Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-02-02 · Heft 10 (2.2.1934) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 10 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653461--24762-2681860
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 8 'jüdische Rundschau femininen Tones ist. Es Ist schade, daß diesmal seine Fähigkeilen durch die Salcmniedlichkeitcn, die er in das monumentale Programm hincinspiclte, nicht so positiv zur Geltung kamen. — im übrigen seien noch die Sängerin Sophia Kusiatina sowie ihre Begleiterin Mine. Hcrshkovitz erwähnt. Das Ocsamtniveau des Konzerts war außergewöhnlich und der Erfolg sehr groß. Jeder Künstler, der einmal in Palästina konzertiert hat, weiß, daß das Publikum hier unblasiert, aufimhmehereit, voll Entluiiasmus ist. Zweierlei Tempo Während liier sonst der nervöse Europäer langsam aber sicher von dem Eiltempo des Okzidents kuriert wird, hat sich in zweieinhalb Monaten eine Musikschule van durchaus europäischen Ausmaßen aufgebaut. Sic ist vielmehr aufgebaut worden durch Emil Haus c r, der ein ebenso ideenreicher (leigenpädagoge wie warmherziger Mensch ist. Man kann sich keinen geeigneteren I.eitcr einer Musikschule im Orient denken. Nur wer den Orient kennt, weiß, was cs zu bedeuten hat, in Jerusalem eine Musikschule von europäischem Niveau zu entwickelt!: das palästinensische Kind ist zwar im allgemeinen musikbegabt, aber undiszipliniert und frei von jeder Autoritiitsfnrcht. Die Organisation eines derartigen Konservatoriums hat mit Widerständen und Schwierigkeiten aller Art zu käinpfen, angef,angen von der Finanzicrungsfrage, die hier übrigens in Form eines Kollektivs gelöst worden ist. Direktor Hauser, der übrigens auch zu den Musikmitnrbcitern der Universität Jerusalcm gehört, hat sieh sehr gute Lehrkräfte aus der ganzen Weit zusammcngcholt, man lernt Klavicrspielen, Geige, Cello, Gesang, Schauspielkunst, Rhythmische Gymnastik, Blockflöte, Gitarre und Solfcgc — der Ausbau der theoretischen Fächer ist ״nur" eine Frage der Finanzierung. Was fehlt, ist: Jüdische und orientalische M usik als Lehrfächer. Und das muß und wird noch ge<- schaffen werden. Ohne die Beschäftigung mit jüdischer und orientalischer Musik ist selbstverständlich eine Musikschule in Jerusalem nicht gut denkbar. Musik in der Jerusalemer Universität Die Feier der dritten Verleihung des Doktordiploms durch die Universität Jerusalem war von Musik umrahmt. Mitglieder des Jerusalemer Streichorchesters (Leitung: Emil Hauser) und des akademischen Chors (Leitung: Karl Salomon) stellten die von Karl Salomon arrangierte Passacaglia von Buxtehude teils als Iiistrumentalhymnc, teils vokal nach einem Text aus den Sprüchen Schlomos dar. Das Baritonsolo sang Karl Salomon. Die unvergleichlich herrliche Thematik in so guter Ausführung war geeignet, die feierliche Handlung aufs stimmungsvollste zu steigern. Jerusalem, im Januar. Alice Jacob*Loewenson. Literatur-Unterricht in den Schulen Palästinas Die Monatsschrift ״Mosnajim“ veröffentlicht an leitender Stelle einen Aufsatz ihres Redakteurs I. Fichmann, ' der eine scharfe Kritik an dem bisherigen zionistischen Erziehungssystem übt und am Beispiel der Stellung der Literntur im Unterricht die Folgen aufzeigen will, die die ״modernen“ Tendenzen der Pädagogik in der palästincnsisehen Schule hatten. Er sagt hierzu: Zuerst fällt am Literatur- , Unterricht in den hebräischen Schulen der völlige Mangel an Konsequenz, an einem umgrenzten Stoffgebiet und an jeder Didaktik auf. Es ist ein schlechtes Zeichen, daß sich auf diesem Gebiete keinerlei Tradition gebildet hat, daß nichts Festes entstanden ist, das den Schwankungen des Geschmacks nicht unterworfen ist. Sicher hat dies Gebiet schon einen mehr oder weniger fixierten Inhalt, und es gibt auch eine Art Liste der klassischen Werke, wie es für die moderne :schule nötig ist, aber cs gibt noch keinen eisernen Bestand .׳tilge• mein anerkannter literarischer Werke und der Neigung des einzelnen ist auf diesem Gebiete freiester Spielraum gelassen. Noch heute ist es schwer zu entscheiden, was aiifgcnornmcn . und was ausgeschieden werden wird. Wir wundern uns natürlich nicht, daß inhaltlich leicht zugängliche Werke die Mittelmäßigen mehr anzieheu; solcher Stoff scheint stets ״nngeiichiner"; er fordert weder vom Lehrer noch vom Schüler eine besondere Anstrengung. Diese allgemeine Ansicht wirkt leider unbewußt auch auf die Anspruchsvollen und bringt sie zum Verzicht auf abwegigeren und unwegsameren Stof).... Als Achad Haam einst ״nationale Erziehung“ verlangte, war diese Forderung berechtigt: er verlangte hebriiischc Sprache und hebräische Kultur — er verlangte sic als die elementaren Grundlagen jeder jüdischen^ Erziehung. Die mtioiialo Erziehung Achad ilamns war im Grunde eine liatürlielie Erziehung. Al!er die ״zionistische Erziehung“ heute ist eine formelhafte, beschrankte Angelegenheit, sie ist weder pädagogisch noch natürlich. Der jüdischen Schule in Palästina fehlt nicht der Zionismus, der ja in jedem Falle ihre ganze Atmosphäre duj'clidringf. Unsere Kinder sind gute Patrioten — an ihrer Hingabe für die Heimat, an ihrer Bereitschaft, ihr Lehm für sie zu opfern, zweifelt niemand; aber es wäre uns lieh, wenn wir dessen sicherer wären, daß sic auch fällig sind, ihre Heimat aufziibauoii und ihr eigenes!.eben aufzuhaium. ... Zuweilen scheint es, daß die leere Propaganda allein für die kulturelle Schwäche unserer Schulen verantwörtlich ist. Man hat geglaubt, mau könnte Kinder zum Hebräischen, 711 Palästina, zur Natur erziehen, einzig und allein dadurch, daß man alle diese Werte unaufhörlich lobt, sie dauernd pries und sieb für sic begeistert. Diese Propaganda richtete Verwüstungen in den Seelen der Kinder an, machte sie so ״prosaisch“, daß sie die Poesie beinahe hassen. Nichts bringt solche Reaktion schneller hervor als die dauernde Aufforderung zur Begeisterung. Zionistische Erziehung ist tiefer und komplizierter — sie ist basiert auf einer gründlichen Kenntnis des Volkes, auf einer Kenntnis seines tragischen historischen Schicksals, und aus dieser Kenntnis erwächst keine Proklamation in Gestalt eines minderwertigen patriotischen IJedes, sondern fortwirkcmlc Kultur, fortwirkende Poesie, Nicht die Setzte Schicht unserer Geschichte, die noch keine feste Form angenommen hat, die noch nicht vor! ihren Schlacken gereinigt ist, sondern die Werke des Volkes aus alt seinen Epochen müssen uns nahe sein. — Es liegt in der Natur der Dinge, daß der Intellektualismus und die Abstraktion der früheren Erziehung eine starke Reaktion gegen jeden Intellektualismus in der Erziehung hervorrief. Aber das geistige Sicheinstcllcn auf das Volk ist nicht geringer an Wert als die praktische Bereitschaft. Und wenn wir die geistige Einstellung zur ■Atrophie bringen, so müssen wir damit notwendig unseren nationalen Typus Schädigern Der Intellekt ist unsere Waffe, von ihm hängt unsere Existenz ab. Die Furcht vor dem Geistigen, die schon unsere ganze Generation ergriffen hat, hat bereits ihre negativen Rcsui* täte gezeitigt. Sie hat unsere Zeit verarmen lassen und ihre geistige Gestalt niedergedrückt. Die Aufhebung der intellckfuelien Basis der modernen Erziehung hat die hebräische Schule stark mitgenommen, hat unseren Kindern die geistige Sicherheit genommen und unsere Waffen stumpf gemacht. Der Unglaube an das intellektuelle Geschick des Kindes, der die Quintessenz unserer neuen Pädagogik ausmacht, hat im Laufe einer Generation sein Talent zur Aufnahme theoreiischer Dinge wirklich zerstört. Weil man das Kind nicht frühzeitig mit unserer antiken Literatur vertraut gemacht hat, weil man seinen Blick nicht für ihre besonderen Reize entwickelt hat, hat man es, als es zu spät war, dann nicht mehr vermocht, in seinem Herzen einen Weg zu dem Ernst unserer l ehre mul zu ihrem altertümlichen Stil zu finden. — Die Furcht der Pädagogen, die Kinder hn zarten Alter zu überlasten, hat ihrer Aufnahmefähigkeit geschadet, und keine späteren Bemühungen konnten dem Herzen und dein Ohre der Kinder die halachische Literatur und die Gedaukenwclt des Mittelalters näher bringen und selbst die Poesie des Mittelalters büch der Mehrheit verschlossen. Es war ein grundlegender Irrtum, der viel Mißlingen verschuldet Int, daß ein kleines Kind nicht fähig sei, den Stil und die Poesie vergangener Zeiten zu verstellen, während doch gerade in diesem Alter jede neue Sprache fast von seihst aufgenommen wird. Wer die Bibel nicht in seiner Jugend las, wird nie ihren vollen Zauber verstehen — und jeder Aufschub ist hier wahrhaft ein Unglück. Auch für den Stil der Mischua und für den der mittelalterlichen Literatur muß man in dem Alter, wo inan solche Dinge noch zur Gänze unmittelbar aufnehmen kann, allmählich geschult werden, sonst wird nachher eine wissenschaftliche Erklärung nichts mehr nützen. Jedes Zeitalter hat seine Melodie, das Kind nimmt sie unbewußt auf und sic wird ein Teil seiner selbst und ihre Süße bleibt sein ganzes Leben lang in seinem Blute bewahrt. Das Streben, sich von ״der Last der Klassik“ zu befreien, kommt von den Schulen anderer Länder, und wie immer ahmt mau begeistert nach und vergißt ganz die Unterschiede. Die hebräische Schule hat von der Zeit ihrer Begründung an allein das Bestreben gehabt, es allen leicht zu machen. Von Anfang an hat sie die Fächer, die Energie und Denken vom Kind fordern, mehr und mehr eiligeschränkt: auch von der neueren Literatur ließ man in den mittleren Klassen alles aus, was nach Stil und Inhalt ,,schwer“ schien. Von der Aufkiärungslitcrntur sind Mnpu und Gordon erlaubt, von der inHielnllcrüelieii Poesie aber kennen die Kinder bis zu den höheren Klassen nichts als einige Zionsiieder Jelmda llalcvis. Die Schüler, die so erzogen sind, können schließlich noch nicht einmal die moderne Poesie richtig auf fassen; der schwache geistige Apparat kann überhnupt nichts mehr, was über Unterhaltung hinausgeht, bcwältigen. ablcgen, das wir leider von Joachim nicht besitzen. Ein Pianist von großem internationalen Ruf, der, glaube ich, in Deutschland noch gar nicht aufgetreten ist, ist Artur Rubinstein. Er besitzt eine Gemeinde in allen Erdteilen und seine wichtigsten Plattcnwcrkc (E.V, Brahms-, Chopin-, Mozart- Konzerte, seine umfassende Tätigkeit auf dem Gebiet der Kammermusik, zusammen mit dem formidablen Pro Arte- Quartett lassen seine hohe Klasse erkennen. Daneben gibt es natürlich Platten von allen unseren Pianisten, die zu nennen, zu weit führen würde. interessant ist übrigens noch, daß cs ׳ eine Ensembleplatte gibt, die fast rein jüdisch ist. Das ist die Aufnahme des A-nioll-Konzcrts von J. S. Bach für vier Klaviere (T.). Dieses Konzert ist keine Originalarbeit Bachs, sondern die Transposition eines Konzerts für vier Violinen von Vivaldi. Die vier Klaviere spielen vier Juden, nämlich Bertram, Eisner, Kreutzer, Oshorn, unter Leitung eines jüdischen Dirigenten Unger, während auf der fünften Piattenseite ein Satz des Vivaldi-Konzerts sich befindet, als höchst interessante Gegenüberstdlung einer Vivakiischen Originalarbeit zu einer Bachsehen Bearbeitung. Von den vier Geigern dieser Plattenseite sind, außer dem Dirigenten Unger, drei jüdische Künstler, nämlich van den Berg, Frcnkcl, Totenberg, denen sich der deutsche Geiger Hanke anschließt. Soweit es sich nicht um rein solistische Leistungen han* delt, ist das Ensemble nur in zufälligen Ausnahmcfällcn einheitlich jüdisch. Durch das Hinzutreten eines Orchesters, eines Dirigenten, eines Begleiters ergeben sich die vcrschicdensten Vermischungen, die aber gerade vom sogenannten Rassenstnndpunkt aus sehr aufschlußreich sind. Es haben sich in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Musikensembles gebildet, in denen jüdisches und nicht- Jüdisches Schaffen zu Einheiten zusammenwuchs, die gerade wegen ihrer Geschlossenheit bewundert wurden. Dazu gehören fast alle führenden Kammcrmusikorgaiiisafioncii. In den berühmtesten Quartetten von Joachim über Ros 6 zu heute führenden Quartetten; den Budapestern, dem Ldncr- Quartett, Koiisch usw. ist der jüdische Anteil verschieden groß, lag und liegt teils bei d :r Führung, teils bei den Quartettgenossen. Bei den Budapest.™ und dem L6ncr-Quartett ist das bemerkenswert, weil dies Quartettgemeinschaften sind, die zu den besten gehören, und deren Plattenwerke (E. und C.), Beethoven, Brahms, Mozart uns in eine Welt der Schönheit und Vollkommenheit entführen. Ebenso wichtig sind aber die vielen Verbindungen zu zweit zwischen jüdischen und nichtjüdischen Künstlern. Die Begleitung von Siegfried Schulze ist für einen Hubermann unersetzlich. Das Zusaminpnspicl des urdcutschcn Adolf Busch mit Rudolf Serk in ist von letzter Homogenität. Busch, den wir offenbar auch nicht, zumindest dieses Jahr, in Deutschland hören werden, hat jetzt in der Schweiz konzertiert. Dabei stellte die Presse fest, daß die Kongruenz seines Wesens und Spiels mit Serkin zu einer sogar körncrliehen Aelmlichkeit in einzelnen Wendungen geführt hat. wie beide zusammen leben, spürt man am innigsten aus der Platte einer vor einigen Jahren neu entdeckten Bach-Sonate G-dnr (E.), die Serkin-Busch wie aus einer Seele nachgestalten. Auf der «anderen Seite fühlt man deutlich die Inipulse, die jüdische Künstler von nichtjüdischen Kunstgenossen empfangen. So hat Fritz. Kreisler durch die Zusammenarbeit mit R ach m anin ow (E.), wie sie sicii in einer Beethoven-Sonate kundtut, eine Verve und Männlichkeit erhalten, die vorhin seinem Spiel abging. Ein solches wechselseitiges Geben bezeugen auch die Platten der großen Dirigenten. Von Klemperer liegt leider nichts ganz Vollwertiges vor; sein Beethoven (G.) ist keineswegs als Probe seines wirklichen Ingeniums anzuschen. Dagegen sind Leo Blech (E.) und Bruno Walter (C.) so vertreten, daß man ihr ganzes Können sich immer gegenwärtig machen kann. Fritz Stic dry. durch viele Schick- ׳salsivcndungcn stets ein wenig Stiefkind der Berliner Popularität, ist in seiner eigensten Persönlichkeit nirgends zu hören. Wie schadeI So können wir hier in Deutschland nicht mehr zeigen, welcher Größe des Stils er, wie kein zweiter, fällig war. י Nur ein großer jüdischer Dirigent ist dem früheren Berlin meines Wissens unbekannt geblieben; Sergej Kussewitzk i j, der Leiter des Bosloncr Symphonie-Orchesters. Seine Pathüfique (E.) ist von einem. Brand und einer Schönheit erfüllt, wie es nie mehr seit Nikisch war. Hier ist das öst- 1 i c h e; so viel dämonischere Judentum zu einem großen Zeugnis musikalische« Orchestcrkultuc gelangt Nr. 10,2.זז. Saul Cliajes: Psctidonymenlcxlkon der bebräUchr■1 , ״ dhcl.cn Literatur. Wim, Verlag Dr. Heinrich Die Erscheinung der Pseudonyme bildet ' der eigenartigsten und zuweilen sehr schwieri׳׳cn p ,5,'"'י der üiicliergcschiehte, letzteres da rum, weil « 1J ״' ״ü liehen seine Wurzeln hat. Daß entgegen der ״״;". ,״[!״■ Tendenz, den eigenen Namen literarisch in dic 0,4־ ,r5 keit zu bringen, auch die entgegengesetzte zu fimi1,״ seinen Namen zu verbergen, kann auf den ersten “f: fallend anmuten. Doch verliert sich das Auffalll״,. t ' wenn man bedenkt, daß prinzipiell zwischen <Ut literrrk 1 ’ und der bürgerlichen Persönlichkeit eine Diskrcnin? k steht, welche mitunter absichtlich vergrößert wird Während nun die deutsche Literatur, dank der ’ Lebensarbeit Michael I f o I z. m a 111! s, im Bunde eins!״;, »nt loh״,״ •«Udo. sehe an1׳ ״!<"» Vt,. erdienjt- Bo ha 11 a, ein ausführliches Anonvmeii- und auch 1 nymenlexikon aufweist, gab cs für die hebt ä jüdisch-deutsche (jiddische) Literatur bisher ein zelte diesbezügliche Untersuchungen. Um voller ist das Unternehme״ des Bibliothekars Saul Ch'ai cm 5145 Nummern umfassendes PscmlonymenlcxiUrm»1'®' '״' «׳Ben, das die gewaltige Zeitspanne von der E״״r're n' Ga omni (ca 1('. Jahrhundert) bis zur Gepmwait in-■ •י :'׳.׳! mit einer charakteristischen Ausnahme.'’Es war nämlich ׳' jüdischen Volke, welches das geistige Werk immer Ja höher verehrte als die Person seines Schöpfers, seit a|t״! ״ üblich, letztere überhaupt nach ihrem wichtigsten mm»"■ allbekannten Werke zu benennen (Beispiel der Wiener U bmer und Gelehrte Isak hen Mose, der fast mir unter dt' Namen ״Or Snrua“ genannt wird). Die Pseudonyme dir,: An sind, weil ihre Zahl kaum zu erschöpfen wäre aut, lassen. Für die übrigen Pseudonyme hat die Auflüsun״ JJ' oft eingehende Untersuchungen erfordert, deren Resultate 1■ die Literaturgeschichte — z. B. wo es gelang, die Ident' kation mit sonst bekannten Persönlichkeiten herbeizuit ren — von nicht geringem Werte sind. Für die Moüve de Pseudonymität, welche von Bernhard Wachstein in de’■ Einleitung zum vorliegenden Werke in interessanter Weit dargcstellt sind, mögen einige charakteristische Beispiele!:! typische Fälle gleichsam, zur Illustrierung dienen. Klassisch ist ja der Name ״Achad Haam“, mit den der junge Ascher Ginsburg eine epochemachende Reihe \0י Artikeln zeichnete, in der er sich, um die Allgcmringiltiekt;• seiner Gedanken zu betonen, schlicht ״einer aus dem Volke׳ nannte. Die literarischen Namen der größten Humorist(: Mendelc M och er Sforim (Bücherhändler) und ״Scholem Al eich cm“ kennzeichnen mehr als alle lim- Schreibungen die typische Seite ihres Humors. Achnlick humoristische Hinweise liegen den Pseudonymen ״Afikome« oder ״Feiler“ zugrunde. In zahlreichen Fällen wird!!ich: eine inhaltliche Benennung gewählt, sondern durch Buchst,ibenspielc uml -Variationen der gewöhnliche Kamt aut eine irgendwie bevorzugte, bezeichnende, eventuell auch biblische oder talmudische Form gebracht. So wird z. B. aa Benjamin Sack: Ben Sakkai, aus Ahron Gurland: Ben Giora, aus Jakob Nunes hingegen: ״Jinnon“ (ein alter Miss.-־■ name). Einfache Akrosticha sind /.. R. Sch. L. G. ans: Salomo Lob Gordon, Kaz. aus Kantorowitz (Anfangs- und Endbuchstabe). Häufig sind auch Uebersct/ungcn aus ändert: Sprachen, eventuell mit anderen Variationen kombiniert, and Orts- und Elternnamen. So wird aus Meir Stein: Eben tu■ Meir, die biblische Benennung des ״leuchtenden Stein«', Ein Ben jcrucham (״Sohn JCrucham's“) nennt sich, 1; Hebräischen aus den gleichen Buchstaben gebildet: Bc Cltorim. Aber mich freie biblische Benennungen wie ״Fj* Adam“ (Menschensohn bei Ezechiel) oder ״Baal-Chalomosf (Träumer, nämlich Josef) werden nicht verschmäht. Zu fa eigenen Erfahrungen gehört, wie der junge Erzähler Czaczk« dazu kam, sich Agnou zu nennen. Er tat dies als Verfass« einer Erstlingserzählung: .,Agunoth“ (Frauen, deren Männe verschollen), welche viel Aufsehen erregte. Die Ucbcrsichtlichkcit des Werkes wird dadurch erhöht, daß dem alphabetisch nach den Pseudonymen geordnet«, in hebräischer Sprache abgefaßten Hauptteil ein Quellt»■ Verzeichnis und ein deutsch abgefaßter Index der Auflösunj beigefiigt ist. Ernst Müller. _ _ — ■1 111 ... Jeder Leser wirbt i für die ן Jüd. Rundschau j Und doch sind wir noch lange nicht mit dem Schatz un׳ j serer Erinnerungen, mit dem Musikbesitz, eines Lebens jensot! J der uns verwehrten Oeffentlichkeit zu Ende. Denn ,! kämen noch Werke jüdischer oder halbjüdischer Komponist« | au die Reihe, die von aller Welt gesungen werden — '1r•* : wie! Da kämen Arien und Szenen der Carmen und des Perl«; j fischers des Halbjuden Bizct: die größten ,Sänger so• .! bereit, fiir ihre unverranschte Schönheit zu zeugen, w! ä Caruso Und Battistini bis zu den schönsten Stimmen «י; lebenden Italiens, bis zu Gigli, Toti dal Monte, Pcrtj• Uebcrliaupt hißt sich aus Carusos Repertoire eine herrlk»! > Stunde jüdischer Musik zusammcnstelien: Bizcts Carmen ej; Perlenfischer, Meyerheers Afrikanerin, die Königin von SaW Nero von Rubinstein und anderes. Und dasselbe ist von der Orchestermusik zu sag«׳ , Mahler, M i I h a 11 d , Ravel — dessen auch von Furtי ־ wiingler aufgeführter BoKro zu den spannendsten modern« Orcliestcrstitckcn (C. und G.) gehört — Bloch, SchünheR! ן Wcllcsz. sind andcutend auf Platten vertreten oder wem“ 5 vielleicht bald zu hören sein, denn die cnplisch-französisc״‘ , Produktion, darin der deutschen weit voraus, bringt jeden , Monai Platten mit moderner Musik auf den Markt. י Aber, wir haben allen Grund, auf das Kommende «; warfen, weil wir wahrscheinlich keine andere Möglich*ן ״ haben werden, die Entwicklung jüdischer Künstler »־ ״״ ״ Welt, vor allem neuer Persönlichkeiten, kennen zu lerי;5״ Heute gibt uns die Fixierung in Wachs und Schellack : legenhcit, in die schöne Weit unserer Erinnerung'״ I heimzukehren. Die Platte bewahrt Teile unseres Lebens■ . Stunden unseres Glücks, Bezeugung dessen, was war e? j vizas groß war. Das mag für manche eine wichtige ש ■ : ganzung der Eindrücke sctii, die sie aus dem Schaffe״ » jungen Musiker des Kulturbunds empfangen. Deswegen k°י ״ nen Hauskonzerte auf Platten Feste besonderer Art s«ן ״״ Ueber das Musikalische hinaus zeigen sic eine Repra«"״! des Judentums, in der die jüdische Seele Größe enthüllt• ״ j , , Zweifler unseres Wertes in aller Welt, Juden und Nd* j .juden, macht die Probei Hört unsere großen Musiker »“■ dann werdet ihr wissen, wer wir sind. x* r' {

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.