Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1934)
- Date
- 1934-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 10. 2. II. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 ntn; r * 1 t t 1 ,ר f , rD er- •|״a 1ן( 1 <I('Hcn ’,,;Tt'hui k!'n fllr nk eiten les un(| f״ Fmiipuiii!('״ JC 11 i t^ q e Mit'; twendjff f James l.1־nen wurde״. m Ans. ledern״׳ di,: Vt «11 lg. schriitdurch die i!( 1R sind, ii'iduii״ 'iir das en alle ג sein, er vor. ' James weisen, ־tsdzen :1R anm Vor- ׳kt hei• 1 ihren Arbeit s über■ >ri\ ater Tragik et enc?messe- ׳en des Schüler mrilen, cingotni1־ Hipe liefern, lummen lp Be• ‘er 211• cli mit Profr- I detiter ihre 1d den ^.em ®UC^C von Max Wiener ״Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“1) Von Dx, Ernst Simon I. Absicht und Ergebnis Pas ». Jahrhundert liegt hinter uns, und so findet es ״!!! seine Historiker. Auf jüdischem Gebiete ist Max Wiener finer von ihnen, und, um es gleich zu sagen; ein ausgczcich- «der. Seine Methode ist die der strengen, kritischen Sach- Ijdikcit, und <h'5 bedeutet zugleich:׳ die der größtmöglichen 0Nfktivit'*k WirKiK 11 fjcscliichilieiic Erkenntnis wird sich iftimcr um (krcchtigkcit bemühen, auch und gerade dann, wenn sie ■charfc Urteile nicht scheut. Der Prüfstein für diese Methode d״ Gerechtigkeit mußte 111 dein vorliegenden Ruch eine Gestalt wie Abraham Geiger sein, von der sich Wieners eigene «;tflliinpn.iliiue sicherlich schon deshalb in seiner biographi- ״hon Entwicklung a1״ schärfsten distanziert hat, weil Geiger der Repräsentant eines assimilatorische״ und Wiener der eines intionalen l iheralismns ist. Gerade gegen solche Grenzfiguren 11 [!«rer eigenen Entwicklung, die eine vergangene Gestalt in Sdhst verkörpern, pflegen wir besonders ungerecht zu sein: Wiener ist hier besonders gerecht. So wird die wissrnschädliche Leistung zum Ausweis von Charakter und Ciesin• nU(tg. Das soll, gerade in einer vorschnell wisscnscliaftsfeindliehen Strömling auch in unserem Reihen, besonders betont werden. Der rem gcistcsgcschichtlichc Aufbau des Buches legt In vier großen Kapiteln die Probleme von ״Religionsgesetz und Lebensform“ und ״Philosophie und Weltanschauung“ geschichtlich auseinander, um dann ״Die religiöse Idee in der ftissemcliaft vom Judentum“ und, abschließend, ״Judentum ils Stimmung“ darzustellcn. Dieser Weg gibt Gelegenheit, die hervorragendsten geistigen Repräsentanten vor allem des deutschen Judentums, aber mit Einschluß Sch. D. Luzattos, 51d1 ihren direkten lind indirekten Aculieruiigen und Verhjlluncswcisen darzustellcn, sowie die wichtigsten puhlizisti Das Bemühen, jeweils die außcrjüdischcn Quellen für die von jüdischen Denkern vertretenen Uebcrzciigiirigcii an zugeben, ist in den entsprechenden Abschnitten von Julius Guttmanns ״Philosophie des liidentums“ erheblich intensiver verwirklicht worden als in Wieners Buch, Dieser gibt zwar meist die Namen von Kant, Scliclling, Fichte, Hegel usw, an, geht aber nicht im einzelnen auf die Art des betreffenden Ein- Busses ein. Dies hätte sein Buch zwar vielleicht an schwellen lassen, aber die historische Erkenntnis noch vertieft. Wir wollen das mit einem Beispiel belegen, das «ns zufällig aufficl. Der radikale Reformer Samuel Hold he im läßt, im Vorwort seines 1813 erschienenen Ruches ״lieber die Autonomie der Rabbinen ..״in höchst merkwürdiger Vertauschung der׳ Rollen das Judentum die universale Humanität, das Christentum aber gerade eine partikulare Sonderheit“ vertreten. Er behauptet nämlich, der Staat emanzipiere die Juden nicht, weil er in Wahrheit kein rein politischer, sondern ein Christ- I'c h e 1־ Staat sei. Genau diesen Gedanken aher hat, wenige Monate vor dem Erscheinen der Hoklheimschcn Schrift, nämlieh Ende 1812, der Linkshegelianer Bruno Bauer u. a. wie folgt ausgesprochen; ״Der christliche Staat tut, was der Jude haben will, was der Jude selbst, solange seine Theokratie2) bestand, versucht hatte; er erklärt die Religion für das Wesen und die Grundlage des Staates, nur daß der christliche Staat die Konsequenz des Judentums für seit! Wesen erklärt.“ (Seite 55 des Sonderdrucks ״Zur Judenfrage“, Braunschweig 1843; als Zeitschriftcn-Anfsatz 1842 erschienen.) In Holdhcims Vorrede heißt es (S. IX); ״Soll nun das allgemein Menschliehe des Judentums dom christlichen Staat nicht genügen, so kann hier das Wort christlich nicht in rein religiöser, sondern auch in nationaler Bedeutung genommen werden, Aufiilcfl Hoiefie zu Gott, da rief ER ihm vom Berg, er sprach: 50 sprich zum Hause Jaakobs, ansog den Söhnen Jlsracts: Selber habt ihr geschn, was Ich an Aegypten faf, Ich irug euch auf Flügeln von Adlern und brachte euch zu mir• Und Jetzt, hört Ihr gehorsam auf meine Stimme und wahr* Ihr meinen Bund, dann seid Ihr mir aus allen Völkern ein Sondcrsthafz. Denn mein Ist die ganze Erde. Ihr aber sollt mir sein ein Reich von Priestern, ein heiliger Stamm. Das Ist die Rede, die du zu den Söhnen JUraels reden sollst, .... . . - - ״ .. ••■• ungesehen und die gleichsam parlamentarische״ Lcbrnsänßcrnngcn ״ir״ ••'''! indischen Staat das Nationale mit dem *r Epoche wieder/ugehen, wobei Mciidelsolm den Beginn fimsCn "י ‘Lr thcokratischen») Form so Innig ver- und Moses ließ den Schluß macht. Die wesentlichsten Er achsin war... 1 h eit g mitntwor• land viertel a r 1 m ) soll rar in :h eit :blich anti• stiert, r des I8ntc• leß den׳ Schluß macht, tanfnissc, die dabei teils wissenschaftlich bestätigt, teils reu gewonnen werden, sind die folgenden: 1. Die indische Rcformbcwcgiutg ist charakterisiert als stetige Mischung zwischen echten religiösen Antrieben und röigcborencni Opportunismus. Das jeweilige Miseliungsvcrhillnis wird hei den einzelnen Erseheimingen kritisch zu ermitteln gesucht. (Auf das gefährliche Problem, inwieweit dir ״opportunistische“ Wunsch, mit der eigenen Zeit im Einklang zu leben, religiös legitim sein könnte, geht der Veil, jedoch nicht ein.) 2. Die Epoche hebt sich grundsätzlich gegen alle früheren in der jüdischen Geschichte dadurch ah, daß die sclhstvcrständliehe Geltung des Religioiisgcsetzes und seiner Olauberisbasis in Frage gestellt ist, auch und gerade da, wo beide begeistert und laut bejaht werden. 3. Daraus ergibt sich eine heimliche Identität der drei poBcn Rcligionsparfcicn: Reform, historische Mittelpartei, Keaorlhodoxie. Sie tritt zutage sowohl in dem Versuch der Warmer — mit Ausnahme Holdhcims und z, T. Ahr. Geigers ihre Vorschläge möglichst religionsgesctzlich zu bc'gründm, w in dem vorschnellen Optimismus und der svnthcfi'chcn Freudigkeit Samson Raphael Hirschs. Es handelt sich im Grunde 11m eine Art Pseudo-Messianismus, in dein die Emanzipation an die Stelle der Erlösung getreten ist. 4. Die jüdische Wissenschaft steht diesem wcltanschau- Mm Hintergrund viel näher, als die streng objektive Be- Mlniig ihrer Themen heute vermuten läßt: erweisen sich doch ihre Fragestellungen meist als solche, die aus der aktudlffl Situation und der persönlichen Stellungnahme des Ge- Irtrten gehören sind. 5. Damit hängt zusammen, daß in den Werken dieser Epoche <tic Thora selbst entweder gar nicht oder mit einer «1sehen unkritischen Begeisterung behandelt wird: das prak- W1 Zentrale ist, eben deshalb, das theoretisch Periphere, w konzentrischen Kreise, die sieh um diesen Glaubendem h^m, werden gleichsam immer umfassender und wissen- Ktuftlich gehaltreicher, je weiter sie vom Zentrum entfernt sind und je geringer also ihr Hciligkeitsdiarakter ist. 6. Alle Wortführer dieses Judentums, nur mit def Aus- ™ine Luznttos, kaum mit der S. R. Hirschs, sind ״Rationa- Wen“, obwohl sie sich wiederum beinahe alle von einem disenen“ Rationalismus abgrenzen. Die Fragestellung Wie- ״fr*, worin sich flacher und tiefer Rationalismus ״eigentlich TOtrsthciden", ist höchst bedeutungsvoll, und seine׳ Antwort, 1 fr hoffentlich einmal systematisch ausbauen wird, führt •Nie Nähe eines Begriffs d'cr religiösen Vernunft (nicht idcti- •k» mit ״Vcrmmftreligion“ und wohl auch nicht mit dem I :?"Julius Guttmann geprägten des ״rationalen Offcnbarungs- יי■ Hubens“). II. Kritische Einwände und Zusätze (S. Holdhelm und Bruno Bauer) | .. Verfasser hat sich — mit Ausnahme Luzattos — auf ״״ ןgeistigen Erscheinungen des deutschen Judentums ׳ be- , ‘tankt und auch die ostjiidische Haskalah, ״weil sie einen § •’?(nen Kreis hedeutet“, nur gestreift. Jede Verengerung?c$ Themas ist zu begrüßen, die seiner intensiven licarbei-!; ״'■״? zugute kommt; aber hier erhebt sich die Frage, ob nicht «I ״Westens der Einfluß hätte behandelt werden müssen, den . ”׳ Päppaports Scndschreihen an die Rabbiner-Versammlung U k ״ er selbst a«* Frankel und Saciis geübt hat. Auch;ן '' te eine Konfrontierung etwa zwischen Zunz und Koclnnat,!״*״» ״ bekanntlich zu seinem literarischen Testamentsvolltl gemacht hat, das Bild der deutsch-jüdischen Wissen- •II '«״och weiter aufhcllen können. Wir vermissen sie um |* . mehr, als die Konfrontierung zwischen Luzatto und Samson phael Hirsch zu den gelungenen Partien des Buches gehört. *11,1?'י? M'** ^"י verhältnismäßig schwächsten erscheinen mir diejenigen chgcn jiidisUieu!1;*MsEil1rlichc11 Darlcgtmgcn des 2. Kapitels, in denen die L u •,riigionsphilosophisclicn Systeme ihrem theoretischen * I ״alt nach wiedergegeben werden. Nicht etwa, daß der VerfLT dlcsc Aufgabe verfehlte: iin Gegenteil, er löst ׳sie mit '',0fff Klarheit und Prägnanz. Was wir vermissen, ist eine systematische Fragestellung, die erst die Philosophie- ' H w׳Clte Sanz lebendig inacht und die z. B. Leo St rauß so ״ ™ch über Spinozas Bibel- und Religioiiskritik zu *1®ffordentiiehen Ergebnissen geführt hat. Wiener laßt! an der eigenen Stellungnahme oder doch an gclegcnt- ' leki#1,^ ״r,sPruch bei fast keinem der angeführten Autoren;??her gerade der Gelcgenheitscharaktcr solcher Aeußei « s1e manchmal als ein mehr zufälliges Hincinrcden Au! Man sicht, woher Holdheims ״merkwürdige Vertauschung der Rollen“ stammt: von Bruno Bauer, der sie freilich nicht vertauscht, sondern beide, Juden wie Christen, als gleich emanzipationsiinwürdig und deshalb als gleich ernanzipationsbediirflig (nämlich von der Religion) erklärt hat: ״Nicht mir die Juden, sondern auch wir wollen emanzipiert sei״.“ (Bauer, S. fit.) Freilich zitierte Hokllieim an diesen Stellen, wo er ihn teilweise nusschreibt, Bauer mit keinem Worte, sondern nur im Innern des Buches S. 16, 56, 102, 118), wo er gegen ihn polemisiert. Das hat seinen guten Grund: Bauer, der der Judcnfrage eine ganz merkwürdige, später von Marx kritisch fortgcfiihrte Wendung gegeben hatte, galt den liberal-rabbilüschcn Gegenschriften (Samuel Hirsch und Gotthold Salomon) einfach als Feind der Emanzipation, zumal ein Nürnberger Ritualmordprofessor F. W. Ghillany, Verfasser eines Ruches über ,,Die Menschenopfer der alten Hebräer“ ihm kräftig zur Seite trat. Trotzdem fühlte sich Holdheims Radika* lismus von dem Bauers angezogen — ähnlich, wie das Wiener für den Einfluß von David Friedrich Strauß auf den jungen Geiger gezeigt hat — «nd wertet ihn ohne Namensnennung in der Vorrede aus. Zugleich zeigt sich darin die Abhängigkeit der jüdischen Systeme von der Tageslitcratur. die Wiener weniger herangezogen hat, als er zu tun verspricht, und jene gewisse Bedenkenlosigkeit in der Auswahl der Argumente, wie sie der Ncophvt in einer fremden Kultur leicht erwirbt. Ucber sich selbst hinaus aber bedeutet unser Beispiel methodisch, daß für die Erkenntnis dieses jüdischen Zeitraums jede einzelne geistige Aeußcrung genau in ihren engsten zeitlichen Rahmen hincingestellt werden müßte. Je sorgsamer die Chronologie beachtet wird, tun so größer werden die systematischen Ergebnisse sein. Wiener hat den verborgenen theologischen und philosophischen Gehalt der nicht theoretlsehen Aetißcrungcn in dem Kapitel über die jüdische Wissenschaft mit bewundernswerter Präzision herausgenrbeitet: er sollte nun die umgekehrte Aufgabe: die aktuell-historische Deutung der theologisch-philosophischen Aeußcrtmgen noch ergebnisreicher anpacken, als das, ansatzweise, schon in diesem Buche geschehen ist. Er ist zweifellos der Mann dazu, III. Bedeutung und Standort Das jüdische Denken im 19. Jahrhundert Ist kurz vor den! Wicncrschcn Buche zweimal in deutscher Sprache behan* dclt worden: von Julius Guttmann im Rahmen seiner umfassenden ״Philosophie des Judentums“ und von dem — bei allem Abstand hier zu nennenden — jugendlichen Autor Hans Joachim Sc hoc ns in seiner Schritt ״Jüdischer Glaube in dieser Zeit“. Ein kurzer Vergleich mit den beiden Vorgängern wird die eigentümliche Bedeutung des Wicnerschen Buches am besten herausstcllcn. Julius Guttmann beginnt sein Buch mit der Feststellung, daß das jüdische Volk eine originale Philosophie nicht aus eigener Kraft hervorgebracht hat; er schließt es, ohne auf den neuen ״Irrationalismus“ Hubers und Rosenzweigs noch ein zugehen, Diesen beiden Orenznunkten entspricht auch die Haltung im Innern des überaus bedeutungsvollen Werkes: sie ist diktiert einmal von dem heroischen Versuch, die böse liberale Erbschaft des ״apologetischen Denkens“ (Rosenzweig 1 loszuwerdcn, und andererseits von einer neukantianisch — — Max Wcbcrschen — Weltanschauungsaskese, der die Wissenschaft Selbstzweck ist. Ganz am anderen Ende stände eine philosophische Bemühung, als deren Index wir Schoeps anzusehen haben. Sein mit großen geistigen Mitteln unter■ nommener Versuch bemüht sich um eine ״cxistenziale“ ln terpretaiion der jüdischen Philosophen, insbesondere Stein heims, verfehlt diese aber, da er die Begriffe lind Maßstäbc seiner eigenen, dcutsch-protestantisch geformten Existenz in ganz andere geistige und Dnseinsbedingungen hin ein!egt. ln der Mitte stellt Wiener, der aus einer wirklich leben Existenz heraus Geschichte erlebt und daher beidem, der Geschichte lind dem Erleben, ihre Eigenständig keit belaßt. Dieses Buch hätte ohne den Zionismus nicht ge schrieben werden können — obwohl sein Verfasser sich mit national-jüdischen üesdiichtsurtcilen gelegentlich mit Recht auscinandersetzt — denn es spricht von einer jüdischen Basis her, die wiederum mehr geworden ist als Ideologie. Gerade von ihr her gelingen die wichtigsten objektiven Einsichten über die oben referiert wurde, nämlich die in den vorfdeolo gischen Glaubens- und Wesengrund des alten Judentums und die in den Idcologiecharakter der drei Parteien de« neuen Von ihr her gelingt aber vor allem die Entdeckung des — freilich von Heidegger vorgeformten — Begriffes der jüdi sehen ״Stimmung , der früh schon anklingt, sich immer erstarkt imd schließlich in dem abschließenden Ka Einander*(?" 8 8 e1 ״f Pr1nap/״i der historischen pitei entfaltet wird. Diese jüdische ״Stimmung“, die noch in uöiAtivüs1rS!oZunK .erI^l,cl,.nen• rP'f•711 •ס״״.״״״ rühmen Abgcfallericn wie Heine lebte, ist ein Substrat des alten vollen H hat kw aC a״chfUM d1esl Parov, e ihre ganz Daseins und damit eben so sehr eine Vorläuferin des Zio- Historiker der PhHos^phU^hre ganz . Lu״tt0 u״d Sac|1S>> 0raetz und frankej, auf die ^^Problematik und ihren ganz etgefien Sinn ')?Mio-Verlag 1933. *) juid ») Von mir gesperrt E. S. (II. B M. XIX, 3-6) Ucbcneizung von Bubcr/ Rasenzwclg Aus dem WodtenabschnlU für Sonnabend, 3. Februar Wiener liinweist. Mit diesem letzten Hinweis aber ist wiederum die religiös-geistige Bedingung angedeutet, die dem Zionismus um des Judentums willen auferlegt ist und die Wiener als seine eigene Meinung ausspriehf. Nicht zum wenigsten deshalb sollten Zionisten und Nichtzionisten dieses Buch lesen: beide haben gleich viel von ihm zu lernen. Die Amiedlung deutscher Juden Jerusalem, 25. Januar. (J.T. A.) Die Palästina-Abteilung des Departments der Jewish Agency für Ansiedlung deutscher Juden in Palästina hielt eine Pressekonferenz ah, In der Dr. Arthur Ru pp in und Henrietta Szold über die bisherigen Arbeiten des Departments und dessen Plane für die Zukunft referierten. Dr. Ruppln erklärte, im Jahre 1933 seien etwa 7000 bis 9000 deutsche Juden nach Palästina gekommen. Zur Zeit der Volkszählung 1931 war die deutsch-jüdische Gemeinschaft rund '2000 stark, sic dürfte sich inzwischen mindestens verfünffacht haben, fn Palästina selbst wurden 12000 Pfund für Hilfe an deutsche Juden aufgebracht. Das Budget des Zentralbüros für die deutschen Einwanderer beträgt 125000 Pluncl. Der Londoner Central British Fund steuert 50000 Pfund bei, wovon 30000 Pfund für Häuserbat! in alten Kolonien und 20000 Pfund für wirtschaftliche Beriifsumschichtung der deutschen Einwanderer bestimmt sind. Aus anderen Ländern kamen 58000 Pfund. Auf Kosten der Komitees aus Alexandrien und Kairo wird eine Kolonie deutscher Juden ״Mafmonia“ (auf den Namen des Rambam) gegründet. Dem Büro angegliedert ist eine Beratungsstelle für deutsche Einwanderer mit Kapital. Es wird dafür gesorgt, daß die Kapitalinvestierungen auf solider Basis geschehen. Auch bei dieser Elnwandererkategoric ist eine ״Umschichtung“ notwendig, da es sich zu einem großen Teil um frühere Akademiker handelt. Geplant wird die Einrichtung randstädtischer ״Transit-Siedlungen" für Einwanderer, zu deren Umschichtung und neuer Berufswahl eine gewisse Zeit erforderlich ist. Auf Keren Kajcmcth-Boden Im Einck-Sebulun In der Nähe von Haifa entsteht eine solche Siedlung für 150 Familien, eine zweite in Ncwe-Schaanon bei Haifa für 50 Familien, ferner in Talpioth bei Jerusalem für 30 Familien unn in Mikwc-Jisrnel in «er Nähe von Tcl-Avviw. Landwirtschaftliche Siedlungen für deutsche Juden entstehen in Wadi Hawarith für 50 Familien, hei Petach-Tikwah für 50 Familien, in Mifraz-Haifa für 25 Familien. Früheren Unlversitätsprotessoren wurden 900 Pfund zur Fortsetzung ihrer Forschnngsarbeiten zur Verfügung gestellt, davon 500 Pfund für solche, die am Haifacr Technikuni, und 400 Pfund für solche, die in der Versuchsstation in Rcchohoth arbeiten. Miß Henriette Szold berichtete über die Versorgung def Einwandererkinder. 350 Einwanderer-Zertifikate wurden sneziell für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren zur Verfügung gestellt. Außerdem werden 100 jüngere Kinder deutscher Juden nach dem Kinderdorf Ben-Scbcrncn gebracht. Ende Januar treffen in Palästina 63 ältere Kinder ein, für die in En-Charod Häuser gebaut werden, die übrigen Gruppen werden auf verschiedene Orte verteilt werden. 55 Kinder orthodoxer Eltern werden bei Petach-Tikwah angesiedelt. Dr. Georg Landauer teilte mit, daß gegenwärtig 300 deutsche Juden im Emck Jczreel, 800 deutsche Juden in verschiedenen Siedlungen in anderen Teilen des Landes und 500 deutsche Juden als Einzclarbciter in den Vorkriegs• kolonlen eine landwirtschaftliche Schulung erhalten. Der Rassegedanke im neuen Deutschland fn seiner großen Reichstagsrede am 30. Januar zur Feier des ersten Jahrestages der nationalsozialistischen Machtergreifung besprach Reichskanzler Hitler auch die Bedeutung des nationalsozialistischen Rassegedankens für die Neugestaltung der Weltpolitik. Es ist selbstverständlich, daß uns Juden, die wir ah Fremdrassige im Deutschen Reich leben und ihm zugehören, dieser Teil der Rede besonders nahe angeht. Der Reichskanzler sagte darüber: ״Der nationalsozialistische Rassegedanke und die ihm 111• grundcliegende Rassenerkenntnis führt nicht 1a einer Geringschätiung oder Minderbewertung anderer Völker, sondern vielmehr rur Erkenntnis der gestellten Aufgabe einer allein zweckmäßigen I-ebonsbewalmmg und Lebens-Forterhnltung des eigenen Volkes. (Ueifall.) Er führt damit iwangsläufig zu einer natürlichen Respektierung de» Lebc ns und de* Wesens anderer Völker. Er erlöst damit die außenpolitischen Handlungen von jenen Versuchen, fremde Menschen zu unterwerten, um sie regieren zu können oder um sie gar als eine reine Zuhlenmassc durch sprachlichen Zwang dem eigenen Volke einzuvctlciben. Dieser neue Gedanke verpflichtet zu einer ebenso großen und fanatischen Hingabe nn das Leben und damit an die Ehre und Freiheit des eigenen Volkes, wie zur Achtung der Ehre und Freiheit anderer. Dieser Gedanke kann ,daher eine wesentlich heisere Basis abgeben für das Streben nach einer wahren Befriedung der Welt, als die rein machtmäßig gedachte und «״genommene Sortierung der Nationen in Sieger und Besiegte, in Berechtigte und rechtlose Unterworfene.“ Obwohl hier offensichtlich auf die Außenpolitik Bezug genommen wird, handelt es sich doch um Aufstellung eines im Völkerleben neuen Prinzips, das auch dort, wo ver• schicdene Völker in einer politischen Einheit zusammen• leben müssen (z. B. tn den Ländern mit nationalen Minderheiten), neue Herr 'ktiven eröffnet