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Jüdische Rundschau · 1934-02-13 · Heft 13 (13.2.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 13 (13.2.1934)
Date
1934-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Umwälzung, die das deutsche Judentum erfahren hat, Mckt sich in einem sehr bedeutsamen Merkmal aus: In der Auflösung der Familie, Kaum eine gibt es, aus der nicht ein oder mehrere Mitglieder in die Welt hinausgewanjcrt vv’iircn. Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, wie ,chr diese Tatsache gerade die Frauen getroffen hat. Und tl1n von mancher Seite der Vorwurf mangelnder Liebe oder g1׳r der der Bequemlichkeit gegen die Mütter erhoben *iirde, die ihre Kinder in noch jugendlichem Alter nach Palästina schicken, dann werden diese Mütter dazu nur jchmcrziich lächeln können. Wissen sie doch ain besten, *.fleh Opfer sie mit dieser Trennung den Kindern gebracht [,allen. Ihre egoistische Zärtlichkeit, die die Kinder fiir sich ji.«;ihren möchte, wandelte sich in selbstlose Liebe, die nur an das Wohl 11 c r Kinder denkt, nicht an den eigenen Verlust. Diese Bereitschaft, sich selbst im Augen• jjlickc der üefahr um des Kindes willen aufzuopfern, ist {[״ oft zu beobachtender Naturtrieb. In diesem besonderen Falle, wo so viele Mütter ihre Kinder nach Palästina *enden, auch wenn sic dem Aufbaugedanken ganz fern standen, ist über diesen Naturinstinkt hinaus eine Sinngebung!11 erkennen, wenn auch die Absicht des Einzelnen davor» nichts weili. Akt der Auflösung des Familienverbandes hn Galutli islrd das Werden neuer Bindtuig in Palästina in hohem Maße gefördert. Diese Jugend, abgelöst vom Elternhaus, von aller!,,jrgerliclt-ir.idition eilen Bildung»־, Berufs- und Lebensform, muß neue Verbundenheit suchen. Aus dem alle verbinden• den Negativen erwächst eine neue Gemeinschaft, der — tin Ocscltenk unserer späten Zeit — ein von Grund auf Ke11-Bcgin״cn gewährt ist. Diese Möglichkeit, daß in unserem;ivilisatimisstndimn, wo schon alles ״besetzt“ scheint, die Jugend eines Volkes alles hinter sicli lassen, aus siel» heraus neu auf,innen darf, ist so phantastisch, daß von allen Völkern vielleicht mir dem jüdischen diese man möchte sagen: Uiwahrschcinliclikeit einer Entwicklung geschehen kann. Die jüdische Frau, die dies Erschütternde: Die Hingabe ihres Kindes an eine ungewisse Ferne, wie es Palästina für sie Ist, mit instinktsicherem Mute auf sich nimmt, ist sich kaum dessen bewußt, an welch großem Werk sie dadurch mithilft. Sie weiß nur, daß sic ihr Kind, wie einst Jochcbcth den kleinen Mosch, dein Strome anvertraut hat, der cs zu freundlichen Ufern tragen soll. Daß dies geschehe, das ist alles, was sie wünscht. Und w׳enn sie Anteil nimmt an dem Geschick Palästinas, dann ist cs datum, weil cs jetzt das Land ihres Kindes ist — nicht, weil cs das ihrer Väter w׳ar. Das ist nur natürlich, und cs gibt kein festeres Fundament, aut das man eine Sache stellen könnte, als den Egoismus. Darum darf auch ein Palästina, dem so viele Eltern ihre Kinder anvcrtraiicn, auch auf ihr Wohlwollen rechnen. Nur ist es so, daß dies allein gerade für Palästina nicht genügt. Die meisten sehen nur das Geschick der Kinder, nicht das des Landes. Wie sic, wäre ihr Kind nach Amerika oder Australien gegangen, auch das Land nur insoweit gc• sehen hätten, als cs für das Wohl des Kindes in Betracht Käme, Von dem, was in Wahrheit dort in Ercz Israel gc• schiebt, ahnen sie nichts — und darum ahnen auch iiirc Kinder oft nichts von der Aufgabe, die ihnen das Schick• sal zugewiesen hat: Mitzuschaffcn an dem Ziel, zu dem die Julien auf allen Straßen der Welt durch die Jahrtausende gewandert sind. Es ist sehr wichtig, daß sie, die Mütter, das begreifen. Ein Palästina, das aufgebaut würde wie irgendein anderes Euiwanilcriingsland, in dem man nur die materielle Existenz, nur Ansehen und persönliche Befriedigung sucht — es lohnte sich nicht, es aufzubaticn. Es darf nicht sein, daß all das unvorstellbare Leiden, daß all die Opfer, all das fast über• menschliche starre Festhalten und Siebbehaupten nur dazu hat führen sollen, daß die Welt, wie sie ist, mit all ihren Irrtüincni und Unzulänglichkeiten, um eine neue Provinz vermehrt wird. Wir müssen diesen Leiden, einen Sinn geben. Vielleicht ist er dies: Daß unser Volk in allen Zeiten und an allen Orten die Schmach des AusgestoBcnscins, Haß, Verachtung und Entrechtung am eigenen Leibe erfahren mußte, um die Kraft zu gewinnen, ein Gemeinwesen aufzurichten, in dem all das ausgerottet sein soll, was wir erlitten haben. Erst im Unglück beweist sich der Einzelne, beweist sich ein Volk. Der Gute wird besser, der Schlechte schlechter in ihm.. Die Jugend, die Palästina aufbaut, entscheidet vor der Geschichte, w welcher Kategorie wir gehören. Sie muß zeigen, soll nkht der Sinn unseres Schicksals vertan sein, daß der schmerzvolle Weg unserer Geschichte nicht umsonst gefangen ist. Darum ist noch nicht viel damit getan, wenn Eltern »erzieht auf ihre Kinder leisten und sie nach Palästina schicken. Sie müssen verstellen, daß es sich nicht darum handelt, dem Einzelnen möglichst viel Erfolg zu erkämpfen, sondern, daß er über den persönlichen Bezirk hinaus eine geschichtliche Funktion zu vollziehen hat. Es ist wichtig Üb diese Aufgabe, daß Mütter ihre Kinder mit Verständnis jWür erfüllen, wenn es glücklicherweise auch den Anschein n»t, als ob der Geist des Landes nach und nach selbst die ״greift, die ursprünglich nur aus egoistischen Motiven dort• ">״ kamen. Vielleicht ist cs darum noch wichtiger für d e Mütter selbst, daß sic erfassen, worum es geht; daß sc 11״״t nur blindes Werkzeug der großen Erfüllung sind, die Wscrm Geschlecht — nach zweitausend Jahren zuteil wd, sondern daß sie eine innere Verbundenheit gewinnen w dem Lebenssinn, ihrer Kinder. Veranstaltungen Daten-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Gruppe Nord west: Am J*־ Februar, nachm. 4,30 Uhr, Arbeitsgemeinschaft: Achad Hnam ״ <fcf tion. Bewegung. In Pension Malamuth, Cuxhavencr Str. 18. “־ Gruppe Nord und Ost: 14. Fcbr., abends 8.30 Uhr, Reise• «rieht am Palästina, Referent«: Frau Dr. Tugendreich. Bei Som- ׳'״״ Roscnthalcr Str. 14. ■— Gruppe Grunewald: 14. Febr, 11'dim, 4.30 Uhf1 Arbeitsgemeinschaft. Thema 1 ״Stärkung de» jüdi- •*en Bewußtseim". Bei Frau Dr. Nußbaum-Frankfurther, Dahlem, 8״"igsmarckstr. 4. Ff*«engruppe de• Wohltldgkelt•• Verein! Aehlm-Weriim und Hach• ״*•*ith*Kalloh E. V. Am 18. Februar, nachm. 8 Uhr, im Restau• Sommer, Berlin, Roaenthaler Str. 14, ordentliche General»«• “««nlung, Frl. Regina Jona* spricht üb«« ״Die leligiüa# Kraft *״״*״ Gebete", 7as ka1!״! #f״״ die Frau für die es Judentums tun? Von Martin Bub er Jm Jahre 1901 hielt der damals 23jährim Martin Buber in einem jMischen Frauenverein eine Ansprache, die, unter dem 1 itcl ״Das Zion der jüdischen trau" in dem zionistischen Organ ״Die Well" veröffentlicht und spater in die 1916 im Jüdischen Verlag erschienene Aufsatzsammiung ,Die jüdische Bewegung" aufgenommen wurde (jetzt Schochen-Verlag), Es mar eine Zelt, wo durch die zionistische Bewegung viele 1■ rauen für aktives Interesse am Judentum wiedergewonnen wurden und die Frage, wm die Bolle der Frau im Volke sei, viele Gemüter bewegte. Wir glauben, daß im Jahre 1933 in Deutschland viele jüdisch* Frauen zum ersten Male ein neues seelisches Verhältnis zum Judentum gewannen haben, und Ihnen werden die 1901 gesprochenen Worte heule etwas zu sagen haben. Wir geben hier nur den Schlußtetl des Aufsatzes von Huber wieder, flled ) ... Größer als die Schuld 11er Jüdin am Niedergang ihres Volkes wird ihr Anteil au seiner Wiedergeburt sein. Denn die nationale Erneuerung kann in ihrem innersten Kern nur von der jüdischen Frau ausgehen. Für ein Volk ohne Land, für ein Volk in der Zerstreuung ist sein Haus der Träger seines Lebens, hn Golus ist das jüdische Haus die jüdische Nation. Von unserem Herde, von dem uns stets das Feuer des Lebens kam, wird uns auch die Erlösung kommen. Die Frau kann im Dienst ihres Volkes Innerlicheres tun als der Mann. Wenn dieser fiir den Ocdankcn der nationalen Einheit wirkt, kann sie aus der Liebe und dem tiefen Oe* mütsverständnis das lebendige Volkstum erneuern. Die Frau hat in ungleich höherem Orade als der Mann die Gabe der wirtschaftlichen Intuition und der wirtschaftlichen Tätigkeit. So kann sie die Ursachen der Juden not erfassen und ihr abzuhclfcn suchen, nicht durch Almosen, sondern durch Volkstaten. Und sie kann dies besser als der Mann; denn es ist ihr eigen, ihr ganzes Herz ciuzusctzcn. Sie kann durch die Wärme des Gemüts und die Frische des Willens, die in ihr ist, die auscinamkrstrebenden Olieder des Volkes wieder ztisammenschlicßen helfen, aus Ihrer Volksliebe kann ein neues Scelcn-Vaterland entstellen. Um dies aber zu können, muß sie sich selbst erziehen. Sic muß erkennen, daß sie nur dann eine ganze gefestigte Persönlichkeit werden kann, wenn sie die Eigenart ihres Stammes hochhält, wenn sie das Jüdische in sich pflegt und entfaltet. In heimatlicher Atmosphäre aufwachsend, wird die jüdisehe Frau auch das Haus und das Familienleben wieder dazu machen, was es einst war: zu einem Mittelpunkte des Lebens, zu einer Stätte der Gesundung, zu einer Quelle immer neuer Energie. Dann wird in der Familie wieder die stille Kraft sich sammeln, die alles Feindselige lachend überwindet. Dann wird die Frau wieder Königin sein, und es wird von ihr heißen, wie von der Frau der Sprüche Salomonis: ״Kraft und Schönheit sind ihr Gewand, und sic freut sich des kommenden Tages,“ Sie wird wieder Anregerin sein und ihren Mann den Weg der Selbsthilfe führen. Sic wird kämpfen und dulden wie die alten Heldinnen. Sie wird wieder Kultur fördern und Kultur vermitteln. Vor allem andern aber: nie wird wieder Mutter sein. Sie wird sich nicht schämen, wenn ihr Kind jüdisch aussleht, im Gegenteil: sie wird stolz darauf sein. Sie wird In Ihr«! Kindern durch sorgfältige Körperpflege, durch harmonische Entfaltung Ihrer Kraft auch den persönlichen Mut und die Spontaneität des Handelns erziehen, deren der Jude so sehr bedarf. Sie wird da» Orundieiden des modernen Juden, das Ucbcrwuchcrn de» Nervenlebens, lm Keim ersticken. Eine gleichmäßige Entwicklung von Geist und Körper wird ihr Werk sein; lebensfroh und IcbcnsmutigderOelst, der kraftcrfiillte Körper willig und bereit, die großen Befehle des Geistes auszuführen. So in einer neuen jüdischen Atmosphäre aufwachsend, im Judentum erzogen und zugleich von der menschlich milden Weisheit seiner Mutter in die Welt eingeführt, wird der Jude der Zukunft zugleich ganz Jude und ganzMcnsch sein ... Wenn ich nun aber zum Schluß alles, was ich gesagt habe, und alles, was der jüdischen Frau noch zu sagen wäre (und cs wäre noch viel zu sagen), in einem einzigen Worte zusammenfnssen soll, so weiß ich kein anderes, als jenes, das in seiner ganzen tiefen Bedeutung nur Frauen verstehen und er» leben können: Liebe. Treue lebendige Liebe zu dem großen Schicksal Ihres Volkes, starke hilfreiche Liebe zu seiner Gegenwart und zu jedem Armen und Unterdrückten Ihres Volkes, der neben Ihnen in dumpfer gehetzter Sehnsucht dahinlebt, hoffende arbcltsfrcudlge Liebe zu Ihres Volkes selbstherrlicher Zukunft, die Ihnen In leuchtenden Träumen erscheint. Solche Liebe allein, in stiller Hingebung geübt, kann der jüdischen Frau Ihre edle Art neu wicdcrgcbcn; aus solcher Liebe der jüdischen Frau allein kann das Zion der Seelen hervorgehen. Und wenn einst aus diesem inneren Zion und seiner Macht heraus das Zionsland zur Wahrheit wird, dann wird unsere Arbeit da drüben, unsere Sprache, unsere Feste, unser ganzes Leben da drüben wird im Zeichen der jüdischen Frau stehen. Denn Kulturideen finden und begründen kann der Mann allein, sie verwirklichen, lebendige fortwirkende Kultur schaffen kann er nicht ohne die Frau. Was bedeutet das aber: Kultur, jüdische Kultur schaffen? Das bedeutet nichts anderes als dies: Wie immer weitere Strecken des einst so saftreichen, nun verkümmerten Heim atsbodens dem Tode entrissen und dem Leben wicdcrgcgcbcn werden sollen, so sollen Immer neue Oe• biete der einst so schaffensstarken, von den Jahrtausenden verwüsteten Volksseele dem Tode entrissen und dem Leben wiedergegeben, den Werken des Lebens wieder zugewandt werden. Solche Kultur des Lebens aber kann nur durch jene Liebe geschaffen werden, die stärker ist als der Tod: die Volks- Hebe der neuen jüdischen Frau. Denn das Zion der jüdischen Frau heißt Liebe. Wege mit der Hadassali - Schwester Wir gehen durch die engen Basarstraßen. Zu beiden Selten, kaum erkennbar zwischen den offenen Verkaufsständen, führen durch blau getünchte Torbögen ungleiche Stufen in enge Höfe hinein. Kinder spielen auf den Oassen, zwischen den Bögen, auf den Höfen. Sic haben europäische, viel zu lanpe Kleider an; ihre Augen sind entzündet; die nackten Beinchcn sind schmutzig. Eigentlich spielen sie nicht. Sic stehen und starren. Wenn irgend etwas Absonderliches geschieht — einer kauft sich einen Schafpelz oder Schuhe — kommt im Augenblick eine ganze Schar zusammen, kritisiert nicht, redet nicht, sicht nur. ״Grüß Gott, Liebling, wo ist die Mutter?“ ״Da.״ Eine rundliehe Kleine zeigt die Treppe herauf. Wir steigen nach oben; eine steile Treppe aus schlecht behauenen schmalen Steinen; die Stufen sind ebenso wie der ganze Hof hellblau übcrtüncht. Die Schwester tritt in ein Zimmer. ״Nun Davidle, was machst Du?“ Mit ihrem lebendigen jungen Gesicht sicht sie den halbjährigen Jungen freundlich an. Das Kind lächelt und die Mutter lacht glücklich. Sie sitzt in der Mitte des Zimmers auf der Erde, mit ausgestreckten nackten Beinen. Unter dem scphardischeti Kopfputz hängen über beide Schultern lange schwarze Zöpfe. Der Kleine Junge trinkt an ihrer Brust. Das Zimmer ist sauber; es ist hellblau getüncht wie der Hof. An zwei Wänden sind schmale Bänke ausgebaut, die dicht mit Polstern belegt sind. In einem Winkel steht ein Bett mit einem bestickten Zierkisscn — ein Tisch an der Wand, einige Stühle. Der Innenraum des Zimmers ist leer. Durch ein Fenster sieht inan in einen engen Holzverschlag mit einem Petroleumkodier. Es ist mittags um zwölf. Das wenige Eßgeschirr isrt schon abgewasehen und weggeräumt. Neben der Frau hockt eine dicke Alte, eine Hand auf dem hohen runden Einholkorb, aus dem Zwiebeln und rote Rettiche iicraussehcii. ״Nun, Sarah, warum kommst du mitten in der Arbeit zum Schwatzen. Geh heim und koche dein Essen.“ Die Alte lacht; sie ist nicht böse. Niemand ist der Schwester Ahuwah böse —■ auch wenn sic schilt, und das tut sic oft. In den strengen Augen bleibt immer ein Schein von Freundlichkcit. Wie eine Mutter geht diese junge Schwester durch die ganze Stadt, sieht alles, lobt, tadelt, schilt, berät, hilft. ״Abu• wah kommt, das ist gut.“ Jeder kennt sie. Frauen kommen auf der Straße zu ihr, bitten sie einen Augenblick hcranzukotnmen. ״Das Kind hat einen Grind auf dem Kopf, was soäl man tun?“ ״Der Junge ißt nur, wenn er gerade will; was ist zu machen?“ Und so weiter. Auch hier muß Ahuwah mit der Mutter schelten: ״Wie oft gibst Du dem Jungen die Brust? ״Fünfmal, alle vier Stunden.״ Die Schwester hat schnell nachgerechnet. ״Du lügst. Du gibst ihm jede Stunde zu trinken, jedesmal wenn das Kind danach 111mH1m111111Hn11H1H11H1mn1111mH11111111M1»11n1111nnmmm11u11H1HnHHM1mtn1Hmm1nH11mmnntNmn1wm1M HäcUHcft -ju verlangt. Du ruinierst dich und tust dem Kind nichts Gutes.“ Die Mutter wehrt sich, aber sie gibt zuletzt zu. Wie kann sie folgen, wenn sic es selbst wollte; der Vater will es nicht. Und wird er das Geld für Gemüsesuppen geben? ״Ich werde mit Deinem Mann reden.“ Wir gehen zum Tor hinaus. Dicht neben dem Torbogen Ist ein schmaler offener Stand, da feilt der Mann an einem Werkzeug. Er repariert Maschinen, Petroleumkocher und dergleichen. Ich bin erstaunt: welch junger, herrischer Mensch, wunderschön trotz einem verdorbenen Auge. Die Schwester sucht vergeblich ihn umzustimmen. ״Sieh Dir meine Kinder an; ich will keine mageren Kinder.“ Während die Schwester mit ihm spricht, ist die Frau hinzugetrden, auf dem Arm das Kleine, an dessen weißem Miitzchen eine aus Goldblech geschnittcnc Hand gegen den bösen Blick steckt. In ihren Rock1 hinein schmiegt sich das rundliche Dreijährige. Die Frau lächelt mich an. Welch schöne Menschen, diese Beiden. Aber die Schwester w׳ird hier nichts erreichen, trotz aller Miihe. Sie erzählt mir: Der Mann ist Marokkaner, die Frau, eine saubere, sanfte Frau, aus einer Jerusalemer sephardischen Familic. Sic wäre leicht zu lenken, aber der Manrt ist brutal* schlägt die Frau, verweigert ihr oft das Geld zum Essen, tyrannisiert sic. — Die Schwester ist traurig; die Frau wird ein Kind nach dein andern gebären und in wenigen Jahren zugrunde ge* richtet sein. Wir gehen in ein a n d c r e s H a u s; cs Ist besser gebaut; die Treppe steigt im Haus selbst auf. Wir kommen in eine drrizimmrige Wohnung von alteingesessenen Sepharden. Die Zimmer sind kahl, aber europäisch'möbliert. Im Schlafzimmer stehen Ehebetten und ein gutes weißes Kinderbett, in dem saubere Kinderwäsche aufgcstapclt liegt. ..Nun, Jacüblc,“ sagt die Schwester im Herclnkommcn, ״in der Wiege?“ Alle strahlen sie au, die junge Mutter, der Großvater, die alte, noch sephnrdisch gekleidete Schwiegermutter, die neben der Wiege hockt und das schmalküpfige Jarüble schaukelt. Aber in Wahrheit meint die Schwester es tadelnd. ״Ihr habt, was nur die wenigen Wohlhabenden haben, ein besonderes Zimmer und ein schönes Bett fiir das Kind. Es ist sauber; ihr könnt cs mit dem Moskitonetz zudecken (es gibt auch Malaria in der Stadt); es ist das beste Ställchen für das Kind, wenn es sich nufrichtct. Ihr ober tut cs in die Wiege und schaukelt cs Immerfort hin und her.“ Die junge Mutter %vird erregt; sie wußte, es ist schädlich; die Wiege ist nicht «inmal von Ihr, eine Nachbarin hat sie geliehen, die Schwiegermutter bestand darauf. Die Schwiegermutter lächelt ihr breites, selbstsicheres Lächeln; das Kind schrie sonst, jetzt ist es ruhig. Und vom Schreien Sterben die Kinder. Sie spricht Arabisch, die Tochter schon Hebräisch. Die Schwester wechselt mit großer Leichtigkeit vom Arabischen zum Hebräischen, und in andern Häusern zum Jiddischen herüber. Hier siegt sie: die Mutter verspricht, das Kind für einige Zeit ln die Hadassah-Stalion zu bringen, damit cs sich ans Bett gewohnt. (Sie hat es nicht gebracht, aber aus Scheu vor der Schwester sich selbst lm Hause durchgesetzt. Die Wiege ist , zurückgegeben, das Kind steht hn Bettclicn, auch wenn es manchmal schreit.) Wir gehen weiter: ein kleiner Brotverkaufsstand. Bn elfjährige» Mädchen sitzt darin. Ihre Hände, Ihr Gesicht, Ihre Zähne sind voll von der blauen Farbe einet Kopierstiftes.; I * י

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