Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 }ODISCU E RUNDSCHAU nnilcre Kontinente erfaßt ]tat. Auch für die Juden in diesem oder jenem Land können sich neue Schicksale ergeben. Wenn wir nicht das Gefühl haben, daß mit dem Jahr 1933 eine neue Periode der Selbsterkenntnis und Verantwortung für uns begonnen hat, dann besteht die Gefahr, daß auch wir innerlich stumpf werden und uns mit allein abfinden. Wir müssen aber wissen, daß die Lage der Juden nicht so bleiben kann, wie sie heute in der Welt ist. Und daß sie nur d u r ch u n s selbst geändert werden kann. Nr• K 16. II.191ג Darum halten wir um die Gestalt des neuen jüdi* sehen Lebens zu ringen. Das Beste, \v,1s wir haben, sct/eii wir dafür ein. Wenn wir in dieser Weise uns selbst bejahen, dann erst finden wir den echten Zu* saintiienhaiig mit der Umwelt, wir sind dann nicht mehr ausgeschlossen von der werdenden Geschichte. Alle Er* schütlcmiigen, alle seelischen Krisen, die wir durch* leben, werden einen wirklichen und eindeutigen Sinn!iahen, mul wir werden uns nicht mehr verwaist fühlen innerhalb der Menschheit. יי• ך־"׳ 1.3 r; ןי*ן*ף* ן*'י״י!) 1,-י* in S^J ■teil Auf der ersten Seite haben wir bereits kurz über die Situ,111011־ in bezug auf die Juden in Wien berichtet. Aus unseren weiteren direkten berichten, sowie aus dem N;u liriclitcniliciist der JTA. ist ferner folgendes zu entnehmen: Die örtlichen Kämpfe in den von Arbeitern bewohn len Teilen ilcs 2. und 2(1. lie/irks sind bereits fast völlig zum Stillstand gekommen. Xahlreiehe jüdische Geschäftsinhaber dieser He* zirke hallen ihre lüden wieder geöffnet. Jüdische Persollen, die sieh, mit einer Mitgliedskarte der in der groben politischen Auseinandersetzung neutral gebliebenen jüdisehen Or g n 11 i s a t i o 11 e n ausweiscii, können die militärisch besetzten Brucken anstandslos passieren. Vom Sekretariat der Wiener Israelitischen K u 1 * tu s g e 111 c i 11 d e wird dev Jüdischen Tdegrapheii-Ageirtur niitgetcilt, daß bisher keinerlei Klagen von Gemeinde* jiiitglicdcni über irgendwelche an ihnen verübte Gewalttaten oder Beschädigung ihres Eigentums cingelaufcn sind. Es ist somit nnziMH'hmcn, daß es nirgendwo zur Plünderung jüdi• scher Geschäftsläden oder Wohnungen gekommen ist. Die jüdisehen Krankenhäuser sind zwar von Verletzten überfüllt, doch handelt es sich hier durchwegs um Mitglieder 11er au den Kämpfen beteiligt gewesenen niclitjuilischcn staatlichen und Parteiformationen. Durch eine Umfrage der Kultusgemeindc konnte auch festgestetlt werden, daß keines der im Kampfgebiet gelegenen Gebäude jüdischer Institutionen gelitten hat. Der Hund jüdischer Frontkämpfer Oesterreichs ist von der Regierung mil'gcfordert worden, sich der staatlichen Exekutivmacht an/usclilietien. Wie die JTA. ferner meldet, hat die ,,Vaterländische Front“, die neben der Heiniwehr auch andere die Regierung Dollfuß heute noch unterstützende Fronten in sich vereinigt, dein Bundeskanzler in der Form eines Ultimatums eine Reihe Forderungen unterbreitet, die auf die Aus schalt u n g der Juden a 11 s d e m g c s a 1111 e 11 ö f f e 1111 '1 c 11 e n Leben hinausgehen. Der genaue Text des Ultimatums wird noch geheim gehalten. In gut unterrichteten Kreisen wird erklärt, dieses enthalte außer der Forderung nach Beschränkung der konstitutionellen Rechte der Juden auch die Forderung, daß die Universitäten und Hochschulen in Oesterreich ״judenrein“ gemacht werden sollen. Ferner sollen die Führer der Industrie, auch die Inhaber von privaten industriellen Betrieben, als Angestellte einzig und allein Mitglieder der Vaterländischen Front beschäftigen. ' Dem J.T. A.-Verireter erklärte ein hoher Regiefungshcaintcr im Wiener Auswärtigen Amt: ״Die Juden haben keinen Anlaß zu befürchten, daß unter der jetzigen Regierung zu irgendwelchen antlscmitisehen Maßnahmen In Verwaltung und Gesetzgebung gc* griffen werde." Gleichzeitig aber gab der Regicrungsbeamtc zu, «laß einflußreichc Führer der Regierungsparteien den Bundeskanzler Dollfuß drängen, einen N 11111 c r 11 g clausus gegen die Juden nicht allein an den Universitäten, sondern in allen Zweigen «I 0 s öffentlichen Lebe n s, in akademischen Berufen wie in der Wirtschaft, cinzufiihrcn. Der Boamte betonte, daß der Bundeskanzler diesem Druck mit Aufriciitigkeit und Kraft standhält. Wie aus anderer Quelle verlautet, bestehe mancherorts dfe Ansicht, daß der Bundeskanzler im Interesse der Aufrechterhaltung der Koalition mit der Heiniwehr sich zu Korn* promi ss cn wird herbeilassen müssen. Gewisse Kreise der C 11 r i s 11 i c h s o z i a I c n schlagen eine Lösung in der Weise vor, daß die Juden freiwillig auf gewisse Rechte verzichtcu, die ihnen ohnehin in absehbarer Zeit genommen werden würden. (Fs handelt sich hier offenbar um eine Gruppe, die das von l’rof. Czermnk, dem Vorsitzenden der Christliclisoziaicn Partei, in seinem Buch ״Ordnung in der Judenfrage" mul in verschiedenen Vorträgen vertretene Programm sich zu eigen gemacht lmt. Uebcr die Haltung C/ermnks berichteten wir in der ״J. R," vom 15, Dezember 1933, Czcrinak spricht sieh gegen jede Diffamierung der Juden, für Auerkcmuiug des jüdischen Volkstums und seiner Rechte aus, hefürworU't aber gleichzeitig eine weitgehende Fiitschränkmig der den Juden heute /ustelicmlcu bürgerlichen Gleicliberechtigiing. — Red. ״J. R.״) Ein freiwilliger Rechts verzieht, so meinen diese ״gemäßigten“ Antisemiten, werde dem Antisemitismus eiiigcgenarhoiten, Diese Kreise glauben, daß mau in Oesterreich — ohne den Vertrag von St. Oermain direkt zu verletzen — den Numerus clausus gegen die Juden einfiihren könne, durch den der Prozentsatz der Juden In den verschiedenen Berufen auf 5 ״׳,״ — entsprechend dem Anteil der Juden an der üesamtbcvölkerung — festgesetzt werden würde. Die Führer der österreichischen Juden haben, bciinruhigt durch die antisemitische Propaganda, die Verhandlung zur Bildung einer Einheitsfront aller osterreichisclicn Juden, in die sich die zionistischen Parteien, die ״Union österreichischer Juden'‘ und die Orthodoxie einreihen sollen, wieder anfgciiominen. Zwar besteht ein gewisses Vertrauen daran(, daß die Regierung den Bestrebungen zu totaler oder teilweiser l'ntrechtnng der Juden Widerstand entgegensetzen wird, doch wird nicht verkannt, daß in der christlichsozialen Partei, der Kerntruppe der Regierung, die auf Miiide* rimg der jüdischen Bürgerrechte und Einführung des Numerus clausus für Juden an Hochschulen und in freien Berufen gcrichteten Tendenzen im Wachsen begriffen sind. Die Führer der (isterrcichisclien Jiidenheit sind ausnahmslos entschlossen, nie und nimmer freiwillig auf Irgendwelche Rechte zu verzichten, Die Ansicht gewisser Christlichsozialer, daß man z. II. den Numerus clausus cinfiihrcn könne, ohne den Vertrag von!st. Oermain zu verletzen, wird in jüdischen Kreisen als absurd bezeichnet. Die Zeitungen veröffentlichten dieser Tage eine Ankfmdigimg des Wiener Rcinhold-Verlagcs, der die Broschüre ״O r d 1111 n g in der Juden frag c“ mit den Beiträgen des christlich-sozialen Dr. Czcrmak und des jüdischen Schrift* stellers Dr. Karbach veröffentlicht hat. Darin wird mitgcteilt, daß demnächst ein zweites lieft über die Judenfrage erscheinen wird, worin andere Kreise (es handelt sich nach unseren Informationen tun zwei getaufte Juden) zu Wort kommen werden. Es ist jedoch Interessant, daß im Anschluß an diese Ankündigung die amtliche ״Wiener Zeitung" der betreffenden Notiz hiuzufiigt, daß ja ohnedies gclcgcnt* lieh der bevorstehenden Vc rfnsaungsreform auch die Rechte «ler jüdischen Bevölkerung neu geregelt werden <1 ii r f t e n. Die ״Jüdische Volkspartci“ in Wien hat einen Aufnit an die österreichischen Juden gerichtet, worin diese aufgefordert werden, sich von den Parteien fcrnzuhaltcn und nur unter jütl Ische in Namen zu sammeln, Nur so, heißt cs in dem Aufruf, dienen wir zugleich Oesterreich und dem Judentum. Der ״OcBtcrrcIchlscho Antlscmftcnbund“, der 11. a. auch einige die Regierung Dollfun unterstützende Gruppen umfaßt, verbreitet eine Proklamation, in der dargelegt wird, wie die Judenfragc in Oesterreich behandelt werden wird, falls die Antisemiten zur Macht, gelangen, ln der Proklamation wird erklärt: 1. Juden, auch in Oesterreich geborem•, werden nicht mehr als Glieder der österreichischen Nation gelten; nur wer arischen Blutes ist, reiht sich in die österreichische ״Volksfaniilic“ ein. 2. Die Juden werden als ״fremdrassige nationale Minderheit“ behandelt werden und keineswegs den Christ liehen Bürgern gleichgestellt sein. 3. Numerus clausus whd für jüdische Beamte a״a Walte, Richter und Notare nach «fern Verhältnis der hfc östem-ichiseiiiu (lesamthevölkernng «•in!jefuhrt wer in ft ge.׳,(alt, daß ״Oeslcrrciehcr durch Oesiei reicher ni,(11*״tltr' durch Juden vertreten werden״. •!. MD liehen zwiM-|tיי,'"/ ״ und Juden sind verholen. r>. Das Ra .•wiiprin/ii) 1•״r«l 5 Weise durcligdührt, daß die österreichische Nation י'-'״,יזץ schell Geist befreit wird. ft. Eine Volkszählung wird!11'1,י geführt, 11111 festziistellen, in welchem Ausmaße Oe! "י'״ bereits verludet ist; die Zahl der luden, j1ulemt-|״'t״c'״i' und Misclifamilieii wird genau festgestellt werden ד Kinder in (len. Schulen und Erwaehsem• i!1 Versainm!׳,*, ,״ und durch Schriften werden ein gehend über den bösen 1, ״ ‘ der Juden auf die Volker mul den Ruin, den die . , ״'״» Welt bringen, unterrichtet werden, damit die völlige ז .!.,!ן Oesterreichs von der jüdischen Herrschaft vrreirJit’ ״. Zum Schluß wird erklär(, daß die Juden und <j j,. N ״,,c■ <1 i e verdorben st e 11 R a s s e 11 d e r W e 11 und <! ,11 ■ besondere die Juden, die keine Bauern und keine ArlJ,'* Schaft hatten, ein ״Parasitenvolk" seien. Die O r o fl tl e 111 s c 11 c Volk sparte[ hat auf;1 soeben ahgelialtcnen Parteikonferenz beschlossen, an ,0״ "ן! Minderung der jüdischen Rechte nbzielemicn Aktion de, ״ genannten Aiiliscniitcnlnindcs teilzuiiehmen. , ■l'a,s W'!'״cr Glieriaiidesgciiclit hat zum erstenmal Urteil beslali^t, durch das R a s c n v e r s c 11 i c d חס he ׳! als Schcidiingsgrund anerkannt wird. Die Vorii״■״ hatte der Klage eines kalholisclicn Arbeiters statt^ccebn der die Trennung seiner im Jahre 1928 mit einer Jüdin schmsseiKMt hhc aus (jrümlen der Rassen Verschiedenheit langt hatte. In der Begründung des Urteils wurde auegdubt' Verschiedenheit der Rasse wirke sich aut das Famüienlcbei ungünstig aus. Antijüdische Angriffe im polnischen Sejm Warschau, 12. Februar. (J.T.A.) Im polnische, Sejm benutzte der 11 ״ t i o n a I d e m 0 k r a t i s c 11 e A h״t. ordnete Bielccki die Aussprache über den [;tat % .Innenministeriums,, um. eine Rede gegen die deutsche urj insbesondere die jüdische Minderheit zu halten, [)rj Abgeordnete machte der Regierung den Vorwurf, daß sie die Juden besser behandele als die Po len. Man 1»« nationale Fcstvcrsammlungcti auf, während die jüdisch und die deutschen Organisationen sich ungestört entwickü, könnten. Dieselbe unterschiedliche Behandlung sei im Fall, polnischer, hzw. jüdischer Strnßciikundgclumgen fcstzusteiln, In! weiteren Verlaut seiner Ausführungen behauptete der Abgeordnete,.die j 11 d cn f c i 11 d I i c h e 11 Aussclircitun* gen seien nicht Künstlich hervorgerufen, sondern der spwt• taue Ausdruck der M.issenstimmiing. Man müsse die l't■ Sachen dieser Vorkommnisse beseitigen und dies könne nur dadurch geschehen, daß die zu hohe Zahl der Juden in Polen, verringert werde. Persönlich könne er sogar Mitgefühl für die Juden hl ihrer schlimmen Enge empfinden, es könne aber nicht zitgelasscn werden, daß die• Juden der ganzen Welt sich 111 I'olen konzentrieren. Ein Teil der Juden müsse Polen verlassen und mit dem Rest müsse ein strenges Regiment geführt werden, denn unter de: Pilsiid.ski-Regirnc seien die Juden anmaßend geworden. Die Ausführungen des Redners wurden vom Vizt marsch all des Sej m, Poll n k i e vv i e /, yurürkgcvra׳ sen. Nachdem sich noch einige rindere Redner gegen die Auflassungen der Nationahlemokraleii gewandt halten, ergrili Innenminister P i c r a e k i das Wort zu einer Jtkl 1• rung, in der er u. a. amfiihrte: ״Ich benutze die Gelegenheit, nochmals von der Tribüne des Parlaments aus festziistellen, daß Gewaltakte individueller oder kollektiver Art, von welcher Seite und aus welch« Gründen immer sic versucht werden sollten, nicht damit rechneu können, von der Regierung geduldet zu werden 11ml ohne entsprechende Bestrafung zu bleiheu. Gleichzeitig muß ich, um Mißverständnissen vor/ubviigeit, erklären, daß auch keinerlei F o r m e 11 d e s R a s s e 11 und א a t i 0 n ali• t ä t e n k a in p f c s geduldet w erde 11. Wir haben unsere staatliche Machtstellung in der Vergangenheit gerade durch unsere Fähigkeit erlangt, mit anderen Rassenelcmcntcn und Nationalitäten, die in Polen wohnten, zusammcn/ulcbcn und sic in den Kreis unserer Staalsidco cin/ubeziehen. Sowohl der Geist unserer Geschichte, als auch Gründe der politischen Vernunft sprechen gegen eine Verpflanzung der Rasscnt 11 coric auf polnische״ Boden, und ich glaube, daß von den politischen Parteien verlangt werden kann, daß sie hierfür mehr Verständnis zeigen, wenn vt sich im Einklang mit dem polnischen Staatsgedankcn beim• den wollen.1‘ Im weiteren Verlauf der Debatte brachte Abg. Dr. Som• morst ein Beschwerden der jüdischen Bevölkerung vw׳ Der Sohn Ein Zufall öffnete einen Nachmittag; hinein konnte, was \volltc. Eine Straßenbahn mähte über den dürr aufgc* sprungenen Orasrand. A11 der Endhaltestelle stand ein Wagen mit Tomaten. Eine Frau saß auf einem Hocker, das Gesicht irn Arm auf der Platte neben der Waage, auf ihrem hoch* ragenden Knoten lief eine Fliege. Der grau wolkenlose Himmel wurde von «ler Hitze noch Bacher über die Ränder des Sieilhmpsgeliimles gezogen. Der Blick endete zur Linken an einem Wald, rechts au einer kleinen Kirche mit spitzem Kaiitentui111. Die Anwesen waren verschieden groß. Die jungen Bäume standen wie Knaben, die anfangen sich des Weinens zu schämen. Die Staudengewächse und Erdbeeren schliefen in vollem Alcm. In einem Lauhcngrundstück sprengte trotz der Sonne eine Frau; die abgeplatzten Lackschuhe stolperteii über den Schlauch; Schweiß auf der verzogenen Stirn riß sie an ihm. Sie wollte den Strahl limlenken, da das Wasser schon in Pfützen stand. MH mühevollem Auge sah sic sieh um. Von der Kirche traf ein dumpfer Stundenschlag herüber. Die Frau zerrte eilig. Ein Seitenweg, uneben mit gelben Pusteblumen. An Beerensträuchern, die durch den Zaun steckten, ein Rasen* flcckcheii. Schatten nirgendwo, aber hier konnte man liegen, die Tomaten sauber wischen und neben die Brote tun und die Tasche unter den Kopf schieben. Spatzen baden Im Sand. Gegenüber ein großes Lnndstiick. Eine Tafel bietet in Kreideaufsehrift Gartenerzeugnisse und Eier zum Verkauf; «lic Buchstaben sind gleichmäßig und vom Quadrat geleitet. Ein kleines Steinhaus, frontbreit die Veranda. Ein Knabe kommt heraus; er zieht einen langen Stecken hinter sich. Die Sandalen schurren. Die dunkelbraunen welligen Haare stellen hoch. Vor dem Rnscnfleck bleibt er stehen. Er trägt einen aprikosenfarbepen Waschanzug, kurz an den dünnen Armen und Beinen. Ein breiter Kopf mit breitem Naschen auf zartem Hals. Und breit scheinen die hellgrauen Augen. Die Unterlippe preßt den Mund zusammen. Nun zieht er weiter. Nach einem Schlaf schlägt der erste Vogel an. In den Gärten sind Menschen. Gegenüber deckt eine Frau den Tisch. Sie kommt nach vorn, piliickt Küchenkräuter, Im Arm den Korb gellt sic. _ Kurze blonde Haare stören sie noch immer. Sie fährt mit der schmalen erdigen Hand durch, wischt dann die Hand an dem Kleid ab. Das Gesicht mit dem groben Kopfgcfügc schneidet mit dem Schatten «ler Backenknochen ab, zwischen den ungleich geschwungenen Brauen eine tiefe Falte. Nach einer Weile reckt sich der Rücken, sie geht mit etwas schweren Beinen hinein, ln der Nähe mochte ein Gewitter niedergegangen sein. Die äußersten Zweige und Blätter schwang es lautlos, schon war es vorbei und ließ Kühle zurück. Den Weg entgegen zogen der Knabe und ein Mann ein Wägelchen mit Einkäufen. Der Mann hatte seine Erzeugnisse zu billig verkaufen, die Stadt* wäre zu teuer einkaufen müssen. Er blieb stehen und zeigte dem Kind auf der Stelle die Fehlerhaftigkeit eines Besens; wie die Borste beschaffen und wie eingesetzt sei. Der Junge rieb mit dem rechten Fuß an «len linken Knöchel, hielt den Kopt zur Seite geneigt und nickte eifrig, die Augen wander* ten.... ein rolschwar/er Käfer, winzige rotsclnvarzc Punkte schoben um ihn und hinter ihm her. Der Zeigefinger des Jungen ging hin..., Finger und Augen wurden von selbst zunickgeholt, Der Mann, der Vater mit derselben breiten Nase, brach ab, lachte, zog den Wagen an und tippte den hingen zwischen die Schulterblätter. Nach einigen Schritten , hörte man einen wortlosen Sang, als oh Holz, vom Fuß eines alten Baumes Klang geworden ’wäre, schwer, viel gemasert, bloß und fest. Eine Ebencnmclodie, weit, in wenigen lang* gezogenen, in sich rückkehrenden Tönen. Ein Spaziergang durch den Abend führte wieder vor das Haus. Dem Klingelnden öffnet der Knabe, das angebissenc Brot in der Hand, Er ruft dem Vater die unangemessen späte Nachfrage nach Radieschen und Salat entgegen. Freund* lieh wird gebeten hineinzukommen. Das Kind schließt ab, springt zu der Mutter. Es wird angewiesen, das Brot am Tisch zu linde zu essen, auch ein zweites zu nehmen. Die Frau sicht kurz herüber und nickt. Der Vater führt durch den Garten, zeigt die schönsten Exemplare. Ob Frau und Kind milarbeiteten? Der Knabe käme" nach seinen Kräften heran, die Frau will huch, ״aber sic soll nicht, darum habe ich die Hiilmer gekauft, sie hält nicht viel aus, inan muß listig mit ihr sein —Er lächelt. Dann sicht er den um einiges größeren Gast an — wie in den Baumschulen die Reihen entlang und zeigt auf einen Baum ״den dal‘‘ und die Hand Ist wieder in der Tasche. — ״Setzen Sie sich eine Viertelstunde zu uns, wir sind viel allein.“ Und der Manu geht voran. Der Junge strahlt. Die Frau steht auf, mit Obstsaft zu bewirten und ruft das Kind an, den Aufgabenrest zu erledigen, da es ihm tags zu heiß gewesen sei. Er will morgen in der Frühe aufdeli« — mit zitternden Händchen zupft er den Vater. Der Vater hängt ihm ein Kirschenpaar über ein Ohr. ״Kami er nio■• Weiten?“ — ״Madie auch das Fenster zu wegen der Mii««׳ und wenn du fertig bist, kommst du Gute Nacht sagen.‘ ihre Stirn wurde immer lichter. — Der Mann verschr.mBr die Arme und sali hinter beiden 11er. Fin Hund beiße vo״ fern einem 1 Iriinkommeiulen entgegen. Die Frau sclztc saj hinzu. ״Ich hätte den Jungen doch morgen früh geweckt־־ ״VC .1111 1111 es dir wünschst, hole ich ihn sofort.'‘ t'r״lcH( die Hand auf ihre Knie: ..Ich habe es nicht verstanden‘ u״* schüttelte den Kopf. Oh das Kind sehr ablenkbar :*״ meinte der Gast. ״Durchaus nicht“, und sie legte Hände ineinander. —- Sie seien doch gewiß nicht vom י"'. — Der Mann erzählte von «ler Cliederjugcml in der ost!1Gu‘• Kleinstadt, und wie er in die Freiheit entwischte.!•Ljc .f’“j von der weiß icli seihst wenig, nur daß sie besser und k|״*‘ ist als Ich —“ ״Vom Land hin ich leider nielit, mm 5P!;.^ gibt es eben nichts zu sagen“, sagte sie frettiullk'hi 'J: Freundlichkeit empfing «len Gast wie jene Trauuitorc, o endlos sielt neuen Toren öffnen.... Das Gespräch dr'1“ sich. Der Boden ist ungünstig, daher war er billivG ‘ kommt gerade schrittweise weiter. ״Rentabel“, _ ntfim ■ Frau, stützt die Arme auf «len Tisch und zieht die ח״יל sammen, ״ist nur die Qualitätsware am Grollstadtranil. ׳' das ist «las Erfreuliche. Dann lohnt cs sich.“ Viel Anstreng .) frißt das Land. Sie können nur wenig von dein, "'1qT bauen, seihst essen. Etwas bekommt der Junge, i׳•n|S A muß in den Boden. Die Frau läßt die Hände hängen, Arme im Scholl. Die Unterlippe fallt den Mund. —! ״ erhebt sich Und bezahlt «len Kauf. Man gellt durch den monddunklcn Garten. Da kommt ein Lichtschein au* F' Haus. ״Das hat er von der Mutter ztnn Geburtstag ■־־ Jahr ist es bald, daher Fiat cs schon Beulen.‘ 1(1 . ״ Stecken eingehängt schwebt ein großer sccblauer Lan 1 Langsam trägt der Knabe ihn, die Stirn vorsichtig R™ die Augen aufgcscliingcn. In der Tür wartet er, 2 ״, Fremde ln den Lichtkreis der Haiiptstraßcniaternc tru ׳ ׳ Kind hält mit beiden Händen die blaue Leuchtkugel Nachtialter fliegen dagegen und wiegen sie. Maxa Harde־■