter anderen geschichtlichen Bedingungen gezeigt Wurden. Schulltelxtt iE Koburg Mit dieser DitmtvUunz selseri wir die irt Nr. $ und I der ״Jüdischen Schule" IQ.U begonnene Darstellung Mr scher Erzichungsslälten fort. (Ml Die neuen Lcbensfortlcrurigen, die an das deutsche Judm• tum herantreten, lassen eine andersgeartete, von bisherigen Formen abweichende Typik des jüdischen Unterrichts- und Eizielitmgswescns entstehen. Auf Grund der neuen ZicDctzuugeti sind in jüngster Zeit jüdische Scliullicimc entstanden, dwf" sich nunmehr das von Prediger Hirsch in Koburg geleitete Erächungsinslitut anreihen will. Die inneren und äußeren Möglichkeiten zur Anpassung!« die Erfordernisse der Zeit sind in weitestem Malle gegeben- Die Persönlichkeit des Leiters bietet die Gewähr dafür, da» die Ziele verwirklicht werden, die er sich gesteckt hat. Er «• blickt das Entscheidende in dem persönlichen Einfluß, menschlichen Nähe von Lehrer und Schüler, die als notwendig Begleitung aller Lchrarbeit dieser erst den Boden bereitet im frcudewcckcnd aller pädagogischen Materie den Wert «״/' Lebensgutes verleiht. Die allseits bezeugte, in Djnliriger UM; Praxis bewährte Fähigkeit des Leiters, sich ganz au sein zu verlieren und im Dienste des Lehrcruleu aul/ugclicn, nid die Erfüllungsbürgschaft der von ihm in einem Schreiben י mich genannten Ziele: alle vorhandenen Kräfte der Kind« « wecken und sic fürs praktische Leben verwcndimgsfamf ׳» machen, die jungen Menschen geistig und körperlich so duu> zubildcn, daß sic in allen Situationen des Lebens ihren stehen können. Das schon Bestehende, die liöliere Privntlelir.uistalt, mitdejj Pensum einer scchsklassigen Realschule, will sich dehnen, nicht nur ein ITirdoruugsinstruim'ut des Geistes Weihen, ף der״ in (las wirkliche Leben hinausgreifen. Der prächtige.tJ dreigeschossige Wohnhaus umgebende Park, liingclag«! eine Hügeiiehnc, wo die Wellen der Thüringer Borge sk״ die Niederung des Maintals verlieren, an der Grcnzschcidc Nord- und Süddcutschland, soll Gelände!!ergeben ftir Garn kultiircn. Schuppen und Werkstation werden entstehen, m de bewährte Handwerksmeister in ihrem Fach unterweisen- ׳ eine Geflügelfarm wird nicht fehlen für die Mädels- Jfl wird da seine Arbeit /!(geteilt, zu der er anstellig ist, um ihm später vorwärtsheifen soll. Ucbcr das Heim seihst sei folgendes gesagt; Es 'si .Ytä. gelegen, von allen Seiten der Sonne offen, auf luftiger״ •׳ abseits vom Getriebe der Stadt, mit hervorragenden ״>gi , sehen Einrichtungen. Der große Park hat eigene Turn• ' Spielplätze, Skiübungsgclände, Rodelbahn, Sonnen- und l bildcr■ , Das Milieu ist betont jüdisch. Die Schüler werden in ungehalten, ihren Gottesdienst selber zu leiten. Dem N«l,״ isehen wird ein bevorzugter Platz unter den Lehrfäch('r״ geräumt werden. Ausspracheabende über Fragen jüdisch« gangenheit und Zukunft werden dem suchenden Geist dc ' gend willkommene Hilfe bieten. Freitagabend und jcsur werden wie bisher sorgsam gehalten, um wärmendes Licnt die Seelen auszugießen. Besondere Kulturabendc mit ״״s lischcn und dramatischen Aufführungen sind in Aussicm nommen. Bei elastischer Prcishaltung wird es auch w* G Bemittelten möglich sein, ihren Kindern eine störungslose, jüdischer Lebcnslüllc schöpfende und zu wesentlichen uena der Existenz hinleitcndc Erziehung angedeihen zu lassen• Rabb. Dr. Katten. Bambcf«■ 0

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