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Jüdische Rundschau · 1934-02-02 · Heft 10 (2.2.1934) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 10 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2 ,10 ,׳!*ן■ II. 1934 Tel׳״Awiwcr Kun&ibriefe Von Manfred O ei• Tel-Awiw, Anfang Januar 1934, Man kann in Tel-Awiw augenblicklich fast von einer st-Hausse sprechen. Beinahe Abend für Abend fl״- 4״ auiler den renclimnigen Theatervorstellungen von ״Ha- Uffljli1' und ״Oliel Konzerte und »onstlge künstlerische Verst.iit, die grufttcntcils einen ganz ausgezeichneten g.^rh atdweisen. na sind zunächst die T flIn t e rl n n e n: Dchorah Berto- ,0!( ließ ihrem ersten Tn7״nhe11d einen zweiten folgen, bei Reichem sic einen gleich starken Frfolp zu verzeichnen f.ijf - Kurz danach stellte sich Tile Rößler — ehrmalirre fi&n der Palucca-Schiile, Dresden - dem Tei-Awlwer; pÜHikitm vor, Vertreterin eines grundsätzlich anderen Stils |1jd ihre Wirkungen nicht immer gleichmäßig stark. Vieles ut sehr aufs Technische gestellt, Improvisationen werden ״nitiftlen und nur »eiten wird man wirklich angeriihrt und -;!:׳crissc״• r nie gute Padagogin wird sie aber sein. Bei dem Tanzabend der beiden Schwestern Ornste'm, von deren Pro- -fiitini ich mir den zweiten Teil sehen konnte, trat in Ortinpentnnz rin Studio In Erscheinung, dessen Da JÜDISCHE RUNDSCHAU Wort Theater nach europäischem Müder, Übersicht man beute noch einmal das Programm, fn dem c3 In einen Prolog und zwei Akte «ufgetcilt — mehr als־ dreißig kurze Bilder gab, 80 stellt man Immer noch fassungslos vor dieser Leistung des Regisseurs Wolf. Besonderer Erwähnung bedarf das Bühnenbild, das von Barucli Ahronson (vom New Yorker Schwnrz-Theater) gestellt wurde. Ahronson teilte die Bühne 111 mehrere, aus der Kulisse kommende sllbergrmie und schwarze Vorhänge auf. die nach der Mitte *!!geschoben wurden und mit denen Effekte von außerordentlichem Ausmaße erzielt wurden. Die Assistenten de» Regisseurs wnren der Berliner Film- und Phototechniker Chrlstellcr und der ehemalige Berliner Schauspieler Clottlleb. Rcglessslstenz leistete Konst,•intiner vom ״Ohel", der mich «18 Akteur In Erseheituiiijj traf. Ini {ihrigen waren vom ״Ohel" die Schauspieler , Lra Degnuith und M. Mnrgnllt beteiligt, und Rutlenskl vom ״Mntatej“. In einem erste» Versuch auf der palästinensischen Biibue sah man losef Sch aper. Ihr Berichterstatter hatte die Aufgabe des ״Sprechers‘1 übernommen. ■chen lene- Jahr Iden. ziadas vjciiüigcn Vcmvmer^ befriedigen konnten und schon hart Grenze des Komischen streiften. Eine Horra kann in Geher Form nicht verkiinstelt werden, denn ihre Starke ׳.,(ן,( ehe» gerade in der Einfachheit, In der improvisierten l/fwiinpliclikeit, im Volkshaften. Die Darbietungen der bei- Schwestern selbst ließen jedoch viel Begabung erkennen, Binders wenn beide zusammen auf der Bühne stehen, schein™ ־!ie gegenseitig zu inspirieren. Aber auch die Solotänze ״Nacht‘1 von Judith, und das ״Spielzeug“ von Schnschana Ornstein waren gute Leistungen. Mit Parodien n״d man sehr vorsichtig sein. Es wirkt leicht geschmacklos, w nn eine moderne Tänzerin, die es selbst noch nicht zur ]eilten Meisterschaft gebracht hat, d 1 e moderne Tänzerin parodiert, mul man bringt ln Darbietungen mit künstlerischer jy'ote auf diese Weise billige Effekte. Auch das Musikleben nimmt dank Intensiver Be-!siungen der musik-interessierten Kreise einen starken Aufjdnviinfr. Der Dirigent Wolfgang Friedliindcr brachte ein Konzert mit Orchester und Solisten, in welchem man das Ooppelkoiuert von Bach und die zweite Sinfonie von Beethoven hörte. Sarah Goldstern sang Lieder von Gluck, Mtiulrisolin, Mousorgsky, Mahler und Salnt-Saens. Das Konrert lief unter der Flagge eines Propaganda-Konzertes der neu gegründeten Vereinigung zur Schaffung eines ständigen philharmonischen Orchesters in Palästina. Die Form, die ge- »ililt wurde, ist eine Aktiengesellschaft, die unter Genehmigang der Regierung und unter Protektorat hervorragender palästinensischer Persönlichkeiten zu billigen Preisen Volkslidien lirrausgibt, um eine dauernde Subventionierung des tunen Klangkörpers, ohne die ein Orchester nun einmal nicht auskommen kann, zu ermöglichen. — Vor dem angckündigten Konzert Hubermanns hörte man den berühmten französischen Violinisten Jacques Thibaud, am Klavier hervorragend begleitet von Thasso Janopouio. Thibauds Progrimm brachte Mozarts ״Concert la major“, eine Sonate von Casar Frank tmd ein paar kleinere Stücke von Szimnnowsky, Kreisler, Brahms und anderen. Man freute sich an dem besonders schönen Ton, über den Thibaud verfügt und bewunderte seine vollendete Technik. Endlich bleibt noch über eine künstlerische Vcranstalitiitung zu berichten, bei der ich selbst zwar nicht das Resultat vom Platze des Zuschauers beurteilen kann, sondern w Gelegenheit hatte, das ungeheure Maß von Arbeit und ./«!nsitiit zu bewundern, das für die Vorbereitung von seiten dtttoisseurs, de.» Bühnenbildners und aller Mitarbeiter aufgewendet wurde. Es handelt sich um ein revueartiges Festspiel anläßlich des dreizehnjährigen Bestehens der Histadruthmit dem Titel: ״Von Bitu bis zur Hisiadruth Haowdim“. Das Szenarium schrieben Avigdor Hamei'ri und Alfred Wolf, der auch die Regie führt. Für die Einstudierung hatte man kappe drei Wochen zur Verfügung, in denen auch das Manuskript geschrieben werden mußte. Eine Erscheinung, die wohl auf der palästinensischen Bühne, wo man gewohnt Ist, •Monate oder sogar Jahre zu probieren, noch nicht da war. Der außerordentliche Erfolg und das große Interesse, den dk!t Aufführung errang, ist um so höher zu verbuchen, als cs!ich nicht nur um das Einarbeiten von Schauspielern haltddte, sondern für die Aufführung alle nur erdenklichen Methoden der modernen Bühnentechnik herangezogen wurden. Es fehlte weder der Sprcchchor, noch der Film unter Ver- Wendung von Photomonlagc, noch das Orchester, das eigens l«r diesen Zweck komponierte Melodien (Emannel Pofatsehow) zu spielen hatte, von denen besonders eine neue Horra eine ungeheure Popularität erlangt hat. Es fehlte »׳(der die Verwendung des Mikrophons und des Laut- Sprechers, noch fehlten die Tänze, dargeboten von Dcborah Bertonoif — eine der stärksten Wirkungen des Abends ein Tiiu, der Mensch und Maschine kontrastiert — mit einem Haydns ״Schöpfung״ licbrlUsdi Nach der Einstudierung von ,Judas MacnMus" geht der Junge Dirigent Fordhmis B e n t z f * 9 y mit großer Energie an Haydns ״Schöpfung“ heran. Er begnügt sich nicht damit, den vorliegenden Text einfach übersetzen zu lassen und die Komposition fn ihrer Originalform aufzuführen, sondern er nimmt Textumstellungen und ■ändcningen vor, er ver-״bihelt“ die ״Schöpfung“ wieder. Fordhaus zieht die ln der Urfasstrng vorgesehenen drei Teile in zwei zusammen, unterbricht erst nach dem sechsten Schftpfimgstag und bring! Im zweiten Teil nur den Schahbath, auf (len ein sehr schnelle« Finale folgt, erreicht durch eine fast völlige Streichung der Duette, tu denen Adam und Eva die Freuden des Paradieses und der Gattenliebe schildern. Sicher dürfte es Fordhaus bekannt sein, daß Haydns Text nicht die Bibel selbst zur Grundlage hatte, sondern daß die ״Schöpfung" nach Miltons ״Verlorenem Paradies" von Lindley gedichtet wurde, Mnn bemerkt die Antastung der Griginnlvorlage mit etwas gemischten Gefühlen. Gerade die ״Schöpfung“ hat trotz des biblischen Fundaments kaum noch ebyas von einem nur-rcliglösen Kunstwerke nn sich. Händel, dem der Text Vorgelegen haben soll, hat Ihn wohl gerade ans diesem Grunde nicht komponiert. Vielleicht aber reizte einen Haydn diese Verquickung von Metaphysischem und Sinnlichem und — bei aller Anerkennung der guten Absicht — scheint es dem Puritanismus zu weitgehende Kon- Zessionen machen, wenn mnn ein jahrhundcrtaltes Werk textlieh in der angegebenen Weise sowie durch Ersetzung elniger Textstellen durch Originalpsaime, die ursprünglich nicht vorgesehen sind, verändert. Fraglos haben wir Juden eine besonders geartete Beziehung zur Schöpfungsgeschichte, aber man muß eben begreifen, daß die.Mentalität eines Haydn eine andere war und es gibt so etwas wie die Unantastbarkeit künstlerischen Schaffens. Die hebräische Bearbeitung von As hm an bedient skh größtenteils der OripinalbibcistcÜcn, zeigt aber viel Begabung, wo die eigene Sprache spürbar wird. Besondere Anerkennung verdient die Arbeit, die Fordhaus mit dem Chor geleistet hat, der sich seiner nicht leichten Aufgabe gewachsen zeigt. Die Solostimmen wurden betreut von Elly Kurz (Qahrlel), die ihre Sopranpartic mit großer Kultur und einer feinen Musikaliint zu Gehör bringt. Auch stimmlich ist sie ihrer Aufgabe völlig gewachsen. Der Bassist Lazar (Raphael/Adam) erweist sich als ausgezeichneter Oratoriensänger. Obwohl ihn eine ',Erkältung sichtlich stark behinderte, sich voll zu entfalten, hielt er fast bis zum Schluß wunderbar durch. Der Tenor Holländer (Uriei) verfügt leider M%der tiefen Lage nicht Über ־ ausreichende Mittel; auch hätte man mehr Kraft der »prachliehen Gestaltung gewünscht. ׳׳ Das Orchester war der Erfüllung der schweren Ansprüche, die Haydns Tonmalerei stellt, nicht immer gleichmäßig gcwachsen, aber im großen ganzen wurde sehr anständig musiziert. Aul alle Frille zeigt niese Einstudierung der ״Schöpfung“ eine sehr interessante, eigenwillige Note. Neue ״MatatÄ״-Revue Das Wort ״Liebe“ steht dreimal über dieser Neuerscheinung der Kleinkunstbühne ״Matatd“. Als Verfasser zeichnet N. J i z c h a k i verantwortlich. Das Bestreben des ״Matatd“. palästinensische Tagesereignisse e In zu f an g e n, wird auch mit dieser Aufführung fortgesetzt. Freilich zeigen nur drei Bilder wirkliche Aktualität, und zwar sind ca die, In denen man sich mit der Touristenjagd, mit der bereits berühmt gewordenen Tel-Awlwer Vorstaat ״Sch'chunat Chan“ befaßt, und jenes Bild, in dem die feindlichen Kinder, der Revisionist, der Poel usw. von einem mit Bibelzitaten geladcnen Vater, der offenbar die Orthodoxie vertritt, nicht gezOgelt werden können. Alle (Ihrigen Angriffe auf'die Wobmnignverhiiltnl :se usw., sowie eine kleine Parodie auf die Keren Kajemeth-Propagamla sind nicht neu und tauchten zum Teil mich schon früher ln den Programmen des ״Matal(“ auf. Es wurde schon wiederholt betont, daß eine aktuelle Blume wie diese für Palästina von großer Wichtigkeit ist. Aber auch hier darf, wenn man den Anspruch erhebt, Kunst zu machen, die künstlerische Durcharbeitung nicht vernachlässig! werden. Man hat leider diesmal das Gefühl, daß der künstlerische Ehrgeiz, der hei ״Malate" schon sehr stark spürbar war, mit dieser Aufführung wieder etwas verebbt tmv,, daß der Regisseur Nusik vielleicht Im Interesse der schnelleren Arbeit Szenische Einzelheiten nicht genügend durchgcnrhcitet hat. Während bei früheren Aufführungen ein Coniercncj c r nur zu Hegiran des Stücke.» in Erscheinung trat, um ein* führende Worte zu sprechen, hört man diesmal gleich ein Ansagerpaar vor jeder Szene. R u d c u 6 k i erfüllt seine Aufgälte als vermittelnder Sprecher mit viel Charme, nur würde cs ihm sehr zugute kommen, wenn er cs verstände, gclegcntlieh mehr den Eindruck einer Improvisation zu erwecken. Alles Ist ein bißchen zu gut auswendig gelernt. Seine Partnerin, die Dante aus dem Publikum, die sich In Herrn Matat( persönlich verliebt hat, Ist Mita Batdorl, die einen ziemlieh unglücklichen Text hat und überdies ״naiv“ sein »oll, was ihr offenbar sehr wenig liegt. Es wäre sicher Intcrcmntcr, diese Schauspielerin, die sehr um Natürlichkeit de» Tons bemüht ist, in einer jugendlichen Charakterrolle sehen zu . können, Unter den übrigen Dnrstcllem fällt diesmal beson- . der» Timen auf, der ein Couplet vom Expreßbotcft ausgezeichnet pointiert zum Vortrag bringt. Das Ist die stärkste Leistung des Abend», im übrigen bemerkt man wieder Churgal in ein paar sehr gelungenen Chargen, sowie Don#t, O 0 I a n d, London u. a. Judith P e r k a I, die sich In früheren Stücken als große Begabung erwies, scheint auf einem falschen Wege zu sein und bedarf dringend einer ernsten künstlerischen Führung, wenn ihr Talent nicht verschüttet werden soll. Für die sehr gelungene Szenerie zeichnet such diesmal E. Emanueii verantwortlich. Die Musik hingegen ist ziemlich primitiv. Im Ocgcnsatz zu Tel-Awiw, das sich sehr um eine jüdfs che Musikkultur bemüht (»vir werden darüber noch oft und ausführlich zu berichten haben), Ist Jerusalem auf dem besten Wege, in das europäische Musikleben elngcschaltet zu werden. Der letzten Einwanderung ist ein verwöhntes deutsches Publikum zu danken, das durchaus europäische Maß- Stäbe anlegt; für den konzertierenden Künstler andererseits 11cgen die palästinensischen Städte sehr bequem zwischen Aegypten und Syrien; Jerusalem besitzt dabei noch den Vorzug eines sehr vielgestaltigen und begelstcrungsfähigen Publikums. So ist hier also durchaus der Boden (ür ein echt lebendiges Musikleben ־ gegeben. In diesem Jahr sind von konzertierenden Künstlern bisher vor allem Jacaucs Thibaud. Alexander Borowsky, Franz O 8 bor n und Andreas Weißgerber zu verzeichnen. Man spricht davon, daß Arthur Schnabel herkommt. Jerusalemer Musiker Jerusalem ist aber keineswegs nur auf ״europäischen fm* port“ angewiesen: es leben und wirken hier eine Reihe ausgezeichneter Musiker, die ihr Format erst kürzlich In einem sehr repräsentativem Kammerkonzert vor einem ebenso zahlrricncn wie atisgewählten Publikum erweisen konnten. Das Programm umfaßte Werke für Streichorchester von Purcell, Vivaldi, Förster (!693—1745), Vokalsoli von Caldara, Gluck, Händel, Engel, Ravel und Tschalkowsky, Violinsoll von Achron, Sarasate und Rimsky-Korsakow und ein Adagio und Allegro für Cello und Orchester, arrangiert von Karl Salomon. Die erstaunlichste Leistung wird durch das ״Jerusalemer Karnmerorchester“ repräsentiert. Emil H a u 8 er, ehemaliger Leiter des Budapcster Streichquartetts, hervorragender Geiger . von Weltruf, hat es vermöge seiner besonderen Musikführerqualität zustande gebracht, in kurzer Zeit aus einem heterogenen Musikermaterial unter großen technischen Schwierigkeiten einen Klangkörper voll tonlicher Schönheit zu schaffen. Der großangelegte, gesunde und unsentimentale Bachstil, der den Geiger Hauser auszeichnet, wurde durch den Dirigenten Hau- »er ins Orchestrale übertragen. Ohne Frage hat das Jerusa-!einer Streichorchester auch in rhythmischer und dynamischer Hinsicht noch erhebliche Entwicklungsmöglfchkeitcn. Von den Solisten ragt dii'c Cellistin Thcltn* Jellin• B ent wich durch ihren asketischen Stil und überhaupt durch ihr großes Können hervor, während der Immerhin erstaunliche Junge Geiger Jizchak Gl teils — das zweite palästinensische ״Wunderkind“ und Schüler der Mira Benarni (Jerusalemer Konservatorium) Besitzer eines edlen, aber vorläufig noch etwas Indische Musiker auf Schallplatte» AbkQrttingem (C.) י*י Columbia* (E.) Etaetrols* (G•) ** Deutadh« Grammophon. (P.) Parlophof». (T.) ■* Telefunken Es isf Winter geworden und kalt, durch eine Schicht Jon Einsamkeit und fremde sind wir von unserem bisherigen Edien isoliert. Jude sein bedeutet heute, in der Oeffenthchkeit kaum mehr erscheinen, nicht mehr an ihr schaffend ™teil haben. Ein neues Schicksal leben wir, und cs bilsich dafür neue Lebensformen aus. Nur noch wenige ״inicij erinnern daran, was deutsche Juden einst im Theater, 1!י der Musik, im Film mitgeschaffen haben, welche Bedeutung diese Dinge für uns hatten, und wir für sie. Dcutscn- **״d hat sich dafür entschieden, ohne uns Kunst und Musik ü* treiben, und so geschieht es. Aber kein Gesetz wird ל Villen haben dürfen, die tiefe Verflechtung zu zerstören, ז!!י zwischen dem Judentum und der deutschen Musik be- ‘Mit. Und wenn wir daher an die Zeiten rurückdenken, tn Jenen Juden hier einen unbestritten großen Einfluß ausgeübt nahen - Hegt das ein Jahr oder ein ganzes Leben zurück? - J*״n denke״ wir an Namen, die uns teuer sind, die hundert- «»senden Deutschen etwas waren, an Stunden des giucks, äer Schönheit, der Lebenssteigerung, die wir ihnen verdanke . , Nichts, was Deutschland produziert hat.!st von 1er V'elt so ganz aufgenommen worden. ej-jsc*se^U״P‘ Ufgenüber allem anderen hat die Welt Widerstände g - ״«tet. Gegen die deutsche Musik nicht. Und so hat auch j!*J Judentum der ganzen Welt die deutsche Musik n 1«ist erworben. Nicht historische Anrechte, nicht Erbschaft oder Vcrfä״cltschaft macht aus Eigentum Besitz, sondern allein die 1.'höpfcrischc Beziehung zu den Dingen. Nicht wen ',״ Jude durch die Aufführung der Matthauspassion Bach *»hrhatt und unverlierbar dem deutschen Volk wiedergegeben (.,ein Judenjunge und ein Komöd aut“, sagte: lachend ״ den Linden Devrient zu Mendclsohn), nicht wen [Stwerkc Mozarts auf den Texten des J«de״ da Ponte ״*fuhen; nicht weil Suizer der erste Schubert-Sänger war, j^t weil Beethovens Altersweisheit durch Ja* wrtett Deutschland und der Welt innerlich dnverldbt wurde, nicht weil Hermann Levi als erster den Parslfal auf Wagners Bitten aus der Tiefe des versunkenen Orchesters erstrahlen ließ; nicht weil Gustav Mahler ■— in Opposition zu dem offiziellen Bavraüh, auch gegen Cosima Wagner (der Enkelin einer ßethmann) — einen neuen Wagner-Stll schuf, der aus der modernen Musik nicht mehr wegzudenken ist; — nicht aus allen diesen historischen ״Belangen“ wie man so sagt, sondern einzig aus dem Recht der Ucbcrfulle gegenwürdigster Leistungen bleibt das Judentum der deutschen Musik verbunden. Stellen wir uns vor, das alles wäre untergegangen; vielleicht wird bald eine neue Qeneration in Deutschland keinen unserer großen Geiger, Pianisten, Sänger, vielleicht auch Komponisten mehr hören und sehen. Allmählich werden viele Namen für uns nur noch Namen sein, und die Erinnerimg wird manche Leistungen verwischen, vergrößern, verkleinern, verdunkeln. Und doch wird nichts von alledem untergehen, denn die Technik der Schallplatte gestattet uns Jederzeit, uns fast die ganze Musik in vollkommenen Aufführungen auch in Deutschland von Juden Vorspielen zu lassen. Träumen wir uns in ein Schallplattcnarchlv und beginnen wir zu spielen. Durch die Ucbertragung einer Platte auf einen Radioverstärker klingt der Ton fast unmittelbar wie Im Leben selbst. Und nun beginnt — denken wir, es ist einige Jahre 6pätcr — der Apparat zu reproduzieren, was wir, was 80 viele von uns gehört, geliebt, vergöttert haben. Dieser ganz spiritualisicrte Ton, der nur noch Geist und Seclcnklnng ist — von wem könnte er kommen, wenn nicht von Hubermann. Diese Fülle und Jugendkraft, die unverwechselbare Sprache unseres Ich u di Menu hin; diese süße elegante Kantilene: eine Erinnerung an Mischa El man. Diese Nachdenklichkeit, die wie eine eigene Akustik der Seele den Anschlag umhüiit: das ist Artur Schnabel; dieses Orchester, hat es nicht, die Klangschönheit, die den Reiz von Bruno Walter ausmaebt; und dieser machtvolle Wotan ist Friedrich Schorr, einer von den vielen Juden und Halbiuden, die, von Lllli Lehmann bis zu Klpnl« und List den Bayreuther Gedanken mitgestaltet haben. Die Verteilung der Juden auf'die verschiedenen Oattungcn der Musik und Instrumente Ist ungleich. Orgel, Blasinstrumente fehlen. Dafür besitzen aber Juden »Iler Länder seit vielen Jahrzehnten geradezu eine Sonderstellung der Oeige gegenüber, die sie mit Tschechen, Franzosen und neuerdings Angelsachsen teilen, während die anderen Nationen keineswegs heranreichen. Juden wie Joachim in Berlin, Auer In Petersburg haben die Geigenkunst eines Jahrhunderts bestimmt. Alle Spielarten der Oeige, technische wie seelische, sind heute aufs beste durch jüdische Geiger repräsentiert. Hubermann, Menuhiti, Kreisler, Flesch, Elman, Hciletz, hier ist alles! Das Geistigste und das Lebendigste, der Schmelz und der Furor. Denken wir uns nun solche Hauskonzerte aus, Da wird also die Geige ln überwältigender Fülle für das Jü- ' dische Genie zeugen. Aus der Fülle unseres Besitzes greifen wir zuerst das Tscnalkowsklj-KonzcrJ und Beethovens Kreutzer- Sonate mit Hubermann heraus (P.), und sie stehen wunderbar gewachsen vor uns. Dann schieben wir kleinere Stücke ein, wie etwa die wenig gespielte Serenade mclancoliquc von Tschaikowskij (E.), die Mischa Elman zu einer bestrickenden Träumerei geformt bat, bis wir dann eines der Hauptwerke unseres Archivs vorführen werden, das Konzert D-dur von Mozart, das M c n u h i n mit allem Glanz seiner Jugend, mit strahlender Festlichkeit und Wärme spielt (E.) Freilich, manches fehlt uns. Hcifetz und Flesch sind auf Platten gar nicht oder ungenügend repräsentiert, aber mit Hilfe unserer Oelger, der Kreisler, Szigetl, Wolf st ha!, und vieler anderer, können wir uns noch schöne Hauskonzerte der Er- Innerung zusammenstcllen. Auch in der Welt des Klaviers können wir uns, In unserem zurückgezogenen Leben, mit den größten Meistern unserer Tage umgeben, ohne eine selbstgezogene ״Ghetto“- grenze zu überschreiten. Daß einmal der einzige, der neben Liszt bestehen konnte, Rubinstein war, ist 01t genug bezeugt worden. Nennt Frank* reich Cortot, Deutschland Gicscking, Rußland Rachmaninow, dann melden wir uns mit Ignaz Friedmann, Artur Schnabei, Artur Rubinstein, Vladimir Horowitz, Rudolf Serk in. Jeder von ihnen hat seine Werte, seine Ueberlegcnhcitcn. Von Schnabel erscheint allmählich das ge- »amte Klavjcrwerk von Beethoven (E.), In englischen Aufnahmen von makelloser Reinheit. Sie werden einmal über da» Beethoven-Spiel eine» Juden der Zukunft Jene» Zeugnit

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