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Jüdische Rundschau · 1934-02-06 · Heft 11 (6.2.1934) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 11 (6.2.1934)
Date
1934-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 jüdische Rundschau Nr. 11, 6. ü. 1934 ץ"*• jr ד״*״"•"׳ץ ךייי""/ ץ־־״־ק *“ <" «י*״»ן ^ייי״•׳-*^ ff* /ך*? ף״? *י"’■ ■׳"יו ץ׳״״ י' ׳^' ^'t j M 1jf j; r 1; j» I (די״:. ■־ י!!! *i Jy. J IkM Im «fij iJ *J ^«4.״.־■״ , S...J L..4 ' V y r<! f™*t f!*'״ ך־־׳י ‘ 1 ,י"'׳ | 4 4.•«!ד L4 ‘v*.- üä D/c Diskussion über die Methoden der beruflichen Umschichtung des deutschen Judentums nehmen einen breiten Raum in der jüdischen Ocffentlichkcit ein. Für den Zionismus sind alle diese Probleme nichts Neues, er hat von jeher den Satz aafgcstellt, daß die Judenfrage nicht zuletzt ihre besondere Schärfe durch die anormale berufliche Struktur des jüdischen Volkes erhält. Aus diesem Grunde be~ trachtete er den Aufbau Palästinas zugleich als ein gewaltiges Werk der beruflichen und gesellschaftlichen Umschichtung. Wenn heute im deutschen Judentum über diese Fragen gesprochen wird und mancherlei Maßnahmen zur Produktivierung der jüdischen Jugend ergriffen werden, so schätzen wir den Wert dieser Aktionen nicht gering ein. Wir wissen aber, daß allen Umsclüchtungsbcmühungcn Grenzen gesetzt sind, die darin liegen, daß auch in den neuen Berufskategorien, die von den Juden ergriffen werden, nur beschränkte Arbeitsmöglichkeiten für sie vorhanden sind. Aus diesem Grunde mündet jede sinnvolle Umschichtungsarbeit innerhalb der jüdischen Jugend zwangsläufig in eine Vorbereitung für Palästina ein und bekommt ihren eigentlichen Sinn erst dadurch, daß sie in den Gtsamtzusammenhang der zionistischen Bestrebungen gestellt ■wird. (Red.) Eltern öe£en Kinder? Hemmnisse des sozialen Umbaus Unter den Fr.,,011׳, die an die Wurzeln unserer Existenz rühren, ist das Problem der iknifsunisdiichtiing vordringlich und in seiner Bedeutung auch nicht bestritten. Dennoch ist es nicht so, daß die Angelegenheit für eine Diskussion ungccignet sei, sondern dem Betrachter drängen sich immer wieder Beobachtungen auf, die zur Kritik Anlaß geben. Wer (ielegenheit hatte, einer Reihe von Sprechstunden in der jüdischen Berufsberatung beizuwohnen, der konnte folgende Erfahrung machen: die jungen Menschen kommen im allgemeinen mit einer wirklich erfreulichen Ent• sclilossculieit. in Berufe hinciuziigchen, denen die heutige öffentliche Meinung, im Gegensatz zu vergangenen Jahren und Jahrzehnten, einen hervorragenden Platz in der gesellschaftlichen Rangordnung einräumt. Bauer werden, ein Hand• werk treiben — das bedeutet beute nicht mehr sich erniedri• gen, herabsteigen in die gesellschaftliche Tiefe oder, ״her• Unterkommen“. Es ist nicht zu verkeimen, daß sich in außerordentlich kurzer Zeit die Wertskala der Be• rufe grundlegend verändert und daß das Volks• \ Bewußtsein sieh entschieden der mamiellcn Tätigkeit zuge• wandt hat. Wir Juden, die wir fast allesamt zur Bürger• 1 Schicht gehörten, haben diese Wandlung nicht nur unter dem Druck der äußeren Ereignisse, sondern den allgemeinen Ge• 1 setzen der Nachahmung und des Massendenkens folgend 1 mit gemacht; und ein Teil der deutschen Juden war durch die zionistische Arbeit, die sich ja seit langem in diesen Ge• dankenbaliiK'ii bewegte, einigermaßen auf die Umstellung vor• bereitet. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Eltern, die sich ei nfa cli weigern, von der Umwertung der Werte und Begriffe N 01i z zu nehme n, und sich mit aller Macht dagegen sträuben, daß ihre Kinder, die in frühe• ren Zeiten ,,selbstverständlich“ Akademiker oder Kaufleute geworden wären, sich mm den verachteten ״unteren“ Berufen zuweiulen. Selbst von Eltern, die ihrem Einkommen nach an der Grenze des Proletariats stehen, sind solche Anschauungen zu hören. Es ist also zunächst festzustcllcn, daß es sich nicht um den Widerstand einer einzelnen großbürgerlichen Schicht handelt, sondern cs geht in Wahrheit um mehr: um den Kampf der älteren Generation mit der jungen in einem bcsonderen Sinne (wobei klar ist, daß nicht die gesamte ältere Generation, sondern mir ein Bruchteil von ihr an diesem Kampfe beteiligt ist). Das Beispiel vieler Eltern, die bereits die Notwendigkeit der Umschichtung begriffen und danach gehandelt haben, beweist allerdings, daß eine Verständigung möglich ist und daß auch die Menschen, die in andersartigen Verhältnissen und Ansichten aufgewachsen sind, sich den realen Verhältnissen zu beugen wissen. Was treibt denn manche Eltern zu ihrer hartnäckigen Ablehnung der Forderungen der Gegenwart? Vielleicht ist es heilsam, sich über die psychologischen Ursachen klar zu werden. Der Schock, den das Judentum durch die Er• eignisse dieses Jahres erfahren hat, hat zwei Reaktionen ausgelöst. Die bewußten Juden haben mit dem Dasein der Scheinsicherheit gebrochen und die Gelegenheit ergriffen, zu einer sinnvollen Existenz zurückzukehren. Die Juden jedoch, die in guten Zeiten sich kaum noch als Juden fühl• ten und nun unsanft an ihre Herkunft erinnert wurden, haben zum größten Teil mit Trotz reagiert. Sie haben das Gefühl, daß sie nach einer langen, oft Generationeil währenden Fremdheit dem Judentum gegenüber nicht mehr zurückkehren könnten; sie ahnen zwar, daß ihre alte Weltanschauung zusammengebrochen ist, aber sie klammern sich an die Reste und hoffen eine Wiederauferstehung. Diese Juden sind im wahrsten Sinne heimatlos. Die Gemeinschuft, in der sie bislang lebten, hat sie ausgeschlossen; und zu der anderen Gemeinschaft, in der sie ein neues Leben beginnen könnten, zum Judentum, haben sie keine seelische Verbindung. Aus dieser inneren Vereinsamung Ist es zu erklären, daß sie zum Mittelpunkt ihres Denkens die Hoffnun g aut eine Restauration des Vergangenen machen, daß sie sich einspinnen in Erinnerungen, daß sie oftmals meinen, es sei alles mir ein Traum, der vorüberziehen werde, und daß ihr ganzes Schicksal eine große Ungercchtigkeit darstelle. An diese Eltern, die sich nicht abfinden wollen, und darüber hinaus auch nicht wollen, daß ihre Kinder sich mit diesem Schicksal abfinden, muß man in dem Bewußtsein der Verantwortung für die kommende Generation appellieren. Wir sind überzeugt, daß die Eltern, die ihre Kinder vor der Berufsumsehichtung ״bewahren“ wollen, es aus innerster Sorge und Liebe tun. Aber sie müssen begreifen! daß Ihre Entscheidüng falsch ist. Nicht der Einzelne bestimmt das Gruppen- Schicksal, sondern das Orttp pen sc hi cks al bestimmt das des Einzelnen. Es ist darum eine falsche Fürsorge, wenn man Kinder vor der Gemeinschaft, aus der sie kommen, bewahren will. Die Gemeinschaft hat zugleich Recht und Pflicht, den Einzelnen zu fordern lind seinen Einsatz. zu verlangen. Verhängnisvoll ist die Täuschung, daß man einer zwangsläufigen Entwicklung entschlüpfen Könnte. Es nützt nichts, vor dieser Tatsache die Augen zu schließen. Unsere Jugend hat instinktiv diese Tendenz erfaßt und hat sich, unbelastet von Ideologien, zu dem einzig möglichen Wege entschlossen. Nur einzelne Eltern noch sind nicht bereit, ihre Kinder diesen Weg ziehen zu lassen, weil sie dieser Weg fremd dimkt und nicht ״standesgemäß". Die Eltern, die wir meinen, sollten sich ernstlich fragen, wie lange noch sie gegen die Zukunft ihrer Kinder handeln w0!icn• Dr. 0. Neu mann. <* Erziehung zur Handarbeit Ein Vorschlag aus der Praxis Die Erfahrungen bei der Arbeit für die NcrufsumschitMun# und. ihre Ergebnisse haben gezeigt, d,1ß wir uns auf di«!'״ Gebiet immer noch im V<׳mmiiv,t.1di11111 befinden, Dir (,j ' wirklich, radikale und piiuzipielle Lösung der |;1age sind ,ן״ןו, nicht die Bedingungen (:•■gclu'ii, die ja zum großen 'ץ,|| aullcrlialb unserer 1' in fii ו Bo! di .1 re liegen. Andern s״ts ist auch das zu behandelnde Mensehenmateriai zu unvorbereitet in diese Situation geraten, daß mau es selbst in die wenigen gebotenen Möglichkeiten nicht ohne weiteres einreihert kann 1 Bmifsumsrhiebtiing ist eben nicht mir Wirtschaftslage 1mA 1 Lclirstclleiivcrmittlung, sondern U in s e h a 11 u n g der ge. 1 samten Persönlichkeit auf völlig veränderte L cb c n s b cd i ״ g u ״ gen. Das ist allein mit Uiitcrhrinoun״ in einer Arbeitsstelle nicht zu erreichen, s Angehörige intellektueller Berufe (Juristen, Bankbeamte Kailflento) werden nicht Handwerker, indem man ihnen eine mehr oder minder ausgedehnte Fachbildung in Lchrstütten und -kursen erteilt. Man muß sich darüber klar sein, <jag die Tätigkeit eines Geistesarbeiters ganz andere seelische und körperliche Funktionen beansprucht als die eines Hand. Arbeiters. Wenn man jahrelang hauptsächlich abstrakte, be• griffiiehe Erwägungen angestellt hat, hat man — um dies einmal ganz bildlich, wenn auch wissenschaftlich nicht ganz richtig zu sagen — andere ״I lirnmuskclu“ trainiert, als wenn man z, B, Gegenstände nach Vorlagen formt und zusammen, setzt. ״Umseliichti-n" bat hier seine wesentlichste finlru• tung, nämlich seelische und körperliche Schichten in Tätig, keit zu bringen, die bisher gar nicht oder wenigstens nicht zusammen gewirkt haben. Ich sehe bei den p s y c 11 ot c c 11 n i s c 11 c n Eignung;. Prüfungen täglich die Schwierigkeiten, mit denen die Pr!!(, iinge zu kämpfen haben. Wie schwer muß es erst diesen in ihren bisherigen Berufen wohlbew,ährten Menschen das Hc^z machen, wenn sie bei allem Eifer und Willen in der Lehre sich abmühen, während neben ihnen der junge Lehrling aus der Volksschule dieselbe Arbeit von Grund ans er• folgrciclier. anfaßt! Während z, B. ein junger Mensch aus; praktisch eingestelltem Familien- und Scluilmilicu eine Schublehre, einen ״Engländer“ 11 sw. schon kennt, muß ein Um• schichtender sich das Instrument oder Werkzeug erst er• klären lassen, ganz abgesehen von dem Mangel an Unbe• fangenheit dem Probieren und Tasten des Lernversuchcj gegenüber, von der so mancher Erfolg abhängt. Hier hat wahre Berufs Umschichtung einzusetzen. Sie muß durch eine konzentrierte Schulung die Entwicklung?• reihe nachholen, die in der Jugendzeit abgebrochen war, als man durch Wahl von Schule und Erziehungsmethode die Vorbereitung auf einen. intellektuellen Beruf vornahm. Zu diesem Zwecke schlage Ich eine Arbcitsschulung vor, I ' die aber noch keineswegs eine handwerkliche Berufsaus• bililung sein soll, sondern einer solchen vorgeschaltet werden; muß, um durch sie überhaupt erst eine erfolgreiche Absolvierung der späteren Lehre zu ermöglichen. Diese Vorschläge 1 sind hcrausgewaehsen aus Beobachtungen, die ich bei den : zahlreichen psychotechnischcn Prüfungen für die Beriifsum• : Schichtung gemacht habe. Aus ihnen ergeben sich drei For• dem n geil: 1. Umschichtung der gesamten psychophysischen Persönlich• | keit für einen völlig veränderten Lebensprozeß. j 2. Arbeitstherapie, um die Betroffenen in der Zeit der eingetretenen Bcschäfligungslosigkeit vor der bekannten Erwcrbslosciipsychnse zu bewahren, die die Wiedcrcin- 1 ־; reihung in den Arbeitsprozeß erschwert. : f 3. Ausgleicbscrz.iehung, um fehlende Teile der Spezialfunk•; j tionen, die für die manuellen Berufe erforderlich sind, - zu erwecken und einzuübcn. , f Es handelt sich also darum, Anlagen zu entwickeln, die |; die Voraussetzung für eine handwerkliche Lehre über• j haupt sind, und ferner eine grundsätzliche seelische Ein• fühlung in Material, Werkzeuge, Wcrkcrlebcn anztimichcn, j " die zugleich den Ersatz für den Verlust im sozialen Schicht• * I Wechsel bietet. I Es würde hier zu weit fuhren, die Methoden dieser Er•! Ziehung im einzelnen zu besprechen. Nur angedeutet sei, I daß es sich u. a. um Schärfung der Sinne, konkretes, an•! schauliches Denken (im Gegensatz״ zum bisherigen abstrakt• 1 unanschaulichen Denken) und entsprechende Ausdriicksfähig• 1 keit handelt; denn die Kunst, sich im technischen Arbeit?• 1 prozeß verständlich zu machen, darf für den Arbeitserfolg! nicht Unterschätzt werden, Heinrich Kuhn. Die Arlosoroff^Mordaffäre Um das Geständnis Abdul Medschids J e ru s a 1 e m, 31. Januar. (J. T. A.). Der Führer der Verteidigung im Arlosoroff-Mordprozeß, Horace Samuel, ersuchte um eine Vertagung des Verhörs um zwei Wochen zwecks Einziehung von Erkundigungen über den Araber Abdul Medschid, der seinen Haftgenossen Issa Darwisch des Mordes an Arlosoroff und sich des Beiseins beim Mord beschuldigt, Polizeirichter Bodilly lehnte das Vertagungsgesuch ab. Daraufhin erkundigte sich Horace Samuel nach dem Namen jener Polizciolfizierc, die Medschids Geständnis entgegennahmen. Staatsanwalt Shitreet erwiderte, es smen dies der jüdische Untersuchungsbeamte Zvi Rosen und Inspektor Shauki Said; die erste Mitteilung habe Medschid einem arabischen Mitliäftling gemacht. Jerusalem, 4. Februar. (J. T. A.) Auf Antrag Horace Samuels bat der Richter am Jerusalemer Ohergericlit, Corrie Baker, verfügt, daß die Tageszeitung ״Davar“ und die Herausgeber zweier von arbeiterparteilicher Seite veröffentlichter Sonderausgaben, in denen behauptet worden war, Abraham Stavsky und sein Verteidiger halten durch Bestechung die Araber Abdul Medschid und Issa Dar wisch veranlaßt, die Schuld an äer Ermordung Dr. Arlosoroffs auf sich zu nehmen, wegen ״Mißachtung des Gerichts“ zur Verantwortung gezogen werden. In derselben Sache wurde der verantwortliche Schriftleiter' der arabischen Zeitung ״Al Dschamea al Islainia“ vorgeladcn. Die Fortsetzung der Vcr״ nehmungen wurde inzwischen vertagt. Vor kurzer Zeit verließ Dr. Johanan Kapliwa: P, .״. u,nc* ß,nß ,״ach Palästina. Er ist Verfasser einer hebräisch geschriebener Grammatiken der semitischen funden h-ih1.?״ dCc f'.ac'lkrcisen allgemeine Anerkennun lunacn haben. So hat er vor vier Fahren eine aral I Grammatik verfaßt, die aber infolge der Krise bis! nicht erscheinen konnte, und vor kurzem eine Gram der syrischen Sprache. Er ist auch der Verfasser von W dwr Kommentm h^d,SM׳"• Epm״e Und einer Ueberse ־u den 1•׳""י"■"׳ Wieder Arbcfferzusammcmio^ Jerusalem, 4. Februar. (J. T. A.) In Petach Tlkwah ist es zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes und derrevisionistischcn Arbeiterorganisation sowie zwischen beiden Gruppen und Polizeiabteilungen gekommen. Mehrere Personen wurden bei den Zusammenstößen verletzt. An■ laß zu den Ruhestörungen waren Meinungsverschiedenheiten über die Zulässigkeit der Beschäftigung revisionistisch organi• sierter Arbeiter in einem Industriebetrieb. Einer Darstellung der Tageszeitung ״Haarez“ zufolge hatten sieb Mitglieder des allgemeinen Arbeiterverbandes vor dem Fabrikgebäude äuge• sammelt und gefordert, daß die dort beschäftigten Re vis io* nisten die Arbeit nieder legen. Ls kam zu Tatlichkeitcn, denen die Polizei ein Ende bereitete. Die Arbeit wird nunmehr unter polizeilicher Bewachung fortgesetzt. Zwölf Personen wurden verhaftet. Die fortwährenden Zusammenstöße von Arbeitern verschledener politischer Anschauung bilden eine höchst bedauorliehe Erscheinung des palästinensischen Lebens. Die Gesinming eines jüdischen Arbeiters sollte u. E. kein Anlaß sein, ihm die Berechtigung, sich durch Arbeit zu ernähren, streitig zu machen. Die jetzigen Verhältnisse bedürfen jedenfalls dringend der Abhilfe. Unzureichende Palästina - Kenntnis In der ״Essener Allgemeinen Zeitung“ vom 2. 2. wird ein Bericht über einen Vortrag, in der Deutschen Kolonialgesellschaft wiedergegeben, den Major Tafel über das Thema ״Palästina einst und jetzt“ hielt. Der Redner, der nach dem Bericht Palästina als Oifi/ier der deutschen Scliutztruppc kcnnenlemte, führte u. a. folgendes aus: ״Wem! das cindringcmlc Judentum auch in stüdtchniilirhrr und kulmivilor Hiiißrlu für die dortigen Begriffe, auf (•rund seiner reichen finanziellen Miltel äußerlich Musterhaften zu schaffen versuchte, so sieht es sich dennoch vor einer unlöslichen Aufgabe: nämlich durch eigener Hunde Arbeit Land m bebauen! Hier versagt der Jude, insbesondere der zuwnndcrnde Ostjuilc, der narb seiner rassischen Eigenart eben Händler und nicht Pionier ist,“ Die Kenntnisse des Redners über den jüdischen Aufbau Palästinas scheinen einigermaßen überholt z.u sein. Von Anfang an war und ist es der Sinn des jüdischen Werkes in Palästina, ein Land durch jüdische Arbeit zu kolonisieren. Der Begriff des Pioniers, des Chaluz, ist geradezu zum Symbol des Zionismus geworden. Keren Hafessod und Erlösung des Bodens Einem jüngst vom Hauptbüro des Keren Hajessod ver• öffentlichten Flugblatt ״Wir bauen“ ist die interessante Tat• Sache zu entnehmen, daß der Keren Hajessod neben anderen Aufgaben auch 260000 Pfund für die Erlösung i ü di sehen Bodens in Erez. Israel ausgegeben hat. von dieser Summe sind 32 760 Pfund dem Keren Kajcmcth Lejisracl zugute gekommen. Der Rest stellt Zahlungen dar, die der Keren Hajessod zur Förderung, Erhaltung und Sicherung der wichtigsten jüdischen Bodcngesellschaften gemacht hat. Der Hauptbetrag von 201603 Pfund ist der Bodengcseltschaft American Zion Commonwealth und ihren Toclitcrgescllschaf• ten zugute gekommen, ein Betrag von 22 233 Pfund für Aktien der Palcstinc Development Company, während der Rest der Erwerbung verschiedener kleinerer Grundstücke durch den Keren Hajessod direkt diente. Die finanzielle Förderung der genannten Bodengcsell• schatten hat wesentlich dazu beigetragen, diese instaiidzusetzen, ihre Aufgaben zu erfüllen, und hat speziell im Falle der American Zion Commonwealth dazu geführt, daß der von ihr und ihren Tochlergcsellschaften erworbene Boden in jüdischem Besitz geblichen ist. Gründung eines zionistischen Grnppenverbandes Am 21, Januar 1934 fand in Karlsruhe eine Tagung der zionistischen Ortsgruppen Badens und Württembergs stad, die ausgezeichnet besucht war. Im Anschluß an ein Referat von Rechtsanwalt Benno Cohn, Berlin, über: ״Die jüdische Situation und die zionistische Arbeit“ wurde die Tätigkeit der nächsten Arbeitsperiode eingehend erörtert. Am Nach• mittag fand nach einem Referat von Dr. Weiß eine Aus• spräche über aktuelle Palästinafragen statt. Die Tagung, die von größtem Arbeitswillen beseelt war, beschloß die Gründung eines neuen zionistische» Gruppen verband cs für Baden und W iirttem■ berg, der die Arbeiten in diesem Bezirk planmäßig und intensiv durchführen soll. Die Zentrale dieses neuen Bezirks soll Mannheim sein. Der Gruppenverband hat seine Ar• beit bereits aufgenommen. Eine Bearbeitung von An-skis bekanntem Schauspiel ״Dybuk* soll demnächst als Oper in der Mailänder Skala zur Uraufführung gelangen. Das Textbuch stammt von dem italienischen Theaterkritiker und MitarbeiterPuccinus, Renato Simoni. Der jüdisch-italienische Komponist Lodovteo K0cc& hat die Musik zu dem Werk geschrieben. Eri״'־rae, .-11 von 3 l

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