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Jüdische Rundschau · 1934-01-19 · Heft 6 (19.1.1934) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 6 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 19. 1.1934 pi f”□ pp pp pp p 1 p3 p3 %r®\ 1*■ן׳יץיץי־״״׳ן ,<•׳ ״ }f-h־Mt J■! ׳ k4^־ i״ ‘ iwmI imA McnddsoLn teii Leasing Et 117 /1Jr uns deutsche Jaden, die tvir in einer '/,eil den Umbruchs leben, deren Schicksal eine neue Wendung genommen hat, bedeutsam, jene Zeit, kennen zu lernen, in der die Grundlage zu der Entwicklung gelegt wurde, die bis cor einem Jahre den 11 ’cg des deutschen Judentums bestimmt hat, Die Zeit der Aufklärung und des sich an• bahnenden Liberalismus, begrenzt etwa von den Jahres• zahlen 17511 und 1820, in der auch die Emanzipation der Juden in Deutschland sich vorbereitete und zu erheblichen Teilen dnrchgefiihrl wurde, besitzt für uns den Anschau• unpswort einer Epoche, in der die l.chrnsgcstnttung der Juden befUgcn Erschütterungen unterworfen war, in der Keime zu neuer Entwicklung entstanden, li'enn uür rmrfisfehriiii Dokumente des Verhältnisses zwischen Mendelsohn und Leasing veröffentlichen, so gehen diese, obwohl sie nicht tum jüdischen Dingen im engeren Sinne handeln, Einblick in dis ]’crhültnls zweier Personlicldieiten, die in gleicher li’iivc repräsentativ für das deutsche geistige Lehen ihrer /,eit wie für Strömungen im zeitgenössischen Judentum waren. Uns heutigen erscheinen diese Dokumente im Lichte der Einmaligkeit, d h. einer Zugchörighclt in einer Epoche, die historisch einzigartig uw lind nicht wiederholbar erscheint. Als solche sind sie wert• voll, indem sie uns die Distanz zeigen, die nicht nur durch den zeitlichen Abstand zwischen jener Periode und uns, sondern noch mehr durch Jlhpthmus und Tendenz der hislnrischen Entwicklung unserer Tage gegenüber jener Vcrgangenheil gegeben ist. Zugleich sind sie ein Schulbeispiel dafür, tvir zwischen zivri arlverschlcdenen Menschen, die beide fest in ihrem )Vesen wurzeln, ein ebenso Marcs wir enges Verhältnis entstehen kann. Mendelsohn empfand sich ja stets als ein ganz und gar im Judentum wurzelnder Mensch und war weit entfernt 1'on jenen Tendenzen der Entjudnng, die in gewissem Sinn als Folge seiner Wirksamheit im deutschen Judentum auftraten und von manchen Geschiehtsbetraehtern ihm selbst unterschoben wurden. Mag daher die Art des Verhältnisses zwischen Mendelsohn und Lessing auch einmalig und durch die Zeit bestimmt gewesen sein, so muß doch andererseits konstatiert werden, daß auch unler den heutigen äußeren licdingtmgen menschliche Verbindungen zwischen Juden und Niehl jaden möglich und fruchtbar sein hiinnen, die auf der Abgrenzung der eigenen Arl beruhen und nicht auf dem Versuch, gegebene Unterschiede zu verwischen. Auch in diesem Sinne besitzen die nachstehenden Ausführungen bei all Ihrer historischen Entfernung von uns doch eine Verbindung zu unserer Gegen• wart, (Red.) Leasing hat Mendelsohiis hohe geistige Bedeutung früh erkannt und seinem philosophischen Wirken, erfaßbar mir aus den Zusammenhängen mit seiner Zeit und aus der (ieschichte des jüdischen Geistes, den Weg in die Oeffentlichkeit geebnet. Angerogen von der Klarheit und Reinheit seiner Gedanken, von der schlichten Güte und Zartheit seines Herzens, hat Lessing sich in kurzer Zeit eng an Mcmkisohn «!!geschlossen, Er versuchte, ihn frei zu machen von den seelischen Fesseln, die seine drückende Kindheit ihm auferlegt, und es gelang ihm bald, das Vertrauen des scheu in sich zurückgezogenen jungen Menschen zu gewinnen. Er fand in Mendclsohn den Gefährten und Freund, dessen Denktiefe und Klarblick seinem Schaffen eine feste Richtung wies, dessen tiefverankerte ethisehe Haltung und seltene Charakterfestigkeit seinem eigenen unruhvolle», von aufwühlenden Widersprüchen durchscluiitclten Wesen Ruhe und Sammlung gab. Der bekannte Lcssing-Biograph Erich Schmidt gibt in seinem Werk: ״Lcssing, Geschichte seines Lebens und seiner Schriften“ 18S4 folgendes Bild von Mendelsohn; ״An Lessing hing der treue Mann mit seinem ganzen Herzen. Er nennt ihn seinen besten Freund und Ratgeber und beteuert, aus jeder Unterredung eine neue Aufmunterung für Oemiit und Verstand empfangen zu haben.“ Erich Schmidt zitiert einen Brief Mendelssohns, in dem dieser an Lessing schreibt: ״Mein empfindliches Her! ist Ihnen allzu sehr bekannt und Sie wissen, wie weit es dein Gefühle der Freundschaft offen ist. Sic haben »llzu oft nicht ohne Vergnügen gemerkt, wie viel Macht ein freundschaftlicher Bl ick von Ihnen auf mein Gemüt gehabt hat, wie er vermögend gewesen ist, allen Gram aus meiner Brust *u verbannen und mein Gesicht plötzlich mit fröhlichen Mienen su beziehen. Sollte Ihre kurze Abwesenheit mein Herz in einen Stein verwandelt haben? Nein, teuerster Lessing, eben die allmächtige Kraft der Freundschaft hat mich in Verwirrung ge• bracht.“ Die geistig-seelische Gemeinschaft zwischen Mendclsohn und Leasing findet ihren Niederschlag in einem umfangreichen Briefwechsel (Uerausgcgebcn von Franz MuncUcr in: ״Briefe von und zu Gotthold Ephraim Lessing“), der uns aus dem Nachlaß beider überliefert ist. Dieser Briefwechsel;ribt ein umfassendes Bild des reichen Gedankenaustauschs. der sich über mehr als dreißig Jahre erstreckte. Aus ihm sind nachstehend in zeitlicher Folge einige Abschnitte dargestclit, die die Innerlichkeit des Verhältnisses am klarsten siegeln. Die Aeußerungen sind wörtlich wiedergegeben. Die alte Schreib- Weise ist zur Erleichterung des Lesens durch neue ersetzt Mendelsohn schreibt an Lessing: Anfang Mal 1756 (Munckcr III, S. 34): ״F.n ist eine alte, leidige! Wahrheit, daß die Menschen den Wert der Güter nie heiser cinsehen, als wenn sie ihnen entrissen werden, Meine Metaphysik log (vielleicht aus einem Systemsdachen Stolre) diese erniedrigende Maxime noch immer in Zweifel, aber die Erfnhning komm{ ihr nunmehr zustatten. Ich habe Sic nie 90 *ehr geliebt als jetzt, da ich mich mit dem Gedanken quäle, Ich werde Sie vor Ihrer Abreise nicht Wiedersehen." 1. Auguat 1766 (Munckcr III, S. 37 und 39): Sie müssen sich unmöglich das Vergnügen, das uns Ihre Briefe verursachen, lebhaft genug vorstellen können. Sie würden gewiß aonat manche Stunde dem Endzweck Ihrer Reise die Sättigung der Neubegierde aus den Augen setzen, um desto öfter an Ihre Freunde au denken, an Ihre Freunde, wertester LessitigI l)ie ei gewiß in den! ganzen Umfange sind, welchen Sie diesem Worte zu geben pflegen. Ich will dem allgemeinen Wal in der Menschen gern allen Kummer Verzeihen, daß er mir den beiten Freund, den getreuesten Ratgeber von meiner Seite getrennt hat, wenn dieser beste Freund nur fort fahren will, mir die Versicherung zu geben, daß er mich noch liebt, daß er mich noch so zärtlich liebt, *1» damals, da mir eine jede Unterredung mit Ihnen eine neue Aufmunterung war, beides: meinen Verstand und mein Merz zu beiiem. Noch eine einzige Versicherung wünsche ich mir von *, nc|b un<f wenn ich diese erlange, so will ich mich gern in 11 j twendigkeit zu schicken wissen. Wenn Sic Ihre Reise vollendet und einmal genug die Welt angegaift haben werden, nifuL « «ntacliließcn werden, alle Ihr* neugierigen Bücke auf Ihr eigenes Her* und auf d*1 Her* Ihrer Freunde einzu c hriinken, wollen Sic dann diese ruhigeren Tage bei uns «1• lniugen? Wem! .1 Ihnen doch möglich wäre, hierauf mit Gewißhoit Ja zu sagen." Lcssing schreibt an Mcndclsoltn: 21. Januar 1756 (Munckcr I, S. 52)1 Mi will es nicht wagen, der Freundschaft nach Ihnen eine I,ul» "de zu halten, Ich will nicht», *I» mlrh hinreißen Möchte ich Ihrer Wahl 90 würdig *ein, »1» Sie der meinigen sind,“ 28. November 1766 (Munrker I, S. 74)’. ,,Sie «ind mein Freund. Ich will meine Gedanken von Ihnen geprüft, nicht geloht halsen. Ich »ehe Ihren ferneren Finwiirfen mit dem Vergnügen entgegen, mit welchem nun der Belehrung fn,gegensehen muß. Jetzt habe ich mich, in Ansehung de» Brief, schreibe»*;, in Atem gesetzt. Sie wissen, was Sic ru tun halten, wenn ich darin bleiben »״II. Leiten Sie wohl und lassen Sie unsere Freutidieliaft ewig •ein.“ 18. Dezember 1756 (Mtmrkrr I. S. 87): ״Leisen Sie wohl, liebster Freund, und werden Sie nicht milde, sich zu bessern, ao werden Sie auch nicht müde werden, mich zu lieben.“ 30. Mörz 1761 (Munckcr I, S. 183)1 ״Vielleicht habe ich beute nur einen so finsteren Tag, an welchem sich mir nichts in seinem wahren Lichte zeigt. Morgen «hrcilre ich Urnen vielleicht heiterer. O, »rhreiben Sie mir doch ja recht oft, alicr mehr als bloße Vorwürfe «her mein Stilb schweigen. Ihre Briefe aind für mich ein wahres Almosen, lind wollen Sic Almosen nur der Vergeltung wegen erteilen?!,eben Sie wohl, liebster Freund, die erste gute Stunde, die mir mein Mißvergnügen läßt, Ist ganz gewiß Ihre. Ich sehe ihr mit all dem unruhigen Verlangen entgegen, mit welchem ein Schwärmer himmlische Erscheinungen erwartet," Am 15. Februar 1781 starb Lcssing. Sein Tod hat im Herren Mcrtdelsohns, wie dieser am 3. 5. 1781 an Herder schrieb, ״eine tiefe Wunde geschlagen". Seinem Schmerz fügt sich tiefer Dank für das besessene Out ein und die versfthncrnle Erkenntnis, daß der Tod Leasing auf tiniiberstelgbarer Höhe seines Schaffens traf. Seiner Trauer gibt Mendclsohn in einem Brief an Leasings Bruder Karl Ootthelf Lessing Ausdruck, in dem er u. a. schreibt: ,,Nicht ein Wort, mein Bester, von unserem Verluste, von der großen Niederlage, die unser Iler* erlitten! Da« Andenken de» Mannes, welchen wir verloren, lat mir zu heilig, um *» durch Klagen zu entweihen, E* erscheint mir nunmehr in einem Lichte, das Ruhe und erquickende Heiterkeit auf die Gegenstände verbreitet. Nein, ich rechne nirht mehr, was ich durch »einen Hin• tritt verloren. Mit gerührtem Herzen danke irh der Vorsehung fiir die Wohltat, daß sie mich 90 früh, in der Blute meiner Jugend, einen Mann hat kennen lernen lassen, der meine Seele gebildet hat, den ich bei jeder Handlung, welche ich vorhatte, bei jeder Zeile, welche ich hinichreiben sollte, mir als Freund und Richter vorstellen werde, »o oft ich einen Schritt von Wichtigkeit z.u tun habe. Wenn »ich in diese Betrachtung noch etwa» Melancholisches mit einmischt, »o ist e» vielleicht die Reue, daß ich «eine Führung nicht gehörig genutzt habe, daß ich nicht geizig genug war nach »einem lehrreichen Umgänge, daß ich manche Stunde vernachlässigte, in der Ich mich mit ihm hätte unterhalten können. Femtenelle sagt von Copemicua: Er marhte sein neues System bekannt und atnrb. Der Biograph Ihre! Bruders wird mit eben dem Anstand« »agen können! er achrieb Nathan den Welsen und starb. Von einem Werke de« Geistes, da» ebenao lehr Uber Nathan hervotragte, ala diese» StUck in meinen Augen über altes, waa er bis dahin geschri'ben, kann ich mir keinen Begriff machen. Er konnte nicht höher *teigen, ohne in «ine Region *u kommen, die sich unseren sinnlichen Augen völlig entzieht, und die» t*t tr. Nun stehen wir da, wie die Jünger des Propheten und staunen den Ort an, wo er in die Höhe fuhr und verschwand. Noch einig« Wochen vor seinem Hintritte hatte Ich Gelegenheit, ihm zu schreilxn! er solle sich nicht wundem, daß der große Haufe seiner Zeitgenossen das Verdienst diese* Werke» verkenne, eine bessere Nachwelt werde noch 50 Jahre nach!einem Tode daran lange Zeit zu kauen und zu verdauen finden. Er Ist in der Tat mehr als ein Menschenalter seinem Jahrhunderte *uvorgeeilt,“ In Lessings letztem Brief an Mendelsohn, datiert vom 17. 12. 1780 (Muncker II, S. 361-362), heißt es: ״An dem Briefchen, da» mir D. Fließ damal* von Ihnen mitbrachte, kaue und nutsche ich noch. Das saftigste Wort ist hier das Edelste, Und wahrlich, lieber Freund, ich brauche ao ein Briefchen von Zeit zu Zeit sehr nötig, wenn ich nicht gart* mißmutig werden »oll. Ich glaube nicht, daß Sie mich als einen .Menschen kennen, der nach Lobe heißhungrig ist. Aber die Kälte, mit der die Welt gewissen Leuten zu bezeugen pflegt, daß sie ihr auch gar nicht» recht machen, ist, wenn nicht tötend, doch erstarrend. Paß Ihnen nicht alles gefallen, was ich seit einiger Zeit geirhrielx-n, das wundert mich gar nicht. Ihnen hätte nichts gefallen müssen, denn für Sie war nichts geschrieben. Höchstens hat Sie die Zuriirkerinneritng an unsere besseren Tage noch etwa bei der und jener Stelle tiiuiehcn können. Auch ich war damals ein gesunde», schlankes Bäumrhcn, und hin jetzt ein ao fauler knoniebter Stamm. Ach, lieber FreundI Diese Szene Ist am. Gern möchte irh Sic freilich noeh einmal sprechen.“ Lessing meinte mit dem, was Mcndclsoltn ״nicht alles gefallen“ würde, seine theologischen Schriften jener Zeit, von denen er wußte, daß sie Mendclsohits Billigung nicht finden konnten. Durch seine theologischen Studien war eine gewisse Entfremdung zwischen die Freunde getreten. Diese wurde nach Lessings Tod zu einem folgenschweren inneren Kampf für Mcndeisolin. Als Lcssing den jungen Mendclsohn in Berlin kennengelernt halte, schrieb er von ihm au Michaelis, den bekannten Göttinger Philosophen und Theologen: ״Seine Redlichkeit und sein philosophischer Geist läßt mich ihn Im voraus als einen zweiten Spinoza betrachten, dem zur völligen Gleichheit mit dem erstcren nichts als seine Irrtiimer fehlen werden." a-a «31 Müv. aciiAiimc 11*1» **״»/ uvi vjuiAfc ui'NM'iucn n07.a, nachdem das Leben 3ic enge Gemeinschaft zwiscl Lessmg; und Mendelssohn, wenn auch zeitweilig zu lockern doch nie aufzuheben vermochte, später sich trennend zwiscl den toten und den überlebenden Freund gestellt und Erschütterung darüber Mendclsohn! Leben zürn gebracht hat. 1״11•י‘••••1■•■״« 1־ uuu i-imosopn rrteuricn neinr ch c o b i hatte steh, nachdem in Weimar seine Ircundschaftli Beziehungen zu Goethe sich vorübergehend lösten, an einUC1״nh«״R״ Leasing hingebend «!geschlosst*!. Jacobi ein glühender,. Spinozist ujia ,Wj1r|) rb4, |.cs8it1g um Anc: mmg seiner Philosophie. Veranlaßt durch das Frscheinen vor! Goethes Gedicht ״Promdlints“ kam es am 5. Juli 1780 nyi. sehen Jacobi und lcssing zu einer Aussprache über Spin;,״ der Jacobi entnehmen zu können glaubte, daß Lcssing sich zy der Lehre Spinozas bekannt habe. Als nach Lessings Tod Jacobi hörte, McndeKohit habe di* Absicht, eine Biographie I.esMitgs zu schmbcii, wandte ה sich zwecks Austausch* des Wi-sens über l essings Gedanke!! an McihIcIsoIiii, und es entspann sich /,wischen ihm und Me!!, delsohu dadurch jener Briefwechsel, der später als Buch von Jacobi veröffentlicht wurde, das den Namen tragt: ״Ucbcr die Lehre des Spinoza in Briefen an dett Herrn Mendeholin* Auf Meiulelsolm machten die Enthüllungen Jacohis über tt$. sing* angeblich snino/istische Denkweise, die fortab heiß umstritten war und Im heute völlig ungeklärt geblichen ist, ein«! erschütternden Eindruck. Das Bekenntnis zu Spinoza, der Natur und Gott, in dem tr die Ursache allen Seim sicht, als Einheit annimmt, worau! er eine Vollkommenheit der von Gesetzmäßigkeit erfüllt(.!! Welt ablcitet, wurde zu damaliger Zeit als Atheismus gf, wertet. Mart verstand den wirklichen Pantheismus Spinoza! falsch und erfaßte seine Methaphvsik so wertig wie seinen strengen Determinismus. Mendelsohns Auffassung hat *kl! von der üblichen Betrachtungsweise unterschieden. Er kannte, daß Spinozas Weltbild ein rein pantlicistisches wir aber er lehnte diesen Pantheismus ab. ' Mciidelsnlin war ülnr/eugt, daß Jacobi l.esslng* Atufk■ Hingen über Spinoza mißverstanden haben mußte, denn Jacob1,! Auslegung kam einem Atheismus gleich, den Mondelsohn sich hei lcssing nicht vorzustellcn vermochte. Nicht dagegen wehrte er sich, daß Lcssing Spinozas pantheistische Auffassung seinem Denksystem (ungegliedert haben konnte, sondern tr kämpfte gegen Jacohis Klassifizierung Lessings in das gesamte System Spinozas. Und mit allen inneren Kräften lehnte er sich gegen das ,angeblich atheistische Bekenntnis Lessings auf, denn Atheist sein hieß Gott leugnen. Die Unsicherheiten, tu die Jacohis Eröffnungen Mendellohn versetzten, hatten zur Folge, daß Meiulelsolm den Piu seiner l.cssing-lliographic fallen ließ. Die Demütigung, di! der Gedanke für ihn barg, daß Lessing sich ihm in einer letztes Phase geistiger Entwicklung verschlossen haben sollte, konnte Mendclsohn nicht überwinden, und seine Lebenskraft verzehrt! sich daran. Er grämte sielt im wahren Sinne zu Tode. Bi! zuletzt hat er im Innersten die Jacobische Deutung jcdocit angezwcifelt, und noeh auf seinem Krankenlager, von den aus er zu Lessings Bild aufsah, hat sich der Glaube fest in «I! Bewußtsein cingegraben, daß man Lessing eher für einer. ,,Dumntkopf“ halten könnte, als für einen ״Spinozlsten, Atk!• isten und Gotteslästerer". Ergreifenden Ausdruck findet die erlittene Erschütterungu Mendelsohns Schrift: ״An die Freunde Lessings, ein Anhang zu Herrn Jacohis Briefwechsel über die Lehre des Spinoii* Eise Nathin. Volk und Land Jisrael, Volk und Land, Jüdische Anthologie, herausgegeb« vom Hcchaiuz, Deutscher Landesverband. Der ״Hechalttz“ mit seinen 15 000 Mitgliedern erfährt jeden Tag, welche Bildttngsattfgahcn heute bestehen. So »: es verständlich, daß er in seiner verlegerischen Tätigt(.; den anderen Organisationen voratiseilt. Dabei überschreite er immer mehr den Rahmen der geistigen Versorge,' seiner eigenen Mitglieder. Er hat sich jetzt zur Herauspx eines stattlichen Buches von 400 Seiten, in schöner Ai■ machung, entschlossen. Die vorliegende Anthologie britip Texte von der biblischen Zeit bis zur Gegenwart, welch! die Beziehung von Volk und Land aufzeigen. Die Vorred! de» Buches deutet bereits an, daß man damit einer wich■ tigen erzieherischen Aufgabe dienen will. Man beginnt heu;! vielfach die Geschichte des Zionismus — weil man 0 nicht anders weiß —- mit dem Jahre 1033. Demgegenüber will das vorliegende Buch die jahrhundertelange Geschieh:! der Zionslicbe zur Darstellung bringen und will anderer• selts dem Gesichtspunkt der nationalen Bewegung über privat! Nutzerwägungen hinaus zum Durchbruch verhelfen. Das Buch ist aus der Arbeit einiger Chawerim des Hechaluz entstanden, und es kann nicht wundern chm«:, daß einer solchen. Kollektivarbeit gegenüber noch gcwlm Wünsche offen bleiben. In der Uebcrsetning wird man über manches streiten können, insbesondere wenn eine Heraus■ hebttng biblischer Zitate aus späten Texten erfolgt; dies! Texte selber empfinden die Bibclstclicn ja nicht in unserem Sinn als Zitate. Vor allem aber hätten wir uns genauer! Bezeichnung der hebräischen Quellen, aus denen die lieber• Setzung entnommen ist, gewünscht. Jede Ucbcrsetzung soll ja ein pädagogisches Hinführen zum Urtext sein. _ r!11!> ו! ו u c s oucncs oeginnr mu cnm Redte biblischer Texte, die in der Btt berschen Ucbersctzun; wicdcrge^cben sind. Bitbcr hat auah einige bisher rtich: veröffentlichte Stücke ans der Uchersetzung beigesteuert■ Bei der Fülle des vorliegenden Materials muß notwendRer weise der das Altertum behandelnde Teil des Buches ein* beschränkte Auswahl treffen. Aus etwas späterer Zeit wolle? wir insbesondere den Bericht des Flavins Josephus über d:< Zerstörung׳ des Tempels, sowie das Stück aus dem Chasarea?I11 ״ es Cltasdai ihn Schaprut hervorheben. Danach folg« Mellen über die hnlachischc Bewertung Palästinas, sowie au! der Religionsphilosophie und religiösen Dichtung; vor all!״ r .,cke a״s ,Maimonides und das messtanische Oe clicbt Jehuda Halevis ״Die frohe Botschaft" hitigewte!«! Hier finden wir die berühmte Anmerkung Franz Rosen zwo? über den Messianismus. Die messianisohen Bewegungen koffl men vor allem in Stellen über Rcubeni timt Sabbat,11 Z*' zur Geltung. Einige Proben aus der oliassidischen Litera« laten nun zur Periode der Chowcwe Zion über: Heß, Lilie11 blttm, l msker und vor allem Ac.1tad llaam. Viele Texte, di bisher mir dem hebräisch Lesenden zugänglich waren, in* besondere über die Geschichte der Alijoth, sind hier übersetzt Ute tage der Bihiitn werden vor uns lebendig. Es folgt dt wichtige I ertode des ersten Kongresses, Stücke aus Flerzi t»1 Noruau, das Basler Programm. Vielleicht das Schönste, «6 t er deutsche Leser durch dieses Buch dazu gewonnen hd 1.Ar!<c v°" Bcrl Kaznclson, der in meisterhaft % TT S,tl!a,'0״ vor Beginn der zweiten AI!)* löt, C 110011 fol,Rcmlcn Stücke verdienten nnrncfß nkm rV0r^ l0bf׳' iu״wer11c״'' der diesem Abschnitt des Zio Stiiek«!!!“n'f Tcli dc* Buches ist fraglos der stärkst* ’Frnh״״!!" Oordon, Brenner, Arlosoroff, Berichte über dt Heeha »gftdCfDAne1t׳ lJber üie Wacht, den Beginn de ein h!eli P״n ■ T dor Kwuza'' «nd der Alijah gebe Prnblcm?d gU ״l d der Tgstcn Vergangenheit und 1Me ouieme. Dr. Hermann Oerson, ״Die Frau, die nicht enttäuscht", dieser neue Roman vom Max Urod, den wir in Nr. 87 vom 3t. 10. 33 und in Nr.00י vom 15. 12. 33 besprochen haben, ist soeben im Verlage vos f" j, lal> Wien, erschienen und von jetzt an ln allen Buch׳ Handlungen erhältlich.

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