Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU C deren l.ümlein eine ins Gewicht fallende Zahl deutsch«• Juden ausgewandcrt ist und auch jetzt noch ein Auswnmleritngsilrang bestellt, so zeigt diese Erscheinung, daß die ökonomische Situation selbst unter den Umstünden, unter denen die Auswanderung jetzt vor sich geht, viele Juden diesen Weg bcschrciten läßt. Die den (scheu Juden in ihrer großen Mehrheit etttpfinden heute mit aller Deutlichkeit, daß ihr Lehensintcresse nichts zu tun hat mit den Bestrebungen Ein- *einer, im Leben der großen Welt Einfluß m gewinnen. Diese Juden waren zumeist dem Judentum selbst entfremdet lind besaßen mir einen losen Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinschaft. Wenn ihre Tätigkeit nunmehr vielfach den Juden zur Last gelegt wird, so muß man fcststcllen, daß der selbstiiewulltc Teil des jüdischen Volkes immer nur solche Persönlichkeiten als seine Repräsentanten anerkannt hat, die sicli selbst zu in Judentum bekennen und sieh in den jüdischen Geincinschaftskörper cingliedern. Heute ist es insbesondere der Wille der jungen jüdischen Generation, sich einen Weg in die Zukunft zu bahnen, der nicht nur eine ökonomische Existenz bietet, sondern zugleich die Chance der E1 nw 11 rze 1 u 11 g im Judentum darstcllt und auf diese Weise die Konfliktsmögliehkeiten zwischen den Juden und den Völkern auf ein normales Maß zurückführt. Anfechtung einer Mischehe In einem Prozeß mif Anfechtung der Ehe wegen Nie 111 a r 1 e r e i k e 11 s c 11,1 f t 11,1t das Landgericht Berlin — א2׳<!, R. loou/IUTi — mit folgenden Gründen die Anfechtungsklage ab^ewiesen: »»nie A ח f n1 |־t t! hj£ MToi'ii Imdmik imf (;rund $ 1333 1HIH. srUt vor.ttD, «i.»(i der IiHinn über die fr.t^lirheu persönlichen Ki״rnschäften des Hndcmi l’J1e;1.׳n<־n bei der Klicxchlk'ijung bcslnndcn h.it. Bju ist hier nicht der l'.dl, Die Beklagte hat bei der )dieschliciJijujj gewußt, daß der Kläger jüdischer Abstammung ist. Sic h.it die l־',he in KrnntnU die er S.uhia׳jc geschlnsscn, was auch den damals henm hetiden An-chainm^rn iibor Mischehen entsprach. Wenn heule die nll^rmcinen AtKeliauun-en über das Wesen von Ehen zwirhui Aüern und Nit libuicrn andeir fjrwonlcn sind, so ia: dir^c 11;1e!il!,'!-liehe AcmlriuM״ kein ini (Irv'lz vorgesehener An• fcrhlun« -!und, da es allein a!ti die Umstünde zur Zeit der Ehe- ,schlit latm^ ankommt. Soweit i4 die Anfcehttin^swiderkiti^c imbc•־ gründet.“ Aussprache im Unterhaus über den Touristenverkehr London, 15. Februar. (J. T. A.) Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Harn ett Jänner an den Minister für die Kolonien eine Anfrage betreffend die ungefähre Zahl der Touristen, die Palästina im Dezember 1032 und Januar 1033, und derjenigen, die das Land im Dezember 1033 . und Januar 1011'׳ besucht hätten. Für den Minister antwortete Malcolm Mac Dona Id, elfe Fiiivvamlenuigsstalislik unterselieide nicht zwischen Tou- -rislcn und anderen Reisenden. Die Zahl der Reisenden, die im Dezember 1032 nach Palästina gekommen sind, habe 2667 betragen, die entsprechende Zahl für Januar 1033 sei 3218 umi für Dezember 1033 3560 gewesen. Die Ziffer für Januar 1031 sei noch nicht errechnet. Als Abgeordneter lannar fragte, oh das Ministerium davon überzeugt sei, daß g e g e 11 ii b c r T o 11 r i s t c n k e i 1t e 11 n ״ ö t i g e 11 eins e h r ä 11 k 0 11 den Best! in m u 11 g e n getroffen wurde n, durch die sic davon abgehalten werden könnten, nach Palästina zu reisen, nickte Malcohn MacDonakl bejahend. Die Bestimmung, daß Palästina-Reisende eine Sicher- Stellung für ihre Wiederausreise aus Palästina erlegen müssen, winde hierauf vom Abgeordneten Rankin in einer Anfrage neuerlich zur Sprache gebracht. Mal r 01111 Mac- Donald verwies auf die Beantwortung der gleichen Frage am 20. Januar, die auf Grund der damals 'zur Verfügung gestandenen Informationell erteilt worden sei. Seither habe man erfahren, daß die Palästina-Regierung beschlossen habe, die Bestimmung Betreffend den Erlag einer Sicherstellung gegenüber Reisenden ans Ländern an/uwcnden, die nicht die erste Selüffsklassc benutzen. Abgeordneter lanncr fragte weiter, oh das Ministerium überzeugt sei, daß keine überflüssigen yorseliriften bestehen, durch die Personen, die ihre Freunde in Palästina besuchen wollen, davon abgchalten werden, dies zu tim. Malcolm Ai ac Donald antwortete, der Zweck der Bestimmung sei, unerlaubte Einwanderung zu verhindern. ״Wird sic nicht viele Leute des Rechtes, sich nach Palästina zu begehen, berauben?“ fragte Abg. I an 11 e r weiter. Malcolm M a c D 0 n a 1 d antwortete: ״Ich bin dahin unterrichtet, daß sie nicht zu einem solchen Erpebnis führen wird und daß die Bestimmung geeignet ist, ihren Zweck zu erreichen.“ Die Arlosoroff - Morduniersuchung Jerusalem, 15. Februar. (J. T. A.) In der letzten vom Jaffaer Gericht in der Arlosoroff-Morduntcrsuchung durchgeführten Verhandlung bemühte sich der Verteidiger iloracc Samuel, weitere Widersprüche in den verschiedenen Aussagen und Erklärungen Abdul Medsehids nachztiwciscn. Es gelang ihm auch fcstzustclleu, daß in den letzten Aussagen des Zeugen Einzelheiten enthalten waren, die von Frau Arlosoroff un'd anderen Zeugen nicht angegeben worden sind. 13er Leiter der Kriminalabkiuhig der Palästinapolizei, Hauptmann Rice, verlas das Protokoll des in seiner Gegenwart geführten Dialogs zwischen Abdul Medschid und Fssar Derwisch, von dem Abdul Medschid in seinem Geständnis behauptet hatte, er habe den Schuß auf Arlosoroff abgcgeben. Während der Verlesung unterbrach Abdul Medschid den Leiter der Kriminalpolizei und verlangte, man möge Stavsky und Rosenblatt nufforderii, zu schildern, wie sie Dr. Arlosoroff nach den Weisungen Achi Meirs umgebracht liättcn. Bei dieser Bemerkung des Zeugen geriet der Angcklagte Achi Mei r in große Erregung. Auf einem zu Ehren Charles Edward Russclls, eines der Führer des amerikanischen Pro Palästina-Komitees, von der Pro Palästina-Vereinigung veranstalteten Bankett hielt der Bürgermeister von New York, Fiorello La Guardia, eine Ansprache, in der er erklärte, die gegenwärtige Lage lasse es mehr denn je als geboten erscheinen, die Tore Palästinas jüdischer Einwanderung zu öffnen. Jedermann solle sich an diesem Aufbau- und Hilfswerk be-!eiligen. \ Nr* 3,20 נ, n_ W34 וי׳־׳ ►ן ," י \ |*־r ץ־־ ..ו iLd W. . •J ä■ J ״ J V. »4 יי \L.y rt « ץ*י״*׳י/_ f*- j ך"! ףין ן -4 Vw*. '׳Wi ( r% 1r 4«־“ Erneute Jutlcnclcliailc im polnischen Sejin Warschau, 15. Februar. (J.T. A.) Während der De•• hafte uher die Staatsnifmopolc bei Btliaiulluug des Budge t s im polnischen Sejm erregte es außerordentliches Aufsehen, eiaß der Sprecher der Regierungspartei, Oberst M i 1• d z i 11 s k i, als Generalrc formt für eins Budget eine Rede hielt, in der er wohl den radikalant!semitischen Ausführungen des Natianaldcinokrntcn Rybarski entgegentrat, tlatm aber sagte: ״Als wir die Macht in Polen übernahmen, fanden wir hier bereits 2700(XX) Juden. Gewiß hätte man in Polen leichter regieren können, hätten wir nicht 30 «״;י Minderheiten und unter ihnen eben die 2 700 600 Juden. (Zwischenruf jüdischer Deputierter: 000 3300״ Juden!‘‘) Gut: 3300 000. Fs ist bedauerlich, daß cs so viele sind. Aller wir haben eben eine Verfassung, die allen Bürgern Gleiehbcrcchtigütig gewährt. Audi Ihr Nationaldemokrafcn habt, als Ihr an der Macht wäret, die Zahl der Juden nicht verkleinern können. G e b t uns ein anständiges europäisches Programm zur I. ö s 1111 g <1 er Jude« frage, wir werden es verwirklichen. Aber wir müssen katcgorisch erklären: die Art, mit der Ihr die Jtuienfrage lösen wollt, können wir nicht akzeptieren!“ 1111 weiteren Verlauf der Debatte nahm der Führer der n a t i o 11 a 1 <1 e m o k r a t i s c 11 c 11 Partei, Professor Rybarski, nochmals eins Wort. l:r erklärte, seine Partei stehe auf <10111 Standpunkt, 11.aß Polen einen curopäi s c 11 e n Plan zur Lösung der J u d e 1t f r a g e, wie er von Oberst Miedzitiskl gefordert worden sei, nicht brauche. Wir wollen eine polnische Lösung der Frage, erklärt der Redner. Wir haben über drei Millionen Juden in unserem Lande, und Polen hat für eine so ungeheure Masse von Juden einfach nicht Raum. Protessor Rybarski behauptete ferner, die Juden hätten die Führung des polnischen Wirtschaftslebens übernommen und hellerrsehten mit iiueiu Kapital das ganze Land, In einer nochmaligen Entgegnung betonte <le־r Erakt i o 11 s f ii 11 r e r des R e g i e r 1111 g s b 1 o c k s, daß Professor Rybarski keinerlei ziffernmäßige Unterlagen für seine Behauptsing, daß Polen von jüdischem Kapital beherrscht werde, beigebracht habe. Er habe einfach mit hypothetischen Arguincntcn manipuliert und dies heiße, ein gefährliches Spiel treiben. Die Not wächst (V011 unserem Korrespondenten) •d. Warschau, 16. Februar 1934 1 >ie soeben im polnischen Parlament beendete Budgetdebatte hat die polnische Jude״frage in ihrer ganzen Schwere manifestiert. Nicht als ob erst das Parlament die Schärfe der Judenfrage hier entdeckt hätte. •Wohl aber haben die Aeußerimgen sämtlicher Parteiführer die Tragik unserer Situation beleuchtet. Die Enge der polnischen Judenheit hat sich in den letzteil Monaten verschlechtert.!Die Steuerschraube wird noch schärferals bisher gehandhabt, neue ctatistische Maßnahmen vcrnichten oder bedrohen sehr stark tausende jüdische Existenzen. Nach wie vor werden keine Juden zu Staats- oder Kommunalämtern /!!gelassen, oder bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Diejenigen Juden, denen cs bisher gelang, in freien Berufen als Acr/.tc, Rechtsanwälte u. ä. sich eine Lebensposifion zu schaffen, schienen wenigstens bisher in ihrer Existenz gesichert zu sein. Dieses Sicherheitsgefühl ist aber auch ihnen genominell worden. Imin er stärker wird der Prozeß (|cr ין;ן , , ninrr jüdischer Inleliekliu'ller ans ihren bisherigen 8tri|״*n1% 1Um. rung jüdischer Intellckliiciicr ans ihren bis.׳, Dies geschieht nicht durch dic_ Gesetzgebung, sondern" ■ mit praktischen Maßnahmen erreicht. Diese Temlenz ht 11! z. B. in «len Krankenkassen, in den Advokatcnkamincrn*^ banden, die Durchführung ist in vollem Gauge, das Tempo V״f' manchmal verlangsamt, manchmal bi-schlcimigt, W|!^ Das Resultat CI (״Igemii-s: Die polnische Ju<lenllcj<!. 11 et in s ä m t H c 11 c n Selm Iden infolge der allgemeinen ■׳ schädlichen Krise und 7 u sä t z 1 i c 11 infolge eines zwar off on nicht vorhandenen, in der Gesetzgebung; nicht verankerten lg konsequent von sänilliehen maßgebenden Faktoren sehr1״! Die jüdische Not in Polen, die daraus resultiert, jq u.o sehreiblieli. Maßgebend hierfür sind nicht die einzelnen (״? stiulte, wohl aber dir I Hinderte von kleineren Städtchen, in (!!8י f" die übeiwiegende Mehr/,11t! der jx»liiiseiun Juden ihr Ukf* fristet. Kein Beruf wird von der Not verschont; diejenigen p noch gestern ihr leidliches Auskommen hatten, vertieren’ ׳ jedem Tage eine Unterhalisquelle nach der anderen. ' ™ Fügt mau noch hinzu, daß eine so verelendete Jmir!1'״,.;f ihre s ii 111 11 i c 11 en sozialen, kulturellen und philanthropisch״ Anstalten aus eigenen Mitteln erhalten muß, so w rd a? Bild vervollständigt. 1111 Immerhin hatten die polnischen Juden in der letzten Zd* das Gefühl, daß sie von großen Katastrophen זן’ץ| schont geblieben sind, und dies wirkte sich politisch in einer Annäherung an die Regierungspartei, die man z. B. auch hq. nistiseherseits wahrend der letzten Stadtratswahlcn in (ialinns unterstützte, aus. Manche jüdischen Parteien, /. B. die A״udah und die sog. Wirtschaftsorganisationen haben sich restlos der Regierungspartei au geschlossen, die Zionisten haben die : allgemeine Politik der Regierung anerkannt und (gebilligt ״nd dabei ununterbrochen gefordert, die jüdischen Postul,ite einer fakti sehen Gleichberechtigung zu n fidlen. Wenn auch tu dieser Richtung nichts seiten» der Regierung tmterimmiiifa worden ist, haben doch die zionistischen Vertreter die Ilolfnurp nicht auf gegeben, daß in gewissen Punkten etwas erreicht werden wircl. Es muß mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß die Regierung stark bemüht war und ist, jede Gewaltmethode gegenüber den J mlcn zu vermeiden, § und daß sie mit äußerster Energie schon im Keime aiiteemitkhr I Exzesse erstickt. Trotzdem hat siel« in Polen im letzten Jahre I die antisemitische Bewegung verstärkt, und zwar sowohl |*i I der seit jeher antisemitischen Nationaldemokratie, als auch bei I anderen Parteien, b/w. netten antisemitischen Gruppen. I Wird es der Regierung gelingen, auch in Zukunft wviaip• 1 stell» Exzesse zu verhüten? Diese (lange Frage stellen sich 1 jetzt die polnischen Juden. Eine I loHmutg hatten die Juden: die 1 konstitutionell-parlamentarische Verfassung werde den Juden | die Möglichkeit gewähren, für die Gleichberechtigung in dn I Republik zu kämpfen. Die 11 e 11 c V e r f a s s 11 n g Polens, die so I gut wie beschlossen ist, stellt auch diese (ilciehberechtigun״ in Gefahr, ״Die bisherige Verfassung — erklärte Abg. Sommer״ stein im Namen des jüdischen Sejmklnhs — gewährte den Juden formelle Gleichberechtigung und gab ihnen die Möglichkeit, eine Repräsentanz in den parlamentarischen Körperschaf• ten zu erlangen.“ Die neue Verfassung, die sehr stark die Pr»• rogativen des Präsidenten der Republik vermehrt und die Kamnetenzen des Parlaments bedeutend einxchränkt, nimmt!frn Juden die Möglichkeit, irgendeinen Einfluß auf die l’olitik des Staates aus/nüben. Im Senat, dessen Wirkungsbereich sehr verbreitert wird, werden die Juden kaum vertreten sein können. Arierprinzip und Hutindusirie Die ״Gub en er Zeitung" vom 13. 2. berichtete über eine Betriebsversammlung der liutfabrlk Stcinke, die sich 11. a. damit beschäftigte, daß infolge des starken Ausehwelleiis vier uniformierten Verbände die Gefahr für die Hutfabriken besteht, große Absatzmöglichkeiten zu verlieren. Um liier vor/ubeugen, fuhr eine Abordnung der Hutindustrie unter Führung des Oberbürgermeisters von Guben zur Reichszeugnicisierei nach München, um für die Betriebe die Oeliclmiigung zur Herstellung von Uniform-Kopfbcdcckungcn zu erlangen. Die Abordnung wurde abschlägig beschielten, Die Genehmigung wird unter keinen D nt s t ii n - den erteilt, wenn in d e m betreffenden B c - triebe jüdisches Kapital arbeitet, Auch die Ocncluniguug zur Herstellung von Arbeitsdienst-Mützen wurde kürzlich vom Arbcitsniinistcrium au die Bedingung geknüpft, daß die jüdischen Betriebe sich bis zum 15. März gleich geschaltet haben. Der Oberbürgermeister legte u. a. dar, daß die Rciehs/eugmcisterci eine reine Parteidienststelle der NSDAP, sei, der man nicht zitimilen könne, eine Genehmigung zur Herstellung von Partcidiciistklcidimg an Firmen zu erteilen, die in jüdischen Händen seien oder die abhängig seien von jüdischem Kapital. Es sei ein Irrtum, wenn jüdische Kapitalisten und Geldgeber glaubten, die Arierfragc würde von der NSDAP, wieder beseitigt oder nicht ernst genominell, im Gegenteil, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei fordere fürden deutschen Arbeiter die deutsche Führung, und diese sei nur möglich, wenn die Fabriken unabhängig von jüdischem Kapital gemacht würden. Fs könne auf die Datier nicht geduldet werden, daß der hochwertige deutsche Arbeiter zur Arbeitslosigkeit oder zur Kurzarbeit verdammt werde, weil die Fabriken sich in jüdischem Besitze befänden. Es sei Pflicht der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als Träger des nationalsozialistischen Staatsgedankens, liier eine Lösung zu finden. Fs wären auch bereits Verhandlungen aufgenommen, um die Fabriken, die heute noeli von jüdischem Kapital beherrscht würden, in deutsche Hände überzuführen. — 111 der Tat liegt liier ein schwieriges Problem vor. Daß die Dienststellen der NSDAP, bei ihren Einkäufen das Arierprin/ip streng beachten, kann nicht anders erwartet werden. Wenn mm eine Industrie wie die Gubcncr Hutfahrikm von der Strukturveränderung des Marktes infolge des Uebcrganges erheblicher Konsuinciitenkreise zur Uniform betroffen wird und dieser Veränderung nicht Rechnung tragen kann, soweit sie sich in jüdischem Besitz befindet, so liegt hier ein Problem vor, das für alle Betroffenen — Arbeiter wie Unternehmer — nicht leicht zu lösen ist. Hier einen Weg des Ausgleichs zu gehen, dürfte vom Standpunkt der Erhaltung wirtschaftlicher Werte der einzige Ausweg sein. Verbotene Bücher. Das Buchhändler •Börsenblatt ver* öffentlicht eine Liste von Büchern, die auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933 in Deutschland verboten wurden. Darunter befinden sich sämtliche Werke von Josef Käst ein (u. a. Eine Geschichte der Juden, Sabbatai Zcwi, Uriel AcostaJ sowie der neue Roman Franz Werfels ״Die vierzig Tage des Muss Dagh“. Bestrafte Uebergriffe Wie wir der ״Westfälischen Laiideszeilung" (Rote Erde), amtliches Organ der NSDAP., Dortmund, entnehmen, der 35jiihrigc Bücherrevisor Josef K, vor dem SclviHrngericht unter der Anklage der Körperverletzung 11ml tätlichen öffentlichen Beleidigung des Land- und Amtsgerichtsrats (irr• son. Der Angeklagte gab zu, den Gerichtsrat am 3(k Januar; 1934 mittags an der licke Kaiserstraße,'1!eiliger Weg in einer Anwandlung sinnloser Wut verprügelt zu haben. Ein dunkler Fleck auf der linken Gesichtshälfte des Angegriffenen zeugt außerdem heute noch von einem unglaublichen Geschehen," - Land- und Amtsgerirlilsrat Gfersoii ist einer drrjcngoi jüdischen Richter, die als Kriegsteilnehmer von 1W Regierung /״gelassen worden sind. Der Angeklagte hebauptetc vor Gericht, daß er mit seiner Tat weder die (kutsche Richterschaft treffen, noch Dr. Gcrson als Juden beleidigen wollte. Die Säche sei eine rein persönliche Auscinaiuicrsct/wiC, da Gerson ihm Unrecht zugefügt habe. Das Gericht verurteilte K. antragsgemäß zu e i n c m Jahr G e f ä n g 11 i s und!מסי ihn sofort wegen Fluchtverdacht in Haft. Der Angeklagy habe durch seine Handlungsweise die ganze deutsche Richte:• schaff getroffen. Man könne nicht dulden, daß jvtfci■, sich durch einen Richte rspruch benachteiligt glaube, mm w1 Fausten über den Richter hcrfalle. Daß der Staat den 10011״* stand ganz besonders schützen wolle, gehe aus der Veroto• nung vom 13. Oktober 1933 hervor, ln dieser heißt «, daß schon die Absicht, einen Richter zu töten, mit lebe«»* länglichem Zuchthaus oder Todesstrafe geahndet wird. Vor dem Bczirksscliöffengericht 13arm stadt hatten י״ס wie wir der ״RMV.“ entnehmen, zwei 10jährige Pfungst.iot unter der Anklage der versuchten Erpres* ,.mg zu ',״w‘ Worten. Sic hatten im Juni 1933 einem jüdischen Mie mann in Pfungstadt einen anonymen Brief goschricv• und von ihm die Ablieferung von 160(1 RM. verlangt, י״."״ genfalls er seines Lebens nicht mehr sicher sei“. In zweiten Fall hatten sie ihm Ermordung und Inbrandsct/'i^ seines Anwesens angedroht. Der Polizei, bei der der ׳ ץ׳' mann Anzeige erstattete, gelang cs, die beiden Burschen k> zunclimcn. Der Staatsanwalt beantragte Bestrafung "1'j versuchter Erpressung. Das Gericht kam jedoch zu y Schluß, daß Erpressung nicht nachgcwicscn sei, und urteilte die Angeklagten wegen versuchter Nötigung zu I einem Monat Ucfän gnis. Den bisher Unbestraften יי™ eine dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Ehrung indischer Wissenschaftler in Italien Ministerpräsident Mussolini hat die Ernennung! Reihe jüdischer Gelehrter zu Mitgliedern des Nation a Rats der Wissenschaft, dem die bedeutendsten treter aller Gebiete der Wissenschaft angeboren, bcsP G ln den Nationalen Rat für Biologie wurde Prof. ״a Almagiä vom Pathologischen Institut in Rom entsandt, m wissenschaftlichen Rat für Chemie wurde Prof. Levi von der Universität Mailand, in den wissenscbami Rat für Industricfragcn Prof. Dr. Camillo Levi-Mailan 1 in den Wisscnschaftsrat für Medizin der Leiter der u gischen Klinik an der Universität Palermo, Prof. Mau I Ascoli gewählt. I 1 wj