Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Judrn nie lind e Hand ) Codes den, die Jnwalu• •n, daß c rege ta Ntirn* 1g von nngen, :11 1111(1 1' or• halte. 1, «laß 1 <h1r־׳K י*מ nrleum ,•;;sriiril hstien, , d .1 i ins»• h*f r>ncl'ft> chieien $r• 1^, 1934 70DISÖHE RUNDSCHAU Seite 5 Von Dr. Karl Abenheimer und Max Im nahmen Brod I/ircr״' Be-iiKunt'^zur ^(3'/mc>p/<1'/״׳Tr/7 ^rlt׳ 1^1 זi,’,’,lvr^1! Situation der deutschen Juden wichtigsic Frage ,hnr »< -“״״'k Unumlt und ihrer llüvkhesinnung auf ihr Judentum behandelt wird, dann ist dies keine geht um eine trage unseres heben s, und die Gedanken, die hier erweckt dazu beitragen, unsere Situation tu verstehen und dadurch xn erleichtern, in der ״Jüdischen Hundschau״ bereits gewürdigt worden, Der folgende anzusehen, sondern als ein Beitrug zum Thema selbst. Darum haben wir Abenheimers Stellung zu nehmen, weil wir glauben, daß Utantur. Es werden, sollen Angelegenheit der und weitergeführt Das neue Buch von Max Brod ist Aufsatz Ist nicht als ״Bczcnsion" geheten, su den Bemerkungen Dr, Diskussion der Klärung förderlich sein kann.!Max eine Brod solehe Ihd. ober• » was :rndni hatte ]andv״gMf 11 a״‘ lessc riet!• kretür ijvlniid )cvor* iixligt nfirn!: elclief;hrifl- C 01•!11!<•* taa* (,tuen• ■i Ilona :einet e An• ן da* 110« lade« Bemerkungen zu Max Brods neuem Roman lieber (las neue Buch von Max Brod (״Die Frau, die picht enttäuscht") ist in dieser Zeitung bereits eine ausführ• liehe Besprechung erschienen. Die folgenden Zeilen nehmen iiochinnls unter anderen Gesichtspunkten zu dem Buch Stelhing, was hei der hohen Bedeutung der von Brod behandelten Probleme für uns Juden wohl gerechtfertigt sein wird. Das Ruch versucht in bemerkenswert mutiger und aufrichtiger Weise eine Stellung des. deutschen Juden gegenüber dem Rjsscanliseinitismiis .zu fixieren, (lerade wegen dieser Aufriditigkeit und 1:11 rliefiI<eit dieses Buchs ist aber auch leicht 711 sehen, woran cs liegt, daß es nicht eigentlich weiter führt und den Weg in die Zukunft noch nicht sieht. Brod glaubt, das Wesentliche hei Mischehen und dem (leiitsch-jüdisdien Verhältnis überhaupt bestelle in der Distau 7, die gegenseitig zu wahren ist. Mir scheint aber, daß Brod die Bedeutung dieser Distanz selbst noch nicht richtig erfaßt hat. Fs ist schon auffällig, dal) in diesem Buche, in dun so gerne und häufig andere deutsche Dichter zitiert werden, Killce nicht erwähnt ist, obwohl doch gerade hei jlun das Problem der Distanz diese große Rolle spielt. Nicht nur, daß inan die Fiihvicklnng vom ״Stiindciibucli" zu den ״Diiincser Llegien" als l'iitwickliing von der Nähe zwischen Mensch uml Gott zur äußersten Distanz beschreiben konnte (einer Fntwickiuug der im Protestantismus der Weg vom Pietismus zur dialektischen Theologie entspricht), sondern auch die Rilkesche Konzeption der Liebe enthält die volle Klarheit über die Bedeutung der Distanz für sie. Man denke etwa an das Lied aus dem Malte l.aurids Briggc, oder an die 2. Duincser Flegicn mit den tiefen Versen: ״ErgiHinlc «•ui 11 niilil nuf utlkclicii Sielen die Vorsicht nun«(. Rlii In r (״•sie? war nirlil Liebe und Abschied so leicht auf die Schultern gelegt, «13 wäre cs nui anderem Stoffe gcnuclit uls bei uns? Gedenkt euch «ler lliindc, wie sic (blicklos beruhen, obwohl in den Torsen die Kraft stellt. T)!1c 1111uir -1 litcn wußten damit: so weit sind wirs; difcs M unser, und so zu bcn'ibrcn; stärker Mimincn die (!älter uns im. Poch dies ist Sache der fiiiUer.“ Distanz ist also nichis nur für Mischehen oder das deutsch-jüdische Verhältnis besonders Kennzeichnendes, cs ist für jedes Verhältnis /wischen gereiften Menschen wesent-!ich, ja Distanz ist eine Frsrhcimmgsform, ein Aspekt jeden tiefen (ichalts und jeder Würde. Daß Distanz so häufig fehlt oder mit unechten Mitteln cmvungci! werden will, ist etwas, was die Gegner dal Juden immer wieder zum Vorwurf machen und was die wohlmeinenden Kritiker 1111t Sorge erfüllt. Und an diesem schweren l'ekl leidet auch Justus, der Held des Broilselicn Buches, der soviel von Distanz redet und so wenig hat. Das zeigt sieh in jeder einzelnen LebensiiulSerung von ihm. Da ist vor allen Dingen dieses endlose und fortgesetzte Raisoitiercn über sich, seine Zustände und seine Liehe. Er muß tortgesetzt reden und sielt explizieren, in den ungeeignetsten Momenten beginnt er Vorträge über sich zu halten. Er verwechselt Ehr• lichkeit mit ,,alles sagen". Er ist dislanzlos zu seinen Gefühlen und macht sie fortgesetzt ztttn Gegenstand wissenschaftlicher Erörterungen und von Vorträgen über platonische Räume und ähnliches, während es ihn andererseits tief beeindruckt, wenn Grola, die deutsche Frau, über ihre Ocfühle schweigt Und ibm im Walde Stillosem gebietet. Und er ist distanzlos zu ‘diu'in Ernst, über den er spricht, statt zu schweigen. Schließ•!ich ist er distanzlos zu seinen Geliebten 11ml daran allein zerbrechen die Liebesverhältnisse. Er erwartet die Entstehung von dauerhafter Vereinigung und Fiiiswerden sei cs in mehr ohcrfläcliliche-n Schichten wie bei Sybil, sei _ cs in tieferen Schichten wie hei Carola. Dies Einswerden will er herstellcn Md fcsthaltcn und hat keine Ahnung davon, daß unser nur jd ,,uns zu berühren“. ״Stärker stemmen die Götter uns an, ״ort das ist Sache der Götter.“ Er will immer die Sache der Götter tim nml ist distanzlos gegen ihre Geschenke. Das Eins* *erden zweier Menschen, das es nur als Gnade gibt,. sucht Justus sich dadurch zu erschleichen, daß er sich weggibt. In unter Rücksichtnahme und Einfühlung gegenüber der gelichten Frau verzichtet er auf sich selbst und hört auf, er dlhst zu sein (worauf er prompt die Geliebte verliert, da w ja keinen Gegenstand für ihre Liebe mehr vorfindet). . Damit sind wir aber bei dem 1 Untergrund all dieser ‘«fanzlosigkeit augdaugt. Justus ist nicht ״bei sieb“ und wslialb fehlt ihm die Distanz zu sicli und zu allen. Er hat *JGi seihst noch nicht gefunden und man sicht nirgends ein Zentrum bei i 11 m. Die end* זך Kompliziertheit, in der ihm die ganze äußere Welt er• 8™eint, ist Ras treue Spiegelbild seiner Seele, rausend gc• *c'u'ite (iedanken über tnusiud Dinge und nirgends das eine ',״pflichtende Bild, der eine verpflichtende Glaube, das ü״e verpflichtende Geheimnis. Das ist auch der Hintergrund ז״י sein nullosos 1 iarmouiMcreii und seiner Mochschätzung des t0״ Doet 11 e mißbilligten ״immer noch transigieren“ der Juden. [Gicht nicht, wie darin überall Mangel an Demut, Distanz.• *1Rkcit und glaubensloser Relativismus steckt. Justus ist J Mensch ohne Glauben und als solcher ist er eia Rcprascnunt einer sehr breiten Schicht der deutschen Juden, und }Ji darin ist er repräsentativ, daß er als Ersatz für den 1״auben die deutsche Bildung und die deutsche Welt verf^kt. Nicht er selbst und das Geheimnis in ihm weist über hn selbst hinaus und ist das Treibende und Verpflichtende!1hm, sondern etwas außerhalb seiner selbst, die deutsche rund die deutsche Bildung ist Ziel und Inhalt seines ״ u"! zu sich seihst zu gelangen, genügt cs aber nicht, daß! חג den Fehler der Assimilanten meidet und sein Jtiucsein bc• : c״nt statt verdrängt. Auch als Zionist oder Pluloziomst wie wus ka״|, t,1an noch ganz aufgefressen sein von der Sehn-;'?ht ״•di der deutschen Welt. Justus׳ Vergoftung des Deut- ״־״ kommt nicht nur in der Liebe zu Carola und m den ,׳ p, 1" Zitaten ztun Ausdruck, sondern vor allem auch 111 dun jeden deutschen Gegenspielers für Carola, der dem ״ ״«R sympathischen Juden Türk entsprochen hatte. Es gibt •״rr|k'W Deutsche in dem Roman, und wenn Justus ״Wiaup1 irgend was an ihnen zu kritisieren / «det, dann ist v* Versailler Vertrag an den Fehlern schuld. Mit solcher *״Kottung tritt man aber den Deutschen auch wieder zu nah ShV?4 distanzlos. Wieviele unserer Besten solche ]״d'schc ^aishürger deutschen Glaubens gleich Justus waren hatuns 22* *e Katastrophe des vergangenen Jahres voll bewußt ^icht, als vor unser!! sehnsüchtigen Blicken diese Mauern errichtet wurden mul wir gezwungen wurden, endlich wieder nach uiiien statt nach außen zu sehen. Die Vergottung des Deutschen war für uns nur ein Glau• hensersat/, weil sie nicht der Ausdruck unseres ganzen Seins Sein kann und das Deutsche nicht das aus uns geborene Bild des Gültigen, sondern die aus anderer Geschichte umt von anderem Volk geschaffene Wertverkorncriing war. Hier liegt aher Jas zentrale Problem jüdischer Existenz ln Deutschland timl 111 (ler Diaspora überhaupt. Nicht um Berufsnmachiehtung oder ähnliche gewiß bedeutsame Aciiflerlichkeiten geht cs, sondern darum, wie man Menschen, die ihrem Wesen und ihrem Erbgut nach so g I a u b e 11 s h e ü ii r f t i g sind wie die Juden, wieder zu sieh seihst zurückführen kann und wie ihre tilaubenskräftc wieder den ihnen gemäßen Inhalt linden t«mneu. Der einzige Weg, der sieh hier heute für die Massen anbictel, ist der Zionismus; denn die liberale Syn• agoge kann diese Aufgabe nicht leisten und die Rückkehr zu einer lebendigen Orthodoxie kommt nur für Einzelne in Bc• traclif. ־! ״ür Justus wird aber auch der Zionismus und das sich völlige Eiiircihcn in die jüdische Geschichte und jüdische /iikiinft nicht genügen, 11m ihn mit einem Glauben zu erfüllen. Das zeigt die ganz in der Sphäre des Denkens bleibende Art, wie das Schlullgospräclt mit dem Palästinenser geführt wird. Er wird einen schwereren, individuelleren Weg 7.11 sich suchen müssen, um dies ewige intellektuelle Raisonieren über• winden zu können mul diese Unzuverlässigkeit des Gefühls, die ihn ständig zwischen Ucbcrschät/ung seiner Gefühle, Sentimcntalität, Selbst,•mfgabc, Würdelosigkeit und rationaler Zer• faserung oder Aiilblähung des Gefühls schwanken läßt. Ihm ist als dringendste jüdische Pflicht aufgegeben, ein ganzer Kerl zu werden mit einer klaren Mitte, der weiß, daß auch das Wort ״Eure Rede sei Ja ja Nein nein“ ein jüdisches ist. Erst dann beginnt Distanz. Dr. Karl Abcnheimcr. gedacht, kh sage in meinem Buch: ״Distanzliche geht, richtig erfaßt, darauf aus, den zwischen zwei Menschen oder Menschengriippen bestehenden Abstand tunlichst zu verkleb ncrn, — gerade weil mail weiß, daß ein Rest dieses Ah• Standes nntiirnotwendig ist und immer bleiben muß, gerade deshalb bemüht man sich in gegenseitigem Zueinanderstreben, nieiits als diesen Rest, den mau nicht wcgschwindclii mag, nichts als diesen zwangsgegcbencii Rest, aber auch wir kH cli nur ihn wirksam *ein zu lassen". Daß diese Dynamik (von vornehm erstarrter, livpostnsiertcr Distanz, sehr verschieden) nur als ein Geschenk der Gnade, nur für den, gläubigen Menschen und (falls cs sieb um «inen Indischen Menschen handelt) nur für einen tief in jü• di 8 cli er Realität verankerten Menschen wirksam werden kann, — gerade dies zu zeigen wünschte ich In meinem Buche. Dem Kritiker scheint cs, als ob diese Mo• ntente, in deren Beurteilung als wesenwichtig ich mit ihm durchaus übcreinstiinme, in meinem Buch fehlten. Nach niemer Meinung enthält das Buch nichts als sie, lind zwar durchaus nicht ״in der Sphäre des Denkens“, sondern in der ganzen Wirklichkeit des Erkennens und Erlebens. Zur Schlich• tunp dieses Widerstreits kann ich glücklicherweise auf das Buch selbst 11 ml seine ganze Haltung verweisen. Nur ad vocein ״Vergottung'' sei miy die Anführung einer speziellen Stelle (Seite 155 und des Folgenden) gestattet: ״Die Wendung zur Unschuld, von der Schuld weg, muß natürlich in allein Ernst auch wirklich vollzogen werden". Mit einem ״Ja ja, nein nein" ist cs freilich nicht immer getan, unsere jüdische Art zeigt sich vielmehr darin, daß wir auch bei komplexester Erfassung der Welt, ohne Vergewaltigung und ohne imitiertes Naturburschentum, zu einer reinen klaren Entscheidung vor• zustoßen willens und imstande sind. Max Brod. Erwiderung Ein neuer Film von Bcnolt-L6vy lk־noit־L£vy, der Schöpfer der ״Matcrnelle“, arbeitet an einem neuen I ihn, auf den man in Frankreich, wie ütcrall, Die Redaktion ersucht mich um eine Stellungnahme zu dem Obigen. Nicht um einem Wert• oder Unwert-Urteil ent- Kegeiiziilri ten, folge ich dieser Anregung. Es ziemte mir nicht, in dieser Richtung zu polemisieren; vielmehr verweise ich auf das Wort meines Buches ״Nur die verlorenen Seelen streiten“; über dieses Zitat, das sich als Leitmotiv des Helden wiederholt, scheint ja Dr. Abcnheimcr (wie über manches andere) glatt hiinvcggelescn zu haben. Sonst könnte er die Figur dieses Helden nicht so völlig anders sehen als ich. Meine Erwiderung mag aber vielleicht in anderer Hinsicht von Nutzen sein, sie kann den Begriff der ״Di st a n zI iehc“ schärfer unireißen, mit dessen Erfassung ich in diesem Buch die gegenseitige Beziehung zwischen Deutschtum umt Judentum der Klärung uälicrhriiigen wollte. Es scheint mir wichtig, daß das Lebrnsgcfiihl, das diesem Begriff zugrunde Hegt (ohne daß sein zuckender, bewegter, stets die Gestalt wechselnder Erlcbnisgehalt sich je restlos in abstrakte Formeln lassen ließe), nach Möglichkeit unmißverständlich hervortretc. Ich habe einige Hoffnung darauf gesetzt, durch Bcwiißtmacliiing dieses Tatbestands der ״Distanz.liebc“ vielen, die gleich mir leiden, eine Art Hilfe zu leisten. Was ich als ״Disfanzlicbc“ beschreibe, vereinfacht und hypostasiert Dr. Abcnheimcr zur ״Distanz". — Distanz ist fest, hart gefroren, — Disfanzliehe aber ist ein dialektisches Wer• den, dessen beide Bestandteile (״Distanz" timl ״Liehe") ein• ander in der Alllagsehenc widersprechen. Liebe will doch nichts anderes als Distanz atifheben, Distanz setzt sich der Eiche entgegen. Hierzu lese man Buhers Erzählung ״Wie drr_Sassower die Eiche lernte", die mit den Worten beginnt: ״Wie man die Menschen liehen soll, habe ich von einein Bauern gelernt. Der saß mit andern .Bauern in einer Schenke lind trank." Der wesentliche Salz dieser chassidisclicn Ge• schichte ist das Wort dos einen Bauern zum andern: 11<1״ sagst: ich liehe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest cs wissen.“ Ich gestehe, daß mir diese Haltung leidenschaftlicher Nähe menschlicher und richtiger erscheint als Rilkes kühle Zurückhaltung, die von Dr. Abcnheimcr zitierte ״Vorsicht menschlicher Geste". So sehr ich Rilkes Dichtungen liehe, so fremd ist mir die sittlich-sinnliche Atmosphäre seines Werkes, so fremd auch sein einsamer Lehensgang. Es ist gewiß kein Zufall, dal! ich ihn unter den von mir verehrten deutschen Autoren nicht anhiliro. Und was nun gar die ״dialektische Theologie“, die Theologie der Krise, anlangt, dies Bestaunen unühersteiglicher Klüfte zwischen Mensch und Gott, daher auch zwischen Mensch und Mensch: so lehne ich diese Riehtiing aufs entschiedenste ab, — was Ich in meinem vorangegangenen Buch ״Stefan Rott" nusfiihrürh dargelegt habe. Ich halte solchen Panirngisimis, la jede lla'tung des Extremis- 11111s, die dem ״Mctaxy“. der ״Mitte" im Sinne Platons keinen Luftraum gibt, für verderblich und mitschuldig am Verderb unseres Zeitalters. Wenn mm in eine solche־ Auffassung menschennaher warmer Liebe, wie es die meine (zum Unterschied von jener Theologie) ist, dennoch die ״Distanz" eingeschaltet wird, so kann dies nur im Aufruhr der Gefühle, in einer den rationalen Alltag überhöhenden Ebene und nur gleichsam ruckweise, kämpfend mit Vor- und Znriickwcichen, in dauernder Spannung und Bewegtheit geschehen. Weshalb denn auch allein die dichterische Form der Erzählung, nicht die statische einer wissenschaftlichen Abhandlung, die einem solchen Geschehen tuid wogenden Eebensgehilde gemäße ist. Es ist mm nicht richtig, daß mein Hold Justus Spira, wie ihm Dr. Abcnheimcr vorwirft, ״fortgesetzt redet“ ״sich expliziert“, ״in den ungeeignetsten Momenten Vorträge über sich hält“. Der Irrtum des Rezensenten scheint darauf zu beruhen, daß das, was er für Vorträge hält, d. h, was ihm nach der Lektüre als ״Vortrag“ im Gedächtnis geblieben ist, in Wahrheit als Sc Ibstgespriich einsamer Wochen und sogar verzweifelt einsamer Nächte dargcstellt ist1111 Dialog gibt Justus Spira nur Andeutungen; die Frau, die er liebt, drängt ihn um Aufschlüsse, erfährt aber nur sehr wenig von ihm, da Spira selbst von dem nur relativen Wert nller Debatten überzeugt Ist. Der große Umschwung In der Beziehung der beiden Menschen geschieht immer wortlos. Der Brief (Seite 260) wird nicht abgeschickt, die Reise mit dem ״waghalsigen Plan" geschieht (Seite 240) ohne Kornmentar u.s.f. Sich nun aber völlig auf das Schweigen, auf die unübcrsteigiiclien Orcnzen cinrichten: das wäre zwar ״distanzhaft“, aber nicht Im Sinne der ״Distanzliebe" wo man die ^Malcrnelle“ erlebt hat, mit Spannung wartet. Levys neuer Film wird mit der ״Malerncllc“ etwas gemein haben: wieder werden Nicht ־ Schauspieler die Hauptrollen spielen. Die Aufgaben, die L6vy mit bei• spiclkiscin Erfolg von K in 11 e r n lösen ließ, werden dies• mal den Eingeborenen des marokkanischen Atlasgebiets übertragen werden. Dort spielt Levys neuer Film. E<vy hat sich mit seinen Mitarbeitern bereits nach Casablanca bc• geben, um sich 300 Kilometer südlich von Marrakcsch mit seinen eingeborenen Mitarbei'ern zu treffen. Die Aufnahmen finden auf dem Atlasplateau, 2DD0 m über dem Meeres• Spiegel, statt. Dort werden in einer Zeltstadt die Mitwirken• den leben, die Lövy aus der Pariser Filmwelt mitnkmnt. Wie bei der ״Matcrnclfc“ wird wieder Marie Epstein L4vy» erste Regie-Mitarbeiterin sein. Der neue Film heißt Itto, die Berbertochter, nach einem Roman von Maurice Logic. Das Drehbuch be• arbeitet Duvcrmois, die Musik schreibt Albert Wulff. Von , den Schauspielern, (Ile durch die ״Matmiellc" weitbekannt wurden, wird In dem neuen Film Svlvcttc Filacler mitwirken. (Sic spielte dort die Mutter der kleinen Marie.) llcbcrhaupt wird cs die Welt der Weißen sein, die von Schauspielern gespielt werden wird, während der Gegenpart der Weißen, die Welt der Eingeborenen, nur von Menschen aus dem Volke dargcstellt wird. Der Film wird den Zusammenstoß der beiden Zivilisationen behandeln, die bitteren und großen Dinge, die aus dieser Berührung hervorgeben. Die Hauptperson, die wir mitnehmen, erzählte L4vy zu• letzt einem Journalisten, ist unser Koch. Auf dessen Aus• wähl haben wir den größten Wert gelegt. Stellen Sie sich vor, wie wir da oben zwei Monate in Zelten leben wcrdonl Da wird ein guter Koch die Hauptsache sein, liin die ganze Künstler- Expedition bei guter Laune zu erhalten. Paris wünschte Benoit-Levy bei seiner Abreise viel Glück. Wi$ schließen uns an! x.r. f.a Presseschaii Ein Engländer Ober palästinensische Aufbau Arbeit Die Londoner Zeitschrift ״Fort night ly Review** vcröltcutlicht einen Artikel von Hector Botitho ״Front Jerusalem to Instambul“, dem wir einige sehr beincrkcns• werte Betrachtungen über jüdische Leistungen in Palästina entnehmen. Der Druck von Armut und Krankheit, so heißt es in dem Aufsatz, ist unter der britischen und zionistischen sozialen Arbeit erleichtert worden. Palästina ist heute das einzige Land in der Welt, das keine Arbeitslosigkeit kennt. Fast 10OOt) Araber, die früher in den zwar malerischen aber übelriechenden Bazaren der City von Jerusalem zusammen• cnfcrcht waren, leben heute dort, wo sie frisches Wasser laben und frische Luft atmen können. Pessimisten sagen zwar, daß diese Prosperität ökonomisch nicht gesund sei, wegen der Suhsidien, die von den Juden der übrigen Welt zufließen. Nichtsdestoweniger sind die Ebenen von Sharon, Jesriel und das Jordantal reich unter der neuen Ordnung, Die Orangen gehen zu Millionen auf die Weltmärkte, Bekümmert wende man sich von diesem blühenden Schau• platz der jüdischen Siedlungen zurück zu den Arabern. Sic haben so viele Eigenschaften: Gastfreundschaft, Anflug von Poesie in ihrem müßigen Dasein, angenehme Stimmen, Eigenschaften, die aber fruchtlos und pathetisch erscheinen, vor dem Erdbeben des Zionismus, der das Land aufrüttelt und cs mnformt. Die Juden in Palästina haben bewiesen, so heißt es weiter, was sic leisten können, wenn man Ihnen ihren eigenen Boden gibt, ebenso wie die Juden in England bewiesen haben, was sic tun können, wenn man lhnen_Ehr6 und Rechte des Bürgers gibt. Seihst der härteste Antisemit müsse die Augen vor Verwunderung öffnen, wenn er sicht, wie die gcradcgcwaehscnen, gesunden und braungebrannte» jungen jüdischen Farmer die Hänge zum Blühen bringen und zu neuem Leben erwecken. Um die Einkommensteuer in Palästina J ertisalem, 13. Februar. (J.T. A.) Der Vorsitzende def Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Arthur Rupptn, lind das Exekutivmitglied Mosche Shertok sprachen bei dem als Berater der von der Palästina-Regierung eingesetzten Einkoimncimti'ucrkommlssion aus England nach Palästina bc• rufenen Mitglied des British Board of Inland Revenue, J. F. Huntington, vor und setzten ihm den Standpunkt der Jewish Agency zu dem Plan der Einführung einer Einkommensteuer tu Palästina auseinander. Wie mit• geteilt wird, lehnt die Jewish Agency auch wei« tcrhln die Einführung der geplanten Steuer ab. Die Jewish Agency befürchtet, daß die Einkommensteuer zu einer unangemessenen Steigerung des jüdischen Anteil• an der Oesamtstcucrlcistung des Landes führen würde. Der Waad Leumi hat die Abhaltung der A 8 5 e f a t h N l w charim (palästinensische Dciegicrtcnversammlune) ver« schoben, weil noch einige Berichte fertigzustellen sind.