Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ,JO DI SCH E RUNDSCHAU «*־•״» וי""׳׳» 1 ־״ Vw in*.*)‘ taist ^יייי ץ*“״ * f r\ ifi CbWll y v ן#ן«»יי> A ^«*** «•» *»-^ ***»״ Ig81 «»i fei» KJ Der jüdische Arbeitsnachweis Dü({ wir Juden von der allßctmiticn Arbeitslosigkeit Im gleichen Malte betroftcu sind wie die gesamte Bevölkerung־, ist eine Tatsache, die wohl kaum mehr bewiesen zu werden braucht, Allerdings ist diese Tatsache gelegentlich angezweifeit worden, indem man vor allem darauf hinwies, dal! die Zahl der selbständigen Existenzen unter den Juden relativ grober sei als unter der (icMiutbevülkcrmig. Vielleicht war dieses Argument bis vor einiger Zeit noch stichhaltig•, inzwischen jedoch mubten gerade viele jüdische Angehörige der kaufmännischen und der freien Berufe ihre Selbständigkeit aufgeben und sich in das licer der Arbeitslosen einreihen, Rund 12 0110 Menschen sind zurzeit bei den Arbeite * flacltwciscii der Berliner Jüdischen (icineiiule als stellenlos erfaßt, das bedeutet, wenn wir 150 000 jüdische Seelen für Berlin aiiiielinicn, daß 8 #/״ aller Berliner Juden «arbeitslos sind. Diese Ziffer dürfte eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein, da nuzimehmcn ist, daß ein Teil der Un beschäl• tigien beim Jüdischen Arbeitsnachweis nicht gemeldet ist. Dieser Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, die jüdischen Angehörigen der gewerblichen, kaufmännischen und freien Berufe sowie die ungelernten Arbeiter zusnnnnciizufassen und, sobald sich eine Gelegenheit bietet, jedem einzelnen zu einer passenden Stellung zu verhelfen. Während der Sprechstunde läutet das Telephon recht häufig: Arbeitgeber geben ihre Wünsche an und lassen sich geeignete Bewerber für den freien Posten /.״schicken. So ganz hoffnungslos ist cs also nicht, eine Stellung zu erhalten; doch wird über die Problenia« tik dieser Angelegenheit noch später zu sprechen sein. Im Wartcraum ln einer Beziehung unterscheiden sich die jüdischen Arheitslosen gar nicht von ihren nichtjüdischen Gefährten: der Warterauni dos Arbeitsnachweises wild ihnen zur vormittagliehen Gewohnheit. Hier gibt cs Gelegenheit, mit Gleichbetroffenen sich niisziisprechcn und durch Debatten der aufgestauten Schwierigkeiten sieb wieder zu entledigen. Nur unter solchem Gesichtswinkel gesehen, erhalten die Gespräche im Wartcraum ihre rechte Bedeutung, Die Menschen kennen sich fast alle und haben kaum noch Geheimnisse voreinander. Sic sitzen heim Dauerskat Im trüben I.ichtc der matten Wartesnnllampe und hoffen, hoffen mit jeder Faser Ihres. I ferzens aut einen neuen Stelleiimifruf. Debatten, Skat, Zeltungslekiiire, mehr oder minder gute Bücher — das alles sind nur Füllsel, nicht aber eine Ausfüllung des l.cbcns. Der Warfesaal selbst läßt freilich keine trübe Stimmung Aufkommen. Wenn einer allein ist oder in seiner Familie, kann er den Kopf hängen lassen und Trübsal blasen, wenn er der Mensch danach ist. In einer Gemeinschaft jedoch herrseilt immer »las natürliche Lchcnsgcfiihl vor, so daß dem I'iiizclncn zum Klagen keine Zeit bleibt. Man schmiedet Pläne, in,an erzählt aus vergangenen Tagen, man baut Luit- Schlosser, man lacht, schreit, schimpft, gestikuliert und bcurteilt die Zeit, so gut man es versteht. Aber die Hauptsache: Langeweile kommt nicht auf. In einein Winkel der Seele hat sich bei jedem Wille und Liebe zum Dasein erhalten. Schicksale gleiten vorüber Im Arbeitsnachweis für männliche gewerbliche und ungelernte Arbeiter. Ein dauerndes Kommen und Gehen. Ungefähr 1(10 Menschen sind durchschnittlich an einem yormittagc ahziifcrtigcn, davon sind fast die Hälfte Facharbeiter. Sie gehen ihre Karte zur Abstempelung und fragen kaum noch; ein Blick genügt für sie bereits, um sie erkennen zu lassen, »lad wieder für sie keine Nachfrage gekommen ist. Verlegen stellen sie einen Augenblick am fisch und drehet! die Mütze zwischen den Händen und schlurfen daun schwcren Schrittes zur Tür hinaus. Andere wieder suchen zu ״verhandeln". Sie legen (zum wievielten Male?) ihre Notlage dar und wollen die Sachbearbeitern! überzeugen, dal! ihr Fall der allcrilringlichstc sei und dal! ihnen nun unbedingt geholfen werden müßte. Das ewig alte Lied: der Bedürftige ist stets überzeugt, daß man ihn noc 1 nicht recht verstanden hat und daß er cs immer nochmal erklären muß. Deutlich scheiden sielt in der Sprechstunde die Temperamente: der eine sucht durch Bescheidenheit etwas zu erreichen, der andere durch Atiftriimpfcn und Lautstärke. Und doch wissen sic alle sehr genau, daß eine «Steilung nicht vom guten Willen des Arbeitsnachweises, sondern allein von der vorhandenen Nachfrage abhängt. Aber die gepeinigte Seele dieser oft schon Jahre hindurch arbeitslosen Menschen sucht sich verstandlichcrwcise auf allen möglichen Wegen Luft zu schaffen. Schicksale ziehen an uns vorüber: großes, erschütterndes — Und dennoch durch seine Häufigkeit alltägliche!) Leid. Ein C 11 a 11 f f c 11 r, der seit 1020 bereits ohne Arbeit ist, fragt, nach. So fragt er alle Tage: aber cs ist so wenig Aussicht, für ihn etwas zu beschaffen. Er ist nämlich ein älterer Jahrgang. Ein Scliulimachcr ist aus einer Ostscestadt aus persftnliclien Oriindcn nach Berlin gegangen und möchte nun Arbeit haben, natürlich sofort. Es ist schwierig, ihm begreiflieh zu machen, daß andere vor ihm schon länger warten, und daß sein Fall überhaupt nicht so klar Hegt. Ein Junge stürzt freudestrahlend herein: er ist als Bote bei einer Firma untergekonimcn. Für einen älteren Schneider liegt eine Anfrage vor; er wird zu der betreffenden Firma hingesandt, um sich vorzustell eil. Ein hochqualifizierter Handwerker, nämlich ein Ojittker, trilt ein. Ein junger Mann, der bei einer großen Firma eine vorzügliche Ausbildung erfahren hat und außerdem Sprachkcnntnissc besitzt. Auch für ihn ist nur schwer ein Posten zu finden. Ein 20j:ihriger Junge teilt mit, daß er nicht ais Bote engagiert worden sei, da er zu alt sei. Ein junger Sch i 1 dermaler meldet sich; es besteht für ihn die Möglichkeit einer Stellung im Ausland; er scheint •ich aber hierfür nicht entschließen zu können. Mit stumpfem Gesichtsausdruck sitzt ein angelernter, d. h. nicht ausgelemtcr Mützenmacher, ein 21׳ jähriger Bursche, da und wartet der Dinge, die kommen werden. Auf die Möglichkeit einer Bcrufsumschichtung hingewiesen, bckennt er, daß er daran noch gar nicht gedacht habe, er wolle V» aber einmal versuchen. Der ehemalige Bauhandwerker und Glaser, 28 Jahre alt, der nun Platz nimmt, ist bereits 4 Jahre arbeitslos und längst bereit, jede Arbeit anzunehmen. Es liegt gerade eine Anfrage nach einem Hiitc-Abstaubcr vor, eine schmutzige und schlecht .bezahlte Arbeit; aber er will es versuchen, tim überhaupt wieder etwas zu verdienen. Er erzählt, daß der Facharbeiter, der seit 2'/» Jahren nicht vermittelt worden sei, wieder als ״״gelernter Arbeiter gelte. Er müßte im Baufach heute als Volontär von vorne anfangenI hi Begleitung seiner Frau kommt ein älterer Mann, um sich «nzunielden. Er war bisher selbständiger Kaufmann. Ws* er denn werden will? Er meint: Chauffeur, da er ein wenig Autofahren kann. Aber cs gibt außer ihm sehr viele, die von Reparatur und derlei Dingen mehr verstehen und »he von »len Arheilgcbrrn bevorzugt werden. Soll er umschichten? Er weiß keinen Beruf, für den er in Frage käme. Rat bis blickt er um sich und bleibt dann mit demütig, gesenklem Kopf stehen. Seine Frau hingegen ist energisch, aktiv: sic ginn 111, durch längere Unterhaltung ein Resultat zu erzielen. Aber tatsächlich laßt sich nlchls unternehmen, da der Mann mich nicht einmal als arbeitslos beim städtiseiien Arbeitsnachweis gemeldet ist. In der weiblichen Abteilung des gewerblichen Arbeitsnachweises bietet sielt ein ähnliche* Bild. Junge Mäddien und allere Damen, fast alle Näherinnen; aus einzclueii Andeutungen in ihren Heilen erhellen sich »1cm 7.11liörcr blitzartig »lic Lcbensscl1icks.de dieser Frauen. Die Situafion ist hier insofern anders, als »lic Nachfrage nach Näherinnen und anderen weiblichen Berufen Immer noch eher zur Hoffnung auf eine Beschäftigung berechtigt als die Nachfrage in vielen miinnlicheti Berufen. Und außcrilcm haben insbesondere die älteren Frauen meistens eine Familie, dci* sic sich zu widmen haben, 80 »lall der allgemeine Eindruck entsteht: in der weiblichen Abteilung ist die Stimmung sach* lieber und ruhiger als in der männlichen. In der weiblichen Abteilung des kaufmännischen Nachweises verlieft sich dieser Eindruck. Nur ein kleiner Ausschnitt aus einen! Vormittag: Fine ältere Dame berichtet, daß sie allerlei Seliwierigkeiten habe, die sich aus ihrer Scheidung von ihrem Manne ergehen. Eine Stellung ist für sie nicht zu finden. Aelutlicli geht es zwei anderen Frauen, die lange Zeit in großen Betrieben tätig waren und nun nach ihrer Entlassung kaum Aussicht haben, eine ähnliche Position zu beklcklcn. (Es handelt sich um besonders spezialisierte Tätigkeilen.) junge Mädchen melden sich an: ais Vorführdame, als Stenotypistin, als medizinische Assistentin. Hoffnungsvoll füllen sie ihre Fragebogen aus. Aber wer weiß, wann ihre Hoffnungen zur Wirklichkeit werden. MStettenmarkt״ In derselben kaiifmiimilseh-weibliclicn Abteilung wohnten wir »len! Aufruf der freien Stellen bei. ln einer Schulklasse sitzen ilielilgcilrüngt die jungen Mädchen in angeregten Gesprächen, sic haben Ihren Humor noch nicht verloren, sondern machen ironische und witzige Bemerkungen zu den ausgerufcncii Sleilen, sie tauschen Bilder aus und tuscheln sieh hackfischhaft ins Ohr. Eine kleine Blütcnlcse aus dem, was nngeboten wird: Ein Uhrengeschäft sucht eine Anfängerin. Anfängerin fiir ein Gehalt von 40 Mark. — Anfängerin mit etwa* Praxis; sic muß gut rechnen und stenographieren können. ~ Eine Expedienlin und Lngcristin für (10 Mark. — Eine Pützver- Das schwierigste und bedrohlichste aller l'mblc״!(; i׳L, Ist die E r .1 g e des Alters. Das ist ja keine ״)f' M jüdische Angelegenheit mehr, sondern es ist überall j״ ct| Weit dasselbe. Der Bote ist mit seinen 20 Jahre!! Warum? Weil der Tarif »lein 20jiihrigcn mehr zu bi dein 19jährigen. So entstehen diese mcrkwimligcti um 1.8 geradezu tragischen Situationen. Beim Ausruf männisclicn Stellcn für »lie perfekten wo äußerte bei irgendeiner. Gelegenheit ein man erst25 ־ ist, daun ist cs;ms!" Furchtbarer Gedanke, daß Menschen, Anfang ihres l eben* stehen, sieh bereits 11 c! Al j:t. :l« al, ,1״Hi Olt. , lkf kauf. 'Iahen k:r,f, Mädchen: y 'e ein »lie mit Eine Vorführdamc. — Eine Eine Verkäuferin, die auch — Eine hinge «Stenotypistin, den Zuhorerinnen), die zusein muß, für 60 Mark. känferin bis zu 2! Jahren, Verkäuferin für Schirme. — von Buchlmltung etwas weiß, ungeschminkt (Lachen unter gleich eine ״Verkaufskanonc“ 111 -dieser Art gebt cs. weiter- .Für.-manchf. Stellen sind nicht immer die geeigneten Personen im Kaitmc anwesend,!1.11111 muß seitens des Arbeitsnachweises eine schriftliche Benachrichtigung und Aufforderung ztitn Vorstellen erfolgen. Die Spannung während des Aufrufs ist recht groß, und enttäuscht geben viele nachher fort, weil sich ihnen wieder nichts Passendes geboten hat. Bei diesen Gehältern muß ti.imlief! die l'irni.i in der Nahe des Wohnorte* der Bewerberin liegen,.damit nicht noch Fahrgeld nufgewandt werden muß. Beim Aufruf der Stellen für perfekte Kräfte geht es genau so zu. Verlangt wurden 11. a.: Eine Buchhalterin ais Vertreterin des Prokuristen. — Eine Stenotypistin, — Eine perfekte Buchhalterin. — Eine Stenotypistin mit Sprnchkenntnissen fiir (>(> Mark. — Eine Stenotypistin mit englischen Sprachkeiintiiissen, nach Tarif, — Eine junge Stenotypistin zu 80-100 Mark. — Eine Biianzhuchhaitcrin, — Eine junge Stenotypistin zu 75 Mark, — Eine Expedientin und Lageristin bis zu 20 Jahren. Ein Teil der Stellen kann sofort beschickt werden, der Rest muß wiederum angefordert werden. Viele ältere Frauen sitzen unter den jungen Mädchen — aber wo wird eine Buchhalterin von 40 Jahren verlangt? Wir tun noch rasch einen Blick In den Steilenaufruf ln der Abteilung für männliche kaufmännische Kräfte. Lederfiändlcr, Herrenkonfektionsverkäufer, Dckoratcur, Krankenpfleger, Vertreter, Hauslehrer fürs Ausland, Buchhalter — so schwirrt cs durch die Luft, und für jeden Beruf ist jemand da, der nur darauf wartet, gerufen zu werden. Probleme der jüdisdten Arbeitnehmer Fine der schwierigsten Fragen. die im Laufe der Beobaclitungcn sich aufdrängen, ist »las Problem der ungelernten jungen Arbeiter. Aus einer klaren sozialen Lage heraus entwickelt sich dieses Problem. In den armen Familien stellt man nach der Schulentlassung vor der Frage: Wie kann der 11111 ge am schnellsten Geld verdienen? Man sicht, daß er als Bote, als Laufbursche, ais Fahrer 12—15 Mark in der Woche nach Hause bringen kann, während er als einfacher Lehrling sich mit 20 oder 25 Mark im Monat begnügen müßte. Man zieht aus dieser Tatsache »lic vor* schnelle Folgerung, daß der lange Laufbursche werden muß, ohne »loch zu bedenken, daß »inniit für sein späteres Leben sich unübersehbare Schwierigkeiten ergeben. Soll er denn noch nii.t 30 Jahren Laufbursche sein? Wer wird tim dann beschäftigen? Leider denken sehr viele Eitern nicht so weit. Und so haben wir denn im Arbeitsnachweis die große Schar der. 14—28J.'ihrigen, die nichts gelernt haben und — was schlimmer ist, und was sich durch viele Einzclgcsprächc ergab — gar keine Lust mehr haben, etwas zu lernen. Sie wollen Boten bleiben. Sie sehen wohl ein, daß sic in einer tuilialtharo.n Lage sind, aber sie haben nicht die Kraft mehr, etwas zu ändern, Der Zwang, Geht zu verdienen, wird ais so stark empfunden, daß. man über den Forderungen der Gcgenwart die Notwendigkeiten der Zukunft nicht mehr erblicken will. ' Aus der. Fülle der Probleme greifen wir weiter die Lage der Ingenieure heraus. Aus »ler geistigen Situation unse* rer Zeit wie auch aus »len wirtschaftlichen Verhältnissen heraus entstellt jetzt allmählich das Ende der Ueberspczialisicrtuig in »len technischen Berufen. Gesucht werden heute nicht mehr kostspielige Spezialisten, sondern sogenannte Allr«11״tl-111ge״ieure. Diese sind in Deutschland In der Minderzahl: wir haben meist nur Bctriebsingcnicurc oder reine Theoretiker (Konstrukteure). Eine Verbindung beider Disziplinen wäre nach der Ansicht des Fachmannes im Arbeitsnachweis die notwendige Voraussetzung, um unseren arbeitslosen jüdlsehen Ingenieure״ einen neuen Weg in die Zukunft zu bahnen. Dazu wären neue Schulungskurse notwendig, also Geld.. ,1 oben ״och Im ' der I<1ec v j" traut machen müssen, »lall sie in ökonomischer lli!!Mchi h reit* zum alten Eisen gehören. Und wenn man sich n noch ühcrlcgl, daß in einigen Jahren immer mehr altere ,«T scheu da sein werden und »ler Nachwuchs immer wird — zu welchen Konsc»|ucnzcn gelangt man dann? Fm! fraglich, ob die Zahl der jungen dann mich die Alten ״'im ernähren können. Wir schweige״ ganz von der Situ,1!hn ,V1 über 40jährigen Männer und Frauen, für die *ich offenb״ überhaupt kein Ausweg mehr unter den gegenwärtigen yB ständen zu finden scheint. ®י Unjüdisdie Juden Es ergab sich aus unseren Einzeltinfrrhaltungen, daü t« jüdischen Dingen eine weitgehende Indifferenz besieht, konnte die abgelegensten Fragen stellen und erhielt '״!ן klare Antwort; fragte man aber: ״Wie stehst du *um dentum?", daun erfolgte leider sehr häufig ein vede״«* Räuspern und ein zusammenhangloses Stammeln: ״Ja'’fp, her..״ja, eigentlich..." — in. dieser Art ließen' vX viele vernehmen. Was geht hier eigentlich vor? Sind arbeitslosen Juden nicht ebenso von der Neuaufteilung dn jüdischen Problems gepackt worden wie wir anderen? ly unsere geistige Welt nicht die ihre? Ist unser Kampf t® jüdische Dascinsformcn nicht auch ihr Kampf? Hat sie da Lehen durch seinen langen Leerlauf so zermürbt, daß si( kein Interesse und kein Verständnis mehr für jüdische Dingt besitzen? Es fehlt, wie mir vielfach bestätigt wurde, an gciitj. gen Anregungen. Vielleicht sind hier Ansätze zu einer frucht■ baren jüdischen Arbeit vorhanden. Vielleicht ist hier <!!!, Gelegenheit versäumt worden?. Sicher, nicht alle sind in' different. Aber wir haben so viele Gleichgültige angetroff«, daß wir fürchten, sie könnten die Mehrzahl unter den " sehen Arbeitslosen bilden. Jüdisdics Leben in Elsa(-Lothringen Straßhtirg, Anfang Februar 1031. Da» clsiisslsclie Judentum m.ieht, verglichen mit de! Apathie, die sonst im französischen Judentum herrscht, den Eindruck der I rhnuligkeit. Von den ca. '30000 und einer ostjüdischen Gemeinde, jede mit ihrem eigen« Rabbiner, steht eine große jüdische Gemeinde, in »ler dis konservative Element schon infolge des andauernden Zuzug! vom Lande her tiberwiegt. Ein Netz von Institutionen bildet den Stolz der Gemeinde: Krankenhaus, Waisenhaus, Handwerksschule, Mädchcnhcim 11. a. Die Gemeinde unterhält auch eine Rcligionsschule, in der an »len schulfreien Tagen, Sonn• tag und Donnerstag, den jüdischen Schülern der höheren Schulet! jüdischer Unterricht zuteil wird. Fine jüdische Volks« schule wird von der Stadtverwaltung erhalten, da das Volks« Schulwesen hier auf konfessioneller Grundlage aufgebaut ist. In Straßhtirg hat sich daneben ein reges jüdisches Uta entwickelt. Die Zionisten stellen in der eis'ässiscta Judcnhcit »lie bei weitem aktivste Gruppe dar. Ihre Erfolge fiir die nationalen Fonds sind beträchtlich. Fs vergeht kaum eine Woche, in der die Ortsgruppe nicht mit einem Vortrag, einem Pressereferat, einem hebräischen Abend oder anderen Veranstaltungen hervortritt. Die Gründung einer .Union Regionale des Sionistes de l’Est de ia France auf einer Bczirkskonfcrenz im November v. J. ist der Anfang zu einer systematischen Arbeit, die das gesamte Elsaß und Lothringen erfassen soll. . Im Vordergrund der Arbeit stellt natürlich die Jugend. Die zionistische Ist zum großen Teil in der Vereinigung ״rl»• tikwali“ organisiert. Außerdem bestellt eine Gruppe ftffi• racliistiselicr Jugend und ein Verein ״Iwria" zur Pflege hebt«■ ischcf Sprache. Ein besonders erfreulicher podtiv-jOuisc™ Geist beherrscht den jüdischen Pfadtimlerbiind ״hclaireun Isradlitcs“. Audi die orthodoxe Jugend hat ihren Zusammen• Schluß in einem Bund ,,Joschurun“. Um diese Bünde gruppiert sich eine Reihe anderer Vereinigungen und Klubs, t. 1• studentischen Charakters. , Infolge der Krise des deutschen Judentums hat ok Elsaß einen starken Zuzug von chaluzischer Ju?*na aus Deutschland bekommen. In Altwies, an der franzosiscnluxemburgischen Grenze, besitzt der ״Hcchaluz" cm 1:ז״ז• gut, und auch sonst arbeiten über HX) Mitglieder die!« Bundes über das ganze Elsaß verstreut hei Bauern. Für w gcsctzcstrcuen Chaluzim haben die Amis de ia Tradition J111;. vier Hachscharah/cntrcn organisiert, in denen ca. 50 rarhistischc und agudistisclie Jungen und Mädchen vorbereiten. Aus ihrer Mitte hat sich jüngst eine Oruppc des Brith Chaluzim Dathiim gebildet. iw!• *ick elsässitae A.C Kleine Nachrichten In den letzten Tagen ist es in dein Lodzer Arbeiter• viertel Baluty, das von den ärmsten Schichten der F־ sehen Bevölkerung bewohnt wird, in »len Abendstunden «1« ־ holt zu Ueberfällcu iiatioiialdeinokratischer Raufbolde *ul L dischc Passanten gekommen. Eine Anzahl von Personen erheblich verletzt. Bei einer polizeilichen Razzia konnten ein!» Teilnehmer an den Ucberfällcn aufgegriffen werden. Zum Präsidenten de» ncugcbildeten A k tions-Cotn ' tds der Zionistischen Organisation Run), nie״» wurde der frühere Deputierte Adv. Mischu ״?ei mann, zur Vizepräsidentin Frau Mclla iancu gewählt׳ Im Jahre 1932/33 betrugen die E 111 k ü n f t e d cs Jüd scheu Nationalfonds 210 311 Pfd. gegen 200 4"״ yjj im vorausgeg,111 genen Finanzjahr. Es waren »lies die norm! Eingänge ohne »lic Hinterlassenschaften, die sich um 50 G * geil das vorangogaugene Jahr vergrößert hatten. Arabische Kreise kündigen für den 6. April die einer arabischen Messe in Jerusalem als Kon* rem; zu der jüdischen Levante-Messe in Tel-Ave iw au. Der Gcsamtcitrusexport Palästinas wähta der laufenden Saison beträgt bis Ende Januar 2G M'iüf . Kisten. Bis zum 28. Januar waren 2 227 102 Kisten g«»״ Die Ausfuhr ging zum überwiegenden Teil über Jaffa• Das Judenviertel von Rabat (Französisch•‘ ־ rokko) war im Mai 1033 durch Ueberfälle seiten» « mohammedanischen Bevölkerung zerstört worden. N״1!״,,‘!, wurde der Wiederaufbau des ehemaligen Ghetto feie׳ , eingelcitet. An der Feier nahmen neben den jüdischen den französischen Behördenvertretern auch der moha״״L dänische Bürgermeister der Stadt und eine Reihe moh«״״ dänisch«: Notabiet teil Jr ׳•*» f 3 ■