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Jüdische Rundschau · 1934-01-26 · Heft 8 (26.1.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 8 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8, 26,1. 1934 •/י׳זן I } { > i DU n ץ־"־ 1לז* 1 'iS \i»M^ ן j ■יי■■־», J»«W ן•«»(■««' 11j,־i ä «i IwaMi fefeaj lutfiül h^i^< fl r 1/" ו M : > iiak-Jf na ר״״די ö '*־VlMM . | %*׳ V! j nachfolgenden Ausführungen sollen denjenigen unserer Leser, die bisher die Bedeutung von Chamischa Assar /!'schwul, dem Neujahrsfest der Btinme, das in diesem Jahre auf den i. Februar fällt, nicht oder nur unvollkommen kannten, über das Wesen dieses Tages Aufschluß geben und zugleich eine Anleitung dar■ stellen, in welcher Form die Feier des Festes erfolgen kann. Es gehört 7.11 den tragischen Erscheinungen der Gnhitli, daß wir Juden durch den Verlust unseres Heimatlandes und durch den Zwang der äußeren Umstände uns auf die Berufe und das Lehen in der Stadt konzentrieren mußten. Mehr als die anderen Völker der Neuzeit wurden wir dadurch der Natur entfremdet, noch mehr als die anderen haben wir es ,verlernt, an dein einfachen Leben der Natur tcil/iineluneii und uns an ihrem Wachstum zu freuen, Und auch hier sollte ein Znriiekgchcn auf unsere eigene Geschichte uns ein anderes Verhältnis zur Natur gewinnen lassen. Die Freude an der Natur in ihrem jeweiligen Stadium bildet ein entscheidendes Element unserer jüdischen Feste, und durch die Verbindung diescs Elementes mit dem betreffenden geistigen, national-geschiclitlichen Moment erhält jedes unserer Feste erst das charaktcristische Gepräge. Ein ganz besonderes Zeichen der Naturnähc des geschiehtliehen Judentums bildete die Einsetzung eines besonderen Tages, des Chamischa A s s a r b'S c h w a t, als des ״N c u ־ jahrstnges der Baume1‘. Er bezeichnet den Beginn des paliistinensielien Frühlings, nachdem der meiste Regen gefallen ist und die Manilelbäume zuerst im Lande zu blühen an tan gen. Zugleich bildet er, da alle Ereignisse des gesellschaftlichen und naturhaften Lebens in einen höheren, durch das Gesetz bestimmten Siniiziisammeiihang gestellt wurden, die Zeitgrenze für die V e r z c h n t u 11 g der B a um fruchte und für die Bereitstellung des Z e h 111 e 11 für die Arme n. Auch später in der Golah, als dieses Fest mitten in den Winter fiel, hat sich eine lebendige Erinnerung daran stets erhalten. Zu allen Zeiten und in allen Ländern unserer großen Wanderung äußerte sich an diesem Tage unsere enge Beziehung zu Erez-israel durch den Genuß möglichst vieler Früchte des Landes. Audi in der Ferne wollte man damit sinnfällig der Freude an der in jedem Jahre zu diesem Zeitpunkt sielt erneuernden Natur Ercz-Israels Ausdruck verleihen. Und wie nach jüdischer Auffassung der Rösch Haschanah den Gerichtstag über jeden einzelnen Menschen darstellt, gestaltete die jüdische Volksphantasie den Chamischa Assar b'Schwat zu einem Tage der Entscheidung über das Schicksal eines jeden Baumes, aus der Vorstellung heraus, daß auch die Natur ein eigenes in das Ganze des Kosmos eingeordnetes, persönlich erfahrenes Leben kennt. Mau sieht das deutlich an den Texten der vom Keren Kajcmeth zum 15. Schwat herausgegebenen neuen Lieder aus Erez-israel. Seit einigen Jahrzehnten, durch die zionistische Aufbaubewegung, hat auch dieses Fest eine besondere Note erhalten. Durch Verwüstungen und durch die Vernachlässigung des Landes so viele Jahrhunderte hindurch ist der Baumbestcnd Palästinas fast völlig verschwunden. Auch in einer Zeit normalen Volkslebens haben unsere Gesetzeslehrer um die Erhaltung und Mehrung des Baumbestandes in Palästina Sorge getragen. Aus diesem Grunde verboten sie die Züchtung von Kleinvieh (Bawa Kama 7, 6). Ferner bestimmten sie, daß, wenn (Red.) in Erez Israel junge Ocfbniime bei einer Uebcrschsvcmmtmg in einem anderen Felde Wurzel gefaßt haben, der frühere Besitzer sie nicht mehr aiisgrahen kann (Schttlch. Or. Chosch. misclip. 1öS, 1). Der Zweck der Vorschrift ist die Vcrgrößerimg des Baumbestandes von Erez-israel. Der erste Besitzer wird neue Bäume setzen, der zweite hätte von sich aus keine gepflanzt. Es ist daher eine Fortsetzung unserer alten Tradition, wenn heute hei dem Neuaufbau des Landes der Keren Kajemcth als eine seiner wichtigsten Aufgaben die Aufforstung des 1,וו ה tlcs :tnsiehi. Der 15. Schwnth ist heute in Erez-Isracl der Tag der Mnssenhepflanzung des bis dahin verödeten Landes geworden. Er ist der T a g 11 c r J u g e n d, die in der Art der Feier ihre neu errungene enge Verbundenheit mit der Natur des Landes zeigt. Mit den ersten Frühlingsblüten und mit vielem Grün schmücken sich die Kinder, mit bekränzten Fahnen und Girlanden ziehen Tausende von Schülern frühmorgens singend hinaus. Jedes Kind erhält einen Tontopf mit dem Setzling eines Baumes, kleine Gruben werden ausgeworfen, und mit festlichen Liedern pflanzt jedes Kind seinen Setzling ein, der von nun an der persönliche Schützling dieses Kindes wird. So feiern viele, vielleicht die meisten Bäume im Lande, am Neujahrstng der Bäume ׳zugleich ihren eigenen Geburtstag. Jeder neue Chamisclia Assar b'Schwat sieht neue Wälder entstehen, und auch jedes größere Ereignis im öffcntlicncn oder persönlichen Lehen verewigt der Jude Erez-Isracls durch Pflanzung von Bäumen, der Jude der Golalf durch ״Baumspenden“. So verknüpft er damit zugleich sein persönliches Leben mit dem Werden des Landes, So entstellt allmählich wieder eine enge Verbundenheit zwischen Mensch und Pflanzung, die beide in ihrem Schicksal voneinander abhängig erscheinen, wie wir dies von der Bibel her kennen. I. B. Mosche 3, 17; 4, 12. III. B. Mosch 26, 34 und ■13. V. B. Kap. II, V. 14 u. v. a.) Doch darf der Sinn dieses Tages sich nicht in der Freude an der konkreten Leistung und an der Natur erschöpfen. Wie zu allen Zeiten unseres jüdischen Volkslebens erhalten diese für jedes jüdische Leben notwendigen Elemente ihre Bercchtigung erst dann, wenn in dem, was wir schaffen, unsere Bo Ziehung zu den letzten Werten, wie sie durch das jüdischgeschichtliche Judentum geformt wurde, zum Ausdruck kommt. Gerade die vielen Tausende jüdischer Menschen in Deutsch-!and, die in diesem Jahre zum erstenmal den Chamischa Assar b'Schwat kennen lernen, sollten die Synthese von Natur und Geist im Judentum, durch die jedes von beiden erst seinen echten Sinn erhält, verstehen, in ihrer Hinwendung zum Lande Israels und zu einem Leben der Naturnähe mögen sie sich den Blick offen halten für die Verpflichtung, die stets mit dem Wohnen in Erez-Isracl verbunden erschien. Die Freude am Chamischa Assar b’Schwat, an der sich erneuernden Natur Ercz-Israels und an dem Fortschrciten unseres Aufbauwerkes wird dadurch nur tiefer und reiner. Dr. Erich Rosenbitith, Berlin. Palästinensischer Bilderbogen n. (Siehe ״Jiid. Rundschau“ Nr. 102 v. Js.) Von Dr. Albert Baer, Haifa Service ״Kundendienst“ ist keine bisher im Lande sehr verbreitete Ucfaung. Service, eine Eriiiulung der amerikanischen nrosperity, freudig aiifgcnomim'ii vom Europa der Wirtschaftskrise, ist liier noch nicht in erheblichem Umfange bekannt. Das Verliältnis des Kunden zum Verkäufer hat ein hiesiger Geschäfts• mann klassisch durch die Worte aiisgcdrückt: ״Man kommt, man nimmt, man zahlt, man geht,“ Aber die letzte Einwanderung hat auch diese amerikanisch-europäische Ware nach Palästina importiert, und in den neuen Läden, die schon durch ihre Aufmachung an großstädtisches Europa erinnern, wird auch Service geboten. Die alten Läden bemühen sich, zuerst in der ,äußeren Aufmachung, cs den neuen glcicli/utun. Noch gibt cs — jedenfalls in Haifa, bin dar Haenrmcl — in der Mehrzahl Liiden alten Stils, deren Aufmachung etwa den Laden einer abgelegenen deutschen Kleinstadt entspricht. Dann gibt es schon halbmodcrnc, wie man sic in deutschen Städten findet, die nahe an der Großstadt liegen, und von dieser schon manches abgesehen haben. Und schließlich die zuletzt erötfncten, mit dein dernier cri Europas an Inneneinrichtung und hcllerlcuchteten Schaufenstern. Die eingesessene Bevölkcriing kauft noch vorzugsweise in den alten gewohnten Läden, aber doch wird die Zahl derer, die es mit den neuen vcisuchen, größer, und so, wie man sich an die Aufmachung gewöhnt und Neues verlangt, wird man auch den Service wohltuend .empfinden und bald nicht mehr ohne ihn auskommen. Sieht der Inhaber des Ladens alten Stils seine Kund- Schaft geringer werden, so wird er merken, daß die Zeit der oben erwähnten Definition des Verhältnisses zwischen Ver- Hinter und Käufer vorbei ist. Diese Erkenntnis wird den Konjunkturberufen langsamer dämmern als den anderen, sie sind ja nicht nur den alten Stil gewohnt, sondern glauben auch noch heute vielfach, daß sie bei der starken Nachfrage nach ihren Leistungen . das Publikum nach Belieben behandeln können. Dies gilt insbesondere von zwei Berufen: den Gasts t ä tt c n und den Hauseigentümern. So zählte man z. B. in einem der besuchtesten Cafes Haifas an einem Nachmittag um 8/15 75 Gäste und einen Kellner. Man erinnert sich sicher ähnlicher Zeiten starker Nachfrage nach Leistlingen und insbesondere nach Waren in Deutschland, etwa der Zeiten der Warenknappheit nach dem Krieg und in der Inflation. So wie die Amerikaner dachten, daß die Prosperity ewig währe und cs sogar europäische Wirtschaftssachverständige gab, die dies bestätigten,. glauben auch die Palästinenser vielfach an das ״palästinensische Wirtschaftswunder“ und weisen nach, daß es in absehbarer Zeit so bleiben müsse. Darum sind auch die Konjunkturberufe nach wie vor nicht geneigt, sich besonders freundlich zu verhalten, und das zahlreiche wohnungsuchende Publikum muß sich mit der Behandlung durch die Hauswirte ahfinden. Diese wissen ja, daß aus den wieder-!holt aufgefiihrtcn Gründen der neue Einwanderer zu ihnen kommen muH, und daß man gezwungen ist, in die Wohnung einzuziehen, selbst wenn die Fenster und Türen noch nicht eingesetzt, die elektrische Leitung noch nicht fertig ist und die Wasserleitung noch nicht funktioniert. Wer sich darüber beschwert erhält meist zur Antwort, daß es keine Arbeiter gibt. Nun ist dies sicher zum Teil richtig, und es herrscht bestimmt ein Mangel an Facharbeitern, aber dieser Mangel wird natürlich gern auch als Vorwand benutzt, um berechtigte Forderungen abzuwcisen Aehnlich ist es mit dem Wunsch der Mieter an den Vermicter, vorhandene Mängel zu beseitigen. Auch hier hört man die Antwort, der Mieter solle doch froh sein, endlich eine Wohnung zu haben, es gäbe 80 viele Wohnungslose in Palastina, die froh wären.... usw. Es kommt hinzu, daß der Mieter die Miete zumindest in Wechseln für ein Jahr voraiisgezahlt hat, so daß man von den Hauswirten der Jetztzeit mit einer leichten Variierung des Goethe-Wortes sagen kann: ״Sie lassen den Armen nichts schuldig werden, dann überlassen sie ihn der Pein.“ Sie haben ihm die Miete für ein Jahr im Voraus abgenommen, und er muß sich nun mit der Wohnung und den Zuständen Im Hause abfintlen und selbst versuchen, sieh möglichst wohnlich cinzurichtcn. Nur langsam wird alles noch Fehlende in Ordnung gebracht, aber bis dahin wünscht man sehnllchst, daß der Hauswirt und der Architekt einen Kurs in Service niitmnclien mögen, an dem tcilzunchmcu sie gesetzlich verpflichtet werden sollten. ״HamcschoifeHm" ״Ham cs eh ottctlm“, die Umherschweifenden, ist der Wandcrbund Palästinas. Monatlich zweimal werden die Mitglleder und Freunde zu einer großen Wanderung am Schabbat, dein arbeitsfreien Tag, zusnmtncngcrufcn und in 8— lOstilndl-;rem Marsch wird die nähere und weitere Umgebung der Stadt, in der die einzelnen Gruppen ihren Sitz haben, durch* streift. Der neue Einwanderer^ der sielt einer solchen Gruppe nnschlicßt, wird die besten Eindrücke haben und feststclleii, daß verschiedene über das Wandern in Palästina und die Wandernden in Palästina ins Galutli gedrungene Gerüchte durchaus unrichtig sind. Man stellt fest, daß cs falsch ist, wenn man in üaluth behauptete, man könne in Palästina nicht wandern, und es gibt große und weite Gebiete im Land, die sich nur dem Wanderer erschließen, weil das Touristenauto oder der Vcrkchrsautobus niemals dort hin kommt. Der Wanderer sieht weit mehr vom Land und kann es weit besser kennenlcrncn als diejenigen, die mit der Bahn oder dem Auto von Station zu Station fahren und eigentlich immer mir dieselben, viel besuchten Punkte zu sehen bekommen. Das Wandem ist nicht immer ganz, einfach, es gibt fast nirgends gchaluitc Wege, mit Tafeln und Aussiclitsbänkcn, denn cs gibt noch keine Verkehrs- oder Fremdenvereine in Palästina, der erste dieser Art ist jetzt in Haifa in Gründung begriffen, der Verein ״Chowewc IiaeanncI“. Man geht a'so meist nicht auf schattigen Waldwegen, sondern ist durchaus auf freiem Feld der Sonne ausgesetzt und muß manchmal mühsam durch den Sand stapfen oder gar nach Regenwetlcr große Klumpen aufgeweichten Bodens an den Schuhen mitnchnicn. Ein weiterer Vorzug solcher Wanderungen ist auch, daß man nicht nur die jüdischen Siedlungen besichtigt, die Ausgangs- und Endpunkte der Verkehrslinien, sondern auch die im Lande verstreuten arabischen Dörfer, deren ganze Bevölkerung zus.unmcnlau't, wenn die Gruppe hindurchkommt, für die Einwohncr bestimmt eine Abwechslung in dem ewigen Einerlei ihres Dorfes, und besondere Freude macht es innen, wenn sie einem Tanz der Wanderer zuschauen können. Es ist erfreulich, daß zahlreiche Wanderer arabisch sprechen können, und daher in der Lage sind, sich mit den Dorfbewohnern zu unterhalten. Die Wanderung beginnt meist schon In früher Morgenstunde oder manchmal sogar in der Nacht, und jeder Marsch ist eine bcaclit'khe wandersportliche Leistung. Unterwegs wird vom Führer auf die Geschichte der durchwandetteil Ortschaften hingewiesen, cs wird die Bibel zur Hand genominell und darin über die einzelnen besuchten Punkte nach• gelesen, in den neuen Siedlungen wird von ihrer Enbtg, und Zusammensetzung erzählt. Aber der Wille zur sportj;.'!,r1'' Leistung steht noch sehr im Vordergrund, vielleicht etwa» fuhr, und es wäre noch schöner,' eine bis zwei St1inVa weniger zu wandern und noch mehr zu genießen und ü! n größerem Maße Geschichte, Geographie, Literatur und V u lütmle auf der Wanderung 711 Betreiben. Trotz, der Märsche ist aber die Stimmung immer ausgezeichnet'' , J wenn man einmal vom Regen gefaßt wird und <d1111<|en|11' in dem schüttenden pnliistincii-d sehen Regen Bergabluinge'(f} Weg hlnuntersteigeii und über den völlig aufgeweidit’en f '' dem gehen muß. Auch nach zehnstündigem Marsche ׳.״!!! dann noch bis zur Abfahrt des Zuges gesungen und get.m'״ und man gewinnt die sichere Ueber/etigung, daß diese . dische Jugend mit der Jugend jedes anderen Volkes an KriX' Schönheit und Geist zu vergleichen ist. 'י Fürsorge und Selbsthilfe; Pariser Brief sn, Paris, 19. Januar 103p Die französische Jiidenlieit und ihre Organisationen wäre! auf eine Massencinwaiidcrung von Hilfsbedürftigen nig* gefaßt, und die an Ort und Stelle notigen Aufwendungen sgj auf die Dauer nicht in Frankreich seihst aufzubringen, selbe wenn auf allen Seiten der französischen ludcmieit die’inn׳••! ■ Bereitschaft hierzu bestehen wurde. Die über Nacht ins tcb~ gerufenen Comltcs und ihre Administrationen mußten erst Er", falirungen sammeln, und bis sie soweit waren, versiegte allruäh. lieh der Strom der freiwilligen Spenden für das Hilfswerl Die große Zahl der zu Betreuenden, ihre berufliche Struktur’ die Schwierigkeiten der allgemeinen Wirtschaftslage, die fäs snche׳ daß die jüdisch-deutsche Immigration bereits die viert, ist, die Frankreich seit 1917 aufzunchmen hatte, bewirkten, dii ein immerhin ansehnlicher Betrag und sehr viel guter ohne entsprechende Ergebnisse vertan werden mußten. Du Schlimmste an der Entwicklung aber ist, daß sich in den Era■ grantenkreisen, selbst in solchen, die den guten Willen du Hilfskomitees anerkannten, die Ueberzcugirng befestigte, dü man in den Büros der Komitees weder genügende Hilfe noch brauchbaren Rat finden könne. Mit anderen Worten: es j!f nicht gelungen, eine autoritative Zentralstelle zu schaffen, die es vermöchte, ordnend und führend in 1! die Bestrebungen einztigreifen, die eine Ueberftihrung de Auswanderer aus dem Zustand von ״refugiäs“ in den von Seßhaftgcwordenen zum Ziele haben. (Aus dem Gewirr m Pliinen und Aktionen ragen nur zwei Punkte: der Hechs• luz und eine andere Umschichtungsorganisation, die sich eit der Praduktivierung von Menschen in etwas vorgeschrittenen Alter beschäftigt.) Wer über nichts verfügt, also weder über einen brauchbaren Beruf noch über die geringsten materiell«! Hilfsmittel noch über menschliche Qualitäten, die zur Aul■ nähme des Lebenskampfes befähigen, und wer nicht AnsclilJ an den Hcelialuz gefunden hat, der begibt sich in die dauernde Fürsorge des Comitd National. Der Rest aber — und dieser Rest bildet die Mehrheit der EingewandeHen — versucht auf eigene Faust sich in die fremde Umgebung eiiuufügen und einen Ausweg zu finde!. Selbsthilfe ist die Parole dieser Schicht, und man kann nur zugeben, daß diese Parole im Prinzip richtig ist. Man staunt immer wieder, wenn man erfährt, wie sich einzelne Einwanderer zu helfen verstanden. Ein Sänger backt Wien« Brot und findet für seine Erzeugnisse guten Absatz. Drei Rechtsanwälte haben eine Wäscherei aufgemacht und haben zu tun. Ein Studienrat hat einen bescheidenen, aber gut itkr, den Schubladen. Ein ehemaliger Filmschatispieler fabriz.ert schlesische Wurst und setzt sie in Restaurants und bei Dell-; katcssenhnndlern ab. Ein Arzt hat eine Besohlanstalt und eia anderer vertreibt mit gutem Erfolg Lederwaren. Sehr viele aber, und gerade solche mit etwas Kapital, wollen nicht odtr können nicht Händler und Vertreter werden, sondern s;f möchten sich auf dem Lande ansiedeln. Ein durchaus begreif• ׳ lieber und begrüßenswerter Wunsch. Ein Professor der Arcritcktur will eine Gärtnere! betreiben•, ein ehemaliger Rech:«• anwnlt will Geflügel züchten. Es besteht also ein Bedarf s# Siedlmigsland oder an bereits vorhandenen Wirtschaften, l'd da schießen bereits, ,ähnlich den seinfrzritigen Aiiwui*• rungshyilnen während der großen Wanderung nach Ameriü. Siedlungshyänen aus dem Boden. Da gibt es «F* Spekulanten, die irgendwo ein größeres Gut gekauft haben, cs parzellieren und die Parzellen zum Kauf anbicten. Natur■ lieh zu Wtichcmreisen und so geartet, daß ein Mißerfolg iinaui• Weiblich ist. Daneben gibt es aber giitmeinemle, ausländ!;( Schadenstifter. Was soll man dazu sagen, wenn ein im uhn• gen ehrenhafter ehemaliger Bauunternehmer auf 3 ha Land 18 der Nähe von Paris zirka 35 Lehrlinge in einem Schncllkuri zu perfekten Gärtnern mit hebräischen und fran/öslwh« Spraehkcnntnissen für Palästina ausbilden will? Zwei andere durchaus ehrenhafte Männer, ein Rechtsanwalt und ein Privß• gelehrter, wollen auf eigene Faust Siedlungen für Emigranten schaffen. Dabei haben sie außer ihren ehrenwerten Namen weder Geld noch Erfahrungen in Frankreich, noch Kenntnme in der Landwirtschaft. Daß solche Pläne Sclüffbritch W« müssen, der in seinen Strudel Menschen mit ihren Rtzta Geldmitteln ziehen wird, liegt auf der Hand. Selbsthilfe' “ ausgezeichnet; aber nicht ohne Kontrolle der Ocffontlichket•■ Sonst artet sie aus und wird zum Fluch, anstatt segcnsreica zu wirken. An dieser öffentlichen Kontrolle fehlt es aber, w® keine autoritative Zentralstelle für die Emigranten vorhanden1**■ Während in den einzelnen Comitds über all diese W״f! mit heißem Bemühen beraten wird, rüsten sich 110 Chalun״j! um sich am 19. Januar in Marseiile nach Palästina schiffen. Am 26. Januar soll eine Gruppe von zirka 150 foR® Diese Zahlen bedeuten im Vergleich zur Masse der zur Aus• Wanderung nach Palästina Drängenden nicht viel. Aber sie sind, rebus sic stantibus, das Einzige, was aus dem Gestrüpp der Worte, Pläne und Programme als Wirklichkeit rag• l:Vw Die Zahntechniker -׳ Prüfung Der Preußische Minister des Innern hat im Einvernclm® mit den zuständigen Ministerien die Ausfülmingsvorschrift 2. Dezember 1913 über die Zulassung zur staatlichen Prufur,| der Zahntechniker abgeändert (cf. WBliV. 24. 1. 34), so uJ die jetzt maßgebende Bestimmung über die Voraussetzung1׳‘. Zulassung lautet, daß der Antragsteller: ״arischer Ahstamruun» ist oder, sofern das nicht der Fall ist, auf seiten des üeutsen^ Reichs oder seiner Verbündeten am Weltkrieg als FrontkäniP‘“ oder in einem Scuchenlazarctt tcilgenoinmcn hat, oder ■f (Mutter) oder Sohn (Tochter) oder Ehefrau eines im 1״',, krieg Gefallenen ist, ferner die Deutsche Rcichsangehongklj besitzt, das 25. Lebensjahr vollendet hat, unbescholten is•y , sich nicht im kommunistischen Sinne betätigt hat.“ Dem (י lassungsgesuch sind u. a, beizufügen Urkunden, aus hervorgeht, daß der Antragsteller arischer Abstammung ' Sinne des Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des t>cr“ Beamtentums v. 7. 4. 1933 (RGBl. I S. 175) und der Durchführung und Ausführung dieses Gesetzes erlassenen * Ordnungen des Reichsministers des Innern ist. Antrag*׳“ ‘ nichtarischer Abstammung haben außerdem Urkunden ״ legen, aus denen hervorgeht, daß sie selbst am wen« * als Frontkämpfer oder in einem Scuchenlazarctt teilgenonw haben, oder daß ihr Vater oder Sohn oder Ehemann Weltkrieg gefallen sind. r

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