Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1934)
- Date
- 1934-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1934 1jüdische RUNDSCHAU ויץ fp ן~זי |*| ן ך־־יי■־«« /!r 5;1 V! 1;:J m»>w«4 tJä fei Ü&41 *ד־?; n r^n ־*-׳ : v ■ n f II j |.j :! i 1L«'!»•4*4 fiL«f«§ W'־־״i 4- ־־.יi ׳, Von Dr. Elias Auerbach, Haifa it ü.f Flu■•» De;■,, ■^'1. Mtvldclang der Begriffe «׳cntt man mit offenem Ohr den diplomatischen Erläutcrun- ״״ folgt, die die fortschreitende Verwirklichung der BalfourfVation begleiten, so bemerkt man als charakteristische Fr- ‘ ,rimine, da» nt bestimmten Zeiten bestimmte Formeln, und ,r immer wieder andere, die politisclie Ausdeutung der De-!!, ati(M1 beherrschen. Zuerst war es der Begriff der nationalen ״statte,!!.״״ו vor einigen Jahren die unantastbaren Rechte 1־cn Bevölkerutig, und jetzt ist es die Fas- Palästinas. Sie kehrt in jeder Erk Heinis׳ ־״ . , r einheimischen ,״ejkraft Paiasunas. 31c Kcnrt ln jeder trklärung " englischen Regierung vor dem Unterhaus, in jeder Antwort Petitionen und Proteste wieder; ihr soll die zugelassene Ibche Einwanderung aufs genaueste angepnßt werden; sic!,,'der Mafistab, den der Hoebkommissar in seinen Händen hält, 'י bestimmen, wieviel Einwanderungs-Zertifikate er ausdarfer 4 h : trilim:;״ ‘ treten ׳, ngraad. t'• tl.is 1 Recht.; rat und;?,eilt «; fiimjne : oft gc. ״ 1 leimat rkeniit. i Jen hi; at m:m; baclitct, : :f am Fm!«!.: denken, 1 kann. Briefe" 1t eine 8 Verrhliebf. er. Pi ilaml«, amlrs“. d, eint m man ■n letz- Weise d doch schiebtziehen• en auf• sischeti 1en mit :hewis■ hr Zu• t Volk en und immer neuem h als .. F. •öffent• frage״,!r und hieran htlich» yr w« »kwhm ht kein un, ah lie Zeit Juden• *re.'bnii Die chichte, in de' ״Men• starke nd d«;eut «he vorip» ldimp• en und •fliehen »tion«!■ jrinzlp über• 1g ,dct Arier•?jeder• 3 tind *1 g"!spor‘• Sp״rF jaiide* hrific״ 'erein'!reine״ 8 #«* volks" ein* zog'11 me״F1 ן von utsd'* iervo״ iußcr' trufen Selbst• um ז« *'*,Wir iomnen eigentlich in gewissem Sinne mit dieser Fnt- ,״ckliingilcr 1 Diskussion zufrieden sein: cs fragt sich nicht mehr, ״h überhaupt?“ noch ״wie?“, sondern ״wieviel?“ Um so ,Wender verlangt unser vitales Interesse jetzt den Kampf ,,״um, daß die ״Fassungskraft Palästinas“ nicht zu einem Hemmschuh der Entwicklung werde. Wir müssen diesem Begriff Leibe geben und beizeiten verhindern, daß er zu einem fiötzf״ gemacht wird, in dessen Namen Juden von Palästina!ungehalten werden. £In historischer Rückblick pje Fassungskraft Palästinas ist kein statischer, sondern tin d vna ui i s c 11 c r Begriff. Das heißt: sic ist keine feststehende Oröße, sondern wird vom lebendigen Fluß des Ge- (chfhcns ständig neu bestimmt. Ein kurzer Blick in die Geschicht e zeigt das zur Genüge, Als die a 11 e n Israeliten in Kanaan einbrachen, war : [and trotz zahlreichen (aber durchweg kleinen) Städten (Hmn bevölkert. Achtzig Jahre nach der Einwanderung ist nach dm Angaben des Dcbora-Licdcs die israelitische Bevölkerung! auf etwa 150000 Seelen zu schätzen, die kana.niäische etwa j ebenso hoch (s. mein Buch ״Wüste und Gelobtes Fand“, S. 107). Etwa 150 Jahre später, zur Zeit Davids, zählt die Bevölkerung Palästinas, ohne die Küstenebene, gut •Vs Millionen Seelen (eben-! ja, S. 214 oh ). Sie vermehrt sich auch weiterhin, trotz zahl* 1 reichen Kriegen, so daß sic 738, als Mcnaliem seinen Tribut I sn Assyrien zahlt, für das Nordreich Israel allein etwa ׳י» Mil- ן iionen betragt, während zur gleichen Zeit (701) im Südreich Juda 4 ןzk)(k)0— 500000 Menschen sitzen (immer ohne die Küstenebene!). Zu dieser Zeit ist also die Bevölkerungsdichte Palästinas etwa 50—60 auf den Quadratkilometer (heute zirka 35). Sicher ist die Bevölkerung dann durch die Katastrophe des Reiches Israel (722 v. dir.) und Judas (586) stark nirückgegangen. Sie hebt sich allmählich wieder nach der Errichtung des jüdischen Nationallicitns durch die Perser und erreicht ihre größte Höhe sechs Jahrhunderte später in der römischen Epoche. Für diese Zeit veranschlagt sie ein Historiker vom Range Beiochs auf 3 Millionen, d. h. 100 bis 120 auf den Quadratkilometer! Dabei sind auch zu dieser Zeit große Teile des Landes sehr wenig besiedelt, nämlich der Süden, die ״Wüste Juda“ zwischen Gebirgskamm und Totem Meer und die Jordansenke. Wie sehr die Fassungskraft des Landes von der allgemeinen Kiilfiirlmhe mul der auf das Land verwandten Sorgfalt abhängt, zeigt am klarsten die Tatsache, daß Palästina um das Jahr 1000, nach jahrhundertelanger türkischer Herrschaft nur etwa 600 000 Einwohner zählte. Die ״Fassungskraft“ des Landes war zu dieser Zeit so gering, daß cs unmöglich gewesen wäre, pro Jahr dnrciiscliiiittlich auch nur 3000 jüdische Einwanderer hincinzubringcfi und zu ernähren. Demgegenüber hat Palästina nach dem Kriege, und trotz schwerer Schädigung durch den Kriej, in den Jahren 1020—1930 durchschnittlich 10 000 Ein- Wanderer pro Jahr aufnchnien können; und dabei ist nicht etwa die immer als Schreckgespenst zitierte ״Uebcrsättigung“ des Landes eingetreten, sondern Palästina bat sich, wie allgemein bekannt, in ungeahnter Weise entwickelt und der Lebcnsstandatd seiner Bewohner gehoben. Wie konnte dieses Wunder geschehen? Es ist kein Wunder geschehen. Jedes Kind weiß es. Indem Menschen und Kapital ins Land kamen, neue Böden erschlossen, neue Kulturen angelegt wurden, die Bobauunßsmethodcn verbessert, neue Unternehmungen errichtet, Tausende von Häusern gebaut und für all dies arbeitende Hände benötigt wurden dadurch »־urdedie ״Fassungskraft“ Palästinas außerordentlich gesteigert. Araber und Juden Aber ist nicht vielleicht die Ausdehnung der Juden a u f Kosten der Araber erfolgt? Dieser oft gegen die Juden fritobene Vorwurf ist für jeden Einsichtigen längst als Märchen ״wiesen. Araber sind nicht vom Lande verdrängt worden; und einigen hundert Fellachen, die ihren Boden aufgegeben haben (auf diese Ziffer ist die unsinnige Zahl von 23 000, die der Simpson-Bericht gab, endgültig reduziert worden), stellen nun- *9018 ebenso viele Araber gegenüber, die von der noma« Hellen zur seßhaften Lebensweise übergegangen sind, und *״!ehe, die aus gedrückten Pächtern durch jüdisches Geld zu , ו״״י Bauern geworden sind. Bedürfte es noch eines weiteren Beweises, so ist dieser dadurch gegeben, daß in; ™e nicht unerhebliche Zuwanderung von i lor!hnicn nach West-Palästina erfolgt ist. ־ JWefc in die Zukunft ' Nun ist es ja klar, daß die Fassungskraft des Landes nicht * ״Uiebig gesteigert werden kann; aber wir werden wohl . in der Annahme fehlgchcn, daß Palästina unter Ai.« ״ubung moderner Methoden in nicht zu ferner Zeit mindestens f'seibe Volkszalil ernähren kann, die das Land zur römischen?nt hatte, also drei Millionen. Diese ״Fassungskraft l a- 1**tinas ist ja bereits historisch als erreichbar erwiesen. Was heißt das? Wir wollen das mit einer einfachen Rech• ״!'"? 'eranschaulichen. Wenn wir bei den Arabern j a,as"na*i j•1'keine wesentliche Zunahme durch Zuwanderung l aben, aut pnind ihrer natürlichen Vermehrung (21/2 ״/# Pr° Künftige Entwicklung berechnen, so finden wir, daß« sie Mi*!900 etwa H/j Millionen zählen werden. ־!' d'.‘V".. »״u?'5a mu'h der angenommenen ״Fassungskraft I a ״stma* 0״'h Platz für 1!/״ Millionen Juden. Um diese?«bl bis;7״״reichen, müßten die Juden neben ihrer natürlichen! 1״'tirung (21,4 0/״ ״r0 lalir) noch eine jährliche י°ז ־ durchschnittlich r ei cn lieh 30000 S eel e n habe״ n ®s wir soweit sind, braucht man also keine! 8"lenken zu haben, daß die jüdische Einwanderung die Fas I *•®»kraft Palästinas übersteigen könnte, .vorausgesetzt, daß ' ״״ Ei«wanderung schrittweise in ver,n Jusmat e *'Windet. Die eben genannte Jahresquote (30000) liegt gewm ן innerhalb dieses vernünftigen Ausmaßes; denn es ist ohne! tj'״es klar, daß eine um so größere Einwanderung ohne 1 fj*den für das Land aufgenommen werden kann, Aei l! **י bereits im Lande sitzen. Die ״Fassungskraft Palästinas sinkt nicht mit steigender Einwan« derung, sondern steigt progressiv, bis zu einer noch fernen Grenze. Der Karnvf um die Zertifikate Es wäre hochinteressant für uns zu erfahren, nach welchen Gruiulsät /cn die Verwaltung Palästinas in der Praxis die Aufnalimefähigkcit des Landes hir neue jüdische Einwanderung absdiätzt. Praktisch kommen nur zwei Kategorien der Alijali in Betracht: die Einwanderung von Kapitalisten mit mehr als 1000 Pfund Vermöge» 111111 die Einwanderung u n b e m i tteltcrArbcitskräfte auf Zertifikat. Um die Kapitalisten- Einw;mderung kümmert sieh die Regierung wenig; wer 1000 Pfund hat, dessen Existenz erscheint gesichert, und für diese Klasse ist also augenscheinlich Palästina unbegrenzt aufnnhnicfällig. Um so sorgfältiger und hartnäckiger kontrolliert die Regicrung die Zertifikats-Einwanderung, und diese reguliert sic nach ihrer Angabe entsprechend der ״Fassungskraft“ des Landes. Sie erhält jedes Halljahr einen Vorschlag der Jewish Agency über die Zahl der aiiszugcbemlen Zertifikate und beschließt dann darüber nach eigenem Ermessen. Hierbei ist sehr auffallend die krasse Differenz zw 1 - sehen Vorschlag und Bewilligung: ln diesem Jahr wurde mir etwas über ein Drittel der angeforderten Zertifikate;genehmigt. Seitist wenn wir nun annehmen, daß die Ein- Schätzung des Arbeitsmarktes durch die Jewish Agency zu optiinisfisch ist, so ist doch ein so gewaltiger Unterschied aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht erklärbar. Mangel an Arbeitskräften Die Probe aufs Excmpcl müßte ja eigentlich die L a g e d e * Arbeitsmarktes nach einer bestimmten Einw a n d c r u n g s p e r i 0 d e geben: War die Zahl der erteilten Zertifikate zu hoch, so tritt Arbeitslosigkeit auf; war sie zu niedrig, so macht sich Mangel an Arbeitskräften fühlbar. Es kann nun gar kein Zweifel sein, daß Palästina augenblicklich schweren M a 11 g e I a 11 Arbeitskräften leidet. Das zeigt sich schon am Betrieb der Regierung seihst und der öffentlichen Dienste. Bei der Regierung bleiben wichtige Eingaben monatelang unerledigt liegen; der Betrieh der Post läßt sehr zu wünschen übrig; auf einen neuen Telephon-Anschluß muß man monatelang warten. Weiter aber leiden auch' die öffentlichen Arbeiten an Arhcitermangel, da die Arbeiter infolge der glanzenden Konjunktur in die besser zahlenden Privatbetriebe nbwatidcm. In den Privatbetrieben droht der Arbeitermangel zu einem Hindernis der Entwicklung zu werden. Die Totc-Meer-Gescllschaft hat bereits mitgcteilt, daß sie einen Teil ihres Betriebes stillzulcgen gedenkt. Die großen Werke, Ne« scher, Rutenbcrg usw. fangen die Arbeiter sofort bei der An« kunft ab, Bauten verzögern sich um viele Wochen, Möbel wer« den kaum geliefert, Handwerker für Privataufträge sind sehr schwer zu haben. Das Gleiche gilt für die Landwirtschaft, fn der trotz holten Löhnen Hände fehlen. Im ganzen wird jeder unbefangenc Beobachter feststellen (er braucht dazu nur die enorme Steigerung der Löhne durchmischen), daß Tausende von Arbeitskräften fehlen und dringend begehrt werden. Das weiß die Regierung genau so gut wie wir. Die Zertifikatspolitik der Regierung ist demnach zur Haupt« Sache nicht von wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten diktiert, sondern von rein politischen. Die Touristen-Frage Das wird noch klarer, wenn man die Haltung der Regle« rung in der jetzt leider so aktuellen Frage der ungesetz« liehen Einwanderung betrachtet. Das Problem dieser Einwanderung ist nur zu lösen, wenn cs von beiden Seiten, von der Regierung und den Juden, mit Offenheit und Ver« nunft behandelt wird. Die illegalen Einwanderer sind fast durchweg Menschen, die mit einem Touristen Visum für drei Monate Seife 3 Ins Land gekommen, nach Ablauf dieser Zeit aber nicht abgercist sind. In letzter Zeit hat die Regierung, zur großen Erregung des Jischuw, eine Suche nach solchen Einwanderern begonnen, sie teilweise verhaftet und abg1־«el10bcn. Wieder muß als Grund die ״Fassungskraft“ Palästinas herhalten, die angeblieh durch solche Touristen stark gefährdet wird. Wie steht es damit? Zunädist wollen wir fcststcllrn, daß wir Juden mit allen Kräften danach streben, die volle Legalität unserer Einwanderung a u f r e c 111 z 11 e r h a I f e n. Von unserer Seite geschieht nichts, um eine illegale Touristik zu ermutigen. Aber existiert hat sie immer schon, die Regierung kannte sie, bat sic bis vor kurzem stillschweigend geduldet, ja sogar voll Zeit zu Zeit Immer wieder legitimiert, meist im Zusammenhang mit den Volkszählungen. Warum ist sie jetzt plötzlich gefährlich, warum wird um ihretwegen sogar auch «lie legitime Touristik, das Bereisen des Landes, erschwert, obwohl Palästina als Land eines grollen Einfuhr-Ucberschusscs auf die Touristik als eine Lebcnsnotwendigkcit geradezu angewiesen ist? Bringt diese Touristik die Gefahr näher, daß die augenblickliche Fassung»• kraft Palästinas überspannt wird? Nach den Zahlen, die die Regierung veröffentlicht, kommt bei der legalen Einwanderung etwa ein Kapitalist auf 5—6 Zertifikats-Fmpfänger. Da wir uarli der bisherigen Theorie der Verwaltung nnnehmen dürfen, daß erst die Einfuhr von Kapital die Fassungskraft des I.;imles für Arbeitskräfte schafft, so müßten wir schließen, daß die Einwanderung eines Kapitalisten die Arbcilsmöglichkeit für etwa fünf Mittellose schafft. Das ist aber zweifellos überschätzt; denn wenn auch Einzelne, «lie über größere Mittel vertilgen, Betriebe mit zahlreicheren Arbeitern und Angestellten cinrichtcn, so reicht es bei den meisten doch gerade nur für die Bnsieruug der eigenen Existenz mit der eigenen Arbeitskraft. Es müssen also noch andere Quellen der Arbeitsschaffung vorhanden sein, und eine der wichtigsten sind die von Touristen in Palästina investierten Mittel zur Schaffung von Bauten und Unternehmungen. In jedem anderen Lande der Welt würde man das freudig be« grüßen — in Palästina ist es nach der jetzigen Praxis der Benorden beinahe ein Verbrechen. Schon bei den Konsulaten wird der jüdische Tourist mißtrauisch darüber ausgefragt, ob er etwa in Palästina Schritte zur Begründung einer Existenz unternehmen will. Gibt er diese Absicht zu, so bekommt er ganz gewiß kein Visum; er steht im Verdacht, eine ״illegale Handlung“ vorzubcrcifcn. Nun hat in der Tat heute der jüdische Tourist selten mir die Absicht, nach Palästina zu fahren, tun ein schönes und interessantes Land kcnncnzulcrncn, sondern er will Erkundigungen für seine Uebcrwanderimg einziehen und Gelder anlegen. Damit erhöht er die Fassungskraft des Landes. Ist da« ein Verbrechen? Ein praktischer Vorschlag Handelte es sich nur um die Verhinderung einer illegalen Einwanderung, die sicli der Kontrolle entzieht — ein durchs aus verständliches Bestreben der Regierung, in dem wir Juden sie unterstützen können-־,so gibt es ein weit besseres Mittel, zu dem wir im folgenden eine Anregung geben wollen. Um ein illegales Verbleiben im Lande auszusehalten, sollte man die legale Touristik nicht drosseln, sondern erweitern und erleichtern. Ich schlage folgendes vor: 1. Touristenvisa werden ohne Erschwerung, wie es früher üblich war, bis zur Dauer von einem Jahr erteilt. 2. Der Tourist wird bei der Einreise registriert; er meldet sich alle vier Wochen bei der Einwandcrungsbchörde zum Zweck der Kontrolle und gibt seinen Aufenthalt an. 3. Der Tourist hat das volle Recht, seine Einwanderung vorziiberciten, sei es durch Anlage von Unternehmungen, sei et durch Abschluß eines Arbeits- oder Anstcllungsvertrages. Durch eine solche Regelung des Totirisfcn-Verkehrs würde weit sicherer als durch Polizeimannnhmcn, die nur Erbitterung erzeugen, eine illegale Einwanderung verhindert werden. Kein Tourist wird den Versuch machen, illegal im l.andc zu bleiben, wenn er dieses Ziel legal erreichen kann. Freilich genügen drei Monate nur selten zur Schaffung einer Existenzbasis. Aber es ist absolut nicht einzuselien, welches wirtschaftliche Interesse das Land daran haben sollte, den Aufenthalt des Touristen ge« waltsam auf diese Frist zu verkürzen. Der Reisende ist doch zum mindesten ein guter Konsument und bringt Geld ins Land; bereitet er außerdem neue Unternehmungen vor, um so besser. etzter Zeit Arabern aus Transihre im Zeit Ver- Einwanderung Das Judentum im Weltbild Europas Von Dr. Adolf Leschnitzer, Anläßlich des in der vorigen Nummer ausführlich iviedergegcbencn Vortrages von Martin Huber im Frankfurter Jüdischen Lchrhaus ״Der Jude in der }Veit" übergibt uns Adolf Leschnitzer zum Voralnlruch einen Abschnitt aus einer größeren Arbeit ״Das Judentum im Weltbild Europas. Uniersuchnngen zur Geistesgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit.'' Leschnitzer hat über das gleiche Thema (mit dem Untertitel ״Die Entstehung des Mythos vom Ewigen Juden") vor einigen Jahren einen Vortragszyldus on der Berliner Jüdischen Volkshnrhschule gehalten und bereits im Vorfahre den ersten Teil der noch nicht abgeschlossenen Arbeit (l. Das Judentum im Weltbild des Mittelalters) interessierten Kreisen wul Einzelpersünliehhrtten zugänglich gemacht. Wir veröffentlichen nachstehend die für unsere Leser sicherlich sehr interessante Einleitung des ersten Kapitcls. (Red.) Einer Analyse des neuzeitlichen Antisemitismus weist sich neben Moiivreihen verschiedenster Art als eine seiner wirksamsten Komponenten — wahrscheinlich ist e9 psychologisch die bedeutsamste — die Judophobie aus, die Scheu vor dem J1111 c n g e s p e ti s t. Es ist Pinskcrs Verdienst, diese Tatsache mit Nachdruck betont und in ihrer ganzen unheimlichen Bedeutuirrsfi'dlc den Juden eingeschärft zu haben. Die Ursache der Judophobie ist die exzeptionelle Lage der Juden. Die Existenz, des Judentums überhaupt, sein Fortbestand durch die Jahrtausende erscheint als Rätsel; es hat die Ausläufer der ägyptischen Hochkultur und die grollen Reiche Vordcrasicns gesehen, den Hellenismus und das römische Imperium erlebt, die Fluten der germanischen Völkerwanderung und des Islam, in denen die Reste der antiken Völker untergingen, überdauert; und es Tagt, eine unfaßbare Erscheinung, in die Geschichte der ״neueren Völker“ hinein. Was Judentum iiberlimi.nt als Ganzes vorstellt, mit welcher sonst üblichen Gruppcnbczciclimmg es sich erfassen läßt, ob es als religiöse, kirchliche, sektiererische, stammartige, staatsälmliehe oder irgendeine andere Gemeinschaft zu’ begreifen wäre — diese Frage ist oft gestellt, bisweilen auch, und zwar erst spät, mit wissenschaftlichem Rüstzeug in Angriff genommen worden, ohne doch bisher mit befriedigender Klarheit beantwortet zu werden. Zumal einer vorwissenschaftlichen Betrachtung mußte — so scheint es — das Judentum als ein Gebilde unnatürlicher Struktur erscheinen: entweder als ein geheimer Organismus ohne Fleisch und Blut, d. h. als Gespenst, oder wenn seine Einheit als künstlich geschaffene angesehen wurde, als Oe« heimorganisation. ,! Zum Symbol für. das Judentum als Gespenst wurde seit dem 17. Jahrhundert Ahasver, d<f ״Ewige Jude“, dessen Gestalt in ihren wesentlichen Zügen—• darauf werden wir im Fortgang dieser Untersuchung noch zuriiekkommen — eine durchaus ״moderne“, d. h. neu« zeitliche Konzeption ist. Die Judophobie in dem skizzierten Sinn ist durchaus ungleichmäßip verbreitet . . . Ueberall, wo noch ein stärker religiös bestimmtes Denken an der Herrschaft ist. also in den angelsächsischen Ländern, ferner in theologischen Krci< sen Im allgemeinen, ist bisweilen eine Stellungnahme wahr* nehmbar, die wenigstens rudimentär über bestimmte, wenn auch nicht ausreichende Kategorien für die Einordnung des Judentums verfügt; im Katholizismus ist sie am lebendig* sten, insofern als dieser das Weltbild einer Epoche fest* gehalten hat, für die cs eine judophobie nicht gab. Es zeigt sich nämlich, daß dem Mittelalter die Einstellung gegen das Judentum als etwas nicht Finztiordnendes gefehlt nat, ja, dfaß sie ihm fehlen mußte, deswegen, weil das Judenturn seinen festen Platz im mittelalterlichen Weltbild hatte. Selbstverständlich ist zu fast allen Zeiten, also auch im Mittelalter, der Dinsporajmle als landfremd empfunden worden, selbstverständlich hat er, wie alle heterodoxa! Elemente, stets im Wirtschaftsleben eine Sonderstellung ent* wickelt — beides Umstände, die zu Reibungen und Zu« sammenstößen mit den Wirtsvölkern führen mußten. Worauf es uns hier ankommt, ist, daß das Mittelalter (und di« frühe Neuzeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts) den ״Ewigen Juden“ im Sinne des Ahasver-Mythos nicht _ ge« kannt hat und gar nicht kennen konnte, weil für den mittetalterlichen Menschen das Judentum kein Gespenst bedeutet das hcriimspukte, sondern eine Erscheinung, die sinnvoll und notwendig in den Zusammenhang seiner Welt eingeordnet war. Zionistische Exekotive gegen Petiüonsbewegnng Eine von der Exekutive der Zionistischen Organisation heransgegebene Erklärung stellt fest, daß die Einleitung der Pctitionsbewegung seitens der Union der Zionisten-Re• Vision ist cn ohne Beratung mit der Exekutive und ohne ihre Billigung erfolgt ist und von der Exekutive als in diesem Stadium unzweckmäßig und schädlich erachtet wird. Die zionistischen Körperschaften und einzelnen Zionisten werden ersucht, sich gemäß Kongreßbeschluß der Teilnahme an der Petition zu enthalten. Eine ausführlichere Erklärung der Exekutive wird in Kürze herausgegeben. Papst Pius XI. sandte dem Verleger des Codices hebrald Bybliotnecae Ambrosianae, Leo S. Olschki, Florenz,, sei! Porträt mit eigenhändiger Widmung. i. r;