Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1934)
- Date
- 1934-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 23.1.1934 ״־■li m. J ״״Jk.. S1.״ r 0D1SCHE RUNDSCHAU Sette 5 \ ך r ו״-ף 1 1 r - -r-e .1 T,e ״״!, H‘1! ,"•■יי <lc1 Vlllf frf. ,!im niiiiv;:,״ intm.tjf können, iiflitiieti, icht mit וcit dir 10 ilille crt י:;!״ ‘11 W0I11 0 allein n ciiiin unserer idcriiitg ben den fiabfit, Urcisjenüpc;!. In I',1. He Ver- Oeldes ה1־10/חי widern t Kon• תר. ו hefür die werden nndern erliicf■ ndoner ent ein orderte fees in die ein *mllle, *igkeit h groß ter der h volle *m erk Wie 11• ttelnde r han-!entr.11■ hatten ht; da! R eiB Ufa. *halfen >r dem stlm*;rn irtt «che leit 711 til fiir d ein• i sieh fuhrt 1<1 litt klein!Henef Ir <lcr;finde, ־״.» ereilte I. Da Jeder resse, aml״•־׳ t de־ dann lähitf* wer de״' Und!eint" ilniif? ntino• Da״״ rund• Bischt von wein• 111 etw ft, « einem chuw zig«1' •art:"! ehret An• oder ן mit ttge־ ran*e neib< WS'״' 1 di« ist I" »ein* Klcinöcmeinden im Huhr^ebiet Da» dichtbevölkerte Industriegebiet an der Ruhr weist . f׳r0Hc Zahl kleiner jüdischer Gemeinden auf, die im Schatten der bekannt״! Groß- und Mittclgemcindc״ ein wenig achtete» Das״״ fuhren ״er kv.ltur^Ic Niedergang der klein« jüdischen Gcincimfcn, meist eine Folge der ATwan* drrung |krcr_ Mitglieder und des katastrophalen Steuerrück• «!ncs, wird >" ',!eien Fallen 7u Zusammenschlüssen mit den ״öfteren Nachhargemeimie״ fuhren ״er objektive Beobachter U oft die Notwendigkeit der Selbständigkeit mancher Klein- ״״Kinde nicht anerkennen, sei es, weil die nächste leistungsdirkc Gemeinde in mmillte barer Nachbarschaft Hegt oder, ״ein den Fallen Lsscn-Stccle und Oclsenkirche״-Bucr.|torst die nahe Großgcmcmde schon 7um gleichen Stadtverband gehört. 0ucr Die lef/fc Volkszählung ergab nur ״och 3״ jüdische Velen. Hier ist der Wnndcrungsvcrlust besonders groß, in diesem Ortsteil Gelscnkircliens ist der Prozentsatz der Juden!,((fast 100 00" Einwohnern nur 0,14״ .״״ie jüdischen Vereine <ind untätig. Es kann von einem kulturellen Leben in der Gemeinde nicht mehr gesprochen werden. Nach einem kürzlich ,!»((gefundenen Vortrag von ״r. CapeH-Düsseldorf haben die hiesigen Zionisten beschlossen, eine Untergruppe der Orts- »nippe Oelsenkirchen zu konstituieren und die kulturelle Arbeit in der Gemeinde zu fördern. Horst Ebenfalls ein Ortsteil Gelscnkircliens mit eigener jüdischer Gemeinde, die 83 Seelen bei einer Einwohnerzahl von fast 30000 zahlt. Männer- und Fraucnvercin erledigen im Rahmen des Möglichen die Wohlfahrtsarbeit. Recklinghausen llfgt an der Peripherie des Industriegebiets und kann als Mittelgemeindc gelten. Anfang dieses Jahres zählte die jüd!tche Gemeinde noch 510 Seelen, ein wandcruugsverlust von!00, meid ausländische Staatsangehörige, führte zu dem ietzigen Stand von etwa 440. ״er Jugendverein hat wöchcntliehe Zusammenkünfte. Die Ortsgruppe des RJF. ist tätig, ladet zu ihren Veranstaltungen nur westjüdische Kreise ein. Alle Voraussetzungen zur Orüudung einer Zionistischen Orts* gruppe sind gegeben, das beweist besonders das gute Ergebms für den Keren Kajcmeth. Die Gemeinde war stets Schauplatz heftiger Wahlkämpfe, die von den Zionisten in der Hauptsache für ein gerechtes Statut geführt wurden. Unter neun Repräsentanten sind drei Zionisten. Es besteht eine indische Volksschule. Ein Lehrer unterrichtet etwa 45 Kinder. Sehen einer Wirtsehaftsstelle der Synagogengemcinde bestellt eine Palästinaberatungsstelle, die regen Zuspruch hat, Steele ln diesem Vorort Essens besteht seit fast 400 Jahren eilte jüdische Gemeinde. Als die Aebtissin des Stiftes Essen in ihrem Bereich die Niederlassung von Juden nicht gestattete, haben die Juden in den umliegenden kleinen Orten Zuflucht genommen. Jetzt zahlt die Gemeinde noch 425 Seelen. Nach der im Jahre 1020 erfolgten Eingemeindung nach Essen wurde die jüdische Volksschule aufgehoben, der amtierende Lehrer nach Essen versetzt. Nicht alle jüdischen Kinder besuchen die jüdische Volksschule Essen, ein Teil nimmt an dem Unterricht in der katholischen Schule am Ort teil, ״er Jugendverein hat sich korporativ dem Jugendverein Essen angeschlosscn. Minner• mul fraucnvercin erledigen die Wohliabrtsarbeit. Die Gemeinde Steele, zu schwach um ihren mir 31XW RM. betragenden Etat aiifztibriiigen, erstrebt den Zusammenschluß mit Dscn, ״er große Nachbar macht Schwierigkeiten und will die Kleingemeinde nur dann aufnehmen, wenn sie auf ihren eigenen Gottesdienst und auf den Friedhof verzichtet. Wanne• Eickel mit 150 Seelen hat seit 25 Jahren chic eigene Synagoge und fine staatliche jüdische Volksschule. Ein Lehrer unterrichtet alle r Jahrgänge in einer Klasse. Männerverein, Frauenverein, Orts- 1 gruppe des C, V. und Jugendverein haben keine Veranstaj* “ hingen. Der Frauenverein macht sich um die Wohlfall rtsarbcit verdient. Die Zionistische Ortsgruppe, eine Oriindung Meier Schapiros, jetzt in Afuleh, hat sich mit der Oclsenkirchener m Ortsgruppe vereinigt. Auch diese Oemelnde hat eine zur lg Seelenzahl stattliche Repräsentanz. Auf einer Einheitsliste ™ teurden sieben Liberale und zwei Zionisten gewählt. Wattenscheid Eine der ältesten Gemeinden int ganzen Bezirk mit Friedhof aus dem 18, Jahrhundert, Synagoge 1829 erbaut. Seelen- J*hl jetzt 130. ״ie jüdische Volksschule ist schon 1922 aus Mangel an Schülern eingegangeti. Die jüdischen Kinder be* Wehen zum Teil die jüdische Volksschule m Oelsenkirchen, 4ie Mehrzahl die christlichen Schulen am Ort. Am Rcligions* unterricht, neben dem Gottesdienst die einzige Einrichtung Gemeinde, nehmen nur acht Kinder teil. Der Gemeindev״tln, Zusammenschluß einst blühender Männer-, Krauen- und Jugendvereine, ist untätig. Neun Repräsentanten, darunter tm zionist, verwalten die Ocmeindc. Die wenigen Zionisten gehören der Ortsgruppe Bochum an. c..,״ h 11 Ewald Stern. Von S. Coh af früher Rechtsanwalt, Brandenburg (Havel) 1. Für die deutsche Judenhelt wird es eine besonders wichtige Aufgabe der nächsten Zeit werden, den Bestand auch der klein cn Svnagogrngemeinden zu sichern. Denn auch sie sind wichtige Träger des religiösen Lehens, der Jüdischen Erziehung der Kinder und der Betreuung ihrer hilfsbedürftlgen Mitglieder. Die grollen und mittleren Gemeinden können wegen Ihres Und,mges, ihrer besseren Organisation und ihre» größeren und besoldeten Bcamtcnstabcs für *ich selbst sorgen. Die kleinen Gemeinden werden ausschließlich ehrenamtlich verwaltet; ob in Zukunft Nachwuchs für diese Tätigkeit In ihnen vor• haiulcn sein wird, bleibt fraglich. Die größere Sorge für die Klciiigcniciiulen wird aber in dert Folgezeit die werden, wie sie ihre Finanzgebarung eümiricliten haben werden, um die Träger des jüdischen Lebens zu bleiben, die *ie bisher gewesen sind. Noch im vorigen Jahre ruhte die Steuerkraft in den kleinen Gemeinden vorzugsweise auf den Schultern der Ak*• demiker (meist Aerzte und Anwälte) und einer gewissen Anzahl von Kaufiruten, Sie brachten den größten Teil des Etats auf und trugen aus Idealismus die 20—30 Prozent von der Einkommensteuer, mochten auch einige Juden wegen solcher hohen Kultussteuern der Gemeinde den Rücken kehren und ohne Austritt aus dem Judentum den bequemen Weg des Austritts aus der örtlichen Gemeinde wählen, ln der K0mnietiden Zeit werden aber die Akademiker Immer mehr als Steuerzahler ausfallcn, und auch die Zahl der steuerkräftigen Kaufleute wird zu sinken beginnen. Deshalb wird es den kleinen Gemeinden nicht mehr möglich sein, ihren Etat in Zukunft mit Zuschlägen zur staatlichen Einkommensteuer zu balancieren. Wahlweise wird vielmehr Einkommen- Steuer oder Vermögenssteuer als Mißstab der Kultusbcsteucrung herangezogen werden müssen. Auch wer weder zur Einkommensteuer noch zur Vermögenssteuer ver* anlagt ist, muß trotzdem sein Scherflein zur Erhaltung der notwendigen Getneindccinrichtungen beitragen, es sei denn, daß er wirklich nichts zahlen Kann; deshalb ist die Einführung einer — erforderlichenfalls zu staffelnden' ־— Kopf* Steuer für kleine Gemeinden auf jeden Fall zu empfehlen. Um ein Muster zu bieten, lasse ich die in der Oemelnde Brandenburg erst in diesem Jahre eingeführte und von den zuständigen Behörden in jüngster Zelt genehmigte Steuerordnung folgen; sie lautet: ״Neben der Rfich.finkommeniteuer kann die Reichsvermögens• Steuer des votangegsngenen Kalenderjahres all MaSstab benutst werden, Durch Gemeindebeschhifl wird für jedes Reehnangsjshr fettgestellt, ob auch die Reiehsvarmägenasteuer 11• Mafiatab tke Gemeindesteuer dienen soll, und welcher Prosentsat* der Reichseinkommensteuer und der Reichsvermögenssteuer als Zuschlag für die Gemeinde erhöhen wird. Die Prorentsätae können verschieden sein. Bet Erhebung eines Zuschlages sur Reichseinkommenstetier und Reichsvermögenssteuer wird jedoch vom einte Inen Steuer, tahler nur derjenige Zuschlag erhoben, der den hfiheten Betrag ergibt. Neben den Zuschlägen kann die Erhebung einer Mindest. Steuer, die bis ■u einem Jahresbeitrag von RM. 30.—• gestaffelt werden kann, für solche Gemeindemitglieder. die das 30. labert»• jnhr vollendet haben, beschlossen werden, die keine Reichseinkortlmenstmrr und keine Reiehsvermögenssteuer lahlen. ])er gesamte Jahresbeitrag eine* Steuerpflichtigen darf RM. 1500.— nicht übersteigen.“ , Ich möchte diese Steuerregelung änderet! kleinen Oe* mcimlcn, die sie noch nicht haben, zur Einführung empfehlen. Sie wurde nach Beratung mit dem Landesverband eingeführt. , In der Nachkriegszeit haben es die kleinen Gemeinden vielfach verschmäht, außer der Erhebung von Zuschlägen zur Einkommensteuer sich andere Einnahmen zu verschaffen. Und doch ist die Möglichkeit, die Mittel zu vermehren, durchaus gegeben. So können für Svnagogensitze Gebühren erhoben werden. Keineswegs dürfen *ie nach piutokrafischen Grund* *ätzen verkäuflich sein. Sie müssen vielmehr nach fetten Sätzen innerhalb der Gemeinde verteilt werden. Den Untcrstützungskassen und Wohltätigkeitsverelnen können mit Leichtigkeit nennenswerte Beträge zugeführt wer* den, wenn heim Aufruf zur Thora der ln manchen Gemeinden abgeschafft gewesene Mischeberech oder wenn beim f" Lernen am Hauschano Rabbo-Abend »!!gehalten wurde, wurde gleichfalls ein nennenswerter Spendenbetrag für die Chewra erzielt. II. Für die Finanzierung der kleinen Gemeinden sind aber nicht bloß die gegebenen Winke von Nutzen; wichtig sind such noch folgende Wünsche*. 1. Fs ist unbedingt nötig, die Gemeindemitglieder, die aus egoistischen Gründen aus den Gemeinden ausgetreten sind, zum Wiedereintritt in die Gemeinden zu bringen. Er* fahrungen In Brandenburg haben gezeigt, daß solche nur von dem Gemeindcvorstande unternommenen Versuche erfolg* los bleiben. Deshalb müssen gewichtigere Organisationen bei* springen. Die Landesverbände müßten die Namen sol* eher Ausgetretenen sammeln und an sie einen dringenden Appell zum Wiedereintritt richten. 2. Eine weitere wichtige Arbeit zugunsten der Klein* gemeinden könnten die Landesverbände in folgendem Punkte leisten: In den Städten der kleinen Gemeinden bestehen häufig größere Geschäfte von Juden, die aber in den großen Städten ihren Wohnsitz haben. Solchen großen Städtcm'müßte es zur moralischen Pflicht gemacht werden, einen Teil der Steuer solcher Personen an die Kleingemeinde abzuführen, aut welcher der Steuerzahler sein Einkommen zieht. 3. In Zukunft müßte für eine stärkere Vertretung der Kleingemeinden in den Landesverbänden gesorgt werden, weil auch die vielen kleinen Gemeinden in der Zukunft zum Rückgrat der in Deutschland lebenden Juden gehören wer* den, Eine stärkere Vertretung verbürgt eine bessere Berück* lichtigung ihrer wichtigen Interessen. 4. Zum Schluß verweise ich nur andeutungsweise auf die Notwendigkeit von Bezirkslelirern und Bezirkskantoraten für die Kleingemeinden, die ich in einem Bericht aus der Oe* tneinde Brandenburg schon näher dargelegt habe. Ans einer süddeutschen Kleingemeinde: Buchau a. F. . Die hiesige Jüdische Gemeinde war einmal m't Seelen, einem Viertel der Gesamtbevölkerung des Stad clicns 1*^ größte oder zweitgrößte Württembergs. Heute zahlt s« "<*י> nmd 160 Personen, wozu außerdem w״. ״81*'?״ pusporamitglieder kommen, d. h. Gemeinde,jiigehonge, die in Verschiedenen Orten der näheren oder auch ferneren Na schalt vereinzelt oder zu wenigen Familien ihren Wo '1'* haben. Von der einstigen Große der Gemeind . ’ «h drei Zeugen. Zunächst die sehr geräumige, m klass ,;*1.Sehern Stil gebaute Synagoge mit ca. 4°° S»t*p * [«״• J* "Kßt weithin einen etwas zweite haften Ruf <״״״״ ^* L-h* angebrachte, noch immer nicht ■uB«r betrieb B«־eGt{ *Jäckchen, desgleichen man häufig an Rlc1rJ5'' besteht khulgebäuden und Rathäusern sehen kann. Sodann beste!״ ׳!ne b « v״r lahrrn Staat iclie, jetzt private, d. n. vom Im Verhältnis zu der ungünstigen räumlichen Ortslage — die nächste große Gemeinde mit einigem jüdischen Leben, nämlich Stuttgart, ist erst durch eine vierstündige Schnellzugsfahrt erreichbar — ist das Oemeindeleben immerhin einigermaßen rege, wenngleich es sich noch durchaus Im alten Gleise bewegt. Von jeher wurde großer Wert auf einen geordneten und würdigen Synagogengottesdienst gelegt, der an Sabbaten und Feiertagen ziemlich guten Besuch aufwelst. Auf charitativcm Gebiet waren und sind trotz der hier wie überall sehr merkbaren Zeitnot die Leistungen der Gemeinde und ihrer verschiedenen Vereine sehr anerkennens* wert. Die Gesamteinstellung der Gemeinde ist unentwegt ״liberal“. Gleichwohl verdient hervorgehoben zu werden, daß wenigstens am ersten Tag Rosch Haschanäh und am Jom Kippur sämtliche jüdischen Geschäfte und Fabriken ausnahms* los geschlossen sind. : . , Den Zionismus bzw. Misrachismus vertritt hier der seit 17 Jahren in der Gemeinde amtierende Rabbiner Dr. Schle* singer. Immerhin hat sich um ihn ein kleiner, sozusagen aka* dänischer Zirkel gesinnungsmäßig Nahestehender oder wenig* stens Interessierter gebildet, ln diesem Kreise werden art den Freitagabenden jüdische Bücher gelesen und jüdische Probleme diskutiert. Neuerdings hat sich außerdem ein hebräischer Sprachkurs ermöglichen lassen, der freilich wiederum nur auf Vereinzelte beschränkt ist. Zur Hebung des geistigen Lehens der Gemeinde im ganzen wurden von Rabbiner Dr. Schlesinger manche Versuche unternommen, von denen aber nur einer gelang: ein wöchentlicher Lese* und Aus* spracheabend des Isr. F r a u en v er ein *, an dem sich 10-12 Damen regelmäßig beteiligen. Zur Zeit wird die Bibel, und zwar das Fünf buch, durchgenommett. ln den letzten Jahren fanden außerdem im Rahmen des Frauenvereinn während des Winters Vorträge auswärtiger Rednerlnnen •tatt. Um die J ü n g e r e n bemüht sich besonders Lehrer Ein* stein, der seit einem Jahr hier wirkt. Wir verweisen auch auf unsere Berichte ׳aus den O#• meinden in Nt. 75/76, 83, 87 und 91 de« Jahrganges •1931. Die Not der kleinen Gemeinden Aus gewissen Anzeichen kann man schließen, daß In Zukunft die deutsche Judenheit sich noch mehr als bisher In den Großstädten konzentrieren wird; man glaubt daher, das jüdische Leben in den Landgemeinden vernachlässigen zu können. Die Kleingetneinden sind nun hinsichtlich ihrer jüdischen Versorgung auf eine etwas schmale Kost gesetzt. Ein einziger Lehrer muß mitunter fünf Gemeinden gleichzeitig ver* sehen und kann sie zum Religionsunterricht nicht öfter als einmal wöchentlich besuchen. Wird er gar durch Kasualien verhindert, diesen Turnus innezuhalten, was bei dem räumlich ausgedehnten Tätigkeitsgebiet durchaus nicht selten der Fall ist. 10 kann man sich ungefähr ausrechnen, wie oft es im Schuljahre mit insgesamt 40 Schulwochen zur Unterrichtsver* teilung überhaupt kommt. Dabei gibt es ausreichend Lehrer, die, ohne allzu große Kosten zu verursachen, auch kleine Gemeinden betreuen könnten. Man sollte nicht mehr als höchstens zwei Gemeinden zusammenfassen. Früher einmal hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie denn e t n Lehrer in solch kleiner Gemeinde die freie Zelt ausfüllen soll. Das mag vor Jahren noch 111 einem gewissen Grade berechtigt gewesen sein. Aber gerade die letzte Zeit weist den Lehrern zahlreiche neue Aufgaben zu, die einem gewissen* haften Vertreter des Lehrrrstandcs reichliche Beschäftigung auch in kleinsten Gemeinden gibt. In Gemeinden ohne Lehrer zeigt sich bereits ein Verfall. Die dauernde Verrichtung von Angelegenheiten des Ritus durch Laien birgt mancherlei Gefahren In sich; sie ist auch oft genug Ursache von Störungen in dem harmonischen Zusammenleben der Gemeindemitglieder. Man sehe also die Not der kleinen Gemeinden nicht all unwesentlich an, sondern bemühe sich um ihre Behebung. Lehrer H. Unlkower, Simmern (Hunsrück). Neues Leben tn der Gemeinde Brief aus Dessau Auch an der Gemeinde Dessau sind die letzten Monate nicht spurlos vorübergegangen. 79 Personen haben die Oemeinde verlassen (d. h. etwa 20— 25 ״> der Gemeinde), um ht anderen Ländern ihr Fortkommen zu suchen. Mehr als die Hälfte davon sind nach Palästina ausgewandert. _ Der Landesverband der Anhaitischen Israelitischen Kultusgemeinden hat eine Beratungsstelle gegründet, die allen, welche Rat und Unterstützung bedürfen, zur Seite steht. Sie ist dem Provinzial verband für jüdische Wohlfahrtspflege in Magdeburg angeschlossen. Es ist für die hiesigen Verhältnisse sehr viel, wenn man feststem, daß im Laufe der letzten Monate sich über 100 Personen in Auswanderungsangelegenhciten und ebensoviele in Umschichtungsfragen an diese Stelle gewandt haben. Das jüdische Leben in der Gemeinde hat einen regen Aufschwung genommen. Die ständige Verbindung von vielen Mitgliedern mit Palästina, sei es durch Verwandte oder Bekannte, hat dazu beigetragen, daß man in jeder Familie über den Aufbau des Landes spricht; das Interesse an jütti* sehen Fragen und im besonderen an der hebräischen Sprache ist ln erhöhtem Maße geweckt. Die Gemeinde hat Kurse zur Erlernung des Neuhebräischen, die sehr gut besucht werden, eingerichtet. Sie werden vom Rabbiner und Kantor der Gemeinde geleitet. Auch in Privafkreisen wird eifrig Hebräisch getrieben. In der Religionsschule ist seitens der Kinder ein großes Interesse am Hebräischen zu beobachten. Die Oemeinde veranstaltet Vortragsabende, die to großen Besuch aufweisen, daß die zur Verfügung stehenden Räume kaum ausreichen, ln der Anhalt-Loge referiert man über jüdische Oeschichtsthemen, jetzt über die spanische Epoche. Die Zionistische Ortsgruppe, die eine der ältesten im Reiche Ist. und die immer schon ein reges Leben zeigte, kommt alle vierzehn Tage im Qemcindehaus zusam* m’en; man spricht über die aktuellen Probleme Palästinas. Talmudkurse finden wöchentlich statt und werden gut bc* sucht. Am besten arbeitet die Jugend. Der Habonim noar chtluzi, in dem fast alle Jugendlichen bis zum 16. Leben!• Jahre organisiert sind, kommt fast täglich zusammen.