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Jüdische Rundschau · 1934-02-06 · Heft 11 (6.2.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 11 (6.2.1934)
Date
1934-02-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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»3-1 ׳jüdische rundschaü Seite 5 k\\ iw, 1 (In, Pnby.?י'■י H'i, a f t c!tlicii, '■lein. '•Haft,« K'llicf '״ms Seite,!r et. 1 ab. Die > sie arfc, 1s teil, W;,n. : die 1 al<; rio«;,;r l die die Scln|. ii< - eit nt lieh ,st,,!!־ ׳eben so. keine sieh ernis, I an• wird viele vie• II ,'Ute eiletn dein• Iroß. wen• h1i.;e np:>r• Mein von 1t - kunft vcicr rereu :in• Diler• werf'C« Klei. die• idem Oncn im• und W;1tieinen 1111 ch ein• anniiiirr 11 c die der ganz Fm teil* 0711• roll* den und Die opf. in ung. lind *rie• <cn* den tffe* wir• mit- :ilcr in kn• ndc verzu• hie• cj:c c n uns di J,׳• des־ me, zu an er lert adl uf׳ 1״Ä der 11t. icli |0ten ■le. irt. IW Nr. 11, 6. II. 1934 i-j» r ח n /׳:׳ י-! /!ij ^u!,rp: ••■;/?׳. x /1 3,ly v'׳־׳י 1 ״•״ ׳ ״,,.M r \0 W*׳ l י׳*^ ''׳״f L‘ v**' ׳ r! ^**׳ ' | ^י»י"•׳?L ץ־ץ ן J V Ksß ^n—!מחן ך#1 T3׳ ך; Ein Tatsachenbericht Sinnvolle Berufsausbildung Das wichtigste Ziel des Hcchaluz ist die Heranbildung möglichst zahlreicher landwirtschaftlich vorgcbiklctcr Menschen für Palästina. Dementsprechend stehen die landwirtschaftlichen Berufe an erster Stelle. Schätzungsweise sind von allen auf Hachseharah befindlichen Chaluzim etwa »/, bis 5־/י in handwörtlicher Ausbildung. Um eine Zahl zu nennen: in der Provinz Brandenburg mögen cs etwa 200 sein. Die Berufe, für die eine Ausbildung erfolgt, sind nicht planlos und willkürlich herausgegriffen, sondern sie richten sich nach dein tatsiiriiliclicn Heilt׳!rf der palästinensischen Wirtschaft. Bel der lebhaften Bautätigkeit im Lande sind cs vor allem Maurer, Bau• tiscltlcr, Bnitsclilosser, Fassndcnmalcr und Rohrleger, für die ein ausgesprochener Bedarf bestellt. Auch Fliesenleger und Brunnenbauer — uin einige weniger bekannte Berufe zu nennen — werden In f rez Israel ״gefragt“. Hingegen wäre eine Ausbildung fn anderen Berufen, etwa ah Optiker, Feinmechaniker, Uhrmacher u, dgl. nicht zweckmiiBig, da wir es vorerst in Palästina nicht mit einem normalen Wirtschaftskörper, sondern mit einer Im Aufbau befindlichen Wirtschaft zu tun haben, die einzelne wichtige Gebiete besonders bevorzugt, fiir andere jedoch noch kaum Raum hat. Es ist zudem eine allgemeine Erfahrung, daß sehr viele trotz ihrer speziellen Berufsausbildung nicht ständig in diesem Berufe tätig sein können, sondern zuweilen in Berufen arbeiten müssen, für die zeitweilig ein größerer Bedarf herrscht. Berufseinseitig, keit, stolzes Spezialistentum: das ist nicht die rechte Haltung für Palästina. Dort heißt es vielmehr, stets mit Hand anzu* legen, wo es nötig ist, heute als Facharbeiter Qualitätsarbeit zu leisten, morgen als Gelegenheitsarbeiter mitaushelfen, wo cs gerade nottut. fn den Kwuzoth zumal w׳ird der Hand״ werker zwar seinen Beruf nuszuüben haben, in der Erntezeit je״ doch genau wie alle anderen Landarbeit verrichten müssen. ״Beth Chaluz"‘ llarhscharah unterscheidet sich von gewöhnlicher Berufs■ Umschichtung darin, daß diese nur die Umstellung von geisti* ger auf körperliche Arbeit erstrebt, während in der Hachscliariili der ganze Mensch, in seinem Leiblichen wie in seinem Geistigen, erfaßt werden soll. Bei der handwerklichen Vorbereitung, die fast ausschließlich in der großen Stadt ge• schiebt, ist die hierzu erforderliche Gemcinschaftsbildung mit vielen inneren und äußeren Schwierigkeiten verknüpft. Dennoch fehlt es z. B. auch in Berlin nicht an Gemeinschaftsleben. Fs ist zunächst einmal in lockerer Form vorhanden bei den Chaluzim, die zu Hause wohnen, jedoch ein oder mehrere Male in der Woche mit ihrer Gruppe zusammen sind lind lernen oder geistige Auseinandersetzungen führen. In etwas strafferer form finden wir ein Gemeinschaftsleben im Bcth Chaluz, dein Chaluzhclm, das ähnlich wie die Kibbuzim auf dem Lande eine Lebensgemeinschaft ist. Es gibt vier derartige Heime in Berlin, in denen mindestens etwa 80—90 Menschen wohnen. Ein solches Beth Chaluz macht den Eindruck einer festen Inneren Geschlossenheit, die vor allein daher rührt, daß in ihm *ich die Mitglieder eines bestimmten Jugendbundes zusammen״ finden. Die Gemeinschaftskasse ist im Beth Chaluz der stärkste Ausdruck der genossenschaftlichen Einstellung. Sogar einzelne Wäschestücke wie Handtücher nsw. sind gemeinsamer Besitz. Jeder muß seinen Verdienst oder seinen Zuschuß abgeben. Aber so ausgeprägt wie In einem ländlichen Kibbuz scheint trotz alledem der Geinelnschaftscharakter nicht zu sein. Daran tlnd nicht nur die Ablenkungen der Stadt schuld, sondern fast jeder hat liier noch Soiulerpflichten, dieser hat eine Gruppe zu leiten, jener hebräischen Unterricht zu geben, ein dritter da und ein vierter dort zu tun. Einmal in der Woche ist Ssidiah; außerdem wird viel Hebräisch gelernt. Aber wirklich eng zu״ s,mimen ist man doch nur am Freitagabend. Manchmal erstreckt sich dies Zusammensein auch auf den Samstagabend und Snnntagmittag. Man könnte es so zusammenfassen: im ländlichen Kibbuz ist Gemeinschaft Leben, im städtischen Beth Chaluz Gesinnung. Die AHcrsschichttmg reicht vom 17. bis zum 25. Lebens-!•ihr. Die meisten befinden sich um die Wende des 20. Jahres. In einem bestimmten Beth Chaluz z. B. beträgt das genau errechnete Durchschnittsalter 19 Jahre. Fast alle stammen aus bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen Verhältnissen; sehr viele haben die höhere Schule, auch bis zur Reifeprüfung, absolviert. Sie alle sind zwar durch die Bundcsarbcit seit langem geistig auf die Umstellung vorbereitet; dennoch scheinen sic nocli lange nicht innerlich damit fertig zu sein. . Der Aufenthalt In einem Beth Chaluz ist entweder freier Wille oder eine soziale Notwendigkeit. Ohne Werturteil sc! festgcstclH, daß die befragten Chaluzim nur noch eine schwache Bindung zum Elternhaus haben, daß einige freimütig er• klärten, daß sie nur ungern nach Hause gingen, um dort einen Besuch abzustatten, und daß die meisten eine längere Trennung von der Gruppe als schmerzlich empfinden. Der Auflockerung alter Bindungen stehen positiv neue Bindungen gegenüber: an die Gemeinschaft, au die Idee, an den Beruf, an die künftige Heimat. Ein neues Lebcnsgcfünl Ist hier zweifellos entstanden; und damit ist eines der wesentlichen Ziele des Beth Chaluz 'Hüllt: nämlich die gesellschaftliche Erziehung in einem bcsonderen jüdischen Geiste. ungen berichten In den späten Stunden, nach Feierabend, bietet sich *elcgcnhcit, mit einigen Chaluzim zu sprechen, die über iure!'beit einiges mitteilen. Auf dein Bcttrand sitzt der junge tascliinenbauer und näht an einigen Wäschestücken, /.wischen• urch berichtet er sachlich, daß er die Schule bis Obertertia csUcht habe und, da er technisch begabt ist, 111 eine grolle Insel inenfabrik in die Lehre gegangen sei. In etwa? Monaten >t seine dreijährige Lehrzeit um. Fr. hat offensichtlich rrcude 9 seiner Arbeit, behauptet jedoch, daß er von *cm'״ זr' PHlnglichen Idealistischen Auffassung von der Arbeit ab-!*kommen und jetzt ganz auf ״Feierabend eingestellt sei. ״r 17jährige Junge ist ״unromantisch“ geworden. . . Fast gar keine Beziehung zu seiner Arbeit hat einer, der äaler wird. Früher Kaufmann, ist er durch Zufall zu wem leruf gekommen, well sich nichts Besseres fand. Aber mit nc* l'lstcriing spricht er von der landwirtschaftlichen Hachscna- *h, die er jetzt fn Ungarn durchmachen will. Ein Junger Mensch, der mit der Jugend-Alljah nach Er« «,lei geht und dort in einer Baumachule ureiterlernca will! 1F1V hohen vor einigen Wochen tn einem größeren Aulsalz Oh er die Fragen der landwirtschaftlichen Beruf sumschichhing für Palästina berichtet (siche ״Jüdische Rundschau" Nr. 101 vom 19. 12. 31). Wenn auch die Vorbereitung für ein!■eben der landwirtschaftlichen Arbeit ln Palästina im Mittelpunkt der Cbaluzbewegnng steht, so darf doch nicht übersehen werden, daß auch die Vorbereitung für städtische, insbesondere handwerkliche Berufe für die Eingliederung der jüdischen Jugend in das palästinensische Arbeitsleben von großer Wichtigkeit ist. Aus diesem Grunde ist einer unserer Mitarbeiter beauftragt worden, Eindrücke bei dm städtischen Chahngruppen In Berlin zu sammeln und auf Grund dieses Materials über die Frage der städtischen und handwerklichen llachscharah zu berichten. (Die Red.) hat hier mit Unterbrechungen sich dem Gärtnerberut gewidmet. Infolge vieler Konflikte hat er schon ein recht bewegtes Leben hinter sich; aber die Lust an Abenteuern scheint in ihm nicht gering zu sein. Einer, der früher 5 Jahre lang als Bankbeamter tätig war, hat bereits eine anderthalbjährige Voiontärzelt als Bautischler hinter sieh. Er bat bei einem nichtjüdischen Meister gelernt und sagt, daß er ihm viel beigebracht habe. Ein anderer Chaluz ist seit 5 Monaten In der Ausbildung als Möbeltischler; er wird I1/» Jahre lernen. Außer ihm sind bei seinem Meister noch zwei andere Chaluzim in der Lehre. Er berichtet, daß sie die Pausen zur Kulturarbeit benutzen. Es muß ein merkwürdige• Bild sein, wenn auf dem Bau während der Mittagspause, Inmitten der anderen Oesellen, die drei jüdischen Lehrlinge jüdische Oeschichte lernen. Mädchen erzählen Nicht minder nüchtern und unromantisch geht es bei den Mädchen zu. Sic erzählen schlicht und illuslonstos und machen über ihre Pflichterfüllung nicht viele Worte. Zw ei Mädchen in einem Beth Chaluz erlernen das Schusterhandwerk. Die eine ist mit Obersekundareife von der Schule abgegnngen und wird etwa anderthalb Jahre lernen, Die an• derere war früher Kindergärtnerin und war bereits auf landwirtschaftlicher Hachseharah in Dänemark. Beide finden ln der Arbeit viel Vergnügen, manuelle Schwierigkeiten haben sie nicht. Ein Mädchen wird Tiscblcrin. Von ihrer 2jährlgcn Lehrzeit hat sie schon bald ein Jahr hinter sich. Sie hat diesen Beruf gewählt aus Freude an der Handarbeit. Auf dem Bau arbeitet sie wie jeder andere mit; die anfänglichen Neckereien seitens der Gesellen haben sich bald gegeben. Ihr weiblicher Stolz ist aber gekränkt, wenn ihr als lob gesagt wird; ״Du machst es so gut wie ein Junge.“ Nein, sic macht es so gut, weil sie sich Mühe gibt, In einer Diätküche zu lernen, scheint gar nicht so einfach zu sein, wie es sich anhört. Ein Mädel, aas schon die landwirtschaftliche Vorbereitung durch gemacht hat, glaubt in der Diätküche besonders wichtige Kenntnisse für die Kwuzah zu erwerben. Wesentlicher als die praktische Ausbildung ist die Theorie: Chemie, medizinische Grundbegriffe, Zusammen• hänge zwischen Ernährung und Krankheiten und derlei Dinge müssen gelernt werden. An diese theoretische Schulung wird sich dann eine längere Praxis ln Irgendeinem Helm an• schließen müssen. Anscheinend nicht sehr gern arbeitet ein anderes Mädel in einer Massenküche. Sie hat dort das Masscnkoclien gelernt, das für die Kwuzah ja von großer Bedeutung Ist. Sie sagt: nach Erledigung des Tagespensums habe sie aas Gefühl. Ihre Pflicht getan zu haben. Das heißt: es fällt ihr schwer, anends im Beth Chaluz eien enderen beim Kochen oder Abwaschen zu helfen. Ein Mädchen befindet sich seit 2 Monaten auf hauswirtschaftlicher Hachseharah beim Friedhof Weißensee, wo sic für die dort als Gärtner beschäftigten Chaluzim die Küche bc״ sorgt. Sie erzählt, daß ihr «las selbständige Einkäufen beson* der« viel Freude mache, weil dadurch ihre Arbeit einen ausgeprägten individuellen Charakter erhalte. Einer anderen Chaltizah war die Gärtnerei zu eintönig, weshalb sie sich auf eine Geflügelfarm begab, um dort zu lernen. Sic geht sehr gern mit Tieren um und schwärmt ge« r ade zu von der Schönheit und Lebendigkeit ihres Berufes, Tiere zu füttern, ihre bekömmlichste Nahrung auszuprobieren, die Brut aufzuziehen, die kranken Küken zu pflegen — all dies ist ihr nun schon zu einem Lebensinhalt geworden. Wirkungen auf die Umwelt So nüchtern die Erzählungen der Jungen und Mädchen erscheinen und so belanglos sic klingen mögen: es verbirgt sich in Wirklichkeit sehr viel mehr dahinter, als der Uncingeweihte ahnt. Nämlich zweierlei: eine neue Beziehung zur Arbeit und eine sehr wertvolle Wirkung auf die Umwelt. Sehr viele dieser angehenden Handwerker sind bei nicht• jüdischen Meistern tätig. Die Chaluzim werden so zu Reprä• sentanten des neuen jiiclhchcn Menschen. Sie alle fühlen die Verpflichtung, die auf ihnen ruht und strengen sich doppelt an, um zu zeigen, wie leistungsfähig sie sind. Sie lehren durch Ihr Beispiel, durch ihre Arbeit, daß die Beziehungen zwischen Menschen ungleicher Herkunft gut sein können. Die Wirkunen, die so von der Arbeit der Chaluzim ausstrahlen, sind cshalb keineswegs gering zu schätzenj Poalim Die neue Beziehung zur Arbeit wird durch zwei Faktoren gestaltet: durch das chnluzische Arbeiteridcal und durch die Wirklichkeit, in der die Chaluzim stehen. In ihren Reden und in ihren Liedern spielt der Begriff Poalim, d. h. Arbeiter, eine wichtige Rolle. Aber wenn man ei genauer betrachtet, so möchte man doch zweifeln, ob hier Unter Arbeiter das gleiche verstanden wird wie bisher in der europäischen Welt. Ls ist zu bedenken, daß die überwiegende Mehrzahl der Chaluzim aus der bürgerlichen Schicht stammt, die bisher niemals eine enge Beziehung zum Arbeiter besaß. Die Chaluzim stellen vor der Aufgabe, sich von über* koinmenen Vorurteilen freizumnehen und sich eine neue Wertsknla zurcchtznlegcii, Daß dieses Ziel zu einem großen Teile bereits erreicht ist, liegt nicht, wie manche meinen, an dem jugendlichen Enthusiasmus, sondern an der zielbewußten Arbeit der Gemeinschaften, ohne deren stützende Kraft den Einzelnen die Beendigung des Weges schwerlich elungen wäre. Auch die Loslösung von alten Traditionen 011 ntc nur dadurch in so weitgehendem Maße erfolgen, daß die Gemeinschaften gleichsam neue Traditionen bildeten, neue Gesichtspunkte, neue Bewertungsmaßstäbe und überhaupt eine neue Haltung dem Einzelnen vermittelten. Man schuf sich Im Gegensatz zum Herkommen eine Innere Beziehung zur körperlichen Arbeit. Man drang durch eigene Erfahrung in das Wesen und die Werte dieser Arbeit wie auch in die Seele des Arbeiters ein. Aber daß die Chaluzim min Arbeiter in unserem bisherigen Sinne geworden sind, diesen Eindruck gewinnt man nicht. Der Chaluz unterscheidet sich vom Arbeiter dadurch, daß er ln zwei Welten wurzelt: in der Arbeit und im jüdischen Oelst, um dessen Verwirklichung er kämpft. Der Chaluz beschränkt •Ich nicht auf das Körperliche; nach den acht Stunden an der Maschine beginnt für ihn nicht der Feierabend, sondern ein neuer Tag — eine andere Welt. Er lernt, er bemüht sich um Klärung durch Aussprachen, er sticht aktiv in die Oestaltung der Wirklichkeit einnigreifen. Der neue Arbeitertyp, der hier Im Werden Ist, ist in jedem Falle kein ungeistiger. Nirgendwo kann man das Wort ,,Problem“ öfter hören, als wenn man mit Chaluzim zusammen Ist. Da hei wundert man sich immer wieder über die ausgeglichene Mischung zwischen dem geistigen Ernst und der harmlos-ausgelassenen Fröhlichkeit, wie sie besonders zum Oneg Schabbat sich an den Tag wagt. Die sich selbst regulierende Gruppe bestimmt den Zeitpunkt für die Arbeit wie für die Freude. Der deutsche *Haschomer Hazair" Die Kreise und Einzelnen, die sich Im August 1931 zur Oründung des ״Haschomcr Hazair“ zusammenfanden, kamen aus zionistischen Jugendbünden. Der Protest gegen eine ln Konvention erstarrte jüdische Umwelt lag bereits hinter ihnen. Auch das Erlebnis ihres Judeseins besaßen sie schon und Ihre Arbeit war von den zionistischen Erkenntnissen und Impulsen durchdrungen. Zuerst mußten wir uns die Voraussetzung zu einer ruh!- gen uiul erfolgreichen Erziehungsarbeit schaffen. So wurden im ersten Jahr die ideologischen Grundlagen für den dcutsehen Bund geschaffen. Sie mündeten in der Betonung der palästina-zentrischen Einstellung der Bewegung (Golah-Arbcit mir in direktem Zusammenhang mit Palästina, KKL, Hcchaluz, Hebräisch als Aufgabengebiete). Die volle Hebralslerung des gesamten Bundeslebcna schien uns die uns nächste Ziel* Setzung. Die $chomer-(Pfadfinder)-Gebote (Bereitschaft, Wahrhaftigkeit, Naturniiiie, Reinheit, Mut) sind bis heute die Grundlagen unserer Erziehung, deren Erfüllung von allen Achim (Brüdern) vom Jüngsten bis zum Aeltesten gefordert werden. Die besonderen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Jugendlichen in den verschiedenen Alters- und Entwlcklungsstndien führten uns zu der Schaffung altersmäßig getrennter Erzichungsclnhcitcn, den ״Schichawoth" (Schiebten), die das Lebcnszentrum jedes Jugendlichen bilden. Für die Jüiigercncrzlehting führten wir ein System ein, das der besonderen psychologischen Situation dieses Alters gerecht wird und in dem die gefühlsmäßigen Grundlagen gelegt werden, die den Menschen später zu einer vollen Eilt- Scheidung fiir unseren Weg in die Kibbuzim ln Palästina befähigen. Die ״Bne-Midbar“ (Juden der W(lste)-Symbolik beruht* auf dem historischen Vergleich unserer heutigen SItuation mit der jener Juden, die vor über 3000 Jahren die ägyptische Gallith verließen, um sich durch innere und äußere Schwierigkeiten den Weg durch die VtJUte In eine neue Heimat zu bahnen. Die ״Zophluth“ (wie wir das Piadfindertunf nach seiner Umformung ins Jüdische nennen), bildet die Grundläge und den wichtigsten Inhalt der Erziehung der zweiten Schichwah (14—18 Jahre). Besonders drei Dinge betonen wir in ihr: Eine bestimmte menschliche Grundhaltung und Verantwortung, wie sic in den Schomergcbotcn gefordert wird, eine Formenwelt und Symbolik, die dein Jugendlichen entspricht, eine straffe Disziplin, eine bestimmte Ausgestaltung von Fahrt, Lager und Heimarbeit, in der Werkarbeit, Lagerb־u und Naturkunde, erste Hilfe und Pfadfinderspiele gleichwertig neben dem Lernen von jüdischem und allgemeinem Wissen. Der Rund hat Wurzel im deutsch-jüdischen Bodert geschlagen. Während wir in den beiden ersten Jahren alle Kräfte auf die Konsolidierung der drei Ortsgruppen in Berlin, Hambürg und Mannheim, sowie auf die Hachseharah der Aelteren konzentrierten, gelang es uns in den letzten Monaten, weitere Stützpunkte in den großen Zentren des jüdischen Lebens und viele Ansatzpunkte in den kleineren Gemeinden zu schaffen. Die kommenden Monate werden im Zeichen des schnellen Wachstums durch neue Gruppen und des Ausbaus der alten stehen. Aber auch hier weiden wir unserem Grundsatz treu bleiben, nur soviel Menschen aufziinchmen, wie wir mit unseren Kräften fiir unsere Idee voll erfassen können. Der reifste Ausdruck unserer Bewegung ist der Kibbuz (Slcdiungsgruppe), der unseren Vorstellungen gemäß sich aus der Aeltcrcnschaft aller Ortsgruppen unseres Bundes bildet, um die Werte der Erziehungsbewegung im eigenen Leben in Paktstina zu verwirklichen. Die erste Gruppe unseres Kibbuz befindet sich bereits seit einem halben Jahr in Misch m a r-Ha e nick. Im Frühjahr wird sie gemeinsam mit unserer zweiten Alijah in die Moschawah gehen, ln der harten Wirklichkeit der Moschawah wird sie die Kraft unserer ersten Gemeinschaft und die Richtigkeit unseres Weges beweisen, Ernst Fraenkel, fn diesen Tagen hat eine zweite Oruppe jüngerer deutsch* jüdischer Emigranten Frankreich verlassen, um nach Palästina zu gehen. Bis jetzt sind etwa 150 jüdische Emigranten nach Palästina gereist, Ende Februar werden es 300 sein, j t

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