Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1934)
- Date
- 1934-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jüdische Rundschau Sie schreibt ,־!!!gewandt von der Straße am Tisch, vor sich ein Rechen- und Lesebuch. ״Nun, Sehoschnnah,“ begrübt sie die Schwester freundlich überrascht, ״Du lernst?“ ״Ja, der Vater gibt mir Unterricht.“ ,,Das ist schön.“ Die Schwester freut sieh, mul dann mahnt sie das Kind, den Stift nicht in den Mund zu nehmen und in den verstaubten Brotkasten eine neue Scheibe setzen zu lassen. ״Wo ist die Mutter?" Wir gellen wieder zu einem der hellblauen Höfe. Drei kleine Mädchen spielen dort herum, dreieinhalb-, zwei- und einjährig, alle in zu langen rotschwarz-karierten Kleidern — die Schwestern der kleinen Brot- Verkäuferin. Die Mutter ist nicht da, ihre Augen sind krank, sic mußte zur Augenstation der lladnssah. Die Schwester sieht in das Zimmer; es ist aufgeräumt, ein bimtgesticktes Kissen licjjft als Schmuck über einem Mett. Alter die Kinder sind jämmerlich schmutzig. Wie soll die Mutter sic sauber halten? Der Vater ist in der Jeschiwah, bekommt Chaluekah-Oeld, ,aber das wird nicht mehr sein als drei Pfund für die sechsköpfigc Familie. Die Mutter steht Tag für lag lim zwei Uhr nachts auf, um Brot zu hacken. Die Elfjährige ist zwei Jahre lauzur Schule gegangen; sie schaffte in dieser Zeit drei Klassen, so begabt ist sie. Dann nahmen die Eltern sie heraus; sic brauchten sic für den Brotverkauf. — Die Hadassah-Schwostcr zieht rasch ihre Jacke aus, nimmt Seife aus ihrem Mcdikamcuicn-Köfferchcii, holt Wasser, kauert sich hin und wäscht ein Kind nach dem andern. Tür au Tür mit der Bäckersfamilie wohnt eine andere Frau (in solch einem engen Hot wohnen fünf bis sechs Parfeien neben- und übereinander). Die Schwester geht sie zu' besuchen; auch sie hat ein Kleines. Als sie zuriiekkommt, hat die beleidigte Großmutter, die vom Nachbarort zu Besuch gekommen war, den gewaschenen Mädelclien wcilJc Schürzen um* gebunden. Viele Besudle noch: neugeborene Kinder, denen die Schwc* ster den Nabel verbindet (die Mutter ist seit dem dritten oder vierten Tag nach der Geburt wieder auf den Beinen), kranke Kinder, die die Schwester überwacht und zum Arzt schickt, Frauen, die erst lernen müssen, ihr Kind zu besorgen. Bei einer g a 11 z jungen Mutter steht eine große schöne Frau in einem einfachen hellbraunen Kleid, mit einem geraden Tuch über der Stirn. Sic hat dunkle, angenehme, warme Augen. ״Wer war diese Frau, die so nett hilft? Fine Nachbarin?“ ״Eine Verrückte.“ ״Das kann nicht sein. So sehen Verrückte nicht aus.“ ״Doch. Sic hat vier Kinder geboren und alle vier verloren. Sie kann jetzt kein Kind mehr haben, und in ihrer großen Sehnsucht nach einem Kinde geht sie in jedes fremde Haus, in dein ein Kind geboren wurde, steht neben der Mutter, hilft ihr.“ Wir sind schon miide. Da kommen wir in einen neuen Hof, noch enger als die meisten. Wir gehen eine steile, 1111־ gleiche Stiege hinauf in ein lialbduukies Zimmer. Die Schwester sagt mir iiti Ilinaufgehcii: ״Es ist eine schreckliche Armut.“ In dem Zimmer stellen zwei blasse, barfüßige, licbaussehcmle Mädchen, von vier und sieben Jahren. Eine etwa vierzigjährige, kräftige, kurdische Jüdin, das geblümte Tuchi tun den mit Münzen wie mit einer Haube bedeckten Kopf, kauert breit am Boden. In dem Bett an der Schmahvand liegt eine Frau, elend und fiebrig unter ihrem Kopfputz. Sic spricht nicht, aber sic stöhnt. Manchmal hustet sie. Ihre dunkeln Augen sehen an den Kindern vorbei. ״Sehen Sie, was icli hier habe?“ sagt die Schwester zu mir, und deckt die Decke von dem einzigen zweiteil Belt, einem Kinderbett, auf. ״Zwillinge. Die mußte gerade diese Frau bekommen.“ Die llahyköpic liegen dicht beieinander. Das Mädchen hat ein ruhiges ausdrucksloses Gesicht, der Junge ist noch greisenhaft vcrfaltet. Die Schwester legt die Säuglinge trocken, gibt ihnen eine Wärmflasche, packt sie! ein. Es ist kalt im Zimmer, und die Kinder sind kaum zugedeckt. Die Schwester sucht und sucht in der Trulic; cs ist nichts da, um die Kinder cinzuluillcn. Fiir ein Kind hat die ״Hadassah“ Sachen bereitgestellt, für zwei kann sie cs nicht. ״Früher schickte Amerika; jetzt fast nichts mehr." Endlich nimmt die Schwester eine Wolljacke der Frau. Füße und Hände der Kinder sind kalt. Dann geht sie zu der Wöchnerin: 3h Grad Fieber. Es ist drei Tage nach der Geburt, und die Frau hat eine schwere Bronchitis. Sie hätte ins Krankenhaus zur Entbindung geben können, aber sie wollte nicht. Eine alte Kurdin hat ihr geholten. Sie ist nicht richtig gewaschen, nicht gewickelt. Die Schwester holt sich Wasser, einen Kamm, sucht mühsam ein paar Tücher zusammen, um die Frau sauber zu betten. Als wir Weggehen, liegt die Frau neugowaschcn und gekämmt zwischen geraden Tüchern. Es ist eine langwierige, schwere Arbeit. Die Frau läßt alles wie teilnahmslos mit sich geschehen. ״Sie ist eine, die in sicli hineinleidct; sie spricht kaum, bittet nie,“ Inzwischen hat die Schwägerin, die zur Hilfe gekommen Ist, die hustenden kleinen Mädchen gemessen: sie haben beide; Koche palästinensisch! Ein Kapitel für die Hausfrauen - Praxis Immer wieder wird dem Paläslinawaiulercr ökonomische, berufliche, manchmal auch seelische Umschichtung empfohlen, aber niemals wird ihm der Rat gegeben, sic 11 auch kulin arisch 11 in z 11 s t e 11 e n, wiewohl eine dauernde Magen- Verstimmung infolge geistloser Wciterführting der europä-!scheu Küche in Palästina ebenso deprimierend wirken muß, wie der seelische Katzenjammer, der sich einstellen muß, wenn man endlich erkennt, daß Palästina auch seelisch andere Voraussctzimgen verlangt. Daher zu diesem Thema ein paar Worte und cm paar Ratschläge. F)as Klima des Landes fordert eine ihm spezifische Küche, lind die phantastische Fülle an Früchten und Gemüsen, die dar, Land bietet, gibt jedem die Möglichkeit, sich schnell anzupassen. Mau muß aber _ci11sel1en, daß cs nicht darum gehen kann, die von früheren Einwanderern mitgebrachte russische Küche zu kopieren, wie etwa daran zu glauben, daß die iandesübliche Küche —- die sefardisehc und die arabische — weniger raffiniert und schmackhaft ist als die europäische. Es sei gestattet, aus der großen Menge landesüblicher Koch- Vorschriften einige der raffiniertesten, wahllos heraus• , griffen, zur Nachahmung zu empfehlen: Vor allem Fleischspeisen, wiewohl es sich empfiehlt, die- Selben in der heißen Zeit auf ein Minimum zu reduzieren: Kabäb (arabisch): Hammelfleisch wird gemahlen, mit kleingewiegter Petersilie, oder besser mit Mintc, Zwiebel, Knoblauch, einem, Tropfen Zitronensaft, Pfeffer, dem Gewürz Bhar, aber keinesfalls mit dem der sparsamen Hausfrau so beliebten aulgeweichten Brot gemischt, in längliche Klöße verwandelt, auf eiserne Spieße — vier Stück um einen Gurusch bei den Bassarajungfrauen, den wahrsagend umherziehenden Zigeunerinnen! — gesteckt und über langsamem Holzfeuer gebraten. . . Ebenso ergebt es dem Schaschlik. Dieses wird aber nicht gemahlen, sondern im Gegenteil, in Würfel geschnitten, die mit je einer kleinen Zwiebel und einer ebensolchen Tomate auf dem Spieß abwecliscln. . ,^a J,m c bscniye (arabisch): ist schon weit komp ziertcr. Man brate kleine Fleischstücke in kupferner, flach Pfanne. Dann ein wenig Wasser, worauf schichtweise üb( einander gelegt wird: Zwieheiviertel, Tomatenstücke, grün Pfeffer, gleichfalls in Zweiachtclstücke geschnittene Aubergir Hierauf wird in der Mitte des Ganzen eine Grube ausgeholi Nr. 13.!193 .״ ■3ן holies Fieber. Man lagert sic auf der Bank. Sic liegen ganz still ohne ein Wort, mit klugen schwarzen Augen. Die Acltore war in der Schule eine der lies teil. Der Lehrer lichte sie. Aber die Ellern konnten das Schulgeld (trot/dem inan nur ein einziges Pfund im Jahr von ihnen verlangte) nicht bezahlen. Da mußte das Kind Ihm.aus. D!־r Val er war lauge arbeitslos. Endlich fand er mit I lilfc der I ladassah-Schwester einen Platz als 1111 gelernter Arbeiter. Jetzt verdient er etwa viereinhalb Pfund im Monat. Davon geht ein Pfund fiir Scluildcitzahltiiig ab, ein halbes Pfund kostet die Miele für das Zimmer und den danebeiiiicgetideii Kuchenverschlag. So bleiben drei Pfund für die bisher vier-, jetzt sechsköpfige Familie. Die ״I ladassali״ gibt der Frau Milch, damit sic ein wenig mehr Kraft hat, die Säuglinge zu nähren. Aber wo soll die Kranke die Kraft hernclimeu, 11m zwei schwächliche Kinder hochzubi ingen? Es ist die einzige Mutter, deren Gesicht beim Anblick ihrer Kinder ganz, glanzlos bleibt. Mir geht durch den Kopf: Welche Tragik hat hier mit einer vielleicht glanzvollen, ersehnten Hochzeit begonnen. Und wie zur Bestätigung erzählt die Schwägerin: ״Sic war eine der Reichsten, als wir noch in Kurdistan waren und mein Bruder sic nahm. Sic brauchte den ganzen Tag über nichts zu tun. Nur zu 11 persönlichen Bedienung hatte sie eine Dienerin; <ji<* 1.: sic, schmückte sic, wusch ihr die I iilie. Sie war schön m"1■' Bruder liebte sie. Und jetzt? Als wir nach Erez, Israel 1(1 wollten ihn• Eitern sie nicht gehen lassen; sie sollt,, sie], Cn׳ meinem Bruder trennen. Sie tat es nicht; da verstieße״;5 ״V?1 Eltern. Jetzt sind sie nicht mehr so reich wie früher, aber ,4!,ן noch reich. Und sic liegt hier. Ich habe i 111 Vornuxm , diesmal meinen ganze״ MoiiaUlolm — zwei pf״m1 _ gegeben. Schließlich ist es doch mein Bruder." m'r' Die alte Mutter des Mannes sitzt gleichgültig m;( . nicht guten Gesicht. Die Kinder sieht sie nicht ohne cm Das Schicksal der Schwiegertochter erzeugt in ihr etwas Haß gegen diese Frau. Die Kranke selbst liegt 11ml sich! ״!! Leere. Sie hat sogar aufgehört zu stöhnen. Sie hat wohl Sc|, lauge und immer wieder bis zum tiefsten Bcwußtwerilen rif Grausame ihres Schicksals in sich wiederholt. 'י Schwester Aliuwah geht, um den Arzt für die drei Kranke zu holen. Sie ist traurig: ״Ich habe ein schlechtes Ocfühl!0״! diesen Besuchen. Was kann man am Ernte helfen.“ " M a r g. Turnowsky-P inner (Tibcrias), > p* *ד—ן ןץןין*יך n ן־ף j, k—J Die Einwanderung aus Deutschland Imt in den weiblichen Berufen Palästinas eine gewisse Sättigung, ja stellenweise sogar eine Uehcrfüllimg zur Folge gehabt. Nachstehend soll versucht werden, den gegenwärtigen Stand des Arbcitsmarkt cs und die Aussichten in einzelnen Berufen darzustellen. Von Aerz. t innert und Zahnärztinnen sind eine Anzahl ins Land gekommen. 111 Tel- Awiw siclit man eine Reihe Schilder mit den Namen deutscher Aerztinnen. Auch die Kupath-Choliiii hat einige Acrztiiinen und Zahnarzt innen in den Städten und auf dem Laude angcstellt. Vor einer weiteren Zuwanderung muß daher im allgemeinen abgeraten werden. Das gleiche gilt fiir Apothekerinne 11, fiir die erschwerend hinz.utritt, daß liier die Ausbildung andersartig ist als in Deutschland. Auch in den ärztlichen I lilfsberufen, wie Laborantin, Bakteriologin, R ö!11 - gen 0 login 11. dgl. ist eine Ucbcrfiillung vorhanden, ähnlich wie bei Chemikerinnen, so daß die Aussicht in diesen Berufen als schlecht bezeichnet mul dringend vor neuer Zuwanderung gewarnt werden muß. Ebenso bestehen für aneiere akademische und wissenschaftliche Berufe keine allzugroßen Chancen. N a t i on a I ö k o 11 o 111 i n 11 c 11 stoßen auf die Schwierigkeit, daß sie sich ohne ausreichende Kenntnis der hebräischen Sprache nicht Tag für Tag durch die Zeitung oder den Besuch von Versammlungen, Konferenzen tisw, mit den wirtschaftlichen und sozialen Geschehnissen und Problemen vertraut machen können. Es bedarf also einer langen Wartezeit, um feste Arbeit zu bekommen, und fiir journalistische Betiitigmig bietet das Land einen zu geringen Spielraum. Aclinlieh liegt cs bei S oz i a 1 b e a 1111 i n n e 11 und Fürsorgerinnen, von denen eine Reihe qualifizierter Kräfte ins Land gekommen ist. Zur Mitarbeit an der sozialen Arbeit, besonders unter de״ orientalischen Juden, ist die Kenntnis des Hcbriiisclien und anderer orientalischer Sprachen unerläßlich. Nach Bibliothekarinnen besteht keine Nachfrage. ln den Pflegeberufen bieten sich fiir Krankenscli western geringe Möglichkeiten, wenn deutsche Aerzte Kliniken eröffnen. Erstklassige Kräfte, wie Operations- Schwestern oder gynäkologisch bcstausgcbildctc fiir die Wochenpflege, können vereinzelt Stellung finden. Hier ist die Konkurrenz der von der ״lladnssah“ nach dem hier bevorziigten amerikanischen System ausgcbildeten Krankenschwestern besonders groß. Achiiliches gilt fiir Säuglings- O, wie falsch sind diejenigen berichtet, die den Einfluh der Frauen auf die Entwicklung des Judentums und der Juden gering anschlagen I — Heiftt es doch von den letzteren: Der Sittenreinheit ihrer Frauen hatten sie ihre erste Erlösung zu verdanken und werden sie auch ihre letzte Erlösung zu verdanken haben. Moses Heß ״Rom und Jerinaletm" 1662 i, «•4 Schwester n und Pflegerinnen, die chemo Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen bei best״ Ausbildung und perfekten hebräischen Sprach• k enntnissen Chancen haben, doch kann zur Zmvaiuicrinr nicht geraten werden. Für Hebammen bestellt nur Cja beschränkter Bedarf, der durch die im Lande befindliche;, Kräfte gedeckt ist. Die mit Körperpflege zusammenhängend« Berufe wie Friseuse und Kosmetikerin sind 7ua: zur Genüge vertreten, doch können vereinzelt crslkl,1«i״t Kräfte auf Beschäftigung rechnen, wenn sie neben hehr,lisch wirklich gute englische und französische Sprachkcnntnissc k• sitzen. So suchte kürzlich das erste Hotel in Jerusalem durch die Hitaclulutli C)lei Germania eine jüdische Friseuse, die die englische Sprache perfekt beherrscht. Photographinnen, Musikertnncn und Gym• nastikerinn en sind im Ucbcrfluß vorhanden; sämtlich( Systeme von Dalcroze bis Gindier sind vertreten, vor Zuzug wird gewarnt trotz der Musik, Tanz- und Sportfreudig' keit der palästinensischen Jugend. Für K 11 n s t g c w c r blc• rinnen, nninentlieh Weberinnen, wenn sie nicht nur Entwürfe machen können, sondern auch technisch gut ms■ gebildet sind, zeigen sieh Bescliäftiguiigsmöglichkeiten in der sich entwickelnden Textilindustrie, aber auch nur in besehe!• denem Umfang. Bei den kaufmännischen Angestellten, sofern sie nur Büro-Arbeit verrichten und nur die deutsche Spracht beherrschen, sind die Aussichten äußerst ungünstig. Dagegen sind Verkäuferinnen mit Sprachkciintnisscn, nanicn!• lieh englischen und französischen (Schuikcnntnisse sind unztireichend) sehr gesucht, sowohl in Jerusalem, als auch in Tcl-Awiw, wo ein Luxusladcn nach dem anderen seine Pforten öffnet. Auch Korrespondentinnen und Stcnotvpis tin neu haben unter den genannten Voraussetzungen Aussicht auf baldige Beschäftigung. Das Gebiet der 11 a 1! s w i r t s c 11 a f 11 i c h c n Beruh bietet beste Erwerbsmöglichkeiten fiir wirklich tüchtige, seih■ ständige Köchinnen und Haushälterinnen, nach denen immerwährend Nachfrage besteht, sowohl in Hotelbetrieben und Pensionen, als auch tu? Heime, Massenküchen und auch im Privathaushalt. Hier eine kleine aber nicht unwichtige Einschnltiing: mir stellt eine Köchin vor Augen, die von Zeit zu Zeit in allen Beratungsstellen auftauchte, hei der I I. O. G., hei der Wizo und auch heim Arbeitsnachweis. Sic war tl Jahre in Berlin im Hause eines Rabbiners als Ha®• hälterin in Stellung und trat nun mit den Ansprüchen einer solchen auf. Nirgends konnte sie sich halten, sie stellte immcrni Vergleiche an mit dem Berliner Komfort. Audi die vielen jtitigercti und älteren Mädchen, die, wenn sie nichts anderes finden, eine HaushaHsstelle aimchmcn, bereiten große Schwierigkeiten, Es zeigt sich an ihnen besonders, wie notwendig es wäre, daß jedes nach Palästina auswamlerndc Mädchen liehen ihrem Beruf auch in der Hauswirtschaft gilt ausgcbildct ist. Die ״Wizo“ versucht jetzt durch Koch- und I laiiswirtsciiaftskunc fiir die neuen Einwanderiunen diesem sehr fühlbaren Mangel abzuhclfen. Nach gut ausgcbildeten K o 11 d i t o ri n 11 cn bc• steht Nachfrage, ebenso mich nach K eil n er i nn cn, wow die mit lialhwcich gekochtem Reis, der mit Pfeffer und Bhär durebgesetzt ist, ausgefüllt wird. Ueberdics werden einige Lorbeerblätter, des Ruhmes dieser Speise wegen, in einem kleinen Säckchen, das man bald wieder hcraiisiiimmt, mitgedünstet. Meistens wird das Fleisch nicht als unterste Lage, sondern am Rand der Pfanne arrangiert. Das ganze wird über langsamem Feuer gedünstet. Pila w mit Eierfrüchten, auch nicht schlecht. Man schneidet Eierfrüchte der Länge nach auf, bratet sic in Fett ab, lind bedeckt dann damit den Boden einer breiten Pfanne. (Stets Kupfer oder Ton, weil die Speisen den Geschmack des Gefälles aunchmcn und auch weil es romantischer ist.) Das ganze stellt man dann zur Seite und wendet sich folgender Tätigkeit zu: man bratet gemahlenes Fleisch mit den nun schon üblichen Gewürzen und ein wenig Wasser. Hierauf nimmt man die andere Pfanne wieder vor, legt auf eine Schicht Eierfrüchte eine Schicht Fleisch, dann wieder Eierfrtichl und wieder Fleisch und schließlich nochmals, so daß das Bauwerk drei Etagen hat, worauf man die ganze Angelegciihcit langsam dünstet. C a 11 a v e 11 e i 11 c 11 i cl a (scfardisch); Man ' sucht sich einen hervorragend schonen Blumenkohl aus und nimmt die einzelnen Blumen auseinander; kocht dieselben, bis sie halbweich werden. Hierauf wird das wie oben präparierte Fleisch — ungekocht! — in raffinierter Weise zwischen die Zweige der Blumen gepreßt, das Produkt stark gepfeffert —■ die Schärfe des Pfeffern verschwindet über dem Feuer! —, paniert lind in Gel gebacken, Dies ist aber noch immer nicht der Schluß der Prozedur; denn, wenn jeder glaubt, daß inan die Cannvettn schon essen kann, bereitet man noch saure Sauce und kocht diese Fieischesblume in ihr. Salate. Gewöhnlicher Salat: Tomaten, Gurken, grüne Pfefferschoten, etwas Zitronenschale, grüner Salat wird in ganz kleine Stücke zerschnitten, Pfeffer, Salz, Zitronensaft, etwas Wasser, vielleicht auch Zucker, aber unbedingt Tel!ine — der Satz des Scsamöls, der in den Geschäften erhältlich ist — wird dazugegeben und durchcinandcrgcriihrt, worauf durch den Zusatz von etwas Mintckraut Arabien heraufgezaubert wird. Erbscnsalat: Erbsen zwölf Stunden Im Wasser gebadet, hierauf mit einem Stößel entschält. Sic werden mit Salz und Pfeffer gekocht. Am anderen Ende des Tisches werden einstweilen zwei Zehen Knoblauch gerieben, worauf Oel und Zitronensaft mit ihnen vermählt werden, bis die Masse entsprechend umfangreich wird. Sie wird mit den passiert« Erbsen, die eine Liaison mit Petersilie und gehackter süßer Paprika cingclicn, gemischt. Wenn die Masse kalt geworden ist, nimmt man die Gabel und beginnt zu essen. Süßspeisen. Baklawah: Achtung, Kunststück! Man macht Teig, und zwar aus nichts anderem denn aus Mehl und Wasser: weich« Teig meine ich. Diesen schneidet man in handtellergroß Stücke, welche, jedes Stück für sich, zu S cid cn papief• dimne ausgewalkt werden. Auf einer großen Kupferplattf. welche mit dem dir liebsten Fett eingericbeti wurde, werde« zwanzig bis vierzig Lagen dieses Zigarettenpapierteigs oinandcrgclcgt. Hierauf einen Augenblick Halt! DanipbedecW du die dir nun gegenüberliegende Oberfläche mit etiiM schon vorher bereiteten Gemisch aus gemahlenen Nüssen- Zimnit, dünnstem Zucker und ein klein wenig Fett. Bier®׳ kommen wieder zwanzig bis vierzig Lagen Teig. Hierauf»'1™ das ganze in rliomhenförmige (siehe Geometrie!) Stu« geschnitten, jedes Stück erhält zur Belohnung in der M!® der Oberfläche eine Mandel, wird mit Fett bestrichen u״« gebacken ״ , Qatäyif: Teig aus Mehl und Wasser, so flüssig wie nur möglich, kommt in ein Gefäß, das unten יף Locli besitzt. Durch dieses Loch schüttet man den Tci? ״ konzentrischen Kreisen auf fine grölte, eingefottete K1!|w׳' platte־, die über Feuer steht. Nach einer Minute nimmt man “J tadciidiinnen Nudeln von der Platte, legt sie beiseite. 1™ mischt man Zucker mit Zimnit, holt die Nudeln wieder lief'’ ׳ legt sie, nachdem sic mit dem Zuckcrzinimt in innigste llcmh״Uj gebracht wurden, so parallel wie mir möglich, so daß ף■ von drei bis vier Zentimeter l>11rchmesser entstehen,u mef neuerlich kreisförmig auf die Kupfcrplatte, die sich noch «״יי über dem Feuer aufhält, gelegt werden. Dort werden bis zur knusperigen Bräune gebraten und, 1n Honig g«aUC 1 serviert. Pft{ Burccas (scfardisch): Vier Glas Mehl, ein Ohs r ׳ ein Löffel Backpulver, Salz, lauwarmes Wasser: harter > £ Nebenbei: Topfen mit Eier und einem in Wasser ten Stück Semmel mischen. Dann: handtellergroße Teigsiu auswalken: mit Topfenmischung — oder aber, wenn ״an.( mit Fleisch oder Spinat füllen —, Ecken aufbiegen, atw. Innenarchitektur nicht ausfließt und backen. Diese Su״sp Ist mit Andacht zu essen. Sie ist eine Art von National*[״•״ und kein Mensch, der sie einmal gegessen hat, wird ־׳ vergessen. B.O., Jcmsale״• ׳L