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Jüdische Rundschau · 1934-02-13 · Heft 13 (13.2.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 13 (13.2.1934)
Date
1934-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 :JÜDISCHE RUNDSCHAU Zur Lage In Frankreich Pariser Brief ß. 11. Paris, 11. Febr. 3f. Alexander Stawisky, dessen Namen der jüngste trau* zösische Skandal trügt, ist jüdischer Abstammung. Er wurde )11 einer Vorstadt Kiews als Sohn eines bereits aus dem Juden* tum ausgetretenen Zahnarztes geboren und zeigte seit seiner frühesten Jugend verbrecherische ■Neigungen. Im Alter von 13 Jahren mußte er bereits einer Korrektionsanstalt übergeben werden. Vor dem Kriege nach Frankreich gekommen, geriet er nach kurzer Zeit mit den Strafgesetzen in Konflikt. Seine Spezialität waren Wechsel- und Scheckfälschungen, derart* wegen er oft verurteilt wurde. Br verstand cs jedoch immer neue Gimpel zu finden, die er rupfte. Für eine besonders dreiste Scheckfälschung wurde er zu einer empfindlichen Strafe verurteilt, und mit Hilfe von Komplizen sowie durch zahl* reiche Bestechungen wußte er es so ein zurichten, dal! er, anstatt im Gefängnis zu sitzen, in Freiheit seine Schwindeleien fortsetzen konnte. Seinen größten betrug verübte er in dar Stadt Bayonne. Br fälschte Schuldverschreibungen der, Staats* garantie genießenden, Bnyonner Sparkasse und belicht diese Falsifikate bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften und Finanzinstituten. Der Eitrag dieses Schwindels belief sich auf 700 Millionen Francs. Das Geld vergeudete er in sinnlosen Prasscreicn; er spielte den großen Herrn vor Kellnern und Halbweltdamen und, um vor drohender Verhaftung wegen der früheren Straftaten sicher zu sein sowie um Seine späteren Schwindeleien zu tarnen, liest ach er nach rechts und links: Parteien, Politiker, Journalisten, niedere und höhere Beamte. Faßt man Stawiskvs Lehen und Taten zusammen, so ergibt sich, daß er ein entwurzelter und krimineller Mensch war, der die Dummheit und Schlechtigkeit seiner Mitmenschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszmnitzcn verstand. Doch selbst als Verbrecher war er, im Grunde genommen, nur Durchschnitt. Weder so dämonisch und organisatorisch begabt wie Krcugcr, noch an Gerissenheit auch nur einem Kutisker zu vergleichen. Lin Dnrchschnittsbctrügcr, dein auf einem günstigen Nährboden ein einziges Mal ein ,großer Coup gelang. Der Nobelpreisträger Henri B e r g s o 11, Frankreichs re* präsent«tiver Philosoph, ist gleichfalls jüdischer Herkunft und stammt aus Warschau. Audi seine Kindheit spielte sich in ost* jüdischem Milieu ah. Ausgerüstet mit Gaben des Geistes und Charakters, erklomm er die höchsten Stufen zeitgenössischer Kultur und wurde schließlich, nachdem sein Ruhm in der ganzen Welt verbreitet war, durch die Verleihung des Nobel* preises als der Führer französischen Denkcrhims gekrönt. Was haben Alexander Stawisky und Henri Bergson mit* einander zu schaffen? Wo ist der gemeinsame Neuner, auf den man beide zu bringen vermöchte? Subjektiv sind beide siriusweit voneinander geschieden. Objektiv aber werden sie nicht nur von Antisemiten, sondern auch von Juden zusammengetan. Für die Antisemiten sind sie beide in erster Linie Juden und überdies noch Ostjuden. Was aber sind sie für die Juden? (Es sei liier davon abgesehen, daß es geradezu eine Blasphemic ist, wenn man Stawisky und Bergson in einem Atemzuge nennt.) Als Bergson mit dem Nobelpreise gekrönt wurde, verfehlten alle jüdischen Zeitungen der Welt nicht, «ich dessen( zu rühmen, daß ein Jude für Frankreich den Nobelpreis erobert hat. War mau also auf jüdischer Seite stolz nuf Bergsons jüdische Abstammung, so ist es nur gerecht, daß man sich dessen schäme, auch einen Stawisky zur Volksgcmcin- Schaft zälila» zu müssen. Die Wahrheit ist aber die: Ebensowenig wie Bergson ohne weiteres der jüdischen Gemeinschaft zuzuzählen ist, ebensowenig gehört auch' Stawisky zu uns. Beide sind sie vom Judentum Losgelöste. Nur «laß der eine die besten Eigenschaften seiner Gemeinschaft im fremden Milieu bis zur höchsten Stufe entfaltete, und der zweite die niedrigen Triebe, welche in der Masse vorhanden sind, als fessellos Entwurzelter zum Schaden der Gesellschaft betätigte. Denn es ist nun einmal so, daß stärker als bei anderen Gemeinschaften aus dein jüdischen Volke hcrvorgegangciie Menschen ins Extreme streben. Martin Bubcr und Jakob Wassermann haben diese Ersehe!- nung in den klassisch gewordenen Worten über die ״Polaritat“ des Juden zum Ausdruck gebracht. Was aber sagt die französische öffentliche Meinung dazu, daß sich der große Bayoimer Skandal an einen jüdischen Namen heftet? Wir sind hellhörig und empfindlich und würdm stärker als andere jüdische Richtungen auimerken, wenn die Affäre Stawisky zum Anlaß und Ausgangspunkt einer bcsonders gegen die Juden sich richtenden Bewegung geworden wäre. Aber ebensowenig wie die französische Ocffentiichkeit bei der Verleihung des Nobelpreises an Bergson davon ein besonderes Wesen gemacht hat, daß Bergsonl ein Jude ist, ebensowenig hat man in Frankreich auch nur im geringsten darauf hiugewiesen, daß Stawisky von Juden stammt. Erst in der letzten Zeit hat ein neu begründetes antisemitisches Organ 1״ ’ A n ti j u I f“ die jüdische Herkunft Stawiskys betont. Auch einige Rechtsgruppen verwendeten in ihrem Plakatenkampfc gegen die Regierungen Clmitcmps und Daladicr das antisemitische Argument Stawisky. Die Mehrheit der französi* tchen Bürger weiß aber ganz genau, daß Stawisky nicht der Hauptschuldige ist, sondern nur ein Nutznießer einer günstigen Gelegenheit. Der Dtirchscimiltsfranzose kämpft dagegen, daß In Frankreich nicht auf die Dauer ״gute Zeiten für Betrüger“!cinrcißcn. Das Untersudiimgsvcrfahren in Jaffa Jaffa, 8. Februar. (J. T. A.) Am 8. Februar wurde die Vernehmung des Arabers Abdul Medschid fortgesetzt. Der Zeuge legte, wie bei der letzten Vernehmung, in dem Kreuzverhör, dem er durch den Verteidiger Horacc Samuel unterzogen wurde, unerschütterliche Ruhe an den Tag. Er erklärte, er habe schon lange vorher seinem Verteidiger von dem Antrag Stavskys und Roseiiblatts Mitteilung gemacht. Der Anklagevertreter, Kommissar Shitreet, legte dem Gericht die am 22. Januar von Abdul Medschid abgegebene Erklärung vor, irt der dieser sein Geständnis 7.11 rückzieht. Seit der Vernchmung Abdul Medschid« legen die arabischen Kreise für das Verfahren, dem sic bisher fast keine Beachtung geschenkt hatten, großes Interesse an den Tag. Eine, außerordentlich große Zahl von arabischen Journalisten, die früher über die Morduntersuchung nicht berichtet hatten, war bei der letzten Verhandlung anwesend. Der arabische Anwalt und Führer der Unabhängigkeitspartet, Aunl Bey Ahdul Hadi, erklärte sich bereit, die Verteidigung Abdul Medschids zu übernehmen. k-'i י■ . -■ bla, w. 1s; T' ץ» ^״. ץ ־, ן, / ן. AtINCV PÖft. ,1 10. Telephon! J 3 £ V7 18 W Melnckcstr, Postscheckkonto 1' Berlin Nr. n ן־ץ■ *1 PALCITINB Bismarck 7165/70. 167 08. Unter dieser Rubrik werden regelmäßig die Mitteilungen des Palästina-Amtes Berlin veröffentlicht werden, die bisher an verschiedenen Stellen des Blattes zu finden waren. Sprechstunden! für sämtliche Abteilungen täglich mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag von 9</j bis 12 Uhr. Es wird gebeten, diese Sprechstunden genau cinzuhnlten. Schriftliche Anfragen sind stets an das Palästina-Amt und seine Abteilungen, niemals au einen einzelnen Beamten zu richten, da hierdurch Verzögerungen entstehen werden. Jeder Anfrage ist zur Deckung der Unkosten eine Auskunftsgcbühr von KM. 1.—* in Briefmarken bdzulegcn. Getrennte Einreise von Familienangehörigen. Das British Passport Control Office macht darauf aufmerksam, daß In* haber von OZcrtiiikateu (Arbeiter-Zertifikaten, bestätigt durch das Palästina-Amt), die aus zwingenden Gründen zunächst ohne ihre Familienangehöiigcii fahren wollen, die Familie spätestens bis zu dem Zeitpunkt nsehkommen lassen müssen, an dem das ihnen erteilte Zertifikat verfallen würde. Daraus ergibt sich für den Empfänger eines C-Zcrtifikates folgendes: Wenn er Familienangehörige nachkomincn lassen will, so muß er dies bereits in dem Augenblick dem Palästina-Amt mittcilen, in dem sein Zcrtiükat bestätigt wird. Das Palästina- Amt wird ihm dann die genaue Frist angeben, innerhalb deren seine A!״gehörigen naebreisen können. Als Beispiel folgendes: Jemand, dessen Zertifikat in diesen Tagen bestätigt wird, muß seine Familie spätestens bis zum 3(1. Juni 1934 reisen lassen. Palästinensische Staatsangehörigkeit. Der Erwerb der palästinensischen Staatsangehörigkeit durch Naturalisation ist nur legalen Einwanderern möglich. Von den drei dem Gesuch unmittelbar vorangegaugenen Jahren muß der Antrag- »steiler mindestens zwei Jahre lang seinen Wohnsitz 111 Palästina gehabt haben. Er muß ferner eine der drei Landessprachen ausreichend beherrschen und die Absicht der dauernden Niederlassung in Palästina nnchweisen. Uchcr den Antrag entscheidet der High Coinmissioncr. Nach erfolgter Naturalisation sind die Naturalisierten, was ihre Rechte und Pflichten 1«ת betrifft, Vollbürger. Die Staatsangehörigkeit der Eliefrau mul der nicht mündigen Kinder richtet sich nach derjenigen des Mannes bzw. der Litern, so daß mit der Naturalisation auch die Ehefrau und die minderjährigen Kinder die palästinensische Staatsangehörigkeit erwerben. Welche Berufe sind aussichtsreich für Paliistina? Welche Bci'iifsumsehichtungsuiöglichkeiteu gibt cs? Welche landwirtschaftliclien Aiisicdlungsmöglichkciteii gibt es? Welche Pflan* zungsgcsellschafteii gibt es? Wie vollzieht sicli die Einordnung in die bestehenden Kolonien? Wie sind die Bodenprobe auf dem Lande? Diese und viele andere Fragen beantwortet die amtliche Informations-Broschüre des Palästina-Amtes Bcrlin ״Al'ijnh“, deren 5. Auflage im Januar 1934 erschienen kt. Der Zolltarif Palästinas in deutscher Sprache ist für den Handelsverkehr mit Palästina unerläßlich. Er enthält samtliehe Positionen in übersichtlicher alphabetischer Reihenfolge, sowie Ein- und Ausfuhrverbote und Beschränkungen, und einen Abdruck des palästinensisch-syrischen Zollabkommens. Konferenz der Jüdischen Genossenschaftsbanken Am 4. Februar trat in Berlin eine Konferenz, der jüdischen Genossenschaftsbanken Deutschlands zusammen. An der Konferenz nahmen Vertreter der Volksbank hvria etimbll. Berlin, Chemnitz, Leipzig, Stettin, der Volksbank Wratislawia Bres* lau, sowie mehrere Herren aus IJeuthcii teil. Die Tagung wurde von Direktor Georg Karcski, Aufsichtsrntsvorsitzeudem der Volksbank Iwria, Berlin, eröffnet. Direktor Karcski ging in seinem Referat u. a. auf den Zweck der Tagung ein: Austausch von Erfahrungen zwecks gegenseifiger Anregung und Abstellung von Mängeln, einen geschlossenen Gcuosseiiscliaftskürper zu bilden zur Schaffung einer Aufsicht«• und Kontrollstelle. Durch den Ausschluß aus anderen Revisionsvcrbiindcn sei dies notwendig geworden. Im Anschluß an das Referat von Direktor Karcski referierte Dr. Lux (Breslau) über die Firmierung jüdischer Genossenschäften. Danach gaben die Vertreter der Berliner, Chcinjiltzer, Breslauer und Leipziger Banka» Berichte über iiirc Geschäftstiifigkeit und die Entwicklung ihrer Unternehmen. Es wurde fcstgcstcllt, daß die heute arbeitenden vier jiidisehen Genossenschaftsbanken eine Gcsamtbiianzsummc von 2 300 000 RM. und einen Monatsumsatz von 12 000 000 RM. repräsentieren. Am Vormittag referierte noch Dr. Boris Silliert, Vorstandsmitglied der Volksbank Iwria cGtnbH., Berlin, über ״Schaffung eines Rcvisionsverbandcs jüdischer Kreditgcnossensciiaften in Deutschland“ und legte cinai Statutenentwurt eines solchen Verbandes der Tagung vor. Die Ver- Sammlung genehmigte einstimmig diesen Entwurf. Für die demnächst 'einzuberufende Grüuclungsvcrsainmlung wurde zur Wahl als Vcrbandsdircktor Georg Karcski vorgcschlagcn. 14. Kartclltag des K.J.V. Am 3. und 4. Febr. fand der 14. Kartelltag des Kartells Jüdischer Verbindungen in Berlin statt. Die Tagung beschäftigte sich mit den durch die Wandlungcn des letzten Jahres im K.J.V. cingctrctcnen Vcrändcrungen. Sic begrüßte die Entwicklung des K.J.V, in Palästina zu einem Bunde, dem angesichts der dortigen Situation besondere zionistische Aufgaben im eigenen Kreise und an der deutschen Alijah erwachsen. Für die Arbeit in Deutschland wurde unter anderem eine Reorganisation der Altherrenarbeit mul ein Zusammengehen in der Nachwuchs- und Haclischaraharheit mit den anderen Organisationen, sowie eine Mitarbeit au den Aufgaben des llcchaluz beschlossen. Fs wurde folgendes Präsidium gewählt: Präside: Salli Hirsch, Vizepriisiile: Kurt Tuchler, weitere Mitglieder: Konrad Jacoby, Georg Hirsch, Hans Sternberg, Willy Jacobsohn, Walter Bluinenfhnl. Mitteilung des K.J.V. Wir veranstalten zu Peßnch eine Gesellschaftsreise nach Palästina, und zwar mit dem Dampfer ״Vuleania“. Die Reise beginnt am 19. März ab Berlin, am 21. März ab Neapel über Athen—Beiruth. Am 27. März erfolgt die Landung in Haifa. Anschließend findet eine zehntägige Gesellschaftsreise statt. Einzelheiten über die Reise gehen aus unserem Prospekt hervor. Wir bitten Interessciiten, sich möglichst bald an uns zu wenden. Das P r ä s i d i u m des Kartells Jüdischer Verbindüngen, Üerlln-Chnrlottenburg, Blcibtrcustr. 50. Warnung für Köln! Wir erhalten folgende Mitteilung: Eine Frau, die sich Frieda Ullinann nennt, in Wirklichkeit jedoch Frieda Zirker heißt, besucht in Köln jüdische Familien, bei denen sie für die ״Jüdische Rundschau“ ohne Berechtigung Abonncmcntsgelder entzieht und sich außerdem als Vertreterin einer im Jüdischen Verlag erscheinenden Rundfunkzeitung ausgibt, sowie ein Modejournal anbietet. Es handelt sich um eine mehrfach vorbestrafte Schwindl*crin in den 40er fahren, klein, untersetzt, verhärmte* häßliches Gesicht, Ränder unter den Augen, Fiachaugcn; sie trägt einen blauen Mantel mit kleinem Pelzkragen, schwarze Halbrchultc. Die Schwindlerin ist der Polizei zu übergeben. Nr. 13, 13. II. 1534 au? ufß«g gc. Der Wejl der er *len Gruppe Am Abend des 12. Februar hat die erste Gruppe der v der ״Jüdischen Jugendhilfe“ durcligriührteii Jugend-Alii!h? nach Airi-Charod geht, Berlin verlassen. ' Im Mittelpunkt aller Erwägungen stand für diese hin׳• Menschen die Frage Ihrer persönlich e 11 E i g n un? Sie halte sich zu erweisen: durch die Fälligkeit, tj’n,.r ,* incinsehaft nnzugehören; ohne äußeren Antrieb zu jcn״T körperlich zu arbeiten. Im ganzen 11.1t die etwa drei Mo■״! währende Ausbilduiijrszrit zu einem wesentlichen Erfolg'1״ führt. Nach «lern Abschluß der Vorbereitung und der Ailsvöm trat eine andere Frage in den Vordergrund: Wann komm״ die Zertifikate? Nunmehr hat die M.uulatsrcgicrung der Im;״ Agency für 6 Monate 350 Zertifikate für Jugendliche ״ Deutschland im Alter von 15—17 Jahren zur Vertu, stellt. Eine Betrachtung der Zusammensetzung dieSe ersten Alijah-Gruppe gibt gleichzeitig einen in die Vielfältigkeit der jüdischen Jugend Deutschland? iih•? haupt. '־ Ostiuden hat die Gruppe wenige. Denn es ן^ן . Deutschland kaum wirkliche ״Ost juden“ in jugendlichem ,״!ן,׳ Ihre Unkenntnisse im Hebräischen z. B. sind eben״׳ frj schreckend wie bei den assimilierten Westjuden. Die jungen Menschai kamen zumeist aus einer streng religiösen Familie sie negierten aber diese Religiosität. 1 Eine besondere Verschknlenartigkelt ist darin begründet daß religiöse und frei erzogene Jugendliche sich für unsere Gruppen melden. Diese Verschiedenartigen ist *in konstanter Faktor in unserer Tätigkeit, mit dem wir rechnen. Die religiösen Jtigcinlhümle haben in ihrer kulturellen und erzieherischen Arbeit Autonomie: so wurde die Fr,ין: in gemeinsamer Beratung gelöst. Die geistige und well,ו■!, schädliche Grundlage ihrer Vorbcrcitungslager"wird von ihn« geschaffen. Die Durchführung ihrer Pläne wird in religiöse Siedlungen vor sich gehen. Die Führer und Erzieher ihm Gruppen werden von ihnen gestellt. Im übrigen aber, b allen organisatorischen und technischen Fragen bilden s|: Gruppen innerhalb der ״Jüdischen Jugendhilfe“ wie alle an deren. Die Gruppe besieht zur Hälfte aus Jugendlichen, deren Elfem die Kosten für den Unterhalt und die Aushiklun; ihrer Kinder während der zwei Jahre ihres Aufenthalt« der Siedlung tragen, zur anderen Hälfte besteht sie am Kindem wenig und ganz unbemittelter Familien. Die Gruppe beginnt mm in Palästina ihren Weg. Die Abteilung zur Ansiedlung deutscher Juden besitzt ein Ressort, das, geleitet von Miss Szold, für ihr Wohlergehen Sorge trägt. 350 Zertifikate sind ein Anfang. Die Bereitschaft der Ried, lungcn Palästinas ist vorhanden. Zwei weitere Gruppen werden In den nächsten Wochen Deutschland verlassen. Eine Mad• chengruppe geht in eine Mädchcnlclirfnrm hei Jerusalem; für eine Gruppe religiöser Jugendlicher sind die Häuser im Kibbuz Rodges itn Entstehen. Aber darüber hin• aus tut die Bewcming in diesen Tagen einen weiteren Schritt vorwärts durch die Bildung zweier neuer Gruppen, umfassend etwa 100 Menschen, die noch im Frühjahr dieses Jahres hin• übergehen sollen. Dr. Adam Simonson. Buefe dw Jlcdcdditot ״Jude als Beleidigung״ Berlin, den 4. Februar IW״ Schriftlcitimg der ״Jüdischen Rundschau“ In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 2. Febniar 1934 ist unter dein Titel ״Jude‘ als Beleidigung" über ein Strafurteil des Amtsgerichts Schweinfurt berichtet worden. Im Anschluß an diese Mitteilung dürfte den Leserkreis der ״Jüdischen Rundschau“ vielleicht folgende Rcininisien! interessieren: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte In Pleß (Oberschlesien) mein Großonkel Abraham Muhr, ein angesehener Kaufmann, hochgeschätzt als Ratgeber der dortigen jüdischen Gemeinden und geachtet von städtischen und Staat■ liehen Behörden. Als Kämpfer für die Ehre der Juden hit Abraham Muhr am 25. September 1836 an den damaligen Preußischen Jusitzminister Mühler ein Schreiben gerichtet, in dem er sich freimütig gegen befremdliche Vorkommnis«! beim amtlichen Gebrauch der Bezeichnung ״Jude“ gewandt hat. Darauf hat Abraham Muhr von dem Minister Mühler die nachstehende Antwort erhalten: ״Ihr Schreiben vom 25. v. M. habe ich soeben rrhnhffl kann Sic nur ersuchen, die Fälle anrureigen, wenn Gerichiibeliorfw oder einzelne Justizbeamte sieh beikommen lassen sollten, sich d« Adresse an den Juden N. N. zu bedienen. So wenig man es *k־h einfallen lassen kann, an den Christen N. N. oder an den Türken N. N. zu schreiben, ebenso wenig würde ich es gutheißen, sieh Adresse an einen Juden zu bedienen. Wo es aufs Glaiibcrsverhült»“ ankömmt, stellt sich die Saejie anders, da ist die Bezeichnung Ja״*• jüdische Religion, ganz an ihrem Platze, und dieser uralte Volk!• namc jedenfalls treffender und ehrwürdiger, als der Mosaische, Alt• testamentarische Glaubensgenosse und wie die Erfindungen der neueren Zeit heißen mögen, deren Gebrauch, weit entfernt, ctwai Höht1״ auMtidrücken, nur verletzend ist, weil kein Jude und überhaupt kti» vernünftiger Mensch je zugclien wird, daß in der Benennung Jv״ etwas liege, was zu iinischroilxui nötig halxrt — V°n ״. glonshaß kann überall nicht die Rede sein: wer dem Glauben Väter oder sonst seiner religiösen Uelicrzcugung folgt lind ein lieber Mann, ein rechtschaffener Bürger des Staates ist, «lern « gehört, bleibt stets chrenwcrth, nur wer kein höheres Moral-Fr®1]’ anerkennt, er nenne sich Christ oder Jude, ist ein Mann, gegen 0!» man weder Achtung, noch zu dem man Vertrauen liegen kann, «״ den man nur zu dulden hat, solange er nicht dem Arm de! י*״ rcchtigkeit verfällt." Berlin, den 1. October 1838 ge«. M 0 El**■ Mit ausgezeichneter Hochachtung Victor Fraenklf Justizrat. Eine Richtigstellung Haifa, d. 5. 2. 34• In Ihrer Nr. 9 Ist eine mich Betreffende Personajnafj>rK:., enthalten, die den Tatsachen nicht entspricht. RicHHC daran nur, daß ich der diesjährige Träger des auf den Na1״ Lord Plumcrs gestifteten arabischen Forschungsst!PCB diu ms der Universität Jerusalem bin; daffrtD habe ich keinerlei Lehraufträge in irgendwelcher Form . der Universität erhalten, ich bin vielmehr Lehrer an 0 Hebräischen Realschule in Haifa. Ich wäre ihnen »*>'■ Dank verpflichtet, wenn Sie die Nachricht freundW״ richtigstellen wollten. Mit hochacUtungsvoIlem ZionsgruU M. Pie«*"*!״־ V Wir hatten die Angabe dem Nachrichtendlcn»* , Agentur entnom!nf£| R<a' f I I t

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