Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1934)
- Date
- 1934-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU יי TI יי■' » fc-j ' י— ״—־ r3cr5 ויי!? J t* i k t*• י*־־^ i י .«׳“""ן ךוך*ו י t, , S-11 ״ L- ... i Die Fräste nach den jüdischen Wurzeln der altehrlsttiehen Kunst ist nicht neu. Im vergangenen Jahrhundert bemühten sich <lie Forscher, die Kunst der alten Christen ausschließlich als einen Zweig der heidnisch-antiken zu deuten, wie man ja überhaupt in jener Zeit der Abwendung vom religiösen Ernst zur Ehrfurcht vor dem (ihm/ der ״Kultur*‘ das Christentum gerne ausschließlich als eine Bewegung des spätniitikcii helleuistisclien I leidentimis, nls eine Frueht vom prächtigen Baum der wieder einmal neu entdeckten und tief erlebten antiken Kultur verstanden haben wollte (etwa Sybcl). Der Annahme einer Abhängigkeit der clirisilirlifii Kunst von einer jüdischen, ja der Annahme einer dem Judentum eigentümlichen Kunst überhaupt stand /um,11׳ das Verbot des Zehnworts und die ver• mutete, für spätere Zeilen gültige Art seiner Befolgung durch die Juden entgegen: ,,Nicht mache dir (Sclinitzwcrk noch irgend (icstalt) des, was im Himmel ringsoben, was auf Erden ringsutifen, was im Wasser ringsunter der Erde ist...“. Die Skepsis erhielt aus der Art der jüdischen Altcrtumsfundc Nahrting. Sie zeigten wohl gelegentlich bildlichen Schmuck; der war aber auf die Darstellung symbolischer Gegenstände und Geräte beschränkt, und wenn sich — wie in den jüdischen Katakomben-Malercien in Rom — figürliche Darstellungen zeigten, dann handelte es sich um die rein dekorative Verwertung antik-mythologischer Figuren, wie der Eroten; Mciisclu'nilarstclluiigeii oder gar Darstellungen biblischer Szcneu fehlten vollständig; und gerade die letzteren sind von entscheidender Bedeutung innerhalb der Kunst der alten Christen. Gleichwohl haben seit Beginn dieses Jahrhunderts mehrere Forscher, als erster wohl Str/ygowski, den jüdischen Ursprung der a 11 c h r i s 11 i c 11 c n Kunst mit allem Nachdruck behauptet. Die häufigen alttestninentlichen Motive und der dem Antiken abgewandte neue (leist jener Kunst legten die Vermutung nahe, bis sie in der Untersuchung einer in Paris aiifbcwahrtcn lateinischen Bibelhandsehrift des 7. Jahrhuuderts eine wissenschaftliche Stütze zu finden schien. Diese Handschrift (das ״Asliburnam-Pentatcuch") wies Miniaturen nuf, deren Typen- und Traditcmlarstcllung wegen ihrer angenommenen Verwandtschaft mit syrischen Darstellungen Ntrzvgowskl und anderen mir aus einer jüdischen Vorlage erklärbar zu sein schienen. Dieses Argument und andere verwandte haben sich woldhegrüiulcte Kritiken gefallen lassen müssen. Trotzdem ist die Frage als solche nicht mehr zum Schweigen gekommen. Eine neue Lage entstand, als im Jahre 1919 in der Nähe von Jericho, in Ain Ehik, der Mosaikboden einer Synagoge aus dem 3. Jahrhundert frcigclegt worden ist, der neben Dankinsclmften für die Stifter, dem sicbcnarmigcti Leuchter und dem Tierkreis, zum ersten Male eine biblische Darstellung im nltjiidischrn Umkreis zeigte: Daniel in der Löwcnprtibc; also eines der häufigen Motive altchristlichcr Malerei. Seither häufen sich die Funde dieser Art. Neuerdings tauchen indessen andersartige Funde auf. In der neuen Berliner Zeitschrift ״Geistige Arbeit“ berichtet Walter I. ink über Ergebnisse von Aiisgrabmigsarbeiten, die', wenn sie der kritischen Prüfung standhalten, von außergewöhnlicher Bedeutung sind für die besprochene Frage und für die Kulturgeschichte des Judentums in den ersten Jahr- .hunderten der gewöhnlichen Zeitrechnung überhaupt! Link berichtet über die Ergebnisse der Ausgrabungen, die der russische Archäologe Prof. Rostowzew schon seit 1922 in Mesopotamien anstellt. Ijr hat nun die Lage der alten Stadt Dura-Europa festgestellt lind konnte einzelne Häuser darin freilegen: Das Straflcimelz entspricht den Formen des römischen Der ״ewige Jude״ im Film Conrad Veldt In ״The Wanderin^ Jew" Fs ist schade, da fl hier eine große Gelegenheit ausgelassen wurde. Denn es ist eine Erfahrungstatsache, daß dasselbe Thema selten innerhalb einer gewissen Spanne künstlerisch zweimal zur praktischen Verarbeitung kommt. Schon aus gcschädlichen Gründen. ln diesen Tagen hätte fiir ein jüdisches Thema die Welt- Öffentlichkeit bereite Sinne gehabt wie schon lange nicht. Noch dazu für das Thema von Ahasver, dem ewig aufgescheuchten, umsonst nach Erlösung lechzenden mvthischen Helden symbolischer Volkslegemie. Die ahgründige Tiefe der Sage, die bis in die Unendlichkeit hmcinschattendc Probleniatik der jüdischen Wanderschaft ist geeignet, alle Sinne eines schöpferischen Ilieliter-Meiisclien auf/iiregen. Es gibt auch drei, vier Filmregisseure, die es hätten wagen können, ein halbwegs anständiges Manuskript so mit bedeutungsschwerer Atmosphäre zu füllen, daß der gewaltige Grund des aliasverischen Schicksals wenigstens angelotet worden wäre. In dem englischen Film ״Wandering Jew“, der heute, nicht einmal ohne Erfolg, in vielen Ländern gespielt wird, ist dies in keinem Sinne der Fall, Gezeigt wird die Tat Ahasvers bei der Kreuzigung Christi, und in bunter Folge darauf werden einige Episoden geschildert, die Ahasver als sehnsüchtig den Tod suchenden, ein unerfreuliches Leben führenden Turnierrittcr, sizilianisclien Kaufmann und Angeklagten der spanischen Inquisition in historisch ausstaffierten Bildern vorführen. Früher gab cs einmal im Berliner Zirkus Busch Pantomimen, deren zusammenhanglose, mit Kostiimplunder behängte Szenen mit einem großen Wassereffekt schlossen. Im Film vom ״Ewigen Juden" wird mau sehr daran erinnert, mir daß der Schluß als Feuereffekt, Verbrennung auf dem Scheiterhäufen, in Erscheinung tritt. Nichts wird bewiesen, nichts wird nahegebracht, nicht die leiseste Spur von Gefüllt oder gar Mitgefühl regt sich. Dieser schlanke hagere Herr da auf der Leinwand ist keine jüdische Figur, ist ein aufgeputztes Phantoin aus einer vermotteten Kostiimkamnicr. Es ist schade um die künstlerische Kraft, die Conrad Vcidt, vom Regisseur dauernd zu monumentaler Erstarrung gebracht, in den Hehlen des Bilderbogens hineinpreßt. Er sieht gut aus und hat manchmal Augenblicke einer Intensität, in denen er sogar packt. Aber das sind eben leider nur Augenblicke; der Film aber dauert schließlich zwei Stunden. Manfred Georg. Anläßlich des Verbots religiöser Sendungen im französischen Rundfunk, die im Gefolge der staatlichen Uebernahnie am 1. Januar 1934 verfügt wurde, haben — ebenso wie die anderen Religionsgemeinschaften — der Großrabbincr von Frankreich, Israel Levi, und der Großrabbincr von Paris, Julien WeiII, an den französischen Ministerpräsidenten ein längeres Schreiben gerichtet, in wclchem unter Berufung auf die Grundsätze der Liberalität und Im Interesse der Hörer eine Wiedereinrichtung der religiösen Sendungen gefordert wird. Straßenbaus aus dem dritten Jahrhundert. Eine größere Anzahl von Pergamenten juristischen Inhalts, ungefähr aus dem Jahr 103 v. (ähr., vermitteln interessante Linblicke in das römische Mililänvvscn. Das I lauptcrgchiiis aller Ist die Bloß* Icgiing zweier ״(:nttcsdiensllichrr Gebäude״, von denen das eine clirisilirh, das andere jüdisch ist, Die christliche Kirche muß nach den l!tifcrstichiiiigen E'rolcssor Rostow/e-ws Im Jahre 232 errichtet worden sein; die Funde sind also die ältest e 11 bisher b e k a unten Reste eines K i r ■ c!1 c n b a 11 s in der Geschichte des Christentums. Zahlreiche Frcsho-Malerni'ii an den Wänden, die in ihrem Stil dm Malereim in den Katakomben ähneln, befinden sich In gutem Zu- , stand. Eine besondere Ucberraschung war die F.nfderkiing, daß sich auch in der Synagoge F r e s k 0 - M a t e r e i c n befinden. Zwischen den Fresken in der christlichen Kirche und denen der Synagoge bestellt eine enge Verwandtschaft, woraus Professor Rostowzew die Folgerung zieht, daß die Bikiniskuiist der fnihrluislliclieu Zeit weder selbständig noch unter dem maßgebenden Einfluß der hridiiisch-hellciiistischeii Welt gcwesui ist, sondern daß sic ihre Wurzeln in der Kunst hat, deren Reste in der in Mesopotamien freigetegten Synagoge noch heute festz.ustellcn sind. Soweit der Bericht. (Eine Anzahl der Fresken sowohl aus der Svnagoge nls auch aus der Kirche ist 1m Museum der Yale 1)11 iversitv in New Havcn/tJ. S. A. bereits ausgestellt.) Mart mag manche Folgerungen als zu weitgehend empfinden. Zweifellos wird sich im Anschluß an die Funde und ihre Deutung eine lebhafte wissenschaftliche Auseinandersetzung ansehtielien, deren Ergebnisse ab/uwurten sind. Ueberraschcml und wichtig genug .sind die Funde an sich - cs sind zum ersten!Male Fresken dieser Art gefunden worden — auch für die jüdische Geschichte jener Zeit. Ihre ganze Bedoiitimg für die Entscheidung der Frage nach dem Verhältnis der — nun als״ belegten — alt jüdischen Kunst zur christlichen wird erst deutlich, wenn man sich das Gewicht jener Frage nach dem Neuen der altchristlichen Kunst vor Augen hält. Dazu vergegenwärtigt man sich am besten die Problem- Stellung des bedeutenden Wiener Kunsthistorikers Max Dvorak, der in seinem wegweisenden Essay über die Kunst der alten Christen (jetzt in seinem Buch ,,Kunstgeschichte als Geistesgesehicbte"), die These vom Verfall des antiken gestalferisclien Könnens mit guten Gründen zuriickweiseml, «las Rätsel des Unilmirhs In der Kunst und ihres neuen Stils einleuchtend ans einem neuen Darstellungs w i 11 e n, einer neuen Haltung zu Kunst und Dasein ableitet. Es braucht wohl nicht mehr im Einzelnen auseinandergesetzt zu werden, von welcher Bedeutung es wäre, wenn sich erwiese•, daß auf dem für die geistige Gestalt Europas so entscheidenden Gebiet der christlichen bildenden Kunst (und wohl auch -- wie mit guten Gründen vermutet wird — auf dein der Kirchenmtisik) jener neue, umgcstaltcmle Wille, die neue Geistes- und Lebenshaltung, ein Erbe des Judent u m s war, eine Folge seines nmwnndelmlen Einbruchs ln die antike Welt. Einer der jüngsten Darsteller der altchristliehen Kunst, Wilhelm Neuss, hat in seiner ״Kunst der alten Christen" (1027) den neuen Geist der römischen Christliehen Käfakonibcnmalerci folgendermaßen charakterisiert; ״Sie (die neue Kunst) lebt nicht mehr von einem Mythos, mit dem ein skeptisch gewordenes Geschlecht spielte, sondern von der festen Ueberzciigmig gottgewirkter Taten und gottgegebener Verheißungen.“ Stimmt diese Charakterisierung, dann hat die Annahme der Herkunft jenes neuen Geists in der Kunst aus dem Jüdischen — das dürfen wir ohne Unbescheidenheit sagen — für uns nichts Unwahrscheinliches, M. Sp. Die Problematik des jüdischen Musikschaffens Wir erhalten folgende Zuschrift: Zunächst muß man sich darüber klar werden, was unter jüdischer Musik zu verstehen ist. Unter den großen Musikern finden wir zahlreiche Juden, All diese Musiker haben Werke geschaffen, mit denen die gesamte Musikwclt rechnet. Aber ist diese Musik irgendwie jüdisch, hat sie Eigenschatten, die als spezifisch für das jüdische Fühlen anzusprechen sind? Man hat versucht, den Einfluß nachzuweisen, den jüdische Komponisten auf die Gestaltung der Musikentwickhmg gehabt haben, und wenn auch dieser Einfluß _ keineswegs abzuleugnen ist und speziell in der neueren Zeit z. T. von entscheidender Bedeutung war, — die Tatsache bestellt, daß jüdische Komponisten überwiegend von der sie umgebenden Kultur befruchtet worden sind, als umgekehrt, Dies sind die Voraussetzungen, über welche man sich klar sein muß, bevor man von einer jüdisch-nationalen Kunst spricht. Es ist bereits eine lange Zeit ins Land gegangen, seitdem jüdische Komponisten den Versuch unternahmen, für Ercz-israel eine eigene Musik zu schaffen. Man erstrebte eine Musik, die unabhängig von den Kulturen der Gallith mul eine ausge* sprochen jüdische Physiognomie 1riigt._ Die Musiker, die diesen Weg gegangen sind, waren sich zweifellos darüber klar, wie unendlich schwierig cs ist, dieses Ziel ־zu erreichen. Manche dieser ersten Musiker wantlerten nach Palästina, und sie brachten die Kulturen ihrer Heimatländer mit, die ihnen ja teuer waren, ihnen aber bei der Schaffung eigener Werte hin* dcriiit im Wege standen. Es wäre daher vermessen, zu behaupten, daß das Zie! einer eigenen jüdischen Musik erreicht sei. Wir wissen aber auch, daß ein Ziel vor dem schaffenden Musiker liegt, um das cs zu kämpfen lohnt. Gewiß muß unser musikalisches Werk getadelt werden, wenn es nötig ist, denn nichts wäre verfehlter, als das Mittelmaß zu züchten, «her ein Tadel soll positiv sein, er soll nicht nur sagen, daß nun. es falsch macht, sondern wie man cs richtig machen kann. Hans Baer, Berlin. Kleine Nachrichten In Stettin wurden nach einer Meldung des ״Berliner Tageblattes“ vom 4. 2. die jüdischen Logen besetzt; außerdem erfolgte die Uebergabe־ mehrerer anderer Logen an die NSDAP. Die Uebergabe gestaltete sich reibungslos. Ucber die Verwendung der Gebäude ist noch keine Entscheidung־ gctroffen. Die Kultusgegenstände verbleiben vorläufig im Besitze der Logen. Im Badischer» Gesetz- und Verordnungsblatt wird ein Gesetz, verkündet, wonach in Zukunft die Rabbiner der israelitischen Landessynagogen und ebenso die freireligiösen Prediger keine staatlichen Aufbcsserungszuschüssc mehr er• halten. Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Mattuck fand in London eine Tagung der Leitung des Weltverbandes für das religiös-liberale Judentum statt. Es wurde beschlossen, für den! Monat Juli eine Konferenz, des liberalen Judentums einzuberufen. Für die Hauptaussprache auf dieser Konferenz wurde das Thema ״Judentum und menschliches Schicksal״ ausgewählt. __ Nr-־ ] ^19 ■6.11 יחי Geschäfts-Äcsfhctilf in Tel-Awiw Von Dr. Karl Schwarz, Direktor de» Museums ןזץ.^ . Wer das Strafkuhüd Tel-Awisvs — vornehmlich in 1 ' Geschäftsstraßen, der Ilerzl-, NaH1l.1t Benjamin• und ZUR 1 Straße — mit dem vergleicht, wie cs noch itn ver״'",.(״,״’ Sommer war, dem fallen die vielen neuen <i 1■ s^c in n״ auf, die der Stadt stellenweise ein ganz neues Gepräge 4f,־ Es scheint uns dies das sinnfälligste Merkmal ihres ty•,*11' iums /u sein. Denn die Onuidmig so vieler neuer (icscluo'. bedeutet einen kommer/iellcn Aufschwung, der in 'ז,1,|,זי Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage eine Acm!״״»' ' de» allgemeinen Lebensstandards mit sieh bringt. u״*t I Ganz abgesehen aber von der natioiialökoininischcnScH. I die mau verschieden beurteilen kann, hat das Leben hier h’ 1 ׳ was (trollst,idtlsclu'S beknuiim'ii, Kt das Gesamtbild c|n .0 I wcchslungsrcichcres 11ml astiictisch schöneres geworden, Kj f genannten Straßen waren bereits vorher stark belebt!>! I enthielten die wichtigsten Läden des täglichen Bedarf{, : meistens aber nur kleinere Lotsale mit einfachen SchaukEtoi' : die auf Ausstattung wenig Wert legten. 1 111 den letzten Monaten ist hier ein erstaunlicher ty״, de! cingetrcten, wobei zweierlei besonders auffällig ist• (!jl Ncugriiinlungcn dienen weniger dem täglichen Bedarf!1. dem verwöhnten < i e s c h in a c k. 1 >ic Stadt ist luxuriös« geworden. Und daraus ergibt sieh auch das Zweite; dg Geschäfte legen größeren Wert auf Ausstattung,' d';t Schaufenster sind größer, die Aufschriften und Firiiienschi'i. der besser atisgefuhrt. Allerdings machen sich bei diesen leider auch gewisse Auswüchse bemerkbar, die hoffentlich mir vorübergehender Natur ״ind und nicht zu einem Svttti führen, das zu großen Auseinandersetzungen Anlaß geben würde._ Man übertreibt die Reklame, die hier, *0. lauge Tel-Awiw noch eine relativ kleine Stadt war, keint all zu große Rolle gespielt hatte, und vergißt, daß man sich in einer rein jüdischen Stadt befindet. Es erregt Aergemir daß man zu viele Aufschriften in europäischen Lettern an' bringt, daß Hebräisch in den Hintergrund geschoben wird und man auch in gewissen Namensnennungen gar zu vielt Europäisincu uachahmt, ohne zu bedenken, daß sic von vielen gar nicht verstanden werden. Aber abgesehen hiervon bedeuten die neuen Geschaßt einen ästhetischen Gewinn, einen Aufstieg in kulturellem Sinne, den wir gebrauchen können. Warum sollen wir klein, städtische Allüren hcihehaltcn, obwohl Tel-Awiw eine Groß. Stadt geworden Ist? Warum soll neben dem Lebcnsrmtwct!. digen nicht auch «Ins Schöne und das weniger Wichtige bestehen können? Wenn einem auch das schnelle Emp3r• sprießen dieser Dinge manchmal ein bißchen den Ate® raubt und man sieh fragt, ob all dies auch wirklich von Bestand sein kann, so soll man — besonders hier nicht - gar zu pessimistisch sein und Vertrauen zu der Zukunft haben. Wir berichteten vor kurzem von der Gründung zweier j Kunstsalüiis. Inzwischen hat sich das bereits seit mehreren 1 Jahren Bier bestehende 1( u n s t g e s c 11 ä f t von Klein• mann in neuen Räumen wesentlich vergrößert und ״!oder׳ irisiert. Es verdient hier besonders hervorgelioben zu wer• ' den, da es vor allem im Lande heimische Kultur in ge• scliickter Weise verwertet. Man sieht geschmackvolle Klei• der, Blusen und Kissen mit jemenitischen Stickereien, die• sen farbenfreudigen Naddmalcreien, die durchaus modern anmuten und sich fiir moderne Kleidung und Dekoration«; vorzüglich verwenden lassen.; Auch die bekannte Buchhandlung von Blum׳; stein hat ihr Hauptgewicht auf Kunstgewerbe verlegt uni J versteht es, durch abwechslungsreiche Schaulensterilekorati• 5 oiicii stets viele Schaulustige an/ulockcn. Trotz dem kleinen und ziemlich anspruchslosen Fenster wirken hier die durch eine geübte Hand angeordneten Gegenstände besonders ein* drucksvoll. Nicht weit davon finden wir in dem ״M ach 10 1" benum« ten Geschäft elegante Damcnmodeu und modische Klcinig• keiten. Daneben lenkt ein H 11 ה d a r b c i t s I a d c n ״The , woo! ball“ durch das Farbcnspicl seiner Auslage die J j Aufmerksamkeit auf sich. Gegenüber aber zwingt uns der! 1 Blick durchs l'cnster zum Eintreten in den künstlerisch ganz 1 | besonders hübsch ausgestatteten Raum von ״K t i n a". _ Ein! Teil des Ladens ist mit bunten Bildchen atisgemalt, reizen• J den Kmdcrhildcrn, die recht lustig wirken. Man wird soru• sagen ins Kinderland versetzt und bekommt in dieser froh• j liehen Umgehung ein ganz anderes Verhältnis zu all den kleinen Dingen, die den Kleinen zugedacht sind. j Der Eckinden dieses Hauses trägt in neuer und j origineller Buchst,ibenform das Wort ״Rlvoli“. M j Aufschrift hat hier bereits vielfach mißbilligendes Kopf• j schütteln hervorgerufen, der große Laden hingegen in seiner vorzüglichen Ausstattung allgemeine Bewunderung. j Einfacher und gediegener findet man hier Gebrauchs• und ן Luxusgegenstände, Wirtschaftsartikcl, Lcilcrwaren, Bijouterie• : und Galanterie. In der Mitte des über Eck sich erstrecken• j den Raumes erhebt sich eine Säule, die dem Ganzen den j rhythmischen Eialt gibt, der noch durch die über den ©fl«•! nen Regalen angebrachte Reihe geschlossener Kästen wir• >; klingsvoll erhöht wird. Besonders stark wird die <icsanit- , . Wirkung bei künstlicher Beleuchtung, bei der der Mittelph'ik’ j das indirekte Licht von einem großen weißen Schirm w j . die ganze Weite des breiten Raumes reflektiert, l Mit Staunen bemerkt man, daß das in der Nachlat Ben• .5 jaminstralle vor kurzen» noch ziemlich trostlos wuchernd: ן kleine Wäldchen in einen reizenden Kakt e eng arten ver- 1 ן wandelt worden ist. Steine sind in zierlichen Gruppen m• ׳■ satnmcngcstcllt und dazwischen erheben sich die verseht• 4 denen Pflanzen und Bäumchen, durch die verschlungene Vf ege j führen. Daneben ist ln einem Kiosk ein Blumen lauen imtergebrncht, in dem wir auch einige Bilder finden, die uns besonders gefangen nehmen. Aaron llalcvy ist der Schöpfer von all diesem, der Gartenanlage wie der Bilder.; Halevy ist ein Künstler besonderen Schlages, einer tief » ganz einfachen, natürlichen Menschen, der Blumen, B׳üwf׳ j Wiesen und Felder liebt und sie in kindlicher Naivität ru 1 gestalten versteht. Diese Bilder sind das Minutiöseste ך Zeichnung, was man sich denken kann. Und hier hat er , nun seine Lieblinge, die er bis in die letzte Faser stumm hat und kennt, auch in natura um sich vereint und der Stau! diesen reizenden Park geschaffen. Palästina ״Einwanderung im Dezember Jerusalem, 1. Februar. (J.T. A.) Im Dezember «׳uf• den 1826 Personen, unter ihnen 1737 Juden, zur Einwanderung nach Palästina zugelassen. 283 Einwanderer gehörten der Kanitallstcn-Kategorie an und brachten 299 Angehörige mit• in der Gesamtzahl der zugclassencn Einwanderer sind aec״ 26 Personen clngeschlossen, die als Touristen ins Land r kommen waren und Jetzt Nlcdcrlassungserlaubnis ««alte haben, 11 von diesen gehören zur Kapitalistcn-Katffj°f ' 95 Personen wurde die Einwanderungserlaubnis verwelg8